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Anregungen zum Weiterdenken und -forschen

  • Jürgen Schmitt
Chapter
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Part of the Stadtforschung aktuell book series (STADT, volume 98)

Zusammenfassung

Diese Arbeit stellt ja den Versuch dar, das bisher weitgehend als ‚terra incognita‘ darstellende Feld der konkreten Interaktionen in ostdeutschen Prozessen der Stadtteilarbeit zu erforschen — und zwar mit einer Methode, die sich einer „Heuristik der Entdeckung des Unbekannten“ unterwirft (Amann/Hirschauer, 1997, S. 11)323. Die dargestellten Ergebnisse dieses Prozesses sind dabei aber nicht nur Ansätze zur Beantwortung der von mir eingangs gestellten Fragen, sondern werfen selbst darüber hinaus auch wieder eigene Fragen auf. Sie sind insofern auch oder vielleicht sogar in erster Linie Anregungen zum Weiterdiskutieren, -denken und -forschen. Zum Abschluss der Arbeit sollen Überlegungendaher noch einige angerissen werden, welche Anregungen sich für mich aus den Ergebnissen ergeben.

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Literatur

  1. 323.
    Vgl. 3.3.1.Google Scholar
  2. 324.
    Siehe hierzu 2.3.Google Scholar
  3. 325.
    Eine Zusammenfassung dieser beiden derzeit dominierenden Ansätze von ‚Zivilgesellschaft‘ und ihrer Implikationen für die lokale Politik findet sich bei Haus (2002b).Google Scholar
  4. 326.
    Siehe hierzu ausführlicher 2.1.Google Scholar
  5. 327.
    Der Kanzler steht damit auch keinesfalls alleine da. So wird z.B. die „Starkung der Zivilgesellschaff“ auch in dem von Schröder gemeinsam mit seinen britischen, niederländischen und schwedischen Kollegen verfassten Manifest „Ein neues Sozialmodell. Europas Beitrag zum Fortschritt im 21. Jahrhundert“ gefordert (vgl. Blair u.a., 2000, S. 7).Google Scholar
  6. 328.
    Es wurde bereits dargestellt, dass sich die im Feld ausgehandelten Positionen insbesondere auf die bürgerlichen, politischen und sozialen Elemente der ‚Bürgerrechte‘ nach Marshall beziehen. Diese wurden nach Marshall in den westlichen Gesellschaften im Verlauf des achtzehnten, neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts nach und nach als eigenständige Elemente erkämpft. Wie schon bei Marshall nachzulesen ist, vor allem aber bei Hirschmann, kam es dabei historisch auch zu Konflikten zwischen den einzelnen Elementen. Ihre Entwicklungsgeschichten waren immer wieder von Rückschlägen geprägt, bei denen bereits erkämpfte Rechte zumindest temporär wieder ausgesetzt wurden (vgl. Hirschman, 1992).Google Scholar
  7. 329.
    Fün Jahre zuvor hat Micha Brumlik noch all jenen, die die Chancen der bereits existenten ‚Zivilgesellschaft‘ für ein linkes, universalistisches Projekt aufnehmen wollen, empfohlen, sich zu beeilen, bevor die Konservativen es für sich vereinnahmen (vgl. Brumlik, 1991, S. 993).Google Scholar
  8. 330.
    Das ‚Bewahren‘ sozialer Rechte sollte sich schließlich meines Erachtens weder auf eine Rückkehr zum patriarchalen Wohlfahrtsstaat der ‚rheinischen Republik‘ noch auf eine Rückkehr zum real existierenden Sozialismus hin orientieren. Und auch weder auf eine direkte Übernahme der Forderungen der ‚alten ‘ noch auf j ene der ‚neuen‘ sozialen Bewegung. Ziel einer neuen Diskussion um die ‚Bürgerrechte‘ müsste es nach meiner Ansicht vielmehr sein, nach Wegen zu suchen, soziale Rechte wieder zu etablieren und gleichzeitig patriarchale, autoritäre Strukturen abzubauen.Google Scholar
  9. 331.
    Siehe hierzu 2.3.Google Scholar
  10. 332.
    Diese Tendenzen der Stadtteilarbeit werden mittlerweile auch zunehmend kritisiert. So schreibt Martin Reeh für Berlin in der Zeitschrift ‚Jungle World‘: „Stadtteilarbeit an der Basis ist out, Bezirks-PR in. Das nennt sich Quartiersmanagement und will nicht die Armut, sondern nur deren Sichtbarkeit abschaffen“ (Reeh, 2001, S. 23).Google Scholar
  11. 333.
    Die Hilflosigkeit, die sich auch bei erfahrenen StadtteilarbeiterInnen zeigt, wenn die zuvor als weitgehend „aktivierungsresistent“ erscheinenden Bevölkerungsmehrheiten im Stadtteil plötzlich „nahezu beängstigende autonome Selbstorganisationsfähigkeiten“ entwickeln und „unter Zuhilfenahme sämtlicher Errungenschaften der konfliktorientierten GWA“ Regelverletzungen begehen, das System attackieren und sich selbst organisieren und artikulieren — um die Unterbringung asylsuchender Menschen im Stadtteil zu verhindern, wird z.B. sehr lebensnah von Wolfgang Hinte (1997, S. 28) beschrieben.Google Scholar
  12. 334.
    Gramsci gilt mit seinen Darlegungen zur societá civile gemeinhin als zumindest einer der Namensgeber für das Konzept der Zivilgesellschaft. Sein Konzept steht allerdings in denkbar großem Gegensatz zu der Vorstellung einer Zivilgesellschaft als Ort eines ‚herrschaftsfreien‘ Diskurses. Seine diesbezüglichen Gedanken hat er weitgehend im Gefängnis niedergelegt, in das er als Generalsekretär und Abgeordneter der Kommunistischen Partei Italiens nach Auflösung des Parlaments durch die Faschisten verbracht wurde. Dabei war seine Beschäftigung mit der Zivilgesellschaft vor allem von der Frage motiviert, warum in den bürgerlichen Gesellschaften Westeuropas die Revolutionsversuche scheiterten, während sie im zaristischen Rußland Erfolg hatte. Eine entscheidende Rolle weist er dabei der Existenz eines ‚vorpolitischen‘, zivilen Terrains in der bürgerlichen Gesellschaft zu. In diesem konnte nach Gramsci die Bourgeoisie insbesondere über ihren privilegierten Zugang zu den meinungsbildenden Medien und Institutionen auch ohne Gewaitmittel ihre Herrschaft sichern (vgl. Kebir 1991).Google Scholar
  13. 335.
    In der Stadtentwicklungs- und Planungsforschung findet ein solches Modell von Zivilgesellschaft nur selten Anwendung. Ein Beispiel findet sich etwa bei Bremm und Danielzyk (1997). Auch sie plädieren vor dem Hintergrund, dass „bei den liberalen und kommunikativen Zivilgesellschaftstheoretikern die Zivilgesellschaft an sich zu einer Sphäre des ‚Guten‘, ‚Demokratischen‘ oder des ‚politisch Selbstbestimmten‘ gerinnt“ (ebd., S. 89) für die Verwendung eines analytischen Begriffs von Zivilgesellschaft im Sinne Gramscis. Mit diesem untersuchen sie nun die Ergebnisse des Paradeprojektes der neuen Plantings- und Partizipationskultur, nämlich der IBA Emscher Park. Dabei kommen sie zwar zu dem Ergebnis, dass die IBA tatsächlich einen Beitrag zur Modernisierung der zivilen Gesellschaft des Ruhrgebietes leistet. Unter Verwendung des analytischen Begriffs von Zivilgesellschaft wird dies aber von den Autoren keineswegs rundweg positiv gewertet. Vielmehr machen sie deutlich, dass diese Modernisierung auch mit einer politischen und kulturellen Entwertung traditioneller Lebensformen einher geht (ebd., S. 82).Google Scholar
  14. 336.
    Siehe Kapitel 2.Google Scholar
  15. 337.
    Ob die momentan erstarkende globalisierungskritische Bewegung (vgl. Mies, 2001) eine solche werden kann, scheint mir derzeit offen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Jürgen Schmitt

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