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Zur Bedeutsamkeit des sozialen Vergleichs mit deutschen Frauen für die Akkulturation von Migrantinnen in der Bundesrepublik Deutschland — Eine empirische Studie —

  • Angelika Schmidt-Koddenberg
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Zusammenfassung

Nachdem in Teil II der situative Rahmen für den Akkulturationsprozeß von Migrantinnen in der Bundesrepublik präzisiert wurde, ist in der anstehenden empirischen Untersuchung die subjektive Verarbeitung ihrer Migrationserfahrungen Gegenstand der Analyse. Um die Entwicklungen innerhalb der beiden Akkulturationsdimensionen ‚Integration‘ und ‚Assimilation‘ für Migrantinnen spezifizieren zu können, wird es erforderlich sein, auch solche Indikatoren zu berücksichtigen, die dem weiblichen Lebenszusammenhang in einem stärkeren Maße Rechnung tragen als dies im allgemeinen in der bisherigen Migrationsforschung der Fall ist. Ausgehend von unserem Verständnis von Akkulturation als einem Prozeß kontinuierlicher Identitätsbildung, die sich im Rahmen sozialer Interaktion vollzieht, findet nachfolgend der Aspekt der sozialen Identität als Frau eine besondere Berücksichtigung. Die vorangegangenen Ausführungen haben bereits einige zentrale Identitätsaspekte, die migrationsbedingt zur Disposition stehen, angedeutet. Dabei stellt sich die Frage, wieweit in diesem Prozeß der Identitätsveränderung die deutschen Frauen als „significant others“ für die Migrantinnen von Bedeutung sind.

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Anmerkungen

  1. 1.
    An dieser Stelle sei vor allem auf die Forschungstraditionen der Soziolinguistik, aber auch der Ethnomethodologie verwiesen, die sich mit dem gesellschaftlichen Charakter von natürlicher Sprache als Mittel zwischenmenschlicher Verständigung im Rahmen einer jeweils bestimmten Gesellschaftsformation befaßten. Exemplarisch hierfür seien die Arbeiten von Bernstein 1962; Trömmel-Plötz 1980; Cicourel 1975 genannt.Google Scholar
  2. 2.
    Sie hatten in vorhergehenden Projektphasen bereits mitgearbeitet.Google Scholar
  3. 3.
    Die Schwierigkeit einer kritisch-reflexiven, aber kooperativen Zusammenarbeit von Interviewerinnen und den hauptberuflichen Projektmitarbeitern dokumentiert auch die projektbegleitende methodologische Studie von Bau-van der Straeten 1985.Google Scholar
  4. 4.
    Gewonnen wurde das Sample der türkischen Befragten im Rahmen eines von der VW-Stiftung geförderten Forschungsprojekts, das sich mit den Auswirkungen einer Teilnahme an sozialpädagogisch orientiertenGruppen und Kursen beschäftigt, die sich gezielt an ausländische Frauen und Mädchen richten. Für die ausführliche Ergebnispräsentation vgl. Schmidt-Koddenberg/ Fischer /Bau-van der Straeten 1987.Google Scholar
  5. 5.
    Entsprechend der Projektfragestellung orientierte sich die aufgestellte Erhebungsquote an der Zusammensetzung der unterschiedlichen Kursarten, die jedoch für die vorliegende Fragestellung irrelevant ist.Google Scholar
  6. 6.
    Dies bestätigte auch eine ebenfalls im Rahmen unseres Projekts durchgeführte Umfrage unter Kursleiterinnen von Ausländergruppen.Google Scholar
  7. 7.
    Die Erhebung konnte unter der Leitung der Verfasserin im Rahmen eines Forschungsprojektes für Psychologiestudenten des Hauptstudiums realisiert werden (vgl. dazu den Projektabschlußbericht: Schmidt-Koddenberg et. al. 1986)Google Scholar
  8. 8.
    Sollte die reale Altersverteilung der weiblichen Bevölkerung abgebildet werden, müßte die Stichprobe zur Hälfte aus „älteren“ Frauen bestehen: 52% der deutschen Frauen sind über 40 Jahre, und knapp 20% bereits über 65 Jahre als (Statistisches Bundesamt 1985).Google Scholar
  9. 9.
    Allerdings gilt es zu berücksichtigen, daß die türkische Stichprobe deutlich mehr jüngere Frauen umfaßt.Google Scholar
  10. 10.
    Bei einer repräsentativen Meinungsumfrage unter Türkinnen in Berlin waren Dritte sogar in 73% aller Interviews zugegen (Landespressedienst Berlin 1984).Google Scholar
  11. 11.
    Die Validität der verwendeten Items wurde itemanalytisch überprüft. Bis auf eine Ausnahme (Fremdbild der Türkinnen über Deutsche) wurde in allen überprüften „Bildern“ die Stabilität der GRW-Skala mit Konsistenzwerten von a =.60 bis a =.81 bestätigt.Google Scholar
  12. 12.
    Dabei liegt die Besonderheit der sozialen Kategorisierung gegenüber der nicht-sozialen Kategorisierung in der Rolle von Werten, die mit wertneutralen Merkmalsdimensionen assoziiert werden, womit sich dann soziale Kategorien im Hinblick auf ihre Wertkonnotationen unterscheiden lassen (vgl. Tajfel 1975, 353 ff.).Google Scholar
  13. 13.
    Ein sicher sehr interessanter Vergleich mit dem „vermuteten Selbstbild“ der Türkinnen ist uns leider nicht möglich, da wir aus befragungstechnischen Gründen hier über entsprechende Daten verfügen.Google Scholar
  14. 14.
    Alle Profile der folgenden „Bilder“ basieren auf der Berechnung der Gruppendurchschnittswerte.Google Scholar
  15. 15.
    Die statistische Überprüfung auf signifikante Unterschiede erfolgte für die hier genannten Verfahren mittels des t-Test Verfahrens.Google Scholar
  16. 16.
    Prokop (1976) kommt anhand empirischer Daten zu dem Befund, daß in Warengesellschaften insbesondere der Konsum von Frauen sowohl auf individueller wie auf gesellschaftlicher Ebene wichtige soziale Funktionen erfüllt: „,Modernität‘ in Mode und Warenwelt ist für die Frauen (aller Schichten) eine gratifizierende Kompensation der im Alltag vorherrschenden Zeitlosigkeit. Das Alltagsleben der Frauen wird durch das,Neue‘,,Moderne‘ strukturiert, wie es in Mode und Konsum auftritt. Das imaginative Angebot von Mode und Konsum hat die Funktion, die Sehnsucht der Frauen (aller Schichten) nach Öffentlichkeit und Bedeutung, nach Repräsentation und folgenreichem Handeln zu kanalisieren“ (1976, 123).Google Scholar
  17. 17.
    Anders als wir verwendet Manz (1968) zur Einstellungserfassung die in der Stereotypenforschung üblichen Listen mit positiven und negativen Eigenschaften. Auf dieser Verfahrensbasis kann er dann später „Schwarz-Weiß-Maler“ und „Differenzierte Urteiler” identifizieren und klassifizieren, die den Ausgangspunkt bilden für differenziertere Analysen, als sie bis dahin in dieser Forschungstradition üblich waren. — Seine spezifische Vorgehensweise ist auf die von uns verwendete Skala mit ihren neun Merkmalsdimensionen von weiblicher Geschlechtsrolle nicht unmittelbar übertragbar. Doch gab sie den Anstoß und Denkanleitungen für eine Typenbildung auf der Basis der individuell erlebten sozialen Distanzen.Google Scholar
  18. 18.
    Dem ging die mittels einer Itemanalyse (vgl. Lienert 1969) erhaltene Bestätigung über die beabsichtigte Eindimensionalität der in Relation gesetzten Selbstbild/Fremdbild-Merkmale voraus (vgl. die Trennschärfen und Konsistenzwerte in Tabelle 5).Google Scholar
  19. 19.
    Die Einteilung der Klassen orientierte sich an den durchschnittlichen individuellen Distanzwerten. Die Wahrnehmung einer „geringen“ Gesamtdistanz bedeutet eine durchschnittliche Distanz von 0 bis 2,5 Punkte pro Merkmal, die einer „mittleren” Gesamtdistanz basiert auf durchschnittlichen Distanzen zwischen 2,5 und 4 Punkten pro Merkmal, und wahrgenommene „große“ Gesamtdistanzen bedeuten eine durchschnittliche Distanz von mehr als 4 Punkten pro Merkmal.Google Scholar
  20. 20.
    Hierfür ist analog der Typisierung über subjektiv erlebte soziale Distanzen eine Klassifizierung des subjektiven „Verständnisgefühls“ vorgenommen worden (SB-VSB). Nach der itemanalytischen Überprüfung (a =.80) wurden die individuellen „Verständniswerte” addiert und anhand derselben Grenzkriterien wie bei der Distanzwahrnehmung zu Klassen zusammengefaßt.Google Scholar
  21. 21.
    Aus Gründen der Vereinheitlichung steht im laufenden Text für alle Korrelationskoeffizienten das Kürzel „r“. Je nach Skalenniveau der Variablen wurde mit dem Contingenzkoeffizienten, Eta, Spearman’s Korrelationskoeffizienten oder mit dem Pearson’s Korrelationskoeffizienten gearbeitet.Google Scholar
  22. 22.
    Der in der Itemanalyse ermittelte Konsistenzwert für die so konstruierte „Skala“ beträgt für die türkische Stichprobe a =.76 und für die deutsche Stichprobe a =.63, was auf die gewünschte Eindimensionalität der Skala schließen läßt.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. dazu die Idealbild-Selbstbild-Bewertung auf Basis der jeweiligen Gruppendurchschnittswerte in Abb. A1.1 und A1.2 in Anhang 1.Google Scholar
  24. 24.
    Um festzustellen, ob die fünf Items einer gemeinsamen Dimension zuzuordnen sind, wurde eine Itemanalyse durchgeführt. Die Trennschärfen (vgl. obige Tabelle) wiesen ein eben noch befriedigendes Niveau auf. Die Konsistenz der Skala (a =.56) liegt auf dem untersten Podest, was man nach der klassischen Testanalyse (Lienert 1969) als akzeptabel für die Untersuchung von Gruppen bezeichnen kann. Im Hinblick auf die außerordentliche Kürze dieser Skala wird man sie dennoch als einen brauchbaren Index zur Unterscheidung von Zufriedenheit in der befragten Population ansehen können. Damit ist die Skala geeignet, — nach Zuordnung eines quasi-Intervall-Skalenniveaus — als Gesamtindikator für die allgemeine Lebenszufriedenheit von türkischen Migrantinnen in der Bundesrepublik interpretiert zu werden.Google Scholar
  25. 25.
    Nachfolgend nehmen wir Bezug auf eine Befragung alter Menschen zu ihrer Lebenszufriedenheit (Fischer 1976). In einer Faktorenanalyse der vollständigen LSI-Skala luden hier die beiden von uns verwendeten Items V 45 und V 46 auf einem gemeinsamen Faktor, der hier (unter Hinzuziehung eines weiteren Items) als,Apathie‘ bezeichnet wurde. Die hier zusammengefaßten Items zeugen alle von einer geringen Kontrollüberzeugung der Befragten. Das unverändert übernommene Item V 48 lud auf einem Faktor, der mit,Erfolgsgefühl‘ bezeichnet wurde und dessen Items zum Ausdruck brachten, daß die Befragten zielorientiert waren. Die beiden Items V 47 und V 49 schließlich sind auf die spezifische Migrationssituation in der Bundesrepublik bezogen.Google Scholar
  26. 26.
    Für detaillierte Vergleiche der Ergebnisse beider Studien vgl. Schmidt-Koddenberg /Fischer/Bau-van der Straeten 1987, 140 ff.Google Scholar
  27. 27.
    Die Ermittlung erfolgt analog der Indexbildung,Gesamtdistanzwert‘ (vgl. oben S. 181). Theoretisch sind rechnerische Gesamtwerte zwischen -72 und +72 möglich. Prinzipiell gilt: je niedriger der Gesamtwert, desto stärker das gesamte Ausmaß an Assimilationsneigung und je höher der Gesamtwert, desto stärker die nicht-assimilative Frauenrollenorientierung insgesamt. Faktisch erzielten die türkischen Befragten Gesamtwerte zwischen -49 und +26 Punkten.Google Scholar
  28. 28.
    Vergleichend sei hier auf die hypothetisch postulierten Zusammenhänge verwiesen, die in Abb. 5, S. 156 veranschaulicht sind. albertragen auf dieses Schema lautete die Hypothese für die erste Gruppe („Nähe“) in beiden Akkulturationsdimensionen durchgängig „hoch” und für die zweite Gruppe („Distanz“) durchgängig „niedrig”.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Angelika Schmidt-Koddenberg

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