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Konflikte in modernen Gesellschaften (I)

  • Detlef Matthias Hug

Zusammenfassung

Die gesellschaftliche Entwicklung hat nach Ansicht vieler Experten zu einer Potenzierung sozialer Konflikte geführt. Aufgrund spezifischer Charakteristika der Moderne werde die institutionalisierte Austragung der Konflikte zunehmend schwieriger und die Herbeiführung einer allgemein akzeptierten Konfliktlösung unwahrscheinlicher. Als ausschlaggebende Ursache dieser Entwicklung wird in der Regel eine defizitäre Kommunikation zwischen den Konfliktbeteiligten angenommen: Kommunikation — so das darin zum Ausdruck kommende Verständnis — diene originär der Verständigung und konsensuellen Einigung der Menschen. Dementsprechend erscheinen Konflikte ausschließlich als dysfunktionale Kommunikationsstörungen, die durch eine Progression und Kultivierung der Kommunikationsprozesse zu beseitigen sind. Dieses Verständnis von Kommunikation und Konflikt gehört auch zum ideenpolitischen Obligo der kommunikations- und publizistikwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Rolle und Funktion der Massenmedien in sozialen Konflikten. Der Schwerpunkt der Forschung liegt daher auf der Frage, wie die Medien zur Lösung von Konflikten durch Konsensbildung beitragen können. Da Medien aber eher Konflikte fortsetzen, anstatt sie zu harmonisieren, wird ihnen ein generelles Versagen in der Konfliktlösung attestiert. Auf diese Weise hat sich eine umfassende Medien- und Journalismuskritik in der deutschsprachigen Kommunikations- und Publizistikwissenschaft etabliert.

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Literatur

  1. 2.
    Vgl. für viele andere Schulze-Böing/Unverferth 1986: 35 ff.;Google Scholar
  2. 4.
    Welche teilsystemspezifischen Kommunikationen (besonders Entscheidungen) als gesellschaftlich relevant gelten können, ist nicht eindeutig und kontextunabhängig bestimmbar. Wohl aber ist die Tendenz beobachtbar, daß immer mehr teilsystemspezifische Kommunikationen als gesamtgesellschaftlich relevant thematisiert und problematisiert werden. Ein Grund dafür mag auch das gestiegene Partizipationsinteresse der Bevölkerung sein (vgl. Sarcinelli 1987: 27; ders. 1990: 45 f.).Google Scholar
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    Ein Indikator für die wachsende Legitimationsnachfrage dieser Teilsysteme ist der Ausbau professioneller und institutionalisierter Public-Relations (vgl. Sarcinelli 1990: 46; Saxer 1991: 280; Ronneberger/Rühl 1992: 215 ff.).Google Scholar
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    In diesem Zusammenhang ist insbesondere auf die Neu-Belebung der Korporatismus-Debatte in politikwissenschaftlich orientierten Arbeiten hinzuweisen (vgl. Nollert 1992). Vgl. allgemein zum (Neo-)Korporatismus Beyme 1992: 129 ff. und Beierwaltes 1995.Google Scholar
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    Wie bedeutsam das kontrafaktische Festhalten an diesem Kommunikationsverständnis im sozialen Alltag ist, zeigt die Erfahrung, daß Äußerungen über Zweifel an der Erreichbarkeit wechselseitiger Verständigung bei den unterschiedlichsten Menschen immer wieder zu heftigen Reaktionen führen, so als würde mit diesen Äußerungen ein Tabu verletzt (vgl. Soefner/Luckmann 1987: 348).Google Scholar
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    Diese Entwicklungen werden zuweilen als schicksalhaft und unumkehrbar beschrieben: „Die Medienentwicklung hat eine Eigendynamik erreicht, die sie nur noch schwer beherrschbar macht. Wir müssen uns in die Rolle des Zauberlehrlings fügen, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wird.“ (Schulz 1993: 25)Google Scholar
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    Die dargebotene Publizistik überbietet sich in Banalitäten, treibt mit Entsetzen Scherz, Journalisten überbieten sich, die wertelose Gesellschaft immer noch werteloser zu machen.“ (Deussen 1994: 154; vgl. Oberreuter 1987: 28 f.)Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Detlef Matthias Hug

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