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Der Einfluß der Steuermentalität auf die Harmonisierungsbemühungen

  • J. Daviter
  • J. Könke
  • O. Graf Schwerin
Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (FOLANW, volume 2040)

Zusammenfassung

So einfach und überzeugend die Argumente der ökonomischen Theorie für die Bildung des Gemeinsamen Marktes auch sein mögen, die Bemühungen zur Verwirklichung dieses Zieles stoßen immer wieder auf Schwierigkeiten und Hindernisse. Dies trifft in besonderem Maße für die Versuche zu, die mit der Herstellung und Wahrung binnenmarktähnlicher Verhältnisse unvereinbaren Unterschiede der öffentlichen Finanzwirtschaft in den zu integrierenden Volkswirtschaften zu beseitigen 1. Ein Erfolg dieser Bemühungen ist aber unabdingbar; denn nach dem Abbau protektionistischer Zollschranken werden fiskalische Maßnahmen eine um so wichtigere Rolle spielen, als »sie den Regierungen als ein bequemes, weil weniger augenfälliges Substitut für protektionistische Zollmaßnahmen erscheinen dürften« 2.

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Literatur

  1. 1.
    Die zum Thema der Harmonisierung in der EWG erschienene Literatur ist so umfangreich, daß eine auch nur annähernd vollständige Aufzählung hier nicht erfolgen kann. Für das folgende Kapitel vergleiche aber insbesondere: Albers, W., Steuer-und Finanzprobleme in einem Gemeinsamen Markt, in: Handbuch der Finanzwissenschaft, 4. Bd., Tübingen 1965, S. 349 ff.; Haller, H., Probleme der Harmonisierung der Finanz- und Steuerpolitik im Gemeinsamen Markt, in: Wirtschafts-und Finanzpolitik im Gemeinsamen Markt, Schriftenreihe der Forschungsstelle der Friedrich-Ebert-Stiftung, 1963, S. 57 ff.; Keller, T., Steuerharmonisierung in der EWG nach den Vorschlägen des Steuer-und Finanzausschusses, Außenwirtschaft, 1964, S. 95 ff.; Neumark, F., Möglichkeiten und Grenzen einer Steuerangleichung im Gemeinsamen Markt, in: Steuer-Kongreß-Report, 1963, S. 29 ff.; Schmölders, G., Steuerliche Wettbewerbsverzerrungen beim grenzüberschreitenden Warenverkehr im Gemeinsamen Markt, FIW-Schriftenreihe, Heft 1, Köln 1962; ders., Zur Frage der steuerlichen Wettbewerbsverzerrungen im grenzüberschreitenden Warenverkehr innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, in: Schriftenreihe der Wirtschaftsvereinigung Eisen-und Stahlindustrie zur Wirtschafts-und Industriepolitik, Heft 2, Düsseldorf 1962.Google Scholar
  2. 2.
    Barrère, A., Der Einfluß des wirtschaftlichen Wachstums der Mitgliedstaaten auf die Probleme der Steuerharmonisierung (Anlage E zum Bericht des Steuer-und Finanzausschusses der EWG, 1962, S. 131 ).Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. hierzu u. a.: Sprung, R., Die Bestimmungen über die Beseitigung von Verzerrungen des Wettbewerbs im Vertrag über die EWG, in: Finanzarchiv, NF Bd. 20, 1959/60, S. 201 ff.; Fischer-Menshausen, H., Kommentar zu den Art. 95–99, in: Groeben-Boeckh, Handbuch für die Europäische Wirtschaft, Baden-Baden 1962.Google Scholar
  4. 4.
    Bericht des Steuer-und Finanzausschusses der EWG von 1962 (im folgenden zitiert als Neumark-Bericht), S. 97.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. hierzu u. a. Wohlfahrt-Everling-Glaesner-Sprung, Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, Kommentar zum Vertrag, Berlin und Frankfurt/Main 1960, S. 298 ff.Google Scholar
  6. 6.
    Neumark-Bericht, a.a.O., S. 8; nach Schmölders (Allgemeine Steuerlehre, 4. Aufl., Berlin 1965, S. 215) unterscheidet sich das »rationale« Steuersystem von dem historisch gewachsenen » fiskalischen « Steuersystem »durch den Versuch einer optimalen (nicht maximalen) Ausschöpfung der vorhandenen Steuerquellen und durch den Verzicht auf diejenigen Steuerformen, die auf doktrinäre Vorurteile, politischen Kuhhandel und sonstige Schwächen der finanzpolitischen Willensbildung zurückgehen.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. Neumark-Bericht, a.a.O., S. 7.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. Neumark-Bericht, a.a.O., S. 13 und 77 ff.; Schmölders, G., Steuerliche Wettbewerbsverzerrungen…, a.a.O., S. 13 ff.; vgl. auch »Bericht über die durch die Umsatzsteuer aufgeworfenen Probleme auf dem Gemeinsamen Markt«, verfaßt von dem gemäß Beschluß der Hohen Behörde Nr. 1/53 vom 5. März 1953 gebildeten Sachverständigenausschuß (Tinbergen-Bericht); s. hierzu Schmölders, G., Der Steuerstreit in der Montan-Union, in: Archiv des öffentlichen Rechts, 79. Bd., 1953, S. 105 ff.Google Scholar
  9. 9.
    Bombach, G., Das Problem der optimalen internationalen Arbeitsteilung bei unterschiedlicher Struktur der Steuersysteme, in: Schriftenreihe der Wirtschaftsvereinigung Eisen-und Stahlindustrie zur Wirtschafts-und Industriepolitik, Heft 4, Düsseldorf 1962, S. 10.Google Scholar
  10. 10.
    Albers, W., a.a.O., S. 381.Google Scholar
  11. 11.
    Neumark-Bericht, a.a.O., S. 7; vgl. auch Neumark, F., Möglichkeiten und Grenzen einer Steuerangleichung im Gemeinsamen Markt, a.a.O., S. 42.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Albers, W., a.a.O., S. 365; HALLER, H., a.a.O., S. 75; Neumark-Bericht, a.a.O., S. 29 f.Google Scholar
  13. 13.
    Siehe Schmölders, G., »Unmerkliche Steuern», in: Finanzarchiv, NF, Bd. 20 (1959/60), S. 23 ff.Google Scholar
  14. 14.
    Schmölders, G., Allgemeine Steuerlehre, 4. Aufl. Berlin 1965, S. 105 f.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. Finanzbericht 1965.Google Scholar
  16. 16.
    In %der Steuereinnahmen.Google Scholar
  17. 17.
    Ders., Psychologische Probleme der Steuerharmonisierung im Gemeinsamen Markt, Institut International de Finances Publiques, Congrès de Luxembourg, Sept. 1963.Google Scholar
  18. 18.
    Neumark-Bericht, a.a.O., S. 32.Google Scholar
  19. 19.
    Ebenda, S. 35 ff.Google Scholar
  20. 20.
    Keller, Th., a.a.O., S. 101.Google Scholar
  21. 21.
    Neumark-Bericht, a.a.O., S. 43; vgl. auch Haller, H., a.a.O., S. 71.Google Scholar
  22. 22.
    Vgl. Gesamtbericht der Sachverständigen der Regierungen der Mitgliedstaaten über die verschiedenen Möglichkeiten einer Umsatzsteuerharmonisierung (sog. Jansen-Bericht); vgl. hierzu: Jansen, J. C., Umsatzsteuerharmonisierung aus der Sicht der EWG, in: Deutsches Steuerrecht, 1. Jahrg., 1962, S. 109 ff.Google Scholar
  23. 23.
    Neumark-Bericht, a.a.O., S. 46.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. Flume, W., und Schmidt, K., Die Steuerliche Behandlung des grenzüberschreitenden Verkehrs nach Montanunion-und EWG-Vertrag; Giersch, H., Zur Frage der Anwendung des Ursprungs-oder Bestimmungslandprinzips bei der Umsatzsteuer im Gemeinsamen Markt. Beide Veröffentlichungen in: Schriftenreihe der Wirtschaftsvereinigung Eisen-und Stahlindustrie zur Wirtschafts-und Industriepolitik, Heft 1, Düsseldorf 1962.Google Scholar
  25. 25.
    Neumark-Bericht, a.a.O., S. 52.Google Scholar
  26. 26.
    Neumark-Bericht, a.a.O., S. 52; vgl. auch Neumark, F., Budgetäre und steuerliche Aspekte einer wirtschaftlichen Integration, in: Aspects financiers et fiscaux de l’intégration économique internationale, Travaux de l’Institut International de Finances Publiques, Frankfurt/Main 1953; wiederabgedruckt in: Wirtschafts-und Finanzprobleme des Interventionsstaates, Tübingen 1961, S. 310.Google Scholar
  27. 27.
    Vgl. Albers, W., a.a.O., S. 357 f.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. Schmölders, G., Psychologische Probleme der Steuerharmonisierung, a.a.O., S. 18.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. Dubergé, I., La Psychologie sociale de l’impôt dans la France d’aujourd’hui, Paris 1961, S. 112.Google Scholar
  30. 30.
    Koch, K., Aktuelle Fragen für die Gesetzgebung zum allgemeinen Abgabenrecht, in: SteuerKongreß-Report, 1964, S. 39.Google Scholar
  31. 31.
    Das Beispiel ist entnommen: Albers, W., a.a.O., S. 359.Google Scholar
  32. 32.
    Vgl. Albers, W., a.a.O., S. 359; siehe auch Tinbergen, J., Vergleichende Übersicht über das Steuerrecht in der EWG, in: Steuer-Kongreß-Report 1966, S. 164: »Vielleicht noch wesentlicher als der Unterschied in den eigentlichen Gesetzesbestimmungen (Grundlagen und Tarife) ist der Unterschied in der Mentalität, mit welcher die Bestimmungen in der Praxis angewendet werden. Was hilft es, in den Gesetzen der 6 Staaten zu einem gleichen Steuerdruck zu kommen, wenn in dem Staat A die Besteuerung korrekt durchgeführt wird, während im Staate B durch umfangreiche Betrügereien ein wesentlicher Teil der Steuern hinterzogen wird, und während im Staate C die Steuer im wesentlichen auf geschätzter Basis berechnet wird, die ausgehandelt wird.«Google Scholar
  33. 33.
    Vgl. unten Seite 26 ff.Google Scholar
  34. 34.
    Schmölders, G., Psychologische Probleme der Steuerharmonisierung, a.a.O., S. B.Google Scholar
  35. 35.
    Vgl. Scholten, H., Die Steuermentalität der Völker im Lichte ihrer Sprache, Finanzwissenschaftliche Forschungsarbeiten, NF, Band 12, Berlin 1952.Google Scholar
  36. 36.
    Neumark, F., Wirtschafts-und Finanzpolitik des Interventionsstaates, a.a.O., S. 100.Google Scholar
  37. 37.
    Neumark-Bericht, a.a.O., S. 5.Google Scholar
  38. 38.
    Schmölders, G., Psychologische Probleme der Steuerharmonisierung, a.a.O., S. 3.Google Scholar
  39. 39.
    Barrère,A., a.a.O., S. 133.Google Scholar
  40. 40.
    Ebenda, S. 150 ff.Google Scholar
  41. 41.
    Barrère, A., a.a.O., S. 134.Google Scholar
  42. 42.
    Schmölders, G., De la psychologie sociale de l’impôt à une psychologie financière générale, in: Revue de financière,Paris,No.3,Juli 1962,S.399.Google Scholar
  43. 43.
    Schmölders, G., Psychologische Probleme der Steuerharmonisierung, a.a.O., S. B.Google Scholar
  44. 44.
    Vgl. Meisel, F., und Gerloff, W., Steuertechnik, in: Handbuch der Finanzwissenschaft, Bd. 2, Tübingen 1956, S. 358.Google Scholar
  45. 45.
    Vgl. zum folgenden insbesondere Schmölders, G., Steuertechnik, in: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, Bd. 10, Stuttgart-Tübingen-Göttingen 1959, S. 170 ff.Google Scholar
  46. 46.
    Meisel, F., Britische und deutsche Einkommensteuer. Ihre Moral und ihre Technik, Tübingen 1925, S. 127.Google Scholar
  47. 47.
    Schmölders, G., Allgemeine Steuerlehre, a.a.O., S. 91.Google Scholar
  48. 48.
    Schmölders, G., Finanzpolitik, 2. Aufl., Berlin-Heidelberg-New York, S. 316.Google Scholar
  49. 49.
    Ders., Das Irrationale in der öffentlichen Finanzwirtschaft, Probleme der Finanzpsychologie, rde Bd. 100, Hamburg 1960, S. 37.Google Scholar
  50. 50.
    Ebenda, S. 78.Google Scholar
  51. 51.
    Strümpel, B., Steuermoral und Steuerwiderstand der deutschen Selbständigen, Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen, Nr. 1682, Köln und Opladen 1966, S. 40.Google Scholar
  52. 52.
    Vgl. hierzu Schmölders, G., Finanzpolitik, a.a.O., S. 321 f.Google Scholar
  53. 53.
    Schmölders, G., Das Irrationale in der öffentlichen Finanzwirtschaft, a.a.O., S.10.Google Scholar
  54. 54.
    Meisel, F., Britische und deutsche Einkommensteuer, a.a.O.Google Scholar
  55. 55.
    Ebenda, S. IV.Google Scholar
  56. 56.
    Vgl. Strümpel, B., Sozioökonomischer Wandel und die Durchsetzbarkeit der Besteuerung, in: Finanzarchiv, NF Bd. 25, S. 442 ff.Google Scholar
  57. 57.
    Ders., Die neue Fachrichtung »Finanzpsychologie«, in: Fifo-Festschrift, Berlin 1967, S. 154.Google Scholar
  58. 58.
    Strümpel, B., Die neue Fachrichtung »Finanzpsychologie«, a.a.O.; vgl. auch Holtgrewe, K. C., Der Steuerwiderstand. Das Verhalten der Steuerpflichtigen im Lichte der modernen Psychologie, Finanzwissenschaftliche Forschungsarbeiten, NF Heft 5, Berlin 1954.Google Scholar
  59. 59.
    Scholten, H., a.a.O., S. 77.Google Scholar
  60. 60.
    Schmölders, G., Das Irrationale in der Finanzwissenschaft, a.a.O., S. 71.Google Scholar
  61. 61.
    Ders., Unmerkliche Steuern, a.a.O., S. 23 ff.Google Scholar
  62. 62.
    Vgl. Haller, H., Die Steuern. Grundlinien eines rationalen Systems öffentlicher Abgaben, Tübingen 1964, S. 366.Google Scholar
  63. 63.
    Haller, H., Die Steuern, a.a.O., S. 367.Google Scholar
  64. 64.
    »…it is obvious that procedures which are orderly and effective on paper are subject to the human factor of the personnel who administer those procedures. Hence the problem of personnel does occupy a key role in tax administration.« (Readings on Taxation in Developing Countries, hrsg. von BIRD, R., und O. OLDMANN, Baltimore 1964, S. 522.)Google Scholar
  65. 65.
    Wenn nach einer empirischen Erhebung von Dubergé in Frankreich bereits der Zwang, eine Steuererklärung auszufüllen, bei den meisten Steuerpflichtigen als Belästigung empfunden wird und Widerstände auslöst, so dürfte die Art und Weise, in der der Fiskus diesen Reaktionen Rechnung trägt, aufschlußreich zur Erklärung der Steuermentalität sein (siehe unten S. 82).Google Scholar
  66. 66.
    Strumpel, B., Sozioökonomischer Wandel…, a.a.O., S. 442.Google Scholar
  67. 67.
    Schmölders, G., Allgemeine Steuerlehre, a.a.O., S. 93.Google Scholar
  68. 68.
    Schmölders, G. Finanzpolitik, a.a.O., S. 130.Google Scholar
  69. 69.
    Vgl. u. a. Jastrow, J., Gut und Blut fürs Vaterland, Berlin 1917; Flume, W., Steuermoral und Kriminalstrafe, Handelsblatt vom 12. September 1952; Schmölders, G., Das Irrationale…, a.a.O., S. 97 ff.; Terstegen, W. O. W., Steuer-Strafrecht, köln 1956, S. 80.Google Scholar
  70. 70.
    Lefèbvre, J., Le Contrôle Fiscal: Ses Aspects Juridiques, Psychologiques et Economiques, in: Cahiers de Droit Fiscal International (International Fiscal Association), Vol. 39, Madrid 1959, S. 157.Google Scholar
  71. 71.
    Terstegen, W.O.W., Besonderheiten der Steuerstraftaten und des Steuerstrafrechts, in: Bekämpfung der Wirtschaftsdelikte, hrsg. v. Bundeskriminalamt, Wiesbaden 1957, S. 231; Lefébvre, J., a.a.O., S. 157.Google Scholar
  72. 72.
    Mennel, A., Steuerstrafen im Ausland — ein internationaler Vergleich, in: Deutsches Steuerrecht, 1964, S. 374 f.Google Scholar
  73. 73.
    Pfund, W. R., Das Steuerstrafrecht, S. 24, zitiert bei Mennel, A., a.a.O., S. 375.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Köln und Opladen 1969

Authors and Affiliations

  • J. Daviter
    • 1
  • J. Könke
    • 1
  • O. Graf Schwerin
    • 1
  1. 1.Finanzwissenschaftliches ForschungsinstitutUniversität zu KölnDeutschland

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