Advertisement

Wa(h)re Bilder?

Zur Glaubwürdigkeit von Fernsehnachrichten
  • Gregor Halff
Chapter
  • 178 Downloads

Zusammenfassung

Einen Grimme-Spezial-Preis für Michael Born! Dies schlug Ernst Elitz (Intendant des DeutschlandRadios) vor, wohl nur zur Hälfte ernst gemeint. Immerhin zeigte der filmende Alchimist Born, indem er mindestens 22 Beiträge fälschte, warum das Fernsehen durch „Fakes“ und Fiktionen gefährdet ist. Kommerz, Konkurrenz, Schnellebigkeit und „Schreinemakerisierung“ (Weischenberg 1997a) — obwohl (oder weil) Fernsehproduktion sich Unglaubliches leistet, gelten Fernsehinhalte meist als des Glaubens würdig. Schon Anfang der sechziger Jahre überholte das Bildmedium Fernsehen das traditionelle Informationsmedium Tageszeitung als glaubwürdigstes Medium; dieser Glaubwürdigkeitsvorsprung besteht bis heute, während dem Radio die geringste Glaubwürdigkeit attribuiert wird (vgl. Bentele 1988: 411 f.).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Vgl. auch den im nordamerikanischen Mediensystem berüchtigten „Grubenhundehalter“ Joey Skaggs, der regelmäßig die Anfälligkeit des Mediensystems fir seine „Fakes“ demonstriert.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. wie „Focus“ v. 5.2.1996 die Born-Krise zum „Fall Jauch“ umdeutete, der sich jedoch ebenso als Opfer betrachtete.Google Scholar
  3. 3.
    Auch der öffentlich-rechtliche Programmauftrag basiert auf diesem Paradigma. Vgl. den ZDF-Staatsvertrag: „In den Sendungen des ZDF soll den Femsehteilnehmem in Deutschland ein objektiver Überblick über das Weltgeschehen, insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden.“ Zit. nach Breitkopf/Schiwy/Schneider 1994: D1.1., 37.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. jedoch Luhmann (1996: 55), der es als Paradoxie der Nachrichtenberichterstattung bezeichnet, daß Krisenberichte routinemäßig erwartet und routiniert geboten werden.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. beispielsweise den Versuch von Peter VoB, heute SWF-Intendant, die ZDF-Nachrichtenproduktion mit den Normen zu vergleichen, die der „Staatsvertrag über die Errichtung der Anstalt des öffentlichen Rechts ‘Zweites Deutsches Fernsehen’“ vorgibt (Schütte 1994: 271 f.).Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Voakes (1996) zum Unterschied zwischen Vielfalt als Merkmal des journalistischen Produkts einerseits und des journalistischen Prozesses andererseits.Google Scholar
  7. 7.
    Differenztheoretisch ausgedrückt: Auch in der Beobachtung zweiter Ordnung kann die Funktionsstelle „Fremdreferenz“ nicht unbesetzt bleiben (vgl. Schmidt 1996: 59 f.).Google Scholar
  8. 8.
    So formuliert vom Direktor der Landesanstalt für Rundfunk NRW, Norbert Schneider, in einer Pressemitteilung vom 16.6.1997.Google Scholar
  9. 9.
    Oder er wird zum Fluchtpunkt der Erkenntnis, wodurch das Medium und die Medium-Rezipient-Relation vernachlässigt werden. So schlägt Pöttker (1987) vor, den relationalen Glaubwürdigkeitsbegriff zugunsten einer rezipientenspezifischen „Gutgläubigkeit“ aufzugeben.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. den (er-)kenntnisreichen Versuch Neubergers (1996), den journalistischen/kommunikationswissenschaftlichen Objektivitätsbegriff durch „Relevanz“ zu ersetzen.Google Scholar
  11. 11.
    So berichtete die Neue Züricher Zeitung über Fernsehstationen, die das Vermarktungspotential des Todes der „Königin der Herzen“ nicht erkannt hatten. Diese hätten einen „eigentlichen Glaubwürdigkeitseinbruch“ erlitten und „entschuldigten sich dafür später zerknirscht bei ‘ihrem’ Publikum“; vgl. NZZ v. 19.9.97: 33.Google Scholar
  12. 12.
    Dies hat außerdem den Vorteil, die künstliche, weil medienfixierte Unterscheidung aufzuheben, die Fernsehforscher zwischen Theorien des Fernsehens als Informationsmedium einerseits und als Unterhaltungsmedium andererseits machen; vgl. Corner 1997.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Gregor Halff

There are no affiliations available

Personalised recommendations