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Devianz: Christliche, sozialreformerische und psychiatrische Bilder

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Part of the Sozialwissenschaftliche Studien book series (SWS, volume 38)

Zusammenfassung

Wer waren die Objekte der Fürsorge? Und was erregte so viel Aufmerksamkeit, dass sich die Ausgaben für das Hamburger Waisenhaus und die Erziehungsanstalt seit dem Beginn der Hamburger Zwangserziehung 1887 bis 1914 mehr als verfünffachten?1 Christliche Anstalten, moderne Sozialreform und Medizin entwarfen unterschiedliche Bilder von ihrer weiblichen Fürsorgeerziehungs-Klientel. Drei Figuren treten dabei in den zeitgenössischen Darstellungen abweichenden Verhaltens weiblicher Jugendlicher besonders deutlich hervor: die, Gefallene’, die ‚Verwahrloste’ und die, Minderwertige’ . Sie markieren Stationen des Wandels vom moralischen zum sozialmedizinischen Verständnis und stehen für drei unterschiedliche Arten, sich dem Phänomen zu nähern:
  • Der christliche Diskurs um die, Gefallene’ erzählte die Geschichte der Devianz,

  • der sozialreformerische Diskurs um die, Verwahrloste’ erhob die sozialen Daten der Devianz

  • und der psychiatrische Diskurs um die ‚Minderwertige’ diagnostizierte das Pathologische der Devianz.

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Referenzen

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    In Bayern lag der Anteil der unehelich geborenen Mädchen an der Gruppe der in die Zwangserziehung eingewiesenen weiblichen Zöglinge 1905–1909 mit 27,4 % etwas über der Quote von 24,4 % unehelichen Zöglingen beiderlei Geschlechts. Zahlen errechnen sich aus dem Material bei Gruhie, S. 60f; vgl. auch Zaglitz, S. 667.Google Scholar
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    Zaglitz, S. 661. In der Anstalt Wilhelmstift bei Bevern wurden die Mütter der eingewiesenen Mädchen in 41,5 % der Fälle als Gefährderinnen ihrer Töchter bezeichnet, wobei die Gefährdung vor allem durch das sexuelle Verhalten der Mütter entstand, dicht darauf folgte die Gefährdung der Töchter durch Eigentumsdelikte oder Billigung derselben, (Tab. 13; vgl. auch Cale, S. 204f u. Mahood 1995, S. 109).Google Scholar
  75. 75.
    Mönkemöller 1899, S. 14–71, hier S. 22. Mönkemöller wollte den Milieu-Aspekt jedoch auf die Erwerbstätigkeit der Mütter beschränkt sehen. Anders Gruhle, er vertrat vehement die These, dass Kinder unverheirateter Mütter vor allem durch die schlechten Bedingungen ihres Aufwachsens gefährdet seien (Gruhle, S. 238; vgl. Többen 1922, S. 133). Immerhin zwei Drittel der unverheirateten Mütter mussten ohne Unterhaltszahlungen des Vaters auskommen (Sabine Hering: Makel, Mühsal, Privileg? Eine hundertjährige Geschichte des Alleinerziehens. Frankfurt/M. 1998, S. 28).Google Scholar
  76. 76.
    August Cramer: Bericht an das Landesdirektorium über die psychiatrisch-neurologische Untersuchung der schulentlassenen Fürsorgezöglinge im Frauenheim bei Himmelsthür vor Hildesheim, Magdalenium bei Hannover, Moorburg bei Freistadt, Stephansstift bei Hannover, Käsdorf bei Gifhorn und Kalandershof bei Rotenburg. In: Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medizin, 67. Jg (1911) S. 493–521, hier S. 496; Eduard von Grabe: ber Fürsorgeerziehungszöglinge und Erfolge der Fürsorgeerziehung. In: Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalstatistik, 60. Bd. (1914) S. 225–277, hier S. 229f, 235; Johannes Trüper: Zur Frage des jugendlichen Verbrechertums. In: ZfK, 8. Jg. (1903) S. 28–36, hier S. 29f; vgl. Gruhle, S. 63f.Google Scholar
  77. 77.
    Blum-Geenen 1997, S. 150f. Gruhle beklagte, dass es keine soliden Untersuchungen über Waisen in der Fürsorgeerziehung gab. (Gruhle, S. 85).Google Scholar
  78. 78.
    Többen 1922, S. 134.Google Scholar
  79. 79.
    Tätigkeitsbericht der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge, 1908/1909, S. 13f.Google Scholar
  80. 80.
    Clara Thorbecke: Die Verwahrlosung der weiblichen Jugend. In: Anna Pappritz (Hg.): Einführung in die Prostitutionsfrage. Leipzig 1919, S. 173–186, hier S. 174f. Von den Hamburger Mädchen in der Zwangserziehung hatten 31 % Stiefeltern (Grabe 1914, S. 233).Google Scholar
  81. 81.
    Preußische Fürsorgeerziehungsstatistik für 1907, S. LXXV; Schmedding: Die bisherigen Ergebnisse der Fürsorgeerziehung in Preußen. In: Charitas, 7. Jg. (1902) S. 53–58, hier S. 57 u. Barth, S. 12. Ähnlich charakterisierte auch das viktorianische England die Schlüsselfiguren in den Diskursen um die Unterschichtsfamilien (Mahood 1995, S. 19).Google Scholar
  82. 82.
    Mönkemöller 1899, S. 21; Grabe 1914, S. 241f u. Heimann 1922, Anhang, Tab. A II, B II, C II.Google Scholar
  83. 83.
    Liszt 1900, S. 340f; Kuhn-Kelly: Die Jugendfürsorge mit Rücksicht auf das Gesetz der Vererbung. St. Gallen 1903, S. 280f; Vererbung und erbliche Belastung in ihrer Bedeutung für die Jugend- und Volkserziehung. In: ZfK, 9. Jg. (1904) S. 241–252, hier S. 249251; Schwabe: Die psychopathische Minderwertigkeit und die Fürsorgeerziehung. Vortrag auf der 9. Konferenz der deutschen Rettungshausverbände und Erziehungsvereine Hannover 1905. In: Rb, 25. Jg. (1905) S. 161–178, hier S. 164; Moses 1910, S. 17; Grabe 1914, S. 241f; Mönkemöller: Der Alkoholismus in der Fürsorgeerziehung. In: ZfVJ, 7. Jg. (1915) S. 25–30 u. Weber 1920, S. 25f. Vgl. auch Paul Weindling: Health, Race and German Politics between National Unification an Nazism, 1870–1945. Cambridge 1989, S. 185f.Google Scholar
  84. 84.
    Tätigkeitsbericht der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge 1908/09, S. 14–17.Google Scholar
  85. 85.
    Mönkemöller, in: ZfVJ, 7. Jg. (1915) S. 25–30, hier S. 25.Google Scholar
  86. 86.
    Cramer 1911, S. 496. Vgl. auch Peter Weingart, Jürgen Kroll, Kurt Bayertz: Rasse, Blut und Gene. Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland. Frankfurt/M. 1988, S. 125.Google Scholar
  87. 87.
    Gruhle, S. 30.Google Scholar
  88. 88.
    Ebd., S. 34.Google Scholar
  89. 89.
    Magdalenenstifte und Asyle. In: AK, 46. Jg. (1894) S. 212–218, hier S. 212.Google Scholar
  90. 90.
    Max Tippel: Fürsorgeerziehung und Psychiatrie. In: Zeitschrift für allgemeine Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medizin, 62. Jg. (1905) S. 583–599, hier S. 587.Google Scholar
  91. 91.
    Grabe 1914, S. 242f.Google Scholar
  92. 92.
    Von den 38 Fällen sexuellen Missbrauchs, die der Zentrale für Jugendfürsorge 1908/09 bekannt wurden, waren vier der Opfer Jungen. (Tätigkeitsbericht der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge 1908/09, S. 19).Google Scholar
  93. 93.
    § 173,4 RStGB. Zwischen Geschwistern galt diese Altersbegrenzung nicht. In der Rechtsprechung war umstritten, ob sich auch unter 18-jährige Kinder und Jugendliche bei der ‚Blutschande in aufsteigender Linie’ (also mit Eltern, Stiefeltern und Großeltern) der Anstiftung und Beihilfe nach § 49 RStGB schuldig machen konnten (Ebermayer 1920, S. 448–450).Google Scholar
  94. 94.
    Eine der wenigen Einzelfallakten zur Fürsorgeerziehung, die im Hamburger Staatsarchiv überliefert sind, schildert den Fall der Mathilde Laackmann, der 1895 vor dem Vormundschaftsgericht verhandelt wurde. Es ging um die Überweisung in die Fürsorgeerziehung, gegen welche die Mutter Einspruch erhoben hatte. Das 14-jährige Mädchen stand wegen sexueller Kontakte zum Vater und zum älteren Bruder vor Gericht. Während des noch anhängigen Blutschande-Verfahrens saß Mathilde im Kurhaus, der Krankenstation des Gefängnisses, ein. Der Vater hatte während des Verfahrens Selbstmord begangen, ihr Bruder die Stadt verlassen. Eine weitere Gefährdung Mathildes war zu Hause also nicht mehr zu erwarten. Gleichwohl wurde sie in die Zwangserziehung überwiesen und erst nach zweieinhalb Jahren wieder entlassen. In der Vernehmung Mathildes über die 1894 vorgefallene ‚Blutschande’ war es allein die Mutter, die sich hier um eine klare Trennung zwischen Opfer und Tätern bemühte. (StAHH, Vb Abt. II, 7477. Vgl. Protokoll der BfZE, August 1895 u. StAHH, EaO, Al, 4. Bd. Zum Fall Laackmann siehe auch Kap. 5. 1. Zum Umgang mit den Opfern sexueller Gewalt in der Jugendfürsorge und ihren Vorläufern vgl. auch Döbler, S. 226 u. Mahood 1995, S. 108f). Grabe wies bei den sieben Mädchen aus der Hamburger Fürsorgeerziehung, die von männlichen erwachsenen Verwandten zum Teil über Jahre sexuell missbraucht worden waren, nach, dass vier der Täter mit Zuchthausbestraft worden waren. Die Strafen betrugen 21 Monate, zwei, drei und sechs Jahre Zuchthaus (Grabe 1914, S. 242f).Google Scholar
  95. 95.
    Brigitte Kerchner: ‚Unbescholtene Bürger’ und gefährliche Mädchen um die Jahrhundertwende. Was der Fall Sternberger für die aktuelle Debatte zum sexuellen Missbrauch von Kindern bedeutet. In: Historische Anthropologie, 6. Jg. (1998) S. 1–32. Vgl. auch Kap. 4.3.3.Google Scholar
  96. 96.
    Helenfriderike Stelzner: Prostitution und Kriminalität der Minderjährigen. In: ZfVJ, 2. Jg. (1910) S. 136–139, hier S. 138.Google Scholar
  97. 97.
    Többen 1922, S. 30. Auch Max Marcuse mahnt zur großen Vorsicht mit den Aussagen der Belastungszeuginnen. Dabei bezieht er sich nicht nur auf die Töchter, sondern auch auf die Mütter, denen er unterstellte, sie suchten mit den falschen Anschuldigungen nur einen Scheidungsgrund. (Max Marcuse: Handwörterbuch der Sexualwissenschaft. 2. verm. Aufl. Bonn 1926, S. 308, 310).Google Scholar
  98. 98.
    Grabe 1914, S. 242f.Google Scholar
  99. 99.
    Thorbecke, S. 175; vgl. auch Schreiber, S. 8f. Ährilich auch der Magdalenenstift-Leiter Disselhoff in den Verhandlungen des DEAK, 3./4. Oktober 1904 in Kaiserswerth. In: AK, 57. Jg. (1905) S. 44.Google Scholar
  100. 100.
    Landrat Schmedding, Münster: Die bisherigen Ergebnisse der Fürsorgeerziehung in Preußen. In: Charitas, 7. Jg. (1902) S. 53–58, hier S. 57.Google Scholar
  101. 101.
    Herrmann Rohleder: Vorlesungen über das gesamte Geschlechtsleben des Menschen. 3. Bd. Das perverse heterosexuelle und automonosexuelle Geschlechtsleben. 4. Aufl. Berlin 1920, S. 146. Nur Max Marcuse wies darauf hin, dass die größere Häufung von Blutschandeverfahren im Proletariat vielleicht auch auf eine schnellere Entdeckung der Tat zurückgeführt werden könnte. Enge Wohnung, Alkoholkonsum und ‚Psychopathie’ der proletarischen Täter erschwerten es, die Tat dauerhaft zu verbergen (Marcuse, S. 308).Google Scholar
  102. 102.
    Tab. 11 u. 12.Google Scholar
  103. 103.
    Gregor/Voigtländer 1922, S. 5. Ahnlich auch das Encyklopädische Handbuch der Pädagogik, 9. Bd. Langensalza 1909, S. 628–630. Speziell zu Mädchenverwahrlosung siehe Ernst Siefert: Psychiatrische Untersuchungen über Fürsorgezöglinge. Halle 1912, S. 87 u. Barth. S. 36.Google Scholar
  104. 104.
    Vgl. Kohtz 1999, S. 169–192; Linda Mahood: The ‚vicious’ Girl and the ‚Street-cornerboy’ . Sexuality and the gendered Delinquent in the Scottish Child-saving-movement, 1850–1940. In: Journal of the History of Sexuality, Vol. 4 (1994) S. 549–578; Mahood: 1995, S. 61f u. Cale, S. 202.Google Scholar
  105. 105.
    Bericht des Landesrats Schmidt aus Düsseldorf. In: Zwangs- (Fürsorge-)Erziehung und Armenpflege. Leipzig 1903, S. 93; Cramer 1911, S. 597f; Siefert, S. 87; Grabe 1914, S. 261; Gregor/Voigtländer 1922, S. 3 u. Heimann 1922, Tab. A I, B I, C I. Wenn es in Preußen allerdings um die Zwangserziehung ging, also um die strafrechtlich motivierte Einweisung, dann änderte sich das Bild etwas: Ca. 20 % der männlichen Zöglinge, die über das Strafrecht eingeliefert wurden, hatten sich Unzuchtsdelikte zu Schulden kommen lassen. In absoluten Zahlen waren es gerade einmal 73 Jungen, siehe Tab. 14. Zum Zusammenhang von Sexualität und Kriminalität bei männlichen Jugendlichen siehe Kruppka: Flegeljahre und Pubertätszeit als Ursache der Kriminalität Jugendlicher. In: ZfK, 14. Jg (1909) S. 197–207, 225–235.Google Scholar
  106. 106.
    Rosenbaum 1992, S. 195–200 u. dies.: 1982, S. 426f.Google Scholar
  107. 107.
    Peukert 1986, S. 146.Google Scholar
  108. 108.
    Promille der 15- bis 18-jährigen männlichen Jugendlichen in Hamburg litten 1913 nach Angaben Blaschkos an Geschlechtskrankheiten — der Anteil der Altersgenossinnen lag mit 9,7 Promille etwas höher (Zahlen bei Andreas Knack: Groß-Hamburg im Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten und Bordelle. Hamburg 1921, S. 5.). Nach einer Umfrage der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in preußischen Gymnasien waren im Schnitt an jeder der auskunftsbereiten Schulen drei Schüler bekanntermaßen mit Geschlechtskrankheiten infiziert. (Carl Stern: Der gegenwärtige Stand des Fürsorgewesens in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Verhütung und Bekämpfumg der Geschlechtskrankheiten. Leipzig 1911, S. 26).Google Scholar
  109. 109.
    Z.B.: Preußischer Personalbogen für Mädchen in der Fürsorgeerziehung (abgedruckt in: Preußische Fürsorgeerziehungsstatistik für 1912, S. 36). Die Hamburger Praxis, Mädchen, die in das Durchgangsheim Alstertwiete kamen, auf Geschlechtskrankheiten zu untersuchen, geht in dieselbe Richtung. Es ist anzunehmen, dass es den Neuzugängen der Mädchenerziehungsanstalt in der Feuerbergstraße (EaM) nicht anders erging. Zumindest wurden bei der Wiedereinlieferung entlaufener Mädchen solche Untersuchungen gemacht. StAHH, Jb I, 465, 1. Bd., Bl. 74; vgl. auch Harvey 1987, S. 219 u. Harald Jenner: Hundert Jahre Anscharhöhe. 1886–1986. Neumünster 1986, S. 75.Google Scholar
  110. 110.
    StAHH, Ea0 C18, Aufnahmeprotokoll der Ea0 1885–1910.Google Scholar
  111. 111.
  112. 112.
    Hinze o.J., S. 15f; Barth, S. 4f; Ohrloff, in: ZfK, 27. Jg. (1922) S. 255–262, hier S. 246f u. Gregor/Voigtländer 1922, S. 6.Google Scholar
  113. 113.
    Stelzner 1911, S. 101.Google Scholar
  114. 114.
  115. 115.
    Blätter für die hamburgische Jugendfürsorge, 11. Jg. (1912) S. 3f.Google Scholar
  116. 116.
    Ebd., S. 4, u. Ohrloff, in: ZfK, 27. Jg. (1922) S. 241. Vgl. auch Kruppka: Flegeljahre und Pubertätszeit als Ursache der Kriminalität Jugendlicher. In: ZfK, 14. Jg. (1909) S. 197–207, 225–235, hier S. 198, 206f.Google Scholar
  117. 117.
    Ähnlich auch Ohrloff, in: ZfK, 27. Jg. (1922) S. 241f.Google Scholar
  118. 118.
    Tätigkeitsbericht der Berliner Zentrale für Jugendfürsorge 1908/09, S. 22f.Google Scholar
  119. 119.
    Barth, S. 27f u. Stelzner 1911, S. 111, 113. Zum Stellenwechsel junger Arbeiterinnen siehe auch Rosa Kempf: Das Leben der jungen Fabrikarbeiterinnen in München. Leipzig 1911, S. 91 f; Gertrud Staewen-Ordermann: Menschen der Unordnung. Die proletarische Wirklichkeit im Arbeiterschicksal der ungelernten Großstadtjugend. Berlin 1933, S. 4954 u. Perrot, S. 125f.Google Scholar
  120. 120.
    Kap. 5.3.1.Google Scholar
  121. 121.
    Saul, Flemming, Stegmann, Witt, S. 206–212; Dorothee Wierling: Mädchen für alles. Arbeitsalltag und Lebensgeschichte städtischer Dienstmädchen um die Jahrhundertwende. Berlin, Bonn 1987; Anneliese Neef: Mühsal ein Leben lang. Zur Situation von Arbeiterfrauen um 1900. Köln 1988, S. 30f, 70–72; Rosenbaum 1982, S. 410–412 u. Kempf, S. 65, 73.Google Scholar
  122. 122.
    Johannes Petersen: Die öffentliche Fürsorge für die sittlich gefährdete und gewerblich tätige Jugend. Leipzig 1907, S. 8 u. Ernst Ohrloff: Weibliche Fürsorgezöglinge. Die Ursachen ihrer Verwahrlosung und Vorschläge, ihr vorzubeugen. Langensalza 1923, S. 27.Google Scholar
  123. 123.
    Gregor/Voigtländer 1922, S. 6. Adalbert Gregor war Professor der Psychiatrie und leitete erst das Heilerziehungsheim Kleinmeusdorf bei Leipzig und später die badische Fürsorgeerziehungs-Anstalt Flehingen. Gregor profilierte sich als einer der ersten Jugendfürsorger mit rassenhygienischen Thesen. 1930 wurde er in den Vorstand des AFET gewählt, 1932 als Medizinalreferent für Jugendwohlfahrt ins badische Justizministerium berufen. (Siehe auch Blum-Geenen 1997, S. 112f). Die Psychiaterin Else Voigtländer hatte in den zwanziger Jahren mehrere Aufsätze in Fachzeitschriften zum Thema Geschlecht und Verwahrlosung veröffentlicht.Google Scholar
  124. 124.
    Seitz: Über die Entwicklungsjahre. In: Erster bayerischer Jugendfürsorge- und Zwangserziehungstag am 20., 21. und 22. Juni 1911 in München. Veranstaltet vom bayerischen Landesausschuß für Jugendfürsorge. Bericht über die Verhandlungen. München 1911, S. 9–16, hier S. 11.Google Scholar
  125. 125.
    Bernhard Adam Bauer: Wie bist Du Weib? 33. Aufl. 1925, Wien, Leipzig, München, S. 160f.Google Scholar
  126. 126.
    Vgl. Julius Moses: Die Ausprägung der weiblichen Sonderart und Sexualität in der Psychologie verwahrloster und krimineller Mädchen. In: Archiv für Sexualforschung, 1. Bd. (1915) Nr. 1, S. 244–270, hier S. 251 u. ders.: Über die Störungen im Seelenleben der Mädchen während der Zeit der Entwicklungsjahre. In: ZfK, 27. Jg. (1922) S. 79–87, hier S. 81.Google Scholar
  127. 127.
    Anna Bergmann: Von der ‚unbefleckten Empfängnis’ zur ‚Rationalisierung des Geschlechtslebens’. Gedanken zur Debatte um den Geburtenrückgang vor dem I. Weltkrieg. In: Geyer-Kordesch/Kuhn 1986, S. 127–158, hier S. 144.Google Scholar
  128. 128.
    Gillis, S. 163 u. Peter Dudek: Jugend als Objekt der Wissenschaft. Geschichte der Jugendforschung in Deutschland und Österreich 1890–1933. Opladen 1990, S. 49f.Google Scholar
  129. 129.
    Többen 1922, S. 75 u. Kruppka, in: ZfK, 14. Jg. (1909) S. 198.Google Scholar
  130. 130.
    Moses 1915, S. 48; vgl. auch Mönkemöller: Psychopathologie der Pubertätszeit, 1912, S. 8 u. Ohrloff, in: ZfK, 27. Jg. (1922) S. 228. Julius Moses war Kassenarzt in einem Berliner Arbeiterviertel und engagierte sich seit 1910 auch sozialpolitisch. 1912/13 vertrat er in der Gebärstreikdebatte Forderungen nach Geburtenbeschränkungen, 1919 war er Vorstandsmitglied der USPD, dann der SPD, 1920–32 war er Mitglied des Reichstags für die SPD und übernahm dort u.a. die Funktion des gesundheitspolitischen Sprechers seiner Fraktion. In der Weimarer Republik galt er als bedeutender Verfechter einer sozialistischen Eugenik. In der NS-Zeit wurde Moses als Jude aus dem öffentlichen und beruflichen Leben ausgegrenzt, er starb 1942 im KZ Theresienstadt.Google Scholar
  131. 131.
    Siefert, S. 122f; vgl. ZfK, 27. Jg. (1922) S. 81.Google Scholar
  132. 132.
    Barth, S. 25f.Google Scholar
  133. 133.
    Stelzner, in: ZbfV, 2. Jg. (1910) S. 137f; dies. 1911, S. 117; Siefert, S. 123; Moses 1915, S. 246, 251 u. Buschmann: Grundtatsachen des Seelenlebens der weiblichen Jugend. In: ZbfV, 7. Jg. (1916) S. 268.Google Scholar
  134. 134.
    Moses 1915, S. 246, 251; Siefert, S. 124; Stelzner, in: ZbfV, 2. Jg. (1910) S. 138; Buschmann, in: ZbfV, 7. Jg. (1916) S. 268 u. Thorbecke, S. 177.Google Scholar
  135. 135.
    Zaglitz, S. 621.Google Scholar
  136. 136.
    Vgl. Seitz, in: Erster bayerischer Jugendfürsorge- und Zwangserziehungstag, 1911, S. 14f. In seinem Beitrag über die Pubertät sprach er im Zusammenhang mit Masturbation nur von männlichen Kindern und Jugendlichen. (Ebenso Iserlein: Über die Beziehungen der sexuellen Entwicklung zu den psychopathischen Erscheinungen im Kinder- und Jugendalter. Ebd., S. 17–20). Anders O. Preis, er bezog die Mädchen in seine Überlegungen ein und befürchtete für sie vor allem ein schweres Wochenbett im Erwachsenenalter oder sogar Unfruchtbarkeit. (Preis: Die heimlichen Jugendsünden als Ursache der Schwächlichkeit unseres Geschlechts. In: ZfK, 5. Jg. (1900) S. 102–109, hier S. 104).Google Scholar
  137. 137.
    Stelzner 1911, S. 128.Google Scholar
  138. 138.
    Siefert, S. 123f; Grabe 1914, S. 267f u. Buschmann, in ZbfV, 7. Jg. (1916) S. 268.Google Scholar
  139. 139.
    Paul Göhre: Drei Monate Fabrikarbeiter und Handwerksbursche. Eine praktische Studie. Leipzig 1891, S. 205f. Das Buch erregte großes Aufsehen und wurde 1891 ins Englische, Norwegische und Dänische übersetzt.Google Scholar
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    StAHH, AA, 28, Bl. 42–47, Dr. Zippel: Bericht über die Besserungsanstalt für Mädchen im Werk- und Armenhaus. 1904, hier Bl. 42f.Google Scholar
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    Grabe 1914, S. 262f.Google Scholar
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    Kohtz 1999, S. 174–177.Google Scholar
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    Zum Freizeitverhalten von Mädchen siehe auch Brigitte Søland: „Gehört sich das füür ein anständiges Mädchen?“ Öffentliches Auftreten junger Frauen und das Problem weiblicher Respektabilität in Dänemark nach dem Ersten Weltkrieg. In: Benninghaus/Kohtz 1999, S. 35–52; Christina Benninghaus: „Von 14–18 sind die besten Jahre“ . Selbstwahrnehmung und Zukunftserwartungen weiblicher Jugendlicher aus Unterschichten zur Zeit der Weimarer Republik. In: Jahrbuch für historische Bildungsforschung, Bd. 2, Weinheim, München 1995, S. 257–280, hier S. 273f; Maase, S. 64f u. Rosenbaum 1992, S. 195–200. Zu Wissen und Einstellung von Arbeiterfrauen und mädchen zur Sexualität vgl. auch Kristine von Soden: Auf dem Weg zur ‚neuen Sexualmoral’ — die Sexualberatungsstellen der Weimarer Republik. In: Geyer-Kordesch/Kuhn 1986, S. 237–262, hier S. 242–249; Neef, S. 72f u. Hagemann, S. 225–227.Google Scholar
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    C. Stern, S. 2–4; Zaglitz, S. 654–656 u. J.F. Landsberg: Sexuelle Verwahrlosung der Jugend und ihre Behandlung. In: Archiv für Sexualforschung, 1. Bd. (1915) Nr.1, S. 270–283.Google Scholar
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    Hannelore Bublitz: Die proletarische Frau als monströses sexuelles Ungeheuer. Zu Theweleits ‚Männerphantasien’. In: metis, 3. Jg. (1994) S. 86–90, hier S. 89f.Google Scholar
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    Siehe Tab. 16.Google Scholar
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    Siehe Tab. 18.Google Scholar
  148. 148.
    Siehe Tab. 17.Google Scholar
  149. 149.
    Anhand des Falles Sternberg, in dem der sexuelle Missbrauch mehrerer unter 14-jähriger Mädchen durch den Angeklagten Bankier Sternberg verhandelt wurde, zeigt Kerchner auf, wie sich in der öffentlichen Debatte der Diskurs um den sexuellen Kontakt zwischen den Minderjährigen und dem Erwachsenen verschiebt und sich zusehends in ‚plauderndes Schweigen’ auflöst. Stereotype Darstellung der Täter als minderbemittelte Proleten, reiche Wüstlinge oder antisemitische Konstruktionen vom sinnlichen Orientalen positionierten den erwachsenen Mann als Sexualtäter außerhalb der bürgerlichen Welt. Diskus- sionen über die generelle Zweifelhaftigkeit kindlicher Aussagen vor Gericht hebelten die drohende Umkehrung der Machtverhältnisse von Geschlecht und Alter im Gerichtssaal aus. Und schließlich nutzten konservative Kreise das vorgeblich neue Phänomen des sexuellen Missbrauchs als Aufhänger für Debatten über den moralischen Verfall der Gesellschaft. (Kerchner, S. 1–32).Google Scholar
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    StAW, 141 N, 3415, 1896, Vermerk bei Einlieferung der 14-jährigen Lina.Google Scholar
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    StAW, 141 N, 4500, 1896, Vermerk bei Einlieferung der 14-jährigen Marie.Google Scholar
  152. 152.
    StAW, 141 N, 4849, 1904, Vermerk bei Einlieferung der 14-jährigen Betty.Google Scholar
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    Vgl. Tanja Hommen: Körperdefinition und Körpererfahrung. ‚Notzucht’ und ‚unzüchtige Handlungen an Kindern’ im Kaiserreich. In: GG, 26. Jg. (2000) S. 577–601, hier S. 588590, 595f.Google Scholar
  154. 154.
    Auch in den Anstalten waren Mädchen vor sexuellen Übergriffen nicht sicher. Ein Beispiel aus dem Rettungshausboten zeigt, dass den Mädchen auch hier kaum Glaubwürdigkeit zukam und der Ehrgeiz, erhobenen Vorwürfen sorgfältig nachzugehen, sehr gering war. Der Vorwurf von drei weiblichen Zöglingen gegen ihren Rettungshausvater, er habe sich ihnen unzüchtig genähert, erschien dem Rettungshausboten schon deshalb widerlegt, da eine der Zeuginnen mittlerweile gestorben war, eine zweite ihre Aussage unter dem Eindruck einer schweren Krankheit zurückgenommen hatte und die dritte schließlich an Schwindsucht leide. Kinder könnten nicht zwischen Phantasie und Realität unterscheiden und zum Schutz der Erzieher sollte durch kalte Bäder und sehr viel körperliche Arbeit „trotz Kinderschutzgesetzgebung“ solchen Verdächtigungen vorgebeugt werden. (Kindliche Phantasien und Geschlechtsleben. In: Rb, 26. Jg. [1906] S. 71–74).Google Scholar
  155. 155.
    Dirk Blasius hat den Begriff der ‚verspäteten Wissenschaft’ für die Psychiatrie geprägt, die ähnlich wie die ‚verspätete Nation’ mit großen Schritten versuchte, Versäumtes nachzuholen. Die Psychiatrie entwickelte den Ehrgeiz, mit der erfolgreichen Epidemiologie des späten 19. Jahrhunderts gleichzuziehen und sich zur positivistischen Naturwissenschaft zu entwickeln. (Dirk Blasius: ‚Einfache Seelenstörung’ . Geschichte der deutschen Psychiatrie 1800–1945. Frankfurt/M. 1994, S. 117f).Google Scholar
  156. 156.
    Der Psychiater Otto Mönkemöller hatte 1893–1906 erst als Assistenz- später als Oberarzt in der Irrenanstalt Herzberge gearbeitet. 1911 wurde er Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Langenhagen und 1915 Direktor der Irrenanstalt Hildesheim. Er legte 1899 eine der ersten psychiatrischen Untersuchungen über Zwangserziehungszöglinge vor und veröffentlichte auch später regelmäßig zu diesem Thema. August Cramer war seit 1900 Professor für Psychiatrie in Göttingen und Anstaltsdirektor. Er errichtete das Provinzial-Verwahrungshaus für ‚Unsoziale’ und eine Heilerziehungsanstalt für ‚psychopathische’ Fürsorgezöglinge in Göttingen. 1912 wurde Cramer hannoverscher Landesmedizinalreferent. Cramer war auch verantwortlich für die Beobachtungsstation für Fürsorgezöglinge in Göttingen und hatte im Auftrag des hannoverschen Landesdirektoriums zwei große Untersuchungen über die hannoverschen Fürsorgeerziehungsanstalten vorgenommen.Google Scholar
  157. 157.
    Zur Geschichte des Begriffs der Degeneration in der Psychiatrie vgl. auch Weindling 1989, S. 80–84.Google Scholar
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    Ludwig Strümpell: Die pädagogische Pathologie oder die Lehre von den Fehlern der Kinder. 2. bedeutend vermehrte Aufl. Leipzig 1892 [1. Aufl. Leipzig 1889], S. 226–352; Zweiter Bericht über die Versammlung des Vereins für Kinderforschung am 2. /3 . August 1901 in Jena. In: ZfK, 6. Jg. (1901) S. 224–229 u. Fünfte Versammlung des Vereins für Kinderforschung in Halle am 12. Oktober 1903, Trüper: Psychopathische Minderwertigkeit als Ursache von Gesetzesverletzungen Jugendlicher. In: ZfK, 9. Jg. (1904) S. 93111, 146–156, 193–202.Google Scholar
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    Julius Ludwig August Koch: Die psychopathische Minderwertigkeit. Ravensburg 3. Bd. 1893, S. 1–11. Koch war Leiter der Pflegeanstalt Zweifalten. (Zu Koch siehe auch Hans-Walter Schmuhl: Rassenhygiene, Nationalsozialismus, Euthanasie. Von der Verhütung zur Vernichtung ‚lebensunwerten Lebens’ 1890–1945. Göttingen 1992, S. 84). Zur weiteren Entwicklung des Begriffs vgl. auch Moses 1910, S. 24f; Ernst Rüdin: Zur ärztlichen Charakterisierung und Behandlung psychopathischer Jugendlicher. Mit Demonstration. In: Erster bayerischer Jugendfürsorge- und Zwangserziehungstag 1911, S. 24–32, hier S. 28 u. Theodor Ziehen: Ärztliche Wünsche zur Fürsorgeerziehung bezüglich der sogenannten Psychopathischen Konstitutionen. Langensalza 1913, S. 6–9.Google Scholar
  160. 160.
    Koch, S. IV–VI.Google Scholar
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    Otto Kluge: Über die Behandlung der geistig abnormen Fürsorgezöglinge. Berlin 1905, S. 9–12; Ziehen 1913, S. 12 u. Többen 1922, S. 57. Kluge war Direktor der Provinzialanstalt für Epileptische in Potsdam. Ziehen war seit 1900 Professor für Psychiatrie in Utrecht, Halle und Berlin, 1904–12 war er Direktor der Psychiatrischen Klinik der Charité.Google Scholar
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    Rizor: Jugendirresein. In: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten, 1907, S. 760817, hier S. 765–780; Isford: Psychisch abnorme Zöglinge und ihre Behandlung. In: Caritas, 15. Jg. (1910) S. 285–292, 330–334, hier S. 330f; Redepenning: Die psychiatrische Beobachtungsstation für Fürsorgezöglinge in Göttingen. In: Allgemeine Zeitschrift für Psychiatrie und psychisch-gerichtliche Medizin, 67. Jg. (1911) S. 521–539, hier S. 526 u. Többen 1922, S. 75–77.Google Scholar
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    Weber 1920, S. 40. Zur Hysterie siehe auch Isfort, in: Caritas, 15. Jg. (1910) S. 291 u. Moses 1910, S. 250.Google Scholar
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    Mönkemöller 1899, S. 35f.Google Scholar
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    Gruhle war einer der wenigen, die den ungenauen Umgang seiner Kollegen mit der psychiatrischen Begrifflichkeit kritisierten (Gruhle, S. 184).Google Scholar
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    Joachim Radkau: Das Zeitalter der Nervosität. Deutschland zwischen Bismarck und Hitler. 2. Aufl. München 2000, S. 72.Google Scholar
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    Ebd., S. 73–78, 203–231.Google Scholar
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    Ebd., S. 88, 103–113.Google Scholar
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    Ebd., S. 70f, 234, 249.Google Scholar
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    Mönkemöller 1899, S. 27; Isford, in: Caritas, 15. Jg. (1910) S. 288; Moses 1910, S. 24 u. Cramer 1911, S. 515.Google Scholar
  171. 171.
    Zu den Befürwortern des Begriffs gehörte der Rassenhygieniker Ernst Rüdin, in: Erster bayerischer Jugendfürsorge- und Zwangserziehungstag, 1911, S. 28–30 u. Binswanger: Über den Begriff des moralischen Schwachsinns. In: ZfK, 10. Jg. (1905) S. 114–117. Kritisch dagegen: Mönkemöller 1899, S. 40–42; Moses 1910, S. 7f, 22f; Theodor Ziehen: Über das Bild der sogenannten Moral Insanity nach Hirnerschütterung bei Kindern. In: Jf, 11. Jg. (1910) S. 513–521, hier S. 513; Gruhle, S. 207f u. Baßmer: Die Willensschwäche der Fürsorgezöglinge. In: ZkcE, 3. Jg. (1914) S. 17–21, hier S. 19f.Google Scholar
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    Anteil der ‚pathologischen’, ‚minderwertigen’ oder ‚geisteskranken’ Zöglinge an den Fürsorgezöglingen: 40–45 % aller Zöglinge, nach Kluge 1905 b, S. 161–163. 70 % aller weiblichen Zöglinge, nach Tippel, S. 586f. Die Mehrheit der weiblichen Zöglinge, die Hälfte der männlichen Zöglinge, nach Moses 1910, S. 9. 70 % aller Zöglinge, nach Seiffert: Wie weit ist die Mithilfe des Psychiaters in der Fürsorgeerziehung notwendig? Vortrag auf dem Kongreß zur Fürsorge für Geisteskranke. In: Rb, 31. Jg. (1911) S. 75–85, hier S. 78f. 51 % aller Zöglinge, nach Cramer 1911, S. 499. 20,1 % aller männlichen Zöglinge, nach Gruhle 1912, S. 207. 60–70 % aller Zöglinge, nach Ziehen 1913, S. 11. 27,5 % der weiblichen Zöglinge, nach Barth 1915, S. 46. 60 % aller Zöglinge nach Jacobi: Bericht über die im Jahr 1921 vorgenommene psychiatrisch-neurologische Untersuchung der in der Anstalt befindlichen von den Anstaltsleitern zur Untersuchung vorgeschlagenen Fürsorgezöglinge in der Provinz Westfalen, S. 2–4. ADCV, 319.4, E05/01 Fa. 1. 77 % der weiblichen Zöglinge, nach Ohrloff, in: ZfK, 27. Jg. (1922) S. 228f. 75 % aller Zöglinge, nach dem Jugendbericht des Landesjugendamtes [Hamburg] 1926, S. 422. Nur Voigtländer geht von einem kleineren Anteil psychopathischer oder minderwertiger Mädchen aus und sieht schulentlassene Mädchen vor allem durch die Bedingungen ihrer Umwelt gefährdet. (Else Voigtländer: Veränderungen der Verwahrlosung während des Krieges. In: Jf Mitteilungen, 13. Jg. (1918) S. 24–26).Google Scholar
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    Räther: Wie sind minderwertige Zöglinge in Rettungshäusern, Zwangserziehungs- und Besserungsanstalten zu behandeln? Vortrag auf der Vorsteher-Konferenz am 7. Juni 1898. In: Rb, 18. Jg. (1898) S. 163–183, hier S. 169. Auch in der Charitas findet sich bereits 1900 ein Artikel über psychiatrische Implikationen in der Fürsorgeerziehung (Familler [Kurat an der Kreisirrenanstalt Karthaus Prüll Regensburg] : Gedanken über die moderne Erziehung und CharitaS. In: Charitas, 4. Jg. [1900] S. 154–158) .Google Scholar
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    Tippel, S. 587 u. Sechste Verhandlungen der DEAK, 3./4. Oktober 1904 in Kaiserswerth, S. 49. Zwei Jahre zuvor war der Leitung in Kaiserswerth der Begriff der Psychopathie zwar geläufig, aber sie glaubte, dass nur einige wenige Mädchen in Kaiserswerth zu den psychopathisch Minderwertigen zu rechnen seien. (69. Jahresbericht über das Magdalenenstift zu Kaiserswerth. In: AK, 54. Jg. [1902] S. 143–149, hier S. 144).Google Scholar
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    Cramer 1911, S. 494f.Google Scholar
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    Vgl. Grabe 1912, S. 141.Google Scholar
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    Siebold und Isermeyer auf der 8. DEAK-Konferenz 19.–21. Mai 1908 in Frankfurt. In: AK, 60. Jg. (1908) S. 145. Ähnlich auch Cohne: Fürsorgeerziehung und Psychiatrie. In: Jf, 9. Jg. (1908) S. 84–95, hier S. 89. Von Seiten der Caritas zog Domkapitular Bartels mit Pastor Siebold an einem Strang. ADCV, 319.4 SkF, E05, 1 Fa.1, Konferenz der Er- ziehungsanstaltsvorsteher und Behördenmitglieder Westfalens. Münster, 16. Juli 1912, S. 6f..Google Scholar
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    Siebold auf der achten DEAK-Konferenz. In: AK, 60. Jg. (1908) S. 145 u. ders.: Psychiatrie und Fürsorgeerziehung. Eine freundschaftliche Streitschrift zwischen zwei Pädagogen. Bethel 1908, S. 32f, 38f; vgl. auch Dickinson, S. 88.Google Scholar
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    Gräser, S. 13–15, 163–165, 216f.Google Scholar
  221. 221.
    Auch Dickinson sieht mit der Übernahme des wissenschaftlichen Modells im Kaiserreich bereits eine wichtige Vorbedingung für die Enthumanisierungstendenzen in der Sprache und für die strafende Isolierung von Zöglingen, deren Integration nicht gelang (Dickinson, S. 61–63).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2002

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