Advertisement

Nachrichten aus Cyburbia

Virtualisierung und Hybridisierung des Fernsehens
  • Miriam Meckel
Chapter

Zusammenfassung

Den Verlust der „Aura“ befürchtete Walter Benjamin (1977: 13) für das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Den Verlust der Authentizität befürchten Kritiker heute für das Fernsehbild im Zeitalter seiner virtuellen Simulierbarkeit. Denn inzwischen muß für die Produktion eines real anmutenden Bildes kein unmittelbarer Bezug zum Objekt der Darstellung mehr hergestellt werden, der Computer kann ihn — vom Menschen angeleitet — selbsttätig generieren. Diese Möglichkeiten werden in fiktionalen Genres, wie dem Film, bereits erfolgreich eingesetzt. Ob die fossile Spezies einer „Vergessenen Welt“, der Tyrannosaurus Rex, plötzlich ins heutige Los Angeles einfällt, ob „Forrest Gump“ alias Tom Hanks dem ehemaligen US-Präsidenten Kennedy die Hand schüttelt oder ob US-Präsident Bill Clinton vor versammelter Presse im Weißen Haus seinen Glauben an Außerirdische bekräftigt („Contact“) — die Szenen haben alle nicht so stattgefunden, wie der Zuschauer sie wahrnimmt, sondern stammen aus dem Computer. Hochleistungsrechner haben sie geschaffen, in diesem Fall mit dem Ziel, dem Kinobesucher ein fiktionales Erlebnis zu präsentieren, was er in der jeweiligen Rezeptionssituation auch durchaus erkennen kann.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Bei diesen Hintersetzern handelt es sich — je nach Nachrichtenthema — oft um „Symbolbilder“, die das Thema auf einen Blick veranschaulichen sollen. Da aber nur bei wenigen Ereignissen überhaupt ein zentrales Bild vorliegt (z. B. Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Richter in roten Roben) oder das Ereignis nicht mit einem Bild „auf den Punkt“ gebracht werden kann (z. B. Staatsbesuch: Händeschütteln der Repräsentanten), werden komplexere und weniger bilderfreundliche Ereignisse per Computer illustriert (z. B. Lebensmittelvergiftungen in Deutschland: Giftsspritze in einer Senftube).Google Scholar
  2. 2.
    Als Negativbeispiel für fehlende Transparenz ist in diesem Zusammenhang der Endlosfilm einer Nachrichtenredaktion anzufüihren, der der SAT.1-Nachrichtensendung 18:30 als Kulisse diente. Es handelte sich dabei allerdings nicht, wie zu vermuten wäre, um die SAT.1-Redaktion, sondern um Bilder eines Nachrichtensenders in Florida. SAT.1 verteidigte den Trick als „Idee einer Nachrichtenredaktion“, weil Nachrichtenstudios überall gleich aussehen. Kritiker betrachteten die Kulisse als „Mogelpackung“ (vgl. Süddeutsche Zeitung v. 17.01.1996).Google Scholar
  3. 3.
    http://www.wired.com/wired/1.4/features/mediasaurus.html.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1998

Authors and Affiliations

  • Miriam Meckel

There are no affiliations available

Personalised recommendations