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James G. March und die Tyrannei der instrumentellen Rationalität

  • Veronika Tacke

Zusammenfassung

Es gibt zweifellos viele Autoren, die sich gegen Rational-Choice-Theorien positionieren, aber man findet darunter kaum jemanden, der die Differenz zu diesem Paradigma in seinen Schriften laufend so deutlich markiert wie James March. Die Präferenzen von Entscheidern sind nicht eindeutig, stabil und exogen gegeben, sondern sie sind instabil, mehrdeutig und endogen abhängig von Erfolgen und Misserfolgen sowie von der Kommunikation mit Anderen. Nicht auf vollständige Information kommt es an, sondern auf die Verteilung von Aufmerksamkeiten. Nicht die in der Zukunft erwarteten Ergebnisse orientieren Entscheidungen, sondern Erfahrungen, die in der Vergangenheit gesammelt wurden. Nicht auf Optimierungskalküle kommt es an, sondern auf Interpretationen der eigenen Geschichte. In dieser Weise greift March immer wieder Annahmen und Prämissen der rationalistischen Entscheidungslogik auf, dekonstruiert sie Punkt für Punkt, entlarvt sie als Rationalitätsmythen, und ersetzt sie schließlich durch eine deskriptive Theorie, die Entscheidungen in Organisationen als identitätsbezogene, interpretative Aktivitäten sichtbar macht. Entscheidungen sind nicht informations-, sondern geschichtsabhängig, und sie sind in organisierte Entscheidungssysteme eingebettet, die nicht umwelt-, sondern strukturabhängig operieren. Weil die Welt eben nicht rational kalkuliert werden kann, muss sie symbolisch interpretiert werden. Den Kontext dafür stellen selbst erzeugte Systemgeschichten und institutionalisierte Regeln der Angemessenheit bereit, die in einer ansonsten überkomplexen Welt notwendige Simplifikationen leisten und individuelle und kollektive Identitäten verbürgen. Eine solche Beschreibung hat sich von der Vorstellung antizipativer Rationalitätskalküle meilenweit entfernt.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2001

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  • Veronika Tacke

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