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Geschichte

  • Magarethe Palzkill
  • Klaus Schreiner
Part of the Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen book series (FOLANW, volume 3252)

Zusammenfassung

Fragestellungen der Kultur- und Sozialanthropologie haben die Erforschung der Geschichte von Sterben, Tod und Begräbnis zu einem wichtigen Thema der Geschichtswissenschaft gemacht. Das Interesse einer größeren Öffentlichkeit an dieser Thematik kommt nicht zuletzt darin zum Ausdruck, daß gerade in den letzten Jahren mehrere Ausstellungen über Jenseitsvorstellungen, Sterben und Tod stattfanden. In Kassel ist ein eigenes Museum zur Geschichte der Sepukralkultur eröffnet worden.

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Literatur

1.1 Bibliographien

  1. 1.
    Palmer, Nigel F. In: Borst, Arno u. a. (Hg.): Tod im Mittelalter. Konstanz 1993. Bibliographie zur “Ars moriendi”.Google Scholar
  2. 2.
    Pfister, Christian: Bevölkerungsgeschichte und Historische Demographie 1500–1800. München 1994. 148 S. Enthält eine 245 Titel umfassende Bibliographie, die Quellensammlungen, Bibliographien und Darstellungen verzeichnet.Google Scholar
  3. 3.
    Signori, Gabriela (Hg.): Trauer, Verzweiflung und Anfechtung. Selbstmord und Selbstmordversuche in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaften. Tübingen 1994. 366 S. Enthält 23seitige Bibliographie.Google Scholar

1.2 Literaturberichte

  1. 4.
    Brückner, Wolfgang: Das alte Thema Tod im Boom der neuen Literatur. In: Bayerische Blätter für Volkskunde 11, 2 (1984), 75–96. Der Verfasser beleuchtet das breite Spektrum älterer und neuerer Literatur zum Thema aus den Bereichen Geschichte und Volkskunde. Bibliographie mit 126 Titeln.Google Scholar
  2. 5.
    Griebel-Kruip, Rosemarie: Thanatologie. Todesforschung in Frankreich. In: Bayerische Blätter für Volkskunde 11, 2 (1984), 97–106. Nützlicher Überblick über die frz. Historiographie des Todes der 70er und 80er Jahre, ergänzt durch eine 65 Titel umfassende Bibliographie.Google Scholar
  3. 6.
    Milis, Ludo: Children and Youth. The Medieval Viewpoint. In: Paedagogica Historica 29, 1 (1993), 15–32, darin 21–24. Diskussion der neueren Literatur zum Thema “Kindsmord”.Google Scholar

1.3 Sammelbände, Ausstellungskataloge

  1. 7.
    Borst, Arno u. a. (Hg.): Tod im Mittelalter. Konstanz 1993. 412 S. Der auf ein Kolloquium an der Universität Konstanz zurückgehende Band versammelt eine Reihe von zentralen Aufsätzen, die das Thema auf hohem Niveau, problembewußt und quellenkritisch behandeln. Am Beispiel von zwei Berichten über Sterben und Begräbnis von Wilhelm dem Eroberer 1087 macht A. Patschowsky klar, wie ein rein ereignisgeschichtlich orientiertes Herangehen an das Material in die Irre führen, ein quellenkritisches Vorgehen aber die ineinander verschachtelten Sinnebenen enthüllen kann. A. Borst zeigt an drei Fallbeispielen, wie Sterben und Tod der Gelehrten deren Lebensstil und -plan entsprachen. Die von H. M. Schaller befragten Quellen berichten über das Sterben der Kaiser von 814 bis 1493 überraschenderweise fast immer dasselbe. Wenn auch liturgisch und zeremoniell überhöht, starben sie vorbildhaft, so, wie jeder Christ sterben sollte. Schaller untersucht das Sterben zahlreicher Herrscher, W. Paravicini hingegen konzentriert sich auf einen Fall, den er auf über 90 Seiten minutiös analysiert: auf “Sterben und Tod Ludwigs XI. “ . Auf der Basis vielfältiger schriftlicher und bildlicher Quellen weist K. Schreiner nach, daß Maria, obgleich mit einzigartigen Gnaden ausgezeichnet, in ihrem Sterben zu einer “erreichbaren Symbolgestalt” für mittelalterliche Fromme werden konnte. Bilder und Texte der “Ars moriendi” und der Totentänze können als “bedeutende Träger der spätmittelalterlichen Todesvorstellungen” gelten. N. F. Palmer informiert über die Quellen, ihre Überlieferung, Editionen und die Forschungssituation. Er befaßt sich mit der Struktur und den inhaltlichen Schwerpunkten der Werke und fragt nach Adressaten und Intentionen. Außerordentlich nützlich ist die umfangreiche Bibliographie zur “Ars moriendi”, die neben der wichtigsten Literatur auch die ältere und an entlegenem Ort erschienene berücksichtigt und die Quelleneditionen verzeichnet. Die übrigen Beiträge sind kunstbzw. literaturwissenschaftlicher Art. Abschließend skizziert A. Borst drei strukturelle Merkmale des Mittelalters, die die äußerst vielfältigen und inhomogenen Aspekte des Themas “Tod” und die unterschiedlichen Herangehensweisen von Geschichts- und Literaturwissenschaft im Zusammenhang begreifbar werden lassen.Google Scholar
  2. 8.
    Gesellschaft für das Schweizerische Landesmuseum (Hg.): Himmel, Hölle, Fegefeuer — Das Jenseits im Mittelalter. Ausstellungskatalog zu einer Austellung im Schweizerischen Landesmuseum Zürich und WallrafRicharz-Museum Köln. Katalog von Peter Jezler. Zürich 1994. 448 S . , 163 Textabb. und Abb. zu 172 Kat.-Nr. Der Katalog enthält interdisziplinäre Untersuchungen, die die Jenseitsvorsorge von der schriftlichen Überlieferung wie von den erhaltenen Monumenten her beleuchten. Bei den Kat.-Beschreibungen legte man neben der stilistischen Einordnung und ikonographischen Interpretation großen Wert auf die Rekonstruktion des historischen Kontextes der Bildthemen bzw. Objekte. Diese sind 10 Bereichen zugeordnet: Heiden und Synkretisten (vorchristliche Jenseitsvorstellungen und frühmittelalterliche Grabbeigaben), Memento mori, Jenseitsvorsorge, Tod und Begräbnis, Partikulargericht, Fegefeuer, Ende der Zeit, Weltgericht, Hölle und Himmel. Die Aufsätze: Nach einem Überblick über zentrale Elemente der mittelalterlichen Jenseitsvorstellungen (P. Jezler) erläutern H.-D. Altendorf, B. Rotach und C. Oechslin griechisch-römische, jüdische, neutestamentliche und frühchristliche Jenseitskonzepte. M. Wehrli-Johns beleuchtet den Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Ordnung und der sich in der frühscholastischen Bußtheologie wandelnden Fegefeuerlehre. M. Illi informiert über Sonder- und Heiligenbestattungen, Grablegungsriten und gegenseitige Hilfeleistungen im Begräbnisritual und beim Totengedächtnis. A. M. Haas berichtet in chronologischer Folge darüber, wie “Tod und Jenseits in der deutschen Literatur des Mittelalters” thematisiert wurden. An Hand vielfältiger Text- und Bildzeugnisse gehen S. Marti und D. Mondini der Frage nach, “welche Rolle die Brust Marias und ihre Milch im Kontext der mittelalterlichen Weltgerichts- und Erlösungsvorstellungen spielt” . B. Brinkmann macht auf die “Rolle von Stundenbüchern in der Jenseitsvorsorge” aufmerksam. Stifterbilder bringen die Glaubens- und Wunschvorstellungen mittelalterlicher Menschen über das Schicksal zwischen Tod und Auferstehung unmittelbar zur Anschauung. W. Schmid verweist auf verschiedene Aspekte, die für ihre Analyse wichtig erscheinen, etwa ihre formale Gestaltung und Funktion, spezielle Motive und darstellerische Mittel. Gegenstand von R. Seilers Bemerkungen sind Zusammenhänge von Krankheit, Krankenpflege und Medizin mit den Jenseitsvorstellungen. K. Utz-Tremp zeichnet in “Waldenser und Wiedergänger. Das Fegefeuer im Inquisitionsprozeß des Bischofs Jacques Fournier von Pamiers (1317–1326)” das Schicksal von vier Waldensern nach, die u. a. deshalb zum Tode verurteilt worden waren, weil sie an der Existenz des Fegefeuers zweifelten. H.-J. Gilomen behandelt ökonomische Folgen der spätmittelalterlichen Stiftungsfrömmigkeit. Der heute kaum mehr bekannte sog. Totenaltar kann neben dem Sakramentsaltar als der bedeutendste nachreformatorische Altartypus überhaupt gelten. C. Göttler entschlüsselt die theologischen Hintergründe dieses für die Toten privilegierten Altares, der aus einem Streit um Fegefeuer, Messe und die Bevorteilung der Reichen hervorgegangen war und verfolgt den Wandel in der Ikonographie des Fegefeuerbildes vom Spätmittelalter bis zum Barock. Umfangreiche Gesamtbibliographie.Google Scholar
  3. 9.
    Hogg, James (Hg.): Zeit, Tod und Ewigkeit in der Renaissance-Literatur, 3 Bände. Salzburg 1986. Die drei Bände informieren über die theologische, bildkünstlerische und literarische Umsetzung und Verarbeitung der Sterbe- und Todesproblematik im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Beiträge u. a. von E. v. Severus: monastische “meditatio mortis”, U. Faust: endzeitliches Denken im Kloster Prüfening, K. Elm: Bernardin v. Siena, V. Honemann: Geiler v. Kaysersberg, G. Jaritz: öffentlicher Tod, M. Lindemann: Grabmal des Fürsten Schaumburg, P. Dinzelbacher ausführlich (133 S.) über: “Die tötende Gottheit. Pestbild und Todesikonographie als Ausdruck der Mentalität des Spätmittelalters und der Renaissance”.Google Scholar
  4. 10.
    Houlbrooke, Ralph (Hg.): Death, ritual and bereavement. London 1989. 250S. Bei der Jahrestagung der “Social History Society of the United Kingdom” 1987 in Oxford setzten sich elf Wissenschaftler mit der Problematik von Sterben, Begräbnis und Trauer auseinander. Der Hg. beleuchtet einleitend verschiedene Aspekte (Testamente, Trauerfeier, Begräbnis, Totengedenken) im Hinblick auf deren Wandel in der frühen Neuzeit. Die Medizinhistorikerin L. McCray Beier macht durch eine Analyse von Tagebüchern, Autobiographien und ars moriendi-Literatur klar, daß das Ideal des ‘guten Todes’ auch im England des 17. Jhs. nicht an Bedeutung verloren hatte. Anknüpfend an L. Stone (“The Family, Sex and Marriage in England 1500–1800”, 1979) vertreten einige Familienhistoriker die These, daß die vormoderne Gesellschaft angesichts der hohen Sterblichkeit durch ein gänzlich indifferentes emotionales Klima geprägt gewesen sei. Dementsprechend seien auch Gefühle der Trauer viel weniger intensiv gewesen als heute. A. Laurence kommt durch ein Studium autobiographischer Quellen zu dem Schluß, daß dies nicht zutrifft. Die weiteren Aufsätze befassen sich mit Entwicklungen in Großbritannien in den letzten 200 Jahren. Zu R. Porter: “Death and the doctors in Georgian England” vgl. die Annotation unter der Systemstelle “Arzt und Tod”.Google Scholar
  5. 11.
    Imhof, Arthur E./Weinknecht, Rita (Hg.): Erfüllt leben — in Gelassenheit sterben: Geschichte und Gegenwart. Beiträge eines interdisziplinären Symposions vom 23. — 25. November 1993 an der Freien Universität Berlin. Berlin 1994. 507 S. Der Sammelband dokumentiert die Beiträge der zweiten interdisziplinären Konferenz, die im Rahmen eines vierjährigen (1990–1994), von den Bundesministerien für Forschung und Technologie bzw. für Familie und Senioren geförderten, Forschungsvorhabens zum Thema “Die Zunahme der Lebensspanne seit 300 Jahren und die Folgen” im November 1993 in Berlin stattgefunden hat. Imhof umreißt die Zielsetzung der Tagung folgendermaßen: “Der programmatische Titel “Erfülltllt leben — in Gelassenheit sterben” verweist nicht auf eine von den Autoren zu liefernde bzw. gelieferte “Instant-Gebrauchsanweisung für ein gutes Sterben auf der Intensivstation, im Hospiz, auf dem Sterbelager zu Hause. Wer mit der Realisierung dieses Konzeptes erst dann beginnt, wenn er den Tod vor Augen hat, kommt viel zu spät. Gegen Torschlußpanik am Ende eines unerfüllten Lebens vermag es nichts auszurichten. Es handelt sich bei ihm vielmehr um eine Ars vivendi, die in ihrem lebenslangen Vollzug eine Ars moriendi mitbeinhaltet. “ (12) Zur Entwicklung eines geeigneten “Lebensplanes” sollten die vortragenden Wissenschaftler und Praktiker verschiedenster Fachrichtungen aus ihrer Perspektive beitragen. Dabei erhoffte man sich, durch die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit bzw. mit anderen Kulturen “auf Impulse für eine adäquate Behandlung heutiger Probleme zu stoßen” . Historische Aspekte finden sich in den Beiträgen von R. Spree (demographischen Veränderungen in Deutschland seit der Mitte des 19. Jhs.), J. Sundin und L.-G. Tedebrand (demographischen Entwicklungen in Schweden vom 18. Jh. bis zur Gegenwart), P. Borscheid (Wandel der “Lebensstufen” im Abendland) und in den Einleitungs- und Schlußaufsätzen Imhofs.Google Scholar
  6. 12.
    Mitre Fernandez, Emilio: La muerte vencida. Imagenes e historia en el Occidente Medieval (1200–1348) . Madrid 1988. 150 S. Der Verfasser diskutiert in vier Aufsätzen unterschiedliche Ansätze der neueren historischen, philosophischen und theologischen Forschung über die Einstellungen zum Tod im späten Mittelalter, beschäftigt sich mit der Wahrnehmung des Todes bei ausgewählten Theologen des 13. und 14. Jh., geht der Frage nach, ob sich tatsächlich um 1300 eine neue Haltung zum Leben und zum Tod abzeichnet und untersucht das Verhältnis zwischen dem Diskurs der Theologen und populären Vorstellungen und Praktiken.Google Scholar
  7. 13.
    Montandon-Binet, Christiane/Montandon, Alain (Hg.) : Savoir mourir. Actes du colloque international, Crateil 21–23 mai 1992. Paris 1993. 310 S. Die bei einem Kolloquium des Departement Santa & Société der Universität Paris-Val-de-Marne und dem CRLMC der Universität Blaise Pascal in Créteil gehaltenen Vorträge beschäftigen sich in zeitgenössischer und historischer Perspektive mit Fragen guten, menschenwürdigen Sterbens. Auf Mittelalter und frühe Neuzeit beziehen sich folgende Beiträge: A. Guiance beschreibt Merkmale der Todeserfahrung und -auffassung im Spanien des 14. und 15. Jhs. und will dabei herausfinden, ob es ein spezifisch spanisches Modell des Todes gegeben habe (verzeichnet wichtige spanische bzw. Spanien betreffende Literatur zum Thema) . A. Milhou-Roudie stellt Alejo Venegas’ Traktat “Agonia del tránsito de la muerte”, Toledo 1537, vor, der sowohl von den spätmittelalterlichen “Artes moriendi” wie von den Schriften des Erasmus v. Rotterdam beeinflußt ist. M. Porret beschäftigt sich mit einer Reihe von Suizidfällen in Genf in der Mitte des 18. Jhs . , an denen sich eine neue Haltung zum Selbstmord ablesen lasse. M.-C. Grassi befragt Briefe, die den Tod eines Menschen anzeigen und Kondolenzbriefe des 18. — 20. Jh. daraufhin, was sie über den sozialen Umgang mit Sterbenden und Toten und die Einstellung zum Tod aussagen können. R. Duroux analysiert am Beispiel des 1664 verfaßten Testament eines Kolporteurs Sterben und Tod von Migranten in der frühneuzeitlichen Gesellschaft.Google Scholar
  8. 14.
    Stadtmuseum Erlangen (Hg.): Memento mori! Zur Kulturgeschichte des Todes in Franken. Ausstellung im Stadtmuseum Erlangen, Autoren: Bernward Deneke u.a. Erlangen 1990. 154 S. Der Austellungskatalog präsentiert ein breites Spektrum von bildlichen und dinglichen Quellen zur Kultur des Todes und der Toten. Knappe, für ein breiteres Publikum bestimmte Aufsätze führen in die einzelnen Gegenstandsbereiche ein (ikonographische Themen, Totenbrauchtum und — gedenken, jüdische Trauervorschriften, Tod in der Gegenwart u. a.).Google Scholar
  9. 15.
    Taylor, Jane H. M. (Hg.): Dies illa. Death in the Middle Ages; proceedings of the 1983 Manchester Colloquium. Manchester 1984, 223 S. Die Mehrzahl der 12 thematisch sehr unterschiedliche Beiträge widmen sich literatur- und theologiegeschichtlichen Fragen. Zwei Autoren beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Totentanz und sozialer Realität (J. Batany, J. Taylor), P. King rekonstruiert den konkreten historischen Hintergrund einer Gruppe von für England besonderen Grabmälern, bei denen der Verstorbene mit einem verfallenden Körper oder als Skelett dargestellt wird. P. Burke skizziert knapp die Einstellungen zum Tod in Italien vom 14. bis zum 17. Jahrhundert. Rez .: Fraioli, D. In: Speculum 62, 1 (1987), 241f.Google Scholar
  10. 16.
    Tetel, Marcel/Witt, Ronald G. /Goffen, Rena (Hg.): Life and death in fifteenth-century Florence. Durham N. C. 1989. 254 S. Die 10 Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich in kunst-, musik-, literaturwissenschaftlicher und historischer Perspektive mit Todeserfahrung, -wahrnehmung und -verarbeitung im Florenz des 15. und 16. Jahrhunderts: A . Tenenti befragt die Florentiner Chronistik der Jahre 1350–1550 daraufhin, welche Rolle sie dem Tod als historische Kraft zumißt. Auf einer breiten Quellenbasis studiert A. G. Carmichael die alltäglichen Krankheiten und Todesursachen der Menschen in den italienischen Städten des 15. Jhs. und kommt dabei zu dem überraschenden Ergebnis, daß die Tuberkulose Haupttodesursache der städtischen Bevölkerung Nord- und Zentralitaliens gewesen ist. D. Weinstein befaßt sich am Beispiel von Savonarolas Predigten und Schriften über Sterben und Tod mit dem in der Forschung vieldiskutierten Problem des Verhältnisses von Eliten- und Volksfrömmigkeit. C. Barr gibt einen detaillierten Einblick in Arbeit, Besitz und Organisationsstrukturen der “Compagnia di Sant’ Agnese” , einer Bruderschaft, deren Hauptzweck darin bestand, den Tod eines Mitglieds durch das Singen des sog. “Laude” zu begleiten. In ihrer Analyse des Bestattungsbrauchtums führender Florentiner Familien zeigt S. T. Strocchia, daß dessen Rituale ganz wesentlich darauf ausgerichtet waren, “Ehre” herzustellen und zu bewahren. Weitere Beiträge von S. Blake McHam, S. I. Camporeale, C. Gilbert, W. J. Kennedy, J. MacManamon. Rez.: Brucker, G. A. In: The Catholic Historical Review 76 (1990), 364366; Jansen, Ph. In: Revue historique 284 (1990), 207f.Google Scholar

1.4 Überblicksdarstellungen

  1. 17.
    Dinzelbacher, Peter: Artikel “Sterben/Tod Mittelalter” . In: Dinzelbacher, Peter (Hg.): Europäische Mentalitätsgeschichte. Hauptthemen in Einzeldarstellungen. Stuttgart 1993, 244–260. Der Verfasser charakterisiert in stark komprimierter Form die vielen Facetten der Einstellungen zu Sterben und Tod vom Frühmittelalter bis zur Reformation. Mit knapper Bibliographie der Standardliteratur und neuester Forschungen.Google Scholar
  2. 18.
    Grabmayer, Johannes: Volksglauben und Volksfrömmigkeit im spätmittelalterlichen Kärnten. Wien 1994, 327 S. Einführung in die Vorstellungs- und Lebenswelten der spätmittelalterlichen Kärntner, zu denen neben Heiligenverehrung, Wallfahrten, Prozessionen, abergläubischen Praktiken etc. eben auch der Umgang mit dem Tod und den Toten gehört, dem Grabmayer zwei Kapitel widmet, die sich mit den Begräbnisplätzen und -bräuchen, dem Wiedergänger-Glauben und den Seelgerätstiftungen befassen. Der Vorzug von Grabmayers Arbeit liegt in ihrer räumlichen Begrenzung, die es möglich macht, zahlreiche lokale Quellen im Zusammenhang auszuwerten. Einzelne Elemente des Totenkultes können dadurch präziser beschrieben werden als in globalen, regional nicht ausreichend differenzierenden Überblickwerken, gegen die derVerfasser deshalb auch in einigen Punkten begründete Einwände erheben kann.Google Scholar
  3. 19.
    Haas, Alois Maria: Todesbilder im Mittelalter. Fakten und Hinweise in der deutschen Literatur. Darmstadt 1989, 299 S. Das Buch beginnt mit philosophisch-theologischen “Prolegomena zur Problematik des Todes” und einer von Feuerbachs “Deutung des mittelalterlichen Todesdenken” ausgehenden Einführung in die “theoretische Dimension mittelalterlicher Thanatologie” . Daran anschließend beschreibt der Zürcher Germanist diverse Aspekte des Sterbeverhaltens und des Begräbnisbrauchtums, der Totenliturgie, Jenseitsvorstellungen und -visionen. Erst danach kommt er auf sein eigentliches Thema zu sprechen: die “Gestaltung des Todes” in den Dichtungen des frühen Mittelalters, den Heldenepen des 12. Jhs. , dem höfischen Roman und insbesondere im “Tristan” Gottfrieds von Straßburg. Überlegungen zu den Varianten der mystischen Metaphorisierung des Todes und der sich auf verschiedenen Ebenen bemerkbar machenden spätmittelalterlichen Todesdrastik sowie eine 40seitige Bibliographie schließen dieses aus Vorlesungen und einem Vortrag hervorgegangene Buch ab. Rez .: Hartmann, S. In: Etudes Germanique, Paris 46, 2 (1991), 236f.; Martin, N. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 48, 2 (1992), 853f.; Palmer, N. In: Arbitrium 9, 1 (1991), 18–21Google Scholar
  4. 20.
    Imhof, Arthur Erwin: Ars moriendi. Die Kunst des Sterbens einst und heute. Wien 1991. 184 S., 12 Abb. In seiner an ein breiteres Publikum gerichteten Studie unternimmt der Berliner Sozialhistoriker den Versuch, eine neue, zeitgemäße “Kunst des Sterbens” zu entwickeln, u. z., indem er die Situation früherer Generationen mit derjenigen von heute kontrastiert. Leitmotivisch durchzieht das gesamte Buch die Frage: “Was können wir aus der historischen Behandlung des Sterbe- und Todesthemas im Hinblick auf eine neue ‘Ars moriendi’ lernen?” (168) Zur Beantwortung wählt er einen an Kunst und Literatur orientierten Zugang: Er untersucht Ars moriendi-Texte und — Illustrationen und die Umsetzung des Sterbe- und Todesmotivs in den Werken von Niklaus Manuel Deutsch, Hans Baldung Grien, Hans Holbein, Ferdinand Hodler, Edvard Munch und Hugo Simberg. Er kommt dabei zu dem Schluß, daß über Jahrhunderte hinweg unsere Vorfahren gezwungen waren, “angesichts fortwährender existentieller Unsicherheit sich ein Leben lang mit Sterben und Tod auseinanderzusetzen” . (160) Die rechtzeitige Besinnung des Einzelnen auf die eigene Sterblichkeit trotz entscheidend verbesserter demographischer, sozialer und medizinischer Rahmenbedingungen heutzutage sei dringend vonnöten. Nur so könne die “Ars moriendi” wiederbelebt werden, die, richtig betrachtet, in eine neue “Ars vivendi” münde, der folgerichtig auch Imhofs nächstes Werk (1992) gewidmet war. Rez.: Leu, B. In: Paedagogica Historica. International journal of the history of education 29, 1 (1993), 369–372.Google Scholar
  5. 21.
    Kessel, Martina: Artikel “Sterben/Tod Neuzeit” . In: Dinzelbacher, Peter (Hg.): Europäische Mentalitätsgeschichte. Haupthemen in Einzeldarstellungen. Stuttgart 1993, 260–274. Die Verfasserin skizziert Phasen und Merkmale der Einstellungen gegenüber Sterben und Tod von der Reformation bis zur Gegenwart. Generell sieht sie diesen Zeitraum durch einen “Wandel von der physischen und religiös-kulturellen Omnipräsenz des Todes zu seiner institutionellen und mentalen Verdrängung” (260) gekennzeichnet. In der Konfessionalisierung, Säkularisierung, Verringerung der Sterblichkeitsraten und der allmählichen Erhöhung der mittleren Lebenserwartung sind ihrer Ansicht nach die Gründe für diesen Prozeß zu suchen. Eine knappe Bibliographie der Standardliteratur und der neuesten Forschungen ergänzt diesen Überblick.Google Scholar
  6. 22.
    Llewellyn, Nigel: The art of death. Visual culture in English death ritual c. 1500 — c. 1800. London 1991. 160 S., 101 Abb. Gegenstand dieser reich bebilderten Studie des britischen Kunsthistorikers sind Sterben, Tod und Trauer thematisierende künstlerische und kunstgewerbliche Artefakte. Das Spektrum reicht von Gemälden bedeutender Künstler bis zu weitgehend unbekannten Objekten der Kleinkunst.Google Scholar
  7. 23.
    Ohler, Norbert: Sterben und Tod im Mittelalter. München 1990. 320 S. Ohlers Buch gehört zu den wenigen deutschsprachigen Studien, die eine — hier auf das Mittelalter begrenzte — Gesamtschau der mit Sterben und Tod zusammenhängenden Aspekte zu geben versucht. Im Anschluß an einleitende Hinweise auf zentrale demographische Entwicklungen der Epoche macht er deutlich, daß die stete Ermahnung und Erinnerung an den Tod (memento mori) und die bereits zu Lebzeiten organisierte Sorge für das Seelenheil (durch Gebetsverbrüderungen, Bruderschaften, Stiftungen) eine weit größere Bedeutung gehabt haben als heute. An Hand einer konstruierten fiktiven “Kollektivbiographie” zeigt er sodann exemplarisch verschiedene Arten mittelalterlichen Sterbens auf. Das umfangreiche Kapitel “Bruder des Schlafes” vermittelt Einsichten über die Haltungen gegenüber dem gerade Verstorbenen, die Sorge für den Toten bis zur Beisetzung, die Praxis der Reliquienentnahme und Gebeinteilung, standesspezifische Begräbnisrituale und Formen von Trauer und Trost. Im Rahmen der Geschichte der Begräbnisorte von der Antike bis zum späten Mittelalter erfährt der Friedhof in seiner Multifunktionalität als Rechts-, Wirtschafts-, Sakral- und Sozialraum besondere Beachtung. Diverse Jenseitskonzepte, die Problematik des vorzeitigen und des gewaltsamen Todes sowie individuelle und gesellschaftliche Reaktionen angesichts des Massensterbens in Pestzeiten sind weitere Themen. Rez.: Koelbing, H. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 43, 1 (1993), 165f. ; Schipperges, H. In: Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 78, 2 (1991), 239.Google Scholar
  8. 24.
    Pfister, Christian: Bevölkerungsgeschichte und Historische Demographie 1500–1800. München 1994. 148 S. Neueste komprimierte Darstellung zum Thema, die im ersten Teil einen knappen enzyklopädischen Überblick über den gegenwärtigen Wissensstand (u. a. Sterblichkeitsraten, Säuglings- und Müttersterblichkeit, epidemische Krisen und Maßnahmen zu deren Bekämpfung) bietet und im zweiten Teil über Grundprobleme und Tendenzen der jüngsten und laufenden Forschungen informiert (Sterblichkeitsentwicklung, Typologie von Sterblichkeitskrisen, soziale Ungleichheit vor dem Tod, Kindstötung, medizinhistorische Untersuchung von Epidemien, offene Fragen der Pestdemographie u. a. mehr). Mit einer 245 Titel umfassende Auswahlbibliographie, die Quellensammlungen, Bibliographien und Darstellungen verzeichnet.Google Scholar

2. Kollektive Mentalitäten 2. 1 Einstellungen zum Tod

  1. 25.
    Borst, Arno: Drei mittelalterliche Sterbefälle. In: Ders.: Barbaren, Ketzer und Artisten. Welten des Mittelalters. München 21990 (11988), 567–598 In diesem Aufsatz erweitert und vertieft Borst seine erstmals 1980 geäußerte Kritik an den Methoden und Thesen von Philippe Aries (Zwei mittelalterliche Sterbefälle. In: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 34 (1980), 1081–1098) . Prinzipiell moniert er, daß Aries zwar vieles über die Einstellungen zum Tod, Todesfurcht, den Umgang mit den Toten u. ä. zu berichten weiß, von dem zentralen Thema aber, nämlich dem Sterben selbst, nur selten die Rede ist. Borst stimmt mit Aries darin überein, daß es einen grundlegenden Wandel in der Geschichte des Sterbens gegeben habe. Es frage sich allerdings, wo seine Gründe liegen. Ariès sieht ihn von wechselnden “psychologischen Einstellungen zu philosophischen Grundfragen” bestimmt. Borst hingegen vermutet, daß das Sterbeverhalten wie andere “soziale Verhaltensweisen angesichts physischer Bedingungen” der Veränderung unterworfen ist. Anhand von je zwei Sterbefällen aus dem Früh-, Hoch- und Spätmittelalter bzw. der Renaissance illustriert und begründet Borst seine Periodisierung und Deutung der Geschichte des Sterbens.Google Scholar
  2. 26.
    Breure, Leendert: Doodsbeleving en levenshouding. Een historisch-psychologisch studie betreffende de Moderne Devotie in het Ijsselgebied in de 14e en 15e eeuw. Hilversum 1987. 298 S., 20 Abb. Ziel des Verfassers ist es, die psychische Verfaßtheit der Mitglieder der “Devotio moderna” , einer innerkirchlichen Reformbewegung des späten Mittelalters, zu entschlüsseln. Um einen Einblick in die Struktur und Funktionsweise des religiösen “Selbst” der Devoten zu erhalten, analysiert er deren Einstellungen zum Tod, die, so seine Ausgangsthese, Ausdruck des Selbst sind. Breure arbeitet heraus, daß für die Devoten das Leben vor und nach dem Tod eine so weitgehende Einheit darstellt, daß das Sterben für sie lediglich ein gradueller Übergang bedeutet. Daß das irdische Leben begrenzt ist, ist für sie kein Grund, es mit einer größeren Intensität erfahren zu wollen. Vielmehr dient es ihnen lediglich als Basis dafür, durch Selbstdisziplin, -korrektur und -wahrnehmung der Verwirklichung des idealen Selbst möglich nahe zu kommen. Nach Ansicht Breures fehlte es den Devoten in ihrer Jenseitsorientiertheit an ausreichendem Kontakt zum irdischen Leben: “One could say with some exaggeration that they had repressed life in the same way in which death is repressed in our modern culture . “Google Scholar
  3. 27.
    Gittings, Clare: Death, burial and the individual in Early Modern England. London/Sydney 1984. 269 S. Gittings vertritt die These, daß letztlich weder religiöse noch philosophische Einflüsse das Verhältnis zum Tod und die Begräbnissitten verändert haben. Sie hält vielmehr den die Lebensauffassung im Verlauf der frühen Neuzeit immer stärker bestimmenden Individualismus für entscheidend. Diesen Interpretationsansatz sucht sie durch einen Rückblick auf die ihrer Meinung nach noch die Gruppensolidarität betonende spätmittelalterliche Tradition und eine sozial differenzierende Analyse der Sterbe- und Begräbniskultur im vormodernen England zu belegen. Rez.: Carlson, E. J. In: The Sixteenth Century Journal 21, 2 (1990), 339f.Google Scholar
  4. 28.
    Gurjewitsch, Aaron J. : Die Darstellung von Persönlichkeit und Zeit in der mittelalterlichen Kunst und Literatur (in Verbindung mit der Auffasssung vom Tode und des Jenseits) . In: Archiv für Kulturgeschichte 71 (1989), 144. Der russische Historiker setzt sich kritisch mit Quellenauswahl und Methode der Forschungen von P. Ariès auseinander. Durch ikonographische Untersuchungen war dieser zu dem Schluß gekommen, daß die mittelalterlichen Jenseitsvorstellungen durch die Idee des bis zur Wiederkehr Christi andauernden postmortalen Schlafes dominiert sind. Die gerade für die früh- und hochmittelalterliche Zeit überaus wichtige Quellengruppe der Jenseitsvisionen und Schilderungen von Jenseitsreisen hatte Ariès allerdings überhaupt nicht berücksichtigt. Sie zeichnen, wie Gurjewitsch betont, ein ganz und gar anderes Bild. Aries vertrat weiter die Ansicht, daß sich erst mit dem “buchhalterischen Geist des sachlichen Menschen” in der Vorrenaissance die Idee des Partikulargerichts durchzusetzen begann. Bis dahin habe man das universale Gericht am Ende der Welt für das einzig denkbare gehalten. Auch diese Einschätzung trifft nach Ansicht von Gurjewitsch mit Blick auf die früh- und hochmittelalterliche Jenseitsliteratur nicht zu, in der zuweilen beide Formen in paradoxer Weise nebeneinander stehen. Die Vorstellung von der menschlichen Persönlichkeit, die für ihr Los verantwortlich ist, habe sich nicht erst mit dem Übergang zur Renaissance entwickelt, sondern sei bereits dem Mittelalter untrennbar verbunden gewesen. Das Schwanken zwischen der Idee des individuellen und des kollektiven Gerichts hängt, so Gurjwewitsch weiter, vermutlich damit zusammen, daß sich der mittelalterliche Mensch gleichzeitig in zwei Zeitebenen empfand, in der des vergänglichen individuellen und des universalen heilsgeschichtlichen Lebens.Google Scholar

2.2 Theologie des Todes, Jenseitsvorstellungen, Nah-Todeserlebnisse

  1. 29.
    Baschet, Jéröme: Les justice de l’au-delä. Les représentations de l’enfer en France et en Italie (XIIe-XVe siècle). Roma 1993. 700 S. , 184 Abb. Monumentale Studie, die den Wandel der Höllen-Darstellung in der italienischen und französischen Wand-, Buch-, Tafelmalerei und Bauplastik von ca. 1100 bis ca. 1500 analysiert und die kunsthistorischen Ergebnisse in einen theologie- und mentalitätsgeschichtlichen Zusammenhang einordnet. Vorwort von J. Le Goff. Im Anhang u. a. ausführliche Doku-Google Scholar
  2. 28.
    Gurjewitsch, Aaron J. : Die Darstellung von Persönlichkeit und Zeit in der mittelalterlichen Kunst und Literatur (in Verbindung mit der Auffasssung vom Tode und des Jenseits) . In: Archiv für Kulturgeschichte 71 (1989), 144. Der russische Historiker setzt sich kritisch mit Quellenauswahl und Methode der Forschungen von P. Ariès auseinander. Durch ikonographische Untersuchungen war dieser zu dem Schluß gekommen, daß die mittelalterlichen Jenseitsvorstellungen durch die Idee des bis zur Wiederkehr Christi andauernden postmortalen Schlafes dominiert sind. Die gerade für die früh- und hochmittelalterliche Zeit überaus wichtige Quellengruppe der Jenseitsvisionen und Schilderungen von Jenseitsreisen hatte Ariès allerdings überhaupt nicht berücksichtigt. Sie zeichnen, wie Gurjewitsch betont, ein ganz und gar anderes Bild. Aries vertrat weiter die Ansicht, daß sich erst mit dem “buchhalterischen Geist des sachlichen Menschen” in der Vorrenaissance die Idee des Partikulargerichts durchzusetzen begann. Bis dahin habe man das universale Gericht am Ende der Welt für das einzig denkbare gehalten. Auch diese Einschätzung trifft nach Ansicht von Gurjewitsch mit Blick auf die früh- und hochmittelalterliche Jenseitsliteratur nicht zu, in der zuweilen beide Formen in paradoxer Weise nebeneinander stehen. Die Vorstellung von der menschlichen Persönlichkeit, die für ihr Los verantwortlich ist, habe sich nicht erst mit dem Übergang zur Renaissance entwickelt, sondern sei bereits dem Mittelalter untrennbar verbunden gewesen. Das Schwanken zwischen der Idee des individuellen und des kollektiven Gerichts hängt, so Gurjwewitsch weiter, vermutlich damit zusammen, daß sich der mittelalterliche Mensch gleichzeitig in zwei Zeitebenen empfand, in der des vergänglichen individuellen und des universalen heilsgeschichtlichen Lebens.Google Scholar

2.2 Theologie des Todes, Jenseitsvorstellungen, Nah-Todeserlebnisse

  1. 29.
    Baschet, Jéröme: Les justice de l’au-delä. Les représentations de l’enfer en France et en Italie (XIIe-XVe siècle). Roma 1993. 700 S. , 184 Abb. Monumentale Studie, die den Wandel der Höllen-Darstellung in der italienischen und französischen Wand-, Buch-, Tafelmalerei und Bauplastik von ca. 1100 bis ca. 1500 analysiert und die kunsthistorischen Ergebnisse in einen theologie- und mentalitätsgeschichtlichen Zusammenhang einordnet. Vorwort von J. Le Goff. Im Anhang u. a. ausführliche Dokudas Interaktionssystem und die gesellschaftliche Ordnung der jeweiligen Himmelsentwürfe, also um eine “Kultur- und Sozialgeschichte” des Himmels. Aus der überwältigenden Vielfalt der Himmelsvorstellungen lassen sich zwei einander abwechselnde Grundvorstellungen herauskristallisieren, die “einer ewigen Einsamkeit mit Gott” und die einer Seligkeit in “Gemeinschaft mit Familie, Freunden, Verwandten” . Die erste Variante wird von den Verfassern als “theozentrisch” , die zweite als “anthropozentrisch” bezeichnet. Dabei zeichnet sich jede der beiden Sichtweisen durch einen spezifischen Formenreichtum und eine eigene Geschichte aus, die vom sozialen, religiösen und kulturellen Kontext der jeweiligen Gesellschaften, ihren Ängsten, Wünschen und Hoffnungen abhängig ist. Die Verfasser verfolgen beide Traditionsstränge von den neutestamentlichen Schriften bis zur gegenwärtigen Theologie. Rez.: Basford, T. K., Near-death experiences: an annotated bibliography. New York u. a. 1990, 167f. ; Harries, K. In: American Historical Review 95 (1990), 773f.Google Scholar
  2. 34.
    Minois, George: Die Hölle. Zur Geschichte einer Fiktion. München 1994 (Paris 11991). 429 S. Nach Ansicht Minois’ gab und gibt es die Hölle in allen Zivilisationen. In seiner Studie will er zeigen, daß die existierenden Varianten “die kollektiven Ängste innerhalb der einzelnen Gesellschaften widerspiegeln, da sie immer versuchen, auf das Grundproblem des moralisch Bösen eine Antwort zu finden. Die christliche Hölle nimmt dabei eine zentrale Stellung ein, denn sie war das dauerhafteste, am besten durchdachte und vollständigste System von allen, der Höhepunkt einer Idee, die viel älter ist als das Christentum selbst und die sich auch in unserer säkularisierten Welt weiterentwickeln wird. “ (13) In einem chronologischen Längsschnitt analysiert er umfassend die Entwicklung der Höllenvorstellungen von den vorchristlichen Kulturen bis zur heutigen Zeit, wobei der christliche Entwurf mit seinen verschiedenen Ausformungen im Mittelpunkt steht. Rez .: Baschet, J. in: Annales ESC 1992, 120–122.Google Scholar
  3. 35.
    Vorgrimler, Herbert: Geschichte der Hölle. München 1993. 472 S. In Anlehnung an und Auseinandersetzung mit G. Minois gibt Vorgrimler einen Überblick über die Geschichte der christlichen Höllenvorstellungen, die er nach einer Analyse der einschlägigen neutestamentlichen Schriften zunächst in den Traditionszusammenhang der altorientalischen, der griechisch-römischen und der jüdischen Unterweltsvorstellungen einordnet. Es folgt eine Skizze der Höllenbilder in der frühchristlichen und scholastischen Theologie, in früh- und hochmittelalterlichen Visionen, der das Interaktionssystem und die gesellschaftliche Ordnung der jeweiligen Himmelsentwürfe, also um eine “Kultur- und Sozialgeschichte” des Himmels. Aus der überwältigenden Vielfalt der Himmelsvorstellungen lassen sich zwei einander abwechselnde Grundvorstellungen herauskristallisieren, die “einer ewigen Einsamkeit mit Gott” und die einer Seligkeit in “Gemeinschaft mit Familie, Freunden, Verwandten” . Die erste Variante wird von den Verfassern als “theozentrisch” , die zweite als “anthropozentrisch” bezeichnet. Dabei zeichnet sich jede der beiden Sichtweisen durch einen spezifischen Formenreichtum und eine eigene Geschichte aus, die vom sozialen, religiösen und kulturellen Kontext der jeweiligen Gesellschaften, ihren Ängsten, Wünschen und Hoffnungen abhängig ist. Die Verfasser verfolgen beide Traditionsstränge von den neutestamentlichen Schriften bis zur gegenwärtigen Theologie. Rez.:Google Scholar
  4. 35a.
    Basford, T. K., Near-death experiences: an annotated bibliography. New York u. a. 1990, 167f. ; Harries, K. In: American Historical Review 95 (1990), 773f.Google Scholar
  5. 36.
    Vorgrimler, Herbert: Geschichte der Hölle. München 1993. 472 S. In Anlehnung an und Auseinandersetzung mit G. Minois gibt Vorgrimler einen Überblick über die Geschichte der christlichen Höllenvorstellungen, die er nach einer Analyse der einschlägigen neutestamentlichen Schriften zunächst in den Traditionszusammenhang der altorientalischen, der griechisch-römischen und der jüdischen Unterweltsvorstellungen einordnet. Es folgt eine Skizze der Höllenbilder in der frühchristlichen und scholastischen Theologie, in früh- und hochmittelalterlichen Visionen, der Ergebnis läßt die Verfasserin zu dem Schluß kommen, daß die Jenseitserzählung ein Werk der gesellschaftlich geprägten, religiösen Vorstellung ist. Rez.:Google Scholar
  6. 36a.
    Gardiner, E., Medieval visions of heaven and hell: a sourcebook, New York u. a. 1993, Nr. 74, 21; Sturlese, L. In: FAZ Nr. 184 vom 11.8.93, 24.Google Scholar
  7. Gardiner, E., Medieval visions of heaven and hell: a sourcebook, New York u. a. 1993, Nr. 74, 21; Sturlese, L. In: FAZ Nr. 184 vom 11.8.93, 24.Google Scholar

2.3 Vorstellungen vom Toten

  1. Gardiner, E., Medieval visions of heaven and hell: a sourcebook, New York u. a. 1993, Nr. 74, 21; Sturlese, L. In: FAZ Nr. 184 vom 11.8.93, 24.Google Scholar
  2. 38.
    Angenendt, Arnold: Der “ganze” und “unverweste” Leib — eine Leitidee der Reliquienverehrung bei Gregor von Tours und Beda Venerabilis. In: Mordek, Hubert (Hg.): Aus Archiven und Bibliotheken. Festschrift für Raymund Kotte zum 65. Geburtstag. Frankfurt a. M. u.a. 1992, 33–50. Bereits in spätantiken und frühmittelalterlichen Quellen wird von dem bei der Öffnung von Heiligengräbern beobachteten Phänomen des “corpus incorruptum” berichtet. Es wird von den Autoren im Zusammenhang mit der generellen Frage diskutiert, wie man sich die Auferstehung des Fleisches zu denken hat. Der unversehrte Leib Christi stellte den Garanten für die leibliche Auferstehung dar. Von ihm werde, so der Kerngedanke, die Möglichkeit zur Auferstehung auf die Körper der für das ewige Leben Auserwählten übergehen. Der unverweste Leib des Heiligen, der zwar mit dem Körper noch im Grab lag, sich mit der Seele aber bereits im Himmel befand, war so unmittelbar evidentes Zeichen der Verbindung der irdischen mit der jenseitigen Welt und damit ein verläßlicher Hinweis auf die Erfüllung des Heilsversprechens. Die mittelalterliche Reliquienverehrung, seit der Reformation als “Knochenanbetung”, “Magie” und “Priesterbetrug” gebrandmarkt, erhält von dort her ihren durchaus verständlichen Sinn. In “Der ganze und der unversehrte Leib ... “ greift Angenendt die in dem früheren Aufsatz formulierten Überlegungen auf und erweitert und präzisiert sie an Hand der Äußerungen und Vorstellungen des Gregor von Tours (gest. 594) und des Beda Venerabilis (gest. 735) .Google Scholar
  3. 39.
    Barber, Paul: Vampires, burial, and death: Folklore and reality. New Haven/London 1988. Der Verfasser befaßt sich mit volkstümlichen Vorstellungen und Phantasien bei Zigeunern und in der süd- und osteuropäischer Vampirliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts, die sich mit den als böswillig und bedrohlich geltenden Wiedergängern beschäftigen. Sie hängen, so Barbers These, mit dem Bemühen der Menschen in vorindustriellen Kulturen zusammen, Prozesse und Phänomene, die mit dem Tod, vor allem aber mit der Zersetzung und Auflösung des Körpers zu tun haben, zu erklären. Rez.: Degh, L. In: American Historical Review 95 (1990), 808f.Google Scholar
  4. 40.
    Lecouteux, Claude: Geschichte der Gespenster und Wiedergänger im Mittelalter. Köln/Wien 1987. 306 S. Ziel des frz. Germanisten ist die Erforschung der Geschichte der Gespenster und Wiedergänger vom 9. bis 13. Jh. in den (nord-)germanischen Ländern. Untersucht werden vornehmlich theologische Texte und lat. Exempelliteratur, volkssprachliche Erzählungen und Sagen. Nach einer Schilderung der Vorstellungen von den Toten und des Totenbrauchtums in der heidnisch-römischen und christlichen Antike und im Mittelalter versucht der Verfasser, die in den Quellen dokumentierten Erscheinungen von “unechten Wiedergängern” und “unheimlichen Leichnamen” von denen “echter Wiedergänger” zu trennen. Diesen Befund korreliert er mit heidnisch-germanischen Tod- und Jenseitsvorstellungen. In der christlichen Theologie seien, so Lecouteux, Spukgestalten mit dem Ziel dämonisiert worden, sie auszurotten. Da dies auf lange Sicht nicht gelang, habe man versuchte, sie zu integrieren, indem man ihnen einen Platz zwischen Heiligenkult und Totenliturgie einräumte. Allein in der mündlichen Tradition konnten die Gespenster weiterleben. Diesen Vorgang rekonstruiert der Verfasser abschließend an Hand von etwa hundert Sagen des 16.–19. Jahrhunderts. Rez. des frz. Originals: Schmitt, J.-C. In: Annales 42 (1987), 632–634Google Scholar
  5. 41.
    Richardson, Ruth: Death, dissection, and the destitute. London/New York 1989, 11987. 426 S. Die Verfasserin analysiert die Hintergründe und Folgen des britischen “Anatomy Act” des Jahres 1832, der es den Behörden erlaubte, statt der Leichen von gehängten Mördern nun die Körper der in Arbeitshäusern und Hospitälern Gestorbenen, die zu arm gewesen waren, das eigene Begräbnis zu zahlen, für anatomische Studien bzw. Sektionen zu beschlagnahmen. In den ersten beiden Kapiteln stellt sie dar, wie der tote Körper im 16. und 17. Jh. auf einem sich wandelnden religiösen und sozialen Hintergrund wahrgenommen und behandelt wurde. Enthält ausführliche Quellen- und Literaturbibliographien und einen Sach-, Namen-, Ortsindex. Rez.: Fissel, M. In: Isis. An intern. review devoted to the history of science and its cultural influence 80, 301 (1989), 107f. ; Habrich, C. In: Zeitschrift für Volkskunde 87 (1991), 156f. ; Marland, Hilary. In: American Historical Review 95 (1990), 165f.Google Scholar
  6. Richardson, Ruth: Death, dissection, and the destitute. London/New York 1989, 11987. 426 S. Die Verfasserin analysiert die Hintergründe und Folgen des britischen “Anatomy Act” des Jahres 1832, der es den Behörden erlaubte, statt der Leichen von gehängten Mördern nun die Körper der in Arbeitshäusern und Hospitälern Gestorbenen, die zu arm gewesen waren, das eigene Begräbnis zu zahlen, für anatomische Studien bzw. Sektionen zu beschlagnahmen. In den ersten beiden Kapiteln stellt sie dar, wie der tote Körper im 16. und 17. Jh. auf einem sich wandelnden religiösen und sozialen Hintergrund wahrgenommen und behandelt wurde. Enthält ausführliche Quellen- und Literaturbibliographien und einen Sach-, Namen-, Ortsindex. Rez.: Fissel, M. In: Isis. An intern. review devoted to the history of science and its cultural influence 80, 301 (1989), 107f. ; Habrich, C. In: Zeitschrift für Volkskunde 87 (1991), 156f. ; Marland, Hilary. In: American Historical Review 95 (1990), 165f.Google Scholar
  7. 42.
    Schmitt, Jean-Claude: Macht der Toten. Macht der Menschen. Gespenstererscheinungen im hohen Mittelalter. In: Lüdtke, Alf (Hg.): Herrschaft als soziale Praxis. Historische und sozialanthropologische Studien. Göttingen 1991, 143–167 (ohne die Einleitung auch erschienen unter dem Titel “Les revenants dans la société féodale” . In: Le temps de la réflexion 3 (1982), 285–306) . Wie C. Lecouteux und P. Barber beschäftigt sich Schmitt mit der bisher vernachlässigten Geschichte der Gespenstererscheinungen. Aber anders als Lecouteux und Barber interessiert er sich nicht für populäres Brauchtum und literarische Überlieferungen sondern für die soziale Funktion der Vorstellungen vom lebenden Toten. Das Gespenst erscheint häufig als “Verkörperung der verinnerlichten und verdrängten Ordnung”, die entweder der Verstorbene zu seinen Lebzeiten nicht beachtet hatte oder der Lebende jetzt nicht einhält, und die durch die Erfüllung des Gespensterauftrages wiederhergestellt werden soll. Das Gespenst als etwas “Imaginäres” ist somit gleichsam eine Instanz, die die Einhaltung der von den Vorfahren überlieferten Verhaltensregeln kontrolliert und damit die gesellschaftliche Ordnung stabilisiert.Google Scholar
  8. 43.
    Schmitt, Jean-Claude: Les revenants: les vivants et les morts dans la société médiévale . Paris 1994. 306 S., 30 Abb. Der Verfasser zeigt in einer umfassenden Analyse von Berichten, Erzählungen und bildlichen Darstellungen von Gespenstern vom 5. bis 15. Jh. , daß der Glaube an Gespenster und Wiedergängern von den Strukturen und der Wirkungsweise einer Kultur abhängig ist und, in Bezug auf das Mittelalter, unmittelbar mit der Funktion der Totenmemoria und dem sozialen Gedächtnis und Vergessen der Gesellschaft zu tun hat: “Nous nous demanderons en effet comment les hommes du passe ont cherché ä se souvenir de leurs défunts, mais surtout à les oublier, et comment certains de ces morts — morts “très spéciaux” eux aussi, mais dans l’ imperfection plus que dans la sainteté -, se rebellaient en apparence contre la volonté d’oubli des vivants, ranimaient leurs souvenirs, envahissaient leurs rêves, hantaient leur maison” . (19)Google Scholar

3. Kunst des Sterbens 3.1 Vorsorge für einen guten Tod: Memento mori 3.2 Vorsorge für einen guten Tod: Stiftungen

  1. 44.
    Baur, Paul: Testament und Bürgerschaft. Alltagsleben und Sachkultur im spätmittelalterlichen Konstanz. Sigmaringen 1989, 292 S. Der Verfasser interpretiert die untersuchten 500 Konstanzer Testamente vor allem dahingehend, wie die Konstanzer Bürger des späten Mittelalters durch Stiftungen ihr Seelenheil zu sichern, gleichzeitig aber auch die von ihnen bevorzugten geistlichen Gemeinschaften zu unterstützen suchten. Rez.: Burmeister, K.H. In: Montfort 44, 4 (1992), 368f.; Eitel, P. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 50 (1991), 487f.; Hlavácek, I. In: Zeitschrift für Historische Forschung 19 (1992), 99f. ; Vogtherr, T. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 1 (1993), 417.Google Scholar
  2. 45.
    Cohn, Samuel Kline: The cult of remembrance and the Black Death. Baltimore 1992. 429 S. In seiner Studie über “Death and property in Siena” hatte u. a. Cohn die Frage aufgeworfen, ob die Pestwellen des 14. Jhs. einen meßbaren Einfluß auf die Stiftungspraxis Sieneser Bürger ausgeübt haben. Legt man die von ihm untersuchten Testamente zugrunde, so trifft dies für die Epidemie von 1348 nicht zu. Nach wie vor zogen es die Erblasser vor, viele verschiedene geistliche und caritative Einrichtungen mit kleinen Legaten zu bedenken. Dies geschah ganz im Sinne eines von den Bettelorden favorisierten Frömmigkeitsverhaltens, das die Stifterpersönlichkeit nicht in den Vordergrund rücken sollte. Mit der erneuten Pestwelle in den 1360er Jahren setzten die Sieneser nicht mehr auf eine solche Strategie der “Selbstverleugnung” . Sie bevorzugten nun größere geschlossene Stiftungen, die das Andenken an den Verstorbenen besser bewahren konnten. In seinem neuen Buch wollte Cohn überprüfen, ob die für Siena zu Tage getretenen Ergebnisse generalisierbar sind. Dazu analysierte er über 40000 Vermächtnisse vom 12. Jh. bis 1425 aus Arezzo, Assisi, Florenz, Perugia und Pisa. Obgleich für jede Stadt gewisse Sonderentwicklungen festzumachen sind, bestätigte sich letzlich der am Beispiel Sienas gewonnene Eindruck.Google Scholar
  3. 46.
    Cohn, Samuel Kline Jr.: Death and property in Siena, 12051800: Strategies for the afterlife. Baltimore 1988. 330 S. Wie und mit welchem Ziel die Sieneser im Verlauf von sechs Jahrhunderten das Leben nach ihrem Tod planten, ist Gegenstand von Cohns Studie, die sich im wesentlichen auf eine Auswertung von knapp 1800 Testamenten stützt. Die grundlegenden Einstellungen gegenüber Religion, Eigentum und Wohltätigkeit und ihr Wandel sollen auf diese Weise in den Blick gebracht werden. Diese Zielsetzung läßt bereits anklingen, daß Cohn zwei historiographische Methoden miteinander zu verbinden sucht: die der französischen “Annalisten”, die Testamente auswerten, um kollektive religiöse Haltungen zu erfassen, und die der angelsächsischen Historiker, denen es in erster Linie um die Erkenntnis von Vererbungsmustern und deren wirtschaftliche Auswirkungen geht. Es zeigt sich, so Cohn, daß man Brüche und Veränderungen in der religiösen Mentalität und in der Vererbungspraxis eindeutig als unmittelbare Folgen von einzelnen historischen Ereignissen identifizieren kann. Sie sind also weder als nur graduelle, langsame Verschiebungen im Sinne der ‘longue durée’ , die von den Vertretern der Annales-Schule favorisiert wird, noch als Reaktionen auf demographische und ökonomische Zyklen zu verstehen. Für Cohn kristallisieren sich drei Wendepunkte heraus: die Pestepidemie des Jahr 1363, die Visitationen des Bischofs Bossi im Jahr 1575, die im Zuge des Trienter Konzils durchgeführt wurden und die Gesetzgebung des Großherzogs Franz Stefan in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Rez.: Astarita, T. In: Renaissance Quarterly 42 (1989), 833835; Banker, J. R. In: Journal of Interdisciplinary History 20 (1990), 672675; Epstein, Steven. In: American Historical Review 95 (1990), 860 ; Kuehn, T. In: Journal of Moderm History 62 (1990), 624–626; Schmidt, A. In: Canadian Philosophical Review 5, 1 (1990), 283.285; Trexler, Richard C. In: The Catholic Historical Review 76 (1990), 95f.Google Scholar
  4. 47.
    Grabmayer, Johannes: Volksglauben und Volksfrömmigkeit im spätmittelalterlichen Kärnten. Wien 1994. Für das 2. Kapitel seines Buches über Seelgerätstiftungen analysierte der Verfasser über 600 Stiftungsurkunden aus dem Zeitraum 1300–1500. Die von anderen Forschern geäußerte Vermutung, daß gerade in Pest- und Erdbebenzeiten besonders häufig gestiftet wurde, kann er nicht bestätigen. Für die Schwankungen der letztendlich nachlassenden Stiftungsintensität macht er vielmehr die enorme Bevölkerungsabnahme, die auf Türkeneinfälle und Ungarnkriege, auf Naturkatastrophen und Fehden zurückzuführen ist, sowie einen möglicherweise damit verbundenen Rückgang der Frömmigkeit auf der Ebene der offiziellen Kirche verantwortlich.Google Scholar
  5. 48.
    Kamp, Hermann: Memoria und Selbstdarstellung. Die Stiftungen des burgundischen Kanzlers Rolin. Sigmaringen 1993. 372 S. Motive und Funktionen des spätmittelalterlichen Verlangens nach bleibender Erinnerung, so wie sie in Stiftungen zum Ausdruck kamen, fanden bislang, von Ausnahmen abgesehen, kaum das Interesse der Forschung. Kamp analysiert diese Phänome am Beispiel der Stiftungsaktivitäten des burgundischen Kanzler Nicolas Rolin, dessen vielfältige Stiftungen mit Ausnahme der bekannten Gründung des Hötel-Dieu in Beaune bisher noch nicht rekonstruiert und schon gar nicht in sozial strukturellen Zusammenhängen betrachtet worden sind.Google Scholar
  6. 49.
    Materielle Kultur und religiöse Stiftung im Spätmittelalter. Internationales RoundTable-Gespräch Krems an der Donau 26. September 1988. Wien 1990. Dieser Sammelband informiert über einige Facetten der von den Autoren als “Objektstiftungen” bezeichneten Dotationen. Einleitend gibt H. Kühnel einen breitgefächerten Überblick über “Sinn und Motivation mittelalterlicher Stiftungen”. G. Jaritz bemängelt, daß die bisherigen Untersuchungen zu religiös motivierten Stiftungen nur relativ selten dezidiert vom gestifteten Gegenstand ausgingen. Deswegen will er in seinem Beitrag Methoden und Ziele einer objektbezogenen Forschung erkunden. C. E. Janotta unternimmt den Versuch, “Objektstiftungen bei Wallfahrten unter einem historischen bzw. realienkundlichen Aspekt zu betrachten” . E. Vavra kommt durch eine Betrachtung mehrerer Einzelstiftungen in süddeutschen Städten zu dem Schluß, “daß sich der mittelalterliche Mensch des öffentlichen Charakters einer solchen Stiftung sehr wohl bewußt war, und daß er es sehr wohl verstand, im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten und im Rahmen der ihm von der Öffentlichkeit zugebilligten Möglichkeiten diesen Charakter zu nutzen. “ W. Schmid geht es darum, die “Kunststiftungen im spätmittelalterlichen Köln” in ein “komplexes System von Beziehungen zwischen Bürgerschaft und Kirche einzuordnen” . C. Göttler und P. Jezler rollen einen spektakulären Bildskandal aus dem Jahr 1506 um einen Allerseelen-Altar auf. I. Herklotz äußert Zweifel an den Ergebnissen der Forschungen, die den eigentlichen Anlaß für die Errichtung der Monumentalgräber in der liturgischen “memoria” oder der memento-mori Didaktik erkennen. Vielmehr ist seiner Meinung nach zumindest für das 14. Jh. die aufwendige Sepulkralkunst weit eher der Sparte der Repräsentationskunst zuzuordnen. Mit dem traditionellen Thema der karitativen Stiftungen beschäftigen sich R. Kiessling, J. Klassen, M. Gonon und U. Knefelkamp.Rez.: Borgolte, M. In: Historische Zeitschrift 254 (1992), 719f. ; Moraw, P. In: Zeitschrift für Historische Forschung 20, 3 (1993), 394.Google Scholar
  7. 50.
    Schleif, Corine: Donatio et Memoria. Stifter, Stiftungen und Motivation an Beispielen aus der Lorenzkirche in Nürnberg. München 1990, 288 S. , 184 Abb. Schleif geht in ihrer kunsthistorischen Dissertation am Beispiel der Nürnberger Lorenzkirche der Frage nach, inwieweit die mittelalterliche Vorstellung von der Käuflichkeit des Seelenheils das religiöse Leben, vor allem aber die Ausstattung der Kirchen bestimmt hat. Die Arbeit beruht größtenteils auf neu erschlossenen und sorgfältig dokumentierten schriftlichen Quellen. Die einer eingehenden ikonographischen Analyse unterzogenen Kunstobjekte zeigen eine nicht unbekannte Motivationslage: Auf der einen Seite ging es den Stiftern darum, mit Hilfe der von ihnen gewählten Fürbitter einen Zugang zu Gottes Gnade zu erlangen. Auf der anderen Seite legten sie Wert auf die Sicherung ihres Andenkens. Dabei war man stets darauf bedacht, einen Ausgleich zwischen “Donatio” und “Memoria” zu erzielen. Schleif kann durch eine Rekonstruktion der Stiftungsstandorte innerhalb der Kirche belegen, daß dort eine deutliche Hierarchie herrschte, die die Sozialstruktur der spätmittelalterlichen Gesellschaft widerspiegelte. Während das Mäzenatentum des frühen und hohen Mittelalter durch das Wirken herausragender Einzelstifter geprägt ist, zeichnet sich das spätmittelalterliche Stiftungswesen durch Stiftervielzahl und -vielfalt aus. Das wichtigste Bestreben aller Stifter richtete sich auf die Dauerhaftigkeit ihrer Stiftungen. “Die bedeutendste Sicherheit für die Unauflöslichkeit einer Stiftung boten jedoch zweifelsohne die inhäreten Mechanismen des Systems. Wären die Wünsche des Stifters nach seinem Ableben nicht mehr respektiert worden, so hätte es bald keine neuen Stifter mehr gegeben. Dieses wäre auch von Nachteil für die Allgemeinheit gewesen, da sie ebenfalls von den Stiftungen profitierte. Das Stiftungswesen verkörperte also ein in sich geschlossenes, selbsterhaltendes und -erneuerndes System. “ (233) Rez.: Lohrey, A. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 78 (1991), 289–291.Google Scholar

3. 3 Vorsorge für einen guten Tod: Testament

  1. 51.
    Baur, Paul: Testament und Bürgerschaft. Alltagsleben und Sachkultur im spätmittelalterlichen Konstanz. Sigmaringen 1989, 292 S. Baur wertet die rund 500 überlieferten Konstanzer Testamente des 14.–16. Jhs. unter rechts-, wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlichen Aspekten aus. Ziel ist, die Alltags- und Sachkultur der Erblasser, die zum überwiegenden Teil dem kaufmännischen wie dem politischführenden, landbesitzenden Patriziat entstammten, genauer begreifen zu können. Methodisch orientiert sich der Verfasser an dem von der französischen Sozialgeschichtsschreibung eingeführten Verfahren der “histoire serielle”, die eine Analyse der Fakten mit der Erfassung der Denkformen zu verknüpfen sucht. Besonders nützlich ist sein kurzer Abriß der Geschichte der Testamente in Deutschland und der ausführliche, problemorientierte Forschungsüberblick, der den Stand der Diskussion ausgewogen zusammenfaßt. Dazu trägt auch eine tabellarische “Synopse spätmittelalterlichfrühneuzeitlicher Testamentsforschungen” bei. Rez.: Burmeister, K.H. In: Montfort 44, 4 (1992), 368f. Eitel, P. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 50 (1991), 487f. Hlaväcek, I. In: Zeitschrift für Historische Forschung 19 (1992), 99f. Vogtherr, T. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 1 (1993).Google Scholar
  2. 52.
    Pasche, Veronique: Pour le salut de mon äme. Les Lausannois face ä la mort (XIVe siècle). Lausanne 1989. 252 S. Die Verfasserin interessiert sich für die Motive der Testamentsabfassung, der Wahl der Begräbnisplätze und den Verfügungen für ein liturgisches Totengedenken. Weiter geht sie der Frage nach, welche geistlichen Institutionen bei der Stiftungsvergabe bevorzugt wurden. Der eigentliche Text beansprucht nur knapp 120 S. , den Rest nimmt eine Edition (lateinisch mit französischer Übersetzung) von 10 Testamenten ein. Rez.: Croix, A. In: Annales ESC 46, 6 (1991), 1310f.Google Scholar

3.4 Sterben: geistliche und sakramentale Sterbehilfen

  1. 53.
    Paxton, Frederick S.: Christianizing death. The creation of a ritual process in early medieval Europe. Ithaca/London 1990. 229 S. Der Verfasser verfolgt die Entwicklung der liturgischen Riten für Kranke, Sterbende und Tote von ihren Ursprüngen im 4. Jh. bis zu dem (vorläufigen) Abschluß im 9. Jh. Es geht ihm darum, herauszufinden, wie “der Tod eines Christen zu einem christlichen Tod” (P.-A. Février) gemacht wurde. Paxton faßt den gegenwärtigen Stand der Forschung kenntnisreich zusammenfaßt. Seine Studie ist vor allem deshalb von Interesse, weil er versucht, die Struktur und Bedeutung der Riten im Licht anthropologi- scher Forschungen und Methoden zu erkennen und zu beurteilen. Dabei stützt er sich in erster Linie auf A. v. Genneps Modell der “Übergangsriten” . Dessen dreigeteilte Struktur (Trennung, Übergang, Eingliederung) veranlaßte Paxton, sich nicht nur für die Geschichte von Sterben und Begräbnis, sondern auch für das Totengedächtnis zu interessieren, weil man dieses als Hilfe zur Inkorporation der Seele in die andere Welt verstehen kann. Rez.: Head, T. In: American Historical Review 97 (1992) S. 530f.Google Scholar
  2. 54.
    Schneider, Bernhard: Bruderschaften im Trierer Land. Ihre Geschichte und ihr Gottesdienst zwischen Tridentinum und Säkularisation. Trier 1989. 4925. Daß Sterben, Tod und Totengedächtnis nicht nur im MA sondern ebenso in der frühen Neuzeit im Zentrum der “Kultgemeinschaft” Bruderschaft standen und dies ihre Popularität entscheidend mitbegründete, zeigt Schneider im 5. Kapitel seiner Studie über die Bruderschaften des Erzbistums Trier. Er hebt hervor, daß sich bruderschaftliche Sorge nicht bloß auf die bereits verstorbene Mitglieder sondern ebenfalls auf Schwerkranke und Sterbende bezog. Es fällt auf, daß in den Quellen für Zunft- und Priesterbruderschaften und den im Spätmittelalter gegründeten Devotionsbruderschaften keine Hinweise auf bruderschaftliche Sterbevorbereitung und Sterbehilfe zu finden sind. Es handelt sich also um ein allein für die nachtridentinischen Devotionsbruderschaften typisches Phänomen. Rez.: Meyer, H. B. In: Zeitschrift für Katholische Theologie 113, 2–3 (1991), 363f.Google Scholar
  3. 55.
    Schreiner, Klaus: Fetisch oder Heilszeichen? Kreuzsymbolik und Passionsfrömmigkeit im Angesicht des Todes, in: Zeitschrift für Historische Forschung 20, 4 (1993), 417–461. Anhand vielfältiger schriftlicher und bildlicher Quellen verfolgt Schreiner chronologisch vom hohen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert die Geschichte des im Rahmen der Sterbehilfen wichtigen Brauchs der Kreuzweisung (und die Kritik daran) und erörtert seine neuerliche Thematisierung in der zeitgenössischen Dichtung.Google Scholar

3.5 Sterben: Sterbeverhalten, Sterbebrauchtum

  1. 56.
    Neher, Peter: Ars moriendi-Sterbebeistand durch Laien: eine historischpastoraltheologische Analyse. St. Ottilien 1989. 373 S. Es gibt eine breite theologische Reflexion über Krankheit, Sterben und Tod als Wesensmerkmale menschlicher Existenz, desgleichen eine ausdifferenzierte sozialpsychologische und thanatologische Forschung mit einem praktischen Interesse an humaner Sterbebegleitung. Nach Ansicht Nehers mangelt es aber an einer Vermittlung zwischen der theologischen und der humanwissenschaftlichen Perspektive, einer handlungsrelevanten Theologie und einer das Handeln prägende Berufsethik. In seiner Diss. (kathol.-theologisch) will er einen Beitrag zur Verminderung dieses Defizits leisten, indem er die mittelalterliche ars moriendi-Literatur auf ihre handlungswirksamen Inhalte und Praktiken hin überprüft. Neher sieht die spätmittelalterliche und die gegenwärtige Situation durch drei Parallelen gekennzeichnet: Sterben und Sterbebegleitung ist ein Thema von hohem gesellschaftlichen Interesse (gewesen). Es ist aus der besonderen Verantwortung des Klerus in die Verantwortung aller Beteiligten, d.h. auch der Laien hinübergewechselt, die ermutigt werden bzw. wurden, ihre Kompetenz wahrzunehmen. Dazu war und ist eine neue ‘volkssprachliche’ elementare theologische Definition der Situation notwendig, für die der Verfasser einige Vorschläge macht.Google Scholar
  2. 57.
    Uhl, Rudolf: Sterben, Sterbebeistand und Tod in der Hausväterliteratur der frühen Neuzeit. Med. Diss. Hannover 1985 Mit dem Begriff Hausväterliteratur bezeichnet man die in der Tradition der antiken Ökonomik und Agrarlehre stehenden Hauslehren des 16.–18. Jhs. die, an die landbesitzende Oberschicht gerichtet, das gesamte Wissen beinhalten, das zur Bewirtschaftung eines Landgutes notwendig war. Dazu gehörte u.a. die häusliche Arzneimittelherstellung, Gesundheits- und Krankenpflege. Wichtige Krankheitsbilder werden genau beschrieben, Prognosen offen dargelegt. Dadurch sollte der Leser in den Stand gesetzt werden, lebensbedrohliche Situationen rechtzeitig zu erkennen, um entsprechende Vorkehrungen treffen zu können. Bemerkenswert scheint, daß ärztlicher Sterbebeistand kaum eine Rolle spielte. Ebenso lassen sich keine Hinweise auf eine medikamentöse Schmerzbehandlung finden. Uhl hält als Ergebnis seiner Analyse der Hausväterliteratur und populärer ärztlicher Gesundheitsbücher fest, daß der Tod den damaligen Zeitgenossen vertrauter gewesen sei als den heutigen. Gleichwohl lassen sich schon Anzeichen einer beginnenden Entfremdung erkennen: Schien es den frühen Autoren noch selbstverständlich, daß die Hausmutter den Leichnam für die Beerdigung vorbereitet, so überließen dies die späteren den darauf spezialisierten Toten- und Seelenfrauen. War in den ersten Werken noch die Rede davon, daß der Kranke seinen Tod sicher vorausahnt, setzte allmählich eine Diskussion unter den Ärzten darüber ein, ob der Patient über seinen Zustand aufzuklären sei oder nicht. Zudem verlangten Teile der Ärzteschaft immer häufiger, daß die Öffentlichkeit aus dem Sterbezimmer ausgeschlossen wird.Google Scholar

3.6 Sterben: Pest (öffentliche Totensorge etc.)

  1. 58.
    Bergdolt, Klaus: Der Schwarze Tod in Europa. Die Große Pest und das Ende des Mittelalters. München 1994. 267 S. Umfassende, überblicksartige Studie, in der versucht wird, die Auswirkungen der Pestepidemie von 1348/49, der rund ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel, auf Wirtschaft und Politik, Kunst und Literatur, Medizin und Theologie, Alltag und Moral zu nachzuzeichnen. Bergdolt beschäftigt sich u. a. mit der Pest des Altertums und des frühen MA und mit spätmittelalterlichen Pesttheorien, -regimina und -consilia. Er beschreibt den Ablauf der Epidemien in den wichtigsten europäischen Regionen und die sie begleitenden Bewegungen (Geißler, Judenverfolgungen) und untersucht das Verhalten des Klerus, der Ärzte und die Situation an den Universitäten. Am Beispiel der Stadt Pistoia werden die Reaktionen der Behörden analysiert. Den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pest sowie ihre Auswirkungen auf bildende Kunst und Literatur sind weitere Überlegungen gewidmet. Umfangreiches Quellenund Literaturverzeichnis.Google Scholar
  2. 59.
    Bulst, Neithard/Delors, Robert (Hg.): Maladies et société (XIIe-XVIIIe siècles). Paris 1989. Die 22 Aufsätze des Tagungsbandes beschäftigen sich in sozialgeschichtlicher Perspektive mit den endemisch auftretende Krankheiten Pest, Lepra, Malaria, Syphillis und Ergotismus in Deutschland, Italien, Frankreich, England, Schweden und der Schweiz. Methodische Probleme sowie mögliche Voraussetzungen und Gründe für Ausbrechen, Verbreitung und Verschwinden der Seuchen werden in den ersten beiden Kapiteln erörtert, die “Frage nach den obrigkeitlichen Abwehrmaßnahmen, deren Intentionen sowie der Diskussion von Erfolg und Scheitern” ist Gegenstand des dritten Teils, im vierten werden die “Reaktionen des einzelnen und der Gesellschaft auf die Seuchen” und die durch sie hervorgerufenen Ordnungsmaßnahmen diskutiert. Aufsätze von F. Audoin-Rouzeau, Y.-M. Bercé , F. Bériac, J.-N. Biraben, N. Bulst (mit gutem Forschungsüberblick), G. Calvi, P. Corti, R. Delort, H. Dormeier, J.-P. Filippini, R. French, R. S. Gottfried, J.-P. Goubert, J. Henderson, A. Mischlewski, A.-M. Moulin, I. Naso, P.-G. Ottosson, W. G. Rödel, J.-C. Sournia, G. I. Twigg, J. H. Wolf.Google Scholar
  3. 60.
    Dormeier, Heinrich: Die Flucht vor der Pest als religiöses Problem. In: Schreiner, Klaus (Hg.): Laienfrömmigkeit im späten Mittelalter. Formen, Funktionen, politisch-soziale Zusammenhänge. München 1992, 331–397. Die Flucht vor der Pest während einer Pestwelle war seit der Mitte des 14. Jhs. zumindest in den Bevölkerungskreisen, die es sich leisten konnten, zur üblichen Praxis geworden. Sogar Ärzte und Priester verhielten sich oftmals nicht anders. Die Pestforschung hat zwar seit ihren Anfängen, so Dormeier, immer wieder auf die Flucht als eine Reaktion auf die Seuche hingewiesen, sie insgesamt aber eher als Randerscheinung betrachtet. Dabei wurde seit der Mitte des 14. Jhs. bis ins 18. Jh. eine vielfach erbitterte Diskussion geführt, in deren Mittelpunkt die Frage stand: “Darf sich ein Christ, insbesondere ein Priester oder Arzt, durch die Flucht einer Seuche entziehen, die gemeinhin als Strafe Gottes galt?” Neben den ethisch-religiösen Bedenken spielte die Sorge um die öffentliche Ordnung eine wichtige Rolle. Dormeier stellt in seinem Aufsatz die wichtigsten Positionen und Argumente von Theologen und Humanisten südlich und nördlich der Alpen vor.Google Scholar
  4. 61.
    Hatje, Frank: Leben und Sterben im Zeitalter der Pest. Basel im 15. bis 17. Jahrhundert. Basel 1992. 189 S. Der Verfasser will am Beispiel der Stadt Basel zeigen, wie die Pest “beinahe alle Bereiche menschlichen Lebens und Zusammenlebens” durchdrang und nachdrücklich beeinflußte. Er informiert über medizinhistorische Rahmenbedingungen, indem er das heutige medizinische Wissen über die Pest mit den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen medizinischen und theologischen Erklärungsmodellen kontrastiert. Er verfolgt, wie Mediziner, Theologen und die Obrigkeit (Rat) auf die Pest reagierten und welche prophylaktischen Maßnahmen eingeleitet wurden. Schließlich analysiert er die demographischen Auswirkungen der Pestzüge (Mortalität, Ungleichheit vor der Pest, Rekuperation, d. h. Zuwanderung, Heiratsverhalten, Geburtlichkeit) und ihre wirtschaftlichen und sozialen Folgen (u. a. Agrarpreise, Konsumentenverhalten, Zunftaufnahmen, städtische Steuern, soziale und räumliche Mobilität). Rez.: Schipperges, H. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 49, 1 (1993), 375Google Scholar
  5. 62.
    Ibs, Jürgen Hartwig: Die Pest in Schleswig-Holstein von 1350 bis 1547/48. Eine sozialgeschichtliche Studie über eine wiederkehrende Katastrophe. Frankfurt a. M. u. a. 1994. 244 S., 18 Abb. “Der Arbeit gelingt es mittels einer auf der Basis auch der modernen norwegischen Pestforschung gewonnen Methode, 21 Pestumzüge in Schleswig-Holstein und Lübeck von 1350 bis 1548 exakt nachzuweisen. Es werden sowohl neue Erkenntisse zum diffizilen Problem der Bevölkerungsverluste als auch zu wirtschaftlichen Folgen der Epidemien gewonnen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Analyse der gesellschaftlichen Reaktionen auf die ständigen Katastrophen. Überwiegen im 14. Jh. noch religiöse Zielsetzungen, zeigt sich im 15. Jh. als Novum ein planvolles Verhalten zur Abwendung der Seuchengefahr. In einem Exkurs werden die Judenpogrome im Ostseeraum erstmals dargestellt als eine konzertierte Aktion der Hansestädte. “ (Verlagsankündigung; Buch in der Bibliothek noch nicht erhältlich) .Google Scholar
  6. 63.
    Park, Katherine: Doctors and medicine in early Renaissance Florence. Princeton 1985. 298 S. Die Verfasserin untersucht u. a., welche Auswirkungen die Erfahrung der Pest 1348 auf den ärztlichen Stand und die medizinische Organisation in Florenz gehabt hat. Wegen der unzureichenden Versorgungslage griffen Bürger zur Selbsthilfe. Sie organisierten nachbarschaftliche Hilfeleistung, gründeten Bruderschaften und Hospitäler, die Stadt stellte bezahlte Ärzte an und sorgte für eine öffentlich unterstützte Medikamentenvergabe. Viele modern scheinende Formen der medizinischen Versorgung gab es bereits in der beginnenden Renaissance. Andererseits führte die Pest zu einer Krise des ärztlichen Standes, die die Kompetenz der Ärzte herausforderte und ihre soziale und politische Autorität unterminierte. In den Jahrzehnten nach 1348 rekrutierte sich der ärztliche Nachwuchs nicht mehr wie bis dahin aus den etablierten Florentiner Familien. Deren Mitglieder wählten nun einen anderen Beruf. Ihr Platz wurde von jungen Ärzten vom Land und aus Meinen Städten eingenommen, die nicht über die sozialen Kontakte und politische Macht ihrer Vorgänger verfügten.Google Scholar

3.7 Sterben: Arzt und Tod

  1. 64.
    Döhner, Otto: Krankheitsbegriff, Gesundheitsverhalten und Einstellung zum Tod im 16. bis 18. Jahrhundert: eine historisch — medizinsoziologische Untersuchung anhand von gedruckten Leichenpredigten. Frankfurt a. M. 1986. 110 S. Döhner faßt seine Untersuchungsergebnisse folgendermaßen zusammen: “Im 16. bis 18. Jahrhundert fiel das Problem des Todes nur insofern in den Kompetenzbereich des Arztes, als er in einer lebensbegleitenden Betreuung und Behandlung des Gesunden und Kranken einen vorzeitigen, plötzlichen oder gewaltsamen und damit ‘unnatürlichen’ Tod zu verhindern suchte, um ein ‘natürliches’ Ableben zu ermöglichen. In diesem Sterbevorgang, der ein vom Geistlichen geleitetes soziales Ereignis innerhalb der (erweiterten) Familie war, wechselte der Arzt aus seiner professionellen Rolle in eine mitmenschliche und fügte sich in die Gruppe der Trauernden ein. Angesichts der Natürlichkeit und damit Unausweichlichkeit des Todes haben Medizin und Arzt keine Funktion mehr. Der Sterbende verbleibt dabei in seinen persönlichen und sozialen Beziehungen. “ (89) In der Neuzeit zeigt sich die Rolle des Arztes signifikant verändert. Die Fortschritte in den klinischen Methoden ermöglichen es nun, in die ‘natürlichen’ Prozesse einzugreifen und ggfs. lebensverlängernd zu wirken.Google Scholar
  2. 65.
    Milanesi, Claudio: Mort apparente, mort imparfaite. Médecine et mentalités au XVIIIe siecle. Paris 1991. 268 S. Im Jahr 1740 stellte der Anatom J.-B. Winslow in seiner Dissertation “Quaestio medico-chirurgica” die These auf, daß der Tod mit Hilfe der neuen Methoden der Chirurgie weit sicherer zu bestimmen sei als durch die traditionellen. Diese These löste unter den französischen Medizinern eine heftige Debatte darüber aus, in welchem Moment der Tod überhaupt eintrete, an welchen Zeichen er zu erkennen sei und nach welcher Zeit man einen Körper sezieren könne, ohne das Risiko einzugehen, daß er noch lebt. Milanesi verfolgt in seinem Buch die Hauptpositionen und — argumente dieser Diskussion und beschreibt dabei auch, auf welche Weise man von der Antike bis zum 18. Jh. das Eintreten des Todes festzustellen suchte. Insbesondere interessiert er sich dafür, wie die stets präsent gebliebene Unsicherheit, ob der Tote wirklich tot ist, in den Vorstellungen von lebenden Toten, Wiedergängern, Geistern, Wiederauferstehenden und Scheintoten verarbeitet wurde. Rez.: Jaisson, M. In: Revue de synthese, Paris, ser. 4, t. 113, n. 3–4 (1992), 540–41.Google Scholar
  3. 66.
    Porter, Roy: Death and the doctors in Georgian England. In: Houlbrooke, Ralph (Hg.): Death, ritual and bereavement. London 1989, 77–94. In den Augen vormoderner Zeitgenossen lagen Leben und Tod in der Hand der Natur bzw. der göttlichen Vorsehung. Dementsprechend erwartete man von Ärzten auch nicht, Heilungen an Todkranken vollbringen zu können. Im Zuge der Aufklärung wurde der schicksalhafte Charakter des Todes in Frage gestellt. Der Verfasser setzt sich insbesondere mit der These von I. Illich auseinander, wonach die Ärzte eine entscheidene Rolle bei der Herausbildung dieses neuen Sterbe-Modells gespielt hätten. In einer Haltung aufklärerischer Hybris hätten sie die Illusion zu nähren begonnen, das Alter vermeiden und den Tod besiegen zu können. (Limits to medicine. London 1976, 189f.) Der Sterbebett habe sich so zu einem Kampfplatz entwickelt, bei dem es allerdings nicht so sehr um die Rettung von Menschenleben, sondern um die Verteidung ärztlichen Stolzes gegangen sei. Porter findet diesen Interpretationsansatz in seinen Quellen nicht bestätigt. Tatsächlich hätten sich die Ärzte immer stärker als Fachleute für das Management der letzten Wochen, Tage und Stunden ihrer Patienten verstanden und dabei die traditionellen Sterbebegleiter Familie, Schwestern, Dienstpersonal und Pfarrer verdrängt. Die vordem so begehrte Aufklärung des Patienten über seine Prognosen schien nun ebenfalls nicht mehr opportun zu sein. “Tod ohne Angst” hieß das angestrebte Ziel, bei dem Betäubungsmittel eine wesentlich größerer Rolle spielten als bislang vermutet.Google Scholar

4. Gewaltsamer Tod 4.1 Mord

  1. 67.
    Schwerhoff, Gerd: Köln im Kreuzverhör. Kriminalität, Herrschaft und Gesellschaft in einer frühneuzeitlichen Stadt. Bonn/Berlin 1991. 510 S. Der Verfasser weist nach (275–286), daß sich die Haltung gegenüber Totschlägern im Verlauf des 16. Jhs. verhärtet hat und trotz der rigorosen Bestimmungen der Carolina der Gedanke, dieses Verbrechen durch eine Sühne mit den Hinterbliebenen aus der Welt zu schaffen, bis ins 17. Jh. hinein lebendig geblieben ist. Außerdem setzt er sich kritisch mit der in der Forschung (insbesondere L. Stone, Sharpe, Given) diskutierten Frage auseinander, inwieweit die Tötungsraten über den ‘Gewaltstatus’ einer Gesellschaft Auskunft geben können.Google Scholar

4. Gewaltsamer Tod 4.2 Kindsmord

  1. 68.
    Dülmen, Richard van: Frauen vor Gericht. Kindsmord in der frühen Neuzeit. Frankfurt a. M. 1991, 156 S. In den Augen des Vfs. ist Kindsmord nicht nur ein juristisch-religiöses und gesellschaftliches Problem, sondern ein soziales Phänomen, “an dem in exemplarischer Weise sowohl die soziale Bedeutung des peinlichen Strafsystems, die kriminalisierende Wirkung der neuen reformatorischen (bzw. auch gegenreformatorischen) Moral als auch die Machtmechanismen des frühneuzeitlichen Staates ... aufgezeigt und konkretisiert werden können. “ Im Unterschied zu Ulbricht steht für v. Dülmen nicht der aufklärerische Diskurs über den Kindsmord im Zentrum des Interesses, sondern die “realen Erscheinungen vom 16. bis 18. Jahrhundert” . Vornehmlich auf der Basis von Urteilen und Gerichtsakten süddeutscher Städte analysiert er Milieu und Motive der Täterinnen, untersucht die Reaktionen der Umwelt und der Obrigkeit und diskutiert die in der Forschung umstrittene Frage, ob seit dem späten MA tatsächlich mehr Kinder getötet worden sind als zuvor. Rez.: Gray, M. W. In: American Historical Review 97 (1992), 872f.Google Scholar
  2. 69.
    Schwerhoff, Gerd: Köln im Kreuzverhör. Kriminalität, Herrschaft und Gesellschaft in einer frühneuzeitlichen Stadt. BonnBerlin 1991. 510 S. Kritische Diskussion (409–423) der einschlägigen Literatur auf dem Hintergrund einer Analyse der Kölner Verhältnisse.Google Scholar
  3. 70.
    Shahar, Shulamith: Kindheit im Mittelalter. München/Zürich 1991 (Tel Aviv 11990). Solange die “Kindstötungen im MA” monographisch noch nicht behandelt sind, bietet Shahars Kapitel über “Kindsaussetzung, Kindsmord und Unfälle” (S. 144–172) einen nützlichen Überblick zum Thema mit zahlreichen Verweisen auf die teils sehr verstreut erschienene ältere Literatur.Google Scholar
  4. 71.
    Ulbricht, Otto: Kindsmörderinnen vor Gericht. Verteidigungsstrategien von Frauen in Norddeutschland 1680–1810. In: Blauert, Andreas/Schwerhoff, Gerd (Hg.): Mit den Waffen der Justiz. Zur Kriminalitätsgeschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Frankfurt a. M. 1993, 54–85. Ulbricht erörtert in einer idealtypischen Schilderung eines KindsmordVerfahrens von der Voruntersuchung bis zur abschließenden Tortur die Möglichkeiten und Grenzen der angeklagten Frauen, sich mit Erfolg zu verteidigen. Er macht deutlich, daß nur wenige Frauen dem Gericht resigniert und widerstandslos gegenüberstanden, selten hatten Frauen alles Vorangehende verdrängt. Die meisten Abgeklagten reagierten vernünftig und prozeßtaktisch geschickt auf die Fragen des Verhörs und nutzen damit ihre Chance, der Todesstrafe zu entgehen. Der Aufsatz enthält zahlreiche Verweise auf weiterführende Literatur, u. a. auch auf sonst nur schwer erschließbare Regional- und Einzelfallstudien.Google Scholar
  5. 72.
    Ulbricht, Otto: Kindsmord und Aufklärung in Deutschland. München 1990, 462 S. Detailreiche Studie über die Folgen der aufklärerischen Diskussion auf die Praxis, Bewertung und Bestrafung von Kindsmörderinnen. Im ersten Teil rekonstruiert Ulbricht durch eine Analyse von rund 350 Gerichtsfällen aus dem Zeitraum 1700–1810 die Sozialgeschichte der Kindstötung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Ergänzend werden zahlreiche Einzelbeispiele aus anderen Regionen herangezogen. Im zweiten Teil zeichnet er die in die Aufklärung eingebettete Debatte um die Reform des Straf(prozeß)rechts nach. Sie führte zu einem neuen Verständnis des Delikts, das den Lebensverhältnissen und der Psyche der Angeklagten mehr Beachtung schenkte. Rez.: Agethen, M. In: Aufklärung. Interdisziplinäre Halbjahresschrift zur Erforschung des 18. Jhs. 7, 1 (1992), 133f. Borscheid, P. In: Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 79, 2 (1992), 232f.; Gray, M. W. In: American Historical Review 97 (1992), 872f.Google Scholar

4. Gewaltsamer Tod 4.3 Selbstmord

  1. 73.
    MacDonald, Michael: The medicalization of suicide in England: Laymen, physicians, and cultural change, 1500–1870. In: Rosenberg, Charles E./Golden, Janet (Hg.): Framing disease: Studies in cultural history. New Brunswick, N. J. 1992, 85–103. In diesem Artikel vertieft der Verfasser einen Aspekt seiner zusammen mit T. Murphy verfaßten monographische Studie zum Thema (s. u.). Zwischen 1660 und 1900 vollzog sich seiner Ansicht nach in England ein Prozeß der “Säkularisierung” des Selbstmordes. In der Zeit davor ging man davon aus, daß bestimmte Gemütsverfassungen, die zu einem Selbstmord führen können, letztendlich vom Teufel verursacht seien. Man war also von einer religiösen Begründung des Phänomens überzeugt. Dieser Glaube ging allmählich verloren. Stattdessen setzte sich relativ problemlos die Auffassung durch, Selbstmord als eine Krankheit zu betrachten. Allerdings trugen nicht in erster Linie Ärzte zu dieser neuen Einschätzung bei, sondern vielmehr Richter und Politiker.Google Scholar
  2. 74.
    MacDonald, Michael/Murphy, Terence R.: Sleepless souls. Suicide in Early Modern England. Oxford 1990. 383 S. Die Verfasser verfolgen auf einer breiten Basis von Quellen des späten 15. — 18. Jh. die Motivationen der Täter, die Formen ihrer geistlichen und weltlichen Bestrafung sowie die öffentliche Meinung über den Selbstmord. Ihrer Ansicht nach wurde auf dem Hintergrund der Reformation und der sich entwickelnden modernen Staatlichkeit der Selbstmord im 16. und frühen 17. Jh. zunächst kritischer beurteilt als zuvor. Seit den 1660er Jahren aber läßt sich eine größere Toleranz und ein vertieftes Verständnis für die Tat festellen, für die die Autoren rechtliche, religiöse und philosophische Faktoren verantwortlich machen. Für entscheidend halten die Autoren die von ihnen beobachtete “Säkularisation” des Suizids. Er verlor seinen übernatürlichen, religiös gedeuteten Charakter (= Wirken des Teufels). Interessant ist, daß sich allmählich eine Kluft zwischen der Justiz und der Gesetzeslage, der gemäß Selbstmord nach wie vor als strafwürdiges Verbrechen galt, auftat. In den Prozessen plädierten nämlich mehr und mehr Geschworene für geistige Umnachtung und setzten auf diese Weise die Gesetzgebung praktisch außer Kraft. Diese sich auf der Ebene der Rechtssprechung einbürgernde Praxis fand erst im Verlauf des 19. Jhs. Eingang in das schriftlich fixierte Recht. Ein Kapitel des Buches jetzt auch in deutscher Übersetzung (vgl. Nr. 76, S. 233–281). Rez.: Freist, D. In: Social History 17 (1992), 350–353; Kluxen, K. In: Historische Zeitschrift 256 (1993), 196f. ; Kushner, H. In: American Historical Review 97 (1992), 189f. ; Schmid, J. In: Ius Commune 18 (1991), 441–444.Google Scholar
  3. 75.
    Schär, Markus: Seelennöte der Untertanen. Selbstmord, Melancholie und Religion im Alten Zürich, 1500–1800. Zürich 1985. 378 S. Mittels Predigten, Traktaten und Erbauungsschriften, vor allem aber gestützt auf die Auswertung von 511 archivalisch belegten Suiziden will Schär den Zusammenhang zwischen den Lebensumständen und dem Denken, Fühlen und Glauben der Selbstmörder erkunden. Schär stellt die in der heutigen Psychologie und Soziologie verbreiteten Ansätze vor, Depressionen und Selbstmord zu erforschen und erörtert die Frage, ob mit diesen Methoden historische Fälle sinnvoll zu bearbeiten sind. Anschließend beschreibt er die für das vormoderne Zürich typischen Erscheinungsformen der Schwermut und rekonstruiert, so weit aufgrund der problematischen Quellenlage möglich, die zahlenmäßige Entwicklung der Selbstmordrate. Er berichtet darüber, wie die Zeitgenossen die Täter beurteilten und ihr Handeln zu erklären versuchten und wie sich ihre Einschätzungen allmählich wandelten. Schließlich beleuchtet der Verfasser den kulturellen Hintergrund, u. z. speziell die Wirkungen der reformatorischen Theologie und Frömmigkeit auf das Seelenleben der Gläubigen. Auffällig ist, daß sich gerade die frömmsten und belesensten Gemeindemitglieder als besonders anfällig für Melancholie und Selbstmord erwiesen. Diesen Zusammenhang will Schär entschlüsseln, indem er mit Modellen aus der Depressionsforschung zu zeigen versucht, daß die protestantische Lehre in Zürich einen zur Depression neigenden Persönlichkeitstypus prägte.Google Scholar
  4. 76.
    Signori, Gabriela (Hg.): Trauer, Verzweiflung und Anfechtung. Selbstmord und Selbstmordversuche in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaften. Tübingen 1994. 366 S. Das Thema Selbstmord ist von der deutschsprachigen historischen Forschung noch kaum behandelt worden. Dieser Band vereinigt erstmals eine größere Zahl von Aufsätzen, die sich in zeit- und fachübergreifender Perspektive und in unterschiedlichen methodischen Zugriffen mit ihm beschäftigen. In dem einleitenden Aufsatz skizziert die Hg. Grundlinien einer Geschichte des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Selbstmords, der “sich zu weiten Teilen als die Geschichte eines Verbotes und seiner vielfältigen kontextgebundenen Umformulierungen und Anpassungen” offenbart. (53) Sie macht deutlich, daß eine Sichtweise, die sich allein an den normativen Traditionen von Theologie, Straf- und Kirchenrecht orientiert, die vielfältigen Facetten des Phänomens nicht in den Blick bekommen kann. In einem zweiten Beitrag weist sie durch eine Analyse spätmittelalterlicher Wunderberichte nach, daß “die spätmittelalterliche Gesellschaft Selbstmörderinnen grundlegend anders begegnete als Selbstmördern” . N. Zeddies untersucht, wie der Selbstmord von der Spätantike bis zum 9. Jahrhundert beurteilt wurde. C. Jäger zeigt, daß die Tat einer der berühmtesten Selbstmörderinnen der Geschichte, der Römerin Lucretia, in den illustrierten Handschriften der Sächsischen Weltchronik unterschiedlich dargestellt und bewertet wird. Im Mittelpunkt von M. Franks Beitrag stehen die unterschiedlichen gesellschaftlichen Wahrnehmungsmuster des Selbstmordes, die er in einer mikrohistorischen Untersuchung vor allem von Kriminalgerichtsakten des 17. und 18. Jhs. aus der Grafschaft Lippe zu erfassen sucht. Anhand bayerischer Beispiele zeichnet D. Lederer die sich im Verlauf der Herausbildung frühmoderner Staatlichkeit verschärfenden Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche über die Bestattung von Selbstmördern nach. C. Vanja analysiert den frühneuzeitlichen Umgang mit selbstmordgefährdeten psychisch kranken Frauen und Männer, M. Wagner-Egelhaaf rekonstruiert die Selbstmordtheorie des Leipziger Theologen Adam Bernd (gest. 1748), U. Baumann skizziert die Umrisse einer Geschichte des Suizids von 1770–1950 (Der Verfasser bereitet eine Habilitationsschrift zum Thema vor) . Der Band enthält außerdem die Übersetzung eines Kapitels aus M. MacDonald’s und T. Murphy’s “Sleepless souls” und eine von der Hg. zusammengestellte 23seitige Bibliographie zum Thema.Google Scholar

4. Gewaltsamer Tod 4.4 Hinrichtung

  1. 77.
    Dülmen, Richard van: Theater des Schreckens. Gerichtspraxis und Strafrituale in der frühen Neuzeit. München 31988 (11985). 240 S. Zusammenfassende Darstellung, die viele wichtige Aspekte des Themas anspricht (Arten der Hinrichtung, Häufigkeitsentwicklung der Urteilsvollstreckung, Bezug zu dem der Verurteilung zugrundeliegenden Verbrechen, Hinrichtungsrituale etc.). Verzeichnet die wichtigste ältere Lit. zum Thema, vor allem in den Anm. auch zahlreiche lokal- und regionalgeschichtliche Fallstudien. Rez.: Strauss, G. In: American Historical Review 91 (1986), 905f.Google Scholar
  2. 78.
    Imbert, Jean: La peine de mort. Paris 1989. 128 S. Nach einem knappen Rückblick auf die Geschichte der Todesstrafe von der Antike bis zum Absolutismus zeichnet der franz. Rechtshistoriker die Diskussion um deren Aufhebung im 18./19. Jh. und ihr Wiederaufleben im Gefolge der Kriege, Krisen und Diktaturen in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts nach und berichtet über die derzeitige Situation weltweit. Rez.: Ancel, M. In: Revue de science criminelle et de droit p6nal comparé 2 (1989), 466f. ; Sole, J. In: Revue d’ histoire de l’ eglise de France 77, 198 (1991), 269f.Google Scholar
  3. 79.
    Schwerhoff, Gerd: Köln im Kreuzverhör. Kriminalität, Herrschaft und Gesellschaft in einer frühneuzeitlichen Stadt. Bonn/Berlin 1991. 510 S. Kritische Diskussion der einschlägigen Literatur auf dem Hintergrund der Kölner Verhältnisse (275–286), bei der der Verfasser, der auf umfangreiches Datenmaterial zurückgreift, einige Thesen und Hypothesen der bisherigen Forschung revidieren kann.Google Scholar

4. Gewaltsamer Tod 4.5 Tod auf dem Schlachtfeld

  1. 80.
    Contamine, Philippe: Mourir pour la patrie. Xe-XXe siècle. In: Nora, Pierre (Hg.): Les lieux de mémoire . Bd. II, 3. Paris 1986, 11–43. Der Verfasser geht der Frage nach, wie Sterben und Töten im Krieg in der mittelalterlichen Theologie, politischen Theorie und Chronistik beurteilt wurden.Google Scholar
  2. 81.
    Mélanges Andre Corvisier: Le soldat, la stratégie, la mort. Préface de Pierre Chaunu. Paris 1989. Die Festschrift zum 70. Geburtstag des “Altmeisters” der französischen Militärgeschichte enthält mehrere Beiträge zum Thema “Tod des Soldaten”, deren zeitliches Spektrum vom späten Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert reicht: L.-E. Roulet: Le soldat suisse et la mort ä l’époque des guerres de Bourgogne et d’Italie (XVe et XVIe siècles), M. Lucenet: La mortalité dans l’ Infanterie francaise de 1716 ä 1748 selon les contröles de troupes, J.-P. Bois: Mourir aux Invalides au XVIIIe siède, G. Bodinier: Les officiers et les soldats face ä la mort dans les armèes du Premier Empire, J.-L. Quoy-Bodin: La Faux, le Sabre et l’Accacia. La représentation de la mort chez les militaires francs-macons (XVIIIe-XIXe siècles).Google Scholar

5. Begräbnissitten, Begräbnisrituale 5.1 Gebräuche, Feier, Liturgie, Recht

  1. 82.
    Ignatzi, Hans-Joachim: Die Liturgie des Begräbnisses in der katholischen Aufklärung. Eine Untersuchung von Reformentwürfen im südlichen deutschen Sprachgebiet. Münster 1994. 353 S. Diese Bamberger Dissertation liefert aus liturgiegeschichtlicher Sicht eine Analyse von nichtamtlichen Ritualien und Gottesdienstformularen zu Erwachsenen- und Kinderbegräbnissen, die in der Spätaufklärung von engagierten Seelsorgern Süddeutschlands verfaßt wurden, deren Bedeutung aber über diesen Raum hinausreichte. Der Verfasser vergleicht diese Quellen mit den Diözesanritualien, mit dem Rituale Romanum sowie dem römischen Missale und stellt damit die Reformtexte in den zeitgenössischen Kontext. Er verfolgt ihre Wirkungsgeschichte, die bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil reicht.Google Scholar
  2. 83.
    Litten, Julian: The English way of death. The common funeral since 1450. London 1991. 254 S., 140 Abb. Diese Studie eröffnet zahlreiche Einblicke in die materiellen Grundlagen der englischen Begräbniskultur vom späten Mittelalter bis zur Gegenwart. Bekleidung, Einsargung, Transport und Bestattung der Leichen sowie die Techniken der Einbalsamierung kommen ebenso zur Sprache wie die Begräbnisrituale in den Mittel- und Oberschichten und die Geschichte des Bestattungsgewerbes. Das Bildmaterial entspricht teilweise dem bei N. Llewellyn: The art of death. London 1991 abgedruckten .Google Scholar
  3. 84.
    Schneider, Bernhard: Bruderschaften im Trierer Land. Ihre Geschichte und ihr Gottesdienst zwischen Tridentinum und Säkularisation. Trier 1989. 492 S. Bruderschaftliches Mitwirken an der Vorbereitung des Begräbnisses läßt sich im Untersuchungsgebiet Schneiders nur für einige wenige Zunftbruderschaften nachweisen. Die brauchtümliche Zuordnung dieses Geschehens zu Familie und Nachbarschaft war vermutlich so stark war, daß eine Beteiligung Fremder nicht möglich und nötig schien. Als obligatorisch galt dagegen ihre Mitwirkung bei Leichenfolge, Leichenzug und Beerdigung. Rez.: Meyer, H. B. In: Zeitschrift für Katholische Theologie 113, 2–3 (1991), 363f.Google Scholar
  4. 85.
    Strocchia, Sharon T.: Death and ritual in Renaissance Florence. Baltimore/London 1992. 308 S. In ihrer Studie kombiniert die Verfasserin zwei Richtungen bzw. Methoden historischer Forschung miteinander: die Untersuchung der Geschichte des Todes und die Analyse von Ritualen und Zeremonien. Sie interessiert sich weniger für die Einstellungen zum Tod sondern für die Wege, “in which ritual constructed and communicated a variety of social and cultural categories and understandings, ranging from definitions of kinship and gender roles to forms of patronage and political domination” . (XIVf .) Strocchia erörtert ausführlich die Struktur und Organisation der Begräbnisrituale, ihre symbolischen Bedeutungen und ihre gesellschaftlichen Funktionen in den sich von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis um 1530 verändernden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen in Florenz und kommt zu dem Fazit, daß “the history of death rites shows us ... the sheer intricacy of how ritual and society defined each other” . (238)Google Scholar

5. Begräbnissitten, Begräbnisrituale 5.2 Standesspezifische Begräbnisrituale

  1. 86.
    Andermann, Kurt: Zeremoniell und Brauchtum beim Begräbnis und beim Regierungsantritt Speyerer Bischöfe. Formen der Repräsentation von Herrschaft im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 42 (1990), 125–178. Das Begräbnisritual der Speyerer Bischöfe bringt deren Herrschaftsansprüche über die Stadt zum Ausdruck. Das feierliche Einreiten eines neuen Bischofs und das Begräbniszeremoniell eines toten sind, was ihre Ausdrucksfunktion anbetrifft, unmittelbar aufeinander bezogen. In beiden Fällen wurde von der städtischen Bürgerschaft erwartet, daß sie dem Bischof huldigt. Auf diese Weise sollte eine posthume Anerkennung des Bischofs als Stadtherr und seine Stadtherrschaft erreicht werden. Regelmäßig aber verweigerten die Bürgermeister diese Huldigung. Die erwartete Huldigung erweist sich als Versuch, die bereits der Vergangenheit angehörende Herrschaft des Bischofs über die Stadt wiederherzustellen. Der Huldigungsumritt durch das hochstiftische Territorium hingegen diente der Bestätigung der dort noch bestehenden bischöflichen Macht.Google Scholar
  2. 87.
    Bland, Olivia: The royal way of death. London 1986. 287 S., zahlreiche Abb. Populärwissenschaftliche, kulturhistorisch orientierte Arbeit über die Begräbnis- und Trauerzeremonien am englischen Königshof von Elisabeth I. bis zu Elisabeth II. Rez.: Mansel, P. In: History today 36, 8 (1986), 60f.Google Scholar
  3. 88.
    Ehlers, Joachim: Grablege und Bestattungsbrauch der deutschen Könige im Früh- und Hochmittelalter. In: Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft. Jahrbuch 1989. Göttingen 1990, 39–74. Der Verfasser stellt ein Forschungsprojekt vor, das mit Unterstützung der DFG “eine möglichst vollständige Betrachtung aller Aspekte des historischen Phänomens “Tod und Grablege der römisch-deutschen Könige des Mittelalters” von 918 bis 1254 anstrebt. Erste Aufgabe des Projektes ist die genaue Dokumentation der Quellengrundlage mittels eines Repertoriums. Es soll möglichst lückenlos sämtliche schriftlichen und monumentalen Zeugnisse zu Sterben, Tod und Bestattung der Könige, Königinnen und der noch zu Lebzeiten des Vaters verstorbenen Kinder erfassen. Weiter wird es um eine Analyse der Wahl des Beisetzungsortes gehen, und, in Zusammenarbeit mit Kunst- und Bauhistorikern, um die Erforschung der jeweiligen Grabkirche und Grablege. Der Sterbeliturgie, dem Totenoffizium und der Memoria werden besondere Aufmersamkeit gewidmet, um im Hinblick auf zeittypische Frömmigkeitsformen weitergehende Interpretationsansätze entwickeln zu können.Google Scholar
  4. 89.
    Hawlik-van de Water, Magdalena: Der schöne Tod: Zeremonialstrukturen des Wiener Hofes bei Tod und Begräbnis zwischen 1640 und 1740. Wien 1989. 211 S., 89 Abb. In der Wiener Dissertation beschreibt die Verfasserin die für den Wiener Hof charakteristischen Formen von Sterben, Tod, Bestattung und Trauer. Nach einem Rückblick auf die antiken römischen und burgundischen Totenzeremonien schildert sie am Beispiel des Todes von Kaiser Leopold I. den schematischen Ablauf des höfischen Zeremoniells. Anschließend berichtet sie über die Begründung des habsburgischen Erbbegräbnisses in der Kapuzinergruft durch Kaiserin Anna (gest. 1618), die dort üblichen Begräbnisrituale und die Errichtung der Loretokapelle als Herzgruft des Hauses Habsburg. Zahlreiche weitere Elemente des Toten- und Trauerzeremoniells werden angesprochen, so die Bekleidung der Leichname und der Trauernden, die reglementierte Landes-, Hof- und Kammertrauer, Kinderbegräbnisse, Exequien, Trauermusik, Trauerkondukt und -gerüst sowie die Methoden des Einbalsamierens und ihre Geschichte. Rez.: Fischer, N. In: Zeitschrift für Volkskunde 87, 1 (1991), 155f.; Gieben, S. In: Collectanea franciscana 60, 1–2 (1990), 374; Mikoletzky, L. In: Unsere Heimat. Zeitschrift des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich 61, 4 (1990), 400.Google Scholar
  5. 90.
    Uli, Martin: Wohin die Toten gingen. Begräbnis und Kirchhof in der vorindustriellen Stadt. Zürich 1992. 188 S., 86 Abb. Während das Begräbnisbrauchtum von Zürcher Laien und Klerikern der Oberschicht durch die von Uli ausgewerteten liturgische Schriften (Breviere, Statutenbücher) und Ratsordnungen recht gut dokumentiert ist, stellen sich seiner Erforschung für die Mittel- und Unterschichten erhebliche Quellenprobleme entgegen. Vor dem 15. Jh. gibt es nämlich kaum schriftlich fixierte Begräbnisrituale für Verstorbene ohne Ansehen und Vermögen. Erst die gedruckten bischöflichen Ritualien des 15. und beginnenden 16. Jhs. legten eine Art Mindestliturgie fest. Für das 14. Jh. sind nur dank der Zunft- und Bruderschaftsstatuten Aussagen möglich. Ungeachtet dieser recht schmalen Materialbasis bemüht sich Uli auch um eine möglichst plastische Schilderung des Begräbniswesens der städtischen Unter- und Mittelschichten. Rez.: Martin, N. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 49, 2 (1993), 764.Google Scholar
  6. 91.
    Orso, Steven N.: Art and death at the spanish Habsburg court: The royal exequies for Philip IV. Columbia 1989. 214 S., 83 Abb. Am spanischen Hof war es üblich, die königlichen Exequien erst mehrere Wochen nach der Beisetzung stattfinden zu lassen. So stand genügend Zeit zur Verfügung, die dafür ausgewählte Kirche mit einer dem Status des Verstorben angepaßten Trauerdekoration auszustatten. Wie Orso betont, verstanden es gerade die Habsburger meisterhaft, Herrschaftsstil und -anspruch durch solche ephemeren Dekorationen in eine fesselnde Bildsprache umzusetzen. Philip IV. hatte mit der von ihm in Auftrag gegebenen Ausstattungs- und Gelegenheitskunst neue Maßstäbe gesetzt. Insofern fiel es nach seinem Tod 1665 dem spanischen Hof unter Leitung von Philips Gemahlin Maria Anna nicht schwer, die Kirche “La Encarnacîon” für wenige Tage “into a magnificent temple dedicated to Philips’s memo-ry” zu verwandeln. Orso untersucht eingehend die königlichen Exequien und ihre dekorative Ausstattung. Nach Ansicht Orsos erfüllten sie im vor allem zwei Funktionen: Sie schufen einen festen rituellen Rahmen, der den Abschied von einem geliebten Herrscher erleichtern konnte und boten den Nachfolgern eine Möglichkeit, die Öffentlichkeit mit den von nun an geltenden Herrschaftsvorstellungen und -zielen bekannt zu machen.Google Scholar
  7. 92.
    Pollini, Nadia: La mort du Prince. Rituels funéraires de la Maison de Savoie (1343–1451). Lausanne 1994. 286 S. Während eines Jahrhunderts verlor das Haus Savoyen vier seiner sechs Oberhäupter. Die Verfasserin vollzieht auf der Basis der im Anhang (S. 103ff.) edierten Quellen detailliert nach, wie jeder der vier seine letzten Lebenswochen- und tage verbracht und erlebt hat und welche Vorbereitungen für die Beisetzung unmittelbar nach dem Tod getroffen wurden (offizielle Bekanntmachung des Todes, Zeichen der Trauer wie Trauerkleidung, -farben, -ausstattung des Hauses, Herrichtung des Leichnams, Ausstellung des Verstorbenen). Sie rekonstruiert den Trauerzug der Grafen vom jeweiligen Sterbeort bis zur Begräbnisstätte und beschreibt die Trauerfeiern mit ihren Teilnehmern, der Dekoration und Beleuchtung der Kirchen, der Begräbnisliturgie, den Vergabungen und dem Leichenbankett.Google Scholar

6. Begräbnisplätze allgemein

  1. 93.
    Colvin, Howard: Architecture and the after-life. New Haven 1991. 418 S., 357 Abb. Umfassende, reich bebilderte Geschichte der Architektur und der Ausstattung von Grabplätzen in Westeuropa von der neolithischen Zeit bis ins 19. Jahrhundert mit umfangreichem Literaturverzeichnis. Rez.: Harries, K. In: American Historical Review 98 (1993), 468f.Google Scholar
  2. 94.
    Uli, Martin: Wohin die Toten gingen. Begräbnis und Kirchhof in der vorindustriellen Stadt. Zürich 1992. 188 S., 86 Abb. Uli zeichnet die generell zu beobachtende “Integration der Friedhöfe in die städtischen Siedlungen” am Beispiel der Stadt Zürich nach, indem er deren Gräberfelder und Friedhöfe von spätrömischer Zeit an zu lokalisieren sucht. Seine Inventarisierung der Begräbnisplätze läßt erkennen, wie mannigfaltig die Bestattungsmöglichkeiten im Spätmittelalter gewesen sind (Kirchhöfe, Grabstellen in Kirchen und Klöstern, Sonderbestattungen und -friedhöfe). Als variabel und vielfältig können auch die Funktionen und die “Ausstattung und Möblierung “ (Beinhaus, Totenleuchten, Hochkreuz, Grabkreuze, Totenbretter) der innerstädtischen Kirchhöfe gelten. Uli zeigt, wie diese Begräbniskultur durch die Einführung der Reformation und der Kommunalisierung des Begräbniswesens gegen zählebige Widerstände letztendlich doch ausgelöscht wurde. Die Friedhöfe wurden ihres bildlichen und figürlichen Schmucks entledigt und verloren ihre wichtigen sakralen und profanen Funktionen. Ins Vorland der Siedlungen zu verlegt und so vom tradierten Totenkultus auch räumlich getrennt, wandelten sich zu bloßen Begräbnisplätzen.Rez.: Martin, N. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 49, 2 (1993), 764.Google Scholar
  3. 95.
    Dethlefs, Silvia: Zur Geschichte der Friedhöfe und des Bestattungswesens in Münster: mit Beiträgen zur aktuellen Situation. Münster 1991. 107 S., 23 Abb. Längsschnitt durch die Geschichte der Begräbnisplätze und Friedhöfe in Münster von den ersten bekannten Grabstellen auf der Domburg bis zur Gegenwart.Google Scholar

6.1 Kirche, Kloster

  1. 96.
    Ellger, Otfried: Die Michaelskirche zu Fulda als Zeugnis der Totensorge. Zur Konzeption einer Friedhofs- und Grabkirche im karolingischen Kloster Fulda. Fulda 1989. 247 S. Die mittelalterliche Sorge für das Seelenheil der Verstorbenen schlug sich nicht nur in der schriftlichen Überlieferung nieder, sondern ebenso in der Auswahl von Bestattungsplätzen, Grabdenkmalen, Friedhofsanlagen und -kapellen. Während die Gedenküberlieferung des Klosters Fulda bereits ediert und ausgewertet wurde (K. Schmid (Hg.): Die Klostergemeinschaft von Fulda im früheren MA, 3 Bde., München 1978), widmet sich Ellger der auf dem Klosterfriedhof errichteten, 822 geweihten Friedhofs- und Grabkirche. Er analysiert ihre Gestaltung, Ausstattung, liturgische Nutzung und Funktion auf dem Hintergrund dessen, was über zeitgenössische Klosterfriedhöfe und ihre Bauten, über Michaelspatrozinien und Abts-grablegen bekannt ist. Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Versuch Ellgers, seine der bisherigen Forschungsmeinung entgegenstehende These zu belegen, daß “sich in der karolingischen Anlage der Michaelskirche aller Wahrscheinlichkeit nach keine Heiliggrabnachbildung befand und daß es gute Gründe gegen eine Deutung des Baus als Abbild der Anastasis-Rotundegibt”.Google Scholar
  2. 97.
    Rosner, Ulrich: Die Ottonische Krypta. Köln 1991. Der Verfasser rekonstruiert in seiner architekturhistorischen Dissertation die Bau- bzw. Archichtekturgeschichte der ottonischen Krypten bis zur frühsalischen Zeit 1030/60. Er untersucht ihre Ausstattung, Nutzung und Funktion als Sepulkral-, Kult- und Altarraum. Festzustellen ist, daß sie seit dem Ende des 10. Jhs. mehr und mehr als Grablege hochgestellter geistlicher und weltlicher Adeliger dienten. Der Band enthält einen Katalog sämtlicher Krypten, die zwischen 960 und 1020 in den Grenzen des ottonischen Reiches nachweisbar sind.Google Scholar

6.2 Grablege

  1. 98.
    Borgolte, Michael: Petrusnachfolge und Kaiserimitation. Die Grablegen der Päpste, ihre Genese und Traditionsbildung. Göttingen 1989. 430 S., 28 Abb. Die bis zur Aufklärung und Säkularisation lebendig bleibende Vorstellung von der “Gegenwart der Toten” unter den Lebenden (Oexle) begründet den hohen Rang, der der Grabsorge und Totenmemoria zukam. Nach Auskunft Borgoltes liegt mit seiner Studie der erste Versuch vor, aus dieser Perspektive für eine homogene Personengruppe und über einen längeren Zeitraum hinweg die Sorge um das Grab darzustellen. Ob die Geschichte der Papstgräber eigenen Gesetzen und eigener Dynamik unterworfen war oder ob sie mit der Geschichte des Papsttums selbst in einer engeren Verbindung gestanden hat, hält er für die interessanteste Forschungsfrage. Vornehmlich auf Grundlage der schriftlichen Überlieferung rekonstruiert er die Begräbnisplätze von 264 kirchlich anerkannten und 34 nicht anerkannten Päpsten von Petrus (gest. 64/67) bis Johannes Paul I. (gest. 1978), die sich in zwei Grundtypen scheiden, dem individuellen Grab und der kollektiven Papstgrabstätte. Es entstanden drei traditionsbildende Grablegen, deren Belegungsphasen sich jedoch nicht unmittelbar aneinander anschlossen, sondern stets von Zeiten dezentraler Bestattungen unterbrochen wurden. Der Verfasser geht den Gründen für die Wahl der Begräbnisorte nach, die Auskunft geben können über die historische Selbsteinordnung des jeweiligen Pontifikats und die Zugehörigkeit des einzelnen Papstes zu einer bestimmten sozialen Gruppe, der er die dauernde Sorge für die eigene Memoria zu- und anvertraute. Rez.: Jacobs, H. In: Historische Zeitschrift 255 (1992), 742–745; Pennington, K. In: American Historical Review 97 (1992), 823; Schimmelpfennig, B. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 46, 2 (1990), 645Google Scholar
  2. 99.
    Gierlich, Ernst: Die Grabstätten der rheinischen Bischöfe vor 1200. Mainz 1990. 437 S. Gierlich hat anhand literarischer und archäologischer Quellen die Grabstätten von 311 Bischöfen der Erzbistümer Trier, Mainz und Köln und ihrer Suffraganbistümer ermittelt. Durch einen Vergleich von Wahl, Lage und Charakter der Begräbnisorte gelingt es ihm, zu einer achtphasigen “Periodisierung des Bestattungsbrauchs vordringen zu können” (Borgolte). Sie reicht von der anfänglichen “Bestattung der Bischöfe auf den Gräberfeldern vor der Stadt” bis zur “Polarisierung zwischen der Bestattung im Dom und der Bestattung in auswärtigen Klostergründungen”. Dabei zeichnet sich keine konsequente lineare Verlagerung in die suburbanen Bereiche und den Dom ab. Vielmehr wechseln sich Phasen der Hinwendung zur Bischofsstadt und -kirche mit anderen ab, in denen (auswärtige) Klostergründungen oder aber andere Stadtkirchen bevorzugt werden. Die Bischöfe ließen sich stets dort begraben, wo sie aufgrund zu Lebzeiten begründeter enger persönlicher Verbundenheit die fortdauernde Fürbitte am Grab erwarten konnten. Die Aussicht darauf war für sie von so großer Bedeutung, daß sie einen solchen Ort ohne Tradition einem traditionsreichen Ort vorzogen. Rez.: Borgolte, M. In: Historische Zeitschrift 256 (1993), 168f.Google Scholar
  3. 100.
    Meine-Schawe, Monika: Die Grablege der Wettiner im Dom zu Freiberg. Die Umgestaltung des Domchores durch Giovanni Maria Nosseni, 1585–1594. München 1992. 210 S. und 55 Abb. Die Verfasserin behandelt in ihrer kunsthistorischen Diss. erstmals monographisch die Grablege der Wettiner im Dom zu Freiberg, die zwischen 1541 und 1594 entstand und ausgebaut wurde. Schwerpunktmäßig befaßt sie sich mit der entscheidenden Phase der Umgestaltung des Domchores zur repräsentativen Grablege durch den kursächsischen Hofarchitekten Giovanni Maria Nosseni und den Florentiner Bildgießer Carlo di Cesare. Sie rekonstruiert die Planungs- und Baugeschichte, analysiert Motive und Stil des Werkes von Nosseni, schlägt einige Überlegungen zur Deutung der Wettiner Grablege als politisches Monument vor und stellt sie abschließend in der Kontext anderer Grabkapellen des 16. Jahrhunderts.Google Scholar
  4. 101.
    Schukraft, Harald: Die Grablegen des Hauses Württemberg. Stuttgart 1989. 190 S., 147 Abb. Der Verfasser verzeichnet alle bekannten Grablegen des Hauses Württemberg vom Ende des 13. Jhs. bis zur Gegenwart und beschreibt die bedeutenderen Grabdenkmale und Epitaphien. Der Verfasser kündigt eine erweiterte und mit ausführlicheren Anmerkungen versehene Fassung des Buches an.Google Scholar
  5. 101A.
    Rez.: Ehmer, H. In: Blätter für Württembergische Kirchengeschichte 91 (1991), 413–415.Google Scholar
  6. 102.
    Teuscher, Andrea: Das Prämonstratenserkloster Saint-Yved in Braine als Grablege der Grafen von Dreux. Zu Stifterverhalten und Grabmalgestaltung im Frankreich des 13. Jahrhunderts. Bamberg 1990. 224 S. und 97 Abb. Es läßt sich beobachten, daß um 1200 mehr und mehr Grablegen in den angestammten Hausklöstern adliger Familien eingerichtet wurden. Zwei Motive spielten dabei eine herausragende Rolle: Eine Grablege bot einen festen Ort für das Totengedächtnis und sie konnte dazu beitragen, eine dynastische Tradition entstehen zu lassen und zu stabilisieren. Gerade dies war für den franz. Geburtsadel von besonderem Interesse, da er es im Frankreich von König Philipp II. August schwer hatte, sich gegen die noblesse de robe, das Patriziat und das reich gewordenen Bürgertum durchzusetzen. Teuscher erforscht in ihrer kunstgeschichtlichen Diss. Die Geschichte der Grablege in Saint Yved, der größten nichtköniglichen Grablege Frankreichs im 13. Jahrhundert. Sie sucht insbesondere die Motivation der Stifter zu erkunden, in der sich der Zusammenhang von Grablege und Memoria am deutlichsten offenbart. Abschließend rekonstruiert sie die ehemalige Anlage der Grablege in ihren räumlichen und liturgischen Beziehungen.Google Scholar
  7. 103.
    Wendebourg, Eva-Andrea: Westminster Abbey als königliche Grablege zwischen 1250 und 1400. Worms 1986. 258 S., 37 Abb. Henry III. bestimmte Westminster Abbey zu seiner Grabkirche und ließ seit 1250 nahestehende Familienangehörige dort bestatten. Unter seinem Sohn Edward I. entwickelte sich Westminster zur dynastischen Grablege der Plantagenets u. z. bis zu Richards Todesjahr 1400. Deren Grabdenkmäler wurden bisher nicht monographisch behandelt. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die historische und kunsthistorische Dokumentation der Monumente. Außerdem werden einige ideen- und politikgeschichtliche Fragen angesprochen: Welche Bedeutung war an die Gründung einer dynastischen Königsgrablege in Westminster geknüpft? Inwieweit ist die Grablege in Westminster nach dem Vorbild der königlichen Grablege in Saint-Denis geschaffen worden ist? Inwiefern konnte eine dynastische Grablege zur Legitimierung des Herrschaftsanspruches beitragen? Im Katalogteil werden 17 Grabdenkmäler ausführlich beschrieben.Google Scholar

6.3 Friedhof

  1. 104.
    Bauer, Franz J.: Von Tod und Bestattung in alter und neuer Zeit. In: Historische Zeitschrift 254 (1992), 1–31. Der Verfasser beschreibt die Sepulkralkultur des 18. Jahrhunderts, die er durch die Verlegung der Friedhöfe an der Rand der Städte, ihre ästhetisie-rende Gestaltung und die Einrichtung von Leichenhäusern gekennzeichnet sieht. Hierin äußerten sich nach Ansicht Bauers nicht nur medizinischer Fortschritt und kommunal-staatliches Handeln, sondern auch eine grundlegend neue — distanzierte — Einstellung gegenüber dem Tod. Deren Ursachen seien weniger in demographischen oder sozialen Veränderungen zu suchen, als in dem durch sekptizistische und aufklärerische Philosophie begleiteten Prozeß der EntChristianisierung und Säkularisierung. Träger dieses “bürgerlichen, rationalisierten, besiegten oder verdrängten Todes “-Verständnisses sei die Hoch- und Elitekultur gewesen, während in der Volkskultur “archaische Elemente” des Mittelalters weitergelebt hätten.Google Scholar
  2. 105.
    Gatz, Erwin (Hg.): Der Campo Santo Teutonico in Rom und seine Grabdenkmäler, Bd. 1: Weiland, Andreas: Der Campo Santo Teutonico in Rom und seine Grabdenkmäler. Rom 1988, Bd. 2: Tönnesmann, Andreas/Fischer Pace, Ursula V.: Santa Maria della Pietà. Die Kirche des Campo Santo Teutonico in Rom. Rom 1988. Der Campo Santo Teutonico in Rom hat sich im 15. Jahrhundert von einem Fremden- und Pilgerfriedhof zum Friedhof einer religiösen Gemeinschaft, einer deutschsprachigen Armenseelenbruderschaft mit betont landsmannschaftlichem Charakter, entwickelt. “Die Bedeutung des Friedhofs liegt sicher nicht auf kunsthistorisch hervorragenden Werken, auch wenn sich unter den mehr als 500 erhaltenen Grabzeugnissen durchaus beachtliche Denkmäler befinden, sondern in der ungebrochenen vielhundertjährigen Tradition, die weiter andauert. Sie vermittelt ein lebendiges Bild von den Wandlungen der Grabkultur, dem Aufeinanderfolgen der verschiedenen Geschmacksrichtungen, den Moden und Konventionen. Durch seine Lage, seine Geschichte und seinen reichen Denkmälerbestand gehört der Campo Santo Teutonico zweifellos zu den hervorragenden Beispielen europäischer Friedhöfe….” (Weiland, 33f.) Während Tönnesmann und Fischer Pace die Friedhofskirche Santa Maria della Pietà kunsthistorisch beschreiben, setzt sich Weiland mit der Geschichte des Friedhofs (Topographie, Name, Frühgeschichte) und der Bruderschaft auseinander. Er beschäftigt sich mit der Ausstattung und Gestaltung des Friedhofs, der Lage der einzelnen Gräber, dem Bestattungsrecht und Begräbniswesen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der systematischen Erfassung der Grabdenkmäler der letzten 500 Jahre, die katalogartig auf beinahe 700 Seiten (mit Abb.) dokumentiert werden.Google Scholar
  3. 105A.
    Rez.: Krogel, W. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 69 (1989), 548f.;Google Scholar
  4. 105B.
    Weber, Ch. In: Historische Zeitschrift 251 (1990), 430f.; Schumacher, J. In: Theologische Revue 86, 4 (1990), 302–305.Google Scholar

6.4 Beinhaus

  1. 106.
    Grabmayer, Johannes: Volksglauben und Volksfrömmigkeit im spätmittelalterlichen Kärnten. Wien 1994. Der Verfasser hält Hulas These über den Ursprung und die Funktion der Karner im 11. und 12. Jahrhundert für nicht stichhaltig (Mittelalterliche Kultmale. Die Totenleuchten Europas, Karner, Schalenstein und Friedhofsoculus. 1970). Hula vertrat die Ansicht, daß man im Zuge eines sich wandelnden Totenkultus die bis dahin in irgendeinem Winkel des Friedhofs verscharrten Gebeine der Toten sichtbar und der Verehrung zugänglich aufbewahren wollte. Gegen eine solche Deutung des veränderten Bestattungsbrauchs spricht aber laut Grabmayer gerade die Anonymität der Gebeine im Karner. Sie konnten anonym und gesammelt aufbewahrt werden, weil theologisch die Körperreste als nebensächlich, die Seele und ihr Weiterleben dagegen als zentral galten. Das parallele Auftreten von Karner und Grabmonument zeige jedoch, daß sich diese Auffassung der Trennung von Seele und Leib nicht wirklich durchsetzen konnte. 107. Westerhoff, Wolfgang: Karner in Österreich und Südtirol. St. Pölten/Wien 1989, 213 S. Der Verfasser stellt eine große Zahl von österreichischen und südtirolern Beinhäusern (mit Abb.) vor und rekonstruiert deren Geschichte, Lage, Bauform und Ausstattung. Die Literatur über Karner ist nicht sehr umfangreich, zudem z. T. nur auf einzelne oder wenige Objekte beschränkt, ungedruckt oder an entlegenem Ort erschienen. Insofern bietet Wester-hoffs Einleitung eine nützliche Einführung ins Thema. Er versucht, eine Definition des Begriffs “Karner” zu geben, informiert über Ursprung, Geschichte und Ende der Beinhäuser, fragt nach Entstehungsursachen und möglichen Funktionen, entwickelt einer Typologie der verschiedenen Bauformen mit ihren jeweiligen Vorbildern und berichtet schließlich über Patrozinienwahl, Ausstattung und liturgische Nutzung.Google Scholar

7. Totengedächtnis allgemein

  1. 108.
    Althoff, Gerd u. a. (Hg.): Person und Gemeinschaft im Mittelalter. Karl Schmid zum 65. Geburtstag. Sigmaringen 1988. Drei Beiträge dieser Festschrift befassen sich mit dem Totengedächtnis: M. Borgolte sucht abzuschätzen, inwieweit die Nepoten an der grabgebundenen Papstmemoria Anteil hatten und in welcher Art sie sich am Papstgedenken beteiligten. 0. Clavadetscher vollzieht nach, warum das Kloster St. Gallen seit dem 14. Jahrhundert seine frühere Bedeutung als der in der Region zentrale Ort des Totengedächtnisses verlor und seine Rolle mehr und mehr an jüngere Klöster, Spitäler, städtische Pfarrkirchen und Dorfkirchen abgeben mußte. B. Schwineköper diskutiert die in der Forschung umstrittene Frage, warum Herzog Bertold V. von Zähringen als einziger seiner Familie nicht im zähringischen Hauskloster St. Peter im Schwarzwald, sondern in der Pfarrkirche der Stadt Freiburg bestattet worden ist. Dabei kommt er auf eine Reihe von Problemen zu sprechen, die das Begräbnis und Totengedächtnis hochmittelalterlicher Fürsten schlechthin betreffen. Rez. des Gesamtbandes: Huschner, W. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 38, 5 (1990), 465f.Google Scholar
  2. 109.
    Frank, Thomas: Studien zu italienischen Memorialzeugnissen des XI. Und XII. Jahrhunderts. Berlin/New York 1991. 296 S. In seiner in Freiburg bei K. Schmid verfaßten Dissertation beschäftigt sich der Verfasser mit Memorialzeugnissen aus dem hochmittelalterlichen Italien, die die Personennamen in Listenform darbieten und insofern einem kollektiven Gedenken dienten. Die ältere Forschung hielt diese Quellen für anachronistisch, weil das Gebetsgedächtnis zu jener Zeit bereits zu einem individuellen, anniversarischen Totendenken hin tendierte (bes. im Reformmönchtum von Cluny). Frank kann dagegen nachweisen, daß die italienischen Libri vitae die in der Zeit der Kloster- und Kirchenreform wachsende Teilhabe von Laien an der Gebetsfürsorge widerspiegeln, der die Klöster nur in Ausnahmefällen durch Kalendareinträge genügen konnten, wohl aber durch erhöhten Aufwand bei der Listenführung. Rez.: Bauss, Ph. In: Analecta bollandia 111, 1–2 (1993), 229f.; Borgolte, M. In: Historische Zeitschrift 257 (1993), 469f.Google Scholar
  3. 110.
    Gerchow, Jan: Die Gedenküberlieferung der Angelsachsen. Mit einem Katalog der libri vitae und Necrologien. Berlin/New York 1988. 417 S. Im Unterschied zum europäischen Festland und insbesondere zum fränkischen Großreich, dessen Gedenkwesen bereits seit 2 Jahrzehnten intensiv erforscht wird, ist die Gedenküberlieferung der britischen Inseln bisher noch kaum untersucht worden. Ziel der Freiburger Dissertation ist es deshalb, durch Sichtung und knappe quellenkritische Aufbereitung erst einmal überhaupt ein Arbeitsinstrument zur Erforschung der angelsächsischen Memorialüberlieferung zu erstellen. Der Verfasser setzt sich in seinem einleitenden Überblick über die liturgische Memoria in der historischen Überlieferung der Angelsachsen mit der älteren Forschung auseinander, die die angelsächische Gebetsverbrüderung als vorbildhaft für die Memorialkultur im Karolingerzeit erachtete. Dagegen versucht er nachzuweisen, daß einer Beurteilung der Angelsachsen als “Initiatoren” der klösterlichen Gebetsverbrüderung gewichtige Einwände entgegenstehen. Auch habe die angelsächsische Gedenküberlieferung keinen Eingang in die kontinentale Klosterüberlieferung finden können. Im Katalog (mit Beschreibung, Kommentar und Edition der Quellen, S. 109–359) stellt Gerchow neben den ‘libri vitae’ und den Nekrologen andere wichtige Zeugnisse der liturgischen Memorialvereinbarungen vom 8. Jh. bis 1066 zusammen. Rez.: Vollrath, H. In: Historische Zeitschrift 259 (1994), 470f.Google Scholar
  4. 111.
    Geuenich, Dieter/Oexle, Otto Gerhard: Memoria in der Gesellschaft des Mittelalters. Göttingen 1994. 371 S. Der Band bringt Vorträge einer 1991 veranstalteten Tagung zum Abdruck, bei dem Experten des mittelalterlichen Gedächtniswesens Fragestellungen weiterverfolgten, die bereits den von K. Schmid und J. Wollasch veranstalteten Kolloquien in Münster (dokumentiert in: Memoria. Der geschichtliche Zeigniswert des liturgischen Gedenkens. 1984) und Freiburg i. Br. (Gedächtnis, das Gemeinschaft stiftet. 1985) zugrundegelegen hatten. Zunächst erläutert J. Wollasch die in dem von ihm und K. Schmid begründeten Projekt ‘Societas et Fraternitas’ während der letzten drei Jahrzehnte in der Erschließung neuer Quellen und der darauf aufbauenden sozialgeschichtlichen Forschung geleisteten Arbeit und legt mögliche Perspektiven der zukünftigen Erforschung der Zeugnisse von “societates et fraternitates”, nicht nur des frühen und hohen Mittelalters, sondern auch des Spätmittelalters dar. K. Schmid stellt die “für die Geistes- wie für die Sozialgeschichte hochbedeutsame spiritalis fraternita-tis societas” zwischen Abaelard und Heloise dar, G. Althoff erörtert, wie sich die Krisen des zerfallenden Karolingerreiches im Bereich der Gedenkquellen in einer zunehmenden Verschriftlichung niedergeschlagen haben. Weitere Beiträge setzen sich mit dem Phänomen der Memoria im Hinblick auf Adel und Königtum (O. G. Oexle: Heinrich d. Löwe; F. Neiske: franz. Grafen und Könige), Mönchtum (U. Ludwig: “Gedenklisten des Klosters Novalese”) und Stadt (D. W. Poeck: “Rat und Memoria” am Beispiel von Wismar und Lübeck) sowie Einungen und Gilden (J. Gerchow: englische Gildestatuen des 14. Jhs.) auseinander. M. Borgolte beleuchtet den Zusammenhang von Memoria und Universitätstiftungen (mit Resumée der Forschungslage zu Stiftungen allgemein), F. Rexroth den von Memoria und Armut anhand Londoner Beispiele. Abschließend stellt M. Bourin das internationale Projekt GREHAM (Groupe de Recherche d’Histoire de l’Anthroponomy Médiévale) zur “Erforschung der mittelalterlichen Ursprünge moderner Namengebung” vor.Google Scholar
  5. 112.
    Laudage, Marie-Luise: Caritas und Memoria mittelalterlicher Bischöfe. Köln/Weimar/Wien 1993. 389 S. Die Verfasserin dieser Münsteraner Dissertation untersucht Zusammenhänge zwischen Totengedächtnis und Fürsorge für Arme. Sie zeigt an ausgewählten Einzelfällen (Hauptquelle: Bischofsviten) Praktiken, zentrale Orte und Leitlinien sowie die Träger und Adressatenkreise bischöflicher Armen- und Memorialsorge im früh- und hochmittelalterlichen England und sich herausbildenden ‘regnum teutonicum’ auf. Dabei stellt die Autorin u. a. folgende Fragen: Existierte im Hochmittelalter eine eigenständige Armensorge- und Gedenkpraxis mittelalterlicher Bischöfe? Übernahmen die Bischöfe herrscherlich-adlige oder monastische Traditionen und beeinflußten sie sie umgekehrt auch? Welche Praktiken und Typen bischöflicher ‘caritas’ und ‘memoria’ gab es, kommt es zu zeitgebunden Veränderungen oder Präferenzen? In welchem Verhältnis standen die Institutionen, in denen sich Armensorge und liturgisches Gedenken realisierten, zu den Bischöfen? Welche Funktionen erfüllten Armensorge und Gedenken im Rahmen des jeweiligen, in den Viten dargelegten Bischofsbildes, welchen Stellenwert besaßen sie grundsätzlich für das episkopale Amts- und Selbstverständnis? (12) Durch die Klärung dieser und weiterer Fragen entwickelt die Verasserin die These, daß die Verpflichtung zur ‘memoria’ den kirchlichen Oberhirten aus ihrem amtsbedingten ständigen Kontakt mit den in natürliche und geistliche Gemeinschaften eingebundenen Menschen erwuchs.Google Scholar
  6. 112A.
    Laudage, Marie-Luise: Caritas und Memoria mittelalterlicher Bischöfe. Köln/Weimar/Wien 1993. 389 S. Die Verfasserin dieser Münsteraner Dissertation untersucht Zusammenhänge zwischen Totengedächtnis und Fürsorge für Arme. Sie zeigt an ausgewählten Einzelfällen (Hauptquelle: Bischofsviten) Praktiken, zentrale Orte und Leitlinien sowie die Träger und Adressatenkreise bischöflicher Armen- und Memorialsorge im früh- und hochmittelalterlichen England und sich herausbildenden ‘regnum teutonicum’ auf. Dabei stellt die Autorin u. a. folgende Fragen: Existierte im Hochmittelalter eine eigenständige Armensorge- und Gedenkpraxis mittelalterlicher Bischöfe? Übernahmen die Bischöfe herrscherlich-adlige oder monastische Traditionen und beeinflußten sie sie umgekehrt auch? Welche Praktiken und Typen bischöflicher ‘caritas’ und ‘memoria’ gab es, kommt es zu zeitgebunden Veränderungen oder Präferenzen? In welchem Verhältnis standen die Institutionen, in denen sich Armensorge und liturgisches Gedenken realisierten, zu den Bischöfen? Welche Funktionen erfüllten Armensorge und Gedenken im Rahmen des jeweiligen, in den Viten dargelegten Bischofsbildes, welchen Stellenwert besaßen sie grundsätzlich für das episkopale Amts- und Selbstverständnis? (12) Durch die Klärung dieser und weiterer Fragen entwickelt die Verasserin die These, daß die Verpflichtung zur ‘memoria’ den kirchlichen Oberhirten aus ihrem amtsbedingten ständigen Kontakt mit den in natürliche und geistliche Gemeinschaften eingebundenen Menschen erwuchs.Google Scholar
  7. 113.
    Lemaître, Jean-Loup (Hg.): L’ église et la mémoire des morts dans la France mediévale. Communications présentées à la table Ronde du C.N.R.S., le 14 juin 1982. Paris 1986. 157 S. Das “L’Institut de Recherche et d’Histoire des Textes du C.N.R.S.” beschäftigt sich intensiv mit der Dokumentation und Erforschung der französischen Nekrologe. Bei dem in diesem Zusammenhang veranstalteten zweiten Round-Table-Gespräch ging es in erster Linie darum, Probleme der laufenden Forschungen zu erörtern. Mit Ausnahme von J. Longe-re, der eine einschlägige Predigt Jacobs von Vitry erstmals ediert, und J. Avril, der Formen der Bestattung und Memoria in französischen Pfarrgemeinden des 13. und 14. Jhs. beschreibt, befassen sich die Autoren daher in erster Linie mit dem monastischen Totengedächtnis. Weitere Beiträge von M. Huglo, J. Becquet, L. Falkenstein, J. Foviaux, J. Dubois, J.-L. Lemaître.Google Scholar
  8. 114.
    McLaughlin, Megan: Consorting with saints: prayer for the dead in early Mediéval France. Ithaca u. a. 1994. 306 S. Die Verfasserin untersucht vor allem auf der Basis von theologischen Schriften, Nekrologen, Ordines und klösterlichen Urkunden das Gebetsgedenken für Tote, wie es von der Mitte des 8. bis zum Ende des 11. Jhs. gepflegt wurde. Während sie sich im ersten Kapitel der Begräbnisliturgie und dem Begräbnisbrauchtum zuwendet, behandelt sie im Folgenden das vom Begräbnis unabhängige liturgische Gedenken in seinem sozialen Kontext. Dabei analysiert sie insbesondere die Beziehungen, die sich durch die Gebetsverbrüderungen zwischen den Laien, und zwar den “humiles” wie den “potentes”, und den religiösen Kommunitäten entwik-kelten. Hauptthese des Buches ist, daß das Gebetsgedenken in dem von der Verfasserin untersuchten Zeitraum durch einen speziellen ‘ekklesiolo-gischen Symbolismus’ gekennzeichnet ist und sich damit von dem früherer wie späterer Zeiten deutlich unterscheidet.Google Scholar

7.1 Bruderschaften

  1. 115.
    Banker, James Roderick: Death in the Community. Memoralization and con-fraternities in an italian commune in the late Middle Ages. Athens/London 1988. 292 S. Der Verfasser verfolgt auf der Basis einer ungewöhnlich guten und interessanten Quellenlage das religiöse, ökonomische und soziale Leben der religiösen Laienbruderschaften der kleinen toskanischen Stadt San Sepol-chro über zwei Jahrhunderte hinweg. Im rechten Verhalten gegenüber Sterbenden und Toten und in der Bewältigung des Todes sieht er wesentliche Anliegen dieser Korporationen. Schon der Impuls zur Gründung der ersten Bruderschaft ist hierauf zurückzuführen. Zu Beginn des 13. Jhs. lebten in San Sepolchro nur wenige Kleriker. Nach Meinung des Verfassers fühlten sich daher die Bürger genötigt, die Organisation der sakralen Aktivitäten und insbesondere die der Begräbnisse und der Totenmemoria selbst in die Hand zu nehmen. Durch die Übernahme einer im monasti-schen Bereich erprobten Kultur des Sterbens und des Todes wurde das Individuum darüberhinaus in die Lage versetzt, mit Hilfe eines ritualisierten gemeinschaftlichen Verhaltens der Furcht vor dem Tod zu begegnen und die Trauer um einen Toten zu bewältigen. Wie Banker beobachten konnte, wurde der Tod eines Angehörigen durchaus nicht ruhig und gefaßt hingenommen. Ariès’ These vom “gezähmten Tod” ist mit den Quellen aus San Sepolchro nicht zu belegen. Rez.: Brown, J. In: Spéculum 66, 2 (1991), 370–372; Cohn, Samuel. In: The Catholic Historical Review 76 (1990), 352f.; Kohl, B. In: Manuscripta, Saint Louis 35, 1 (1991), 63f.; Trexler, R. In: American Historical Review 95 (1990), 1518f.Google Scholar
  2. 115a.
    Banker, James Roderick: Death in the Community. Memoralization and con-fraternities in an italian commune in the late Middle Ages. Athens/London 1988. 292 S. Der Verfasser verfolgt auf der Basis einer ungewöhnlich guten und interessanten Quellenlage das religiöse, ökonomische und soziale Leben der religiösen Laienbruderschaften der kleinen toskanischen Stadt San Sepol-chro über zwei Jahrhunderte hinweg. Im rechten Verhalten gegenüber Sterbenden und Toten und in der Bewältigung des Todes sieht er wesentliche Anliegen dieser Korporationen. Schon der Impuls zur Gründung der ersten Bruderschaft ist hierauf zurückzuführen. Zu Beginn des 13. Jhs. lebten in San Sepolchro nur wenige Kleriker. Nach Meinung des Verfassers fühlten sich daher die Bürger genötigt, die Organisation der sakralen Aktivitäten und insbesondere die der Begräbnisse und der Totenmemoria selbst in die Hand zu nehmen. Durch die Übernahme einer im monasti-schen Bereich erprobten Kultur des Sterbens und des Todes wurde das Individuum darüberhinaus in die Lage versetzt, mit Hilfe eines ritualisierten gemeinschaftlichen Verhaltens der Furcht vor dem Tod zu begegnen und die Trauer um einen Toten zu bewältigen. Wie Banker beobachten konnte, wurde der Tod eines Angehörigen durchaus nicht ruhig und gefaßt hingenommen. Ariès’ These vom “gezähmten Tod” ist mit den Quellen aus San Sepolchro nicht zu belegen. Rez.: Brown, J. In: Spéculum 66, 2 (1991), 370–372;Google Scholar
  3. 105b.
    Cohn, Samuel. In: The Catholic Historical Review 76 (1990), 352f.;Google Scholar
  4. 105c.
    Kohl, B. In: Manuscripta, Saint Louis 35, 1 (1991), 63f.;Google Scholar
  5. 105d.
    Trexler, R. In: American Historical Review 95 (1990), 1518f.Google Scholar
  6. 116.
    Henderson, John: Religious confraternities and death in early renaissance Florence. In: Denley, Peter/Elam, Caroline (Hg.): Florence and Italy: Renaissance studies in honour of Nicolai Rubinstein. London 1988, 383–394; Ders.: Piety and charity in late medieval Florence. Oxford u. a. 1994. 533 S. In der Bruderschaftsforschung wird die Frage diskutiert, warum die Bruderschaften im Spätmittelalter so stark florierten. Neuere Untersuchungen zu London und Avignon (Barron 1985, Chiffoleau 1980) legten die Vermutung nahe, daß die Sicherung der Totenmesse für die Mitglieder der wichtigste Grund für den Beitritt gewesen ist. Der Verfasser will in seinem Aufsatz diese These für Florenz überprüfen, wo zwischen 1250 bis 1500 nach Pestepidemien jeweils deutlich mehr Bruderschaften gegründet wurden als zuvor. Was aber konnten die Bruderschaften, nicht aber der reguläre Klerus, bieten? Mitgliedschaft ermöglichte es, ein besser besuchtes, zeremoniell ausgefeilteres und damit repräsentativeres Begräbnis zu erhalten. Mitgliedschaft befreite von der in städtischen bzw. staatlichen Begräbnisordnungen festgelegten Verpflichtung zur Aufwandsbegrenzung und ermöglichte es, den Ort der Beisetzung selber zu bestimmen. Mitgliedschaft sicherte ein fortlaufendes Totengedächtnis. Die Attraktivität der Bruderschaften lag also in einer ganzen Reihe von ‘Serviceleistungen’, die ein System sozialer und spiritueller Sicherheit schufen und die der reguläre Pfarrklerus nicht bieten konnte. Im fünften Kapitel der Monographie (S. 155–195) findet sich eine erweiterte Darstellung des Themas.Google Scholar
  7. 117.
    Schneider, Bernhard: Bruderschaften im Trierer Land. Ihre Geschichte und ihr Gottesdienst zwischen Tridentinum und Säkularisation. Trier 1989. 492 S. Die Sorge um das Seelenheil der Verstorbenen war in den nachtridentini-schen Bruderschaften des Erzbistums Trier verschieden stark ausgeprägt. Während bei den aus der spätmittelalterlichen Tradition erwachsenen Devotions- und Zunftbruderschaften und den Priesterbruderschaften die Tendenz unverkennbar ist, dem Verstorbenen mit möglichst vielen Meß-feiern zu helfen, fiel bei den nachtridentinischen Devotionsbruderschaften das “Seelgerät” viel bescheidener aus. Dieser Unterschied hängt offensichtlich mit der jeweiligen wirtschaftlichen Situation der Korporation zusammen. Um das allgemeine Totengedächtnis zu intensivieren, wurden von den jesuitisch geprägten Bruderschaften und Sodalitäten sog. “Seelenandachten” und das Austauschen von Totenlisten eingeführt.Google Scholar
  8. 117a.
    Rez.: Meyer, H. B. In: Zeitschrift für Katholische Theologie 113, 2–3 (1991), 363f.Google Scholar
  9. 118.
    Trio, Paul: Volksreligie als spiegel van een stedelijke samenleving. De broederschappen te Gent in de late middeleeuwen. Leuven 1993, 471 S. Detail- und materialreiche Studie zu Entstehung, Organisations- und Mitgliederstruktur, Vermögen, Tätigkeiten und kulturell-religiösen Verpflichtungen der Genter Bruderschaften. Manche Historiker vertreten die These, der fulminante Aufschwung der Bruderschaften im späten MA habe mit der sozialen Isolierung in den Städten und der ständigen Todesbedrohung durch Seuchen zusammengehangen. Deshalb habe man sich für Begräbnis und Totengedächtnis eines von Familie und Verwandtschaft unabhängigen Beistandes versichern wollen (so J. Chiffoleau 1979, C. Vincent 1988, A. Vauchez 1991). Diese These kann Trio für die von ihm untersuchten Genter nicht bestätigen. Attraktiv waren die Bruderschaften vielmehr deshalb, weil sie durch ihre religiösen, karitativen und finanziellen Aktivitäten über einen himmlischen Schatz an guten Werken (im Sinne von Ablaßprivilegien) verfügten. An diesem teilhaben zu können und bei der Rettung des eigenen Seelenheils nicht allein tätig sein zu müssen, motivierte die meisten zu ihrem Beitritt. Nach Ansicht Trios leisteten die Bruderschaften so einen wichtigen Beitrag zur “Demokratisierung” der göttlichen Barmherzigkeit. Auch in Bezug auf die Begräbnisse wirkten sie “demokratisierend”: der größte Teil der Korporationen des 12.–14. Jhs. sah in den Statuten vor, die Begräbniskosten für ein arm (gewordenes) Mitglied zu übernehmen. Waren die meisten mittelalterlichen Menschen nicht in der Lage, ein Jahrgedächtnis zu stiften, so rückte zumindest eine einmalige Meßfeier dank der Bruderschaften in den Bereich des Möglichen.Google Scholar

7.2 Epitaph, Grabinschrift, Grabmal, Totenschild

  1. 119.
    Harasimowicz, Jan: Lutherische Bildepitaphien als Ausdruck des “Allgemeinen Priestertums der Gläubigen” am Beispiel Schlesien. In: Tolke-mitt, Brigitte /Wohlfeil, Rainer (Hg.): Historische Bildkunde. Probleme-Wege-Beispiele. Berlin 1991, 135–164. Bildepitaphien können als typischstes Elemente der lutherischen Kirchenausstattung des 16. und 17. Jahrhunderts gelten. Der Spezialist für schlesi-sche Epitaphien faßt hier die wichtigsten Ergebnisse seiner monographischen Studie zusammen, in der er durch die Kombination von ikonologischer und historisch-soziologischer Methode die Sepukralkunst als Quelle für die Erforschung von Mentalitätsstukturen nutzbar machte. In diesem Sinn versucht er für die lutherischen Bildepitaphien zu zeigen, daß “sowohl die Adaption dieses Grabdenkmaltypus an die Bedürfnisse der werdenden neuen evangelischen Frömmigkeit, als auch die zunehmende Überzeugung, daß die Stiftung eines solchen Epitaphs… ein löblicher Akt der ‘frommen Tat’ wäre, Ausdruck einer generellen Kulturtendenz dieser Epoche waren, die man als ‘Imperativ der Evangeliumsverkündigung’ bezeichnen kann”.Google Scholar
  2. 120.
    Harasimowicz, Jan: Mors Janua Vitae: Slaskie epitafia i nagrobki wieku reformacji. Wroclaw 1992. 255 S. + 170 Abb. (S. 203–217 dt. Zusammenfassung “Die schlesischen Epitaphien und Grabmäler der Reformationszeit”). Der Verfasser beabsichtigt, “den gesamten Fragenkomplex der künstlerischen und ideologischen Probleme” der schlesischen protestantischen Sepulkralkunst der Jahre 1520–1620 zu erfassen. Zunächst erforscht er deren Genese, Typologie, künstlerische Formen und stilistische Entwicklung, die wesentlich dadurch geprägt sind, daß die lutherische Doktrin von der Rechtfertigung allein durch den Glauben die Funktion und die Gestaltung des Epitaphs entscheidend veränderte. Die Motive und programmatischen Inhalte der protestantischen Grabmalkunst werden sodann im einzelnen analysiert bevor abschließend versucht wird, den Beitrag der schlesischen Grabmalkunst für die protestantische ‘Ars moriendi’ überhaupt einzuschätzen.Google Scholar
  3. 121.
    Ketelsen-Volkhardt, Anne-Dore: Schleswig-holsteinische Epitaphien des 16. und 17. Jahrhunderts. Neumünster 1989. 352 S., 268 Abb. + Katalogabbildungen. Überblicksdarstellung mit dem Ziel, “einen Eindruck von der Vielfalt des schleswig-holsteinischen Epitaphbestandes und der Epitaphentwicklung in mehr als zwei Jahrhunderten zu vermitteln und ihre Eigentümlichkeit herauszustellen”. Nach einem Versuch, das “Evangelische Epitaph” zu definieren, beschreibt die Verfasserin die Übergänge vom katholischen zum evangelischen Epitaph u. z. sowohl in Hinblick auf Form und Gestaltung der Monumente wie auf deren Inhalte und Funktionen. Der Haupteil der Arbeit besteht aus einer detaillierten stil-, form- und typengeschichtlichen Analyse des überlieferten schleswig-holsteinischen Denkmälerbestandes, der in einem Katalog (S. 282–345) verzeichnet und abgebildet wird. Rez.: Wilde, L. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 71 (1991), 437–439.Google Scholar
  4. 122.
    Kliemann, Thomas: Plastische Andachtsepitaphien in Nürnberg 1450–1520. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 76 (1989), 175–240. Der Verfasser informiert über die verschiedenen Epitaphtypen, ihren Aufbau, ihre Bestandteile, Funktionen und Stilentwicklung. Den größten Raum nimmt ein beschreibender Katalog von 19 Epitaphien ein, die teilweise abgebildet sind. Das Literaturverzeichnis ist deshalb von Interesse, weil es viele lokal- und regionalgeschichtliche Studien zum Thema enthält. (“Die plastischen Andachtsepitaphien in Nürnberg von ihren Anfängen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts” sind bereits 1951 durch P. Appelius untersucht worden.)Google Scholar
  5. 123.
    Thauer, Dagmar Alexandra: Der Epitaphaltar. München 1985. 173 S. Beim dem sog. Epitaphaltar handelt es sich um eine besondere, in katholischen und protestantischen Gebieten verbreitete, aber relativ seltene Form des Altares, der dem Totengedächtnis seines Stifters dienen soll, worauf durch eine angebrachte Gedächtnisinschrift oder die Darstellung des Stifters und seines Wappens ausdrücklich hingewiesen wird. Der Epitaphaltar erfüllt zugleich memoriale, sepulchrale und eucharistische Funktionen. Thauer analysiert in ihrer kunsthistorischen Dissertation die Auftraggeberschaft und die chronologische, geographische und soziale Verbreitung des Epitaphaltares. Sie versucht, den Epitaphaltares aus verwandten Altar- und Grabmaltypen formal abzuleiten und von ihnen abzugrenzen. Abschließend werden 12 Epitaphaltäre aus bayerischen Kirchen einzeln vorgestellt und detailliert beschrieben.Google Scholar

7.3 Kriegerdenkmal, Schlachtengedenken

  1. 124.
    Graf, Klaus: Schlachtengedenken im Spätmittelalter. Riten und Medien der Präsentation kollektiver Identität. In: Altenburg, Detlef/Jarnut, Jörg/ Steinhoff, Hans-Hugo (Hg.): Feste und Feiern im Mittelalter. Sigmaringen 1991,63–69.Google Scholar
  2. 125.
    Graf, Klaus: Schlachtengedenken in der Stadt. In: Kirchgässner, Bernhard/Scholz, Günther (Hg.): Stadt und Krieg. Sigmaringen 1989, 83–104. Graf befaßt sich in beiden Aufsätzen mit dem städtischem Schlachtengedenken, das sich in den öffentlich gefeierten Gedenktagen, sog. Schlach-tenjahrtagen, niederschlägt und von dem eher privaten dynastischen Schlachtengedenken abzugrenzen ist. Ursprüngliche Funktion der Jahrtage war die liturgische Memoria und spirituelle Fürsorge für die im Kampf für die Stadt Gefallenen. Dabei ging es, so Graf, nicht um die ‘historische’ Erinnerung an ein einzelnes, konkretes Ereignis, sondern um die exemplarische Erinnerung an überstandene Gefahren und Opferbereitschaft der Vorfahren im allgemeinen. Die Stadt konstituierte sich hierin als “Sakralgemeinschaft” und “Erinnerungsgemeinschaft”. Schlachtengedenktage sind daher als “Teil des civic ritual” zu verstehen, als “Teil jener Handlungsgrammatik, die städtischem Leben eine Form gab und die ein labiles Gleichgewicht zwischen Rat und Gemeinde aufrechterhielt”.Google Scholar
  3. 126.
    Müller, Mechthild:: “In hoc vince”- Schlachtendarstellungen an süddeutschen Kirchendecken im 18. Jahrhundert: Funktion und Geschichtsinterpretation. Frankfurt/M. u.a. 1991, 218 S. Müller befaßt sich mit einer besonderen Form des Schlachtengedenkens, nämlich mit den vor allem an süddeutschen Kirchendecken nicht seltenen Schlachtendarstellungen, bei denen meist ein Heiliger als Schlachtenhelfer ins Geschehen eingreift. Bemerkenswert ist, daß sie vorwiegend in Dorf-, Filial- und Wallfahrtskirchen vorkommen, nicht aber in den großen städtischen und klösterlichen Kirchen. An ausgewählten Beispielen entschlüsselt die Verfasserin ihre Motive, Symbole und Bildaussagen. Der Katalog beschreibt in thematisch geordnet 77 Schlachtendarstellungen.Google Scholar

8. Literatur und Ikonographie 8.1 Trostliteratur

  1. 127.
    McClure, George W.: Sorrow and consolation in Italian Humanism. Princeton 1991. 311 S. Trauer und Trost nehmen im Denken und in der Literatur der italienischen Humanisten einen wichtigen Platz ein. Die Tradition der antiken “consola-tio” aufgreifend, thematisierten sie in unterschiedlichen literarischen Formen die Trauer über den Verlust eines Menschen, Furcht vor dem Tod und Bedrohung durch Krankheit und Unglück. Die Bedeutung der Trostliteratur für die Renaissance-Kultur überhaupt ist, so McClure, von der Forschung noch nicht angemessen wahrgenommen worden. Er untersucht im Detail die Trostschriften ausgewählter prominenter und weniger bekannter Humanisten, ordnet das humanistische Interesse an der “consolatio” in einen breiteren kulturellen Kontext ein, erforscht die Gründe für die große Popularität der Trostliteratur und analysiert die psychologische Wirkung von Rhetorik als wirksames ‘Heilmittel’. Gute Bibliographie. Rez.: Banker, J. In: American Historical Review 98 (1993), 197.Google Scholar

8. Literatur und Ikonographie 8.2 Leichenpredigten

  1. 128.
    Döhner, Otto: Krankheitsbegriff, Gesundheitsverhalten und Einstellung zum Tod im 16. bis 18. Jahrhundert: eine historisch — medizinsoziologische Untersuchung anhand von gedruckten Leichenpredigten. Frankfurt a. M. 1986. 110 S.Überarbeitete Fassung einer 1977 abgeschlossenen medizinischen Dissertation, in der der Verfasser Aspekte der Krankheitsvorstellungen, des Gesundheits- und Krankheitsverhaltens und der Einstellung zu Sterben und Tod” historisch darzustellen und soziologisch zu analysieren versucht. Quellenbasis sind gedruckte Leichenpredigten von 1540–1740. Durch sie lassen sich eine ganze Reihe von Einzel-Informationen gewinnen, die die Wahrnehmung und Antizipation des eigenen Sterbens, die Beurteilung eines plötzlichen Todes, die Bedeutung psychischer Dispositionen im Sterbeprozeß, die Aufgaben des Arztes und des Geistlichen und anderes mehr betreffen.Google Scholar
  2. 129.
    Dugan, Eileen T.: Images of marriage and family life in Nördlingen. Moralpreaching and devotional literature, 1589–1712. Ann Arbor 1987. Thema der Dissertation sind die von den Pfarrern der lutherischen freien Reichsstadt Nördlingen zum Ausdruck gebrachten sozialen und moralischen Werte bezüglich Ehe, Familie und Haushalt (“domestic values”). Eine der beiden zentralen Quellengruppen bilden rund 100 Lp aus der Pfarrkirche St. Georg. Dugan beschreibt, wie in ihnen zeitgenössische Erfahrungen mit der eigenen Sterblichkeit und der anderer thematisiert und angemessene Verhaltensweisen angesichts des Todes von Kindern und Ehepartnern (insbesondere von jungen Frauen im Kindbett) vorgestellt werden.Google Scholar
  3. 130.
    Lenz, Rudolf: De mortuis nil nisi bene? Leichenpredigten als multidisziplinäre Quelle unter besonderer Berücksichtigung der Historischen Familienforschung, der Bildungsgeschichte und der Literaturgeschichte. Sigmaringen 1990. 188 S. Die Studie des Leiters der Marburger Forschungsstelle für Personalschriften erhellt die vielfältigen Möglichkeiten der wissenschaftlichen Auswertung von Lp in vier Bereichen historischer Frühneuzeitforschung: Demographie, Familien-, Bildungs- und Literaturgeschichte. Darüberhinaus gibt er einen nützlichen Überblick über die Geschichte der Quellengattung “Leichenpredigt” und ihrer Erforschung (mit einen Verzeichnis der wichtigen, auch älteren, Literatur) sowie über die von der Marburger Forschungsstelle betriebene computergestützte Erschließung und Auswertung der Texte. Rez.: Füchtner, J. In: Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen 45, 1 (1992), 126; Göttmann, F. In: Zeitschrift für Historische Forschung 21, 1 (1994), 114f.; Schorn-Schütte, L. In: Historische Zeitschrift 256 (1993), S. 486f.; Schumacher, K. In: Zeitschrift des Vereins für lübecksche Geschichte und Altertumskunde 72 (1992), 307f.; Vanja, C. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 42 (1992), 297f.Google Scholar
  4. 130a.
    Lenz, Rudolf: De mortuis nil nisi bene? Leichenpredigten als multidisziplinäre Quelle unter besonderer Berücksichtigung der Historischen Familienforschung, der Bildungsgeschichte und der Literaturgeschichte. Sigmaringen 1990. 188 S. Die Studie des Leiters der Marburger Forschungsstelle für Personalschriften erhellt die vielfältigen Möglichkeiten der wissenschaftlichen Auswertung von Lp in vier Bereichen historischer Frühneuzeitforschung: Demographie, Familien-, Bildungs- und Literaturgeschichte. Darüberhinaus gibt er einen nützlichen Überblick über die Geschichte der Quellengattung “Leichenpredigt” und ihrer Erforschung (mit einen Verzeichnis der wichtigen, auch älteren, Literatur) sowie über die von der Marburger Forschungsstelle betriebene computergestützte Erschließung und Auswertung der Texte. Rez.: Füchtner, J. In: Der Archivar. Mitteilungsblatt für deutsches Archivwesen 45, 1 (1992), 126; Göttmann, F. In: Zeitschrift für Historische Forschung 21, 1 (1994), 114f.; Schorn-Schütte, L. In: Historische Zeitschrift 256 (1993), S. 486f.; Schumacher, K. In: Zeitschrift des Vereins für lübecksche Geschichte und Altertumskunde 72 (1992), 307f.; Vanja, C. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 42 (1992), 297f.Google Scholar
  5. 131.
    Lenz, Rudolf (Hg.): Leichenpredigten als Quelle historischer Wissenschaften, 3 Bände. Köln/Wien/Marburg 1975, 1979, 1984. Der erste Band dokumentiert die Vortrage, die auf dem Ersten Marburger Personalschriftensymposion 1974 gehalten wurden. Ziel der Tagung war es, auf das wissenschaftliche bzw. forschungsrelevante Potential der bis dahin erst in Ansätzen bearbeiteten Quellengattung “Leichenpredigt” aufmerksam zu machen. 22 Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen trugen zur Erschließung möglicher Forschungsgegenstände bei und referierten erste Ergebnisse. In zweiten Band, auf eine Tagung im Jahr 1977 zurückgeht, wurde das Spektrum der Disziplinen auf die Ikonographie, Heraldik, Emblematik, Demographie, Rhetorik, Lexikographie, Geschichte des Buchwesens und des Buchdruckes, Geistes-, Sozial- und Wissenschaftsgeschichte erweitert. Die Beiträge des dritten Marburger Personalschriftensymposions 1983 basieren in hohem Maß auf Materialien, die in der 1976 mit Hilfe der Stiftung Volkswagenwerk eingerichteten Forschungsstelle für Personalschriften erfaßt und mittels des sog. Intensivauswertungsschemas aufgearbeitet worden sind. Erstmals widmete sich ein eigener Arbeitskreis dem Thema “Sterben und Tod im Mittelalter”. In der Sektion “Sozialgeschichte des Sterbens” wurden einige der zentralen Thesen von Ph. Ariès kritisch beleuchtet und nach dem Stellenwert der Leichenpredigten im Totenbrauchtum der frühen Neuzeit gefragt. Weitere Themen des Bandes: Lp und Todesmetaphorik, das Ende der Lp im 18. Jh., der Lp-Bestand in ostdeutschen und osteuropäischen Bibliotheken, Lp und Musik, Lp als Quelle für die Mentalitäts- und Kulturgeschichte, Frauen-, Kindheits- und Bildungsgeschichte und Volkskunde.Google Scholar
  6. 131a.
    Rez.: zu Bd 1: Rusterholz, S., Leichenreden. Ergebnisse, Probleme, Perspektiven ihrer interdisziplinären Erforschung. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 4 (1979), 179–196; zu Band 1 und 2: Boer, P. d. In: Tijdschrift voor Geschiedenis 94 (1981), 103; Francois, E. In: Annales ESC 36, 1 (1981), 93–95; Bericht über den 2. Band: Lenz, R. In: Wolfenbütteler Barock-Nachrichten 5/1 (1978), 181–184.Google Scholar

8.3 Ars moriendi

  1. 132.
    Atkinson, David W.: The English ars moriendi. New York u. a. 1992. 387 S. Kommentierende Edition einer Sammlung von 14 englischen “Ars mo-riendi”-Texten von 1490 bis 1689, die für die Entwicklung dieser Literaturgattung in England repräsentativ sein soll. Sie wird durch eine konzise Einführung des Hg. und eine Bibliographie der frühen eigenständigen Ausgaben der englischen “Artes moriendi”, ihrer modernen Edition und der Sekundärliterur ergänzt.Google Scholar
  2. 133.
    Wlodarski, Maciej: Ars Moriendi w literaturze polskiej XV i XVI w (= Ars moriendi in der polnischen Literatur des 15. und 16. Jahrhunderts). Krakau 1987, mit dt. u. eng. Zsf., 297 S. Der Verfasser behandelt die Rezeption, Verbreitung und Weiterentwicklung des Motivs vom “guten Sterben” in der altpolnischen Literatur. Dazu skizziert er zunächst die Entstehung und geschichtliche Entwicklung der wichtigsten westeuropäischen “Artes moriendi” und verfolgt dann die Verbindungslinien zwischen diesen ‘Mustertraktaten’ und den in Polen entstandenen Werken, indem er rund ein Dutzend Texte unterschiedlichen Niveaus auf ihre topischen und motivischen Gemeinsamkeiten hin vergleicht. Der Neubewertung und -interpretation des Themas vom ‘guten Sterben’ durch Reformation und Humanismus und seiner Assimilierung durch andere literarischen Gattungen sind weitere Überlegungen gewidmet. Das Buch endet mit einem Ausblick auf die Entwicklung der polnischen “Ars moriendi” bis zum Ende der altpolnischen Epoche, d.h. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Rez.: Badstübner-Kizik, C. In: Medium Aevum Quotidianum 20 (1990), 65–67.Google Scholar
  3. 133a.
    Wlodarski, Maciej: Ars Moriendi w literaturze polskiej XV i XVI w (= Ars moriendi in der polnischen Literatur des 15. und 16. Jahrhunderts). Krakau 1987, mit dt. u. eng. Zsf., 297 S. Der Verfasser behandelt die Rezeption, Verbreitung und Weiterentwicklung des Motivs vom “guten Sterben” in der altpolnischen Literatur. Dazu skizziert er zunächst die Entstehung und geschichtliche Entwicklung der wichtigsten westeuropäischen “Artes moriendi” und verfolgt dann die Verbindungslinien zwischen diesen ‘Mustertraktaten’ und den in Polen entstandenen Werken, indem er rund ein Dutzend Texte unterschiedlichen Niveaus auf ihre topischen und motivischen Gemeinsamkeiten hin vergleicht. Der Neubewertung und -interpretation des Themas vom ‘guten Sterben’ durch Reformation und Humanismus und seiner Assimilierung durch andere literarischen Gattungen sind weitere Überlegungen gewidmet. Das Buch endet mit einem Ausblick auf die Entwicklung der polnischen “Ars moriendi” bis zum Ende der altpolnischen Epoche, d.h. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Rez.: Badstübner-Kizik, C. In: Medium Aevum Quotidianum 20 (1990), 65–67.Google Scholar

8.4 Grabmalkunst

  1. 134.
    Egli, Viviane: Gebärdensprache und Bedeutung mittelalterlicher Rittergrabbilder. Zürich 1987, 280 S. + 27 Abb. Die Verfasserin geht davon aus, daß die mittelalterlichen Grabfiguren mehrere Funktionen haben, die “an einer ikonographisch festgelegten Gebärdensprache, also an immer wieder anzutreffenden Gesten, an Details und an den Gesamtkonzeptionen der Monumente” abzulesen sind”. Drei Hauptgruppen sind zu unterscheiden: Rittergrabfiguren in Rüstung, in höfischem Gewand und ritterliche Transi-Figuren, die den Dargestellten in einem halbverwesten Zustand zeigen. Weil die Dargestellten zugleich als Lebende, Tote und Auferstehende gezeigt werden, müsse man, so Eglis These, von einer “Überzeitlichkeit des mittelalterlichen Grabbildes” ausgehen. In dieser Verbindung von Diesseits und Jenseits sieht sie eine Parallele zum hochmittelalterlichen Ideal des “miles christianus”.Google Scholar
  2. 135.
    Gardner, Julian: The tomb and the tiara: Curial tomb sculpture in Rome and Avignon in the later Middle Ages. New York 1992. 183 S., 283 Abb. Umfassende kunsthistorische Studie zu den Grabdenkmälern von Päpsten und Kardinalen in Rom und Avignon im 13. und 14. Jahrhundert, ihren künstlerischen Vorbildern und Nachfolgern.Google Scholar
  3. 136.
    Garms, Jörg/Romanini, Angiola Maria (Hg.): Skulptur und Grabmal des Spätmittelalters in Rom und Italien. Akten des Kongresses “Scultura e monumento sepolcrale del tardo medioevo a Roma e in Italia” (Rom, 4.–6. Juli 1985). Wien 1990. 464 S., zahlreiche Abb. Das Historische Institut beim Österreichischen Kulturinstitut in Rom erarbeitet ein umfangreiches Corpuswerk über “Die mittelalterlichen Grabmäler in Rom und Latium von 13. bis zum 15. Jahrhundert”, dessen erster Band bereits 1981 erschienen ist. Die meisten Autoren des nun vorliegenden Sammelband konzentrieren sich auf die Analyse einzelner, in diesem Projekt bereits erfaßter, Grabmonumente. Fünf Aufsätze fallen aus diesem Rahmen: In einer rund 70seitigen Einleitung gibt G. Schmidt einen grundlegenden Überblick über “Typen und Bildmotive des spätmittelalterlichen Monumentalgrabes” und die wichtigste Literatur zum Thema. J. Garms stellt die “Gräber von Heiligen und Seligen” als einen Sonderfall von Grabmonumenten vor, R. Brentano analysiert, nach welchen Kriterien die Familien in Rieti ihren Bestattungsort auswählten. Nicht Grabplätze und -mäler, sondern die Begräbnisformen stehen im Mittelpunkt der Überlegungen von I. Herklotz über die Bestattungsfeiern von Päpsten und Kardinälen. W. Koch stellt schließlich die spätmittelalterlichen Grabinschriften Roms denen anderer Regionen gegenüber und gibt dabei zugleich zahlreiche Hinweise auf weiterführende Literatur zu den Grabinschriften, einem noch jungen Spezialgebiet der historischen Hilfswissenschaften. Rez.: Borgolte, M. In: Deutsches Archiv für die Erforschung des Mittelalters 48, 1 (1992), 408–410.Google Scholar
  4. 137.
    Kahsnitz, Rainer: Die Gründer von Laach und Sayn. Fürstenbildnisse des 13. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog des Germanischen Nationalmuseums. Nürnberg 1992. 220 S., 154 Abb. Der Ausstellungskatalog informiert umfassend über Entstehungsgeschichte, Ikonographie, stilgeschichtliche Stellung und materielle Substanz zweier außergewöhnlicher Grabfiguren des 13. Jahrhunderts, der Grabskulptur des Grafen Heinrich III. von Sayn (um 1247/48) und der des Pfalzgrafen Heinrich IL (um 1270/80). Wegen der gründlichen vergleichenden Analysen, der historischen Einordnung und der zahlreichen Literaturhinweise ist der Band über die beiden darin vorgestellten Grabfiguren hinaus von generellem Interesse für die Geschichte der Grabmalkunst.Google Scholar
  5. 138.
    Kryger, Karin: Allegori og Borgerdyd. Studier i det nyklassicistike gravmaele i Danmark 1760–1820. Mit Zsf. und Bildunterschriften in deutscher Sprache. Kopenhagen 1985. 371 S., 243 Abb. Umfassende Darstellung dänischer Grabdenkmäler des genannten Zeitraums. Auf eine Typologie der Grabdenkmäler (Epitaph, Leichenstein, frei stehendes Denkmal, Sarkophag, Obelisk u. w.) folgen Erläuterungen zu wichtigen allegorischen Motive. Dann rekonstruiert die Verfasserin an ausgewählten Beispielen den zeitgenössischen Zusammenhang von Monument, Auftraggeber, Künstler und Funktion. Zwei Kataloge der dänischen Grabdenkmäler, geordnet nach Künstlern und Orten, folgen. Abschließend stellt Kryger bedeutende Grabmalkünstler im einzelnen vor und befaßt sich mit der Funktion von Grabdenkmälern im Rahmen des Totengedächtnisses.Google Scholar
  6. 139.
    Munman, Robert: Sienese Renaissance tomb monuments. Philadelphia 1993. 180 S., 60 Abb. Zusammenfassende Studie zu den sienesischen Grabdenkmälern der Renaissance, die die bislang von der Forschung noch nicht gewürdigten Grabplatten und die freistehenden Grabmäler und Wand-Grabmäler untersucht, deren Spitzenwerke zwar schon intensiv, zumeist aber nicht im Kontext der durchschnittlichen zeitgenössischen Sepulkralkunst erforscht worden sind. Mit einem nach Orten gegliederten Katalog, der 35 Grabdenkmäler vorstellt.Google Scholar
  7. 140.
    Schuchard, Jutta/Claussen, Horst (Hg.): Vergänglichkeit und Denkmal. Beiträge zur Sepulkralkultur. Bonn 1985. Der Band enthält zahlreiche kürzere Beiträge zu den Themen Friedhof, Grab und Denkmal, zu nationalen Mahn- und Gedenkstätten sowie zur Darstellung von Tod und Vergänglichkeit in bildender Kunst, Literatur und Musik.Google Scholar
  8. 141.
    Simane, Jan: Grabmonumente der Dogen. Venezianische Sepulkralkunst im Cinquecento. Sigmaringen 1993. 160 S., 64 Abb. Bei den Kunsthistorikern ist die Sepulkralkunst des Cinquecento vermutlich deshalb bislang auf wenig Interesse gestoßen, weil ihre Qualität bei weitem nicht so hoch ist wie die des späten 15. Jahrhunderts. Für Simane sind solche Aspekte nebensächlich, da es ihm “um die Erforschung des Konzepts eines Grabmals geht und seine Bedeutung aus der Sicht der Auftraggeber und deren Zeitgenossen”. Er stellt sieben zwischen 1554–1605 entstandene Dogen-Grabmonumente vor und untersucht die äußere Form, ihre Stellung innerhalb der venezianischen Sepulkralkunst, das programmatische Anliegen und die Auftragssituation.Google Scholar
  9. 142.
    Zollikofer, Kaspar: Berninis Grabmal für Alexander VII. Fiktion und Repräsentation. Worms 1994. 141 S., 62 Abb. Schon wenige Monate nach seiner Thronbesteigung gab Papst Alexander VII. Chigi dem führenden Bildhauer Roms, Gian Lorenzo Bernini, den Auftrag, sein Grabmal zu entwerfen. Das erst nach seinem Tod ausgeführte Grabmal gehört zu den spektakulärsten Barock-Monumenten Roms. Nicht so sehr die bereits ausführlich untersuchten ikonographische Fragen, sondern vielmehr die Rekonstruktion der Entwicklungsgeschichte des Projektes und die historische Interpretation des Monuments sind Gegenstand dieser kunstgeschichtlichen Dissertation. Drei Hauptthesen stehen im Vordergrund: Erstens: Das Grabmal war von Anfang an Bestandteil der Pläne Alexanders VII. für die Innenausstattung von St. Peter. Zweitens: Es ist zwar ein Nischenmonument, stellt jedoch ein Freigrab dar, dem eine bildhafte Konzeption zugrunde liegt. Drittens: Es weist Elemente auf, die gleichfalls den päpstlichen Monumenten im profanen Bereich eigen sind. Insofern kann es wie diese als Repräsentationsmedium monarchischer Souveränität des Papstes gelten.Google Scholar

8.5 Totentanz

  1. 143.
    Freytag, Hartmut (Hg.): Der Totentanz der Marienkirche in Lübeck und der Nikolaikirche in Reval (Tallinn): Edition, Kommentar, Interpretation, Rezeption. Köln/Weimar/Wien 1993. 484 S., 46 Abb., 15 Tafeln, 1 Falttafel. Der 1463 entstandene Lübecker und der kurz vor 1500 fertiggestellte Revaler Totentanz stammen von Bernt Notke, dem bekanntesten Maler im Ostseeraum der Zeit. Neben der kommentierten Edition und Übersetzung der in beiden Fällen nur fragmentarisch erhaltenen Texte enthält der Band eine literaturhistorische Untersuchung des Hgs. zu Totentänzen im allgemeinen und zu denen Botes im besonderen, eine kunstgeschichtliche Einordnung der Werke von H. Vogeler, eine kostümgeschichtliche Analyse von G. Jaacks und einen sprachwissenschaftlichen Vergleich beider Textfragmente von R. Damme. Abschließend werden rund ein Dutzend ausgewählter Beispiele aus der fünfhundertjährigen Geschichte der Rezeption des Lübecker Totentanzes vorgestellt.Google Scholar
  2. 144.
    Link, Franz (Hg.): Tanz und Tod in Literatur und Kunst. Berlin 1993. 672 S. Nachleben und Weiterentwicklung der Totentanzthematik in Kunst, Literatur, Musik und Musiktheater des 19. und 20. Jahrhunderts stehen im Mittelpunkt fast aller Beiträge dieses Sammelbandes. Von historischen Interesse sind die folgenden Aufsätze: H. Schadewaldt befaßt sich ausführlicher als noch 1992 (in: Das Bild vom Tod: Graphiksammlung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, hg. v. Eva Schuster) mit der Darstellung des Arztes bzw. der ärztlichen Rolle in Totentanzbildern und -texten. Zunächst nur vereinzelt, dann aber immer häufiger, findet die Narrenfigur Eingang in die Totentänze, bis sie um 1500 zum Ständepersonal gehört. G. Kaiser will in Erfahrung bringen, ob es in den Totentänzen darüberhinausgehende Elemente des Närrischen und der verkehrten Welt gibt. W. Salmen sucht die an der Bahre von Verstorbenen, auf Grabhügeln oder auf Friedhöfen vollzogenen Totentänze tanzgeschichtlich zumindest soweit zu erforschen, wie es aufgrund der problematischen Quellenlage überhaupt möglich ist. F. Böhl ediert und übersetzt zwei Handschriften, die das Ende der jüdischen Gemeinde Nordhausen in Thüringen dokumentieren, die 1349 tanzend unter Begleitung von Spielmannsmusik in eine große Grube sprangen, in der sie verbrannt wurde.Google Scholar
  3. 145.
    Schulte, Brigitte: Die deutschsprachigen mittelalterlichen Totentänze, unter besonderer Berücksichtigung der Inkunabel “Des dodes dantz”. Lübeck 1489. Köln/Wien 1990. 330 S. Ziel der Verfasserin ist es, die “spätmittelalterlichen Totentänze als Indikatoren der zeitgenössischen kollektiven Mentalität” zu untersuchen, die “im ausgehenden Mittelalter durch eine vertiefte Reflexion des Todes als dem Interpretationshorizont des individuellen und sozialen Lebens geprägt” sei. Sie beschreibt zunächst typische Elemente der Totentanzdarstellungen, ihre künstlerische Entwicklung und Funktion. Sodann folgt ein detaillierter Überblick über die bekannten spätmittelalterlichen Text- und Bildzeugnisse und die in der Forschung diskutierten Theorien über deren Entwicklungsgeschichte und gegenseitige Abhängigkeitsverhältnisse. Abschließend stellt die Verfasserin den Lübecker Totentanz von 1489 vor, den sie wegen seiner didaktischen Konzeption, der gewählten künstlerischen Mittel und der auf Lebensorientierung und religiöse Unterweisung zielenden Intention als ein typisches Zeugnis der spätmittelalterlichen katechetisch-unterhaltenden Erbauungsliteratur wertet. Rez.: Boockmann, H. In: Historische Zeitschrift 256 (1993), 480f.;Google Scholar
  4. 145A.
    Freytag, W. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde” 71 (1991), 400fGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Magarethe Palzkill
  • Klaus Schreiner

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