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Zwischen Widerstand, Verweigerung und Integration — zum Verhältnis von Arbeiterschaft und NS-Regime im Raum Kassel

  • Jörg Kammler

Zusammenfassung

In der Widerstandsforschung ist in den letzten Jahren das Verhältnis der Bevölkerung zum NS-Regime unter verschiedenen Aspekten genauer untersucht worden.1 Der folgende Beitrag konzentriert sich in diesem Kontext auf die Arbeiterschaft, weil sich hier die Frage nach dem Verhältnis von Verweigerung und Integration besonders zuspitzt: Genügt hier nicht — so könnte man fragen — der Verweis auf den von Anfang an wirksamen organisierten Widerstand, auf die politische Entrechtung der Arbeiterklasse, auf die vielfältigen Anzeichen von Arbeiteropposition und die besonders gegen sie gerichtete Repression, um sehr schnell zumindest Distanz und Abwehrhaltung als vorherrschende Grundeinstellung in der Arbeiterschaft zu bestimmen? Bei genauerem Hinsehen spricht vieles dafür, daß sich die Ausgangsfrage so leichthin nicht beantworten läßt, sondern daß es sich lohnt, die Frage aufzuschlüsseln: Wie stand es mit Umfang und Reichweite des organisierten Arbeiterwiderstandes? Welche Formen der „Arbeiteropposition“ — der Verweigerung, des Protests, der Gegenwehr — lassen sich beobachten? Wie kam es zur schnellen Isolation des Arbeiterwiderstandes und warum sprang der Funke nicht über? Warum kam es nicht in größerem Umfang zu Formen kollektiver Gegenwehr unter den Arbeitern und welche Rolle spielten Repressionen einerseits, Methoden der Vereinnahmung und Integration andererseits?

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Anmerkungen

  1. 1.
    Unter den neueren Überblicksdarstellungen und Sammelbänden siehe besonders Klaus-Jürgen Müller (Hrsg.): Der deutsche Widerstand 1933–1945, Paderborn—München-Wien—Zürich 1986; Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen Hitler. Hrsg. v. Jürgen Schmädeke und Peter Steinbach, München—Zürich 1985, dort vor allem die Beiträge von Klaus Tenfelde: Soziale Grundlagen von Resistenz und Widerstand (S. 799–812), Ian Kershaw: „Widerstand ohne Volk?“ Dissens und Widerstand im Dritten Reich (S. 779–798). — Zu Struktur und Verankerung von Arbeiterwiderstand und -opposition siehe besonders Timothy W Mason: Die Bändigung der Arbeiterklasse im nationalsozialistischen Deutschland, in: Carola Sachse/Tilla Siegel/Hasso Spode/Wolfgang Spohn: Angst, Belohnung, Zucht und Ordnung. Herrschaftsmechanismen im Nationalsozialismus, Opladen 1982, S. 11–53; Detlev J. K. Peukert: Der deutsche Arbeiterwiderstand 1933–1945, in: K.-J. Müller (Hrsg.): a.a. 0., S. 157–181.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. zum folgenden ausführlicher Jörg Kammler: Widerstand und Verfolgung — Illegale Arbeiterbewegung, sozialistische Solidargemeinschaft und das Verhältnis der Arbeiterschaft zum NS-Regime, in: Wilhelm Frenz/Jörg Kammler/Dietfrid Krause-Vilmar (Hrsg): Volksgemeinschaft und Volksfeinde. Kassel 1933–1945, Bd. II: Studien, Fuldabrück 1987, S. 325–387; ders.: Zur historischen Ausgangslage des Arbeiterwiderstandes: Die Kasseler Arbeiterbewegung vor 1933, in: ebd., S. 291–324. Siehe weiter: den aus der Sicht des am Widerstand beteiligten Kommunisten verfaßten Bericht von Willi Belz: Die Standhaften. Ober den Widerstand in Kassel und im Bezirk Hessen-Waldeck 1933–1945, 2. Aufl., Kassel 1978; die vor allem die Organisationsgeschichte der illegalen KPD betonende Darstellung von Christine Fischer-Defoy: Arbeiterwiderstand in der Provinz. Arbeiterbewegung und Faschismus in Kassel und Nordhessen 1933–1945. Eine Fallstudie, Berlin 1982; Die Zerschlagung der Freien Gewerkschaften in Kassel 1933. Bilder — Dokumente — Kommentare, hrsg. von der Forschungsstelle „Kassel in der Zeit des Nationalsozialismus“, Gesamthochschule Kassel, Kassel 1983; Hessische Gewerkschafter im Widerstand 1933–1945. Hrsg. vom DGB-Bildungswerk Hessen und dem Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des deutschen Widerstandes 1933–1945, Gießen 1983; Gerhard Beier: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834–1984), Frankfurt a.M. 1984.Google Scholar
  3. 3.
    Aus Justiz-, Staats-und privaten Archiven sowie aus den Akten der Wiedergutmachungsbehörden wurde eine Sammlung von mehreren hundert Urteilen und Anklageschriften des OLG Kassel und des Kasseler Sondergerichts zusammengetragen. Die wichtigsten Hochverratsverfahren gegen Angehörige des Widerstandes aus dem Raum Kassel sind aufgeführt bei J. Kammler: Widerstand und Verfolgung, a.a.O., S. 361.Google Scholar
  4. 4.
    Siehe besonders die politischen Lageberichte und Ereignismeldungen der Gestapostelle Kassel für die Jahre 1934 und 1935 (StA Marburg, 165/3949 und 3965), die Berichte des Kasseler Oberbürgermeisters für die Jahre 1934 bis 1936 (Stadtarchiv Kassel, A1.01.1), die Lageberichte des Kasseler Regierungspräsidenten 1934–1936 (StA Marburg, 165/3820, 3824, 3939) sowie für die Jahre 1940–1944 die Lageberichte des Präsidenten und des Generalstaatsanwalts des OLG Kassel (BA Koblenz, R 22/3371). Von der regionalen SD-Berichterstattung sind nur Splitter überliefert.Google Scholar
  5. 5.
    Zahlreiche Aktenvorgänge der Kasseler Gestapo befinden sich in den Beständen des ehemaligen Konzentrations-und Arbeitserziehungslagers Breitenau (Personalakten der Schutzhaftgefangenen. Archiv der Gedenkstätte Breitenau, Guxhagen/Krs. Melsungen), in den Akten des Kasseler Regierungspräsidenten und der nordhessischen Landratsämter (StA Marburg, Bestand 180) sowie in Justizakten.Google Scholar
  6. 6.
    Die Entschädigungsanträge der Betreuungsstelle Kassel (Stadtarchiv Kassel, A5.55, Nr. 67) und die Personalakten der zentralen hessischen Wiedergutmachungsbehörde beim RP Darmstadt wurden für den Kreis der Verfolgten aus Stadt und Landkreis Kassel vollständig ausgewertet.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. u.a. J. Kammler/D. Krause-Vilmar (Hrsg.): Volksgemeinschaft und Volksfeinde. Kassel 1933–1945. Eine Dokumentation, Fuldabrück 1984; D. Krause-Vilmar: Das Konzentrationslager Breitenau 1933/34, in: Eike Hennig (Hrsg.): Hessen unterm Hakenkreuz. Studien zur Durchsetzung der NSDAP in Hessen, Frankfurt a.M. 1983, S. 469–489; Hanne Wiltsch/D. Krause-Vilmar: Das Arbeitserziehungs-und Konzentrationssammellager Breitenau 1940–1945, in: Die Grünen in Hessen/Lothar Bembenek/Frank Schwalba-Hoth (Hrsg.): Hessen hinter Stacheldraht, Frankfurt a.M. 1984, S. 96–106; J. Kammler: Nationalsozialistische Machtergreifung und Gestapo — am Beispiel der Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Kassel, in: E. Hennig (Hrsg.): Hessen unterm Hakenkreuz, a.a.O., S. 506–535; Michael Jäger: Gestapomord in Kassel-Wehlheiden — Karfreitag 1945. Erinnerung an ein vergessenes Verbrechen aus den letzten Tagen der NS-Herrschaft, Kassel 1987; Jürgen Relke: Justiz als politische Verfolgung. Rechtsprechung des Landgerichts und des Sondergerichts Kassel bei „Heimtücke“-Vergehen und in „Rassenschande”-Prozesses gegen Werner Holländer, unveröff. Staatsexamensarbeit, Gesamthochschule Kassel 1983.Google Scholar
  8. 8.
    Dieses Defizit kann zum Teil durch die vor allem in den Wiedergutmachungsakten enthaltenen Berichte und Dokumente zur Verfolgung ausgeglichen werden. Einen gewissen Einblick in die Routinepraxis der Gestapo vermittelt z.B. das Geschäftstagebuch des Landratsamts Hersfeld für Eingänge von der Gestapostelle Kassel für die Jahre 1937–1940 (StA Marburg, 180/9699).Google Scholar
  9. 9.
    Vor dem Kasseler Sondergericht wurden zwischen 1933 und 1944 ungefähr 4000 Personen, unter ihnen etwa 1300 aus Kassel, wegen „Heimtücke“-Vergehen angeklagt. Ober den großen Umfang der Strafverfolgung wegen „Heimtücke”, „Wehrkraftzersetzung“, „Rundfunkverbrechen” etc. in den Kriegsjahren informieren z.B. die in den Lageberichten des OLG Kassel enthaltenen Quartalsstatistiken (BA Koblenz, R 223/3371).Google Scholar
  10. 10.
    Sie enthalten immerhin eine zusammenhängende Folge wenn auch zumeist nur punktueller Informationen über die Stimmung und die Lage der Arbeiter in den großen Rüstungsbetrieben Kassels und Nordhessens (Kriegstagebücher des Rüstungskommandos Kassel und der Rüstungsinspektion IX — BA-MA Freiburg, RW 20 und RW 21).Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Wilhelm Frenz: NS-Wirtschaftspolitik und die soziale Lage der arbeitenden Bevölkerung (1933–1939), in: W. Frenz/J. Kammler/D. Krause-Vilmar (Hrsg.): a.a.O., S. 255–288.Google Scholar
  12. 12.
    Dies wird z.B. in der gerichtlichen Stilisierung und Verzeichnung von Widerstandsaktivitäten ebenso deutlich, wie in den schwankenden und widersprüchlichen Globalurteilen der Gestapo über Umfang und Reichweite des organisierten Widerstandes oder der Un-mutpotentiale in der Bevölkerung.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. auch Reinhard Mann: Was wissen wir vom Widerstand? Datenqualität, Dunkelfeld und Forschungsartefakte, in: Christoph Kleßmann/Falk Pingel (Hrsg.): Gegner des Nationalsozialismus. Wissenschaftler und Widerstandskämpfer auf der Suche nach historischer Wirklichkeit, Frankfurt/New York 1980, S. 35 ff.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. I. Kershaw: a.a.O., S. 786ff.Google Scholar
  15. 15.
    Die Daten sind aus einer Verfolgten-Kartei für Stadt und Landkreis Kassel gewonnen, die zusammen mit Hannelore Kessler und Martina Scholle im Rahmen der Forschungsgruppe „Hessen in der Zeit des Nationalsozialismus“ an der Gesamthochschule Kassel erstellt wurde. Hannelore Kessler übernahm die Auszählung und Zusammenstellung der Tabellen. — Die Angaben der nach Verfolgten-Gruppen und Verfolgungssachverhalten (Haftzeiten, -arten, etc.) differenziert gegliederten Kartei entstammen der systematischen Auswertung der überlieferten Bestände der NS-Verfolgungsbehörden sowie vor allem des vollständigen Bestandes der Wiedergutmachungsakten. Die erfaßten Verfolgungssachverhalte wurden in der Regel entsprechend dem Wiedergutmachungsrecht bestimmt, umfassen also z.B. auch aus politischen Gründen verfügte Entlassungen und Berufsverbote, reichen aber zum Teil darüberhinaus — so etwa bei den aus politischen Gründen verfügten Strafen gegen Soldaten und Wehrmachtsangehörige (vgl. dazu J. Kammler: „Ich habe die Metzelei satt und laufe über...” Kasseler Soldaten zwischen Verweigerung und Widerstand (1939–1945. Eine Dokumentation, Fuldabrück 1985 ) Die Ergebnisse der verfolgungsstatistischen Analyse von Widerstand und Opposition im Raum Kassel werden demnächst veröffentlicht.Google Scholar
  16. 16.
    Diese Daten ergeben sich aus der Auswertung der Verfolgten-Kartei für Stadt und Landkreis Kassel (siehe Anm. 15).Google Scholar
  17. 17.
    Dies spiegelt sich auch in der Verhaftungsstatistik wieder: von den insgesamt 416 Kasseler Kommunisten, die zwischen 1933 und 1945 inhaftiert wurden, wurden 194 (46,6%) bereits im Jahre 1933 erstmalig in Haft genommen, in den Jahren 1934 bis 1936 wurden 207 (49,8%) erstmals oder erneut verhaftet. Die durchschnittliche Haftdauer betrug bei den 416 Komunisten 3,2 Jahre (Sozialdemokraten/Gewerkschafter: 1 Jahr). 47% von ihnen waren einmal oder mehrfach in KZ-Haft (durchschnittliche Haftdauer: 2,2 Jahre), darunter jeder Vierte für einen Zeitraum zwischen 4 und 10 Jahren. Die Vergleichszahlen für die verfolgten Kasseler Sozialdemokraten/Gewerkschafter: 155 zwischen 1933 und 1945 einmal oder mehrfach inhaftiert, davon 53 (34%) in KZ-Haft (durchschnittliche Dauer: 1 Jahr; lediglich 4 länger als 4 Jahre in KZ-Haft). (Auswertung Verfolgten-Kartei Stadt und Landkreis Kassel — siehe Anm. 15).Google Scholar
  18. 18.
    Diese Solidargemeinschaften des sozialdemokratischen Lagers, die in der bisherigen Widerstandsliteratur zumeist vernachlässigt oder aber zu Formen aktiven Widerstandes stilisiert wurden, konnten für Kassel vor allem auf der Grundlage von Zeitzeugenberichten genauer dargestellt werden. Vgl. J. Kammler:. Widerstand und Verfolgung, a.a.O., S. 348 ff.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. Peter Hüttenberger: Vorüberlegung zum „Widerstandsbegriff“, in: Theorien in der Praxis des Historikers, hrsg. von Jürgen Kocka, Sonderheft 3 von „Geschichte und Gesellschaft”, Göttingen 1977, S. 117ff.; Martin Broszat: Resistenz und Widerstand. Eine Zwischenbilanz des Forschungsprojekts, in: Bayern in der NS-Zeit, Band IV: Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, Teil C, hrsg. v. Martin Broszat, Elke Fröhlich und Anton Grossmann, München—Wien 1981, S. 692ff.; I. Kershaw: „Widerstand ohne Volk?“, a.a.O., K. Tenfelde: Soziale Grundlagen von Resistenz und Widerstand, a.a.O.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. etwa Gerhard Botz: Methoden-und Theorieprobleme der historischen Widerstandsforschung, in: Helmut Konrad/Wolfgang Neugebauer (Hrsg.): Arbeiterbewegung — Faschismus — Nationalbewußtsein, Wien—München—Zürich 1983, S. 137–151; Detlev Peukert: Volksgenossen und Gemeinschaftsfremde. Anpassung, Ausmerze und Aufbegehren unter dem Nationalsozialismus, Köln 1982, S. 96ff.Google Scholar
  21. 21.
    Diese Dynamik ist gelegentlich beobachtbar, stellt jedoch — wie zahlreiche Beispiele aus der nordhessischen Region zeigen — keinesfalls die Regel dar.Google Scholar
  22. 22.
    I. Kershaw: a.a.O., S. 783.Google Scholar
  23. 23.
    Herausragendes Beispiel: Die kollektive Arbeitsverweigerung von 122 Kasseler Fürsorgearbeitern auf der Flugplatzbaustelle in Hessisch Lichtenau im Sommer 1936. Dazu näher J. Kammler: a.a.O., S. 376f.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. a.a.O., S. 378f. sowie die Dokumentenauszüge in J. Kammler: Gewerkschafter, Arbeiterwiderstand und Arbeiteropposition in Kassel 1933–1945, in: Prisma. Zeitschrift der Gesamthochschule Kassel, 29/1982, S. 51 ff.Google Scholar
  25. 25.
    Aktennotiz zum Schreiben der DAF-Gauwaltung Kurhessen an das Amt Information vom 30. 9. 1936 betr. „Kommunistische Umtriebe im Henschelwerk Kassel-R.“ (IML/ ZPA, St3/849).Google Scholar
  26. 26.
    Vgl. auch Wolfgang Spohn: Betriebsgemeinschaft und innerbetriebliche Herrschaft, in: C. Sachse u.a.: Angst, Belohnung, Zucht und Ordnung, a.a.O., S. 182 ff.Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. Ralf Kulla: Rüstungsproduktion in den Kasseler Henschel-Werken — unter besonderer Berücksichtigung der NS-Zeit und der Nachkriegsentwicklung, unveröff. Staatsexamensarbeit, Gesamthochschule Kassel 1986; Thomas Vollmer: Historische Entwicklung und sozialgeschichtliche Rahmenbedingungen der Rüstungsproduktion der Kasseler Firma Wegmann und Co., unveröff. Staatsexamensarbeit, Gesamthochschule Kassel 1985. Ergebnisse dieser Untersuchungen werden in diesem Jahr im Rahmen einer Darstellung der Geschichte der Kasseler Rüstungswirtschaft veröffentlicht.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. dazu allgemein T.W. Mason: Die Bändigung der Arbeiterklasse im nationalsozialistischen Deutschland, a.a.O., S. 42 f.; I. Kershaw: Der Hitler-Mythos. Volksmeinung und Propaganda im Dritten Reich, Stuttgart 1980.Google Scholar
  29. 29.
    Lagebericht der Rüstungsinspektion IX, Kassel, hier: Anlage 41 zum Schreiben vom 27. 3. 1940 (BA/MA Freiburg, RW 21–30/16).Google Scholar
  30. 30.
    Siehe z.B. die Untersuchung angeblicher Sabotage bei der Panzerproduktion in den Kasseler Henschel-Werken 1943 durch die Gestapo (BA Koblenz, R 58/1049). — Wegen Arbeitsniederlegungen und -verweigerungen wurden von der Kasseler Gestapo im gesamten Bezirk der Gestapostelle 1941 etwa 6, 1943 etwa 14 Arbeiter pro Monat festgenommen. Ungleich höher waren die Vergleichszahlen für die Verhaftungen von Zwangsarbeitern: allein im Oktober 1941 nahm die Kasseler Gestapo 87 Ausländer fest, im August 1943 schnellte die Zahl auf 446 hoch. Siehe die Zusammenstellungen der von den Staatspolizei-stellen geml Ideten Festnahmen für die Monate Juni, Oktober und Dezember 1941 sowie Juni und August 1943 (BA Koblenz, R 2/12164, R 58/200, 211, 358 ).Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. H. Wiltsch/D. Krause-Vilmar: Das Arbeitserziehungs-und Konzentrationssammellager Breitenau 1940 bis 1945, a.a.O.; zur Praxis der innerbetrieblichen Repression auch T. Vollmer: a. a.O.Google Scholar
  32. 32.
    Allein in der Stadt Kassel wurden 1933 319 Mitglieder und Funktionäre der Arbeiterbewegung (oder 49,2% der insgesamt 1933–1945 verhafteten Angehörigen dieser Gruppe) einmal oder mehrfach inhaftiert und viele von ihnen brutal mißhandelt. Siehe Verfolgtenkartei für Stadt und Landkreis Kassel (Anm. 15).Google Scholar
  33. 33.
    Siehe Verfolgten-Kartei für Stadt und Landkreis Kassel (Anm. 15) sowie Anm. 17.Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. Wilhelm Frenz: Zusammenbruch — Stunde Null?, in: W. Frenz/J. Kammler/D. Krause-Vilmar: Volksgemeinschaft und Volksfeinde. Kassel 1933–1945, Bd. II, a.a.O., S. 407ff.; ders.: Die politische Entwicklung in Kassel von 1945–1969. Eine wahlsoziologische Untersuchung, Meisenheim am Glan 1974; Artur Sittig: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Die Wiedergründung der Kasseler SPD nach 1945, Kassel 1985; Anne Weiß-Hartmann: Der Freie Gewerkschaftsbund Hessen 1945–1949, Marburg 1977.Google Scholar
  35. 35.
    Hinweise auf derartige Wirkungen enthalten sowohl die Entnazifizierungs-als auch die Wiedergutmachungsakten. Sie betreffen im ersten Fall die häufig sehr weitgehende Anerkennung von Entlastungsgründen auch durch Zeugen oder Vertreter aus der Arbeiterbewegung, selbst aus dem Kreis der Verfolgten. Im zweiten Fall fällt die Geringschätzung auf, mit der auch ehemalige verfolgte Angehörige der Arbeiterbewegung in den Wiedergutmachungsbehörden jene Verfolgtengruppen (z.B. „Alltagsopposition“, „Asoziale”, kriegsgerichtlich verurteilte Soldaten) beurteilten, deren Schicksal sich dem Raster eindeutig ausgewiesener politischer oder weltanschaulicher Gegnerschaft nicht fügte.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1989

Authors and Affiliations

  • Jörg Kammler

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