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(Meta-)Theoretische Desiderata der Medien(wirkungs-)forschung unter der Perspektive der Text-Leser-Wechselwirkung

  • Norbert Groeben
Chapter

Zusammenfassung

Den Rahmen sowohl für theoretische wie meta-theoretische Desiderata jedweder Forschungsentwicklung bietet auf höchstem Abstraktionsniveau heute sicherlich die pragmatisierte Konzeption der Erklärungsstruktur, zumal diese Pragmatisierung auch zu einer integrativen Perspektive von Erklären und Verstehen geführt hat (vgl. Schurz, 1990a). Die klassische Konzeption der Erklärungsstruktur war eine primär syntaktisch bzw. formal-semantisch ausgerichtete, für die das sogenannte Hempel-Oppenheim-Schema der deduktiv-nomologischen Erklärung das prototypische Beispiel darstellt. Die Relevanz pragmatischer Aspekte, also die Bedeutung von Fragekontexten, Antwortdimensionen etc. wurde nach einiger Zeit z.B. durch die Strukturdivergenz von Erklärung und Prognose deutlich (vgl. Lenk, 1972), die heute unter dem Terminus Erklärungsasymmetrien behandelt wird. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Barometerfall (von Grünberg): Das Fallen des Barometers (als Indikator des absinkenden Luftdrucks) ist als Prognose für den kommenden Sturm völlig akzeptabel, nicht aber als Erklärung dieses Sturms; unter Erklärungsperspektive verhält es sich anders herum, das Fallen des Barometers wird durch das anziehende Sturmtief erklärt. Die gleiche Erklärungsasymmetrie liegt beim Beispiel des Fahnenmastschattens (von Bromberger) vor: Wenn man den Sonnenstand kennt, kann man entweder aus der Länge des Fahnenmastes die Länge des Schattens auf dem Erdboden berechnen oder umgekehrt aus der Länge des Schattens die Länge des Fahnenmastes. Die Berechnung der Mastlänge aus dem Schatten ist als Prognose in Ordnung, erklären wird man aber sicher nur die Schattenlänge von der Mastlänge her (vgl. van Fraassen, 1990, S. 38f). Die Beispiele zeigen, daß bei Warum-Fragen und -Antworten immer auch die Kohärenz zu z.B. ontologischen Vorstellungen des Rahmenwissens eine Rolle spielt.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

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  • Norbert Groeben

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