Advertisement

Staatsoberhäupter und einfache Leute

Eine Schlüsselbildanalyse
  • Peter Ludes
  • Georg Schütte
Chapter

Zusammenfassung

Diejenigen, die sich in modernen Gesellschaften selbst in Szene setzen und ihre Problemdefinitionen und -lösungen für die öffentliche Darstellung — insbesondere im Leitmedium der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dem Fernsehen und seinen Nachrichtensendungen — durchsetzen können, haben einen Machtvorteil. Wir haben deshalb eine Auswahl US-amerikanischer und deutscher Fernsehnachrichtensendungen seit ihrer Erstausstrahlung analysiert und interpretieren sie als Indikatoren für gesellschaftlichen Wandel. Insbesondere konzentrieren wir uns dabei auf die audiovisuelle Darstellung von Staatsoberhäuptern, einer zentralen Akteursgruppe der Politik, über die in diesen Sendungen längerfristig am häufigsten berichtet wurde. Im Vergleich dazu untersuchen wir die Darstellung „einfacher“ Leute und interpretieren die unterschiedlichen Darstellungsmuster als Machtpräsentations-Unterschiede.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Dieser Beitrag entstand im DFG-Sonderforschungsbereich „Bildschirmmedien“ der Universität-GH Siegen, Teilprojekt A7 „Die Entwicklung von Fernsehnachrichtensendungen in den USA, der Bundesrepublik Deutschland und der DDR“ bzw. (seit dem 1.1.1998) Teilprojekt Al2 „Umbrüche der Medieninformation in den USA und der Bundesrepublik Deutschland“ (Teilprojektleiter: Prof. Dr. Rainer Geißler, Prof. Dr. Dr. USA Peter Ludes). Wir danken Dr. Joachim Friedrich Staab für die statistischen Auswertungen und kritische Hinweise, Elvi Claßen für die Mitarbeit bei der Schlüsselbildanalyse und der Bildauswahl und Martin Butz sowie Georg Rademacher für die technische Bildreproduktion. Unser Konzept der MachtpräsentationsVerhältnisse in Fernsehnachrichtensendungen als Indikator sozialen Wandels haben wir zum ersten Mal während der Tagung der European Sociological Association (ESA) vom 27.–30. August 1997 in Colchester, Essex (Großbritannien) im Rahmen des ESA-Research Network „Sociology of Mass Media and Communication“ vorgestellt.Google Scholar
  2. 2.
    In 18 dieser 142 Interviews konzentrierten wir uns auf die Informationsumbrüche vom Fernsehen zu Multimedianetzen. Eine Liste der Interview-PartnerInnen kann im Sonderforschungsbereich Bildschirmmedien, Teilprojekt Al2, der Universität-GH Siegen angefordert werden.Google Scholar
  3. 3.
    Von den 532 Dokumenten beziehen sich 130 direkt auf die analysierten Femsehnachrichtensendungen.Google Scholar
  4. 4.
    Aus der Gesamtstichprobe bleiben hier zehn RTL aktuell-Sendungen von 1990 und 1995 unberücksichtigt, da deren Schlüsselbilder Ende 1997 noch nicht digitalisiert und in unsere filemaker pro Datenbank integriert waren. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben füünf Sendungen des Regionalnachrichtenmagazins Brandenburg aktuell von 1995, das wegen seines Sendungsformats nur eingeschränkt mit den Hauptfernsehnachrichtensendungen in der hier vorgestellten Weise vergleichbar ist.Google Scholar
  5. 5.
    Als „Staatsoberhäupter“ wurden für die folgende quantitative Produktanalyse und die Schlüsselbildanalyse (hier mit Ausnahme eines Bildes des Bundespräsidenten) der Präsident der USA, der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und der Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik bzw. Generalsekretär des ZK der SED (bis 1989) erfaßt.Google Scholar
  6. 6.
    Pro Beitrag wurden u. a. der dominante Akteur und das dominante Sachgebiet ermittelt. Diese Erfassung pro Beitrag ist die Basis für die Berechnung von Machtpräsentations-Unterschieden.Google Scholar
  7. 7.
    Diese quantitativen Produktanalyse-Ergebnisse lassen sich jedoch nur im Kontext unserer Expertlnneninterviews und der Auswertung historischer Dokumente angemessen interpretieren. Dann wird beispielsweise deutlich, daß auch die Darstellung einfacher Leute aus der DDR in der Aktuellen Kamera vollständig von hochrangigen Mitgliedern der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) kontrolliert wurde. Die sogenannten spontanen Stellungnahmen einfacher Leute waren von Journalisten vorgeschriebene Texte, die mit der Parteilinie übereinstimmten (vgl. Kipping 1990; Ludes 1990).Google Scholar
  8. 8.
    Die Auswahl dieser Schlüsselbilder aus durchschnittlich rund zehn Sekunden langen Schlüüsselbildsequenzen enthält besonders typische Bilder für die jeweilige Zeit und Sendung. Die technische Reproduzierbarkeit von teilweise bereits qualitativ mäßigem Videomaterial war allerdings ein weiteres Auswahlkriterium für diese Präsentation. Eine Videodokumentation mit den kompletten Sequenzen kann im SFB-Teilprojekt Al2 eingesehen werden.Google Scholar
  9. 9.
    Es ließe sich beispielsweise weiterführend auch fragen, ob die derartig präsentierten Entscheidungsträger tatsächlich in der Lage sind, Probleme angemessen wahrzunehmen und einzuschätzen und zu fundierten, sozial bindenden Entscheidungen und Problemlösungen zu kommen.Google Scholar
  10. 10.
    Andererseits sind Theorien moderner Gesellschaften Ende des 20. Jahrhunderts auch auf Beobachtungen der gesellschaftlich bedeutendsten Beobachter moderner Gesellschaften, der Fernsehnachrichten-JournalistInnen, angewiesen. Deshalb müssen sich medien-, kommunikations- und sozialwissenschaftliche Untersuchungen und Theorien ergänzen; vgl. Ludes 1997; Ludes/Schütte 1997a.Google Scholar
  11. 11.
  12. 12.
    http://www.bmwi-info2000.de/gip/fakten/status/tei16.hmlInformations, 4. B. 1997. Für die Verbreitung und Nutzung von Online-Diensten und des Internets liegen zur Zeit teilweise deutlich voneinander abweichende Angaben bzw. Prognosen vor (vgl. grundlegend Schrape 1998). Aus mehreren Gründen sind die hier nicht weiter referierten unterschiedlichen Angaben schwer vergleichbar und tendenziell zu hoch: Unter anderem kommen (1) unterschiedliche Erhebungsmethoden zum Einsatz; (2) sind die einzelnen Erhebungskategorien nicht immer eindeutig und häufig unterschiedlich defmiert; (3) wird die interne Konsistenz der Antworten nicht geprüft und (4) sind die Ergebnisse nicht anhand allgemeiner Bevölkerungsstatistiken gewichtet. Trotz aller Schwierigkeiten einer genauen Feststellung der Verbreitung und Nutzung von Internet-Angeboten ist aber ein Entwicklungsvorsprung der USA offensichtlich. So stieg in den USA die Zahl der Internet-Hosts von Januar 1994 bis Juli 1997 von knapp 1,5 Millionen auf mehr als 11,8 Millionen, in der Bundesrepublik von knapp 100.000 auf mehr als 870.000 (was auch historisch neuartige Wachstumsraten erkennen läßt). Insgesamt gab es Ende 1997 weltweit (laut Dataquest) vermutlich 82 Millionen PCs mit Internetverbindung. Trotz der neuen Interaktivitätsgrade der Multimedia-Kommunikation (vgl. Ludes/Werner 1997) und damit verbundener potentieller Teilhabe an politischer Meinungsbildung und Entscheidungsfindung ist das demokratisierende Potential internetgebundener Kommunikation deshalb gering (vgl. z. B. Grossman 1995; Schiller 1996; Europäische Kommission 1997).
  13. 13.
    Vgl. Ludes/Schütte 1997b und unsere „Initiative Nachrichtenaufklärung“ im WWW unter http://www.avmz.uni-siegen.de/~in/index.htm.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Peter Ludes
  • Georg Schütte

There are no affiliations available

Personalised recommendations