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Mädchen und junge Frauen in Bildung und Ausbildung — Ausgewählte Aspekte

  • Ursula Nissen
  • Barbara Keddi
  • Patricia Pfeil

Zusammenfassung

Mädchen und junge Frauen äußern den Anspruch, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Eine eigenständige Lebensführung mit vielen Freiräumen und Möglichkeiten ist für sie selbstverständlich (Keddi u.a. 1999; Oechsle/ Geissler 1998; Pritzl 1996; Lemmermöhle 2001). Sie verstehen sich als Gestalterinnen ihrer eigenen Biographie. Allerdings zeigt sich, dass sie über die Konsequenzen der Einmündung in bestimmte Berufe und Berufsfelder kaum informiert sind. Zu oft werden junge Frauen in Berufen ausgebildet, die eine eigenständige ökonomische Existenz kaum erlauben. In vielen Fällen ist nach der Ausbildung eine Weiterqualifikation oder sogar Umschulung erforderlich. Damit werden andere Pläne aufgeschoben, bis die jungen Frauen beruflich Fuß gefasst haben. Insgesamt zeigt sich, dass viele Frauen bis zum Ende des 30. Lebensjahres oder darüber hinaus damit beschäftigt sind, ihre berufliche Situation zu stabilisieren. Betrachtet man die Berufseinmündung unter dem Aspekt der Ausdifferenzierung von Lebensentwürfen, erscheint eine einheitliche, unspezifische Berufsplanung für alle Mädchen wenig sinnvoll. Es lässt sich folgern, dass Maßnahmen und Projekte zur Erweiterung des weiblichen Berufsspektrums die unterschiedliche Bedeutung von Berufstätigkeit im Kontext der gesamten Lebensplanung im Auge behalten müssen, um den Bedürfnissen von jungen Frauen gerecht zu werden.

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Referenzen

  1. 14.
    Frauen sind nach wie vor in geringerer Weise als Männer am Erwerbsleben beteiligt. Die Erwerbsquote (Anteil der Erwerbspersonen an der gesamten Bevölkerung) betrug im April 1999 für die 15- bis unter 65-jährigen Männer 80,3 Prozent und für die Frauen gleichen Alters 63,8 Prozent (Statistisches Bundesamt). Unterschiede zeigen sich zwischen den alten und neuen Bundesländern. In den neuen Bundesländern fällt die Differenz zwischen Männern (1998: 80,2 Prozent) und Frauen (73,5 Prozent) deutlich geringer aus. Dennoch kann aus der höheren Erwerbsquote von Frauen in den neuen Bundesländern nicht auf eine wesentlich höhere Teilhabe von Frauen auf dem Arbeitsmarkt geschlossen werden, da gerade in den neuen Bundesländern die höhere Erwerbsquote mit hoher Arbeitslosigkeit gepaart ist.Google Scholar
  2. 15.
    Die aus der Handwerkstradition von unten entstandene Stufung der Berechtigungen nach Ausbildungsabschlüssen in Hilfskraft, Geselle und Meister (heute: Un-/Angelerate/r, Facharbeiterin und Spezialqualifikation auf mittlerer Ebene) und die von oben aus der Verwaltungsbürokratie entstandene Eingruppierung des öffentlichen Dienstes nach höherem, gehobenem, mittlerem und einfachem Dienst mit entsprechenden Bildungsabschlüssen (Krüger 1991:143).Google Scholar
  3. 16.
    Die regionale Entwicklung hinsichtlich der Berufsbereiche auf Länderebene findet sich in Kap. 1.2 des Berufsbildungsberichts 2000.Google Scholar
  4. 17.
    Krüger (1991) zeigt, dass das Berufsbildungssystem eine „horizontale Dreifachstruktur“ (1991: 161) aufweist: das duale System, das Schulberufssystem und das „Moratoriumssystem“ (zum Nach- und Vorholen von Qualifikationen bei Übergangsproblemen in den Ausbildungsmarkt). Allerdings wird in der folgenden Darstellung der Aspekt des „Moratoriums“ weitgehend vernachlässigt, weil er nicht direkt in eine qualifizierte Berufstätigkeit führt. Während dieses letztgenannte Segment konjunkturabhängig ist, folgen die Unterschiede in den ersten beiden Segmenten (dem dualen System und der vollschulischen Ausbildung) strukturellen Grundmustern in der Ausbildung von Mädchen und Jungen (ebd.), wie sich auch aus den Zahlen zur Ausbildungssituation von Jungen und Mädchen ablesen lässt.Google Scholar
  5. 18.
    Auch bei den Jungen ist die Beliebtheit des Faches in den neuen Bundesländern größer: Hier wählten 60 Prozent Mathematik als Leistungsfach gegenüber 45 Prozent in den alten Bundesländern.Google Scholar
  6. 19.
    Zur Struktur des Berufsbildungssystems und der Ausbildung von Mädchen (bzw. jungen Frauen) vgl. auch Ostendorf (2001).Google Scholar
  7. 20.
    Der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen wird besonders deutlich, betrachtet man die Auszubildenden nach ihrem Bildungsabschluss. So finden sich männliche Hauptschulabsolventen deutlich häufiger in einer betrieblichen Ausbildung als Hauptschülerinnen, die 1996 zu rund einem Viertel andere Ausbildungswege wählten.Google Scholar
  8. 21.
    Ebenso wie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt in den neuen Ländern sind Frauen auch im Ausbildungssystem Männern unterlegen. Aus der betrieblichen Ausbildung wurden sie in außerbetriebliche Maßnahmen, in weiterführende Schulen oder Berufsfachschulen abgedrängt. Dabei stellt Schober (1996) fest, dass die jungen Frauen aus den neuen Bundesländern nicht bevorzugt eine schulische Berufsausbildung anstreben. Sie haben erheblich größere Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz als junge Männer. Haben sie dann einen Ausbildungsplatz erhalten, entspricht er viel häufiger als bei Jungen nicht ihren Berufswünschen. Auch sind ihre Übernahmechancen nach der Ausbildung deutlich geringer als die der männlichen Kollegen (Schober 1994, 1996).Google Scholar
  9. 22.
    Rund 80 Prozent der Berufe, die im dualen System erlernt werden können, fallen in die Kategorie „Männerberuf“.Google Scholar
  10. 23.
    Durchschnittlich verdienten die Auszubildenden in den neuen Bundesländern im Jahr 1999 944 DM im Monat, in den alten Bundesländern 1088 DM, wobei die Ausbildungsvergütungen nicht nur zwischen den Berufen, sondern auch innerhalb der Berufe je nach Region und Wirtschaftszweig erheblich variieren. Tarifliche Ausbildungsvergütungen gelten zudem nur in der betrieblichen Ausbildung, in der außerbetrieblichen Ausbildung werden meist deutlich niedrigere Vergütungen bezahlt (BMBF 2000:119).Google Scholar
  11. 24.
    Die Gründe dafür dürften nicht unbedingt in einer bewussten Auswahl der Berufe liegen, sondern vielfach Reaktion auf ein beschränktes Angebot sein. Hier sei auf die Diskrepanz hingewiesen, die zwischen Ausbildungsplatz und Berufswahl besteht. So wird z.B. im Entwurf des Handlungskonzepts zur Förderung von Mädchen und jungen Frauen in zukunftsorientierten Berufen festgestellt, dass sich „wie im Vorjahr... die Mehrzahl der Bewerberinnen auf sogenannte ‚frauentypische‘ Berufe im Büro- und Dienstleistungsbereich festgelegt [hat; Anm. d. Aut.]....Dies weist auf einen relativ engen Kreis von Berufen hin, zwischen denen sich die Bewerberinnen entscheiden. Das Interesse für die Ausbildung in gewerblich-technischen Berufen scheint dagegen relativ gering“ (BiBB 1999: 12). Diese Interpretation ist verkürzt, lässt sie doch offen, welche Optionen den Mädchen geboten oder verwehrt wurden. Auf die Aspekte, die hinsichtlich der Berufswahl wirksam werden, wird in Kapitel 5 eingegangen.Google Scholar
  12. 25.
    Anhand von Zeitverlaufsstudien (zwischen 1980 und 1990) weist Engelbrech (1996) darauf hin, dass auch innerhalb der „Männerberufe“ eine geschlechtsspezifische Segregation stattfindet. Dies sind oftmals Berufe mit unterdurchschnittlichen Verbleibsmöglichkeiten im Beruf und Betrieb. Daneben kam es im Laufe der 80er Jahre aber auch zu einem Anstieg des Frauenanteils in qualifizierteren und besser bezahlten „Männerberufen“ (1996: 75). Am Beispiel des/der Schriftsetzerin lässt sich die Veränderung des Berufs aufzeigen. Der Frauenanteil bei den Auszubildenden ist innerhalb von 20 Jahren von 21 Prozent im Jahr 1978 auf 54 Prozent im Jahr 1998 gestiegen; gleichzeitig sank die Anzahl an Auszubildenden durch Einführung neuer Technologien von 1987 bis 1998 um rund zwei Drittel auf 830 Auszubildende (Berufsbildungsbericht 2000: 72).Google Scholar
  13. 26.
    An dieser Stelle werden keine Aussagen zum Berufsvorbereitungs- und Berufsgrundbildungsjahr getroffen.Google Scholar
  14. 27.
    Auch der Anteil der Schülerinnen an Ausbildungsgängen nach BBiG und HwO ist überdurchschnittlich, im gleichen Zeitraum (Schuljahr 1998/99) betrug er 60 Prozent.Google Scholar
  15. 28.
    Zum Teil liegen hier KMK (Kultusministerkonferenz)-Rahmenvereinbarungen vor, die als Regelungsgrundlage dienen (Kupka 2000: 143).Google Scholar
  16. 29.
    Vergleichbar mit Fachschulen sind die Fachakademien in Bayern; von allen Schülerinnen waren 1998 82 Prozent Frauen (Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Reihe 2), die überwiegend zur Erzieherin ausgebildet wurden. Der Frauenanteil betrug hier 82,2 Prozent.Google Scholar
  17. 30.
    Der Beruf der HauswirtschaftshelferIn wird in Bayern und Sachsen-Anhalt als Hauswirtschaftliche Helferin, in Baden-Württemberg und Bremen als Hauswirtschaftstechnische BetriebshelferIn, als Helferin der Hauswirtschaft (in Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt) oder als Hauswirtschaftshelferln städtischer Bereich (in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen) bezeichnet (Degenkolb 2000: 124).Google Scholar
  18. 31.
    Eine Qualifikation als Hauswirtschafterin wird in Rheinland-Pfalz als Hauswirtschaftsassistentin, in Nordrhein-Westfalen als hauswirtschaftlich-technische/r Assistentin bezeichnet (Degenkolb 2000: 124f.). Daneben lässt sich die unterschiedliche Bezeichnung gleicher Tätigkeiten auch an anderen Berufsbezeichnungen wie etwa der „SozialbetreuerIn“ (in Bayern) als Beispiel heranziehen; so meint die „Staatlich geprüfte Fachkraft für Hauswirtschaft und Sozialpflege“ in Schleswig-Holstein nichts anderes (Kupka 2000).Google Scholar
  19. 32.
    Krankenpflegeberufe nehmen innerhalb der vollzeitschulischen Ausbildung eine Sonderstellung ein: Qualifizierung und Arbeitskräfteeinsatz liegen in einer Hand. Die Prüfung wird nicht, wie in anderen Berufen, durch Kammern kontrolliert (Lemmermöhle u.a. 1994: 54), sondern unterliegen dem Bundesgesetz als Einzelberufsgesetz. Auch der Beruf der Hebamme fällt unter dieses Gesetz.Google Scholar
  20. 33.
    Betrachtet man die einzelnen Ausbildungsgänge in den Berufen des Gesundheitswesens, zeigt sich, dass mit Ausnahme der Krankenpflege kein anderer Ausbildungsgang in allen Bundesländern vertreten ist (BMBF 2000: 284f.).Google Scholar
  21. 34.
    Insgesamt lässt sich eine Zunahme der Schülerinnenzahl seit 1991 an den Berufsfachschulen verfolgen. Die anderen Fachschulen dagegen erlebten seit 1991 einen Rückgang der absoluten Schülerzahl um 2,4 Prozent bis 1998, doch der Frauenanteil stieg in den Jahren 1991 bis 1998 von 36,8 Prozent auf 56,1 Prozent (Statistisches Bundesamt 2000). Hier ist deshalb zu differenzieren: An den Fachschulen für Dienstleistungsberufe stieg die Zahl der Schülerinnen um 90 Prozent an, während sie in den technischen Fachschulen um 46 Prozent und in den Fachschulen für Land-, Tier- und Forstwirtschaft und Gartenbau und in Fachschulen für Fertigungsberufe um rund 30 Prozent sank (Statistisches Bundesamt 2000). Expansive Zuwächse gibt es in den Bereichen, die den Umgang mit neuen Technologien erfordern (BMBF 2000: 82).Google Scholar
  22. 35.
    Im Ausbildungsgang zur Chemisch-technischen Assistenz (CTA) waren 1998 47 Prozent Mädchen, während in den sonstigen Chemieberufen, die im dualen Ausbildungssystem erlernt werden können, nur 15,2 Prozent der Auszubildenden weiblich waren.Google Scholar
  23. 36.
    Seit 1990 ist ein Rückgang der Doppelqualifizierung zu erkennen (Bund-Länder-Kommission 2000). Von den Studienberechtigten hatten 1996 21 Prozent Männer gegenüber 12 Prozent Frauen bereits vor Erreichen der Hochschulzugangsberechtigung eine Berufsausbildung absolviert.Google Scholar
  24. 37.
    In den alten Bundesländern wollten 1996 nur 63 Prozent der Frauen und 72 Prozent der Männer ein Studium aufnehmen; in den neuen Bundesländern ist diese Zahl noch geringer, nur 56 Prozent der berechtigten Frauen und 66 Prozent Männer waren studierwillig.Google Scholar
  25. 38.
    Studierende sind die in einem Fachstudium immatrikulierten (eingeschriebenen) Personen ohne Beurlaubte und Gasthörer.Google Scholar
  26. 39.
    In der Prüfungsstatistik werden die von den Studierenden abgelegten Abschlussprüfungen erfasst. Dabei wird unterschieden zwischen (Universitäts-)Diplomprüfungen, Promotionen, Lehramtsprüfungen und Fachhochschulabschlüssen. Studierende mit bestandener Abschlussprüfung werden als Hochschulabsolventen bezeichnet.Google Scholar
  27. 40.
    Allerdings setzt sich der hohe Anteil an Akademikerinnen bislang nicht in den Vollzug wissenschaftlicher Laufbahnen um (von Stebut 2000; Wetterer 1992, 1995). Faktisch sinkt der Frauenanteil mit zunehmender Qualifikation. Wenngleich in allen Stufen der akademischen Laufbahn die Frauenanteile ansteigen (bei den im Jahre 1998 abgeschlossenen Habilitationsverfahren betrug der Frauenanteil 15,3 Prozent) scheint eine Annäherung noch in weiter Ferne. Ende 1998 lehrten an den Hochschulen in Deutschland insgesamt 37 626 Professoren und Professorinnen (Frauenanteil 9,5 Prozent), darunter 12 370 (Frauenanteil 5,9 Prozent) in der höchsten Besoldungsstufe (C4).Google Scholar
  28. 41.
    Zu beachten ist, dass diese Zahlen hochaggregiert sind, die Differenzierungen zwischen den Studiengängen als auch die Spezifizierungen innerhalb der Studiengänge sind erheblich.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2003

Authors and Affiliations

  • Ursula Nissen
  • Barbara Keddi
  • Patricia Pfeil

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