Advertisement

„Wir hatten den Vorteil, daß wir am Nullpunkt waren; es war alles kaputt, was wir gehaßt hatten.“ — Politische Aktivität von Frauen in Hessen nach 1945

  • Ingrid Langer

Zusammenfassung

Als meine Mitarbeiterinnen und ich uns auf die Suche machten nach den politischen Spuren von Frauen in Hessen nach 1945, fanden wir in der Sekundärliteratur ein Bild vor, das ich Ihnen aus wissenschaflichen, aber auch aus „frauenforschungsdidaktischen“ Gründen (ich weiß nicht, ob es „Frauenforschungs-Didaktik“ schon gibt, nach allem scheint sie mir sehr nötig zu sein), das ich Ihnen also keinesfalls und auch nicht in seinen ermüdenden Details ersparen will. Ich könnte es mir einfach machen mit der Feststellung: Frauen und Frauen betreffende Fragen werden in der allgemeinen politologisch-historischen Uberblicks-Literatur, die die Zeit nach 1945 in Hessen zum Gegenstand hat, nicht behandelt, nicht jedenfalls über das Gattungswesen Hausfrau, Mutter, Trümmerfrau hinaus — kaum als Wählerin, und auch als solche wird ihnen, gelinde gesagt, nur eine Randexistenz eingeräumt. Als politische Akteurinnen tauchen Frauen auch dann nicht auf, bzw. werden keiner eingehenderen Behandlung gewürdigt, wenn sie, wie Dr. Elisabeth Selbert, maßgeblich an der Hessischen Verfassung, später im Landtag und im Parlamentarischen Rat mitgearbeitet haben, oder wie Maria Sevenich, Gründungsmitglied der Darmstädter CDU, eine sehr eigenwillige und politisch durchaus einflußreiche Biographie aufweisen.1

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Rüchenschmidt, Heinrich: Gründung und Anfänge der CDU in Hessen. Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte, Nr. 42, Darmstadt u. Marburg 1981. und Gurland, Arkadij R.L.: Die CDU/CSU. Ursprünge und Entwicklung bis 1953. Hrsg. von Dieter Emig, Frankfurt/M 1980.Google Scholar
  2. 2.
    Ansätze einer Bestandsaufnahme sind durch die Arbeiten von Annette Kuhn und ihren Mitarbeiterinnen durchaus vorhanden; allerdings beziehen sich diese nicht auf Hessen. Vgl. dazu: Frauen in der deutschen Nachkriegszeit. Herausgegeben von Annette Kuhn, 2 Bde., Band 1 Doris Schubert: Frauenarbeit 1945–1949. Quellen und Materialien. Düsseldorf 1984. — Band 2: Frauenpolitik 1945–1949. Quellen und Materialien. Unter Mitarbeit von Anna-Elisabeth Freier, Andrea Hauser u.a., Düsseldorf 1986.Google Scholar
  3. 3.
    Geiger, Ruth-Esther u. Sigrid Weigel: Sind das noch die Damen? Vom gelehrten Frauenzimmer-Journalismus zum feministischen Journalismus, München 1981, S. 11.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Strecker, Gabriele: Hundert Jahre Frauenbewegung in Deutschland. Hrsg. vom Büro für Frauenfragen in der Gesellschaft zur Gestaltung des öffentlichen Lebens, Wiesbaden, o.J. (1952); dies.: Der Weg der Frau in die Politik, Bonn 1975; dies.: Überleben ist nicht genug. Frauen 1945–1950. Freiburg 1981.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. Langer-El Sayed, Ingrid: Familienpolitik. Tendenzen, Chancen, Notwendigkeiten. Ein Beitrag zur Entdämonisierung, Frankfurt/M. 1980, S. 89ff. und Langer, Ingrid: Die Mohrinnen hatten ihre Schuldigkeit getan ... Staatlich-moralische Aufrüstung der Familien. In: Die fünfziger Jahre. Beiträge zu Politik und Kultur. Hrsg. v. Dieter Bänsch, Tübingen 1985, S. 108–130.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Langer-El Sayed, Ingrid: Frau und Illustrierte im Kapitalismus. Die Inhaltsstruktur von illustrierten Frauenzeitschriften und ihr Bezug zur gesellschaftlichen Wirklichkeit, Köln 1971; Perlonzeit. Wie die Frauen ihr Wirtschaftswunder erlebten. Hrsg. v. Elefanten Press, Angela Delille u. Andrea Grohn, Berlin 1985; - Unbekannte Wesen. Frauen in den 60er Jahren. Hrsg. v. Bärbel Becker u. Elefanten Press. Berlin 1987; - Schmidt-Harzbach, Ingrid: Nachkrieg I. In: „Courage“, Nr. 7–10, 1982.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. dazu: Stenografische Berichte über die Verhandlungen des Verfassungsausschusses der Verfassungsberatenden Landesversammlung in Groß-Hessen, Wiesbaden 1946, 3. Sitzung v. 14. B. 1946, S. 97ff. u. 5. Sitzung v. 20. B. 1946, S. 115ff.Google Scholar
  8. 8.
    Frauenalltag und Frauenbewegung im 20. Jahrhundert, Materialsammlung zu der Abteilung 20. Jahrhundert im Historischen Museum Frankfurt/M., 4 Bde., Frankfurt/M. 1980.Google Scholar
  9. 9.
    Strecker, Gabriele, (1952), a.a.O., S. 33.Google Scholar
  10. 10.
    Strecker, Gabriele, 1981, a.a.O., S. 16.Google Scholar
  11. 11.
    Strecker, Gabriele, (1952), a.a.O., S. 33ff.Google Scholar
  12. 12.
    Schäfer, Cilly: Für die Genossen. Autobiographische Erinnerungen. Marburg 1970. Handschriftliches Originalmanuskript. Die korrekte Schreibweise des Namens Schäfer ist nicht eindeutig feststellbar; es finden sich Schafer und Schaefer. Frau Schäfer hat selbst beide Formen benutzt. Wesentlich häufiger ist allerdings Schafer, so daß wir uns für diese Form entschieden haben.Google Scholar
  13. 13.
    Berthold, Luise: Erlebtes und Erkämpftes. Ein Rückblick, Marburg 1969.Google Scholar
  14. 14.
    Schütt, Ulrich: Der Neubeginn der Frauenbewegung nach 1945: Eine lokale Fallstudie an Hand der Marburger Presse von 1946–1953. Staatsexamensarbeit im Fach Geschichte, Philipps-Universität Marburg, 1986, unveröffentlichtes Maschinenscript. Und vgl. auch: Die Kinder des roten Großvaters erzählen. Hrsg. v. Erasmus Schäfer, Frankfurt/M 1976.Google Scholar
  15. 15.
    Schmidt-Harzbach, Ingrid: a.a.O., S. 36.Google Scholar
  16. 15.
    a In der uns bekannten Literatur ist immer von neun Musen die Rede. Nach Auskunft von Freda Gräfin Solms gehörte sie nicht zu den Marburger Musen. Bis jetzt konnten wir nicht ermitteln, wer die neunte Muse war, bzw. ob es tatsächlich neun waren.Google Scholar
  17. 16.
    Vgl. zu beiden Berthold-Zitaten: Luise Berthold. Eine Festschrift zu ihrem neunzigsten Geburtstag. Hrsg. v. Deutschen Akademikerinnenbund e.V. Bearbeitet von Gunda Georg, Anne Schilling und Christina Vanja, Marburg 1981, S. 17.Google Scholar
  18. 17.
    Zitat nach: Schäfer, Cilly, a.a.O.Google Scholar
  19. 18.
    Schäfer, Cilly, a.a.O.Google Scholar
  20. 19.
  21. 20.
    Die Kinder des roten Großvaters erzählen, a.a.O., S. 179.Google Scholar
  22. 21.
    Ebd., S. 179.Google Scholar
  23. 22.
    Schäfer, Cilly, a.a.O.Google Scholar
  24. 23.
    Ebd. Hier ist die Erinnerung von Cilly Schäfer ungenau. Nach Auskunft von Freda Gräfin Solms wurde tatsächlich in ihrem Garten gekocht, das Essen war jedoch nur für die in ihrem Haus untergebrachten Flüchtlinge bestimmt.Google Scholar
  25. 24.
  26. 25.
    Die Kinder des roten Großvaters erzählen, a.a.O., S. 180.Google Scholar
  27. 26.
    Schütt, Ulrich, a.a.O., S. 21.Google Scholar
  28. 27.
    Schäfer, Cilly, a.a.O.Google Scholar
  29. 28.
    Luise Berthold. Eine Festschrift ... a.a.O., S. 22.Google Scholar
  30. 29.
    Dazu: Schäfer, Cilly, a.a.O.Google Scholar
  31. 30.
    Vgl. Schütt, Ulrich, a.a.O., Kapitel 4.Google Scholar
  32. 31.
    Ebd., S. 22.Google Scholar
  33. 32.
    Ebd., S. 23.Google Scholar
  34. 33.
    Ebd., S. 28.Google Scholar
  35. 34.
    Ebd., S. 31.Google Scholar
  36. 35.
    „Marburger Presse“ vom 10. 5. 1950.Google Scholar
  37. 36.
    Die Kinder des roten Großvaters erzählen, a.a.O., S. 184.Google Scholar
  38. 37.
    Ebd., s. 184.Google Scholar
  39. 38.
    Schäfer, Cilly, a.a.O.Google Scholar
  40. 39.
    Lengemann, Jochen: Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.-11 Wahlperiode), Frankfurt/M. 1986.Google Scholar
  41. 40.
    Strecker, Gabriele: Der Hessische Landtag. Beispiel eines deutschen Nachkriegsparlamentarismus. Bad Homburg u. a. 1966, S. 62.Google Scholar
  42. 41.
    Ebd., S. 64.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Ingrid Langer

There are no affiliations available

Personalised recommendations