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Die Konsequenzen der sozialen Form „Arbeitsbesprechung“

  • Christoph Meier
Chapter
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Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 187)

Zusammenfassung

In den vorangegangenen Kapiteln habe ich einige der Verfahren und Praktiken beschrieben, die Arbeitsbesprechungen gegenüber anderen Formen von MehrPersonen-Interaktion auszeichnen. Es sind diese Alltags- oder Ethno-Methoden, durch die die Beteiligten ihre Interaktion als “Besprechung” Wirklichkeit werden lassen — sowohl wechselseitig füreinander als auch für außenstehende Dritte.

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Referenzen

  1. 165.
    Allerdings besteht bei der Verwendung dieser Metapher immer die Gefahr, die grundsatzlich interpretative Qualität dieses Forschungsansatzes aus den Augen zu verlieren. Die beschriebenen Verfahren können nur dann als real und handlungsleitend gelten, wenn sich die Beteiligten tatsachlich an ihrer Verwendung — oder auch ihrem Ausbleiben — orientiert zeigen. Die Herausforderung einer ethnomethodologisch-konversationsanalytischen Arbeit besteht genau darin, dies über die kontrastive Betrachtung verschiedener Ausschnitte aus dem Datenmaterial aufzuzeigen.Google Scholar
  2. 166.
    Ein frühes und aufgrund seiner interaktionsanalytischen Fundierung untypisches Exemplar dieser Gattung stammt von Bales (1954). Einige deutschsprachige Titel sind: Rüdenauer 1979, Braune 1982, Stroebe 1985, Ruschel 1989 und Kellner 1995.Google Scholar
  3. 167.
    Hier wird dagegen die Position vertreten, daß Äußerungen und körperliche Handlungen kei. intrinsische Bedeutung haben, sondern daß sich ihre Bedeutung jeweils lokal aus dem Kontext gibt, in dem sie verwendet werden (vgl. die Analyse von Armbewegungen und Haltungsanderu gen in 5.2.1).Google Scholar
  4. 168.
    In den Abschnitten 2.2.2 und 2.3.2 hatte ich ja darauf hingewiesen, daß die Beteiligten laufen, Aktivitäten nicht unmittelbar bei Bemühungen um einen offiziellen Beginn abbrechen, sonde auch danach noch zu einem Abschluß führen. Die gemeinsame Fokussierung auf eine einzi, Handlungssequenz stellt sich nicht unmittelbar mit einem zäsurerzeugenden “so.” ein, sonde wird meist erst im Laufe einer darauffolgenden Themeninitiierung erreicht (vgl. auch <2–3>).Google Scholar
  5. 169.
    Allerdings ist es aufgrund einer detaillierten interaktionsanalytischen Untersuchung durchaus möglich, für konkrete Fälle Handlungsalternativen aufzuzeigen. Um ein Beispiel zu geben: In Kapitel 3.6 waren die unterschiedlichen Praktiken der thematischen Refokussierung, die Thomas M und Herr B jeweils im Verlauf der Besprechungen zum Einsatz bringen, gegenübergestellt worden. Dabei habe ich darauf hingewiesen, daß die Mitarbeiterinnen des Senders das Vorgehen von Thomas M, der stereotyp ein massives “so. dann” einsetzt, als “autoritar” empfanden. Damit stellt sich die Frage, ob es nicht auch Verfahrensweisen gibt, mit denen Thomas M ebenfalls den Abschluß von Themen vorantreiben kann, ohne zugleich den Eindruck zu vermitteln, daß andere sich nicht einbringen können. Denn eine Folge seiner überaus bestimmt wirkenden Verfahrensweise besteht darin, daß andere TeilnehmerInnen gelegentlich in unterbrechend wirkender Weise zuvor erzeugte Freiräume für sich okkupieren (vgl. das Vorgehen von Dagmar H in <2–23>). Eine funktionale Alternative für das Vorgehen von Thomas M ware beispielsweise die Äußerung “gibt’s sonst noch was Wichtiges dazu?”. Eine solche Formulierung bietet durch den Verweis auf “wichtig” eine Handhabe gegen die Thematisierung von an dieser Stelle wenig relevanten Punkten und eignet sich damit ebenfalls, um für alle deutlich sichtbar auf ein nächstes Thema hinzuarbeiten.Google Scholar
  6. 170.
    Eine ganz andere Frage ist allerdings, ob diese hier entwickelte Entscheidung für die an einer Interaktion beteiligten Personen von Relevanz ist. Beide Typen von Handlungsproblemen müssen letztlich interaktiv bewältigt werden. In dem Maß, in dem es organisationsspezifische und als Bestandteil einer Organisationskultur tradierte Lösungsmuster beispielsweise für die Bewältigung von Interessenkonflikten mit Vorgesetzten gibt, wird die hier entwickelte analytische Trennung für die Beteiligten nicht von Bedeutung sein.Google Scholar
  7. 171.
    Möglicherweise gibt es hier einen Zusammenhang mit der in 5.1.2 beschriebenen Praxis. Über das Beginnen einer Äußerungen mit nach vorn verweisenden Elementen kann man sich Raum fiir die eigene Initiative sichern, obwohl zunächst noch unklar bleibt, worauf diese abzielt.Google Scholar
  8. 172.
    Diese Arbeit wird dann unter Umständen von Vertretern der einzelnen Fraktionen in informellen Gesprächen am Rande einer solchen Zusammenkunft geleistet.Google Scholar
  9. 173.
    Über die Gründe dafür kann ich nur Vermutungen anstellen. Ein möglicher Grund könnte der folgende sein: Wenn in einer Abstimmung ein Vorschlag durchfällt, so ist die “Schuld” eindeutig zurechenbar — nämlich den Personen, die dagegen gestimmt haben. Eine solche eindeutige Zurechnung von Verantwortung scheint mir bei einer wie auch immer gearteten argumentativen Einigung nicht so leicht möglich zu sein.Google Scholar
  10. 174.
    Natürlich nicht um jeden Preis. Wer dabei zu massiv vorgeht, der wird unangenehm auffallen und möglicherweise gegen sich gerichtete Allianzen provozieren.Google Scholar
  11. 175.
    Zu den Merkmalen, die diese Eigenständigkeit nahelegen, rechnet Goffman unter anderem die Beschränkung in Zeit und Raum, die Involviertheit der Beteiligten, die Möglichkeit wechselseitiger Beobachtung und Wahrnehmung, die gemeinsame Fokussierung sowie die anhaltende und enge Koordination der Beteiligten insbesondere durch sprachliche Handlungen (1983:3–4).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Christoph Meier

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