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Entwurf eines ‚umweltorientierten‘ Konfliktmodells

  • Detlef Matthias Hug

Zusammenfassung

Als Reaktion auf die Provokationen durch die Luhmannsche Systemtheorie erleben die Sozialwissenschaften in jüngerer Zeit eine Renaissance akteurtheoretischer Ansätze. Die akteurtheoretisch orientierte Kritik moniert vor allem die Mißachtung elementarer biotisch-psychischer Bedingungen menschlicher Existenz durch die Systemtheorie. Eine Analyse der kritischen Einwände verdeutlicht aber, daß diese weitgehend unbegründet sind (vgl. Kap. 5.1). Im Zuge der akteurtheoretischen Auseinandersetzung mit der Systemtheorie kommt es zu einer inflationären Behauptung diverser Anthropomorphismen, mit denen man das Luhmannsche Kontingenzund Komplexitätsargument zu entkräften versucht. Am Beispiel der These von den konfliktmotivierenden ‚natürlichen‘ Aggressionstrieben wird die Problematik der Annahme anthropologischer Konstanten deutlich (vgl. Kap. 5.2). Eine kritische Betrachtung akteurtheoretischer Konzepte der Soziogenese zeigt, daß diese keine brauchbare Alternative zur systemtheoretischen Rekonstruktion darstellen. Eine Folge unserer Diskussion der akteurtheoretischen Kritik der Theorie sozialer Systeme ist, daß wir innerhalb des ‚umweltorientierten‘ Konfliktmodells auf monokausale Erklärungsmuster verzichten (vgl. Kap. 5.3). Um den zuvor festgestellten Inplausibilitäten eines systemtheoretischen Konfliktmodells entgehen zu können, wird hier ein umweltorientiertes Konfliktmodell vorgeschlagen. Mit der Konkretisierung des Luhmannschen Interpenetrationskonzepts wird die Beteiligung der psychischen Systeme bei der Konstitution kooperativ bzw. konfliktiv strukturierter Kommunikationsprozesse theoretisch angemessen formuliert (vgl. Kap. 5.4). Anschließend rekonstruieren wir den Individuationsprozeß als konfliktionäre Herauslösung des einzelnen aus präexistenten Kommunikationsstrukturen (i.e. soziale Ordnung) (vgl. Kap. 5.5). Unser Konfliktmodell stellt durch seine weitergehende Berücksichtigung der psychischen Umwelt sozialer Systeme eine taugliche Ergänzung zu Luhmanns Konfliktanalyse dar. Das umweltorientierte Konfliktmodell empfiehlt sich darüber hinaus aufgrund neuartiger Fragestellungen, die es eröffnet (vgl. Kap. 5.6).

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Literatur

  1. 146.
    Darüber hinaus wird in der Spezifizierung des Sozialen auf Kommunikation eine implizite Zurücksetzung des materiell-energetischen Unterbaus der Gesellschaft erfahren (vgl. Metzner 1993: 221 ff.). Entsprechend kommentiert Ganâmann die Einschränkung von Sozialem auf Kommunikatives, mithin Immaterielles: „Selbstverständlich kann man die Verhältnisse unter westfälischen Bauern, die Rüben produzieren, unter dem Aspekt ihrer Kommunikation analysieren. Aber ohne wenigstens das Alltagsvorverständnis, daß die Arbeit von Bauern typisch zur materiellen Reproduktion der Gesellschaft beiträgt, wird einer derartigen Analyse nicht viel abzugewinnen sein. “ (Ganâmann 1986: 153 )Google Scholar
  2. 150.
    Vgl. Luhmann 1970: 7; ders. 1981a: 67 f.; ders. 1984: 358; ders. 1988: 44; ders. 1989: 23 und 203; ders. 1990b: 54; ders. 1991b: 31; ders. 1991i: 35 f.; ders. 1991k: 71 und 84; ders. 19910: 145; ders. 1992a: 365, Anm. 3 und 369, Anm. 12 und 370; ders. 1992c: 17. Das begrenzte Komplexitatsverarbeitungsvolumen der Bewußtseinssysteme gehört in der Literatur denn auch zum Standardargument für die Notwendigkeit von Komplexitätsreduktion durch Selektion (vgl. Ronneberger 1978: 41; Stuiber 1978: 228; Vowe 1984: 332; Schmidt 1988: 30; Künzler 1989: 77; Bierter 1990: 453; Esser 1990: 236; Lübbe 1992: 78 f.; Ronneberger/Rühl 1992: 124 f.; Stöckler 1992: 7 ).Google Scholar
  3. 151.
    Soziale Systeme entstehen auf Grund der Geräusche, die psychische Systeme erzeugen bei ihren Versuchen zu kommunizieren.“ (Luhmann 1984: 292)Google Scholar
  4. 152.
    Und das gilt eben auch dann, wenn man mit Westerbarkey (1991: 229) annimmt, daß Beziehungsbedürfnisse biologisch verankert und sowohl stammesgeschichtlich als auch entwicklungspsychologisch herleitbar sind.Google Scholar
  5. 154.
    Wie Acham (1989a: 34) an einem eindrucksvollen Beispiel verdeutlichen kann: „Eine Erscheinungsform dieses Pluralismus, dessen Name bereits zur Lizenz für allerlei Widersinn geworden zu sein scheint, ist die Denunziation der Menschenrechte als eines geistigen Neokolonialismus aus Europa. […] Und doch darf zunächst einmal unterstellt werden, daß es hinreichend viele anthropologische und soziologische Universalien gibt, welche folgendes Denkexperiment als legitim erscheinen lassen: einen Gefangenen in der Dritten Welt, der in einer Polizeizelle zusammengeschlagen worden ist, zu fragen, ob internationale Kontrollkommissionen seiner Ansicht nach seinem Land fremde Werte aufzuzwingen versuchen, indem sie einen Stopp der Folter verlangen.“Google Scholar
  6. 155.
    beispielsweise erbgenetisch verankerte Affektreaktionen (vgl. Kornadt 1982: 103), Aggressionstriebe (vgl. Eibl-Eibesfeld 1976: 15; ders. 1987: 769; Kempf 1982: 142; Meyer 1981: 30 ff.; Assmann/Assmann 1990: 14), Ethnizität (vgl. Dehdashti-Zadeh 1993) und Xenophobie (vgl. Eibl-Eibesfeld 1987: 745) — zeigt.Google Scholar
  7. 155.
    Eine Vorstellung, die bereits im Zentrum der Hobbesschen Theorie des absolutistischen Staates stand: Erst der Staat kann den Naturzustand der wechselseitigen Destruktion der Menschen wirksam unterbinden — durch Monopolisierung der Gewalt in der Hand des Souverän (vgl. Eibl-Eibesfeld 1976: 12; Dahrendorf 1972: 28; Fulda 1990: 123; Luhmann 1991m: 35 f.). Eine vergleichbare Auffassung formte auch wesentlich die einflußreiche politische Theorie Carl Schmitts (vgl. Assmann/Assmann 1990: 17 ff.; Conrad 1990: 77 ff.). Dieses Menschenbild wurde nun mit der Autorität (natur-)wissenschaftlicher Argumentation ausgestattet.Google Scholar
  8. 158.
    Die These von der natürlichen Aggressivität und Gewaltbereitschaft des Menschen wird von rechtskonservativen Kreisen als Argument für einen ‘starken’ Staat beansprucht. Entsprechend fordert Safranski ( 1994: 240 f.) zum Umgang mit jugendlichen Gewalttätern: „Das einzige, was sie beeindruckt, ist die Gewalt, die ihnen entgegengesetzt wird. Nur diese ist satisfaktionsfähig. Und deshalb wirkt auf sie ein Staat, der zurückweicht und »Verständnis« zeigt, nur um so verächtlicher. Sie verstehen nur eine Sprache, und das ist die der Abschreckung und der Einschüchterung. Im Umgang mit ihnen ist man besser beraten, wenn man auf Hobbes statt auf Habermas hört.“Google Scholar
  9. 159.
    Schließlich läßt sich aufgrund neuer Erkenntnisse der Primatologie auch die These einer natürlichen Aggressivität bei Tieren nicht mehr uneingeschränkt aufrechterhalten (vgl. Offenberger 1994: 35).Google Scholar
  10. 160.
    Unsere Darstellung kann die Differenzen und Nuancen der verschiedenen akteurtheoretischen Ansätze — die unter Etiketten wie ‘rational choice’, Entscheidungstheorie, ’bargaining’- oder Strategietheorie, Spieltheorie etc. firmieren — nicht weiter berücksichtigen, da das die Grenzen dieser Untersuchung überschreiten würden. Auf eine gelungene Übersicht der verschiedenen Ansätze bei Wiesenthal (1987) sei an dieser Stelle hingewiesen.Google Scholar
  11. 162.
    Beispielsweise die Beschreibung des handlungstheoretischen Konstitutionsprozesses von Kommunikationszusammenhängen bei Esser: „Bei den offenen Sequenzen gibt es eine spontan entstehende ‘Linie’ der Kommunikation ohne jede vorherige ’Vorstellung’ der Akteure darüber. Sie entstehen unintendiert und ausschließlich ’evolutionär’ als Nebenprodukt der sequentiellen und aufeinander bezogenen Re-Aktionen der Akteure. Hier sind die Akteure ganz ’individuell’ die Träger der Einheit der Kommunikation.“ (Esser 1994: 181 f.) Worin hier die heuristische Überlegenheit gegenüber dem ’subjektlos’ konzipierten Kommunikationsbegriff Luhmanns genau liegen soll, bleibt allerdings unklar; der ’Beitrag’ der Akteure beschränkt sich hier auf Re-Aktionen, also auf die Bereitstellung kommunikativ eingeforderter Anschlußhandlungen.Google Scholar
  12. 164.
    In diesem Sinne kann die Theorie sozialer Systeme allenfalls als eine ‘gemäßigte’ anti-oder posthumanistische Theorie gekennzeichnet werden. Schließlich führt Luhmann eine zusätzliche Theoriekomponente unter dem Begriff’symbiotische Mechanismen’ ein, die das Verhältnis zwischen sozialen Systemen und ihrer organisch-humanen Umwelt erfassen soll (vgl. Luhmann 1981b ). Vgl. auch die Kritik an Luhmanns Konzept des symbiotischen Mechanismus bei Metzner 1993: 139, Anm. 334.Google Scholar
  13. 165.
    Interpenetration ist doppelte Penetration, nämlich die Differenzierung in die Grenzbestimmung des sozialen Systems in Beziehung zum psychischen System und die Grenzbestimmung des psychischen Systems in Beziehung zum sozialen System (vgl. Hermanns 1992: 222).Google Scholar
  14. 166.
    Sozialisation als eine spezifische Form der Interpenetration hebt die operationale Geschlossenheit psychischer/sozialer Systeme nicht auf. Sozialisation ist nicht im Sinne einer deterministischen Intervention des sozialen Systems in das psychische System zu verstehen. Sie verläuft vielmehr über Differenzen, die vom psychischen System in seiner Umwelt wahrgenommen werden und die systemintern verarbeitet werden. Die sozialisationswirksame Verarbeitung dieser Differenzen ist eine Eigenleistung psychischer Systeme (vgl. Gilgenmann 1986: 114). Sozialisation ist somit immer Selbstsozialisation (vgl. Luhmann 1984: 327 ).Google Scholar
  15. 167.
    Vermutlich deutet Luhmann mit seiner Frage, warum soziale Systeme dazu neigen, Ablehnung als Nichtverstehen zu behandeln (vgl. Luhmann 1984: 604, Anm. 16), eine Möglichkeit an, den Kommunikationsprozeß trotz Artikulation von Nicht-Akzeptanz nicht umstandslos auf einen handfesten Konflikt hinauslaufen zu lassen. Während nämlich die soziale Aktualisierung von Widerspruch dem Widersprechenden gewöhnlich als Ausdruck seiner feindseligen Haltung zugeschrieben wird, mit der Folge, daß auf sein Nein mit einem Gegennein geantwortet wird und der Konflikt eskaliert, erlaubt die Behandlung von Ablehnung als Nichtverstehen den Beteiligten eine weitgehend unproblematische Situationsdefinition, die einen folgenlosen Abbruch der Kommunikation oder das Beginnen neuer Kooperationsversuche ermöglicht (vgl. auch Lerg 1971: 232 ).Google Scholar
  16. 170.
    Konsens bezeichnet damit ein ausschließlich kognitives Konstrukt, das weder von außen beobachtet noch durch Kommunikation determiniert werden kann: „Mein Konsens ist Konsens nur in Bezug auf Deinen Konsens, aber mein Konsens ist nicht Dein Konsens, und es gibt auch keinerlei Sachargumente oder Vernunftgründe, die dieses Zusammenfallen (wiederum: aus der Sachdimension heraus) letztlich sicherstellen könnten.“(Luhmann 1984: 113)Google Scholar
  17. 172.
    Wir treten damit etwa der Auffassung Schneiders entgegen, der Konflikte generell als nicht-intendierte kommunikative Ordnungsformen versteht. Seines Erachtens entstehen Konflikte, ohne von den psychischen Systemen beabsichtigt zu sein, so daß diese erst a posteriori die der Konfliktsituation entsprechenden Motive entwickeln: „Die für Kommunikation notwendige Bewußtseinsbeteiligung bleibt dadurch erhalten, jedoch unter Umkehrung der hier üblicherweise unterstellten Zeit-oder Kausalrichtung: An die Stelle der kommunikativen Emission psychisch konstituierten Sinns tritt die nachträgliche Katalysierung konformer Motive durch Kommunikation.“ (Schneider 1994: 15; kursiv im Original) Wir schließen zwar die Möglichkeit einer mehr oder weniger ‘unbeabsichtigten’ Entstehung sozialer Konflikte nicht aus, doch wird das eher die Ausnahme als die Regel sein. Aus unseren bisherigen Ausführungen geht hervor, daß soziale Prozesse dem Zugriff psychischer Systeme nicht vollständig entzogen sind, wie beispielsweise Kim (1992b: 74) unterstellt. Sie sind aber ebensowenig Sedimentationen ausschließlich individueller psychischer Prozesse der beteiligten Bewußtseinssysteme (vgl. Metzner 1993: 137 ).Google Scholar
  18. 173.
    Demgegenüber vertritt Maturana angesichts eines drohenden Relativismus die Vorstellung, daß die Menschen an der Beseitigung aller Differenzen arbeiten sollen. Diese Auffassung ist aber gleich in mehrfacher Hinsicht zu kritisieren: Aus erkenntnistheoretischer Sicht, weil die Abarbeitung aller Differenzen faktisch eine für alle Menschen gleichermaßen gültige Wirklichkeit hervorbrächte, und aus ethischer Sicht, weil eine durch den subjektorientierten Konstruktivismus eingeforderte Toleranz letztlich zu einer gemeinsamen Wirklichkeit führen soll, in der Toleranz dann nicht mehr notwendig ist: „Die Situation ist nicht wesentlich verschieden von dem Versuch neuzeitlicher Wissenschaft, alle Menschen zu deren Wohl der rationalistischen Aufklärung zu unterwerfen.“ (Exner/ Reithmayr 1993: 151; kursiv im Original) Konflikte stellen sich unter dieser Prämisse schließlich wieder als dysfunktional dar, die auf Defizite bei der Etablierung eines konsensuellen lnteraktionsbereichs hindeuten und die es deshalb zu beheben gilt.Google Scholar
  19. 174.
    Luhmann hat mehrfach die Kombination eines konstruktivistischen Relativismus mit einem modernen Subjektivismus kritisiert (vgl. Luhmann 1990f: 29; ders. 1992a: 15; ders. 1994: 7; ders. 1995: 9).Google Scholar
  20. 175.
    Der Explikationsbedarf potenziert sich, wenn man der — intuitiv begreiflichen — These Messelkens einer strukturellen Präferenz der Gesellschaft für das Konsensuell-Kooperative und einer generellen Rejektion des Dissensuell-Konfliktiven folgt und gleichzeitig die These eines anthropologisch-universalen Aggressions-und Feindseligkeitstriebes abweist. „Die Konsenspräponderanz [in der Gesellschaft; D.H.] erscheint [..] so gut befestigt, daß sich als das um so größere theoretische Problem herausstellt, Konfliktverhalten zu erklären, ohne dabei auf angeborene Aggressionskomponenten des Verhaltens zurückzugreifen.“ (Messelken 1993: 175 )Google Scholar
  21. 176.
    Die Fähigkeit zur Negation, die Herausbildung des normativen Horizonts einerseits und andererseits das Ja i.S. der Aufnahmebereitschaft für Neues, die Rekonstruktion des Alten im Lichte des Neuen und zugleich (aber nicht unbedingt symmetrisch) umgekehrt — bedingen und ermöglichen sich wechselseitig.“ (Gilgenmann 1986: 129)Google Scholar
  22. 177.
    Subjekt’ ist also das Subjekt (wenn man am Begriffssinn das Moment letzter Trägerschaft noch ernst nimmt) nur für die lebensgeschichtlich einmalige Konstellierung von Bezeichnungen und Realisationen, die binäre Schematismen offen gehalten hatten.“ (Luhmann 1984: 317)Google Scholar
  23. 178.
    Sozialisation kann folglich nicht einseitig als Anpassungsprozeß des Individuums an Gesellschaft, als ’Übertragung’ gesellschaftlicher Werte und Normen auf das sozialisierte Individuum angesehen werden: „Die Konsequenzen für eine Theorie der Sozialisation liegen auf der Hand. Sie hat es nicht einfach mit der Übertragung von Konformitätsmustern zu tun, sondern mit der durch Kommunikation ständig reproduzierten Alternative von Konformität oder Abweichung, Anpassung oder Widerstand; und dies gilt auch dann, wenn man die zum Konflikt führende Kommunikation der Ablehnung scheut und die Ablehnung bei sich behält.“ (Luhmann 1987c: 175) Bezeichnend ist denn auch, daß sich kein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium hat entwickeln lassen, daß die Änderung (besser: Anpassung) von Personen auf hinreichend sichere und erwartbare Grundlage stellen könnte (vgl. Luhmann 1991h: 31). Das sozialisierte Individuum entwickelt sich schließlich nicht von der egozentrischen Phase zur sozialen hin, sondern von der sozialen Phase hin zur egozentrischen (vgl. Honneth 1994: 51): „Im Tnteriorisationsprozeß bildet sich das kindliche Bewußtsein heran. Dieser Weg beinhaltet die allmählich von außen in das Kind hineingetragene Sozialisierung in besonderer Weise, nämlich als seine allmähliche ‘Individualisierung’ innerhalb des sozialen Gefüges, die auf der Grundlage seines sozialen Wesens entsteht.” (Kim 1992a: 125)Google Scholar
  24. 179.
    Vgl. Auwärter/Kirsch/Schröter 1976: XX; Baecker/Borg-Laufs/Duda/Matthies 1992: 132.Google Scholar
  25. 180.
    Vgl. zur Individualität und zum Individuationsprozeß auch Martens 1991: 643 ff.; Luhmann 1992c: bes. 13 ff. und 123 ff.Google Scholar
  26. 181.
    Weil nämlich symbolisch generalisierte Medien nicht die Bifurkationen an sich aufheben, sondern allein den einen oder anderen Wert durch positive oder negative Sanktionen so auszeichnen können, daß die Wahl des positiv sanktionierten bzw. nicht mit negativen Sanktionen begleiteten Wertes wahrscheinlicher wird. Trotzdem kann sich das psychische System für den nicht-präferierten Wert der Bifurkation entscheiden, weil es den Nutzen dieses Wertes höher einschätzt als die zu erwartenden Kosten durch die Nicht-Wahl des anderen Wertes.Google Scholar
  27. 182.
    Wobei die Auszeichnung konfliktverursachender Faktoren wiederum ein sozialer Vorgang ist, der aber durch zustimmende oder ablehnende Stellungnahmen der beteiligten psychischen Systeme gezielt perturbiert werden kann.Google Scholar
  28. 183.
    Man kann nicht alltägliche Selbstverständlichkeiten in Frage stellen, kann nicht einfach bestreiten, daß der Volkswagen ein Volkswagen ist, ohne eine Art psychiatrisches Interesse auf sich zu lenken.“ (Luhmann 1975: 72)Google Scholar
  29. 184.
    Immer noch ist es einfacher, den status quo zu belassen, als Änderungen durchzusetzen. Immer noch müssen sich Innovationen eigens legitimieren, obwohl überdeutlich ist, das durch die unvermeidliche Veränderung von Kontextbedingungen jeder status quo kontinuierlich veraltet und antiquiert wird. Ja, es spricht einiges dafür, daß es ein zunehmend paradoxes Verhältnis gibt zwischen der prinzipiellen Kontingenz aller Zustände einerseits und der Selbstblockierung komplexer Systeme gerade aufgrund der überwältigenden Komplexität ihrer Möglichkeiten. Man könnte auch sagen: je mehr möglich ist, desto weniger geht, oder präziser: weil so viel möglich ist, geht so wenig. “ (Willke 1989: 41 )Google Scholar
  30. 186.
    Wobei das Bedürfnis nach Übersichtlichkeit, Regelmäßigkeit und Gewißheit (Ordnung) wiederum Ausdruck der geringen Komplexitätsverarbeitungskapazität psychischer Systeme ist. So werden schließlich auch die typisch anfallenden ‘Entscheidungslagen’ in alltäglichen Kommunikationsprozessen (’Möchtest Du die obere Hälfte des Frühstücksbrötchens?’) vom betroffenen psychischen System routinemäßig abgehandelt, womit sie den Status einer Entscheidung verlieren.Google Scholar
  31. 187.
    Vgl. allgemein zu den kritischen Potentialen der autopoietischen Systemtheorie Frit-scher 1989: bes. 133 ff.Google Scholar
  32. 188.
    Damit wäre möglicherweise ein (kontingenter) Maßstab für die Beurteilung der Angemessenheit der durch Interpenetration zustande gekommenen Relation von Individuum und Gesellschaft gewonnen. Vgl. in diesem Zusammenhang auch Giegel 1987: 215.Google Scholar
  33. 189.
    Zwar verfügt jeder Teilnehmer an sozialen Beziehungen prinzipiell über die Möglichkeit der Negation (vgl. Luhmann 1981a: 99), aber nicht faktisch: So merkt Luhmann (1975: 74) kritisch an, daß die gesellschaftliche Steigerung von Ablehnungsmöglichkeiten nicht jedem in gleichen Teilen zugute kommt. „Sie nützt den reichen Eigentümern, den gefragten Professoren, den schönen Frauen, den geplagten Politikern.“ Eine mögliche Potenzierung von Konfliktchancen durch die rechtlich geregelte Monopolisierung physischer Gewalt im Staat (vgl. Bächler 1992: XIV) wird durch die Existenz zahlreicher hierarchischer Strukturen weitgehend blockiert: „Die Hierarchie tritt an die Stelle der physischen Gewalt in der Kanalisierung von Konfliktchancen, und entsprechend wird der Konfliktbeginn entmutigt. Nur Höhergestellte lehnen ab; nur sie sind frei nein zu sagen, weil daraufhin kein Konflikt erfolgt.” (Luhmann 1984: 539–540)Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Detlef Matthias Hug

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