Advertisement

Vieratomigkeit des Kohlenstoffs. Kekulés und Coupers Atomverkettungslehre. Rationelle und graphische Formeln. Die chemische Struktur der organischen Verbindungen * 1859 –1865. Ungesättigte Verbindungen

  • Edv. Hjelt

Zusammenfassung

Als wissenschaftliche Theorie war die typische Betrachtungsweise wegen ihrer formalen Natur wenig befriedigend, aber sie führte zu einem Resultat, das auch auf anderem Wege gewonnen worden war, nämlich zur Einsicht von der verschiedenen Wertigkeit oder Sättigungskapazität der Elemente. Durch dieses Resultat erhielt die Typentheorie selbst ihre einfache Erklärung. Zugleich war aber auch ihre Rolle als Träger einer besonderen Entwickelungsstuf e in der Geschichte der organischen Chemie ausgespielt. Ihre weitere Bedeutung wurde nur die eines Ausdrucksmittels gewisser Analogiebeziehungen hinsichtlich der Zusammensetzung und chemischen Umwandlungen der Verbindungen. „Das Zurückführen der typischen Betrachtungsweise bis zu dieser letzten Konsequenz“, sagt Kekulé, „zeigt deutlich, daß die ganze Anschauung nichts weiter ist, als ein Vergleichen der verschiedenen Verbindungen in bezug auf ihre Zusammensetzung; nicht etwa eine wirkliche Theorie, welche uns die Zusammensetzung selbst kennen lehrt.” Wie anders als diese einfache und nüchterne Erkenntnis seitens eines der hervorragendsten Anhänger der Typentheorie lauten die höhnischen Worte aus dem Lager der Gegner, der Verteidiger der „klassischen“ Richtung. Es heißt 1) : „Es war dem typischen System nicht beschieden, im ehrlichen Kampfe der Ideen zu unterliegen; sein Ende war ein ruhmloseres, es wurde von seinen eigenen Anhängern meuchlings über Bord geworfen. Aber auch das geschah nicht in der löblichen Absicht, zu einer gereinigten Auffassung zurückzukehren; nein! es geschah, um einem neuen Wahngebilde nachzujagen: der Idee von der konstanten Valenz” 1). Eine richtige historische Wertschätzung erhielt die Typentheorie durch folgende Beurteilung Gorup-Besanez’ 2): „Man hat die Typentheorie eine Verirrung genannt und ihr, wie sie allmählich.von ihren Anh?ngern verlassen wurde, allen Wert abgesprochen. Beide Vorwürfe scheinen zu weit zu gehen. Auch ihre Gegner werden nicht leugnen können, daß sie schöne Entdeckungen vermittelte, und wenn sie anderen Anschauungen und Theorien weichen mußte, so war dies Los ihren Vorgängerinnen ebenfalls nicht erspart geblieben und wird ihren Erben gewißlich ebensowenig erspart bleiben. In einer so rasch fortschreitenden, noch in jugendlichem Wachstum begriffenen Doktrin, wie es die organische Chemie ist, dürfte dies noch auf lange hinaus das Schicksal aller Theorien sein. Sie sind Kinder ihrer Zeit. Über ihre Zeit hinaus werden sie zum Prokrustesbette.“

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Lehrbuch der organischen Chemie, S. 24. Braunschweig 1873.Google Scholar
  2. 2.
    Compt. rend. 46 1157.Google Scholar
  3. Aus einem nicht gedruckten Manuskript von Blomstrand (1884).Google Scholar
  4. 4.
    Ann Chem. Pharm. 106, 129.Google Scholar
  5. 5.
    Zeitschr. f. Chemie 6. 9 (1863).Google Scholar
  6. Verhandl. d. Naturw. Vereins in Heidelberg 1866.Google Scholar
  7. 7.
    Leçons de Chimie professées en 1863, S. 140.Google Scholar
  8. 8.
    Zeitschr. f. Chemie 7, 1 (1864).Google Scholar
  9. 9.
    Om de organiska kropparnas Konstitution, S. 78. Lund 1864.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1916

Authors and Affiliations

  • Edv. Hjelt
    • 1
  1. 1.Universität HelsingforsHelsingforsFinland

Personalised recommendations