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Probleme der Zitathaftigkeit

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Zusammenfassung

Zitat [zu lat. citare, citatum >Aherbeirufen<; >vorladen<] das, -(e)s/-e, in bildender Kunst und Architektur die bewußte, möglichst geistreiche und verfremdete übernahme eines einzelnen Formelements aus eigentlich abgeschlossenen künstler. Entwicklungen früherer Epochen. In der Literatur ist ein Z. die wörtl. Anführung bzw. übernahme einer Wendung, eines Satzes, Verses oder längeren Abschnitts, auch eines mündl. Ausspruchs eines Autors in literar. Werken oder mündl. Rede mit Nennung des Verfassers, oft auch der Quelle, sei es durch besondere Hinweise im Text, sei es durch Fußnoten oder Anmerkungen; im Druck meist durch Anführungszeichen, Kursivdruck u.a. hervorgehoben. Die Verfasserangabe kann ggf. entfallen bei Z. mit breitem Bekanntheitsgrad, so-genannten → geflügelten Worten; fehlt sie bei weniger bekannten Z., kann es sich um ein Plagiat handeln. […]

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Literatur

  1. 1.
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  2. 2.
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  3. 3.
    Vgl. Brockhaus-Enzyklopädie: in 24 Bänden. 19., völlig neu bearbeitete Auflage. 24. Band: Wek-Zz. Mannheim 1994, S. 573.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. u.a. das Stichwort “Zitat” in: Wilpert, Gero v. (Hrsg.): Sachwörterbuch der Literatur. 1., verbesserte und erweiterte Auflage. Stuttgart 1989, S. 1050f.Google Scholar
  5. 5.
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  6. 6.
    Vgl. ebd., S. 1055.Google Scholar
  7. 7.
  8. 8.
    Zur Entwicklung des Zitats und zu seiner Bedeutung in den einzelnen literatur geschichtlichen Epochen vgl. ebd., S. 1059–1081.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Kristeva, Julia: Semeiotike. Recherches pour une semanalyse. Paris 1969.Google Scholar
  10. 10.
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  11. 11.
  12. 12.
    Vgl. die Aufsätze: Das Wort im Roman und Epos und Roman. In: Bachtin, Michail M.: Untersuchungen zur Poetik und Theorie des Romans. Hrsg. v. E. Kowalski u.a. Berlin (Ost) u.a. 1986. Zitiert als: Bachtin 1986.; ders.: Probleme der Poetik Dostojewskijs. München 1971. Die wichtigsten Aufsätze des Bandes finden sich auch in: ders.: Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachkultur. Frankfurt/M. 1990. Zitiertals: Bachtin 1990.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. Bachtin 1986, S.100.Google Scholar
  14. 14.
    Ebd., S. 116.Google Scholar
  15. 15.
    Zu diesen Ausführungen vgl. den Aufsatz: Typen des Prosawortes. In: Bachtin 1990, S. 107ff.Google Scholar
  16. 16.
    Kristeva, Julia: Bachtin, das Wort, der Dialog und der Roman. In: Ihwe, Jens (Hrsg.): Literaturwissenschaft und Linguistik. Band 3. Zur Linguistischen Basis der Literaturwis-senschaft, II. Frankfurt/M. 1971. Zitiertals: Kristeva 1971. Hier: S. 347.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. ebd., S. 348.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. ebd., S. 351.Google Scholar
  19. 19.
    Kristeva 1971, S. 352.Google Scholar
  20. 20.
    Ebd., S. 353.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. Davidson, Donald: Wahrheit und Interpretation. Frankfurt/M. 1986, S. 31.Google Scholar
  22. 22.
    Ebd., S. 129.Google Scholar
  23. 23.
    Vgl. ebd., S. 137.Google Scholar
  24. 24.
    Ebd., S. 138.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. etwa Neumann, Peter Horst: Das Eigene und das Fremde. über die Wünsch-barkeit einer Theorie des Zitierens. In: Elm, Theo u.a. (Hrsg.): Zur Geschichtlichkeit der Moderne in Theorie und Deutung. München 1982. Zitiert als: Neumann 1982.Google Scholar
  26. 26.
    Unsere Zitatdefinition verlangt für das Verhältnis von Zitat-Objekt und Medium eine Gleichzeitigkeit von Separation und Integration. Als Eckwerte einer Skala kommen deshalb nur Typen der größtmöglichen Separation oder der innigstmöglichen Integration des Eigenen und des Fremden in Betracht; wobeiför beide Fälle eine beabsichtigte Beziehung vorausgesetzt werden muß. Diese Bedingungen erfüllen Motto und Anspielung. Ebd., S. 49.Google Scholar
  27. 27.
    Ebd., S. 44.Google Scholar
  28. 28.
    Ebd., S. 47. Neumann greift hier auf eine Definition von Krause-Ablaß zurück. Zur Definition des Zitats vgl. auch ebd., S. 48f.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. Kaiser, Gerhard R.: Proust, Musil, Joyce. Zum Verhältnis von Literatur und Gesellschaft am Paradigma des Zitats. Frankfurt/M. 1972. Zitiert als: Kaiser 1972.Google Scholar
  30. 30.
    Ebd., S. 3.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. ebd., S. 232.Google Scholar
  32. 32.
    Ebd., S. 7.Google Scholar
  33. 33.
    Ebd., S. 3.Google Scholar
  34. 34.
    Ebd., S. 7.Google Scholar
  35. 35.
  36. 36.
    Ebd., S. 83.Google Scholar
  37. 37.
    Vgl. u.a.: Meyer, Herman: Das Zitat in der Erzählkunst. Zur Geschichte und Poetik des europäischen Romans. Stuttgart 1961. Zitiert als: Meyer; Frey, Hans Jost: Der unendliche Text. Frankfurt/M. 1990. Zitiert als: Frey. In den beiden erwähnten Werken gelangen die Verfasser über eine allgemeine Skizzierung ihres Gegenstandes nicht hinaus. So ist das Zitat etwa für Frey gekennzeichnet durch die Mißachtung des Ursprungskontextes (vgl. Frey, S. 51), durch seinen Wiederholungscharakter (vgl. ebd., S. 56) und seine Eigenschaft, als Zwischentext den Text, woraus es stammt, mit dem Text in den es eingeht zu verbinden (vgl. ebd., S. 63). ähnlich Frey erkennt Meyer im Zitat eine eigenartige Spannung zwischen Assimi¬lation und Dissimilation (Meyer, S. 12), wonach sich nämlich das Zitat sowohl mit seiner neuen Umgebung verbinde, sich zugleich aber von ihr abhebe. Abgesehen vom unbefriedigenden theoretischen Ansatz liefert Meyer allerdings eine Sammlung von ergiebigen Einzelinter¬pretationen, deren Wert nicht bestritten werden soll und die immerhin von Rabelais, Cervantes und Sterne bis Joyce, Eliot und Thomas Mann reichen. Nicht eingegangen wird hier auf die vielen, oft sehr überzeugenden Versuche, intertextuelle Beziehungen an Einzelbeispielen aufzuarbeiten, weil das Interesse einer grundlegenden und umfassenden Typologie gilt.Google Scholar
  38. 38.
    Oraic Tolic, Dubravka: Das Zitat in Literatur und Kunst. Versuch einer Theorie. Wien 1995. Zitiert als: Oraic Tolic.Google Scholar
  39. 39.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 24. Siehe auch Bachtin 1990, S. 124f.Google Scholar
  40. 40.
    Vgl. Bachtin 1990, S. 121ff.Google Scholar
  41. 41.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 24ff.Google Scholar
  42. 42.
    Und nur Texte, die miteinander in Beziehung stehen, sollen ausgehend von dem methodischen Ansatz betrachtet werden! Gemeint sind hier folglich solche, die aufeinander Bezug nehmen, ohne tatsächliche textuelle Interferenzen aufzuweisen.Google Scholar
  43. 43.
    Oraic Tolic, S. 29.Google Scholar
  44. 44.
    Die “referentielle Spannung” als eine Bedingung des Zitats wird—allerdings nicht in der Definition selbst—auch bei Kaiser angedeutet. Vgl. Kaiser 1972, S. 7.Google Scholar
  45. 45.
    Davidsons Sentenz “Name eines Namens” bedeutet nichts anderes als äquivalenz oder Wörtlichkeit.Google Scholar
  46. 46.
    “Wörtlichkeit” ist indes für Kaiser keine Bedingung für das Zitat, da er darunter lediglich die: annähernd wörtliche Anführung fremder Gedanken und Anfuhrung fremder Formulierungen versteht bzw. einen mehr oder weniger expliziten Verweis. Vgl. Kaiser 1972, S. 7. Neumann faßt darunter nur die bezugnehmende Wiedergabe. Vgl. Neumann 1982, S. 47.Google Scholar
  47. 47.
    Deshalb begreift Oraic Tolic Zitathaftigkeit auch als ontologisches und semioti-sches Prinzip. 〉Ontologisch〈 meint in diesem Zusammenhang—und im Sinne der formalen Ontologie—die Möglichkeit, die Strukturen zitathafter Texte zu beschreiben und mit Hilfe geeigneter Kategorien zu analysieren, um so die abstrakten Bestimmungen des Wesens der Zitation selbst einer Klärung zuzuführen. Zur Ontologie und den abstrakten Bestimmungen des 〉Wesens〈 vgl. ausführlich: Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse: 1830.—Teil 1. Die Wissenschaft der Logik: mit den mündlichen Zusätzen. In: Ders.: Werke. Frankfurt/M. 1986. Bd. 8, S. 99f.Google Scholar
  48. 48.
    Die Abbreviationen werden von Oraic Tolic vorgeschlagen und aus Gründen der Vereinfachung hier beibehalten. Vgl. Oraic Tolic, S. 31.Google Scholar
  49. 49.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 31f.Google Scholar
  50. 50.
  51. 51.
    Vgl. ebd., S. 34f.Google Scholar
  52. 52.
    Um der Gefahr der Verwechslung vorzubeugen, wird deshalb in der vorliegenden Arbeit strikt darauf geachtet, den expliziten Intext bzw. das eigentliche Zitat stets als solchen/solches zu bezeichnen und als Sammelbegriff für die intertextuellen Relationen den der Intertextualität beizubehalten. Im übrigen finden die von Oraic Tolic vorgeschlagenen Begriffe Verwendung.Google Scholar
  53. 53.
    Vgl. Simon, S. 1054.Google Scholar
  54. 54.
    Vgl. ebd., S. 40f.Google Scholar
  55. 55.
    Vgl. ebd., S. 52f. Oraic Tolic ist indes nicht die erste Theoretikerin, die zwei grundsätzlich verschiedene Orientierungen in der Verwendung und Integration zitathaften Materials erkennt. Speziell auf die (literarische) Montage bezogen skizzierte Volker Klotz bereits Mitte der 70er Jahre nach Verfahren, Konstruktion, Funktion u.s.w. verschiedene, geschichtlich bedingte Tendenzen, die zwei unterschiedliche, dem Prinzip der Montage ver¬pflichtete Typen von Kunstwerken generieren: das sogenannte “organisierte Kunstwerk” mit der Tendenz zum Homogenen und das “montierte” mit der Tendenz zum Heterogenen. Vgl. Klotz, Volker: Zitat und Montage in neuerer Literatur und Kunst. In: Sprache im technischen Zeitalter 57–60 (1976). Berlin 1976, S. 259–277. Zitiert als: Klotz. Hier: S. 267ff.Google Scholar
  56. 56.
    Vgl. hierzu: ebd., S. 57ff.Google Scholar
  57. 57.
    Ebd., S. 68.Google Scholar
  58. 58.
    Der heute fast ausnahmslos parodistische Gebrauch des Centos macht leicht vergessen, daß es sich bei dieser Gattung zitierender übernahme von Teilen anderer Werke ursprünglich um Gedichte handelte, die aus den Versen anderer, vorbildlicher Dichter zusammengestellt (genauer: “zusammengeflickt”) wurden. Der Gedanke, den ‘eigenen ’Text dabei gegen die ursprüngliche Quelle zu wenden, ist den antiken—besonders den hellenistischen und byzantinischen—Centonen-Dichtern, denen es vorrangig auf die imitatio der Vorlage ankam, weitgehend fremd (vgl. dazu bspw. den “Cento nuptilias” des Ausonius oder auch die Vergil imitierenden bibelepischen Centonen der Proba). Noch im Mittelalter wird das Verständnis der Gattung von ‘Blütenlese ’und ästhetischer Imitation geprägt (etwa beim Tegernseer Mönch Metellus und seinen auf Horaz und Vergil aufbauenden “Geistlichen Liedern”). Erst ab dem 16. Jahrhundert (etwa mit Montaigne) und besonders in der Aufklärung (etwa Sternes “Tristram Shandy”) wird die kontrafaktische Schreibweise vollends zugunsten der parodistischen aufge¬geben. Seither wird unter dem Cento meist nur noch die parodistische Zitatmontage verstanden. Zum Cento vgl. ausführlich: Verweyen, Theodor u.a.: “Cento”. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearb. des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte. Gemein¬sam mit Harald Fricke u.a. hrsg. von Klaus Weimar. Band I: A-G. Berlin 1997, S. 293–294.Google Scholar
  59. 59.
    Unter dem nicht-satirischen Pastiche wird hier die ernsthafte und ohne satirische Absicht unternommenen Nachahmung eines Autorstils verstanden, in der direkte Zitate und wörtliche übernahmen zwar möglichst vermieden werden, dennoch aber nicht ausbleiben (etwa dort, wo aus der Nachahmung ein Plagiat wird). Zur Unterscheidung von satirischem und nichtsatirischem Pastiche vgl. ausführlich: Genette, Gerard: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Frankfurt/M. 1993, S. 40ff. und S. 130ff. Genette weist dort auch darauf hin, daß stereotype Formulierungen der Vorlage unverändert, d.h. als Zitat, in das Pastiche übernommen werden. Vgl. ebd., S. 103.Google Scholar
  60. 60.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 66.Google Scholar
  61. 61.
    Ebd., S. 68.Google Scholar
  62. 62.
  63. 63.
    Vgl. ebd., S. 69.Google Scholar
  64. 64.
    Vgl. ebd, S. 60 u. 69f.Google Scholar
  65. 65.
    Vgl. ebd., S. 60f. u. 71 ff.Google Scholar
  66. 66.
    Ebd., S. 62.Google Scholar
  67. 67.
    Vgl. dazu ebd., S. 62ff. u. 73f.Google Scholar
  68. 68.
    Ebd., S. 64.Google Scholar
  69. 69.
    Ebd., S. 73.Google Scholar
  70. 70.
    Ebd., S. 74.Google Scholar
  71. 71.
    Ebd., S. 74f.Google Scholar
  72. 72.
    Vgl. ebd., S. 97.Google Scholar
  73. 73.
    Vgl. ebd., S. 122ff.Google Scholar
  74. 74.
    Vgl. Bachmann, Ingeborg: Wir müssen wahre Sätze finden. Gespräche und Interviews. Herausgegeben von Christine Koschel und Inge von Weidenbaum. München 1991 (Neuausgabe). Zitiert als: Gul.Google Scholar
  75. 75.
    Ebd., S. 12 u. 85.Google Scholar
  76. 76.
    Ebd., S. 56 u. 125.Google Scholar
  77. 77.
    Ebd., S. 57Google Scholar
  78. 78.
    Ebd., S. 110.Google Scholar
  79. 79.
    Ebd., S. 20.Google Scholar
  80. 80.
  81. 81.
    Vgl. ebd., S. 16 u. 126.Google Scholar
  82. 81.
    Ebd., S. 125.Google Scholar
  83. 83.
  84. 84.
    Ebd., S. 69.Google Scholar
  85. 85.
    Vgl. die “Frankfurter Vorlesungen”, in denen u.a. folgende Werke eingehend betrachtet werden: Hofmannsthals “Ein Brief”, Dostojewskijs “Aufzeichnungen aus dem Totenhaus”, Prousts “A la recherche du temps perdu”, Kafkas “Schloß”, Joyce ’”Ulysses”, Faulkners “The sound and the fury”, Becketts Roman-Trilogie und Hans Henny Jahnns “Fluß ohne Ufer”. Vgl. Ingeborg Bachmann: Frankfurter Vorlesungen: Probleme zeitgenössischer Dichtung. In: diess.: Werke. Herausgegeben, von Christine Koschel, Inge v. Weidenbaum und Clemens Münster. Vierter Band: Essays, Reden, Vermischte Schriften, Anhang. München 1978, S. 182–271. Wo nicht anders vermerkt, wird die Werkausgabe im fortlaufenden Text unter Angabe der römischen Bandnummer sowie Seitenzahl zitiert.Google Scholar
  86. 86.
    Wie dies etwa an dem von Bachmann schon in der Vorlesung zitierten Kafka-Brief ersichtlich wird, der dann kryptisch im Roman Malina Verwendung findet (vgl. 334). ähnlich verhält es sich auch mit der Doppelgänger-/Geschwister-Problematik aus dem Musil-schen Werk, die schon für das Eugen Tobai-Fragment und mehr noch den Franza-Komplex bedeutungsvoll ist und dann später in der Gestaltung der Dreickskonstellation Ich-Malina-Ivan aufgeht. Als dritte—eher die Erzählstruktur betreffende—Affinität sei auf den Entwurf einer Ich-Figur ex katochen verwiesen, die mit dem Fokus auf Becketts verschwindendem Ich der Romantrilogie schon in der dritten Vorlesung empirisch erörtert wird (vgl. IV, S. 235–237).Google Scholar
  87. 87.
    Vgl. Bartsch, Kurt: Ein nach vorn geöffnetes Reich von unbekannten Grenzen. In: Bauer, Uwe und Castex, Elisabeth (Hrsg.): Robert Musil: Untersuchungen. Königstein 1980Google Scholar
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    Die ‘Celan-Fraktion ’veröffentlichte ihre Beiträge im sechsten Celan-Jahrbuch: Wögerbauer, Werner: Zur strukturbildenden Funktion der Liebesbeziehung in der Dichtung Paul Celans. In: Celan-Jahrbuch 6. Heidelberg 1995, S. 161–172.Google Scholar
  114. 98i.
    Zitiert als Wögerbauer 1995; Neumann, Peter Horst: Ingeborg Bachmanns Fragment Das Gedicht an den Lesen—eine Antwort auf die 〉Sprachgitter〈-Gedichte Paul Celans. In: ebd., S. 173–180. Zudem veröffentlichte Sigrid Weigel kürzlich eine erweiterte ‘Version ’ihres Zürich-Vortrags, in dem einige der 〉Enthüllungen〈 der Tagung Berücksichtigung finden. Vgl.: Weigel, Sigrid: “Sie sagten sich Helles und Dunkles”. Ingeborg Bachmanns literarischer Dialog mit Paul Celan. In: TEXT + KRITIK. Heft 6: Ingeborg Bachmann. 5. Auflage: Neufassung. München 1995, S. 123–135. Zitiertals: Weigel 1996. Darüberhinaus publizierte jüngst Wolfgang Emmerich einen Aufsatz, dereiner Zusammenfassung dieser Tagung entspricht, die im wesentlichen auszeichnete, zu starke biographische Akzente gesetzt zu haben. Vgl.: Emmerich, Wolfgang: Begegnung und Verfehlung. Paul Celan-Ingeborg Bachmann. In: Sinn & Form. 2/96. 28. Jahr/2. Heft, Berlin u.a. 1996, S. 278–294.Google Scholar
  115. 99.
    Vgl. u.a. Klaubert, Annette: Symbolische Strukturen bei Ingeborg Bachmann. “Malina” im Kontext der Kurzgeschichten. Bern, Frankfurt/M., New York 1983Google Scholar
  116. 99a.
    Bartsch, Kurt: Ingeborg Bachmann. Stuttgart 1988. Zitiert als: Bartsch 1988. Bzw. in denen das Material auf wenig überzeugende Weise ‘arrangiert ’wurde wie etwa: Behre, Maria: “Das Ich, weiblich”. “Malina” im Chor der Stimmen zur “Erfindung” des Weiblichen im Menschen. In: Stoll, Andrea (Hrsg.): Ingeborg Bachmanns “Malina”. Frankfurt/M. 1992, S. 210–232. Letztere glaubt im Roman einen Dialog von Stimmen zu erkennen, die realen Autoren entsprechen, nämlich: Musil (das Ich), Celan (Malina) und Frisch (Ivan).Google Scholar
  117. 100.
    So ist es unbegreiflich, weshalb beispielsweise ausgerechnet das von Göttsche selbst in einem überzeugenden Aufsatz belegte Material zu Barbey d’Aurevilly nicht Aufnahme in den Kommentar gefunden hat Die Gesellschaft ist der allergrößte Mordschauplatz…[617]; vgl. Göttsche 1992). Auch die bekannten Celan-Zitate sind nicht vollständig nachgewiesen. Diese Versehen sind allenfalls durch das wohl etwas verfrühte Erscheinen der Ausgabe zu erklären.Google Scholar
  118. 101.
    Vgl. Albrecht, Monika: “Die andere Seite”. Untersuchung zur Bedeutung von Werk und Person Max Frischs in Ingeborg Bachmanns “Todesarten”. A.a.O.; dies.: “Todes-arten”: “Malina” und frühe Entwürfe—Anmerkungen zu Ingeborg Bachmanns Romanzyklus und seiner Präsentation in der Werkausgabe. In: ZfdPh, Jg. 107, Heft 4. Berlin 1988, S. 585–602; dies.: Ingeborg Bachmanns TODESARTEN-Zyklus—Perspektiven einer künftigen Edition. In: Grillparzer-Jb., Folge 3, Bd. 17 (Berichtszeit 1987–90). Wien 1991, S. 85–117;Google Scholar
  119. 101a.
    Göttsche, Dirk: “Malina” und nachgelassene “Todesarten”-Fragmente. Zur Geschichte des reflexiven und zyklischen Erzählens bei Ingeborg Bachmann. In: Stoll, Andrea (Hrsg.): Ingeborg Bachmanns “Malina”. A.a.O. 1988, S. 188–209. Bezüglich der Ausführungen zur Entstehungsgeschichte des Romans in diesem Abschnitt siehe insbesondere: ders.: überlieferungsbeschreibung und Textkritischer Kommentar. In: “Todesarten”-Projekt. Bd. 3. A.a.O., hier: S. 749–917.Google Scholar
  120. 102.
    Um die—erzählstrukturelle Phänomene beschreibenden—Funktionstypen von der semantischen Funktion der Zitate abzugrenzen, werden sie als narrative Funktionen bezeichnet.Google Scholar
  121. 103.
    Refrainartig wird durch die Nennung der Stadt jeder ungerade der zwölf Verse im Gedicht: Ein Lied in der Wüste geschlossen: Ein Kranz ward gewunden aus schwärzlichem Laub in der Gegend von Akra:/Dort riß ich den Rappen herum und stach nach dem Tod mit dem Degen./Auch trank ich aus hölzernen Schalen die Asche der Brunnen von Akra/und zog mit gefälltem Visier den Trümmern der Himmel entgegen. […]. Vgl.: Celan, Paul: Gesammelte Werke in fünfBänden. Hrsg. v. Beda Allemann und Stefan Reichert unter Mitwirkung von Rolf Bücher. Frankfurt/M. 1983. Zitiert als: Celan [Bandnummer]. Hier: Celan I, S. 11.Google Scholar
  122. 104.
    Zum Pathos vgl. insbesondere den letzten Satz, der die Revolution von 1848 verherrlicht.Google Scholar
  123. 105.
    Vgl. 920, Anmerkung zu 13,11.Google Scholar
  124. 106.
    Shakespeare, William: The Complete Works. Ed.: Peter Alexander. London 1991, S. 1047.Google Scholar
  125. 107.
  126. 108.
  127. 109.
  128. 110.
    Auch die Absatzgestaltung des Blattes N 1795a spricht eher für die Zuordnung der Satzgruppe: Essen. übelkeit. Diefolie, kein Sinn, wenn nicht gerechtfertigt durch Arbeit. (Sinn Monolog von H.) zu Malina, da sich der funfzeilige Paragraph als geschlossener Korpus offensichtlich auf diese Figur beziehen soll (vgl. 12).Google Scholar
  129. 111.
    Vgl. Pirandello, Luigi: Dialog zwischen Großem Ich und kleinem ich. In: ders.: Il Gran Me e il piccolo me. Racconti. München 1995, S. 116–123.Google Scholar
  130. 112.
    Vgl. Kaiser 1972, S. 83.Google Scholar
  131. 113.
    Die Möglichkeit der (gegenseitigen) intertextuellen Bezugnahme von Ingeborg Bachmann und Gershom Scholem war erst kürzlich Gegenstand eines Artikels von Sigrid Weigel, der jedoch in seiner Leitthese von Friedrich Niewöher, einem der Mitherausgeber der Scholem-Tagebücher, entkräftet wurde. Vgl. dazu: Weigel, Sigrid: Der Abend aller Tage. In: Die Zeit. Nr. 26 vom 21. Juni 1996 (51. Jg.), S. 40; und Niewöher, Friedrich: An Ingeborg Bachmann. In: Die Zeit. Nr. 30 vom 19. Juli 1996 (51. Jg.), S. 14.Google Scholar
  132. 114.
    Vgl. Hölderlin, Friedrich: Sämtliche Werke. Stuttgarter Ausgabe. Hrsg. v. Friedrich Beißner. Bd. 3. Stuttgart 1958, S. 177f.: Ich wollte erzählen. Ich will es tun. Von außen stört mich nichts in meinen Erinnerungen. Auf welche Weise Ingeborg Bachmann das Hölderlin-Material einarbeitet und welche Bedeutung der Motivkomplex für das Erzählverfahren des Romans hat, wurde von Göttsche gezeigt, weshalb hier nicht ausführlicher dazu Stellung genommen werden muß. Vgl. Göttsche 1990. Bezeichnend ist indes die auffällige Diskrepanz der erzählstrukturellen Bedeutung des Hölderlin-Motivs und der tatsächlichen Quellenkenntnis der Autorin, wie sie durch eine Anekdote um dieses Zitat zum Ausdruck kommt, die von Toni Kienlechner überliefert wurde: Ingeborg hatte mir erzählt, sie solle zu einem Hölderlin-Jahrestag einen Beitrag schreiben, und sie zitierte einen Hölderlin-Satz, mit dem es ßr sie eine eigenartige Bewandtnis habe: “Ich will erzählen, ich werde erzählen, nichts stört mich mehr in meiner Erinnerung.” Das Seltsame sei, so In-geborg, dass sie nun den ganzen Hölderlin nach diesem Satz abgesucht habe—aber er sei nicht mehr da. “Diesen Satz gibt es gar nicht. Hölderlin hat ihn gar nicht geschrieben. Es war wohl ein gespenstisches Geschenk von Hölderlin an mich, dieser Satz…darüber könnte ich schrei¬ben.” Dieser angeblich gespenstische Satz von Hölderlin blieb mir im Ohr und weckte mich am nächsten Morgen um sechs. Ich sprang aus dem Bett und holte “meinen” Hölderlin aus dem Regal und hatte nach wenigen Minuten den Satz gefunden. Ich konnte es kaum erwarten, Ingeborg anzurufen—sie war vor allem heilfroh: “Das wäre eine schöne Blamage gewesen.” Keine Spur von Pathos. Vgl. Kienlechner, Toni: Wörter und Worte. In: du. Die Zeitschrift der Kultur. Heft Nr. 9 vom September 1994, Zürich 1994, S.64–65. Hier: S. 65.Google Scholar
  133. 115.
    Für den Hinweis auf Meyrinks “Der Golem” danke ich Sigrid Lange.Google Scholar
  134. 116.
    Daß es tatsächlich ein Cafe Musil in Klagenfurt gibt, weiß der Leser spätestens seit Uwe Johnsons Reise nach Klagenfurt (Johnson, Uwe: Reise nach Klagenfurt. Frankfurt/M. 1974.). Natürlich ist belegt, daß das Cafe weder nach Robert Musil benannt wurde, noch daß er mit der Betreiberfamilie verwandt war. Dennoch ist die Nennung des Cafes zweifellos als Allusion auf den in der gleichen Stadt wie Bachmann geborenen und von ihr hochverehrten Schriftsteller lesbar.Google Scholar
  135. 117.
    Celan III, S. 169–173. Vgl. besonders S. 170ff.Google Scholar
  136. 118.
    Vgl. dazu: Celan I, S. 13; Celan I, S. 25; Celan I, S. 33.Google Scholar
  137. 119.
    Vgl. dazu: Celan I, S. 228; Celan II, S. 144; Celan I, S. 12; Celan I, S. 37; Celan I, S. 68.Google Scholar
  138. 120.
    Ein Kind ist auch da, ich sehe nur eines, obwohl mir ist, als mußten da zwei Kinder sein, und das Kind liegt in einer Ecke. Ich habe es sofort erkannt. In einer anderen Ecke liegt die Frau, sanft und duldsam, von der sein Kind ist […](523). Paul Celan und Gisele Lestrange heirateten im Jahre 1952. Vor Eric Celan wurde der Sohn Francois geboren, der noch im Oktober 1953 starb, wie das Gedicht GRABSCHRIFT FÜR FRANCOIS (Celan I, S. 105) bezeugt.Google Scholar
  139. 121.
    Die, um es zu wiederholen, bereits um den Jahreswechsel 1967/68 entstanden sein muß!Google Scholar
  140. 122.
    Mit dem “Berliner Fräulein” könnte Ingeborg Bachmann selbst gemeint sein, die 1963/64 nach der Trennung von Max Frisch in Berlin lebte.Google Scholar
  141. 123.
    In: Celan I, S. 7–78.Google Scholar
  142. 124.
    Celan I, S. 28.Google Scholar
  143. 125.
    Vgl. u.a. Wögerbauer 1995, S.167.Google Scholar
  144. 126.
    Wann Celan Bachmann den Band schenkte, ist nicht überliefert. Wenige Monate vor ihrem Tod überreichte Ingeborg Bachmann das Buch an Christine Koschel (vgl. dazu den Vortrag “Malina ist eine einzige Anspielung auf Gedichte”, den Christine Koschel am 9.10.1994 auf dem bereits erwähnten Bachmann-Celan-Symposion hielt; dokumentiert ist der Beitrag in: Korrespondenzen, S. 17–22).Google Scholar
  145. 127.
    Wie vorgeschlagen in: Wögerbauer 1995, S. 167.Google Scholar
  146. 128.
    In: Korrespondenzen, S. 22 wird eine Liste der Widmungs-Gedichte vorgelegt. Die Widmung “f.D.” findet sich über den Gedichten: NACHTS ist dein Leib von Gottes Fieber braun (Celan I, S. 12), ERINNERUNG AN FRANKREICH (ebd., S. 28), NACHTSTRAHL (ebd., S. 31), DIE JAHRE VON DIR ZU MIR (ebd., S. 32), LOB DER FERNE (ebd., S. 33), DAS GANZE LEBEN (ebd., S. 34), CORONA (ebd., S. 37), AUF REISEN (ebd., S. 45), IN ägypten (ebd., S. 46), BRANDMAL (ebd., S. 50), WER sein Herz aus der Brust reißt zur Nacht […] (ebd., S. 51), KRISTALL (ebd., S. 52), NACHTS, wenn das Pendel der Liebe schwingt […] (ebd., S. 57), SO schlafe, und mein Aug […] (ebd., S. 58), SO bist du denn geworden […] (ebd., S. 59), DIE FESTE BURG (ebd., S. 60), DER Tauben weißeste flog auf […] (ebd., S. 61), AUS Herzen und Hirnen […] (ebd., S. 70), LANDSCHAFT (ebd., S. 74), STILLE! (ebd., S. 75), WASSER UND FEUER (ebd., S. 76f.), ZäHLE die Mandeln (ebd., S. 78); die Widmung “u.f.D.” über dem Gedicht: SIE kämmt ihr Haar […] (ebd., S. 72). Auffällig ist, daß Bachmann—anders als zu vermuten wäre—weder aus allen ihr ‘gewidmeten ’Gedichten ‘zitiert ’noch sich die Prototexte auf dieses Material beschränken. So finden nur 11 der insgesamt 23 Texte im Roman Berücksichtigung. Darüber hinaus referiert die Autorin aber auf mindestens 3 weitere Gedichte, die keine Widmung tragen: EIN LIED in der Wüste (ebd., S. 11), UMSONST malst du Herzen ans Fenster (ebd., S. 13), Die Hand voller Stunden, so kamst du zu mir […] (ebd., S. 16). Vgl. dazu ausführlich die Zitatübersicht im Anhang.Google Scholar
  147. 129.
    Bachmann bedient sich hier eines Motivs, das vieldeutig wie kein anderes ist und in der Literatur ebenso häufig Verwendung findet. Ist das Motiv von jeher eng mit dem Traum und Traumzuständen verknüpft, nutz es die Autorin hier, um die Sehnsucht nach Zusammenfüh¬rung der Liebenden zu markieren. Der Mond ist in dieser Szene also weniger Sinnträger von Androgynität, eines inneren Erregungszustand oder der Selbstbesinnung der Figuren, vielmehr kündigt sein mildes Licht hier Rettung, Geborgenheit und Heimat an. Er wird zum Zeichen der erfüllten Liebe. Zum Motiv vgl. ausführlich: Daemmrich, Horst S. u.a.: Themen und Motive in der Literatur. Ein Handbuch. 2., überarb. und erw. Auflage. Tübingen 1995, S. 257–260.Google Scholar
  148. 130.
    Schönberg, Arnold: Pierrot lunaire, op. 21. In: Schoenberg, Arnold: Pierrot lunaire, Serenade, Die eiserne Brigade. London 1990, Textbeilage S. 22–41. Zitiert als: Schönberg. In der Sentenz: wie einen toten Falterfallschirm (98) klingt im Traum-Entwurf der Giraud-Text allerdings auch erstmals an: Finstre, schwarze Riesenfalter / Töteten der Sonne Glanz (vgl. Schönberg, S. 28).Google Scholar
  149. 131.
    Musil, Robert: Gesammelte Werke in neun Bänden. Herausgegeben von Adolf Frise. Reinbek bei Hamburg 1978. Der Mann ohne Eigenschaften (Band I-V) wird zitiert als: MoE, die übrigen Texte als: Musil [Bandnummer]. Auch bei Musil stellt der Pierrot lunaire ein exponiertes Motiv dar, um die Beziehung zwischen Ulrich und seinem ans Licht gekommenen Gegenmenschen Agathe zu charakterisieren. Zum Motiv vgl.: MoE, S. 675f. u. S. 1086. Die Mondmetaphorik und die Figur des melancholischen Clowns, der seine Gefühle hinter der weißen Maske verbirgt, werden bei Musil zusammengezogen, um die Thematik der Androgyni¬tät zu gestalten.Google Scholar
  150. 132.
    MoE, S. 827.Google Scholar
  151. 133.
    MoE, S. 1428.Google Scholar
  152. 134.
    MoE, S. 1084.Google Scholar
  153. 135.
    Musil hat nicht nur im “Mann ohne Eigenschaften”, sondern auch im Gedicht “Isis und Osiris” eine inzestiöse Beziehung mit ihren selbstzerstörerischen Folgen ausdrücklich in das silbrige Licht des Mondes verlagert: Auf den Blättern der Sterne lag der Knabe / Mond in silberner Ruh, […] (Musil VI, S. 465). Wie groß die Wirkung des Gedichtes auf Bachmann war, ist durch das Essay “Der Mann ohne Eigenschaften” belegt (vgl. IV, 98f.), ebenso wie ihr Eindruck vom Roman durch die Interviews (vgl. Gul 56, 125) und die “Frankfurter Vorlesungen” (vgl. u.a. IV, 194). Daß die Autorin folglich nicht selbstverständlich mit dem Motiv arbeitete und eine streng kalkulierte Wirkung mit dessen Verwendung zu evozieren beabsichtig¬te, ist anzunehmen.Google Scholar
  154. 136.
  155. 137.
    übrigens plante auch Musil in seinem Roman ein Traumkapitel, in welchem Agathe die Vereinigung mit Ulrich im Traum vorwegnimmt: Und weil sie in dieser Ruhe eins waren und ohne Scheidung in sich selbst, und ihr Wille kein Tun hatte, stand sie in dieser Ruhe wie vor einem Sonnenaufgang und ging mit ihren irdischen Einzelheiten in ihm unter (vgl. MoE, S. 1500ff.). In dem Musilschen Entwurf finden auch die von Bachmann später zitierte Farld-Ed-Dln Attar-Sentenz: Wirf alles, was du hast, ins Feuer, bis zu den Schuhen […] (ebd., S. 1501) und das Motiv der sich öffnenden Wand (vgl. ebd., S. 1502) Berücksichtigung.Google Scholar
  156. 138.
    Vgl. MoE, S. 1087.Google Scholar
  157. 139.
    Stirner, Max: Der Einzige und sein Eigentum. Stuttgart 1981. Zitiert als: Stirner.Google Scholar
  158. 140.
    Ebd., S. 153.Google Scholar
  159. 141.
    Ebd., S. 284.Google Scholar
  160. 142.
    Ebd., S. 385.Google Scholar
  161. 143.
    Ebd., S. 399.Google Scholar
  162. 144.
    Ebd., S. 402.Google Scholar
  163. 145.
    Wie auch Stirner selbst seine Zitate selten durch Quellenangaben auswies.Google Scholar
  164. 146.
    Zur Kritik Stirners vgl. ausführlich: Marx, Karl / Engels, Friedrich: Werke. Berlin (Ost) 1958, Bd. 3. Der immerhin mehr als 300 Seiten umfassende und mit “Sankt Max” überschriebene dritte Teil von “Die deutsche Ideologie” ist der sprachlich brillianten, aber umso vernichtenderen Kritik des Stirner-Textes gewidmet.Google Scholar
  165. 147.
    Unter “geflügelten Worten” werden mit Büchmann solche zitathaften Ausdrücke verstanden, welche, von nachweisbaren Verfassern ausgegangen, allgemein bekannt geworden sind und allgemein wie Sprichwörter angewendet werden. Vgl. Büchmann, Georg: Geflügelte Worte. Der Zitatenschatz des deutschen Volkes. 36. Auflage. Bearbeitet von Winfried Hofmann. Frankfurt/M. 1986, S. VIII. Büchmanns redaktioneller Nachfolger Robert-tornow (sie!) modifizierte diese Definition, indem er den Sprichwortcharakter und die nachweisbare Verfasserschaft weniger akzentuierte, dafür aber den literarischen Ursprung der Sentenzen betonte: Ein geflügeltes Wort ist ein in weiten Kreisen unseres Vaterlandes dauernd angeführter Ausspruch, Ausdruck oder Name, gleichviel, welcher Sprache, dessen historischer Urheber oder dessen literarischer Ursprung nachweisbar ist. Ebd.Google Scholar
  166. 148.
    Vgl. Rimbaud, Arthur: Gedichte. Französisch und deutsch. Leipzig 1989, S. 69–113. Die Ausgabe wird zitiert als: Rimbaud.Google Scholar
  167. 149.
    Und auch vergeblich versucht, im “Parnasse Contemporain” zu veröffentlichen.Google Scholar
  168. 150.
    Vgl. Rimbauds Brief an Paul Demeny vom 15. Mai 1871. In: Rimbaud, S.152–158. Hier: S. 153.Google Scholar
  169. 151.
    Vgl. ebd., S. 155.Google Scholar
  170. 152.
    Vgl. ebd., S. 156.Google Scholar
  171. 153.
  172. 154.
    Nous allons à l’Esprit. C’est trés-certain, c’est oracle, ce que je dis. Je com-prends, et ne sachant m’expliquer sans paroles paiennes, je voudrais me taire. Ebd., S. 74.Google Scholar
  173. 155.
    Ebd., S. 156.Google Scholar
  174. 156.
    Vgl. ebd., S. 155.Google Scholar
  175. 157.
    Vgl. dazu Brockhaus-Enzyklopädie: in 24 Bänden. 19., völlig neu bearbeitete Auflage. 6. Band: Ds-Ew. Mannheim 1994, S. 415–416: Enteignung, lat. Expropriation, Entziehung des Eigentums an bewegt, oder unbewegt. Sachen oder sonstigen Vermögenswerten durch staatlichen Hoheitsakt. Die E. soll dazu dienen, die entzogene [nämlich zwangsentzogene—J.B.] Sache zum Wohle der Allgemeinheit [sic!] einem anderen, als höherwertig geltenden Verwendungszweck zuzuführen.Google Scholar
  176. 158.
    In der Vorlage Rimbauds heißt es: Wem soll ich mich anpreisen? Welches Tier anbeten ? Welches Heiligenbild stürmen ? Welche Herzen brechen ? Welche Lüge soll ich stützen ? In welchem Blut waten? Schlag einen Bogen um die Gerechtigkeit.—Das harte Leben, die arglose Vertierung—die Faust abgestumpft, den Deckel des Sarges heben, sich hinlegen, verrecken. Rimbaud, S. 77. In Malina kehrt die Passage bearbeitet wieder: In einem tiefen Rausch werde ich meine Fragen ausschlafen. Tiere werde ich anbeten in der Nacht, mich an den heiligsten Bildern vergreifen, mich an alle Lügen halten, vertiert werde ich sein im Traum und mich töten lassen, wie ein Tier. (438)Google Scholar
  177. 159.
  178. 160.
    Vgl. dazu den anhand des Hölderlin-Zitats eingeführten Komplex um das Erinnerungserzählen und die dazugehörige Anekdote, wie sie Toni Kienlechner berichtet, den durch das Meyrink-Zitat thematisierten Heute-Begriff oder auch die Enteignungs-Problematik.Google Scholar
  179. 161.
    Vgl. dazu das Kapitel: 2.3.3.1. Die semantische Ebene (S. 108ff.).Google Scholar
  180. 162.
    Womit Göttsche widersprochen wird, der im Kommentar solches erst für die Fassungen der Textstufe IV annimmt (vgl. 843).Google Scholar
  181. 163.
    Wie etwa die Lieder/Arien-Libretti (vgl. u.a. 288, 296, 517, 518, 546), Zitate aus Büchern (630, 677) oder Zeitungsausschnitte (603).Google Scholar
  182. 164.
    Vgl. Schönberg, S. 40.Google Scholar
  183. 165.
    Meyrink, Gustav: Der Golem. Leipzig und Weimar 1983. Zitiert als: Meyrink.Google Scholar
  184. 166.
    Auf diese eigentümliche Bedeutung des Mottos, das wohl kaum zu dem Text gehört, in dem es Verwendung findet, hat Peter Horst Neumann in seinem Artikel Das Eigene und das Fremde aufmerksam gemacht: Ein Grenzfall des Zitierens muß das Motto schon deswegen sein, weil die strenge Trennung von Eigenem und Fremdem ein wesentliches Element des Zitatkomplexes zweifelhaft erscheinen läßt: das Zitatmedium, das hier den zitierten Text nicht enthält. Formal ist die Vermittlung also nicht geleistet. Es bedarf der Medialität des Lesers, daß sie sich unter dem mehr oder weniger deutlichen Dirigat beider Texte herstellen kann. Neumann 1982, S. 51.Google Scholar
  185. 167.
    Deren Zitation in der Entwurfsreinschrift ohne Anführungszeichen erfolgt!Google Scholar
  186. 168.
    Jene dreizehnbändige Sammlung, die nur zwei der vom Ich erwähnten Lieder enthält, wie Achberger (vgl. Achberger 1988, S. 212) und Göttsche (vgl. 950) berichten.Google Scholar
  187. 169.
    Wiewohl eine zwar nicht vordergründige, aber zweifelsohne existierende biographische Deutungsebene in dem Abschnitt angelegt ist und somit auch bedacht werden soll; allerdings nicht als einzige verbindliche Lesart!Google Scholar
  188. 170.
    So die Kritische Ausgabe (932). Allerdings findet sich dieses Duett nicht im zweiten Akt—wie von den Herausgebern irrtümlich angemerkt -, sondern im vierten. Im zweite Akt wird der Dichter Hoffmann nicht durch Giulietta verfuhrt, sondern durch Olympia. Der Bearbeiter des Kommentars hat sich wohl durch die verwirrende Vielfalt an Versionen der lediglich als Fragment überlieferten Oper irritieren lassen. So wurde die Barcarole in der Uraufführung etwa dem Antonia-Akt (3.Akt) vorangestellt. Mit Blick auf die Doppelgänger-Problematik im Bachmannschen Roman scheint es jedoch ratsam, die von Offenbach selbst favorisierte Fassung, wie sie seit Oesers Kritischer Ausgabe der Oper im Jahre 1977 verbindlich ist, als Referenz zu Rate zu ziehen.Google Scholar
  189. 171.
    Vgl. Hoffmann, E.T.A.: Werke. In sechs Bänden. Hrsg. von Hartmut Steinecke (u.a.). Frankfurt/M. 1993. Unter Angabe der Bandnummer zitiert als: Hoffmann. Für die Szene: Hoffmann 11,1, S. 344f.Google Scholar
  190. 172.
    In Hoffmanns Erzählung “Die Abenteuer der Sylvester-Nacht” ist dies die Doppelfigur General Suwarow/Erasmus Spikher.Google Scholar
  191. 173.
    In dieser Arbeit wird Bezug genommen auf eine Einspielung der Oper mit dem Bayrischen Rundfunksinfonieorchester unter Wollberg mit Ilse Gramatzki als Niklas und Norma Sharp als Giulietta (EMI 1979).Google Scholar
  192. 174.
    Zum Doppelgänger vgl. die Studie: Hildenbrock, Aglaja: Das andere Ich. Künstlicher Mensch und Doppelgänger in der deutsch- und englischsprachigen Literatur. Tübingen 1980. Leider fand der Bachmannsche Roman dort keine Würdigung.Google Scholar
  193. 175.
    Neben der Erzählung “Die Abenteuer der Sylvester-Nacht” finden auch andere Motive aus Erzählungen E.T.A. Hoffmanns in der Oper Verwendung. Bezeichnenderweise handelt es sich dabei um jene unheimlichen Geschichten, Nacht- oder Fantasiestücke, die Phänomene trügerischer Identität zum Gegenstand haben: “Der Sandmann”, “Rat Crespel”, und “Der goldne Topf”. In “Hoffmanns Erzählungen” stehen indes nicht nur die Figuren zur Disposition, sondern entgleitet darüber hinaus auch noch die Abgrenzung der Erzählebenen, da es dem Dichter Hoffmann aufgetragen wird, durch die Handlung zu führen.Google Scholar
  194. 176.
    Und damit implizit die Ankündigung des eigenen Endes.Google Scholar
  195. 177.
    Vgl. in diesem Zusammenhang Bachmanns Gedicht: “Keine Delikatessen” (I, 172). Auch dort kündigt ein (allerdings lyrisches) Ich seinen Rückzug aus dem Text an.Google Scholar
  196. 178.
    Einzig die ‘kabbalistische ’Zahlenspielerei um die Hausnummern von Ich und Ivan bzw. das (allerdings eminent bedeutsame) Pierrot lunaire-Motiv finden, wie die Her¬ausgeber der Kritischen Ausgabe gezeigt haben (vgl. 844), noch keine Berücksichtigung.Google Scholar
  197. 179.
    Vgl. dazu wiederum Göttsche (843).Google Scholar
  198. 180.
    Vgl. Albrecht 1992, S. 272.Google Scholar
  199. 181.
    Vgl. Lob der Ferne (Celan I, S. 33) und Corona (Celan I, S. 37).Google Scholar
  200. 182.
    Celan I, S. 115. Vgl. dazu auch das Gedicht: Sie kämmt ihr Haar wie mans den Toten kämmt […] aus der Sammlung “Mohn und Gedächtnis” (ebd., S. 72), das die Widmungs-Abbreviatur “u.f.d.“ trägt.Google Scholar
  201. 183.
    Celan I, S. 61.Google Scholar
  202. 184.
    Bezeichnenderweise erfolgt der Textabbruch nach dem Auftreten des Befreiers (846) und nachdem die Autorin eine folgenreiche lexikalische Veränderung am Text vor¬genommen hat: Ist anfangs im Märchen stets vom Pferd der Prinzessin die Rede (vgl. 169f.), wird das Tier ab dem Typoskript Ml-33 als 〉Rappe〈 bezeichnet (172). Es ist sicherlich kein Zufall, daß schon Celan im Eröffnungsgedicht des Bandes “Mohn und Gedächtnis”: “Ein Lied in der Wüste” (Celan I, S. 11) das gleiche Lexem favorisiert: […] dort riß ich den Rappen herum und stach nach dem Tod mit dem Degen/ […].Google Scholar
  203. 185.
    Die Sentenz: in dem ein Strauß Türkenbund stand, nichts sonst wird in der -wahrscheinlich zweiten—Korrekturschicht der Entwurfsreinschrift des Kapitels handschriftlich eingefügt (173) und dürfte erfolgt sein, als die Autorin die erste Reinschriftfassung des zweiten Kapitels niederschrieb (vgl. 215ff.). Da jedoch das eindeutig auf Celan zurückgehende Zitat: rot und siebenmal röter als rot (vgl. Celan II, S. 102) und vermittels des Fensters die Anspielung auf dessen Gedicht Corona (vgl. Celan I, S. 37) nicht wie dann in der nach dem April 1970 entstandenen Textstufe IV—in welcher die Verse aus Celans frühen Gedichtbänden an Bedeu¬tung für den Romanverlauf gewinnen—die Ausgestaltung der Blumenladenszene ergänzen, wird belegt, daß die Referenz an den Dichter aus der Bukowina schon vor dessen Tod Bestandteil der komplexen Erzählstruktur des entstehenden Textes ist.Google Scholar
  204. 186.
    Vgl. Celan III, S. 169–173. Der Türkenbund selbst findet ab Seite 170 mehrfach Erwähnung: Da stehn sie also die Geschwisterkinder, links blüht der Türkenbund, blüht wild, blüht wie nirgends, und rechts da steht die Rapunzel […].Google Scholar
  205. 187.
    So finden in der Entwurfsreinschrift zum Kapitel I bzw. zum Kapitel III zudem die mit großer Sicherheit auch mit Celan in Verbindung zu bringenden Formulierungen 〉Wir haben noch das ganze Leben?〈 (180) und 〉Es ist Zeit.〈 (214) Erwähnung. Vgl. dazu Celan I, S. 34 bzw. Celan I, S. 16 und besonders Celan I, S. 37: […] es ist Zeit, daß man weiß!/ Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,/ daß der Unrast ein Herz schlägt./ Es ist Zeit, daß es Zeit wird.// Es ist Zeit.Google Scholar
  206. 188.
    Die Gattungsbezeichnung erscheint insofern angemessen, als Bachmann die Darstellung geistiger Biographien intendierte (vgl. Gul, S. 73 u. 95) und nicht bloß Stationen und Ereignisse eines Lebens verzeichnen wollte. Zudem ist speziell Celans Leben und Werk eng mit dem Schicksal eines ganzen Volkes verbunden, so daß die Thematisierung der Shoah im Deportationstraum (521 ff.) auch dem Erzählen seiner mentalen Lebensgeschichte entspricht, wobei die wesentlichen Zäsuren—Bewußtwerdung der Zugehörigkeit zum Volke Israel, der Abtransport und schließlich der Tod—dort ohnehin geboten werden.Google Scholar
  207. 189.
    Auf die hier wegen der zu vernachlässigenden Bedeutung des darin integrierten Zitatmaterials nicht weiter eingegangen wird.Google Scholar
  208. 190.
    Die Einarbeitung im Vorkapitel erfolgt aber nachträglich in Textstufe VI. Nach¬dem sie in der Reinschriftfassung des Kapitels “Von letzten Dingen” schon Raum gelassen hatte (vgl. 672), fügt Bachmann das Notenbild erstmals in der Abschrift (Textstufe V) ein (vgl. ebd).Google Scholar
  209. 191.
    Weshalb das Pierrot lunaire-Material dafür geeigneter scheint als das vorher verwendete Meyrink-Zitet, das den ‘zitathaften Reigen ’eigentlich eröffnet (277), liegt in der spezielle Bedeutung des Heute-Komplexes für die Romangenese begründet.Google Scholar
  210. 192.
    Celan II, S. 102.Google Scholar
  211. 193.
    Celan I, S. 37.Google Scholar
  212. 194.
    Vgl. dazu die übersicht im Anhang.Google Scholar
  213. 195.
    Celan I, S.33.Google Scholar
  214. 196.
    Diese beiden Anspielungen geben allerdings zu der Vermutung Anlaß, daß die erste Reinschriftfassung des Kapitels tatsächlich früher entstanden ist, als jene Version, die von den Herausgebern der “Todesarten” folgerichtig der Textstufe V zugeordnet wurde (vgl. den textkritischen Kommentar: 885f.)Google Scholar
  215. 197.
    Celan II, S. 144.Google Scholar
  216. 198.
    Celan I, S. 282.Google Scholar
  217. 199.
    Celan I, S. 12.Google Scholar
  218. 200.
    Celan I, S. 37.Google Scholar
  219. 201.
    Celan III, S. 16. Das Gedicht wird mit dem Vers: Wahr ist der endlose Ritt […] (355) übrigens noch ein weiteres Mal in der Legende zitiert und bietet mit dem Blut des Liebenden und der Figur der Fremden ebenfalls Motive, die innerhalb des Kagran-Märchens thematisch bedeutsam sind. Eine biographische Koinzidenz Bachmanns zu diesem Gedicht kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden, ist indes nicht Gegenstand der Betrachtung.Google Scholar
  220. 202.
    Also nachdem Bachmann in der zweiten Korrekturschicht die umfangreichen, auf Celan zurückgehenden Prototexte einarbeitete.Google Scholar
  221. 203.
    Vgl. Blackwood, Algernon: Das leere Haus. Phantastische Geschichten. Frankfurt/M. 1969. Die Herausgeber des “Todesarten”-Projektes merken dazu an, daß sich ein Exemplar der Ausgabe in Bachmanns Bibliothek befand (937). Nachgewiesen wurde die Quelle in: Kunze (a.a.O. Da das Material lediglich integrative Funktion besitzt und Barbara Kunze zudem den Prozeß der Einarbeitung detailliert nachvollzieht, wird an dieser Stelle nicht weiter auf den Blackwood-Text und dessen Bedeutung für den Bachmann-Roman eingegangen.Google Scholar
  222. 204.
    Die übrigen—abgesehen von den bereits besprochenen Zitaten—in Textschstufe IV erstmals verwendeten und von Kant (677) bis Mickey Maus (666) bzw. von Beethoven (650) bis Goya (686) reichenden Prototexte alle einzeln zu besprechen, würde den Rahmen dieses Kapitels sprengen. Da das Material aber sämtlich integrative und deiktische Funktion besitzt, kann an dieser Stelle eine detaillierte Analyse der Einarbeitung entfallen und der Vollständigkeit halber auf die übersicht im Anhang verwiesen werden. Einzig der Zitat-Komplex Max Frisch verdiente wegen seiner exponierten Bedeutung für die Konzeption und Erzähl struktur des Romans eine genauere Betrachtung. Hier kann jedoch auf die von Monika Albrecht bereits überzeugend geleistete Analyse verwiesen werden. Vgl. dazu Albrecht 1989 u. Albrecht 1992. Gesondert aufmerksam gemacht wird hier noch auf die Einfügung eines markanten Zitats im letzten Kapitel. Bei der überschrift des Kapitels handelt es sich nämlich um ein kryptisches Zitat aus Heideggers “Der Ursprung des Kunstwerks”: Die letzten Dinge, das sind: Tod und Gericht. Im von Bachmann weggelassenen Attributivsatz wird sowohl ein Ausblick auf das Ende des Romans gegeben, wie eine Perspektive seiner Interpretation angedeutet. Zur Quelle vgl. Heidegger, Martin: Der Ursprung des Kunstwerks. In: Ders.: Holzwege. Frankfurt/M. 71994, S. 1–74. Hier: S. 5.Google Scholar
  223. 205.
    Vgl. zu diesen Ausführungen insbesondere den textkritischen Kommentar der “Todesarten”-Ausgabe (869–902).Google Scholar
  224. 206.
    Die Reinschriftphase ist zu dieser Zeit wohl abgeschlossen (vgl. dazu auch 852).Google Scholar
  225. 207.
    Vgl. dazu beispielsweise den Ausschnitt aus dem französische Chanson “Aupres de ma blonde” (342) oder die Zitate aus der Oper “Hoffmanns Erzählungen” (vgl. 878).Google Scholar
  226. 208.
    Auf die Textstufen VII und VIII (Drucke, Lesungen, und Druckbearbeitung) wird nicht weiter eingegangen, da das Zitatmaterial dort—bis auf gelegentliche Fehleremenda-tionen—nicht weiter ergänzt oder korrigiert wird.Google Scholar
  227. 209.
    Bachmann hat bis in die Abschriften hinein nicht an die Integration des Notenzi¬tats an dieser Stelle gedacht, wie der fehlende Freiraum für die Noten noch in Textstufe V nachdrücklich unterstreicht (vgl. 281).Google Scholar
  228. 210.
    Der Katalog befindet sich auch in Bachmanns Bibliothek.Google Scholar
  229. 211.
    Dokumentiert ist der Aufenthalt des Schriftstellers und seiner Familie durch die Briefe Uwe Johnsons an Ingeborg Bachmann, die in der Sondernummer der Zeitschrift du veröffentlicht wurden (vgl. “Good Morning Mrs. Bachmann.” In: du. Die Zeitschrift der Kultur. Heft Nr. 9 vom September 1994, Zürich 1994, S. 56–62).Google Scholar
  230. 212.
    Möglicherweise geht die Sentenz auch auf Johnson selbst zurück, der nicht nur häufig Anglizismen verwendete (vgl. etwa den Brief Johnsons an Bachmann vom 3.8.1970 in der Bachmann-Sondernummer der Zeitschrift “du”; a.a.O., S. 62), sondern gerade in Briefen umfassend Gebrauch von englischen Partizipial-Konstruktionen machte (vgl. dazu Johnsons Brief an Bachmann vom 29.7.1970 in: “Die Katze Erinnerung.” Uwe Johnson-Eine Chronik in Briefen und Bildern zusammengestellt von Eberhard Fahlke. Frankfurt/M. 1993, S. 225).Google Scholar
  231. 213.
    Vgl. dazu aber auch die vielen Liedzitate im Kapitel Von letzten Dingen (517f., 546) sowie den ausdrücklichen Bezug auf die Segelbücher im ersten Kapitel (493).Google Scholar
  232. 214.
    Vgl. Kant, Immanuel: Werke in zwölf Bänden. Herausgegeben von Wilhelm Weischedel. Frankfurt/M. 1965, Bd. III, S. 12.Google Scholar
  233. 215.
    Vgl. Leonow, Alexej A. und Wladimir I. Lebedew: Der Mensch im Weltall. Die Wahrnehmung von Raum und Zeit im Kosmos. Leipzig 1969. Der Sachverhalt ist belegt durch den Kommentar der “Todesarten”-Ausgabt (vgl. 959).Google Scholar
  234. 216.
    Vgl. Chandler, Raymond: Die simple Kunst des Mordes. In: ders. Chandler über Chandler. Frankfurt/M. und Berlin 1965; ders.: Mord aus dem Handgelenk. Deutsch von Wilm W. Elwenspoek. Frankfurt/M. und Berlin 1968.Google Scholar
  235. 217.
    Allerdings ist diese Technik in der modernen Prosa keineswegs unüblich, wie ihre Verwendung schon in Joyce ’“Ulysses” nachdrücklich unterstreicht.Google Scholar
  236. 218.
    Das Märchen weißt im übrigen die größte zitathafte Dichte des gesamten Romans auf.Google Scholar
  237. 219.
    Vgl. dazu die Rimbaud-Zitate, die oft in der deutschen übersetzung wiederholt werden (389f., 437f., 691).Google Scholar
  238. 220.
    Zweifelsohne stellen die Kurzzitate die Typologie intertextueller Relationen überhaupt in Frage. Der auf Celan zurückgehende Türkenbund in “Malina” beispielsweise könnte—zumindest semantisch—als Anspielung, ebensogut aber als intertextuelle Intersektion (nämlich als die Wiederaufnahme einer Metapher bzw. eines Topos) oder auch als äquivalenz (nämlich als Zitat) verstanden werden.Google Scholar
  239. 221.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 25.Google Scholar
  240. 222.
    Ingeborg Bachmann hat hier möglicherweise das dem “Eugen”-Roman II zuzurechnende Blatt N3251 vor Augen, das gleichermaßen überschrieben ist und in welchem die Figur Florizel thematisiert wird (vgl. 1, 89 bzw. das entsprechende Faksimile, 1, 701). Die Herausgeber der “Todesarten” meinen hingegen, die Passage spiele auf die Todesangst-Entwürfe dieses Roman-Fragments an (1, 107f; siehe dazu auch 960). Das angeblich zwei Jahre später entstandene Blatt im Format DIN A2, auf dem von “Todesraten” die Rede ist, läßt sich allerdings nicht eruieren.Google Scholar
  241. 223.
    Vgl. dazu Kafkas Brief an Oskar Pollak vom 27.01.1904 in: Kafka, Franz: Gesammelte Werke. Hrsg. v. Max Brod. Briefe 1902–1924. Frankfurt/M. 1958, S. 27f. Daß Bachmann der Kafka-Brief bekannt war, ist u.a. durch die “Frankfurter Vorlesungen” belegt, in denen die Autorin die erwähnte Passage ausdrücklich zitiert (vgl. IV, 210f.).Google Scholar
  242. 224.
    Vgl. dazu Anmerkung 93.Google Scholar
  243. 225.
    Betrachtet werden hier nur die speziellen semantischen Funktionen der Zitate, die von den narrativen verschieden sind. Bezüglich der letzten konnten im Bachmannschen Roman die integrative, deiktische, strukturierende und autoreflexive Funktion nachgewiesen werden (siehe dazu das Kapitel: Die Bedeutung der Zitate für die Genese des Romans).Google Scholar
  244. 226.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 52.Google Scholar
  245. 227.
    Vgl. Wittgenstein, Ludwig: Werkausgabe. Bd. 5. Frankfurt/M. 1989, S. 20f.Google Scholar
  246. 228.
    Einer Poetologie, in der die vormalige Partnerin als Uterarisches Material (vgl. Frisch, Max: Gesammelte Werke in zeitlichere Folge. Frankfurt/M. 1976, Bd. VI, 2, S. 686) verwertet wird (vgl. Albrecht 1992, S. 266f.).Google Scholar
  247. 229.
    Vgl. dazu ausführlich Albrecht 1989 und besonders Albrecht 1992, S. 272f.Google Scholar
  248. 230.
    Die Polyphonie ist dabei schon in der Sprache selbst und dem einzelnen Wort angelegt (vgl. Bachtin 1986, S. 129 u. 178). Die widerstreitenden Stimmen sind demzufolge auch nicht personalisierbar und etwa an bestimmte Figuren des Romans gebunden. Unter dem Vorsatz, “Malina” als ein Projekt zu verstehen, daß das Weibliche im Menschen “erfindet”, erkennt Behre hingegen eine motivische Konzeption des Romans, die in einer solchen Personali-sierbarkeit der Stimmen gründet. Die Figuren haben—nach Behre—sogar reale bzw. fiktionale Vorbilder, deren Stimmen—aufbauend auf die Prototexte ihres Ursprungs—Eingang in den Roman finden und dort vermittelt werden: Ich—Musils Stimme; Ivan—Frischs Stimme; Malina -Celans Stimme; Ecce homo—Nietzsches Stimme. Vgl. Behre, Maria: “Das Ich, weiblich”. In: Stoll 1992, S. 210–232.Google Scholar
  249. 231.
    Vgl. Bachtin 1986, S. 116.Google Scholar
  250. 232.
    Bachtin 1986, S. 129.Google Scholar
  251. 233.
    Daß dieser Umstand tatsächlich gegeben ist, bezeugen zahlreiche in jüngster Zeit angestrengte Versuche innerhalb der Celan-Philologie, das Frühwerk des Dichters von Bach¬manns Texten aus neu zu bewerten (vgl. etwa Wögerbauer 1992, Wögerbauer 1995).Google Scholar
  252. 234.
    Also eine Polyphonie, die über die innerliche Dialogisierung des zweistimmigen Wortes bei Bachtin hinausgeht (vgl. Bachtin 1986, S. 151).Google Scholar
  253. 235.
    Und das schöne, das du rauftest, und das Haar,/ das du raufst:/ welcher Kamm/ kämmt es wieder glatt, das schöne Haar?/ Welcher Kamm/ in wessen Hand/ […] Und der Wind, der darüber hinstreicht,/ und der Wind:/ rafft er dieser Schatten einen,/ mißt er ihn dir zu? (UND DAS SCHÖNE; Celan I, S. 115)Google Scholar
  254. 236.
    Auch in Die Geheimnisse der Prinzesin von Kagran findet dieses Verfahren Anwendung. Dem kommentierenden “nein!” des Kursivtextes ist die Zäsur in der Zitation Celanscher Vorlagen durch eine wiederum imperativisch verwendete Sentenz vergleichbar: Aber das werden wir bald sehen, ich weiß nur die Worte dafür, doch wir werden es sehen, wenn du mir den Dorn ins Herz treibst, vor einem Fenster werden wir stehen, laß mich ausreden! […] (356). Denkbar wäre, daß die Autorin mit diesem Ausruf erstmals die Angst artikuliert, vom fremden Material überwältigt zu werden und sich durch das Anschreiben gegen dieses Material zu retten versucht.Google Scholar
  255. 237.
    Die zweifelsohne in der biographischen Konstellation ihre Ursache hat.Google Scholar
  256. 239.
    Vgl. hier das Kapitel: 2.3.2.3. Analyse nach der Art der Prototexte und be¬sonders die Ausführungen zu der Formulierung Cafe Musil (S. 104f.).Google Scholar
  257. 239.
  258. 240.
    Vgl. Offb 4,1–19,10. Bei Bachmann werden die Verdammnis der Verehrung fremder Götter und die Praktizierung fremder Kulte auf die moderne Technikanbetung ausgeweitet. Zu: Erfindung des Rads und der Kernspaltung bei Bachmann vgl. in der Offenbarung insbesondere die eindringliche Darstellung der Wirkung der ersten sechs Posaunen (Offb 8,6 – 9,21), in denen explizit von der Vernichtung der Machwerke von Menschenhand die Rede ist: Aber die übrigen Menschen, die nicht durch diese Plagen umgekommen waren, wandten sich nicht ab von den Machwerken ihrer Hände: Sie hörten nicht auf, sich niederzuwerfen vor ihrem Dämon, vor ihren Götzen aus Gold, Silber, Erz, Stein und Holz, den Götzen, die weder sehen, noch hören, noch gehen können (Offb 9,20).Google Scholar
  259. 241.
    Zweifelsohne referiert die Sentenz: In den Wüsten wird das Wasser versiegen […] auf die Bibel-Kapitel bzw. -Verse: Und er brachte mich in die Wüste. Und ich sah ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbnen Tier […] Und das Weib, das du gesehen hast, ist die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige auf Erden. (Offb 17,3–18) bzw. Und der sechste Engel goß eine Schale auf den großen Strom Euphrat, und sein Wasser trocknete aus (Offb 16,12) worin die Gründe und das procedere der Zerstörung des sündigen und allem Weltlichen offenen Babel geschildert werden.Google Scholar
  260. 242.
    Der gesamte auf: […] wir werden wieder in die Wüste können […] folgende Abschnitt ist mit Zitaten und Allusionen aus dem Kapitel 22 der Offenbarung gestaltet (vgl. dazu die übersicht im Anhang).Google Scholar
  261. 244.
    Marlies Janz spricht in ihrer Kurzinterpretation des Celanschen Gedichts von der Vergängnis als Inbegriff des unvermeidlichen Untergangs menschlichen Glücks und identifiziert darin die Melancholie als Grundtendenz der frühen Lyrik des Dichters (vgl. Janz, Marlies: Vom Engagement absoluter Poesie. Zur Lyrik und ästhetik Paul Celans. Königstein/Ts. 1984, S. 51 f.). Weitere und detailliertere Deutungen des Gedichtes sind nachzulesen in: Kalow, Gert: Das ganze Leben. Interpretation eines Gedichts von Paul Celan. In: Über Paul Celan. Hrsg. v. Dietlind Meinecke. Frankfurt/M. 1970, S. 95–100Google Scholar
  262. 244a.
    Firges, Johann: Gestaltschichten in der Lyrik Paul Celans. Diss Köln 1959Google Scholar
  263. 244b.
    Mayer, Peter: Paul Celan als jüdischer Dichter. Diss 1969Google Scholar
  264. 244c.
    Rexheuser, Adelheid: Sinnsuche und Zeichensetzung in der Lyrik des frühen Paul Celan. Bonn 1974Google Scholar
  265. 244d.
    Herrmann, Michael: Die Büchner-Preis-Rede und das Sprachgitter. Diss Erlangen 1975Google Scholar
  266. 244e.
    Pretzer, Lilo Anne: Geschichts- und sozialkritische Dimensionen in Paul Celans Werk. Bonn 1980Google Scholar
  267. 244g.
    Gerenday Tamas, Marie: Black Suns and Blue Flowers. Diss Rutgers 1981Google Scholar
  268. 244h.
    Schlebruegge, Johannes: Geschichtssprünge. Frankfurt/M. 1985.Google Scholar
  269. 245.
    Zum einen ist damit der Gebrauch angesprochen, den auch Rilke und Tolstoi von der Sentenz machen (vgl. übersicht im Anhang). Von einer Deutung auch dieser Zu-sammenhänge wird mit Rücksicht auf den Rahmen des Kapitels allerdings abgesehen. Des weiteren sind damit jene Zitate mit vorwiegend integrativer Funktion gemeint, welche die Umgebung der zentralen Motivik absichern (etwa das Blackwood-Material, a.a.O.).Google Scholar
  270. 246.
    Ebensogut hätte die Diskussion des Problems an anderen, vielfältig angelegten Motiven geführt werden können, etwa an: in höchster Angst und fliegender Eile (277), O alter Duft aus Märchenzeit (281), Ich muß erzählen, ich werde erzählen, es gibt nichts mehr, was mich in meiner Erinnerung stört. (292) u.s.w.Google Scholar
  271. 247.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 68.Google Scholar
  272. 248.
    Vgl. Oraic Tolic S. 109f., S. 132f., 136f., 152f. u.a.Google Scholar
  273. 249.
    Neben den drei umfangreichen Zitatkomplexen—Celan, Bibel, Blackwood—wird hier vergleichsweise wenig anderes Zitatmaterial berücksichtigt wie z.B.: Musil (349), Hof-mannsthal (350), Rilke (426, vgl. auch 311), Meyrink (ebd.) oder Tolstoij (ebd.).Google Scholar
  274. 250.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 66.Google Scholar
  275. 251.
    Hierbei handelt es sich um den subordinierenden, vertikalen, geschlossenen Typ der Zitathaftigkeit, bei dem das Zitat sich der Form des Textes anpassen muß, bei dem die Zahl der integrierten Stimmen, deren Position und die Häufigkeit ihres Auftretens dem Text unterge¬ordnet und nach Bau und Gliederung angepaßt wird und der zudem kulturell stark an der Tradition orientiert bleibt.Google Scholar
  276. 252.
    Vgl. etwa die Analyse der Sentenz das ganze Leben im vorangegangenen Kapitel: 2.3.3.1. Die semantische Ebene (S. 112ff.).Google Scholar
  277. 253.
    Vgl. das Kapitel: 2.3.1. Die Bedeutung der Zitate fir die Romangenese (S. 48).Google Scholar
  278. 254.
    Vgl. die entsprechenden Abschnitte der Entwurfsreinschrift (167–172) bzw. der Autorreinschriften und folgende Textstufen (348–356).Google Scholar
  279. 255.
    Dieses Feld ist durch die Koordinaten: unerfüllte Liebe, 〉verschüttete Er-innerung〈 und 〉Sprachzweifel〈 abgesteckt.Google Scholar
  280. 256.
    Obgleich etwa mit dem Hölderlin-Zitat oder den Celan-Referenzen deutliche Akzente der Hochachtung gesetzt werden.Google Scholar
  281. 257.
    Eine Typologie wie sie ausgehend vom zitathaften Dreieck gewonnen wird.Google Scholar
  282. 258.
    Der im übrigen dem impliziten Autor entspricht und auf einer Ebene mit dem impliziten Adressaten/Leser kommuniziert.Google Scholar
  283. 259.
    Also dem impliziten und realen Autor sowie dem Autor als historische Person.Google Scholar
  284. 260.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 304ff.Google Scholar
  285. 261.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 304, die gleiches für Mandel’stam behaupten kann.Google Scholar
  286. 262.
    Vgl. Oraic Tolic, S. 305f.Google Scholar
  287. 263.
    Vgl. etwa Cohn, Dorrit: Transparent Minds. Narrative Modes for Presenting Consciousness in Fiction. Princeton 1983. Cohn widmet sich dem Phänomen der Bewußtseins¬darstellung in erzählender Prosa. Freilich beschränkt sie sich auf die Darstellung verschiedener Techniken zur glaubhaften Umsetzung individueller—gleichwohl fiktiver—Bewußtseinsvorgän¬ge. Ein großer Verdienst dieser Studie liegt darin, daß Cohn sich davor hütet, den Autoren (Joyce, Hamsun, Murdoch) Intentionen anheimzustellen, die sie dann in den Texten aufsucht.Google Scholar
  288. 264.
    Adorno, Theodor W.: Standort des Erzählers im zeitgenössischen Roman. In: Ders.: Noten zur Literatur I. Frankfurt/M. 1958, S. 61–72. Zitiert als: Adorno: Noten I.Google Scholar
  289. 265.
    Vgl. Adorno: Noten I, S. 62.Google Scholar
  290. 266.
    Adorno: Noten I, S. 69.Google Scholar
  291. 267.
    Adorno: Noten I, S. 64.Google Scholar
  292. 268.
    Daß etwa zeitgleich im Osten Deutschlands die Diskussion um den sogenannten Formalismus keineswegs nur Wogen im Feuilleton schlug, sondern für viele Literaten und Künstler mitunter physisch erfahrbar wurde, ist mehr als nur eine ‘Fußnote der Geschichte ’und soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.Google Scholar
  293. 269.
    Schmidt, Arno: Ulysses in Deutschland und Noch einmal Ulysses in Deutschland. In: Ders.: Essays und Aufsätze 1. In: Ders.: Bargfelder Ausgabe. Zürich 1995, Bd. III, 3, S. 374–380 bzw. 396f. Der Band der Bargfelder Ausgabe wird zitiert als: Schmidt: Essays.Google Scholar
  294. 270.
    Vgl. Schmidt: Essays, S. 338–343.Google Scholar
  295. 271.
    Vgl. Berechnungen, Berechnungen I und Berechnungen II. In: Schmidt: Essays, S. 101–106, 163–168 und 275–284.Google Scholar
  296. 272.
    Schmidt: Essays, S. 164.Google Scholar
  297. 273.
    Vgl. Schmidt: Essays, S. 168.Google Scholar
  298. 274.
    Zur Dokumentation vgl. Sprache im technischen Zeitalter 22 (1967). Jg. Berlin 1967, S. 83–206. Zitiert als: Sprache im technischen Zeitalter.Google Scholar
  299. 275.
    Baumgart, Reinhardt: Aussichten des Romans oder Hat die Literatur Zukunft. Frankfurter Poetikvorlesungen. Neuwied und Berlin 1968.Google Scholar
  300. 276.
    Vgl. Handkes Aufsätze: Die Literatur ist romantisch, bzw. Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms. In: Handke, Peter: Prosa Gedichte Theaterstücke Hörspiel Aufsätze. Frankfurt/M. 1969.Google Scholar
  301. 277.
    Vgl. Kursbuch 15 (November 1968). Frankfurt/M. 1968. Bezeichnenderweise veröffentlichte Bachmann dort ihre letzten zu Lebzeiten erschienenen Gedichte.Google Scholar
  302. 278.
    Heißenbüttel, Helmut / Vormweg, Heinrich: Briefwechsel über Literatur. Neuwied und Berlin 1969. Zitiert als: Heißenbüttel/Vormweg.Google Scholar
  303. 279.
    Vgl. Ebd., S. 18.Google Scholar
  304. 280.
    Vgl. Ebd., S. 77.Google Scholar
  305. 281.
    Ebd., S. 28.Google Scholar
  306. 282.
    Ebd., S. 28f.Google Scholar
  307. 283.
    Ebd., S. 76.Google Scholar
  308. 284.
    Ebd., S. 56.Google Scholar
  309. 285.
    Der demnächst erscheinende Kommentar zu “Jahrestage I-IV” wird diesbezüglich ganz neue Perspektiven für die Interpretation von Johnsons opus magnum e öffnen (zum Stand der “Jahrestage”-Kommentierung vgl. Heibig, Holger / Üller, Irmgard: Kummerliste und Abiturzeugnis. über den Stand der “ Jahrestage”-Kommentierung. In: Johnson- Jahrbuch. Bd. 5. Göttingen 1998. Im Druck. Ebd. wird auch ein Beitrag zu den literarischen Bezügen in Johnsons New York-Trilogie ’nachzulesen sein: Spaeth, Dietrich: ITX-literarische Bezüge in Uwe Johnsons “Jahrestage”. Ein Werkstattbericht).Google Scholar
  310. 286.
    Vgl. etwa Schmidt, Arno: KAFF auch Mare Crisium. In: Ders.: Bargfelder Ausgabe. Zürich 1987, Bd.I, 3, S. 7–277.Google Scholar
  311. 287.
    Sprache im technischen Zeitalter, S. 96f.Google Scholar
  312. 288.
    So der Laudator Werner Weber in einer Verteidigung Staigers in der NZZ am Weihnachtstag des Jahres 1966 (vgl. Literatur im technischen Zeitalter, S. 111).Google Scholar
  313. 289.
    Ebd., S. 93.Google Scholar
  314. 290.
    Vgl. Bürger, Gottfried August: Sämtliche Werke. Hrsg. von Günter und Hiltrud Häntzschel. München und Wien 1987, S. 9–322. Die Ausgabe wird zitiert als: Bürger. Die Rezension war anonym am 15. und 17. Januar 1791 in den Nummern 13 bzw. 14 der Jenaer “Allgemeinen-Literaturzeitung” erschienen. Bürger wehrte sich zwar heftig gegen die An-schuldigungen und Unterstellung handwerklichen Unvermögens von Seiten Schillers, war nach dem Erscheinen der Polemik aber öffentlich als Dichter erledigt. Er hat die Kritik bis zu seinem Tod, drei Jahre später, nie verwunden, umso mehr, als er erfuhr, daß der von ihm verehrte Schiller, dem er persönlich ein Exemplar der “Gedichte” übergab, der Autor war. Schillers Rezension wird zitiert nach: Bürger, S. 1141–1154.Google Scholar
  315. 291.
    Zitiert nach Staiger (vgl. Literatur im technischen Zeitalter, S. 92).Google Scholar
  316. 292.
    Vgl. Bürger, S. 1145.Google Scholar
  317. 293.
    Sprache im technischen Zeitalter, S. 92.Google Scholar
  318. 294.
    Ebd., S. 93.Google Scholar
  319. 295.
    Ebd., S. 94f.Google Scholar
  320. 296.
    Freilich ist damit nur eine Deutungsebene der Marcel-Episode angesprochen. Mit dem Bilde vom Reinwaschen—und besonders angesichts der vielen Duschen im Waschsaal -bringt Bachmann den Tod des clochards mit dem Holocaust in Verbindung und verweist damit auch auf den Zusammenhang zwischen einer ästhetik des ‘Schönen, Wahren und Guten ’und faschistischer Ideologie. Augenfällig unterstrichen werden diese Korrespondenzen nicht nur durch Goethes bekanntes Diktum: Classisch ist das Gesunde […] (Goethe, Johann Wolfgang v.: Sämtliche Werke. I, 13. Frankfurt/M. 1993, S. 239. Die medizinische Metaphorik ist darüber hinaus auch noch in zwei Zahmen Xenien nachweisbar: vgl. ebd. I, 2, S. 626, S. 646 und I, 13, S. 804), das ohne große Schwierigkeiten anschlußfähig an die nationalsozialistische Welt¬anschauung war, womit schließlich auch einer deutschnationalen Rezeption der sogenannten Weimarer Klassik der Weg geebnet werden konnte (vgl. dazu Zeller, Bernhard [Hrsg.]: Klassiker in finsteren Zeiten 1933–1945. Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs im Schiller-Nationalmuseum Marbach am Neckar. Marbach 1983. Zitiert als: Zeller; Albert, Claudia [Hrsg.]: Deutsche Klassiker im Nationalsozialismus. Stuttgart und Weimar 1994). Diese Rezeptionslinie wurde aber keineswegs von den Nationalsozialisten ’erfunden, sondern schon vor 1933 propagiert und vor allem von bürgerlichen Schriftstellern getragen (vgl. dazu u.a. Thomas Manns Rolle bei der ‘Organisation ’und Durchführung der Säkularfeier von Goethes Tod im Jahre 1932; vgl. Zeller, S. 49–83). Unterstrichen wird der erwähnte Zusammenhang auch durch die Polemiken wider die Moderne nach 1933, die bald in die bekannten ‘Säube-rungsaktionen&$x2019;—Bücherverbrennungen, Museumsplünderungen etc.—übergingen (vgl. dazu u.a. die Aufsätze von Hitler, Kluckhohn, Hieronimi, Stapel und Fechter in der Dokumentation: Gilman, Sander L. [Hrsg]: NS-Literaturtheorie. Frankfurt/M. 1971. Zitiert als: Gilman). Erschreckend ist ein Vergleich etwa der Hitler-Rede mit Staigers Argumentation, denn auch Hitler erkennt in der Moderne eine Verschwörung des Unzulänglichen und Minderwertigen gegen das bessere Vergangene und das bedürchtete bessere Gegenwärtige oder auch nur geahnt bessere Zukünftige (Hitler, Adolf: [“Deutsch sein, heißt klar sein”: Zur Theorie der Dekadenz.] In: Gilman, S. 174–182. Hier: S. 180). Eine lesenswerte übersicht zur Klassik-Rezeption bietet der Band: Grimm, Reinhold / Hermand, Jost (Hrsg.): Die Klassik-Legende. Second Wisconsin Workshop. Frankfurt/M. 1971.Google Scholar
  321. 297.
    Vgl. dazu die Ausführungen zur Innovation der narrativen Gestaltung des Romanendes im Kapitel: 3.5.2. Der narrative Modus: Perspektive der Erzählung (S. 200f.).Google Scholar
  322. 298.
    So findet sich im Bachmann-Nachlaß der—zum Teil noch gesperrte—Entwurf eines Briefes an Karl Markus Michel und dessen Kursbuch-Beitrag Ein Kranzfür die Literatur. Michel unterstellt unter Zuhilfenahme des Hölderlin-Mottos: Wozu Dichterin dürftiger Zeit? der Gegenwartsliteratur, sich den politischen Tagesereignissen zu verweigern. Vgl. Michel, Karl Markus: Ein Kranz für die Literatur. Fünf Variationen über eine These. In: Kursbuch 15 (November 1968). Frankfurt/M. 1968, S. 169–186.Google Scholar
  323. 299.
    Von den Vorsokratikern (371), Hume (371, 655), Locke (371), Shaftesbury (677), den englischen Deisten (655), Kant (655), Marx (295, 372), Engels (372), den Neukan¬tianern (655) bis zum Wiener Neupositivismus (372).Google Scholar
  324. 300.
    Freud (371, 619) Adler (371) und Jung (371).Google Scholar
  325. 301.
    Alexander der Große (295) und Lenin (372).Google Scholar
  326. 302.
    Beethoven (363, 650), Chopin (372), Strauss (484) und Verdi (482).Google Scholar
  327. 303.
    Callas, Schwarzkopf (336) und Karajan (482).Google Scholar
  328. 304.
    Max Reinhardt (484) und Walt Disney (586, 666).Google Scholar
  329. 305.
    Eleonore Düse (542).Google Scholar
  330. 306.
    Goya (686) und Kokoschka (672).Google Scholar
  331. 307.
    Galilei (295), Leibniz (295, 371, 655), Faraday (619), Ostwald (527), Einstein (619), Liebig (619), Brehm (442).Google Scholar
  332. 308.
    Columbus (527) und Leonow (630).Google Scholar
  333. 309.
    Das Spektrum reicht vom ältesten bekannten deutschen Minnesänger—dem von Kürnberg (512) -über die klassische und romantische Epoche—Hölderlin (511), Kleist (511) -bis zum Fin de siecle und der Moderne—Hofmannsthal (484), Kafka (371) und Musil (293).Google Scholar
  334. 310.
    Den griechischen Geschichtsschreiber Thukydides (512) und die Lateiner Horaz bzw. Lukrez (511).Google Scholar
  335. 311.
    Blake (371), Frances Trollope (387), Voltaire (512), de Sade (368), Rimbaud (371), Balzac (511), Proust (512), Pirandello (512).Google Scholar
  336. 312.
    Siegfried Unseld (505).Google Scholar
  337. 313.
    Aeneis (511), Alt österreich bittet zu Tisch, Kleine ungarische Küche (373), Aus einem Totenhaus (334), Brehms Tierleben (442), Das Sein und das Nichts (371), Das Segler ABC (493), De rerum natura (372), Die grossen Philosophen (652), Ecce Homo (495, 511), Gespräch mit der Erde (541), der Große Duden (411), Holzwege (511), Jedermann (490), Knoten, Spleissen, Takeln (493), Krieg und Frieden (513, 514, 554), Kritik der reinen Vernunft (371), La Comedie Humaine (372), Le Cult de la Raison (372), Luv und Lee (493), My Sin (412), Raumfahrt-Wohin? (321), Red Star over China (433), Sang und Klang (486), Schach für Anfänger (577), Vom Bug bis zum Heck (493), Wenn wir Toten erwachen (548), Wie in¬szeniert man einen Staatsstreich? (588), Wohin mit all dem Geld? (588).Google Scholar
  338. 314.
    Das D-Dur-Konzert (462), die Kärntner Landeshymne mit den Strophen: Des Glockners Eisgefilde glänzt bzw. Mannesmut und Frauentreu (293), Donizettis “Regiments¬tochter” (486) Chopins “Etüden” (372), die Mozart-Motette “Exultate Jubilate” (334), die “Zauberflöte” (482) sowie dessen Große Messe (296), das Alltagsliedgut “Happy birthday to you” (296), Miles Davis ‘Filmmusik zu “L’ASCENSEUR ä L’ECHAFAUD” (624), Beetho¬vens Neunte Sinfonie (363), die Loewe-Vertonung von Freiligraths “Prinz Eugen der edle Ritter” (288), die Liedersammlung “SANG UND KLANG” (486) und Verdis ‘”Requiem” (482).Google Scholar
  339. 315.
    DIE WÜSTE LEBT (431), DREI SUPERMÄNNER RÄUMEN AUF (328), HEISSE NäCHTE IN RIO (328), MICKY MAUS (586, 666) sowie der Film TEXAS JIM (328).Google Scholar
  340. 316.
    Goyas Pinturas Negras (686) und ein Bild von Kokoschka (672).Google Scholar
  341. 317.
    DER SPIEGEL (415), WIENER TAGEBLATT (381), WIENER NACHTAUS¬GABE (381).Google Scholar
  342. 318.
    Vgl. Benjamin I, S. 694.Google Scholar
  343. 319.
    Es handelt sich dabei—in alphabetischer Reihenfolge—um: “Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge” / Rilke (426), “Betrachtet die Fingerspitzen” / Eich (504, 651), “Die Bibel” (291, 426, 455f., 665, 668), einen Brief Flauberts (390), einen Brief Kafkas (334), den Briefwechsel Burroughs / Ginsberg (265), “The Complete Works” of William Shakespeare (390), “De Mundo” / Pseudo-Aristoteles (372), “Der dritte Mann” / Greene (511), “Der Einzige und sein Eigentum” / Stirner (371, 438), “Die Erkenntnis des Schmerzes” / Gadda (295), “Das Feuer” / d’Annunzio (542), “Die Frage nach der Technik” / Heidegger (286), “Die Frau ohne Schatten” / Hofmannsthal (350, 692), “Die geliebte Stimme” / Cocteau (311), “Der Golem” / Meyrink (277, 683), “Die göttliche Komödie” / Dante (505), “Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien” (496), “Histoires ou contes du temps passe, avec de moralites” / Perrault (292), “Historische, politische und militärische Nachrichten von Rußland…” / Manstein (538), “Homo faber” / Frisch (295 u.s.w.), “Hyperion” / Hölderlin (292, 597, 670, 688), “Der Idiot”/ Dostojewskij (512), “Kassnergedenkbuch” / Kensik (484), “Die Klage der Ariadne” / Nietzsche (642), “Die Kritik der reinen Vernunft” / Kant (677, 689), “Kulturgeschichte ägyptens und des Alten Orients” / Fridell (576), “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbar¬keit” / Benjamin (286), “La peste” / Camus (651), “Legenda aurea” / Jacobus de Voraigne (292), “Les Diaboliques” / Barbey (617, 630), “Les cent-vignt journees de Sodome” / de Sade (368), “Der Mann ohne Eigenschaften” / Musil (376, 449, 459, 653, 669, 672), “Mein Name sei Gantenbein” / Frisch (376, 630), “Der Mensch im Weltall” / Leonow (630), “Mohn und Gedächtnis” u.a. Gedichtbände sowie Prosa und Reden / Celan (299, 350ff., 522ff.), “Night-wood” / Barnes (668), “Nuit de L’Enfer” / Rimbaud (367, 652, 691), “Die Portugiesin” / Musil (694), “Portugiesische Briefe” / Alcoforado, Rilke (311), “Der Prozeß” / Kafka (438, 512), “Der Reigen” / Schnitzler (615), “Die Reise ans Ende der Nacht” / Celine (296), “Requiem für Wolf Graf v. Kalckreuth” / Rilke (303, 585, 664), “Rime” / Gaspara Stampa (542), um den Satz vom Grunde / Leibniz, Heidegger (362, 558), “Der Schwierige” / Hofmannsthal (479), “Die simple Kunst des Mordes”, “Mord aus dem Handgelenk” / Chandler (486), “Dem Sonnen¬gott” / Hölderlin (511), “Spruch des Anaximander” (391), “Stiller” / Frisch (573), “Die Syzy-gie” / Jung (555), “Through the Looking Glass” / Lewis Carroll (448), “Tonka” / Musil (349, 362), “Die Tortur” / Amery (295), “Tristan” / Platen (652), “Tutto ho perduto” / Ungaretti (296), “Une saison en enfer” / Rimbaud (389) “Unzeitgemäße Betrachtungen” / Nietzsche (393), “Verra la morte e avra i tuoi occhi” / Pavese (369), “Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben” / Nietzsche (346), “Die Weiden” / Blackwood (35lf.), “Der Zerrissene” / Nestroy, T. Mann (580).Google Scholar
  344. 320.
    So das französische Chanson “Aupres de ma blonde” (342), das ungarische Kinderlied “Debrecenbe kene menni” (444), die Oper “Hoffmanns Erzählungen” / Offenbach (296f.), das französische Lied “Jeanneton prend sa faucille” (378), “La sonnambule” / Bellini (336, 514), der Liederzyklus “Pierrot lunair” / Giraud, Schönberg (281, 490, 525, 546, 673), “Der Tod und das Mädchen” / Claudius, Schubert (486) und die Oper “Tristan und Isolde” / Wagner (517f., 546).Google Scholar
  345. 321.
    “Der dritte Mann” / Greene, Reed (501), “Hoffmanns Erzählungen” / Offenbach, Powell, Pressburger (296f.) sowie die Verfilmung von “Krieg und Frieden” / Tolstoij (513f., 554).Google Scholar
  346. 322.
    Oraic Tolic, S. 109.Google Scholar
  347. 323.
    Vgl. ebd. S. 132f.Google Scholar
  348. 324.
    Vgl. ebd., S. 97.Google Scholar
  349. 325.
    Zur Begriffsgeschichte des Terminus vgl.: Köhler, Michael “Postmodernismus”: Ein begriffsgeschichtlicher überblick. In: Amerikastudien (22. Jg.). Mannheim 1977, S. 8–18. Ebenfalls abgedruckt ist der Artikel in: Pütz/Freese: Postmodernism in American Literature. Darmstadt 1984.Google Scholar
  350. 326.
    Sontag, Susan: Against Interpretation and other Essays. New York 1966; vgl. auch dies: Geist als Leidenschaft. Ausgewählte Essays. Berlin und Weimar 1989.Google Scholar
  351. 327.
    Vgl. Fiedler, Leslie: Cross the border—dose the gap. In: Playboy, December 1969. New York 1969, S. 151, 230, 252–254, 256–258.Google Scholar
  352. 328.
    Vgl. Hassan, Ihab H.: The Dismemberment of Orpheus. Toward a Postmodern Literature. Madison, Wisc. 1977.Google Scholar
  353. 329.
    Vgl. etwa die Zeitschriften: “Boundary 2” (die seit Herbst 1972 erschien) und “TriQuarterly”, in denen seither regelmäßig Autoren und Kritiker der Postmoderne veröffentli-chen.Google Scholar
  354. 330.
    “Silence”, so die zentrale Kategorie/Metapher seiner überlegungen.Google Scholar
  355. 331.
    Vgl. Schmidt, Burghardt: Strategien des Vergessens. Darmstadt 1986.Google Scholar
  356. 332.
    Vgl. Lyotard, Jean Francois: Postmoderne ßr Kinder. Briefe aus dem Jahre 1982–1985. Wien 1987. Zitiert als: Lyotard 1987. Hier: S. 24.Google Scholar
  357. 333.
    Ebd., S. 29.Google Scholar
  358. 334.
    Ebd., S. 27.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

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