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Die symbolische Herstellung sozialer Kohärenz

Die Entstehung dramatischer, diskursiver und objektivierter Bedeutungssysteme
  • Arne Raeithel
  • Christian Dahme

Zusammenfassung

Dies ist eine Fallstudie in historischer Empirie in dem Bemühen, eine überzeugende Darstellung der Entwicklung der menschlichen Kommunikation und Erkenntnis zu liefern. Geleitet wird die Darstellung von Holzkamps (1983) Fünfschritteregel zur Erklärung eines qualitativen Sprungs der Evolution. Aus archäologischen und anthropologischen Quellen wird Material zur Untermauerung der Hauptthese herangezogen: Die grundlegende gesellschaftliche Rolle der Kommunikation besteht darin, den sozialen Zusammenhang von Gemeinschaften zu reproduzieren, die habituellen „Stile des Machens“ (Bourdieu). Das komplexe kulturelle Muster von Tätigkeiten mit ihren inneren Spannungen und dialektischen Widersprüchen wird während der Reproduktion durch die Generationenfolge ständig verändert. Es wird gezeigt, wie die menschliche Natur- und Sozialgeschichte sich als Erweiterung der Formen und Mittel der gesellschaftlichen Selbstregulierung verstehen läßt. Der Einsatz von menschlichen Kommunikationsmitteln könnte in drei Phasen entstanden sein: die mimetische, diskursive und objektsymbolische Kommunikation entwickeln sich jeweils nacheinander als vorherrschendes Regulativ der sozialen Kohärenz. Zum Schluß werden einige Schlußfolgerungen für eine künftige Revision des historischen Materialismus vorgeschlagen.

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Arne Raeithel
  • Christian Dahme
    • 1
  1. 1.BielefeldDeutschland

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