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Interkulturelle Öffnung sozialer Dienste und Ämter — Eine Herausforderung für die Einwanderungsgesellschaft

  • Sabine Jungk

Zusammenfassung

In den vergangenen Monaten hat sich ein bemerkenswerter Wandel in der Geschichte der Einwanderungsgesellschaft Bundesrepublik Deutschland vollzogen. Zum Jahresbeginn 2000 ist ein neues Staatsangehörigkeitsrecht in Kraft getreten, das das alte, auf Abstammung beruhende Jus Sanguinis durch ein de facto Geburtsrecht (Jus Soli) ablöst. Diskussionen um eine aktive Einwanderungspolitik, die signifikante Lücken im Arbeitskräftepotential auf dem deutschen Arbeitsmarkt schließen soll — vom amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schröder mit dem Vorschlag einer Green-Card-Regelung für IT-Spezialisten ins Rollen gebracht — beherrschen seit Monaten die Tagespresse. Große Teile der Wirtschaft sind nach Jahren der Zurückhaltung oder Ablehnung auf eine Strategie pro Zuwanderung umgeschwenkt — pars pro toto können die Argumentationen des Instituts der deutschen Wirtschaft angeführt werden: „Ausländische Arbeitnehmer sind für die deutsche Wirtschaft unentbehrlich. Ohne Ausländer könnten einige Branchen in Deutschland die Arbeit einstellen“ (Solinger Morgenpost vom 05.04.2000). Angesichts der Themenkonjunktur findet auch die Diagnose demografischer, nur durch Zuwanderung aufzuhaltender Schrumpfungsprozesse, die die Einwohnerzahl minimieren und damit das System sozialer Sicherung gefährden, eine anhaltende Medienresonanz, von der Bevölkerungswissenschaftler bislang nur träumen konnten. Eine parteienübergreifende Kommission — eingesetzt von der Bundesregierung, die von der Dynamik selbstentfesselter Ereignisse getrieben scheint — soll Empfehlungen für eine Einwanderungsstrategie erarbeiten. Nach einer Allensbach-Untersuchung ist in der öffentlichen Meinung „Einwanderung“ zum wichtigsten Thema aufgerückt und hat andere gesellschaftliche Problembereiche wie Arbeitslosigkeit auf nachgeordnete Ränge verbannt (Solinger Morgenpost vom 04.05.00). Diese Umfrage offenbart allerdings auch, dass die Sorgen der Bevölkerung ob der sozialen Konflikte durch Zuwanderung gegenüber den 1980er Jahren gestiegen sind. Man muss nicht spektakuläre Fälle rechtsextremistisch motivierter Gewalt gegen ethnische Minderheiten heranziehen, um die Akzeptanz von Zuwanderung als nach wie vor prekär einzuschätzen.

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  • Sabine Jungk

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