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Die Wirkung internationaler Standortverlagerungen auf die Wettbewerbsfähigkeit

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Zusammenfassung

Sofern die Voraussetzungen für internationale Standortverlagerungen erfüllt sind (vgl. Kapitel 3) und die Unternehmen keine Möglichkeit sehen, das von ihnen gesetzte Ziel der Kostensenkung mittels alternativer Maßnahmen bei Verbleib am bisherigen Standort oder einem geringeren Auslandsengagement zu erreichen (vgl. Kapitel 4), werden die Unternehmen internationale Standortverlagerungen durchführen. Da internationale Standortverlagerungen einerseits von den Unternehmen mit der Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und andererseits von der betroffenen Volkswirtschaft mit der Gefahr einer Verschlechterung ihrer Wettbewerbsfähigkeit verbunden werden[1]Vgl. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (1995b): Hat Westdeutschland ein Standortproblem, Wochenbericht 38/95, 62. Jg., 21. September 1995, S. 653-661., stellt sich die Frage, welcher Zusammenhang zwischen diesen beiden Phänomenen besteht und wie sich internationale Standortverlagerungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften auswirken. Zu diesem Zweck wird zunächst der Versuch unternommen, den Begriff der internationalen Wettbewerbsfähigkeit sowohl auf der Unternehmensebene als auch der volkswirtschaftlichen Ebene zu operationalisieren. Im Anschluß daran wird untersucht, ob internationale Standortverlagerungen als Ausdruck der Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft gewertet werden können, d.h. ob sie eine Indikatorfunktion für die Wirtschaftspolitik besitzen, und inwieweit Standortverlagerungen einzelner Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft beeinflussen, d.h. ob ihnen eine Determinantenfunktion zukommt. Des weiteren wird der Frage nachgegangen, ob Standortverlagerungen als ein Instrument zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens angesehen werden können und ob Standortverlagerungen einzelner Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen Branche im Inland beeinflussen.

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Literatur

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    Beispiele für unterschiedliche Ausprägungen qualitativer Standortfaktoren, die zu einer substitutiven Verlagerung von Hochtechnologie zwischen Industrieländern führen können, sind die mangelnde Akzeptanz einer neuen Technologie in der Bevölkerung oder administrative bzw. legislative Hindernisse in Form von Auflagen, Verboten, Schadensersatzpflichten oder Genehmigungsverfahren.Google Scholar

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