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Die Untersuchung von Arbeitsbesprechungen

  • Christoph Meier
Chapter
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Part of the Studien zur Sozialwissenschaft book series (SZS, volume 187)

Zusammenfassung

Eine ganze Reihe von Untersuchungen aus den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen stoßen in ihrem Verlauf auf Besprechungen, ohne jedoch das, was diese gegenüber anderen Formen der face-to-face Interaktion auszeichnet, explizit zum Thema zu machen.2 Auf solch indirekte Weise sind Besprechungen schon seit geraumer Zeit Gegenstand wissenschaftlicher Arbeit. Aber erst in den letzten Jahren wurden sie von den Sozialwissenschaften als eigenständiger Untersuchungsgegenstand entdeckt und genauerer Betrachtung unterzogen.

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Referenzen

  1. 2.
    Ein neueres Beispiel aus dem Bereich der Soziologie ist etwa die Arbeit von Sofsky und Paris (1991:85–96).Google Scholar
  2. 3.
    Levine/Moreland (1990:620) stellen diesbezüglich fest, daß sich die Kleingruppenforschung lediglich in andere akademische Felder (Management, Business Administration, Communication Studies etc.) verlagert hat.Google Scholar
  3. 4.
    Das gilt beispielsweise auch für Untersuchungen von (geschäftlichen) Verhandlungen (vgl. einige der Aufsätze in Firth 1995).Google Scholar
  4. 5.
    So können zwar Olson et al. in ihrer Untersuchung über die Arbeit von Software-Entwicklern auf umfangreiche Videoaufzeichnungen zurückgreifen. Aber letztlich wird doch nur ausgezählt, wieviel Prozent der gemeinsamen Arbeitszeit von bestimmten Äußerungsformen eingenommen wird (vgl. Olson et al. 1992:358ff.).Google Scholar
  5. 6.
    Kurz vor der Drucklegung dieses Buchs wurde eine weitere, umfangreiche Untersuchung zu Arbeitsbesprechungen veröffentlicht (Müller 1997). In seiner Untersuchung, die auf Tonbandaufzeichnungen von Besprechungen in verschiedenen Organisationen basiert, stellt Müller sprachliche Verfahren der Steuerung (u.a. thematische Fokussierung und Beziehungskonstitution) sowie sprachliche Verfahren der Kontrolle (etwa Diskreditieren eines Gegenüber oder Beanspruchen eines Expertenstatus) in den Mittelpunkt. Obwohl Müller zum Teil ähnliche Phänomene in den Blick nimmt wie sie auch in der hier vorliegenden Arbeit beschrieben werden (beispielsweise die Verwendung der Partikel “so” im Verlauf der Bemühungen um einen Themen- oder Fokuswechsel oder auch die Eröffnung eines neuen Themas durch eine schlagwortartige Benennung), so gibt es doch auch deutliche Unterschiede. Etwa wenn Müller zwar einerseits die Auffassung vertritt, daß soziale Wirklichkeit in der Interaktion konstituiert wird, andererseits aber dazu tendiert, eine bestimmte betriebliche Wirklichkeit (Hierarchie, Statusunterschiede, Aufgabenorientierung der Beteiligten) als gegeben vorauszusetzten. Demgegenüber stehen hier die Verfahren im Vordergrund, durch die eine soziale oder betriebliche Wirklichkeit als intersubjektiv gültig erzeugt wird — zum Beispiel wenn eine Identität wie “Besprechungsleiterin” als lokal realisiert beschrieben wird. Ein zweiter wichtiger Unterschied betrifft das analytische Vorgehen. Müller unternimmt nicht den Versuch nachzuweisen, daß die von ihm beschriebenen Phänomene fur die beteiligten Personen tatsächlich die Bedeutung und die handlungsleitende Relevanz haben, die er ihnen unterstellt. Diesem Nachweis wird in der hier vorliegenden Arbeit ein vergleichsweise großer Raum gewidmet. Die zentrale Ressource dafür besteht in der Analyse von sogenannten abweichenden Fällen (vgl. auch 1.2.1).Google Scholar
  6. 7.
    In ähnlicher Weise bestimmen Buckholdt/Gubrium die Funktion der von ihnen untersuchten Dienstbesprechungen in einer Pflegeeinrichtung. In deren Verlauf werden nicht nur Behandlung und Pflege koordiniert, sondern auch die Bedürftigkeit der Patienten und die Konsequenzen der Behandlung werden bei diesen Zusammenkünften als real bekräftigt (1979:257).Google Scholar
  7. 8.
    Bei den “Robert’s Rules of Order” (vgl. Robert 1990) handelt es sich um eine von einem ehemaligen Bürgermeister San Franziskos zusammengestellte Umarbeitung der Geschäftsordnung des Britischen Parlaments. Sie stellt die in den Vereinigten Staaten wohl am weitesten verbreitete Geschäftsordnung dar.Google Scholar
  8. 9.
    Beispielsweise Kallmeyer 1987:1096. Dieses Mißverständnis ist aber auch im englisch-sprachigen Raum verbreitet (vgl. Schegloff 1995:32).Google Scholar
  9. 10.
    Nicht ganz so drastisch urteilen Flader/Trotha (1988). Konversationsanalytische Untersuchungen könnten den spezifischen Charakter sozialer Institutionen nicht erfassen, da sie die (von Flader/Throtha unterstellte) prinzipielle Diskrepanz zwischen der Lebenswelt des Alltags und der Wirklichkeit sozialer Institutionen vernachlässigten (1988:110).Google Scholar
  10. 11.
    Vergleichsweise ausführliche Darstellungen bieten Heritage 1984a, Kapitel 8, Bergmann 1988a sowie Psathas 1995a. Stärker geraffte Darstellungen sind beispielsweise die von Kallmeyer 1987, Zimmerman 1988, Bergmann 1994, Heritage 1995. Fehr und Stetson (1990) haben eine umfangreiche Bibliographie zu ethnomethodologischen und konversationsanalytischen Arbeiten zusammengestellt.Google Scholar
  11. 12.
    Die Frage nach der Erzeugung sinnhafter Ordnung darf aber nicht auf die Frage nach der subjektiven Wahrnehmung von Sinn verkürzt werden. “Bei den Ordnungsleistungen, welche die Ethnomethodologen vor Augen haben, handelt es sich vielmehr um Sinnindikatoren und -offenbarungen, welche die Handelnden in ihren Äußerungen dem Interaktionspartner als Verstehenshilfen mit auf den Weg geben. D.h., die Ethnomethodologie läßt sich von der Vorstellung leiten, daß im Vollzug alltäglicher Handlungen Methoden zur Anwendung kommen, mittels derer die gerade ablaufenden Handlungen und Handlungssituationen als ‘Zeichen-und-Zeugnisse-einersozialen-Ordnung’ (Garfinkel) erkennbar gemacht werden.” (Bergmann 1994:6)Google Scholar
  12. 13.
    Ausführlicher bei Bergmann 1988a, KE2:30–35 und 1994: 10–12. Neuere Arbeiten zur Methodik der Konversationsanalyse sind Wootton 1989, Have 1990 und Heritage 1995.Google Scholar
  13. 14.
    Meist wird ein solches Element erst dann “entdeckt”, wenn es einem bewußt zum zweiten oder dritten Mal begegnet. Bei dieser “Entdeckung” beziehungsweise bei der ldentifikation bestimmter Phänomene greifen KonversationsanalytikerInnen natürlicherweise auf Wissensbestande und Intuitionen zurück, über die sie als kompetente Gesellschaftsmitglieder verfügen (vgl. dazu 1.2.2.2).Google Scholar
  14. 15.
    Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Analyse der “Einleitung der Gesprachsbeendigung” von Schegloff und Sacks (1973).Google Scholar
  15. 16.
    Eine ausführlichere Darstellung findet sich wiederum bei Bergmann 1988a, KE2:46–50 und Wootton 1989. Zum Problem der quantitativen Untersuchung der Verteilung solcher Verfahrensweisen siehe Pomerantz (1990:234), Schegloff (1993) und Wieder (1993). Zur Definition von “Handlungszug” siehe 2.3.2.Google Scholar
  16. 17.
    Bei dieser öffentlich gemachten Interpretation handelt es sich aber nicht um das definitive, sondern lediglich um ein mögliches Verständnis dieser vorangegangenen Äußerung (Goffman 1981:45) und damit um einen Ausgangspunkt für die weitere Analyse (Heritage 1984a:260).Google Scholar
  17. 18.
    Psathas (1995b:151) spricht diesbezüglich schon von einer eigenständigen Forschungsrichtung innerhalb der Ethnomethodologie.Google Scholar
  18. 19.
    Sacks hat betont, daß es keine theoretische Begründung dafür gab, lokal erzeugte Geordnetheit ausgerechnet in Gesprächen zu suchen. Ausschlaggebend dafür war vielmehr, daß er Aufzeichnungen von Gesprachen wieder und wieder abhören konnte und daß auch andere sie hören und dementsprechend seine Analysen nachvollziehen oder kritisieren konnten (Sacks 1984:26). Das gilt natürlich auch für komplexere Aktivitäten, solange sie in angemessener Weise, etwa durch Videoaufzeichnungen, dokumentiert werden können. Die ethnomethodologische Konversationsanalyse reprasentiert also eine generelle Herangehensweise an die Untersuchung sozialen Handelns (Heritage 1984a:291).Google Scholar
  19. 20.
    Dieses Verständnis des alltäglichen Sprechen-beim-Interagieren als grundlegender Modus der Interaktion stützt sich auf folgende Beobachtungen: 1) Es ist der Modus, in dem Kinder zuerst ihre Welt erfahren (Schieffelin 1990:18) und den sie meistern müssen, damit sie vollwertige Mitglieder ihrer Gesellschaft werden (Heritage 1984a:239). 2) Alltägliches Sprechen-beimInteragieren ist der Modus, in dem ein Großteil des Handelns in allen gesellschaftlichen Bereichen bewältigt wird (Heritage 1984a:239); das zeigt sich insbesondere daran, daß die Beteiligten in diesen Modus zurückkehren, wenn sie sich aus einem anderen Modus (z.B. einer formellen Debatte) lösen (Zimmerman/Boden 1991:14).Google Scholar
  20. 21.
    Auch Sacks und Schegloff verwendeten in ihren frühesten Arbeiten Aufzeichnungen von Gesprächen in institutionellen Kontexten. Sacks (1966) untersuchte Anrufe bei einer Kontaktstelle für Lebenskrisen. Anrufe bei einer Polizeidienststelle machten einen wesentlichen Teil von Schegloffs (1967) Datenbasis aus.Google Scholar
  21. 22.
    Die Bezeichnung “institutionell” wird hier für Interaktionen verwendet, die in einen Arbeits- oder Aufgabenvollzug eingebettet sind (vgl. Drew/Heritage 1992b:59). Diese Verwendungsweise unterscheidet sich von einem Institutionenbegriff, der starker auf strategisch bedeutsame und durch Normen eindeutig geregelte Bereiche sozialer Beziehungen wie zum Beispiel Wirtschaft, Familie, Ehe, Schule, Justiz etc. ausgerichtet ist (etwa bei Becker-Mrotzek 1992).Google Scholar
  22. 23.
    Und auch in der heimischen Wohnung können arbeitsbezogene Interaktionen stattfinden (vgl. zum Beispiel Heritage/Sefi 1992).Google Scholar
  23. 24.
    Das gilt in ähnlicher aber nicht so drastischer Weise auch für die hier untersuchten Besprechungen, wie sich insbesondere an der Verwendung von Frageformaten bei thematischen Initiativen zeigt (vgl. 4.2 und 5.1.1).Google Scholar
  24. 25.
    Bei gemeinsamen Erzählungen mehrerer Erzähler, beispielsweise, ergebe sich die Zuständigkeit für bestimmte Diskurseinheiten aus den jeweiligen Handlungsrollen, Betroffenheiten und Wahrnehmungspositionen in bezug auf das Ereignis, über das berichtet wird (Quasthoff 1990:73). Über das Prinzip der Verantwortung (das heißt, die Setzung einer Person als für die Interaktion verantwortlich und ihre Ausstattung mit Sonderrechten) werde ein bestimmter Rahmen fur die Interaktion etabliert. Dies gelte sowohl in alltäglichen Interaktionen (etwa wenn ein Freund den anderen in bezug auf einen geplanten Dachausbau berät) als auch in institutionellen Interaktionen, etwa beim Anamnesegespräch in der Klinik (1990:76–77).Google Scholar
  25. 26.
    Eine grundlegende Darstellung der Vorbehalte gegenüber der konversationsanalytischen Forschungstradition aus der Perspektive der “radical inquiry” liefert Lynch (1993).Google Scholar
  26. 27.
    Lynch spricht diesbezüglich von “shop talk” und von “talk in the work as part of the work”. Dieses Sprechen-beim-Arbeiten-als-Arbeiten ist von Gesprächen zu unterscheiden, die zwar am Arbeitsplatz geführt werden, aber nicht in die Arbeitstätigkeit eingebunden sind (1985:10).Google Scholar
  27. 28.
    Garfinkel geht sogar noch weiter. Für ihn ist das aktive Beherrschen der im untersuchten Kontext verrichteten Tätigkeiten Voraussetzung für analytische Beobachtungen und Beschreibungen (vgl. Lynch 1993:274).Google Scholar
  28. 29.
    Eine Darstellung ethnomethodologischer Positionen in bezug auf ethnographische Daten liefert Nelson 1994.Google Scholar
  29. 30.
    Dazu ausführlicher Wieder (1988). Wieder verweist auch darauf, daß die Explikation des zugrundeliegenden Alltagswissens nicht in einem einzigen Schritt erreicht werden kann, sondern daß sie das Ergebnis kumulativer konversationsanalytischer Forschungsarbeit ist (1988:453).Google Scholar
  30. 31.
    Genau das passiert bei Schwandt (1995), der zu seiner Auswahl aus den ihm verfügbaren Aufzeichnungen folgendes anmerkt: “Ausgewählt habe ich hingegen Szenen, in denen über den Organisationsprozeß, über grundlegende Regeln und Normen gesprochen wurde: (...) Ein wichtiges Kriterium war dabei, was mir besonders auffällig, spannend, irritierend, aufschlußreich erschien.” (l 995:109) Dennoch charakterisiert er an anderer Stelle eine Organisation als wesentlich durch Verfahrensweisen bestimmt, die außer Frage stehen und nicht thematisiert werden (1995:152).Google Scholar
  31. 32.
    Dieser Punkt wird im Abschnitt 1.3.1 noch einmal aufgegriffen. Eine detaillierte Explikation der Unterschiede zwischen rekonstruierender und registrierender Konservierung von flüchtigen Geschehensabläufen liefert Bergmann 1985.Google Scholar
  32. 33.
    In diesen beiden Arbeiten scheint es zuweilen so, als würde bei der Gegenüberstellung der ethnographischen und der konversationsanalytischen Forschungsmethodik mit unterschiedlichem Maß gemessen. Die Behauptung, daß Konversationsanalytikerinnen ihren Leserinnen mit den Transkriptausschnitten alle Daten. zur Verfügung stellen, die der Analyse zugrunde lagen (1979:26), ist eine Idealisierung. So ist vorderhand nicht klar, ob nicht etwa auch unterschiedliche Realisationen bestimmter Laute oder rhythmische Phänomene in die wahrnehmbare Handlungsqualität einfließen. Dies sind Phänomene, die zwar anhand der Ton- oder Videoaufzeichnung dem beziehungsweise der Analytikerin zur Verfügung stehen, aber möglicherweise nicht in angemessener Weise in die Transkriptionen aufgenommen werden (vgl. Kallmeyer 1987:1103). Deshalb wird ja auch der gemeinsame Gebrauch von Aufzeichnung und Transkription bei der Analyse empfohlen (vgl. 1.3.3). Und wenn Atkinson/Drew wiederholt darauf verweisen daß Beschreibungen potentiell unabschließbar sind und sich deshalb Probleme tür ethnographische Forschung ergeben (1979:30), dann müßten sie auch zugestehen, daß Transkriptionen und die darauf aufbauenden Analysen ebenfalls potentiell unendlich verfeinert werden können.Google Scholar
  33. 34.
    Von verschiedener Seite wird bezweifelt, ob sich alle für die Interaktion relevanten Aspekte des Kontextes in einer der Ton- oder Videoaufzeichnung zugänglichen Weise manifestieren (z.B. Drew/Heritage 1992b:60). Bei diesen Überlegungen muß man es aber meiner Meinung nach nicht bewenden lassen. Die Frage danach, wie sich die Beteiligten an dem beispielsweise in Form von Kleidung, Arbeitsmaterialien, Raum- und Arbeitsplatzgestaltung manifestierten materiellen Kontext ihrer Interaktionen orientieren, bleibt als Herausforderung für kiinftige Jntersuchungen nach wie vor bestehen.Google Scholar
  34. 35.
    Dies gilt natürlich um so mehr für Forschungsmethodiken, bei denen Daten über Befragungen oder auch teilnehmende Beobachtung “erhoben” werden. Die Bezeichnung “Datenerhebung” legt ja die Vorstellung nahe, daß Daten quasi unabhängig von einem forschenden Interesse und Handeln vorliegen. Wenn die Fixierung einer Handlung oder Lebensäußerung die Voraussetzung dafür ist, daß sie zum Datum sozialwissenschaftlicher Analyse werden kann (Soeffner 1989:58), dann darf die Frage danach, was im Prozeß dieser Fixierung passiert, nicht übersprungen werden (vgl. Luckmann/Gross 1977:198).Google Scholar
  35. 36.
    Vgl. Kallmeyer 1987:1102. Petermann warnt vor dem positivistischen Geist, aus dem die wissenschaftliche Foto- und Kinematographie hervorgegangen sind. Die Reproduktion der Welt durch automatische Mittel führe nicht notwendig zu wahrheitsgetreuen oder objektiven Reproduktionen (1991:228). Die Kamera zeichnet letztlich ja nur den Ausschnitt der Wirklichkeit auf, der mit einer bestimmten und vom Forscher gewählten Ausrichtung beziehungsweise Einstellung des Objektivs erfaßt werden kann (Koloß 1973:26).Google Scholar
  36. 37.
    Das gilt im übrigen auch für ethnographische Vorgehensweisen, und daher läßt sich dieses von Labov (1972a:209) als “Beobachter-Paradoxon” bezeichnete Problem nicht auflösen. Auch wenn FeldforscherInnen teilnehmend beobachten oder Fragen stellen, konfrontieren sie die Beteiligten mit dem, was für sie relevant und bedeutungsvoll ist, und modifizieren damit zugleich die Welt, die sie untersuchen wollen (Moerman 1988:8).Google Scholar
  37. 38.
    Ein Beispiel dafür ist im Ausschnitt <3–19> Zeilen 24 und 26 zu sehen. Gerade das völlige Ausbleiben solcher Thematisierungen von lokal wahrnehmbaren Objekten (und dazu gehören natürlich auch etwaige Aufzeichnungsgeräte) in informellen Interaktionen ist ein Hinweis darauf, daß die betreffende Interaktion nicht “natürlich” ist (Bergmann 1990:206, 219). Zu welchen systematischen Veränderungen es bei abnehmender Natürlichkeit einer Interaktion kommt, ist noch weitgehend ungeklärt (Schank 1979:89).Google Scholar
  38. 39.
    Solche Bestätigungen werden in der Literatur immer wieder angeführt. Und auch mir wurde beispielsweise auch von den Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätte bestätigt, daß die aufgezeichneten Dienstbesprechungen nicht anders waren als sonst auch. Allerdings konnte ich zu einem späteren Zeitpunkt einer eher beiläufigen Bemerkung der Leiterin der KiTa anderes entnehmen. Da klang durch, daß sie vor den Aufzeichnungen schon etwas unruhig gewesen war und jeweils die Tagesordnung so verandert habe, daß der Punkt “Organisatorisches” an den Anfang trat — in der Hoffnung, daß ihr so der Einstieg vor der laufenden Kamera leichter fallen würde. Solche Veranderungen sind aber zum Teil wieder begründungsbedürftig und können daher auch aufgespürt werden (vgl. <2–10> Zeilen 7+8).Google Scholar
  39. 40.
    Dies hat allerdings negative Auswirkungen auf die Bildschärfe, wie sich später anhand der digitalisierten Bilder zeigen wird.Google Scholar
  40. 41.
    In dieser Hinsicht halte ich auch die heute verfugbaren, sehr kleinen Camcorder für solche Aufzeichnungen sehr geeignet. Durch ihrer geringe Größe lassen sie sich mit einem Klemmstativ relativ unaufflällig an einem Regal o.ä. befestigen. Und durch die Integration der Optik in das Kameragehäuse wirken sie für mein Empfinden sehr viel weniger bedrohlich als andere Kameras.Google Scholar
  41. 42.
    Eine noch bessere Tonqualität erreichte ich spater bei der gleichzeitigen Verwendung von zwei baugleichen Mikrophonen, die über eine Mono-Stereo-Kupplung und abgeschirmte, fünf Meter lange Verlängerungskabel an den Mikrophoneingang der Kamera angeschlossen waren. Eine ausführliche Darstellung der technischen Aspekte von Videoaufzeichnungen gibt Goodwin (1993).Google Scholar
  42. 43.
    O’Connell/Kowal (1994:101) kritisieren, daß genau dies aufgrund ihres “wissenschaftlichen” Charakters zunehmend der Fall ist.Google Scholar
  43. 44.
    Transkripte erscheinen gelegentlich eindeutiger als sich die Episode bei der Betrachtung des Videofilms darstellt. Das gilt auch umgekehrt: Eine in der Verschriftung uneindeutige Episode kann sich bei der Betrachtung der Videoaufzeichnung als völlig eindeutig herausstellen.Google Scholar
  44. 45.
    Die Einbindung digitalisierter Videobilder in die Textdarstellung wirft neue Fragen hinsichtlich des Persönlichkeitsschutzes auf. Denn damit genügt es nicht mehr, lediglich Personen-, Firmenund Ortsnamen im Transkript zu verandern, um eine Identifikation der Beteiligten auszuschließen. Vielmehr wird eine Zustimmung der Beteiligten zur Verwendung solcher Bilder erforderlich. Für den Fall, daß eine solche Zustimmung nicht gegeben werden sollte, gibt es die Möglichkeit, mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms die Gesichter unkenntlich zu machen.Google Scholar
  45. 46.
    Eine Alternative zu dem hier gewahlten Vorgehen besteht darin, die jeweilige betriebliche Position zur Grundlage der Sprechersiglen zu machen (vgl. zum Beispiel Müller 1997). Damit wird aber implizit unterstellt, daß die Beteiligten in ihrer jeweiligen organisationalen Rolle vollständig aufgehen.Google Scholar
  46. 47.
    Allein die vergleichsweise grobe und primär der Übersicht dienende Transkription einer kürzeren Besprechung nimmt etwa 100 Seiten in Anspruch.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Christoph Meier

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