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Die hessische Landes- und Regionalplanung und ihre Grenzen

  • Theo Schiller

Zusammenfassung

Für eine längerfristige Bilanzierung hessischer Landespolitik dürfte die Landesentwicklungs- und Regionalplanung aus mehreren Gründen von besonderem Interesse sein. Erstens ging es bei diesen Planungsansätzen um eindrucksvolle Versuche der politischen Modernisierung und Rationalisierung, und bei ihrer Entstehung, Durchführung und Modifizierung um aufschlußreiche Prozesse und Konfliktstrukturen, die schon für sich genommen eine Betrachtung lohnen. Zweitens hat das Land Hessen mit seinem früh eingerichteten und komplex entwickelten Planungssystem bundesweit einen auf sozialen Fortschritt zielenden Vorbildanspruch demonstriert, der nicht zuletzt auch die Ambitionen der SPD auf bundespolitische Regierungsfähigkeit unterstützte, freilich dann in den Krisenentwicklungen der 70er Jahre umgekehrt in die sozial-liberal verwalteten Grenzen des Machbaren verstrickt wurde. Drittens bietet das Thema Landesplanung für eine politikwissenschaftliche Bilanz einen gewissen (vorläufigen) Ausweg aus einer Verlegenheit: leider muß man nämlich feststellen, daß es zu landespolitischen Sachthemen, Fachpolitiken und Politikfeldern für Hessen fast keine politologischen Arbeiten gibt — offenbar muß schon eine sehr hohe, überregional bedeutsame Konfliktintensität erreicht sein, damit Politologen sich über den wohl auf landespolitischen Themenstellungen lastenden Provinzialitätsverdacht hinwegsetzen (z.B. Startbahnkonflikt, Gebietsreform o.ä.). Landes- und Regionalplanung hat erfreulicherweise etwas mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Viertens kann man hieran die Überlegung anschließen, daß in der Landes- und Regionalplanung ja der Sache nach Fachpolitiken/Politikfeldprozesse integriert werden müssen, daß hier also auch eine zentrale, an den Integrationsproblemen ansetzende analytische Zugangsschneise zu den politologisch vernachlässigten landespolitischen Politikfeldern gefunden werden kann. Nachdem in dem vergangenen Jahrzehnt der „Policy-Ansatz“ (vgl. Hartwich (Eds.) 1985) breite Ausarbeitung und Anwendung erfahren hat, bietet sich hier vielleicht ein Einstieg für die längst fälligen politikwissenschaftlichen Untersuchungen zur Landespolitik auch in Hessen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

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  • Theo Schiller

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