Advertisement

Modellierung aphasischer Sprache

Chapter
  • 38 Downloads
Part of the Psycholinguistische Studien book series (PLS)

Zusammenfassung

Im abschließenden Kapitel dieses Buches sollen die Möglichkeiten vorgestellt, untersucht und diskutiert werden, mit dem vorliegenden Modell auch solche Produktionsprozesse nachzubilden und zu erklären, die einer aphasischen Sprache zugrunde liegen. Unter aphasischer Sprache ist dabei diejenige zu fassen, die dann produziert wird, wenn der jeweilige Patient unter „Aphasie“ leidet. Aphasie wiederum definiert sich nach dem 1993 von Gerhard Blanken, Jürgen Dittmann, Hannelore Grimm, John C. Marshall und Claus-W. Wallesch herausgegebenen einschlägigen Handbuch „Linguistic Disorders and Pathologies“ wie folgt:
„The term aphasia denotes acquired disturbances of language processing resulting from brain damage. This attempt at a definition contains four crucial aspects, namely:
  • aphasia is acquired,

  • aphasia affects linguistic processes,

  • other cognitive functions are relatively spared,

  • aphasia is a consequence of brain damage.“

(Wallesch & Kertesz 1993, S. 98)

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 2.
    Eine ausführlichere Darstellung der wissenschaftsgeschichtlichen Einordnung des Paragrammatismus findet sich in De Bleser (1987). Der wissenschaftsgeschichtlichen Seite der Aphasieforschung allgemein widmet sich auch das von Eling 1994 herausgegebene Werk „Reader in the History of Aphasia“, das Kurzbiographien der bekanntesten „klassischen” Aphasiologen (von Franz Joseph Gall bis zu Norman Geschwind) sowie — allerdings in Englische übersetzte — grundlegende Auszüge aus ihren Veröffentlichungen in kompakter Form bereitstellt.Google Scholar
  2. 5.
    Als ausgezeichnetes Beispiel sei hierzu Buckingham (1986) erwähnt, der phonemische Paraphasien von sprechapraktischen Äußerungen durch den Bezug auf das Sprachproduktionsmodell von Garrett (1975, 1984) abgrenzt.Google Scholar
  3. 7.
    Diese Grundoperation findet man sowohl im Paradigma vom Aufbau eines „mentalen Modells“ nach Johnson-Laird (1983) als auch im Konstruktions-Integrationsmodell nach Kintsch (1988).Google Scholar
  4. 10.
    Ein Beispiel für dieses „Heranarbeiten“ ist folgende Äußerung des Patienten: „five in it, begins with ‘t’, table“ (vgl. Ellis & Young 1988, S. 120).Google Scholar
  5. 11.
    Dieser Punkt bezieht sich direkt auf das Erkennen von Fehlern in der vorliegenden Version eines konnektionistischen Sprachproduktionsmodells und gilt daher — im Gegensatz zu den zuvor angeführten Punkten — nicht unbedingt für andere Modelle. Zur Monitorkomponente, die im vorliegenden Modell für die Fehlererkennung verantwortlich ist, vgl. Schade (1990).Google Scholar
  6. 15.
    Die korrekte Jahreszahl für den Aufsatz von Wickelgren ist 1979.Google Scholar
  7. 16.
    Die Altersangaben sind zu lesen als „Jahr;monat“. Dementsprechend bedeutet etwa 1;10: ein Jahr und zehn Monate.Google Scholar
  8. 17.
    Zur genauen Durchführung des Experiments siehe Schwartz et al. ( 1994, S. 73ff.).Google Scholar
  9. 18.
    Dies gilt auch für die Daten von Jaeger (1992) und Wijnen (1992).Google Scholar
  10. Zum Begriff und zur Arbeitsweise von Poolknoten vgl. Schade (1992), S. 27.Google Scholar
  11. Wie noch zu diskutieren sein wird, verwendet Harley in dieser Arbeit eine Variante des konnektionistischen Modells, die in ihrer Architektur eher der Variante von Stemberger und der hier vorgestellten Variante gleicht als derjenigen, für die Harley sonst (Harley 1984; Harley & MacAndrew 1992) eintritt.Google Scholar
  12. Es ist im übrigen auffällig, daß DJ, der Patient mit dem besten Sprachverstehen, auch die wenigsten Neologismen produziert (vgl. ebd., S. 26, Tabelle 4).Google Scholar
  13. Eine kurze Zusammenfassung der bekannten empirischen Daten zum Wegfall von Flexionsendungen findet sich bei Höhle ( 1995, Abschnitt 4.2. 2. 2 ).Google Scholar
  14. Das Sprachproduktionsmodell, das die Autoren skizzieren und das sie als theoretische Grundlage für ihre Therapie annehmen, orientiert sich bedingt an den genannten konnektionistischen Modellen, bleibt aber in seinem konkreten Aussehen eher vage. Dieses ist zum Teil von den Autoren intendiert (vgl. Schlenck, Schlenck & Springer 1995, Vorwort der Autoren) und liegt zum anderen Teil daran, daß nur für Teilnetze angegeben wird, wie sie mit anderen Teilnetzen verbunden sind. Exakter wären hier Aussagen auf der Ebene von Knoten: Wie werden linguistische Einheiten innerhalb der Teilnetze durch Knoten repräsentiert, und wie sind diese Knoten untereinander verknüpft? Für einige der genannten Teilnetze können diese Fragen aus der Analogie zu den genannten Vorbildern beantwortet werden, aber gerade für das in bezug auf die Modellierung einer agrammatischen Beeinträchtigung und in bezug auf die abgeleitete Therapie so bedeutsame Teilnetz der „syntaktischen Fragmente“ ist dies nicht möglich.Google Scholar
  15. Beispielsweise sagen die Autoren: „Das Ergebnis der Aktivierung ist nun, daß das Fragment,Kaffee trinken’ sowie die Wortform für,Mann` aktiviert sind.“ (Schlenck, Schlenck & Springer 1995, S. 22). Dieser Aussage zufolge scheinen syntaktische Fragmente als Inhalts- oder Normknoten repräsentiert zu werden, womit für jede mögliche Objekt-Verb-Verbindung ein Knoten bereitstehen würde und zu fragen wäre, worin der syntaktische Aspekt der Fragmente begründet ist.Google Scholar
  16. Im Kontrast zu dieser Aussage findet sich auf derselben Seite auch folgende Außerung: „Wir gehen davon aus, daß sie [die Satzfragmente] im wesentlichen aus Verbalphrasen bestehen, hier also aus einer Objekt-Verb-Struktur […]. Ausgehend von der Aktivierung der lexikalischen Bedeutungen und ihrer thematischen Rollen, wird also im syntaktischen Netz die Struktur NP V aktiviert, das Wissen also, daß eine NP und ein Verb mit einer Objekt-Verb-Verbindung benötigt wird.“ Hiernach kann man annehmen, daß im Teilnetz der syntaktischen Fragmente Regelwissen (also insbesondere die Regel VP → NP V) repräsentiert ist, so wie dies im vorliegenden Modell durch die Verbindungsknoten und deren Anbindung an die Kontrollknotenketten geschieht. Ein solches Verständnis führt aber zu der Frage, warum diese Regeln gesondert von anderen syntaktischen Regeln, etwa der Regel VP → V NP,repräsentiert werden. Den genannten Vorbildern der konnektionistischen Modellierung von Sprachproduktion nach würde insbesondere die genannte Verbalphrasenregel aktiviert werden, damit ein Rahmen für die Sequentialisierung der Wörter der Verbalphrase im Satz verfügbar wird (vgl. dazu etwa Dell, Burger & Svec 1997, S. 130f.) Möglicherweise ergibt sich die Unterscheidung der Regeln in syntaktische Fragmente und in andere Regeln daraus, daß Schlenck, Schlenck und Springer eine Umformung des syntaktischen Fragments durch die Modellkomponente „Erstellen der syntaktischen Oberflächenstruktur” (S. 23) annehmen, so daß eine Verbalphrase erst nach dieser Umformung der letztgenannten Verbalphrasenregel entspricht. Derartige Transformationen im Sinne eines „a-movements“ der „Government-Binding Theory” widersprechen aber nicht nur psycholinguistischen Ergebnissen (vgl. etwa Bock, Loebell & Morey 1992), sie sind auch nicht vereinbar mit der Idee einer inkrementellen Produktion. Es kann nicht sein, daß die Abfolge der zu äußernden Satzteile erst dann festgelegt wird, wenn für alle Wörter des Satzes schon die Wortformen aktiviert sind, so daß die Festlegung der allgemeinen Abfolge gleichzeitig mit der Bestimmung der morphologischen Formen für alle Wörter des Satzes angestoßen wird.Google Scholar
  17. Weitere Beispiele sind im Anhang von Schlenck, Schlenck & Springer ( 1995, S. 77ff.) aufgeführt.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations