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„Zur Politik, nach Bonn…“

Politische Kommunikation in Fernsehnachrichten
  • Klaus Kamps
Chapter

Zusammenfassung

Wir haben uns längst daran gewöhnt: Allabendlich informieren uns Fernsehnachrichten über die Politik des Tages, bieten einen schmalen Einblick in die öffentliche Sphäre, in politische Vorkommnisse, die für „nachrichtenwürdig“ befunden wurden. Tag für Tag stellen sie uns Protagonisten, Sachverhalte und Konfliktlinien vor, von denen Journalisten annehmen, sie seien relevante Momente eines aktuellen wie interessanten Querschnitts durch die politische Landschaft. Kaum ein anderes Format moderner Medienkommunikation vermittelt Politik einem ähnlich großen Publikum so intensiv wie facettenreich doch komprimiert zugleich: Politik in ihren vielen Schattierungen ist das ausdauerndste Pferd im Themenstall der Fernsehnachrichten. Struktur- und Inhaltsanalysen belegen regelmäßig die Prominenz der Politik als Gegenstand des Genres (Kamps 1998; Krüger 1997a); und das Publikum nähert sich Fernsehnachrichten durchaus mit dem Anspruch, sich politisch zu informieren (Berg/Kiefer 1996): Für den überwiegenden Teil der Bevölkerung westlicher Industriestaaten sind sie eine der wichtigsten politischen Informationsquellen. Fernsehnachrichten stehen aus politikwissenschaftlicher Perspektive also mindestens im Verdacht, eine zentrale Instanz politischer Kommunikation zu sein.

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Literatur

  1. 2.
    Zumindest vordergründig richten sich Mediennutzungsmotivationen an Informationsprogrammen aus: Das Fernsehpublikum gibt z. B., nach seinen Vorlieben gefragt, zunächst Nachrichten, Magazine und „niveauvolle” Filme an. Die Empirie belegt hingegen, daß Zuschauer häufiger solche Sendungen sehen, die sie selbst als „Kram“ oder „Tinnef“ bezeichnen; vgl. Staab/Hocker 1994: 163.Google Scholar
  2. 3.
    Politik beschränkt sich dabei nicht länger auf die Vermittlungsleistungen der klassischen Nachrichtenmedien, sondern drängt auch in die eher der Unterhaltung zuzuordnenden Genres. Im Extremfall könnte dann — wie Neil Postman vermutet (1991) — gesellschaftliche Kommunikation als billiges Amüsement organisiert, politische Entscheidungsprozesse auf ein unzulängliches, das politische Publikum aber emotional befriedigendes Niveau simplifiziert werden.Google Scholar
  3. 4.
    Zwar mag es herausragende Vorgänge von hohem Nachrichtenwert geben, die geradezu unvermeidlich in die Sendung aufgenommen werden, doch besonders in bezug auf Themen, die nicht diskussionslos nachrichtenwürdig sind, zeigen sich die Informationsgenres anfällig für die Öffentlichkeitsarbeit der politischen Institutionen und Akteure; vgl. Pfetsch 1994.Google Scholar
  4. 6.
    Tunstall (1992) vermutet sogar, daß im Golfkrieg der Angriff der Alliierten Truppen auf den Irak sehr bewußt auf 19 Uhr EST angesetzt wurde — der Hauptnachrichtenzeit in den USA.Google Scholar
  5. 7.
    Vgl. hierzu den Beitrag von Joachim Friedrich Staab in diesem Band. Auswahl, Plazierung und Gewichtung der Themen durch die Redaktionen unterliegen letztlich einem standardisierten Verfahren, das aber auch versucht, den Rezipienten mit seinen Wünschen und Bedürfnissen einzubeziehen. Derartig in einem „vorauseilendem Gehorsam“ konzipierte Medieninhalte sind auch als Abbild vermuteter Zuschauerwünsche zu verstehen.Google Scholar
  6. 10.
    Eine amerikanische Studie zeigte, daß die US-Presse weiblichen Kandidaten nicht nur weniger Aufmerksamkeit widmet, sie konzentriert sich bei ihnen mehr als bei der männlichen Konkurrenz auf ihre generellen „Überlebenschancen“ im Wahlkampf, weniger auf ihre sachpolitischen Positionen; Kahn/Goldenberg 1991.Google Scholar
  7. 11.
    Vgl. hierzu den Beitrag von Udo Michael Kruger in diesem Band.Google Scholar
  8. 12.
    Vgl. hierzu den Beitrag von Lutz Goertz und Klaus Schönbach in diesem Band.Google Scholar
  9. 13.
    Vgl. hierzu den Beitrag von Hans-Bernd Brosius in diesem Band.Google Scholar
  10. 15.
    Eine Tendenz zur Popularisierung äußert sich etwa in dem Anteil der Bürger als Handlungsträger der politischen Berichterstattung- als Betroffene oder allgemein zur Situation Befragte. Offenbar unterscheiden sich die Säulen des dualen Rundfunksystems hier: Meinungsäußerungen von Bürgerinnen und Bürgern werden bei privaten Nachrichtensendungen eher als Stilelement integriert (Huh 1996: 186 f.).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Klaus Kamps

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