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Konflikte in modernen Gesellschaften (II)

  • Detlef Matthias Hug

Zusammenfassung

Die funktionale Differenzierung der Gesellschaft erlaubt eine effiziente Bewältigung unterschiedlicher und teilweise kollidierender Funktionserfordernisse. Die Stabilisierung funktionsspezifischer Kommunikationsbereiche wird bezahlt mit einem wachsenden Konfliktpotential zwischen den einzelnen Teilsystemen. Für eine soziale Regulation der komplexen gesellschaftlichen Konfliktkonstellation kann weder die Partikularrationalität des politischen, rechtlichen noch des wissenschaftlichen Systems für sich einen Anspruch auf allgemeine Verbindlichkeit bzw. Akzeptanz geltend machen. Die Pattsituation zwischen den teilsystemspezifischen Rationalitäten wirft die Frage nach Bedingungen der Möglichkeit inter- bzw. transsystemischer Konfliktaustragung und Koordination auf.

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Literatur

  1. 227.
    Dagegen sieht Munch ( 1991: 284 ff.) die Theorie der funktionalen Differenzierung durch die gesellschaftliche Realität bereits als überholt an; deshalb fordert er, die Interpenetrationen gesellschaftlicher Subsysteme sowie die intersystemischen Kommunikationsprozesse in den Mittelpunkt aktueller Gesellschaftstheorien zu stellen. Münchs Kritik an der Differenzierungstheorie basiert unseres Erachtens allerdings auf der nicht schlüssig begründeten Prämisse, das differenzierungstheoretische Paradigma sei nicht in der Lage, intersystemische Kommunikationsprozesse angemessen zu erfassen. Im Gegenteil halten wir die Differenzierungstheorie für ausgesprochen geeignet, die besondere Problematik intersystemischer Abstimmungsvorgänge anschaulich machen zu können.Google Scholar
  2. 228.
    Die gesellschaftlichen Differenzierungsprozesse werden als das Resultat wachsender Komplexität verstanden. Indem die Differenzierung selbst wieder zu einer weiteren Steigerung der gesellschaftlichen Komplexität beiträgt, werden weitere Differenzierungen erforderlich, ist der Differenzierungsprozeß mithin ein sich aus sich selbst heraus fortsetzender Prozeß (vgl. Munch 1991: 312). Gemäß Luhmanns evolutionstheoretischer Axiomatik läßt sich die komplexitätssteigernde Entwicklung der Gesellschaft in drei historisch aufeinanderfolgende Stadien klassifizieren: segmentäre, stratifikatorische und funktionale Differenzierung (vgl. Luhmann 1984: 573 ff.; ders. 1986a: 149; Kim 1992b: 51 ff.). Vgl. zur Genealogie der Differenzierungstheorie Beyme 1992: 238 ff.; Metzner 1993: 158 f.Google Scholar
  3. 229.
    Diese funktionssystemspezifischen Tendenzen hat Habermas schließlich in der prominenten Kolonialisierungs-These konzentriert (vgl. Habermas 1982b: 273 ff.; Wenzel/ Hochmuth 1989: 262; Steinbach-Gröbl 1990: 220; Kunnemann 1991: 196; Nissen 1992a: 47). Vgl. dazu Kap. 9. 1.Google Scholar
  4. 230.
    Detailliert und kritisch setzt sich Beyme mit dem Konstrukt des binären Codes auseinander (vgl. Beyme 1992: 238 ff.).Google Scholar
  5. 231.
    Von einer ‘gelungenen’ wechselseitigen Verschränkung wirtschaftlicher, politischer und wissenschaftlicher Interessen berichtet Schimank im Zusammenhang mit der ’Karriere’ der Brütertechnik Anfang der sechziger Jahre: Die Entwicklung des „Schnellen Brüters“ bot den Wissenschaftlern interessante grundlagentheoretische Forschungschancen und entsprach dem Expansionsbedürfnis des Kernforschungszentrums Karlsruhe. Die Energieversorger und Reaktorbauer versprachen sich durch die immense staatliche Förderung hohe Gewinnchancen, und die Repräsentanten des politischen Systems erhofften sich so eine Unabhängigkeit der Bundesrepublik von ausländischen Uranvorräten (vgl. Schimank 1992: 259 ff.).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Detlef Matthias Hug

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