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Philosophie

  • Jan P. Beckmann
  • Annemarie Gethmann-Siefert
Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (FOLANW, volume 3252)

Zusammenfassung

Diskussion und Reflexion über Sterben und Tod des Menschen bilden ein zentrales Thema der Philosophie seit ihren Anfängen bei den Griechen, ja sind, folgt man A. Schopenhauer, “der eigentlich inspirierende Genius” der Philosophie. Daß sich die Vernunft angesichts der Endlichkeit des Menschen als eine kontingente denken muß, ist für die Philosophen seit je her gleichermaßen Skandalon wie Herausforderung. Die Probleme beginnen mit der Frage, ob der Mensch mit Hilfe der natürlichen Vernunft überhaupt etwas vom Tod wissen kann. Um was handelt es sich bei Sterben und Tod? Die Fragen setzen sich fort: Wer stirbt eigentlich? Der Mensch als ganzer oder nur sein Körper? Stirbt der Mensch als Person vor dem biologischen Ende seines Körpers? Und schließlich: Wie soll der Mensch mit Sterben und Tod umgehen, mit dem eigenen wie mit dem der Mitmenschen? Im Hintergrund dieser Fragen stehen drei Notwendigkeiten, denen niemand ausweichen kann: Erstens die Notwendigkeit der Realitäts- bzw. Existenzvergewisserung, zweitens die Notwendigkeit der Selbstvergewisserung, und drittens die Notwendigkeit der Sollensvergewisserung. Konkret: Die philosophische Untersuchung von Sterben und Tod wirft die Frage nach der Realität bzw. genauer: nach ihrem Sinn auf, sodann die Frage nach dem Menschen bzw. genauer: nach dem Bild, das wir uns vom Menschen machen, und schließlich die Frage nach der Verpflichtung, genauer: nach der Verantwortung, die der Mensch für sich selbst und für seinesgleichen übernehmen muß.

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Bibliographien

1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.1 Realität von Sterben und Tod 1.1.1 Begriff von Sterben und Tod

  1. 1.
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1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.1 Realität von Sterben und Tod 1.1.2 Tod als Bestandteil des Lebens, als Ereignis

  1. 21.
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    Furley, David: Nothing to Us. In: Norms of Nature. Ed. by M. Schofield and G. Striker. Cambridge: Cambridge University Press 1986, 75–91. Furley diskutiert in Anlehnung an die Epikur-Debatte die Frage nach der Furcht vor dem Tod. Diese kann nur dann eliminiert werden, wenn man in einen Zustand gerät, in dem zukünftige Möglichkeiten der Selbstentfaltung keine Rolle mehr spielen. Eine Möglichkeit, diesen Zustand zu erreichen, ist der Rückzug auf die Freuden intellektueller Betätigung und die Abkehr von zeitlichen Glückserwartungen.Google Scholar
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1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.1 Realität von Sterben und Tod 1.1.3 Hirntod-Debatte

  1. 39.
    Agich, George J./Jones, Royce P.: Personal identity and brain death. A critical response. In: Philosophy and Public Affairs 15 (1986), 267–74. (vgl. Green/Wikler, Brain Death and Personal Identity) Die Autoren wenden sich gegen Green/Wiklers Rechtfertigung der Hirntod-Definition in Begriffen personaler Identität, da es zur Rechtfertigung des Hirntods lediglich notwendig sei zu wissen, unter welchen Bedingungen ein Individuum tot ist, nicht, unter welchen Bedingungen es mit sich (nicht) identisch ist. Nach Green/Wikler muß der Tod einer Person nicht notwendig mit dem Tod ihres Hirns verbunden sein (Beispiel einer totalen Amnesie bei einer Hirnverpflanzung). Die Kritik Agich/Jones lautet: Hier wird nicht gezeigt, daß mit dem Hirntod das Individuum totist. GreenlWikler nähern sich dem Begriff des Hirntodes — wie Agich/Jones meinen, unnötigerweise — über den der personalen Identität u. a. deshalb, um einer Vermischung mit biologischen und moralischen Argumenten vorzubeugen. Aus ihren Ansichten über das Hirn könne man den Schluß ziehen, daß der Tod des Hirns für den Tod des Individuums irrelevant ist.Google Scholar
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    Angstwurm, Hans/Birnbacher, Dieter/Eigler, Friedrich Wilhelm/Wuermeling, Hans-Bernhard: Der vollständige und endgültige Ausfall der Hirntätigkeit als Todeszeichen des Menschen — Anthropologischer Hintergrund. In: Deutsches Ärzteblatt 90 (1993), 2926–2929.Google Scholar
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    Jonas, Hans: Against the Stream. Comments on the Definition and Redefmition of Death. In: Ders., Philosophical Essays. From Ancient Creed to Technological Man. Chicago, London 1980 (11974) 132–140. Jonas Kommentar richtet sich gegen die zweckorientierte Hirntoddefinition des Harvard Kommites als “irreversibles Koma”, und zwar speziell wegen der Implikation dieser Definition (Ermöglichung von Organtransplantationen). Gegen Anwürfe von seiten der Mediziner, Jonas verwechsle den Tod eines Organismus als eines Ganzen mit dem Tod des ganzen Organismus und argumentiere ungenau, problematisiert J. das Kriterium der Spontaneität. Da es vorkommen kann, daß bestimmte Funktionen (z.B. Atmung, Herztätigkeit) nicht spontan erfolgen und “spontane” Hirnfunktion nur auf der Basis der nicht-spontan ablaufenden Körperfunktionen möglich ist, greift dieses Kriterium nicht. Bei Vorliegen des Hirntods nach Maßgabe des Harvard Kriteriums (d. h. ein intakter Organismus minus Gehirn wird zum Gegenstand der Frage) will Jonas insbesondere problematisieren, ob ein solcher Patient wirklich tot ist und wie mit ihm verfahren werden soll. Grundlage für eine Entscheidung liefert eine anthropologische Konzeption, nicht die Definition des Todeseintritts. — Abschließend problematisiert Jonas die anthropologische Voraussetzung der Hirntoddefinition, die er als eine Abschattung des Leib-Seele Dualismus kritisiert. Setzt man dagegen eine alternative, ganzheitliche Anthropologie, nämlich die Betonung der Identität der Person als einer Ganzheit von Leib und Seele, so existiert im Körper des komatösen Patienten Jonas’ Ansicht nach die Person fort.Google Scholar
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    Shewmon, Alan: The Metaphysics of Brain Death, Persistent Vegetative State, and Dementia. In: Thomist 49 (1985), 24–80. Die Argumentation der gegenwärtigen Hirntod-Debatte soll mit den metaphysischen Prinzipien von Aristoteles und Thomas von Aquin kontrastiert werden. — Verschiedene Hirntod-Auffassungen und Kritiken (wie die Gleichsetzung von Denkfähigkeit und Leben; Instrumentalisierung des Todes; Diagnoseunzuverlässigkeit) werden vorgestellt. Varelas Begriff lebender als autopoietischer Systeme wird mit dem HylemorphismusKonzept kontrastiert, gefolgt von Ausführungen zur Organisationsform höherer Organismen nach Aristoteles und Thomas. Shewmon warnt davor, substantielle Veränderungen der Materie nach Art emergierender mentaler Bilder der Form zu interpretieren. Es gibt je nach Materiegebundenheit unterschiedliche animae. Der Tod eines Organismus ist als substantielle Änderung auf vegetativer Ebene zu verstehen. Eine Person (Substanz) vereinigt in sich Substanzen niederer Ordnung (vegetative), die durch die Mittel der modernen Medizin verselbständigt werden können (Transplantation). Daran schließt sich die zentrale Frage, wieviel Zellgewebe des menschlichen Körpers Garant für die menschliche Identität ist. Shewmon betont, daß mit der irreversiblen Schädigung der für Intellekt und Willen relevanten Hirnpartien, unabhängig von der Intaktheit des restlichen Körpers, menschliches Leben aufhöre. — Vgl. die ablehnende Kritik in Barry (1987) und Shewmons Antwort darauf (1987)Google Scholar
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    Smith, Philip: Brain Death: A Thomistic Appraisal. In: Angelicum 67 (1990), 3–35.Google Scholar
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1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.2 Verstehbarkeit von Sterben und Tod (des eigenen, der anderen)

  1. 64.
    Apel, Karl-Otto: Ist der Tod eine Bedingung der Möglichkeit von Bedeutung? (Existentialismus, Platonismus oder transzendentale Sprachpragmatik), in: Mittelstraß, J./Riedel, M.: Vernünftiges Denken, Berlin/New York 1978, 407–419 (auch in Ebeling 1979). Der Verfasser fragt, ob der Tod eine Bedingung der Möglichkeit von sprachlich artikulierbarer Bedeutung sein kann. Dazu sei zunächst erforderlich, Heideggers ‘Endlichkeitshypothese’ des Seins zum Tode von einem möglichen Psychologismus-Verdikt zu befreien. Denn zum einen gibt es bei Heidegger die Struktur der Sorge, in der das Bewußtsein zu seinem Tod als zu seiner eigensten Möglichkeit vorlaufen und von dieser Möglichkeit her auf die Welt als verstehbare Situation zurückkommen kann. Es gibt die Möglichkeit, das Sein zum Tode als “quasi-transzendentale, sc. existenziale Bedingung der Möglichkeit des Seinsverständnisses im vorontologisch-alltäglichen und im ontologisch-philosophischen Sinn” zu verstehen. In einem zweiten Schritt geht es dem Verfasser darum, dieses bloß kontingente Faktum Tod mit Wort-Bedeutungen antithetisch zusammenzudenken, die allgemeine, außerzeitliche und intersubjektive Gültigkeit beanspruchen. Die “platonistische Lösung der Geltungsfrage” mit derjenigen Heideggers zu konfrontieren, sieht Apel mit Hinweis auf einen immer wieder gemachten “abstraktiven Fehlschluß” als notwendig an. Dieser besteht darin, einen möglichen Sinn und eine mögliche Wahrheit einer theoretischen Aussage unabhängig davon gelten zu lassen, ob sie ein Subjekt tatsächlich macht, bzw. ob es im weiteren Sinn eine pragmatische Dimension des Sprachgebrauchs gibt. So ergibt sich für Apel, daß Sprache letztlich nicht als unabhängig von der existenzialen Voraussetzung der menschlichen Endlichkeit gedacht werden kann.Google Scholar
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    Gadamer, Hans Georg: Die Unbegreiflichkeit des Todes. Philosophische Überlegungen zur Transzendenz des Lebens. In: Evang. Kommentare 7 (1974), 661–667. Im Ausbleiben einer Antwort auf die Frage nach dem Tod entsteht vorläufig der Eindruck, das Tatsächliche des Todes verdecken bzw. das “Nichtsein nicht denken zu wollen”. Zentrale These: die Freiheit des Denkens ist der wahre Grund dafür, daß der Tod eine notwendige Unbegreiflichkeit besitzt. Sie erwächst aus der methodischen Aporie des gegenseitigen Ausschlusses von Denken und faktischem Tod. “Es gehört zur Denkerfahrung des Todes, daß sie stets hinter sich zurückbleibt, daß sie nur im Wegdenken von ihm, im Stehen in der eigenen Lebensgewißheit sozusagen eine Spur von ihm erfaßt. “ Es ist ein ‘Triumph des Lebens’, daß das Leben unter der Bedingung der Unbegreiflichkeit noch die Möglichkeit dieses Wissens erhält. Die Transzendenz des Lebens fungiert zugleich als anthropologisches Distinktionsmerkmal des Menschen, das er allem anderen Lebendigen voraus hat.Google Scholar
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    Janke, Wolfgang: Leben und Tod in Fichtes »Lebenslehre« In: Philosophisches Jahrbuch 74 (1966/67), 78–98. “Tod ist gemeinhin Nichtsein, Leben ist Sein; Sterben ist ein Zustand zwischen beiden Modi. “ Sterben ist nicht der Übergang in Nichtsein, sondern in einen anderen Modus von Sein. Vielleicht ist Tod ein Sein im Modus von Bewußtlosigkeit. Vielleicht ist aber dieses Leben (das Leben der Reflexion) auch nur ein Übergangsstadium in einen Zustand höherer Bewußtheit? “Sein” hat eigentlich nur das Absolute (Gott). Wahres Sein ist absolutes Leben: Wie kann dann das endliche “Sein” bestehen? Vielleicht ist das Endliche Erscheinung des Absoluten (Da-sein), wobei die Äußerung dieses in Erscheinung tretenden Seins Wissen ist. Also ist Bewußtsein die einzig mögliche Gestalt des Da-seins. Außerdem ist Wissen schlechthin das Prinzip der Freiheit. Also gehören Bewußtheit (Reflexion) und Freiheit zum Dasein, zum In-Erscheinung-tretenden Absoluten. Wenn zum Dasein Bewußtheit und Freiheit gehört, “wie und wodurch kann dann der Tod sein, scheinen und erscheinen?” Sein kann nicht von selbst in ein Werden (Sterben) übergehen. Was sich ändert, ist das Wissen und Sagen über das Sein. Tod ist Nicht-Wissen vom Leben. Sein ist vom Wissen ertötetes Leben.Google Scholar
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    Janké1évitch, Vladimir: La mort. Paris 1977. Jankélévitsch setzt sich mit verschiedenen Thematisierungsmöglichkeiten des Todes auseinander, unter anderem mit der metaphorischen Konzeption des Todes als einer fließenden Reihe kleiner Tode, infinitesimal winziger Schritte der Auflösung. — Schwerpunkte: Phänomenologische Charakteristik des Todes, die den Tod als eine zwar sichere, aber im Letzten nicht thematisierbare Erfahrung darstellt. — Charakteristik des Todesaugenblicks, der auf verschiedene Weisen erfahren und thematisiert werden kann. — Möglichkeit der Überschreitung der Todeserfahrung, damit der Erfahrung der Absurdität und des Nihilismus, wobei insbesondere eine Auseinandersetzung mit der dualistischen Anthropologie angezeigt ist. — Anknüpfungspunkte für eine Thematisierung der Unsterblichkeitshoffnung aus der untrennbaren Verknüpfung von Sterblichkeit und Ewigkeitserfahrung etwa in der Wahrheitserfahrung, der Freiheitserfahrung, der Erfahrung der Liebe.Google Scholar
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    Kamlah, Wilhelm: Meditatio Mortis. Stuttgart 1977. Der Tod als Widerfahrnis kann im Gegensatz zu den menschlichen Handlungen nicht eigentlich verstanden, sondern nur hingenommen werden. Bereits das Leben ist durch gute und schlimme, in jedem Fall unverständliche Widerfahrnisse geprägt, die im negativen Fall den Entzug von Möglichkeiten bedeuten. Der Verfasser versteht daher unter der ars vitae in erster Linie das Loslassen-können, d.h. das Hinnehmen solcher unabänderlicher Verluste bis hin zu der einwilligenden Hinnahme des eigenen Todes. -Kamlah fordert ein Recht auf den eigenen Tod: Ein generelles Verbot der Selbsttötung läßt sich im Gegensatz zum generellen Verbot der Tötung anderer Menschen nicht begründen. Vielmehr erscheint der Selbstmord in den wenigen Ausnahmefällen moralisch gerechtfertigt, in denen ein erfülltes,lltes, lebenswertes Leben für die Zukunft nicht mehr realisierbar ist. In diesen Fällen fordert Kamlah Hilfe durch die Mitmenschen (z.B. Ärzte), um das Recht auf einen menschenwürdigen Tod realisierbar zu machen.Google Scholar
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    Klein, Pierre Michel: Logique de la mort. Paris 1988. “Logisch” ist nur die Aussage “ich bin tot”, nicht “er/sie ist tot”. Diese ist so lange nicht wahr, als es auf irgendeine Weise möglich bleibt, an den Verstorbenen zu denken.Google Scholar
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    Reisinger, Friedrich: Der Tod im marxistischen Denken heute. Schaff — Kolakowski — Machovec — Prucha. München 1977.Google Scholar
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    Schulz, Walter: Zum Problem des Todes. In: Alexander Schwan (Hrsg.): Denken im Schatten des Nihilismus. Festschrift für Wilhelm Weischedel. Darmstadt 1975, 313–333 (auch in: Hans Ebeling (Hrsg.), Der Tod in der Moderne, Königstein/Ts 1979). Im Hinblick auf ein den Tod betreffendes ‘angemessenes Reden’ stellt Schulz die klassische Metaphysik, deren Argumetation sich vom Aspekt der Unsterblichkeit leiten läßt, der heutigen Einstellung zum natürlichen Tod gegenüber. Diese seine Ausführungen bestimmende Leitdifferenz der Einstellung zum Tod macht das gegenwärtige Denken unter der Annahme eines naturalisierten, egalisierten, entpersonalisierten und entindividualisierten Todes sichtbar. Wenngleich die durch Kant und die exakten Naturwissenschaften eingeleitete Aufhebung der metaphysischen Unsterblichkeitslehre die “Grundlage eines angemessenen Redens über den Tod darstellt”, so verdient die moderne Todesvorstellung gleichwohl keinen bevorzugten Rang unter den differenten Zugangsweisen. Vielmehr erwächst aus der vergleichenden Analyse die Frage nach einer dialektischen Vermittlung, die vorrangig darauf abzielt, den jeweils eigenen Tod und den der anderen gemeinsam denken zu können. Das tertium comparationis ist der Gedanke der Vergänglichkeit, unter der sich epochale Differenzen aufheben lassen könnten.Google Scholar
  13. 76.
    Theunissen, Michael: Die Gegenwart des Todes im Leben, in: ders., Negative Theologie der Zeit, Frankf. a. M. 1991, 197–217. Der Verfasser knüpft in wesentlichen Punkten an Überlegungen von W. Schulz an, denen die historische Unterscheidung von metaphysischen und nachmetaphysischen Todesbetrachtungen zugrunde liegt. Sein erklärtes Ziel ist es, “einen vollen Begriff des Todes wiederzugewinnen (...). Der Tod ist im Leben gegenwärtig, aber nicht darin auflösbar.” Es geht ihm darum, ein “Wahrheitsmoment der metaphysischen Todesauffassung” zurückzugewinnen, das zugleich die nachmetaphysische historisch überschreitet. Unter Verwendung eines Vokabulars der Trennung (“Scheidung”, “Abschied”, “Distanz”) versucht Theunissen eine Haltung zu reformulieren, die autoreferentiell ist und auf Dauer gezielt nachvollzogen werden kann, d. i. als Handlung, in die der Tod “zwar nicht aufgeht, die aber in ihn eingeht”. Das Einüben des Abschieds führt zu verantwortlichem praktischen Leben: “Menschlich leben wir dann und nur dann, wenn wir abschiedlich leben, und das heißt: wenn wir uns ständig von der Welt und von uns selbst abscheiden”.Google Scholar
  14. 77.
    Tilliette, Xavier: Mourir, survivre? In: Etudes 363 (1985), 91–104.Google Scholar
  15. 78.
    Troisfontaines, C.: Yatil une expérience de la mort? In: La Foi et le Temps 9 (1979), 504–514. Troisfontaines fragt nach der Möglichkeit einer Todeserfahrung im Ausgang von der Angst vor dem Tod. Kritischer Verweis auf die Konzeption der Stoiker von der Unerfahrbarkeit des Todes und damit von der Unmöglichkeit, ihn als gut oder schlecht zu werten. Die epikureische Konzeption einer Beschränkung der Erfahrungsmöglichkeit auf das Leben wird zurückgewiesen. Hegels Position der Todeserfahrung als Grenze bzw. Negation wird als Integration der stoischen und epikureischen Thematisierung dargestellt. Dieser unzureichenden Thematisierung der Todeserfahrung als Grenzüberschreitung des Endlichen wird auch Descartes zugerechnet. — Das Problem dieser Thematisierung liegt darin, daß der Tod nicht als definitiv anerkannt wird. Das Bewußtsein, sterben zu müssen, kann unterdrückt werden sowohl durch die menschliche Selbsterfahrung als eines vollkommenen Wesens als auch durch die Identifikation mit der eigenen Imperfektheit und Endlichkeit. Hinzu kommt der Cartesische Dualismus, der den Tod als einen Tod der Maschine, nicht als einen Tod des Menschen erscheinen läßt. Eine zureichende Thematisierung der Todeserfahrung findet sich daher lediglich in der Erfahrung der Geistes. In der Beschränkung des Geistes auf eine strikte Endlichkeit wird der Tod zur unüberspringbaren Grenze des Lebens, die Welt zum Zusammenhang der Absurdität. Die philosophisch ebenso gültige Erfahrung der Unendlichkeit des Geistes eröffnet allerdings eine Möglichkeit des Mysteriums, das die Philosophie andenken, aber nicht auflösen kann.Google Scholar
  16. 79.
    Vergote, Antoine: La mort. Phänomène naturel, adversit6 impensable et nouvelle naissance. In: Archivio di Filosofia (1981), 49–61.Google Scholar
  17. 80.
    Walton, Douglas N.: On Logic and Methodology in the Study of Death. In: Ethics in Science and Medicine (Oxford) 3 (1976), 135–147.Google Scholar
  18. 81.
    Weizsäcker, C.F. von: Der Tod. In: Ansgar Paus (Hg.), Grenzerfahrung Tod. Frankfurt a.M. 1978, 319–338. Der Tod ist für den Verfasser ein Phänomen des Wandels. Drei Fragen gilt es zu klären: 1. Woher kommt der Tod? 2. Was bedeutet der Tod? 3. Wohin geht der Tod? Die wissenschaftlich aufgeklärte Thematisierung des Todes erfindet eigentlich erst den Tod. Diese im ersten Teil angesprochene Genesis des Todes bringt die Darstellung in den Zusammenhang von Naturphilosophie, Kosmologie und Evolution. Der Tod fungiert als Modell einer progressiven “Überschreitung”, das sich sowohl auf die kulturelle, soziale und politische Geschichte der Menschheit als auch auf die biographische Entwicklung des menschlichen Individuums bis hin zu Erfahrungen im politischen Herrschaftsgeschehen übertragen läßt. Auch gilt es, nicht nur den finalen Tod in seiner Negativität in den Blick zu nehmen, sondern diesem vorausgehende, partielle Tode zugleich als probate Reifung im Entwicklungsprozeß zu begreifen.Google Scholar
  19. 82.
    Wiplinger, Fridolin: Der personal verstandene Tod. Todeserfahrung als Selbsterfahrung. Freiburg i. Br. 31985. Wiplinger fordert, die philosophische Auseinandersetzung mit dem Tod (und von da aus alle Philosophie) auf eine Phänomenologie des Todes zu gründen. Dazu bedarf es zunächst der Möglichkeit einer ursprünglichen Todeserfahrung. Als Phänomene des Todes versteht Wiplinger alle Erfahrungen von Nichtigkeit, Verlust und Trennung innerhalb des Lebens. Ursprünglichen Zugang zum Phänomen des Todes jedoch haben wir allein im Tod des geliebten Menschen (Kritik an Heideggers Eingrenzung des Seins zum Tode auf je meinen Tod). Das (von Heidegger übersehene) eigentliche Mitsein der personalen, dialogischen Liebe, läßt im Tod des anderen den Tod ursprünglich in der Weise erfahren, daß er zugleich seinserschließende Todes- und Selbsterfahrung ist. Die Analyse führt zur Frage, “ob ich den Tod des von mir geliebten Menschen zum Widersinn unserer Liebe und damit allen Seins überhaupt werden oder von ihr selbst mich noch zur Hoffnung über ihn hinaustragen lager bezieht sich in seinetseins und des Todes des anderen neben Heidegger auch auf Augustinus und G. Marcel.Google Scholar

1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.2 Verstehbarkeit von Sterben und Tod (des eigenen, der anderen) 1.2.1 Tod und Negativität

  1. 83.
    Beauvoir, Simone de: Alle Menschen sind sterblich. Reinbek 1970.Google Scholar
  2. 84.
    Brunkhorst-Hasenclever, Annegrit: Die Transformierung der theologischen Deutung des Todes bei G.F.W. Hegel. Frankfurt a.M./Bern 1976.Google Scholar
  3. 85.
    Chanter, Tina: The Question of Death. The Time of the I and the Time of the Other. In: Irish Philosophical Journal 4 (1987), 94–119.Google Scholar
  4. 86.
    Chanteur, Janine: La mort de l’autre. In: Archivio di Filosofia (1981), 205–212.Google Scholar
  5. 87.
    Desrousseaux, L.e meurt pas seul. Paris 1980.Google Scholar
  6. 88.
    Druet, Pierre-Philyppe: Interrogations sur la mort. In: La Foi et le Temps 9 (1979), 486–503.Google Scholar

1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.3 Sinngebungen 1.3.1 Tod als Grenzerfahrung

  1. 89.
    Battegay, Raymond: Grenzsituationen. Bern 1981.Google Scholar
  2. 90.
    Biser, Eugen: Dasein auf Abruf: Der Tod als Schicksal, Versuchung und Aufgabe. Düsseldorf 1981. Biser geht von einem Heideggerschen Standpunkt aus und analysiert das Problem des Todes in verschiedenen Lebenssituationen, die durch Beispiele aus der Dichtung belegt werden. Heideggers Konzeption deutet Biser im Sinne einer existentiellen Auseinandersetzung mit dem Tod um. Dadurch wird ein Übergang von der philosophischen Thematisierung der Todesproblematik zur theologischen möglich.Google Scholar
  3. 91.
    Breton, Stanislas: Le memento mori de la foi et le cogito de la mort. In: Archivio di Filosofa (1981), 33–44.Google Scholar
  4. 92.
    Camus, Albert: Der Mensch in der Revolte. Hamburg 1969.Google Scholar
  5. 93.
    Camus, Albert: Der Mythos von Sisyphos. Ein Versuch über das Absurde. Hamburg 1960. Der Selbstmord wird abgelehnt, da er die Absurdität des Daseins, d.h. die als fremd und unvernünftig erfahrene Außenwelt im Gegensatz zum eigenen Bewußtsein, nicht aufhebt. Camus sieht im Tod lediglich das Ende dieser Differenz zwischen Innen- und Außenwelt, das nicht anzustreben ist, da er die Aufrechterhaltung der Differenz zum Sinn des Lebens innerhalb der Grenzen unserer endlichen Vernunft erhebt.Google Scholar
  6. 94.
    Lotz, Johannes B.: Tod als Vollendung. Von der Kunst und Gnade des Sterbens. Frankfurt a.M. 1976.Google Scholar
  7. 95.
    Luyten, Norbert A.: Todesverständnis und Menschenverständnis. Zum Todesverständnis von K. Rahner und L. Boros. In: Luyten, Norbert A. (Hg.): Tod — Ende oder Vollendung? Freiburg, München 1980, 161–189.Google Scholar
  8. 96.
    Morin, Edgar: Das Rätsel agen einer neuen A 1974, 299–327.Google Scholar
  9. 97.
    Paus, Ansgar (Hg.): Grenzerfahrung Tod. Graz, Wien, Köln 1976.Google Scholar

1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.3 Sinngebungen 1.3.2 Tod als Existential

  1. 98.
    Bollnow, Otto Friedrich: Existenzphilosophie. Stuttgart 1978, S. 75–103.Google Scholar
  2. 99.
    Borne, E.: La mort dans l’existence humaine (réflexion philophique). In: Dictionaire de Spiritualité Ascétique et Mystique. Vol. X, fasc. 70–71 (1980), 1758–69.Google Scholar
  3. 100.
    Cottier, Georges: Die Todesproblematik bei einigen Existenzialphilosophen. In: Luyten, Norbert A. (Hg.): Tod — Ende oder Vollendung? Freiburg, München 1980, 111–159. Cottier geht aus von Platons These aus dem Phaidon, daß “der Tod die Vollendung eines Reinigungsprozesses des Denkens” ist. Nach Platon gründet die Angst vor dem Tod in Unkenntnis. Pascal wird angeführt als Kritiker der epikureischen Auffassung von der Bedeutungslosigkeit des Todes. Die Existenzphilosophie charakterisiert Cottier als Philosophie an der Schwelle zur Metaphysik. Bei Jaspers ist der Tod “Grenzsituation”, und der Sprung vom objektivierbaren “Dasein” zur “Existenz” nur durch Grenzsituationen möglich. Das Jenseits ist bei Jaspers als Transzendenz kein Gegenstand des Wissens. Die Öffnung zur Transzendenz in einer Grenzsituation kann “Erhellung” als Erfahrung bewirken, sei aber zugleich notwendig eine Erfahrung des Scheiterns. Bei Sartre ist der Tod als Ende ambivalent. Als Beendigung des Lebensprozesses stellt er sich als Lebenssinn, jemeinig, menschlich dar. Andererseits unterstreicht Sartre die Absurdidät des Todes”. — Cottier kritisiert an den Existenzialisten generell, daß sie aus der Erfahrung bzw. dem Pathos der Verzweiflung, aus dem heraus sie denken, nicht zum Wissen gelangen. Sie führen nur an das “Geheimnis des Todes” heran.Google Scholar
  4. 101.
    Demske, James M.: Sein, Mensch und Tod. Das Todesproblem bei Martin Heidegger. Freiburg i . Brsg . /München 1963.Google Scholar
  5. 102.
    Ebeling, Hans (Hg.): Der Tod in der Moderne. Königstein 1979. Chronologisch angeordnete Textsammlung zur philosophischen Thanatologie seit Heidegger. Ebeling kennzeichnet in der Einleitung die Geschichte der modernen philosophischen Thanatologie durch eine Wende (“Inversion”), die durch Heideggers Analyse des Todes in “Sein und Zeit” eingetreten ist: Mit Heidegger ist die Hoffnung auf Unsterblichkeit preisgegeben und mit den Mitteln der Philosophie nicht mehr zu restaurieren. — “Der Tod, der als das Ende bevorsteht und nicht mehr nur als ein Übergang, ist der neue Anfang der Philosophie geworden. “ Daraus resultiert auch ein neues Verhältnis zum Leben: Da es nicht mehr auf ein Jenseits ausgerichtet ist, gewinnt es ein neues Gewicht. Die alte philosophische Sorge um den Tod wird (wieder) zur Sorge für das Leben.Google Scholar
  6. 103.
    Ebeling, Hans: Freiheit — Gleichheit — Sterblichkeit. Philosophie nach Heidegger. Stuttgart 1982.Google Scholar
  7. 104.
    Edwards, Paul: Heidegger und der Tod. Eine kritische Würdigung. Darmstadt 1985.Google Scholar
  8. 105.
    Erickson, Stephen A.: Death and Continuance — Some Reflections on the Human Condition. In: Hetzler, Florence M./Kutscher, Austin, H. (Hrg.). Philosophical Aspects of Thanatology (Bd. 1). New York 1978. 65–76.Google Scholar
  9. 106.
    Gerlach, Hans Martin: Dasein als Sein zum Tode oder Tod als Grenzsituation. Identisches und Differentes in den Todesauffassungen von Heidegger und Jaspers. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 39 (1991), 1239–1252 . Der Verfasser untersucht in zwei gegeneinander abgehobenen Positionen, die sich an den Unsterblichkeitsgedanken und den Gedanken des Seins zum Tode anschließen, eine naturwissenschaftliche und insbesondere zwei Versionen der existenziellen Sicht. — Heidegger akzentuiert die Anführung einer rein diesseitig-phänomenologischen Seite des Todes, wenn er (in der Frühphase seines Denkens) den “Tod als die eigenste Daseinsform des Menschen bestimmt” . Der individuelle Tod gilt als das Absolute, der Tod des Anderen ist. Nach der Kehre vertritt Heidegger die mystische Auffassung vom Tod als “Gebirg des Seins”, der Tod ist nicht mehr nur “totale Absperrlinie” des Daseins. Für den frühen Jaspers gehört der Tod zu den existentiellen Grenzsituationen (an denen der Mensch scheitert) . Wichtig für ihn ist das Subjektive, die “erlebte Beziehung zum Tode”, nicht das allgemeine Todesverstehen. Auf Grenzsituationen wie den Tod reagiert der Mensch entweder mit Verdrängung oder Verzweiflung. Im Unterschied zu Heidegger vertritt Jaspers keine solipsistische Konzeption, sondern bezieht den Tod des Anderen in die Grenzsituation mit ein. Die existentielle Einsamkeit kann nach Jaspers immerhin durch Kommunikation aufgehoben werden. Gerlach wertet dies als Auflösung des “eminenten Kommunikationsdefizits” bei Heidegger. Jaspers wendet sich sowohl gegen einen romantischen Todeskult als auch gegen Verdrängung. Die Grenzsituation Tod weist zwar den Weg zur Transzendenz, aber nicht in die Heroisierung der Todesgefahr wie bei Heidegger.Google Scholar
  10. 107.
    Heidegger, Martin: Sein und Zeit. 16. Aufl. Tübingen 1986.Google Scholar
  11. 108.
    Kierkegaard, Sören: An einem Grabe. In: Gesammelte Werke. Hrsg. von E. Hirsch, H. Gerdes u.a. Bd. VIII. 13/14: Erbauliche Reden 1844/45. Düsseldorf 21964, 173–205. Erst im Gedanken an den jeweils eigenen Tod, im Sich-als-tot-denken, liegt der Ernst als Möglichkeit zur Selbsterkenntnis und Selbstgewinnung. Erst im Ernst wird der Tod als das unerklärliche Ende des Daseins, als Vorbei-sein des Lebens, als Ende jeder Möglichkeit des Wirkens begriffen. Der Tod ist mir gewiß, auch wenn er unbestimmt, d.h. sein Eintreten ungewiß ist. Da der Tod jederzeit möglich ist, wird das Jetzt erst wirklich bedeutsam, wird die Zeit wertvoll. So ist der Ernst letztlich ein Aufruf zum Handeln in der Gegenwart. Jeder Tag ist so zu leben, “als wäre er der letzte und zugleich der erste in einem langen Leben”.Google Scholar
  12. 109.
    Kierkegaard, Sören: Die Krankheit zum Tode. In: Gesammelte Werke. Hrsg von E. Hirsch, H. Gerdes u.a. Bd. XI. 24/25 Düsseldorf 21957.Google Scholar
  13. 110.
    Kroy, Moshe: Les paradoxes phénombologiques de la mort. In: Revue de Métaphysique et de Morale 87 (1982), 531–550.Google Scholar
  14. 111.
    Leman-Stefanovic, Ingrid: The Event of Death. A Phenomenological Inquiry. Dordrecht, Boston 1987.Google Scholar
  15. 112.
    Marcel, Gabriel: The Existentialist Background of Human Dignity. Cambridge, Harvard University Press, 1963.Google Scholar
  16. 113.
    Marten, Rainer: Der menschliche Tod: eine philosophische Revision. Paderborn, Wien, Zürich 1987 . Der Tod wird bestimmt (a) aus seiner Zusammengehörigkeit mit dem Leben: der Tod ist nicht Gegensatz, sondern Teil des Lebens (Kritik am überlieferten Seinsbegriff), und (b) aus der Zusammengehörigkeit des eigenen Todes mit dem Tod der Anderen: der Tod trifft nicht den Einzelnen, sondern ist Abschied (Kritik am überlieferten Subjektsbegriff). Der Tod kann mit dem Leben, zu dem er gehört, gelingen oder mißlingen.Google Scholar
  17. 114.
    Metzger, Arnold: Freiheit und Tod. Freiburg i. Brsg. 1972. Sterben heißt, aus der lebendigen Ganzheit des Seins ins rein Organische, ins Materielle abzusinken. Was im Sterben vergeht, ist die materielle Zeitgestalt des Menschen. Der Tod ist nicht anschaulich gegeben und kann nicht Erkenntnisgegenstand sein. Der Tod ist außerhalb der Zeitlichkeit. Nach Heidegger erfährt man am Tod “die Hingehaltenheit des Daseins in das Nichts” . Bei Heidegger (und Kierkegaard) gibt es keinen metaphysisch-religiösen Trost mehr, das Nichts ist nur noch Quelle der Angst des “schutzlos gewordenen” (weil nicht mehr religiösen) Daseins. Für Heidegger gehört der Tod zum Dasein, weil das Dasein ein Sein ist, das um das drohende Ende weiß und sich durch Erinnern gegen den Fluß der Zeit wehrt. Menschliche Freiheit ist Gestalten der Zeit durch das Schaffen von Erinnerungen. Im endlichen Dasein stehen daher Leben und Tod in einem engen Bezug: Das antizipatorische Wissen vom Sterben konstituiert menschliche Zeitlichkeit als ein Zulaufen auf den Tod. Erst am Ende konstituiert sich das menschliche Leben als Einheit, nicht als Kette einzelner Ereignisse, sondern als kontinuierlicher, ganzheitlicher Erlebnisstrom. — Metzger verknüpft diese Konzeption mit einer religiösen Dimension, ebenso die Frage nach der Todesvergessenheit, die er analog zur Heideggerschen Seinsvergessenheit als ein Mißverhältnis zur eigenen Geschichtlichkeit, zur Tradition bestimmt.Google Scholar
  18. 115.
    Sternberger, Dolf: Der verstandene Tod. Eine Untersuchung zu Martin Heideggers Existenzial-Ontologie. In: Schriften I, Frankfurt a.M. 1977.Google Scholar
  19. 116.
    Theunissen, M.: Der Begriff Ernst bei Sören Kierkegaard. Freiburg 1958Google Scholar
  20. 117.
    Thomas, V.C.: Death and the Meaning of Human Existence. A Phenomenological-Existentialist Inquiry. In: Indian Philosophical Quarterly 16 (1989), 213–223. Die Frage, ob der Tod den Sinn/die Sinnhaftigkeit des Lebens negiert, wird in Kritik an Sartre und Heidegger erörtert. Sartres These, daß der Tod menschliche Existenz zur Sinnlosigkeit verdammt, wird als Überstrapazierung der phänomenologischen Analyse zu ontologischen Statements kritisiert und abgelehnt. In Heideggers Analyse des “Seins zum Tode” wird der Tod dagegen nicht als Endpunkt betrachtet, sondern als Index der Zeitlichkeit des Daseins. Der Tod ermöglicht so einen Sinn des Daseins.Google Scholar
  21. 118.
    Yourgrau, Palle: The Dead. In: The Journal of Philosophy 84 (1987), 84–101.Google Scholar

1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.3 Sinngebungen 1.3.3 Tod als Übel (sog. Epikur-Debatte)

  1. 119.
    Baum Levenbook, Barbara: Harming Someone after His Death. In: Ethics 94 (1984), 407–419.Google Scholar
  2. 120.
    Bigelow, John/Campbell, John/Pargetter, Robert: Death and Well-Being. In: Pacific Philosophical Quarterly 71 (1990), 119–140.Google Scholar
  3. 121.
    Brueckner, Anthony L. /Fischer, John Martin: Why is Death Bad? In: Philosophical Studies 50 (1986), 213–21.Google Scholar
  4. 122.
    Feinberg, Joel: Harm and Self-Interest. In: Law, Morality and Society: Essays in Honour of H.A.L. Hart. Ed. by P.M.S. Hacker and J. Hax. New York: Oxford University Press 1979, 285–308. Wie Nagel und Williams vertritt Feinberg die These, der Tod könne als Übel angesehen werden (gegen Epikur und Lukrez), weil der Mensch ein Unglück erleiden kann, auch wenn er nicht weiß, daß er ein Unglück erleidet.Google Scholar
  5. 123.
    Feldman, Fred: F.M. Kamm and Mirror of Time. In: Pacific Philosophical Quarterly 71 (1990), 23–27 (vgl. F.M. Kamm, Why is Death Bad and Worse than Pre-natal Non-Existence?) . Der Artikel ist eine direkte Entgegnung auf Kamms Tod-als-Verlust-Argumentation (Kamm 1988). Mit Lukrez und Epikur argumentiert der Verfasser im Sinne der “Spiegel-Theorie”, die im Kern besagt, daß vorgeburtliche Nicht-Existenz und Tod zeitlich parallele Zustände sind und daß aus dem Umstand, daß ersteres nicht als Übel auftritt, letzteres dies auch nicht sein kann.Google Scholar
  6. 124.
    Feldman, Fred: Some Puzzles About the Evil of Death. In: The Philosophical Review 100 (1991), 205–227. Kritik am Epikureischen Argument. Die Konklusion, daß der Tod für den Sterbenden selbst kein Übel sein kann, ist sophistisch. Feldman neigt dem populärsten Anti-Epikureischen Standpunkt zu: “Death is bad for a person primarily, because it deprives him of certain goods — the goods he would have enjoyed if he had not died. “ Der Lösungsvorschlag des Verfassers ist ein “axiologischer Standpunkt”, ein Vergleich mit Lebensschancen in der realen und einer dieser realen Welt möglichst nahe kommenden “gedachten Welt” . “Glück” (“hedonic value”) ist der personenbezogene Index des Überwiegens positiver Erfahrung (errechnet durch Substraktion negativer Erfahrungen) . Den Bezugspunkt der Evaluation gibt eine “mögliche Welt” ab, d. i. die Unterstellung einer berechenbaren Anhebung der “Wohlfahrt” (welfare) durch Weiterleben, die in Bezug gesetzt wird zur realen Welt. In diesem Beurteilungsschema ist der Tod ein Übel, weil er extrinsisch beurteilt werden, wenn auch nicht intrinsisch realisiert, d.h. erfahren werden kann.Google Scholar
  7. 125.
    Glamon, Walter. Temporal Asymmetry, Life and Death. In: American Philosophical Quaterly 31, 1994, 235–244..Google Scholar
  8. 126.
    Grover, Dorothy L.: Death and Life. In: Canadian Journal of Philosophy 17 (1987), 711–32. Grover diskutiert die These, ob der Tod als Übel erfahren werden kann, als eine Verletzung, die von einer Person erfahren wird, unter der Perspektive, daß die Stellungnahme der entsprechenden Person dem Leben gegenüber eine Erklärung für das Problem des Todes als Übel gibt. Der Tod kann sozusagen vorauswirkend die Aristotelische Konzeption des Glücks, nämlich ein Leben in Aktivität zu verbringen, die man nicht nur für sinnvoll hält, sondern die sinnvoll sind, infragestellen. Individuell kann der Tod nur als potentielle Beeinträchtigung eines Lebensentwurfs erfahren werden, niemals als aktuelle. Insofern ist die Erfahrung des Todes als Übel oder Unglück nur bedingt, da nicht entscheidbar ist, welche Möglichkeiten ein Weiterleben beinhaltet.Google Scholar
  9. 127.
    Kamm, F.M.: Why is Death Bad and Worse than Pre-natal Non-Existence? In: Pacific Philosophical Quarterly 69 (1988), 161–164 . Vgl. Feldnran 1990.Google Scholar
  10. 128.
    Levine, Michael P.: What Does Death Have to do With the Meaning of Life? In: Religious Studies 23 (1987), 457–65.Google Scholar
  11. 129.
    McMahan, Jeff: The Evil of Death. In: Ethics. 99 (1988), 32–61.Google Scholar
  12. 130.
    Nagel, Thomas: Death. In: Mortal Questions. Cambridge: Cambridge University Press 1979, 1–10 (zuerst in: Nous 4 (1970), 73–80) . Deutsch: Tod. In: Über das Leben, die Seele und den Tod. Übers. von Karl-Ernst Prantel u. Ralf Stoecker. Königstein/Ts 1984, 15–24. Nagel entwickelt eine These von der Erfahrbarkeit des Todes als Übel über die quantifizierbare Erhebung des “Wohlergehens” (well-being) bzw. des durch den Tod abgeschnittenen Wohlergehens. Seine These ist, daß jedwedes Anwachsen oder Vermindern eines zeitlichen Wohlergehens (temporal well-being) in Korrespondenz ein Wachsen oder Abnehmen eines globalen Wohlergehens bedeutet. Globales Wohlergehen (global well-being) setzt sich allein aus der Summe des zeitlichen Wohlergehens für eine Person zusammen. Auf diese Weise wird es möglich, über eine Quantifizierung des Wohlergehens eine Bestimmung der Todeserfahrung zu gewinnen. Der Tod erscheint als Übel, weil er den Menschen von Lebensentwürfen, damit von Möglichkeiten des Wohlergehens, abschneidet.Google Scholar
  13. 131.
    Perrett, Roy: Death and Immortality. Dordrecht 1987. Zur These: Tod erscheint als Übel, weil als Deprivation von Gütern, die dem Lebenden hätten zukommen können.Google Scholar
  14. 132.
    Rosenbaum, Stephen: How to be Dead and Not Care: A Defense of Epicurus. In: American Philosophical Quarterly 23 (1986), 217–229. Rosenbaum vertritt das Epikureische Argument: “A State of affairs is bad for a person P only if P can experience it at some time”.Google Scholar
  15. 133.
    Rosenberg, Jay F.: Thinking Clearly About Death. Englewood Cliffs (N.J.) 1983.Google Scholar
  16. 134.
    Silverstein, Harry: The Evil of Death. In: The Journal of Philosophy 77 (1980), 401–421. Zur These: Tod als Übel, weil Deprivation von Gütern, die dem Lebenden hätten zukommen können (siehe u. a. Perrett). Silverstein setzt dagegen, daß es keinen Vergleichsansatz potentieller und realer Güter gibt. Deshalb läuft diese Modifikation letztlich wieder auf das Epikureische Argument hinaus.Google Scholar
  17. 135.
    Summer, L.S.: A Matter of Life and Death. In: Nous 10 (1976), 145–171.Google Scholar
  18. 136.
    Walton, Douglas: On Defining Death. Montreal. Quebec: Mc Gill-Queen’s University Press 1979.Google Scholar
  19. 137.
    Weiler, Gershon: Tractatus 6.4311 or Wittgenstein on Death. In: Wittgenstein und sein Einfluß auf die gegenwärtige Philosophie. Akten des zweiten internationalen Wittgenstein Symposiums 1977. Wien 1978, 502–504.Google Scholar

1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.3 Sinngebungen 1.3.4 Tod und Unsterblichkeit

  1. 138.
    Allgeier, Kurt: Das Ende der Unsterblichkeit. München 1984.Google Scholar
  2. 139.
    Badham, Paul/Badham, Linda: Immortality or Extinction? London 1982.Google Scholar
  3. 140.
    Baumgartner, Hans Michael: Die Unzerstörbarkeit der Seele. Platons Argumente wider den endgültigen Tod des Menschen im Dialog Phaidon’ . In: Luyten, Norbert A. (Hg.): Tod — Ende oder Vollendung? Freiburg, München 1980, 67–100. Philosophie fragt anders als die Einzelwissenschaften nach der “Innenseite des Todesphänomens” ; die Frage bedeutet daher eine Antizipation des Todes. Baumgartner versucht, die Aktualität der Argumente für die Unsterblichkeit der Seele, die Platon im Dialog `Phaidon’ vorgetragen hat, zu erweisen. Da Platons Philosophie auf Ideen gerichtet ist, ist sie zugleich todesbezogen. Nach der Ideenlehre kann aber der Tod kein Teil des Lebens sein, denn die Seele muß nach dem Prinzip einer Erkenntnis von Gleichem durch Gleiches von derselben Seinsart sein wie die Ideen: ewig, einfach und unveränderlich. In Platonischer Sicht ist daher der Tod als Selbstbefreiung des Geistes aus der Sinnlichkeit das Ziel der Philosophie. — Anschließend stellt Baumgartner die Probleme dieser Konzeption heraus, nämlich 1) die Uneinheitlichkeit der Seelenbegriffe, 2) die Nicht-Begrün-Jterven una T oa in aer rnuosopnie 323 detheit einer individuellen Fortexistenz der Seele und 3) die Zuordnung des Todes zum Kreislauf der Seelenwanderung. Platon liefert daher letzlich keinen Beweis für die Unsterblichkeit der Seele. — Gegen diesen Ansatz entwickelt Baumgartner aus dem Hoffnungscharakter der Vernunft selbst Argumente für die Vernünftigkeit eines Glaubens an die Unsterblichkeit.Google Scholar
  4. 141.
    Beck, Heinrich: Fortleben nach dem Tod — Reinkarnation — Auferstehung? Philosophische Analysen und Erwägungen. (Referate der Tagung über “Weg des Menschen — Weg der Menschheit — Von den Ersten und Letzten Dingen”) Überarb. Fassung. Pittenhart 1989.Google Scholar
  5. 142.
    Chabanis, Christian: La mort, un terme ou un commencement? (Entretiens avec Maurice Marois — Juliän Marias — Emmanuel Levinas — Francis Jeanson). Paris 1982.Google Scholar
  6. 143.
    Charon, Jean E.: Tod, wo ist dein Stachel? Die Unsterblichkeit des Bewußtseins. Übers. von G. Barnert. Frankfurt a.M., Wien 1983.Google Scholar
  7. 144.
    Lifton, Robert Jay: The Sense of Immortality. On Death and the Continuity of Life. In: Opitz, Peter J. (Hg.), The Philosophy of Order, Stuttgart 1981.Google Scholar
  8. 145.
    Luyten, Norbert A. (Hg.): Tod, Preis des Lebens? Freiburg i.Br. 1980.Google Scholar
  9. 146.
    Macho, Thomas: Fragen nach dem Ende von Unsterblichkeit. In: Uwe Arnold und Peter Heintel (Hrsg.): Zeit und Identität. Zur Erinnerung an Jakob Huber. Wien 1983 .Google Scholar
  10. 147.
    Marcel, Gabriel: Der Tod und die Hoffnung. In: Ders.: Geheimnis des Seins. Wien 1952.Google Scholar
  11. 148.
    Marcel, Gabriel: Gegenwart und Unsterblichkeit. Frankfurt a.M. 1961.Google Scholar
  12. 149.
    Marcel, Gabriel: Tod und Unsterblichkeit. In: Ders.: Auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Frankfurt a.M. 1964.Google Scholar
  13. 150.
    Marcel, Gabriel: Wert und Unsterblichkeit. In: Das ontologische Geheimnis. Stuttgart 1961.Google Scholar
  14. 151.
    Masset, Pierre: Immortalité de l’äme, résurrection des corps. Approches philosophiques. In: Nouvelle Revue Théologique 105 (1983), 321–344.Google Scholar
  15. 152.
    Perrett, Roy W.: Death and the Meaning of Life. In: Philosophy 60 (1985)Google Scholar
  16. 153.
    Pieper, Josef: Tod und Unsterblichkeit. 2. überarb. Aufl. München 1979.Google Scholar
  17. 154.
    Reichenbach, Bruce R.: Is Man the Phoenix? A Study of Immortality. Lanham (Md.), University Press of America, 1983.Google Scholar
  18. 155.
    Scheler, Max: Tod und Fortleben. In: Gesammelte Werke. Bd. 10: Schriften aus dem Nachlaß. Bd. 1. Bern 1957, 11–64. Schelers Analyse der Todesproblematik geht lebensgeschichtlich vor. Er geht aus von der Tatsache menschlicher Zeiterfahrung, insbesondere von dem Faktum, daß der Mensch im Alter eine fortschreitende Verengung seiner Zukunfsperspektive erfährt. Die Verengung des Spielraums des noch erlebbaren Lebens führt den Menschen vor die Unausweichlichkeit seines Todes. Die Erfahrung des Todes ist verbunden mit einer Erfahrung des Alterns, die als Einübung in die Todeserfahrung verstanden wird.Google Scholar
  19. 156.
    Scherer, Georg: Sinnerfahrung und Unsterblichkeit. Darmstadt 1985.Google Scholar
  20. 157.
    Seifen, Josef: Das Unsterblichkeitsproblem aus der Sicht der philosophischen Ethik und Anthropologie. In: Franziskanische Studien 59 (1977), 289–310.Google Scholar
  21. 158.
    Ströker, Elisabeth: Der Tod im Denken Max Schelers. In: Max Scheler im Gegenwartsgeschehen der Philosophie. Hrsg. von Paul Good. Bern/München 1975, 199–213. Scheler thematisiert nicht den Zustand des Tot-Seins nach dem Sterben, sondern die Frage, welche Bedeutung das Todesbewußtsein für das Leben hat. Dabei gehört es entscheidend zum Menschsein, daß der Mensch im Gegensatz zum Tier um den Tod weiß. Scheler entwirft erstmalig eine Erkenntnistheorie des Todes, in der er nach Herkunft und Art unserer Todesgewißheit fragt. Sie kann nicht allein aus der Erfahrung eines fremden Todes stammen, weil aus einer solchen Erfahrung nicht mit letzter Sicherheit die Gewißheit des eigenen Sterben-Müssens abzuleiten ist. Sie stammt vielmehr aus der ureigenen Erfahrung des Alterns. Sterben ist dadurch ein Akt des Lebens, der tatsächliche Tod nur die zufällige Realisierung des Todes, der in jedem Moment des Lebens bereits anwesend ist. — Das Wesen des Todes läßt sich nach Scheler durch den Hinweis bestimmen, daß der Mensch zwar weiß, daß er notwendig sterben muß, daß er aber keine zureichenden Gründe angeben kann, warum dieser persönliche Tod notwendig und sinnvoll ist. Die Frage nach dem Wesen des Todes ist damit eine sinnlose Frage.Google Scholar
  22. 159.
    Tilliette, Xavier: Mourir, survivre? In: Etudes 363 (1985), 91–104.Google Scholar
  23. 160.
    Whitehead, Alfred North: Unsterblichkeit. In: Ders.: Philosophie und Mathematik. Vorträge und Essays. Wien 1949.Google Scholar

1. Was sind Sterben und Tod? Probleme der Ontologie und der Metaphysik 1.4 Ontologischer Symbolismus

  1. 161.
    Alleau, René: Le symbolisme alchimique de la mort. In: Cahiers Internationaux de Symbolisme n. 37–38–39 (1979), 69–83.Google Scholar
  2. 162.
    Baudrillard, Jean: Der symbolische Tausch und der Tod. Aus. d. Franz. von Gerd Bergfleth u. a.: Baudrillard und die Todesrevolte von Gerd Bergfleth. München 1982.Google Scholar
  3. 163.
    Fromaget, Michel. La conjunction “mort-mère” . Une approche des con.ceptions maternelles de la mort. In: Revue des Sciences Religieuses 67 (1979), 183–208.Google Scholar
  4. 164.
    Morel, Bernard: Science et symbolique de la mort. In: Cahiers Internationaux de Symbolisme n. 37–38–39 (1979), 125–141.Google Scholar
  5. 165.
    Sublon, Roland: Le temps de la mort. Savoir, parole, d6sir. Strasbourg 1975, 45–205.Google Scholar
  6. 166.
    Ziegler, Jean: Die Lebenden und der Tod. Darmstadt/Neuwied 1977 (= Les vivants et la mort. Paris 1975).Google Scholar

2. Wer ist Subjekt von Sterben und Tod? Fragen der Anthropologie 2.1 Der Mensch als Geist- und Körperwesen

  1. 167.
    Agich, Georg J.: The Concepts of Death and Embodiment. In: Ethics in Science and Medicine (Oxford) 3 (1976), 95–105.Google Scholar
  2. 168.
    Calcaterra, Rosa Maria: Il pensiero della morte tra scientismo e nichilismo. In: Il Cannocchiale 1–2 (1987), 141–67.Google Scholar
  3. 169.
    Carter, W.R.: Death and Bodily Transfiguration. In: Mind 93 (1984), 412418. Frage nach der Fortexistenz eines Körpers nach dem Ableben seines Eigentümers bzw. nach dem Verhältnis von Körper und Leichnam. — Annahme einer diachronen Identität zwischen (belebtem) Körper und Leichnam; so kann eine Autopsie des Leichnams der Klärung des Todes der Person dienen, oder die Person kann zu Lebzeiten ihren Körper für den Todesfall der Anatomie vermachen. Den möglichen Einwand, solche Verfügungen richteten sich auf erst zukünftig existierende Objekte, lehnt Carter als unplausibel ab.Google Scholar
  4. 170.
    Honnefelder, L.: Das Verhältnis des Menschen zu Leben, Leiblichkeit, Krankheit und Tod. Elemente einer philosophischen Anthropologie. In: Honnefelder, L./Rager, G. (Hgg.), Ärztliches Urteilen und Handeln. Zur Grundlegung einer medizinischen Ethik. Frankfurt/M 1994, 104–134.Google Scholar
  5. 171.
    Kurthen, M.: Der Schmerz als medizinisches und philosophisches Problem. Anm. zur Spätphilosophie Ludwig Wittgensteins und zur Leib-SeeleFrage. Würzburg 1984.Google Scholar
  6. 172.
    Pohlenz, Gerd: Phänomenale Qualitäten, Erkenntnis und das philosophische Problem der Leib-Seele-Beziehung. In: Philosophisches Jahrbuch 97 (1990), 69–104.Google Scholar
  7. 173.
    Rosenberg, Jay F.: Bodies, Corpses, and Chunks of Matter. A reply to Carter. In: Mind 93 (1984), 419–22. Rosenberg entgegnet auf Carters Destruktionsversuch (vgl. Carter 1984), daß dessen Fragestellung fälschlicherweise die Existenz eines Objektes impliziert, über dessen diachrone Identität zu reden ist. Zur Richtigstellungführt R. fünf von ihm an anderer Stelle unterschiedene Bedeutungen des Körper-Begriffs an, deren erste (“Materieklumpen”) Carter zwar intendiert, aber verfehlt habe, da man in diesem Sinne nicht genitivisch von “N’s body” reden könne. — Rosenbergs Klarstellung der eigenen Position besagt, daß sich eine Person nach ihrem Tod in einen Leichnam verwandelt. Es besteht kein Identitäts-, sondern ein Kausalverhältnis zwischen dem lebenden und dem toten Körper. Deshalb kann die Person sich auch testamentarisch auf etwas noch nicht Existierendes beziehen. Gegen die Identifizierung von Person und Körper bzw. gegen die Konstituierung von Personen durch ihre Körper verwahrt sich der Verfasser und wirft Carter vor, die Kategorienzugehörigkeit der Termini zu verwechseln.Google Scholar
  8. 174.
    Schipperges, Heinrich/Pfeil, Hans: Der menschliche Leib aus medizinischer und philosophischer Sicht. Aschaffenburg 1984.Google Scholar
  9. 175.
    Sheets-Johnstone, Maxine: On the Conceptual Origin of Death. In: Philosophy and Phenomenological Research 47 (1986–1987), 31–58. Die Verfasserin geht in der Bestimmung des Todes von phänomenologischen und existentialistischen Unterscheidungen des Körper-Begriffs aus (Körper an sich vs. Körper als physikalisch-sinnliches Phänomen). Ihr geht es um eine epistemologische Klärung auf dem Wege einer entwicklungsgeschichtlichen Rekonstruktion der Genese der Vorstellung vom Tod beim steinzeitlichen Menschen. Anstelle einer Bestimmung der Rolle der Sprache für ein Wissen um den Tod favorisiert Sheets-Johnstone den Vergleich mit dem Verhalten (sprachloser) Tiere gegenüber toten Artgenossen. Nur Menschen gelangen durch Abstraktion zu einer objektiv-materiellen Weltsicht. Zur Konstatierung der Differenz lebendig/tot ist die Erinnerung unablässig, so daß die Lücke, die der Tod des Anderen hinterläßt, den Menschen qua Analogie auf die Spur des eigenen Todes führt. — Der Fokus des Aufsatzes gilt somit insbesondere der Anwendung von Husserls Begriff der “nicht-originären Erfahrung” auf die früh-hominide Todeserfahrung sowie einem Plädoyer für die Untermauerung der Heideggerschen Metaphysik mit Husserlscher Epistemologie.Google Scholar
  10. 176.
    Troisfontaines, Roger: La mort, une nouvelle naissance? In: La Foi et le Temps 9 (1979), 515–542.Google Scholar

2. Wer ist Subjekt von Sterben und Tod? Fragen der Anthropologie 2.2 Der Mensch als Einheit

  1. 177.
    Barry, Robert L.: Ethics and Brain Death. In: New Scholasticism. 61 (1987), 82–98 (vgl. A. Shewmon, The Metaphysics of Brain Death).Google Scholar
  2. 178.
    Fulton, Robert (Hrsg.): Death and Identity. New York/London/Sydney 1965.Google Scholar
  3. 179.
    Hare, Richard M.: Abtreibung und die Goldene Regel. In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 132–156 (= Abortion and the Golden Rule. In: Philosophy & Public Affairs 4.3 (1975), 201–222). Die Gründe für das Tötungsverbot leitet Hare nicht aus dem Personbegriff ab, sondern aus den sog. Goldene-Regel-Argumenten und dem Symmetriegebot: Man solle so an anderen handeln, “wie wir begrüßen, daß uns gegenüber gehandelt würde” . Anders als Tooley akzeptiert Hare keine Immunisierung der Abtreibungsgegnerschaft durch das Potentialitätsprinzip, weil darunter auch Alternativkinder fielen, deren Zeugung durch den aktuellen Fötus verhindert werde. So führt das aus dem Potentialitätsprinzip folgerbare Zeugungsgebot notgedrungen in Konflikte. Gegen den Einwand, daß potentielle Menschen nicht Gegenstand von Pflichten bzw. Träger von Rechten und Interessen sein können, führt Hare an, daß es erstens nicht angehen könne, mit der Nicht-Existenz des fraglichen Objekts die Falschheit des Handelns auszuräumen, und daß es zweitens “keinen prinzipiellen Einwand gegen das Verurteilen hypothetischer Handlungen zu geben” scheint. Vgl. Tooley (s. u.) und Thomson (s. 3.5) im selben Band.Google Scholar
  4. 180.
    Kamlah, Wilhelm: Philosophische Anthropologie. Sprachkritische Grundlegung und Ethik. Mannheim 1972, S. 175–182. Kamlah unterscheidet in seiner Anthropologie als Bedingtheiten menschlichen Lebens die Fähigkeit, handeln zu können, und den unausweichlichen Zwang, in seinem Handeln durch “Widerfahrnisse” begrenzt zu sein. Auf dieser Basis erörtert er die Berechtigung der Selbsttötung. Es geht ihm darum, den “ ‘Freitod’ als eine gegebenenfalls moralisch erlaubte Handlung anzusehen” . Die letzte Interpretation über die sinnvolle eigene Existenz steht nur dem Individuum selbst zu. “Die Selbsttötung (ist) in besonderen Fällen nicht allein erlaubt, (sondern gehört) zu den Gütern, die den Menschen in die Lage versetzen, ein menschliches Leben bis an das Ende des Lebens zu bewahren”.Google Scholar
  5. 181.
    Lockwood, Michael: Der Warnock-Bericht. Eine philosophische Kritik. In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 235–265 (= The Warnock-Report. A Philosophical Appraisal. In: Ders. (Hg.), Moral Dilemmas in Modern Medicine, Oxford 1985, 155–187 (gekürzt und ergänzt) . Kritik an Warnocks Position zur Embryonenforschung und Leihmutterschaft. Ansatzpunkte sind die Diskreditierung des Person-Begriffs und die Begründung der Grenze durch das Identitätskriterium. Die “Rede von Potentialität” stellt Lockwood als “problematisch mehrdeutig” bloß und verteidigt “die Frage, wann menschliches Leben beginnt” als “entscheidend und unausweichlich” . Ab welchem (Zeit-)Punkt unsere Identität beginnt, wird analog zur Hirntod-Definition beantwortet. Damit hält Lockwood den 14-Tage alten Embryo weder für ein menschliches Wesen noch für eine Person oder potentielle Person, sondern schließt sich unter Berücksichtigung der noch bestehenden Forschungsunsicherheit bezüglich des Beginns des Hirnlebens einer vorsichtig geschätzten 6-Wochen-Frist an.Google Scholar
  6. 182.
    Tooley, Michael: Abtreibung und Kindstötung. In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 157–195 (_ Abortion and Infanticide. In: Philosophy & Public Affairs (1972), 37–65) . Tooley bestreitet das Lebensrecht menschlicher Föten und Neugeborener und plädiert damit für eine Aufhebung des Abtreibungsverbots, verurteilt aber gleichzeitig das Töten ausgewachsener Tiere moralisch. Grundlage der Argumentation ist der Person-Begriff, hier aber reduziert auf die Tatsache, ein moralisches Recht auf Leben zu besitzen. Konstititiv für dieses Recht ist das Selbstbewußtsein, das T. als notwenige und hinreichende Voraussetzung der Einforderung des Rechts auf Leben erklärt. Dadurch ersetzt er alternative Grenzziehungen zwischen Person-Sein und Nicht-Person wie die Identifikation von Personalität und Konzeption oder die Identifikation mit der Lebensfähigkeit außerhalb des Mutterleibes. - Problematisch bleibt die Grenzziehung bei Kindestötung sowie die ungeprüfte Bindung von Selbstbewußtsein an Sprache. Letzteres läßt “unsere gewöhnlich Behandlung der Tiere moralisch unhaltbar” erscheinen.Google Scholar
  7. 183.
    Warnock, Mary: Haben menschliche Zellen Rechte? In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 215–234 (= Do Human Cells Have Rights? In: Bioethics 1.1 (1987), 1–14) . Unter dem Aspekt der Möglichkeit einer Verwendung von in vitro gezeugten Embryonen für Forschungszwecke argumentiert M. Warnock, die ehemalige Vorsitzende der Kommission der britischen Regierung zur Untersuchung menschlicher Fortpflanzung und Embryologie, ohne Rückgriff auf den Personbegriff. Dadurch ändert sich das mit dem Person-Sein begründete Recht auf Leben angesichts der Möglichkeit der Nichteinnistung eines in vitro befruchteten Embryos zu einem Recht auf die “Chance auf Leben” . Aus utilitaristischer Sicht plädiert Warnock dafür, Embryonen zu Forschungszwecken zu manipulieren, wenn ihnen noch keine Schmerzen zugefügt werden können und der Nutzen für die Gemeinschaft beträchtlich ist. Die Warnock-Kommission ging aus von der Schutzwürdigkeit des menschlichen Embryos, begründete dies allerdings rein durch “Speziezismus” . Die 14-tägige Frist, in der am “Prä-Embryo” (begründete) Forschung zuzulassen sei, beruht auf einem Mehrheitsentscheid.Google Scholar

2. Wer ist Subjekt von Sterben und Tod? Fragen der Anthropologie 2.3 Der Mensch als Person (Identität, Autonomie, Freiheit)

  1. 184.
    Agich, George J./Jones, Royce P.: Personal Identity and Brain Death. A Critical Responce. In: Philosophy and Public Affairs 15 (1986), 267–74 (vgl. M.B. Green etc . , Brain Death and Personal Identity) .Google Scholar
  2. 185.
    Bredow, Gerda von: Über die personale Existenz des Menschen und ihr Fortleben nach dem Tod. In: Salzburger Jahrbuch für Philosophie 28–29 (1983–1984), 7–38.Google Scholar
  3. 186.
    Charlesworth, Max: Bioethics in a Liberal Society. Cambridge 1993. Charlesworth stellt in einem sozialphilosophisch orientierten Ansatz die Autonomie der Person in den Mittelpunkt der Medizinethik. Er verteidigt das Autonomiekonzept gegen subjektivistische Relativierung ebenso wie gegen die utilitaristische Rechtfertigung der Autonomie als “absolutem Wert” . — Vor diesem Hintergrund werden folgende Themen weiter erörtert: Zur Frage nach einem Recht auf den Freitod diskutiert der Verfasser philosophische Positionen von Kant und Thomas von Aquin über die jüdisch-christliche Tradition und unterschiedliche kulturelle Einstellungen bis hin zum Utilitarismus (Mill, Newman). Es folgt eine kulturanthropologische Betrachtung der Institution Krankenhaus und der Fragen von Leihmutterschaft, Schwangerschaftsabbruch und -verhütung rückgebunden an das Prinzip (weiblicher) Autonomie.Google Scholar
  4. 187.
    Cherry, Christopher: Self, Near-Death and Death. In: International Journal for Philosophy and Religion 16 (1984), 3–11.Google Scholar
  5. 188.
    Condrau, Gion: Todesfurcht und Todessehnsucht. In: Paus, Ansgar (Hg.): Grenzerfahrung Tod. Graz, Wien, Köln 1976, 201–240.Google Scholar
  6. 189.
    Ebeling, Hans: Freiheit — Gleichheit — Sterblichkeit. Philosophie nach Heidegger. Stuttgart 1982.Google Scholar
  7. 190.
    Ebeling, Hans: Selbsterhaltung und Selbstbewußtsein. Zur Analytik von Freiheit und Tod. Freiburg i. Br. 1979. Ebeling thematisiert den Tod auf der Basis einer Analytik des Selbstbewußtseins als Freiheitsbewußtsein (mit Kant) und des Selbstbewußtseins als Todesbewußtsein (mit Heidegger) und entwirft so Grundzüge einer Theorie der Selbsterhaltung. “Ohne die Vor-Täuschung eines Freiheitsspielraums ‘von Grund auf’ und ohne die Ernüchterung durch die gründlichste Aufhebung des Subjekts als ganzen gibt es keine selbstbewußte Erhaltung eines ‘Selbst’ . “ Ebeling übersetzt Heideggers Todesanalyse in die Sprache der Subjektivität als Intersubjektivität. “Eine Gattung, die die Naturwüchsigkeit des Todes schon prinzipiell hinter sich gelassen hat und die nicht nur die Möglichkeit des allgemeinen Todes kennt, sondern auch schon die Aussicht auf eine allgemeine Abschaffung des Todes für möglich hält, hat nicht mehr das Schicksal, dem Tode nur zuzuschauen, sondern ist gekennzeichnet von dem Unglück, daß noch viel zu viele bloß zuschauen. Das Fundament ist nicht mehr der Tod, der hereinbricht, sondern der Tod, der nicht hereinbrechen muß . “Google Scholar
  8. 191.
    Frank, Arthur W., III: Anxiety Aroused by the Dying. A Phenomenological Inquiry. In: Journal of Phenomenological Psychology 9 (1978), 99–113.Google Scholar
  9. 192.
    Gogacz, Miecyslaw: Philosophical Identification of the Dignity of Person (Polish text). In: Studia Philosophiae Christianae 25 (1989), 181–207.Google Scholar
  10. 193.
    Green, Michael B./Wikler, Daniel: Brain Death and Personal Identity. In: Philosophy and Public Affairs 9 (1979–1980), 107–133.Google Scholar
  11. 194.
    Holz, Harald: Angst und Beständigkeit. In: Philosophisches Jahrbuch 76 (1968), 141–163.Google Scholar
  12. 195.
    Honnefelder, Ludger: Philosophisch-ethische Standpunkte. In: Suizidprävention und Sterbehilfe. Indikation — Kontraindikation, hrsg. von der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen. Werkstattgespräch 25, Bad Nauheim, 25./26. 9. 1992, 146–155. Honnefelder setzt sich kritisch mit dem Problem aktiver Sterbehilfe als regelgeleiteter Form ärztlicher Praxis auseinander. Prinzipell ist das Leben jeder Person ein zu schützendes Gut. — Das Interesse, weiterzuleben ist aber notwendig kombiniert mit dem Wunsch, als dieselbe Person weiterzuleben. Die Unmöglichkeit der Erfüllung dieses Wunsches wird zur Basis der Diskussion möglicher aktiver Sterbehilfe. — Von utilitaristischer bzw. präferenz-utilitaristischer Seite betrachtet ist die Selbsttötung erlaubt, sofern sie nicht gegen den Willen des Betroffenen oder gegen Interessenpräferenzen anderer verstößt. Aktive Stebehilfe dagegen ist aus Gründen eines allgemeinen Interesses, des Selbstbestimmungsrechts und der Stabilerhaltung des Tötungsverbots, nicht erlaubt. — Die präferenz-utilitaristische Position, die ein Tötungsverbot in gewissen Fällen einschließt, wird aufgrund des hypostasierten Person-Begriffs abgelehnt. Dieser PersonBegriff kann eine diachrone Identität der Person im Lockes’schen Sinne nur psychologisch über die “Kontinuität der Erinnerung” begründen und schließt somit, was unvertretbar ist, “Föten, geistig Schwerstbehinderte und irreversible Komatöse” vom Person-Sein aus. — Der Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe liegt daher nicht in der irreführenden Differenz zwischen Tun und Lassen, sondern in einer an das Personverständnis gebundenen notwendigen Ablehnung aktiver und in der bedingten Zulassung passiver Sterbehilfe.Google Scholar
  13. 196.
    Jonas, Hans: Biological Foundations of Individuality. In: Ders. , Philosophical Essays. From Ancient Creed to Technological Man. Chicago, London 1980 (‘ 1974), 185–205 (zuerst in: International Philosophical Quaterly 8 (1968). Durch eine Analyse des Individium-Seins, zu dem die Identität als eigentümlicher Modus der Existenz gehört, entwickelt Jonas die Grundlage für seine Auseinandersetzung mit dem Hirntod-Kriterium.Google Scholar
  14. 197.
    Lotz, Johannes: Der Tod als personaler Vollzug. In: Archivio di Filosofia (1981), 89–103.Google Scholar
  15. 198.
    Lowe, E.J.: Real Selves. Persons as a Substantial Kind. In: Philosophy Suppl. 29 (1991), 87–107.Google Scholar
  16. 199.
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  17. 200.
    Meyer, Joachim E.: Todesangst und das Todesbewußtsein der Gegenwart. Berlin/Heidelberg/New York 1982.Google Scholar
  18. 201.
    Robinson, John: Personal Identity and Survial. In: The Journal of Philosophy 85 (1988), 319–328. Auseinandersetzung mit Derek Pkt: Personal Identity. In: Philosophical Review 80 (1971), repr. in: Jonathan Glover (Hg.), Philosophy of Mind, New York/Oxford 1976 .Google Scholar
  19. 202.
    Scherer, Georg: Der Tod als Frage an die Freiheit. Essen 1971.Google Scholar
  20. 203.
    Singer, Peter/Kuhse, Helga: Muß dieses Kind am Leben bleiben? Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener. Erlangen 1993 (Engl: Should the Baby Live? The Problem of Handicapped Infants. Oxford, New York, Melbourne 1985). Diskussion der Frage, ob es unter bestimmten Umständen ethisch gerechtfertigt ist, schwerstgeschädigte Neugeborene nicht am Leben zu lassen. Gibt man die Annahme von der “Heiligkeit des Lebens” und damit die Folgeannahme, alles Leben sei gleichwertig, auf, so bleibt der Begriff der Person als Entscheidungskriterium. Von Person-Sein kann allerdings erst eine gewisse Zeit nach der Geburt die Rede sein. Daher läßt sich die Entscheidung zugunsten des Lebens eines Säuglings nur durch die Potentialität des Person-werden-könnens, d. h. die Potentialität, eine normale Lebensqualität zu erreichen, begründen. — Ein weiterer Aspekt ist die Frage der Interessen einer Gemeinschaft: Das Interesse des Kindes als potentieller Person steht mit den Interessen aktueller Personen, etwa der Geschwister behinderter Kinder, in Konflikt und muß aus den Interessen der Gemeinschaft und Gesellschaft entschieden werden.Google Scholar
  21. 204.
    Snowdon, P.F.: Personal Identity and Brain Transplant. Philosophy Suppl. 29 (1991), 109–126.Google Scholar

2. Wer ist Subjekt von Sterben und Tod? Fragen der Anthropologie 2.4 Angst vor dem Tod

  1. 205.
    Fallot, Jean: L’ angoisse devant la mort. Lille, Presse Universitaires de Lille, 1990.Google Scholar
  2. 206.
    Becker, Ernest: Dynamik des Todes: Die Überwindung der Todesfurcht. Aus dem Engl. übertr. von Eva Bornemann. München 1981.Google Scholar
  3. 207.
    Dewart, Leslie. The Fear of Death and its Basis in the Nature of Consciousness. In: Hetzler, Florence M. , Kutscher Austin, H. (Hgg.). Philosophical Aspects of Thanatology (Bd. 1). New York 1978. 53–64. Die Angst vor dem Tod ist eigentlich eine Angst vor der eigenen Natur der Sterblichkeit. Das Zustandekommen solcher gegen sich selbst gerichteten (neurotischen) Angst begründet Dewart mit einem schwachen, noch nicht zu sich selbst gekommenem Selbstbewußtsein. Das Bewußtsein seiner selbst (awareness of awareness), ist nach Sartre die fundamentale Realität. Demgegenüber ist in der metaphysischen Interpretation der Tradition die “Objektivierung” der Subjektivität vorherrschend: in der reflexiven Selbstbetrachtung muß das Subjekt sich objektivieren — die Intentionalität verlangt die Entfremdung des sich betrachtenden Subjekts, wodurch wir dazu verführt werden, dieses als objektive Realität anzunehmen. Die Seele als dem Körper entsprechende Entität gerät so in den Bereich der Sterblichkeit. Die Realität menschlicher Endlichkeit ist inakzeptabel. So entsteht die Angst vor dem Tod aus einem unterentwickelten Selbstbewußtsein, daß sich seiner selbst als Fundament seines Seins nicht gewahr geworden ist.Google Scholar
  4. 208.
    Green, O.H.: Fear of Death. In: Philosophy and Phaenomenological Research 43 (1982–1983), 99–105.Google Scholar
  5. 209.
    Smoot, William. The Social Dimension of Death-Anxiety. In: Philosophy Today 21, 1977, 84–89.Google Scholar

2. Wer ist Subjekt von Sterben und Tod? Fragen der Anthropologie 2.5 Krankheit/Gesundheit/Alter

  1. 210.
    Améry, Jean: Über das Altern. Stuttgart 1971.Google Scholar
  2. 211.
    Beauvoir, Simone de: Das Alter. Reinbek 1972.Google Scholar
  3. 212.
    Jarczyk, Gwendoline: Penser la mort. In: Le Cahier du Collège International de Philosophie 7 (1989), 133–148. In der Literatur ist der Tod als unerklärliche Realität und zugleich als Situation außerordenlicher Erfahrungsdichte präsent. Allgemeinverständlichkeit und allgemeine Relevanz einer strikt individuellen Erfahrung werden erreicht durch die Evokationen eines “sentiment universel” aufgrund der Bekanntheit des Ereignisses. — Den Tod zu denken, heißt daher konkret, die Endlichkeit des Lebens denken zu können. — Die Schlußfolgerung, nämlich der Hinweis auf die logische Identität von “den Tod denken” und Selbstmord ist nicht plausibel. Jarczyk weist darauf hin, daß — im Gegensatz zu Foucault — nicht die Krankheit die Ursache des Todes ist, sondern daß der Tod eine Folge der Entscheidung zu sterben ist, d. h. der Entscheidung, der Krankheit Raum zu geben.Google Scholar

2. Wer ist Subjekt von Sterben und Tod? Fragen der Anthropologie 2.6 Geschichtlichkeit des Menschen

  1. 213.
    Aries, Philippe: Essais sur l’histoire de la mort en occident du Moyen age ä nos jours. Seuil 1975.Google Scholar
  2. 214.
    Ariès, Philippe: Geschichte des Todes. München 1980.Google Scholar
  3. 215.
    Choron, Jacques: Der Tod im abendländischen Denken. Stuttgart 1967Durchgang durch das abendländische Denken über den Tod von den Vorsokratikern über die Renaissance bis zur Existenzphilosophie.Google Scholar
  4. 216.
    Elias, Norbert: Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen. Frankfurt a.M. 1987. Elias hält ein Plädoyer für ein antimethaphysisches Begreifen des Todes als Ende und für die Ablösung der Verdrängung durch eine Analyse der Umgangsweisen mit der Endlichkeit des Lebens. Mythologisierung, Verdrängungstendenz der Gesellschaft, Vereinsamung der Sterbenden und Alternden, Mitleid mit den Sterbenden anstelle von Gelassenheit. — Elias kritisiert Ariès’ Annahme einer größeren Ruhe und Gelassenheit angesichts des Sterbens in früheren Zeiten und weist auf die gewandelten Probleme hin, wie etwa “Informalisierung”, Verlust von Routinen und ritualen Floskeln, die das Sterben zu einem individuellen anstelle eines sozialen Geschehens eingeschränkt haben. Bewältigungsmechanismen wie Unsterblichkeitsphantasien oder magisches Erleben sind zwar noch präsent, aber durch den Verlust der religiösen Basis ohne durchgreifende Wirkung.Google Scholar
  5. 217.
    Fetscher, Iring: Der Tod im Lichte des Marxismus. In: Paus, Ansgar (Hg.): Grenzerfahrung Tod. Graz, Wien, Köln 1976, 283–317.Google Scholar
  6. 218.
    Momeyer, Richard: The Philosopher as Teacher. Philosophical Perspectives on Death and Dying. In: Metaphilosophy 13 (1982), 301–317.Google Scholar
  7. 219.
    Morin, Edgar: L’homme et la mort dans l’histoire. Paris 1951.Google Scholar
  8. 220.
    Ruhén Sanabria, José El hombre contemporäneo frente a la temporalidad y a la muerte. In: Revista de Filosofía. Univ. Iberoamericana.(México) 12 (1979), 107–137.Google Scholar

2. Wer ist Subjekt von Sterben und Tod? Fragen der Anthropologie 2.7 Sozialität des Menschen

  1. 221.
    Ebeling, Hans: Neue Reden an die deutsche Nation? Vom Warencharakter des Todes. Freiburg i . Brsg . /München 1984.Google Scholar
  2. 222.
    Emanuel, Ezekiel J.: The Ends of Human Life. Medical Ethics in a Liberal Polity. Cambridge/Mass., London 1991.Beitrag zur politischen Philosophie, Liberalismus und Kommunitarismus. Der Verfasser diskutiert u. a. das Recht auf Selbstbestimmung im Zusammenhang mit der Zustimmung zu medizinischer Behandlung.Google Scholar
  3. 223.
    Fuchs, W.: Todesbilder in der modernen Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1969.Google Scholar
  4. 224.
    Macho, Thomas H.: Todesmetaphern. Zur Logik der Grenzerfahrung. Frankfurt a.M. 1989.Google Scholar
  5. 225.
    Schnoor, Heike/Sendzik, Katarina: Die Bedeutung des Todes für das Bewußtsein vom Leben. Ansätze in Psychologie, Soziologie u. Philosophie. Frankfurt a.M., New York 1986.Google Scholar

3. Wie ist humanes Sterben möglich? Aufgaben der Ethik 3.1 Traditionelle und neue Ethik

  1. 226.
    Birnbacher, Dieter: Medizin-Ethik. Hannover 1986.Google Scholar
  2. 227.
    Birnbacher, Dieter: Schopenhauers Idee einer rekonstruktiven Ethik (mit Anwendung auf die moderne Medizin-Ethik). In: Schopenhauer-Jahrbuch 71 (1990), 26–44.Google Scholar
  3. 228.
    Foot, Philippa: Das Abtreibungsproblem und die Doktrin der Doppelwirkung. In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 196–211 (= The Problem of Abortion and the Doctrine of Double Effect. In: Oxford Review 5 (1967), 59–70) . Foot behandelt die Doktrin der Doppelwirkung, d.h. die direkt beabsichtigte und die zwar vorhergesehene, aber nicht beabsichtige Wirkung einer Handlung, als der bei Interessen- bzw. Rechtskonflikten wie Abtreibung involvierten Prinzipien. Für diskussionswürdig befindet sie die “Vorstellung des Zulassens” als unterlassene Intervention, besonders in Form der Unterscheidung von positiven und negativen Pflichten. Sie folgert, “daß die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Absicht nur eine untergeordnete Rolle bei der Bestimmung dessen spielt, wie wir in diesen Fällen urteilen, während die Unterscheidung zwischen dem Vermeiden von Schadenzufügunggung und dem Hilfebringen tatsächlich sehr wichtig ist”. Ihren Standpunkt exemplifiziert die Autorin an verschiedenen Konstellationen der Bedrohung des Lebens von Mutter und Kind sowie parallel konstruierten Beispielen.Google Scholar
  4. 229.
    Post, Stephen G.: Inquiries in Bioethics. Washington 1993.Google Scholar
  5. 230.
    Veatch, Robert M.: Death, Dying, and the Biological Revolution. Our Last Quest for Responsibility. New Haven (Conn.), Yale Univ. Press, 1976.Google Scholar

3. Wie ist humanes Sterben möglich? Aufgaben der Ethik 3.2 Sterben-Lassen/Recht auf Sterben

  1. 231.
    Auer, Alfons: Das Recht des Menschen auf einen “natürlichen” TodM. In: Schwartländer, Johannes (Hg.): Der Mensch und sein Tod. Göttingen 1976, 82–93.Google Scholar
  2. 232.
    Auer, A . /Menzel, H . /Eser, A.: Zwischen Heilauftrag und Sterbehilfe. Köln/Berlin/Bonn/München 1977.Google Scholar
  3. 233.
    Behnke, J./Boke, S. (Hgg.): The Dilemmas of Euthanasia. Garden City, N.Y 1975.Google Scholar
  4. 234.
    Birnbacher, Dieter: Das Recht auf einen selbstbestimmten Tod. In: Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (Hrsg.): 5. Europäischer Kongreß für Humanes Sterben. Augsburg 1985, 85–89.Google Scholar
  5. 235.
    Böckle, F.: Menschenwürdig sterben. In: L. Honnefelder/G. Rager (Hgg.): Ärztliches Urteilen und Handeln. Frankfurt/M. 1994, 284–318.Google Scholar
  6. 236.
    Brock, Dan W.: Life and Death. Philosophical Essays in Biomedical Ethics. Cambridge, New York u.a. 1993. In Absetzung von einem paternalistischen Modell des Arzt-Patient-Verhältnisses votiert Brock für den “informed, voluntary, competent consent” als Modell geteilter Entscheidung. Dabei ist das subjektive Wohlbefinden des Patienten nach Maßgabe persönlicher Wertsetzung als Ziel der medizinischen Behandlung anzusetzen. Ein Gelingen dieses Modells hängt davon ab, ob der “informed consent” hinreichend differenziert gefaßt wird. Der Arzt darf nicht als bloßer Fakten- und der Patient nicht als bloßer Wertsetzungsinformant genommen werden. In der Regel hat der Arzt die Anwaltsrolle gegenüber dem Patienten zu übernehmen und etwa beratend einzugreifen, wenn angesichts medizinischer Diagnosen aus persönlicher Betroffenheit irrationale Entscheidungen getroffen werden. Schwerpunkte der Überprüfung dieses Modells sind die Behandlungsentscheidung zwischen Arzt und Patient sowie die Entscheidung zwischen Leben und Tod zum einen in der Klinik, zum anderen in der Gesundheitspolitik. Hier legt Brock besonderes Gewicht auf die oft versäumte Vorabklärung ethisch gerechtfertigten und ungerechtfertigten Tötens. So wird die These vom Recht, nicht getötet zu werden, gegen eine utilitaristische Betrachtungsweise gestellt, wobei die rechtstheoretische Betrachtung statistisch der Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung entsprechen soll.Google Scholar
  7. 237.
    Eser, Albin: Der manipulierte Tod? Möglichkeiten und Grenzen der Sterbehilfe aus rechtlicher Sicht. In: Schwartländer, Johannes (Hg.): Der Mensch und sein Tod. Göttingen 1976, 61–81. Beitrag aus rechtswissenschaftlicher Sicht betr. Lebensverkürzung und — verlängerung als zweier Formen der Manipulation durch die moderne Medizin. Als rechtliche Grundlagen werden angeführt: das Verbot der Tötung, die Straffreiheit der Selbsttötung, der Konflikt bei Beteiligung eines Dritten (“Tötung auf Verlangen”). Diskutiert werden Probleme der Einverständniserklärung, der Menschenwürde, der Verhältnismäßigkeit der Mittel, Sterbehilfe als Unterlassung vs. aktive Tötung (Schmerzlinderung mit Tötungsrisiko vs. Tötung als Mittel der Schmerzbeseitigung) .Google Scholar
  8. 238.
    Kamlah, Wilhelm: Das Recht auf den eigenen Tod und der § 216. In: Schwartländer, Johannes (Hg.) Ders.: Von der Sprache zur Vernunft. Mannheim 1975.Google Scholar
  9. 239.
    Linke, D. B.: In Würde altern und sterben. Zur Ethik der Medizin. Gütersloh 1991.Google Scholar
  10. 240.
    Moor, Paul: Die Freiheit zum Tode. Ein Plädoyer für das Recht auf menschenwürdiges Sterben. Euthanasie und Ethik. Reinbek 1973.Google Scholar
  11. 241.
    Polin, Raymond: Le droit de mourir. In: Archivio di Filosofia (1981), 125–136.Google Scholar
  12. 242.
    Rachels, James: The End of Life. Oxford 1986.Google Scholar
  13. 243.
    Regan, Tom (Hg.): Matters of Life and Death. New York 1980.Google Scholar
  14. 244.
    Schwartländer, Johannes: Der Tod und die Würde des Menschen. In: Regan, Tom (Hg.) Ders., (Hg.), Der Mensch und sein Tod. Göttingen 1976, 14–33. Schwartländer begründet ein Grundrecht auf den Tod unter Rekurs auf den Begriff der Menschenwürde bzw. auf die deren Bedeutung festlegenden Begriffe Recht/Autonomie und Liebe (Mitleid, Solidarität) . Die Forderung nach einem natürlichen Tod nimmt diesen Bezug in der Ablehnung der Willkürlichkeit und Leidhaftigkeit des Todes zwar auf, basiert aber — so Schwartländer — letzlich auf einem biologischen Verständnis vom Menschen, das den Sinn der Freiheit verkennt. Auch die Begründung der ethischen Zulässigkeit des Freitods bleibt philosophisch kontrovers (Gebot oder Verstoß gegen den Sinn der sittlichen Freiheit). — Letztlich ist es nicht möglich, ein Grundrecht auf Tod zu unterstellen, da alle Begründungen dieses Rechtes nur Begründungen des Rechts auf ein Leben in Freiheit liefern. Diese Auffassung der Freiheit sucht Schwartländer — an der dialogischen Konstitution des Menschen ansetzend — neu zu bestimmen.Google Scholar
  15. 245.
    Steinbock, Bonnie (Hg.): Killing and Letting Die. Englewood Cliffs, N. J. 1980.Google Scholar

3. Wie ist humanes Sterben möglich? Aufgaben der Ethik 3.3 Suizid-Debatte

  1. 246.
    Alvarez, Alfred: Der grausame Gott. Eine Studie über den Selbstmord. Frankfurt a.M. 1980.Google Scholar
  2. 247.
    Améry, Jean: Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod. Stuttgart 51979Google Scholar
  3. 248.
    Battin, M. Pabst/Mayo, David J.(Hgg.): Suicide. The Philosophical Issues. New York 1980.Google Scholar
  4. 249.
    Battin, M. P.: Ethical Issues in Suicide. Englewood Cliffs, N. J. 1982.Google Scholar
  5. 250.
    Birnbacher, Dieter: Ethische Aspekte der suizidprophylaktischen Intervention. In: Suicidprophylaxe 9 (1982), 227–243.Google Scholar
  6. 251.
    Birnbacher, Dieter: Schopenhauer und das ethische Problem des Selbstmords. In: Schopenhauer-Jahrbuch 66 (1985), 115–130. Birnbacher analysiert Schopenhauers Kritik an Kants Ablehnung des Selbstmords unter Hinweis auf eine Pflicht zur Selbsterhaltung. Schopenhauer läßt lediglich den in der Askese gewählten Hungertod als widerspruchsfreie Möglichkeit des Selbstmords zu, was Birnbacher als in sich nicht schlüssig zurückweist. — Die metaphysische Grundlage, die Schopenhauer selbst heranzieht, nämlich eine Widersprüchlichkeit zum allgemein unterstellten “Willen zum Leben”, die dann besteht, wenn das höchste moralische Ideal der Willensverneinung in der Askese nicht erreicht werden kann (was beim Selbstmord durchgängig der Fall sein soll), kritisiert Birnbacher. Diese Argumentation ist lediglich in sich, d. h. unter der Voraussetzung der metaphysischen Prämissen schlüssig.Google Scholar
  7. 252.
    Birnbacher, Dieter: Selbstmord und Selbstmordverhütung aus ethischer Sicht. In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 395–422 (Erweiterte Fassung des zweiten Teils: Suizidprävention — eine ethische Perpektive. In: Suizidprophylaxe 20 (1993), 5–18) . Nach Durchsicht verschiedener Aussagen zum Selbstmord, die zumeist von metaphysisch-weltanschaulichen Fragen vorgeprägt sind, argumentiert Birnbacher zugunsten der Beurteilung des Selbstmordes als moralisch indifferent. Interessant ist die Frage nach den Bedingungen, unter denen man einen anderen am Selbstmord hindern oder ihm Beihilfe leisten darf/soll. Da der generelle Einwand, daß das Leben als Höchstwert zu gelten habe, philosophisch nicht ohne Vorurteile zu rechtfertigen ist, votiert Birnbacher für die Etablierung einer Rechtspflicht auf Zulassung wohlerwogener Selbstmordhandlungen. Die Frage nach einem Eingreifen mit Zwangsmitteln wird dadurch a priori negativ entschieden. Nötig wird allerdings eine Differenzierung von Fallgruppen, nämlich die Unterscheidung zwischen irrationalen und wohlerwogenen Selbstmordvorhaben.Google Scholar
  8. 253.
    Biser, Eugen: Das Problem des Selbstmords. In:Leist, Anton (Hg.), Ders.: Dasein auf Abruf. Der Tod als Schicksal, Versuchung und Aufgabe. Düsseldorf 1981, 64–75.Google Scholar
  9. 254.
    De Waelhens, Alphorse: Réflexions sur la mort et le suicide. In: Archivio di Filosofia (1981), 137–146Google Scholar
  10. 255.
    Donelly, John: Suicide and Rationality. In: John Donelly (Ed.): Language, Metaphysics and Death. New York, Fordham University Press 1978 Donelly vertritt die These, daß Selbstmord niemals rationale Gründe hat, sondern immer irrational bleibt, weil es unmöglich ist, den Wert des Todes für den Gestorbenen rational zu kalkulieren.Google Scholar
  11. 256.
    Durkheim, Emile: Der Selbstmord. Frankfurt a.M. 1983.Google Scholar
  12. 257.
    Eser, Albirr (Hg.): Suizid und Euthanasie als human- und sozialwissenschaftliches Problem. Stuttgart 1976.Google Scholar
  13. 258.
    Guillon, Claude/Bonniex, Yvesle: Gebrauchsanleitung zum Selbstmord. Eine Streitschrift für das Recht auf einen freibestimmten Tod. Frankfurt a. M. 1982.Google Scholar
  14. 259.
    Heifetz, M.D./Mangel, C .: Das Recht zu sterben. Tötung oder Erlösung. München 1978.Google Scholar
  15. 260.
    Kehl, Robert: Sterbehilfe. Ethische und juristische Grundlagen. Bern 1988.Google Scholar
  16. 261.
    Kuitert, Harry M.: Darf ich mir das Leben nehmen? Gütersloh 1990.Google Scholar
  17. 262.
    Otto, Harro: Recht auf den eigenen Tod. Gutachten D zum 56. Deutschen Juristentag. Berlin/München 1986.Google Scholar
  18. 263.
    Löwith, Karl: Die Freiheit zum Tode. In: Ders.: Vorträge und Abhandlungen. Zur Kritik der christlichen Überlieferung. Stuttgart 1966, 274–289.Google Scholar
  19. 264.
    Pohlmeier, Hermann: Selbstmord und Selbstmordverhütung. München 1983.Google Scholar
  20. 265.
    Saner, Hans/Holzhey, Helmut (Hgg.): Euthanasie, Basel/Stuttgart 1976.Google Scholar
  21. 266.
    Sattes, Hans: Selbstmord — ein Ausweg? In: Schopenhauer-Jahrbuch 59 (1978), 48–59.Google Scholar
  22. 267.
    Schopenhauer, Arthur: Die Welt als Wille und Vorstellung. In: Ders.: Sämtliche Werke Bd I. Darmstadt 1982, insb. § 69.Google Scholar
  23. 268.
    Schopenhauer, Arthur: Parerga und Paralipomena. In: Ders.: Sämtliche Werke Bd V, Darmstadt 1982, insb. §§ 157ff. Der Selbstmord wird als ein Widerspruch zwischen einem allgemeinen Willen zum Leben und dem Willen, sein individuelles Leben aufzugeben, abgelehnt. — Schopenhauers Argumentation relativiert sich allerdings durch die nicht weiter begründete metaphysische Voraussetzung eines allgemeinen Willens zum Leben.Google Scholar
  24. 269.
    Thielicke, Helmut: Wer darf sterben? Grenzfragen der modernen Medizin. Freiburg 1979.Google Scholar
  25. 270.
    Willemsen, Roger (Hg.): Der Selbstmord. München 1989.Google Scholar

3. Wie ist humanes Sterben möglich? Aufgaben der Ethik 3.4 Hilfe “im” Sterben, nicht “beim” Sterben

  1. 271.
    Auer, A . /Menzel, H . /Eser, A.: Zwischen Heilauftrag und Sterbehilfe. Köln 1977.Google Scholar
  2. 272.
    Birnbacher, Dieter: Ethische Aspekte der aktiven und passiven Sterbehilfe. In: Hermann Hepp (Hrsg.): Hilfe zum Sterben? Hilfe beim Sterben! Düsseldorf 1992, 50–73.Google Scholar
  3. 273.
    Birnbacher, Dieter: Ist die Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe ethisch bedeutsam? In: Hans Henning Atrott/Hermann Pohlmeier (Hgg.): Sterbehilfe in der Diskussion. Regensburg 1990, 25–40.Google Scholar
  4. 274.
    Birnbacher, Dieter: Handeln und Unterlassen. Stuttgart 1995.Google Scholar
  5. 275.
    Glover, J.: Causing Death and Saving Lifes. Harmondsworth 1977Google Scholar
  6. 276.
    Hepp, Hermann (Hg.): Hilfe zum Sterben? Hilfe beim Sterben! Düsseldorf 1992.Google Scholar
  7. 277.
    Honnefelder, Ludger: Philosophisch-ethische Standpunkte. In: Suizidprävention und Sterbehilfe. Indikation — Kontraindikation, hrsg. von der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen. Werkstattgespräch 25, Bad Nauheim, 25./26. 9. 1992, 146–155.Google Scholar
  8. 278.
    Hoerster, Norbert: Tötungsverbot und Sterbehilfe. In: Sass, H. M. (Hg.): Medizin und Ethik. Stuttgart 1989, 287–295.Google Scholar
  9. 279.
    Kuitert, Harry M.: Der gewünschte Tod. Euthanasie und humanes Sterben. Gütersloh 1991.Google Scholar

3. Wie ist humanes Sterben möglich? Aufgaben der Ethik 3.5 Euthanasie-Debatte

  1. 280.
    Atrott, Hans Henning/Pohlmeier, Hermann (Hrsg.): Sterbehilfe in der Diskussion. Regensburg 1990.Google Scholar
  2. 281.
    Barry, Robert L.: Ethics and Brain Death. In: New Scholasticism. 61 (1987), 82–98 (vgl. A. Shewmon, The Metaphysics of Brain Death).Google Scholar
  3. 282.
    Bastian, Till (Hg.): Denken -Schreiben -Töten. Stuttgart 1990.Google Scholar
  4. 283.
    Birnbacher, Dieter: Das Tötungsverbot aus der Sicht des klassischen Utilitarismus. In: Rainer Hegselmann/Reinhard Merkel (Hrsg.): Zur Debatte über Euthanasie. Beiträge und Stellungnahmen. Frankfurt a.M. 1991, 25–50.Google Scholar
  5. 284.
    Böhler, Dietrich/Alfons Matheis: Töten als Therapie? — “Praktische Ethik” des Nutzenkalküls versus Diskursethik als kommunikative Verantwortungsethik. In: Ethik und Sozialwissenschaft 2 (1991).Google Scholar
  6. 285.
    Brock, Dan W.: Life and Death. Philosophical Essays in Biomedical Ethics. Cambridge, New York u.a. 1993.Google Scholar
  7. 286.
    Foot, Philippa: Euthanasie. In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 285–317 (= Euthanasia. In: Philosophy & Public Affairs 6.2 (1977), 85–111) . Foot problematisiert die Rechtfertigung der Euthanasie durch die These, daß der Tod zum Wohle des Betroffenen sein müsse, da diese Bestimmung zu unscharf ist. Mögliche Rechtfertigungsgründe für Euthanasie sind Gerechtigkeit im Sinne der Akzeptation von geschuldeten Rechten, Nächstenliebe als Prinzip der Entscheidung über das Wohlergehen bzw. wohlverstandene Selbstinteresse des Anderen. Das Lebensrecht wird als “Bündel von Anspruchsrechten” in dem Sinn näher analysiert und differenziert, als daraus die Pflicht zur aktiven Hilfe und die Pflicht zur Nichteinmischung entspringen kann, damit eine Differenz von aktiver und passiver Euthanasie. Voraussetzung beider ist die Freiwilligkeit der Einstimmung des Betroffenen.Google Scholar
  8. 287.
    Hegselmann, Rainer/Merkel, Reinhard (Hgg.): Zur Debatte über Euthanasie. Beiträge und Stellungnahmen. Frankfurt a.M. 1991.Google Scholar
  9. 288.
    Hoerster, Norbert: Kindstötung und das Lebensrecht von Personen. Analyse und Kritik 12 (1990), 226–244.Google Scholar
  10. 289.
    Kuhse, Helga: Die Lehre von der »Heiligkeit des Lebens« In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 75–106 (= The Sanctity-of-Life Doctrine in Medicine. A Critique. Oxford 1987, Kap. 1 (mit Veränderungen)).Google Scholar
  11. 290.
    Lockwood, Michael: Singer on Killing and the Preference for Life. In: Inquiry 22 (1979), 157–170.Google Scholar
  12. 291.
    McMillan, R. C . /Engelhardt, H T./Spicker, S. F. (Hgg.): Euthanasia and the Newborn. Dordrecht 1987.Google Scholar
  13. 292.
    Reichenbach, Bruce C.: Euthanasie und die aktiv/passiv-Unterscheidung. In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 318–348 (= Euthanasia and the Active-Passive Distinction. In: Bioethics 1.1 (1987), 51–73) . Reichenbach geht in seiner Untersuchung der Frage nach dem Unterschied zwischen aktiver und passiver Euthanasie nach. Die häufig herangezogene Unterscheidung von Handeln und Nichthandeln greift unabhängig von ihrer moralischen Bedeutsamkeit nicht. Die zu erwartende Lebensqualität und die “Beschaffenheit der Todesursache einer Person” nögtigt nach Reichenbach zu weiteren Unterscheidungen, etwa der zwischen Töten und Nicht-Fortsetzen außergewöhnlicher lebenserhaltender Maßnahmen. Ramsey’s Differenzierung zwischen aktiver und passiver Euthanasie durch den Rekurs auf natürliche bzw. unnatürliche Todesursachen wird problematisiert durch die Frage, was als natürlich gelten kann. Reichenbach lehnt eine bloß folgenorientierte Sichtweise (Rachel) ab, kassiert den Unterschied zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe, der aus der Entgegensetzung von Töten und Sterben-lassen gezogen wird, unter Hinweis auf zu starke Voraussetzungen der Konzeption des natürlichen Todes (Anerkennung der Naturrechtstheorie) und entscheidet sich schließlich für Ramsey’s Differenzierung zwischen absichtlichem Töten und dem Verzicht auf außergewöhnliche Maßnahmen zur Lebenserhaltung.Google Scholar
  14. 293.
    Schmalenberg, E. (Hg.): Tod und Tötung. Stuttgart 1976.Google Scholar
  15. 294.
    Singer, Peter: Killing Humans and Killing Animals. In: Inquiry 22 (1979), 145–156.Google Scholar
  16. 295.
    Table ronde sur l’euthanasie. Présidée par Georges Heuse. In: Cahiers Internationaux de Symbolisme N. 37, 38, 39 (1979), 143–190.Google Scholar
  17. 296.
    Thomson, Judith J.: Eine Verteidigung der Abtreibung. In: Leist, Anton (Hg.), Um Leben und Tod. Moralische Probleme bei Abtreibung, künstlicher Befruchtung, Euthanasie und Selbstmord. Frankfurt a.M. 1990, 107–131 (= A Defence of Abortion. In: Philosophy & Public Affairs 1.1 (1971) , 47–66) . Da sich — so Verf. gegen die sog. “Kontinuitätsargumente” — kein Zeitpunkt in der Entwicklung angeben läßt, zu dem ein vormals biologisches Wesen zur Person wird, müssen die Argumente für und wider die Abtreibung sich auf eine Abwägung des Lebensrechts zweier Personen richten. Unbestritten gilt die Abtreibung zur Rettung des Lebens der Mutter nicht als Mord. Die Verantwortlichkeit der Mutter in dem Sinn, daß sie dem Fötus ein Recht auf Leben zugestehen muß, hängt mit dem Grad an Freiwilligkeit des Schwangerwerdens zusammen. Abtreibung nach Vergewaltigung ist demnach ebenfalls gerechtfertigt. Eine besondere Verantwortung der Mutter aufgrund biologischer Aspekte zu unterstellen, ist nicht sinnvoll. Stattdessen bietet ein Akt der Verantwortungsübernahme die Grundlage für die Argumentation. — Vgl. dazu die Kritik von Hare im selben Band.Google Scholar

4. Philosophiegeschichtliche Darstellungen

  1. 297.
    Benz, E.: Das Todesproblem in der stoischen Philosophie. Stuttgart 1929.Google Scholar
  2. 298.
    Blum, Paul Richard (Hrsg.): Studien zur Thematik des Todes im 16. Jahrhundert. Wolfenbüttel 1983.Google Scholar
  3. 299.
    Johann, Horst Theodor: Trauer und Trost. Eine quellen- und strukturanalytische Untersuchung der philosophischen Trostschriften über den Tod. München 1968.Google Scholar
  4. 300.
    Morin, Edgar: Das Rätsel des Humanen. Grundfragen einer neuen Anthropologie. München 1974, 31–119, 195–272.Google Scholar
  5. 301.
    Pfannmüller, Gustav (Hg.): Tod, Jenseits und Unsterblichkeit in der Religion, Literatur und Philosophie der Griechen und Römer. Basel 1953.Google Scholar
  6. 302.
    Rohde, Erwin: Psyche. Seelenkult und Unsterblichkeitsglaube der Griechen. Leipzig 1932.Google Scholar
  7. 303.
    Scherer, Georg: Das Problem des Todes in der Philosophie. Darmstadt 1979.Google Scholar
  8. 304.
    Sublon, Roland: Le temps de la mort. Savoir, parole, désir. Strassbourg 1975, 9–44.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Jan P. Beckmann
  • Annemarie Gethmann-Siefert

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