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Zerstückte Welt — Die Enzyklopädie der „Tagesschau“

  • Ulrich Schmitz

Zusammenfassung

Die Routine der immerwährenden „Tagesschau“-Chronik folgt einer elementaren Grammatik zweiter Stufe. Sie operiert über größeren Einheiten als die Grammatik (erster Stufe) im üblichen Sinne, deren Produkte (Morpheme, Wörter, Syntagmen) und Leistungen (Syntax des Satzes) sie dabei verwertet. Als einfache Textgrammatik baut sie aus einem praktisch geschlossenen Arsenal topischer und sprachlicher Stereotype sowie einer offenen Menge indexikalischer Variablen fertige Sendungstexte zusammen. Satz, Meldung und Sendung unterscheiden sich nur in der Größenordnung, sind aber auf gleiche Weise durch parataktische Anreihung texttypischer Seme zustandegekommen.

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Literatur

  1. 2.
    Deshalb gehören sie gewöhnlich auch nicht in das Lexikon “automatisierter Pragmasymbole vor allem aus dem Bereich der elementaren Soziokultur”, das Link (1978:184f0 eröffnet. Solche finden sich, wie so vieles, auch im Konglomerat der “Tagesschau” (s. z.B. unten in Anm. 184), charakterisieren sie aber nicht. Link (ebd.221) argumentiert für die Sprache des Journalismus, “daß bei der Symbolisierung eines ‘Faktums”’ mithilfe eines ideologisch fundierten generativen Mechanismus jeweils ein “Kollektiv-Symbol” aus einem relativ großen Spektrum ausgewählt werde. Der texterzeugende Mechanismus der “Tagesschau” operiert über weniger sinnbeladenen Einheiten und stellt durch die selbstgeschaffene Form durchgängig mythischen Sinn her. Dieser ist aus konkreten historischen Umständen entstanden und erfüllt seine Funktionen nur darin. Link (1978, 1986) demgegenüber sucht hinter den konkreten Erscheinungsformen offenbar allgemeinere kulturelle Konstanten. - Zu ideologischer Arbeit durchs Vokabular vgl. noch Hartley/Montgomery 1985:235f.Google Scholar
  2. 3.
    “Die erste Gliederungder Sprache ist diejenige, nach welcher jede Erfahrungstatsache, die übermittelt werden soll […], in einer Folge von Einheiten zerlegt wird, die jede eine lautliche Form und eine Bedeutung haben? (Martin[1963:21) Die Einheiten dieser Gliederungsebene setzen sich aus den nicht bedeutungstragenden Einheiten (Phonemen) der zweiten Gliederungsebene zusammen.Google Scholar
  3. 4.
    Barthes (1964:93) bestimmt den Mythos als Metasprache, in der man von der ersten Sprache spricht. Das ist etwas anderes. In der “Tagesschau” nimmt Mythos eine besondere Form an: er wird nicht von Fall zu Fall erzählt, sondern durch das besondere Zusammenspiel von Grammatik zweiter Stufe und Einheiten nullter Strukturierung immerfort reproduziert (s.u. Kap. 10.3).Google Scholar
  4. 5.
    Straßner (1981:60) sieht deren Funktion in “der vermeintlichen Herstellung einer Entsprechung zwischen wachsender Informationsfülle […] und einer allgemein empfundenen ‘Hast der Zeit”’.Google Scholar
  5. 6.
    Nach Martinet (ebd.22) ist die erste Gliederung “die Art und Weise, in der die Erfahrung geordnet ist, die alle Mitglieder einer bestimmten Sprachgemeinschaft miteinander gemein haben.”Google Scholar
  6. 7.
    “Doch die Verallgemeinerung ist in überaus starkem Maße ein wortgebundener Akt des Gedankens”(Wygotski 1969:11). Es dürfte inzwischen klar geworden sein, daß die vorliegende Arbeit die klassische Beschränkung des kulturhistorischen Interesses auf das einzelne Wort zu überschreiten versucht.Google Scholar
  7. 8.
    “Die Formulierung von Gedanken ist […] beeinflußt von der jeweiligen Grammatik.” (Whorf 1963:12)Google Scholar
  8. 9.
    “Man kann also von einer fortschreitenden Skala der freien Kombinationsmöglichkeiten sprechen. Was die Kombinationen der distinktiven Merkmale zu Phonemen anbetrifft, so ist die Freiheit des individuellen Sprechers gleich Null. Der Kode sieht bereits alle Möglichkeiten vor, die in einer gegebenen Sprache ausgenutzt werden können. Die Freiheit, Phoneme zu Wörtern zu kombinieren, ist eng begrenzt und bleibt auf die seltenen Fälle der Wortneuprägung beschränkt. Bei der Satzbildung aus Wörtern besitzt der Sprecher größere Freiheit. Schließlich verlieren bei der Kombination von Sätzen zu größeren Äußerungen die obligatorischen syntaktischen Regeln ihre Wirksamkeit, so daß die Freiheit der individuellen Sprecher, neue Kontexte zu schaffen, in bedeutendem Maße wächst, obwohl auch hier die zahlreichen stereotypen Äußerungen nicht übersehen werden dürfen. ” (Jakobson 1974a: 120f = Übersetzung von Jakobson 1971: 2420Google Scholar
  9. 10.
    “die Analyse des so verstandenen Diskurses enthüllt nicht die Universalität eines Sinnes, sondern sie bringt das Spiel der - mit der fundamentalen Kraft der Affirmation - aufgezwungenen Knappheit an den Tag.” (Foucault 1974:48)Google Scholar
  10. 11.
    Im Sinne von Eco (1985:275) “als der Vorrat dessen, was bereits bekannt und von einer Kultur organisiert ist” - hier natürlich eingeschränkt auf die Kultur der “Tagesschau” als einem Bezirk unserer größeren Kultur (im üblichen Sinne).Google Scholar
  11. 12.
    Etwa im Sinne von Husserl (1913:275f) als “Inbegriff von Inhalten, welche durch eine einheitliche Fundierung,und zwar ohne Sukkurs weiterer Inhalte umspannt werden. […] Die Rede von der Einheitlichkeit der Fundierungsoll besagen, daß jeder Inhalt mit jedem,sei es direkt oder indirekt,durch Fundierung zusammenhängt.”’Fundiert durch’ heißt soviel wie ‘ergänzungsbedürftig durch’ (ebd.261). - Zur Geschichte des Begriffs “Ganzes” vgl. Kaulbach/Oeing-Hanhoff/Beck 1974.Google Scholar
  12. 13.
    Demgegenüber sind sogar die 140 einzelnen Zeilen von Queneaus (1984) “Hunderttausend Milliarden Gedichten” ungesättigte Bestandteile in einem wohldurchdachten Plan, dessen innere Form (starre Position jedes Alexandriners in einem Sonett mit einer gewissen thematischen und semantischen Kohärenz) die Wirkungen des Zufalls stark begrenzt.Google Scholar
  13. 14.
    Jeden relativ zu einem Ganzen G selbständigen Teil nennen wir ein Stück”(Husserl 1913:266). Ein selbständiger Inhalt ist unabhängig von allen anderen Inhalten, “unbekümmert” um sie, während ein unselbständiger nicht sein kann, “wenn nicht mit ihm zugleich andere Inhalte sind” (ebd.236). “Darnach ist also der Begriff der Unselbständigkeit äquivalent mit dem der idealen Gesetzlichkeit in einheitlichen Zusammenhängen.”(ebd.251) Insofern dies den Saussureschen valeur-Begriff berührt (z.B. Saussure 1967:131ff), ist strukturales Denken vielleicht eine Spur zu differenziert für die Minimalgrammatik des semantischen Mechanismus der “Tagesschau”.Google Scholar
  14. 15.
    “Stücke, die kein Stück identisch gemeinsam haben, nennen wir sich ausschließende (disjunkte)Stücke. Die Einteilung eines Ganzen in eine Mehrheit sich ausschließender Stücke nennen wir eine Zerstückungdesselben. Zwei solche Stücke können noch ein identisches Moment gemeinsam haben. So ist die gemeinsame Grenzeein identisches Moment für die angrenzenden Stücke eines eingeteilten Kontinuums. Stücke heißen getrennt,wenn sie im strengen Sinne disjunkt sind, also auch kein Momentmehr identisch haben.” (Husserl 1913:267)Google Scholar
  15. 16.
    “Nur durch die Unterbrechung und Reduktion der raum-zeitlichen Kontinuität und der Ganzheit des Weltgeschehens läßt sich Realität umsetzen in Nachrichten.” (Schulz 1976:81)17Augenzeugenberichte untermauern diese Art von Glaubwürdigkeit. Dazu van Dijk (1988:86): “It is not so much the real truth as the illusion of truth that is at stake in the rhetoric of news.”Google Scholar
  16. 18.
    A1le als prototypisch kommentierten Beispielsätze in diesem Kapitel wurden kontextgeprüft. Zusammen machen sie knapp ein Fünfzehntel des gesamten Materials (Januar 1978) aus.Google Scholar
  17. 19.
    Gordons (1969:80–94) hübscher Ausdruck “symbolic umbrella” bezieht sich auf allgemeinere ideologische Gemengelagen in Massenmedien und Gesellschaft. Seine an Ellul 1965 angelehnte Liste ‘mythologischer Symbole’ oder auch ’Metaphern’ (Gordon 1969:86,85) ist ziemlich freihändig ausgedacht und entbehrt noch inneren Zusammenhangs und mehr als oberflächlicher Interpretation.Google Scholar
  18. 20.
    Dagegen Bloch (1970:129): “Zeit ist nur dadurch, daß etwas geschieht, und nur dort, wo etwas geschieht.”Google Scholar
  19. 21.
    Wie Geppetto von seiner selbstgeschnitzten Holzpuppe (Collodi 1986:12–14).221825/0401+10503+CO2: Nach einem Monat erschien der Einundsiebzigjährige heute zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit. (13.3) (Vor den wörtlich gegebenen Beispielsätzen aus dem Corpus die Quellensigle gemäß Anhang 6, dahinter die Nummer des Bedeutungsfeldes gemäß Kap. 7.2; gelegentliche Hervorhebungen durch U.S.).Google Scholar
  20. 25.
    “Es bleibt in menschlicher Geschichte wie in außermenschlicher Natur das Meer weiterer,offener Möglichkeit,gerade als erst partiale Bedingtheit für Verwirklichung, offen in Tendenz und Latenz.” (Bloch 1975:129) Vergleiche auch, mit Bezugspunkt in der Vergangenheit, mittelalterliche Zeitbegriffe: “nicht zuerst chronometrisch”, sondern “vor allem sozialer Handlungsspielraum, Horizont geschichtlicher Gemeinschaften” (Borst 1973:48).Google Scholar
  21. 26.
    /0934+11002+BD1: Nächster Gesprächstermin ist der achtundzwanzigste Februar. (12.5) -1672/3286+43105+RE8: Um vierzehn Uhr begann die Sondersitzung. (11.7)Google Scholar
  22. 27.
    Das entspricht einer Hauptthese in Picards (1946:37) damaliger Kulturdiagnose: “Es ist also in der Welt der Diskontinuität die Zeit nicht als Dauer vorhanden, sondern nur als Augenblick.”Google Scholar
  23. 28.
    Quellensigle 1678/1778+11802+NH18 (Feld 12.3). Die gesamte Meldung beschreibt außer den (altbekannten) Positionen der Verhandlungspartner (Israel soll alle besetzten Gebiete räumen, will es aber nicht) vor allem die Viskosität des Gesprächsflusses, etwa: 1745/1781+11802+NH18: Damit sollten die ins Stocken geratenen Gespräche wieder in Fluß gebracht werden. (11.7)Google Scholar
  24. 29.
    Wie Baudrillard (1978:64) erklärt, “daß unsere Zeit niemals mehr die der Dauer sein wird, daß unsere einzige Zeitlichkeit die des beschleunigten Zyklus und des Recycling ist, die Zeitlichkeit des Stromkreises und der Leitung von Flüssigkeiten.”Google Scholar
  25. 30.
    /1592+31604+EG13: Siebzehn Monate und siebzehn Tage hat die Regierung Andreotti durchgestanden. (12.4) - 1669/0305+10405+US5: Präsident Carter blieben vor seinem Weiterflug von Assuan nach Paris heute nur wenige Minuten zu dem angekündigten Gespräch mit Bundeskanzler Schmidt. (12.4) - 2178/1857+11813+ST10: Mit einer Minute und einunddreißigkommaneunzwei Sekunden war sie fast eine Sekunde schneller als die Österreicherin Margot Pröll. (6.8)Google Scholar
  26. 31.
    96/1 721+41707+NH16: Es herrschte wieder einmal ‘historische Stunde’ heutein Jerusalem, als der israelische, ägyptische und amerikanische Außenminister zu den ersten konkreten Friedensverhandlungen seit Gründung des Staates Israel zusammentraten. (Feld 12.4)Google Scholar
  27. 32.
    Nicht sie ordnen die Zeit (vgl. Leach 1966:405f), sondern chronometrisches Regelmaß allein.Google Scholar
  28. 33.
    /1537+21509+MI9: Was andernorts Fastnacht, Fasching oder Karneval ist, heißt im schwäbisch-alemannischen Teil Baden-Württembergs anders und gibt sich auch anders. (Feld 20. 2 )Google Scholar
  29. 34.
    /0611+10705+CO5: Die russisch-orthodoxen Gläubigen in der Sowjetunion feiern heute das Weihnachtsfest. (20.2) - Allein das ungewohnte Datum (“heute” = 7. Januar) begründet die Aktualität dieser Meldung, die im übrigen, offenbar in Ermangelung aktueller Ereignisse, einen knappen Magazinbericht über die Religionsausübung in der Sowjetunion enthält.Google Scholar
  30. 35.
    /0320+10407+WT2: Zum dritten Mal hintereinander ist die Bundesrepublik mit mehr als einer Million Arbeitslosen in ein neues Jahr gegangen. (11.13)Google Scholar
  31. 36.
    /1024+11102+B02: In der Bundeshauptstadt Bonn ist der Alltag eingekehrt. (14.7)Google Scholar
  32. 37.
    /0956+31005+MI7: Hier in der ADAC-Zentrale stehen die Telefone zur Zeit nicht mehr still. (14.5)Google Scholar
  33. 38.
    /1170+11209+PA5: Wildbad Kreuth, Routinesitzung oder erneut Zündstoffzwischen CDU und CSU? (14.7)Google Scholar
  34. 39.
    761 /1 655+11701+1A6: Fast pausenlos tagten die Gremien von SPD und FDP. (14.5) 0081/1977+42002+SN7: Beratungspause um zwölf Uhr. (14.5)Google Scholar
  35. 41.
    Akteure, Ereignisse und Sekunden der “Tagesschau”-Welt verhalten sich wie die Schlittenhunde im Rennen: “Nur eines haben alle dickfelligen Vierbeiner gemeinsam: sie rennen für ihr Leben gern, sie sind nicht zu halten, und das alles ohne Peitsche und Leine! Freundliche Zurufe genügen. Und auch im Ziel nach maximal sechzehn Kilometern reicht es ihnen immer noch nicht.” (Quellensigle des letzten Satzes: 0130/2990+22811+ST19 (14.5))Google Scholar
  36. 42.
    /2151+12108+IN4: Zu Zwischenfällen kam es nicht. (14.7)Google Scholar
  37. 43.
    /1658+41701+LA6: Seit zehn Uhr heute morgen überschlagen sich die Ereignisse in Düsseldorf. (14.5)Google Scholar
  38. 45.
    Baudrillard (1987:112f) unterscheidet nicht zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiver Grundlage von Beschleunigung, wenn er sie zu einem zeitfressenden Monster stilisiert.Google Scholar
  39. 46.
    Luhmann (1981:313f,317–320) deutet die merkwürdige Ambivalenz von Differenzierung und Vereinheitlichung, die das moderne Aktualitätsprinzip mit sich bringt, als funktionalen Fortschritt mit gewissen unvermeidlichen Kosten. In der “Tagesschau” jedenfalls geht es mit Austreibung von Geschichte samt der Vorstellung einer andersartigen Zukunft einher. So halten sich Überraschungen stets im Rahmen schematisch vorgesehener Möglichkeiten nach Art der Lotterie: 0655/2978+72810+ST18: Das bürgt, so hoffe ich, für manche Uberraschung. (11.10)Google Scholar
  40. 47.
    Ein “wesentlicher Bestandteil des semantischen Codes des Postmodernismus ist die Neutralisierung der Zeit. […]An die Stelle der fortschreitenden Heilsgeschichte tritt die Posthistorie,das Ensemble gleichzeitiger Ungleichzeitigkeiten.” (Vester 1985:11). Kritisch dazu Schmidt (1986:70).Google Scholar
  41. 48.
    /2914+62803+WN5: Wissen Sie, es ist auch der Termin verschoben worden, und wir sind von der Voraussetzung ausgegangen, keine übermäßige Dramatik in die Geschichte hineinzubringen. (12.5)Google Scholar
  42. 49.
    Im Gegensatz zur Blochschen Bestimmung: “Die zusammengesetzte, vermittelte Gegenwart ist, weil wahrhaft fortgearbeitet, nicht etwa ausgelassene Geschichte, ja sie ist das alle Vorgeschichte in sich aufnehmende Zeitfeld jener vordersten Stellung, in der wir Menschen im Geschichts-und möglicherweise Weltprozeß stehen, ist so das temporäre Arbeitsfeld der Prozeßfront.” (1975:87)Google Scholar
  43. 50.
    “Die Zeit verstehen, heißt sich von der Gegenwart losmachen”. “Der Zeit nur nach dem unumkehrbaren Lauf der Ereignisse folgen, heißt nicht sie verstehen, sondern sie erleben, ohne ihrer bewußt zu werden. Sie kennen, heißt dagegen, in ihr voraus-und zurückschreiten und dabei ständig über den wirklichen Lauf der Geschehnisse hinausgehen.” (Piaget 1974a:365)Google Scholar
  44. 51.
    /0893+31001+SL9: Die Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur der DDR, ADN, kam um fünfzehnuhreinundfünfzig. (3.3)Google Scholar
  45. 52.
    /0955+31005+MI7: Diese Meldung, die heute vom ADAC herausgegeben wurde, hat ziemlich viel Staub aufgewirbelt. (11.10) - 0602/1471+61502+AB3: Diese Sitzung am heutigen Sonntag zeigt nur, bestätigt nur, daß der Vorgang,von dem nicht nur die Herren Strauß und Scharnagl betroffen sind, von der Bundesregierung so ernst genommen wird, wie er das verdient. (22.12)Google Scholar
  46. 55.
    b man ihren Zusammenhang nämlich im Moment ihrer Herstellung oder erst im nachhinein wahrnehmen könne (vgl. Kap. 1.2, Anm. 34): “Denn Geschichte ist schon, während sie geschieht, Einheit des Geschehens und der Geschichten, durch die sie gesehen und veranstaltet wird. ” (Liebrucks 1964: 284) bzw. “Was wirklich geschah, nämlich in der Interdependenz der Handlungen und Unterlassungen, zeigte erst die folgende Stunde, der nächste Tag…” (Koselleck 1979: 145 ).Google Scholar
  47. 56.
    Von wenigen (1) Ausnahmen abgesehen ändern daran auch die Sätze der Serie 14 (Allgemeine Information) der ersten Anordnung (s. Kap.6.2) nichts. Entweder berühren sie historische Aspekte gar nicht, sondern geben eine nicht-aktuelle Hintergrundinformation (2) allgemeiner, besonders (3) quantitativer oder (4) juristischer Art, oder (5) sie modellieren vergangene Ereignisse in der gleichen isolierten Weise wie aktuelle, nur daß sie eben mit einem anderen Zeit-Zeiger versehen sind. Relationen zwischen verschiedenen Zeitebenen erscheinen konsequenterweise vorwiegend (6) in statistisch-vergleichender Form. Das gleiche gilt für die wenigen Sätze der Serie 15 (Rückblende), die nicht lediglich (7) den Aufmerksamkeitszeitraum der Nachricht um einen oder allenfalls wenige Tage erweitern. (Für die Zukunftsperspektive in den Serien 16 und teilweise 17 gilt ganz ähnliches umgekehrt, sofern sie sich nicht auf heute aktuelle Absichten und Planungen von Amtsträgern oder Institutionen beschränkt.) Beispiele: (1) 2366/2316+12301+AU9: Äthiopien befindet sich seit gut einem halben Jahr in einem unerklärten Krieg mit Somalia. - (2) 2428/2439+32401+RA7: Amerikanische Satelliten allerdings sind sicherer. - (3) 2297/2496+42403+HA3: Jede Woche werden etwa zwei Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. - (4) 2327/0615+40705+CO5: Laut Verfassung ist in der Sowjetunion die völlige Glaubens-und Gewissensfreiheit garantiert. - (5) 2254/0133+20209+MI1: In einem Holzbau begann am zweiten Januar 1678 das Opernleben in Hamburg. - (6) 2275/0073+10203+AS2: Damit ist die Kongreßpartei auf Betreiben der ehemaligen Regierungschefin zum zweiten Mal in ihrer Geschichte geteilt. (7) 2534/0789+10901+SL8: Der Vierzigjährige, der am dreiundzwanzigsten Dezember zum Besuch seiner Eltern in die DDR gefahren ist, wurde nach Ost-Berliner Angaben gestern verhaftet.Google Scholar
  48. 57.
    /1095+11110+EG6: Italien steht zur Zeit in einer Krise. (16.12) Dieser erste Satz einer Meldung faßt eine der Regierung drohende “Abstimmungsniederlage” und eine “Welle politischer Gewalttaten” zusammen, zwischen denen weder ein Zusammenhang besteht noch behauptet wird. “Krise” etikettiert den üblichen Zustand der “Tagesschau”-Welt, “zur Zeit” heißt Schulterzucken.Google Scholar
  49. 58.
    “Geschehen verwandelt sich nicht mehr in Geschichte. Es läßt keine Pausen mehr zu, in denen erzählt wird.” (Liebrucks 1964:1)Google Scholar
  50. 59.
    Nur als einmal überhaupt nichts passiert (Schnaps für die frierenden Journalisten, “Ansonsten tut sich wenig”), meldet der Korrespondent vor lauter Langeweile eben dies in 41209+PA5: Doch die Bilder gleichen. Genau wie vor gut einem Jahr,als Kreuth erstmals Schlagzeilen machte, sehr strenge Sicherheitskontrollen bereits weit vor dem Tagungsgebäude. (23.2, 17.1)Google Scholar
  51. 60.
    /1245+11302+LA5: Poullain und kein Ende. (11.6) Vgl. auch Kap. B. - Hebel (1968:393): “Die Langeweile wartet auf den Tod.”Google Scholar
  52. 61.
    “Die Implosion, das ist diese Qualität des fraktalen Objektes, sich vollständig in jedem seiner kleinsten Einzelteile wiederzufinden, anstatt sich in ein Ganzes zu transzendieren.” (Baudrillard 1987:109) Dieser kleine Fehler - Fraktale sind selbstähnlich und nicht selbstidentisch (z.B. Peitgen/Richter 1986:98 et passim) - markiert Baudrillards Selbstimplosion: jenseits seiner kulturkritisch-beobachtenden Perspektive läßt er nichts gelten (“Panik im Leerlauf, ohne äußeren Anlaß”, Baudrillard 1978:75), das Gesehene gilt für das Ganze (“Die Implosion ist total.” Baudrillard 1987:109); in ihm konzentriert sich folglich alle Macht und Gewalt und verschwindet zugleich (“Panik im Leerlauf, ohne äußeren Anlaß. Das ist die Gewalt, die einem gesättigten Ensemble innewohnt. DIE IMPLOSION.” “Die Macht implodiert”auf unbegreifliche Weise; Baudrillard 1978:75ff). Dabei ist das “Modell absoluter Sicherheit” (ebd.59) doch äußerst fragil.Google Scholar
  53. 62.
    Über Zusammenhänge zwischen “Verwüstung der Zeit”,“Überraschung”, “Krieg” und “fortgeschrittenen Technologien” vgl. Virilio (1988:18).Google Scholar
  54. 63.
    Pross (1971:100–107) behandelt das Raum-Zeit-Problem unter kommunikationspolitischen (= PR-strategischen) Gesichtspunkten.Google Scholar
  55. 67.
    Bei anderem (geschichtlichem) Zeitbegriff erzeugte solche Distanz das “Gefühl des Erhabenen”, das “die Ruhe der Anschauung trotz der Bedrängnis der nackten Existenz erlangt” (Blumenberg 1979b:58f unter Bezug auf Schopenhauer). Wo aber nicht ein Schiffbruch vor Augen steht, sondern Stücke von beliebig vielen davon vorgeführt werden, heißt Distanz Objektivität als Teilnahmslosigkeit. Textbeispiel aus 40808+UG6:<In Mosselbay, 370 Kilometer vom Ort des Zusammenstoßes entfernt, kämpfen Arbeiter mit Strohballen gegen die drohende Ölpest. Die große Katastrophe ist jedoch bisher ausgeblieben. Grund: der größte Teil des ausgelaufenen Öls treibt noch immer im Indischen Ozean. […] Im nachhinein wirkt es fast wie ein Wunder, daß nicht längst eine größere Katastrophe zu verzeichnen war. Die See ist hier oft stürmisch und nebelig, und durchschnittlich 250 Öltanker umrunden pro Monat das Kap. Genau 266 waren es im November des vergangenen Jahres, mit einer Tonnage von sage und schreibe 25 Millionen Tonnen Öl.> Google Scholar
  56. 68.
    “Dehnbarkeit des Raumes, Chance für die arbeitenden Menschen” (Borst 1973:145).Google Scholar
  57. 69.
    Faust steht am Anfang beschleunigter Expansion von Zeit und Strecke: “Mit jedem Tage will ich Nachricht haben, Wie sich verlangt der unternommene Graben.” (Goethe 1950:508 = V.11555f; Hervorh. U.S.). Beobachter als Unternehmer, betreibt er sie und wird von ihr getrieben, schließlich, wie sein Aufseher Mephistopheles vorher weiß, eingeholt: “Man spricht, wie man mir Nachricht gab, Von keinem Graben, doch vom Grab.” (ebd. V.11557f)Google Scholar
  58. 70.
    /0513+10604+US10: Carter hat am Abend seine neuntägige Weltreise durch sieben Länder abgeschlossen. (13.10) - 1866/1796+11805+AS5: Heute nun machte sich, von Propaganda begleitet, eine chinesische Partei-und Regierungsdelegation auf den Weg nach Kambodscha. (13.8)Google Scholar
  59. 71.
    /0309+20405+US5: Vorletzte Station von Carters Reisemarathon. (13.10) - Abweichendes Reiseverhalten gibt zu Spekulationen Anlaß: 2528/1795+11805+AS5: Bereits seit knapp zehn Tagen hält sich der stellvertretende Außenminister Vietnams, Van Jen, in Peking auf. (13.2)Google Scholar
  60. 72.
    Textbeispiel 10303+US3 (komplette Meldung): “Bundeskanzler Schmidt wird morgen in Assuan nun doch zu einem kurzen Gespräch mit Carter zusammenkommen. Auf seinen Wunsch hin soll das Gespräch nicht mehr als zehn Minuten dauern. Der Grund: da sich Carter nur eineinviertel Stunden in Assuan aufhält, will der Kanzler den möglicherweise entscheidenden Beratungen des US-Präsidenten mit dem ägyptischen Staatschef Sadat wenig Zeit nehmen.” (13.7, 12.3, 12.2)Google Scholar
  61. 75.
    “Wir bleiben schließlich an Ort und Stelle, vor unseren Bildschirmen, vollkommen entrückt, verblüfft - wozu sich denn noch bewegen?” (Baudrillard 1987:109). Zwei Jahrzehnte vorher McLuhan (1967:63): “Ours is a brand-new world of allatonceness. ‘Time’ has ceased, ’space’ has vanished. We now live in a global village… a simultaneous happening.”Google Scholar
  62. 76.
    “Der Hörer ist, wie ein Reisender, meist eilig. Er reist durch die Informationslandschaft, um abzutasten, ob ‘die Welt noch in Ordnung’ ist.” (Gorschenek 1977:10) Das Ziel, das der damalige Nachrichtenchef des Deutschlandfunks beschreibt, ist immer schon erreicht; es gibt keinen Weg.772553/0363+20411+UV1: Die Autofahrer waren bei hohem Tempo von Nebelbänken überrascht worden, in denen sie keine zehn Meter weit sehen konnten. (11.10) - Man mag dies symbolisch verstehen.Google Scholar
  63. 79.
    Wenn nicht, gilt das als Panne: 0408/1932+11905+TA3: Bitte entschuldigen Sie die kurze Verzögerung beim Beginn dieses Films. (11.5)Google Scholar
  64. 80.
    Die nach-paradiesische Verlusterfahrung wäre damit, jedenfalls symbolisch, bewältigt: “Nicht mehr alles und nicht mehr für immer. Knappheit und Tod sind die Urerfahrungen, die zu einer anderen Welteinstellung - zu der der Ausschöpfung der Welt in der eng gewordenen Zeit - zwingen würden.” (Blumenberg 1986:37) Merkwürdigerweise gelingt das nur in dem Maße, wie sich “die Zeitform des Sklaven”, nämlich “Zeitdruck” (Blumenberg 1987:18), als Form des Umgangs mit Zeit universell durchsetzt. Dazu Anders (1980b:335–354). Vgl. unten das Ende von Kap. 10.5.Google Scholar
  65. 86.
    /1025+11102+B02: Die politische Arbeit nach den Weihnachts-und Neujahrsferien hat wieder begonnen. (14.2) - 1899/0838+10909+NH10: Diplomatische Aktivitäten auch auf israelischer Seite. (14.2) - 1900/1896+41902+NH19: Israels Premierminister hat am Nachmittag in Jerusalem reagiert. (14.8) - 2962/0055+40201+SL1: Aber niemand vermag einzuschätzen, ob das Politbüro des ZK der SED, das morgen routinemäßig zusammentritt, in dieser Sache Maßnahmen beschließen wird, geschweige denn welche. (14.3)Google Scholar
  66. 87.
    /3122+13001+HA9: In allen deutschen Seehäfen wird wieder gearbeitet. (14.10) - 1834/1381+11402+PA7: In sechs Papieren legten die CSU-Abgeordneten die Schwerpunkte ihrer Oppositionsarbeit fest. (14.10) - 1302/0850+10911+PA2: Vor dem Präsidium seiner Partei warf Kohl der SPD/FDP-Koalition Untätigkeit bei der Antiterror-Gesetzgebung vor. (14.6)Google Scholar
  67. 88.
    /2157+12110+UV6: Schwere Schneefälle haben in Südfrankreich den Eisenbahnverkehr stark behindert. (15.3) - 1748/1889+11902+NH19: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage versuchen die Amerikaner, die ägyptisch-israelischen Friedensgespräche vor einem Scheitern zu retten. (15.1) - 2865/1997+12006+TA4: Bei den Verhandlungen in der Druckindustrie über die Einführung neuer Setztechniken ist ein Durchbruch in Sicht. (15.7)Google Scholar
  68. 89.
    /2453+72402+BO5: Sie sind den leichteren Weg gegangen.(15.5) - 1733/2007+12007+TA5: In eine Sackgassegeraten sind die Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie. (15.8) - 1738/3207+13008+AF10: Die erste Gesprächsrunde auf Malta endete heute ohne Fortschritte.(15.7)1075/0933+11002+BD1: Bonns Ständiger Vertreter in Ost-Berlin, Gaus, erklärte nach Verhandlungen über ein Veterinärabkommen, man sei weitergekommen.(15.7)Google Scholar
  69. 90.
    /0584+40702+EG2: Das sei der einzige Weg. (15.4) - 3347/1710+41706+TE4: Auch das muß im Augenblick als unmöglich betrachtet werden. (15.4) - 0616/1165+61208+WT8: In der Tat wird das bei einem Wachstum von dreieinhalb Prozent auch nur in sehr bescheidenem Umfang möglich sein. (15.4) - 0676/2448+72402+BO5: Wir können den wirtschaftspolitischen Zwängen des Augenblicks nicht ausweichen. (15.4) - 2257/1320+41310+AU5: Damals haben er und andere Demokraten Lidice nicht mehr verhindern können. (15.4)Google Scholar
  70. 91.
    /2863+12713+WE7: Mit ihrer Unterstützung will Soares jetzt vor allem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den Griff bekommen. (15.5) - 2878/3176+13005+TE10: Ein weiterer Punkt, von dem Maihofer sich mehr Erfolge bei der Fahndung nach Terroristen verspricht, betrifft die Speicherung persönlicher Daten. (15.10)Google Scholar
  71. 92.
    Typisch etwa:3290/0322+10407+WT2: Damit hat sich das Ziel der Bundesregierung von Anfang 1977 nicht erfüllt. (15.10) - 0738/2143+72107+HA1: Es ist bedauerlich, daß es diesmal nicht gelungen ist, in freien Verhandlungen und in den folgenden Schlichtungsverhandlungen zu einem Ergebnis zu kommen […]. (15.11) - 2900/2749+32607+NH27: Wenn dies nicht gelingt und wenn die Friedensinitiative von Präsident Sadat scheitert, dann ist die Genfer Friedenskonferenz, wie ein Zeitung in Amman schreibt, nicht mal mehr ein Gebet wert. (15.11) - Dagegen:2165/1344+11312+ST7: Erfolg der deutschen Skifahrerinnen. (15.10) - 2070/0998+11101+RA2: Der Sowjetunion ist heute der entscheidende Schritt zum Bau einer Großstation im Weltraum gelungen. (15.11) - 2038/0354+10410+UG5: Erst am Vormittag gelang es der Feuerwehr, den Brand zu löschen. (15.11)Google Scholar
  72. 96.
    /2668+42510+EG20: Und wie nun den Teufel mit Beelzebub auszutreiben, maße Teller eine viel größere Gefahr an die Wand. (16.11)Google Scholar
  73. 97.
    /2601+32504+B06: Nur für eine kurze Zeit war das Hochgefühl der CDU/CSU heute nachmittag vollkommen. (16.3) - 3100/1926+11905+TA3: Die Gewerkschaften sind mit dem gestrigen Zwischenergebnis noch nicht ganz zufrieden. (16.5)Google Scholar
  74. 98.
    /2515+22406+UG9: Sie haben nach Angaben der Gesundheitsbehörde aber keine bleibenden Schäden zu befürchten, da nur eine kleine Menge radioaktives Gas ausgeströmt sei. (16.6)Google Scholar
  75. 100.
    /1909+31902+NH19: Nach dem ersten Schock wird die Lage im Nahen Osten hier in Washington zwar als ernst, aber nicht als aussichtslos bezeichnet. (Feld 16.10) - 0884/0662+10801+SL7: Er sehe aber eine Chance, das Problem in absehbarer Zeit wieder in Ordnung zu bringen. (Feld 16.9) - 3127/2720+32602+AB7: In Bonn werden heute abend die Chancen dafür nur gering eingeschätzt. (16.9)Google Scholar
  76. 101.
    /0391+10502+US8: Heute, knapp vierunddreißig Jahre danach, erneuerte an derselben Stelle Präsident Carter die amerikanische Sicherheitsgarantie. (17.1) - 1148/3166+13004+PA10: Schmidt warf dabei der Opposition vor, bei den Rentnern bewußt Unsicherheit schüren zu wollen. (17.1)Google Scholar
  77. 102.
    /2730+12606+AF4: Über Tunesien ist am Abend nach schweren Unruhen der Ausnahmezustand verhängt worden. (10.4)Google Scholar
  78. 103.
    /0093+10204+US2: Für Präsident Carter läuft in Neu-Delhi offenbar nicht alles so, wie er sich das gewünscht hat. (10.6) - 3157/1981+42002+SN7: Eines mußte der Minister zugeben: er hatte geglaubt, sein Laden laufe wie geschmiert; aber es war Sand im Getriebe, und den hat er nicht bemerkt. (10.5) - 2462/2431+32401+RA7: Schon Ende Dezember hatten amerikanische Weltraumbeobachter gemeldet, ein sowjetischer Satellit sei vom Kurs abgekommen und drohe, auf die Erde zu stürzen. (10.6)Google Scholar
  79. 104.
    /2483+12403+HA3: Vor zwei Stunden begann in Hamburg ein letzter Versuch, den Streik der zwanzigtausend Hafenarbeiter doch noch abzuwenden. (17.5) - 1978/0109+10206+NH2: In letzter Minute ist heute in Bonn ein Anschlag auf die ägyptische Botschaft vereitelt worden. (17.5) -0276/1220+21214+UG7: Mehrere Brände konnten schon nach kurzer Zeit unter Kontrolle gebracht werden. (17.4) - Vgl. die Reihenfolge der Unterserien 12.2 und 12.3 in Kap. 6.2 mit Anhang 6.Google Scholar
  80. 105.
    /2764+22610+UG10: Nach Auskunft der Feuerwehr besteht keine Gefährdung für die Bevölkerung durch das Einsickern des Öls in das Grundwasser. (16.11)Google Scholar
  81. 106.
    /0854+10911+PA3: Sicherheit gäbe es nicht zum Nulltarif, sagte Geißler. (17.1) (im Zusammenhang mit ‘notwendigen Opfern der Bevölkerung für die Verteidigung’).Google Scholar
  82. 113.
    Das Staatsbild der “Tagesschau” entspricht weitgehend der gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Burckhardt (oJ.:241) beim “Urteil nach der Sekurität”über Glück und Unglück in der Weltgeschichte gegebenen Beschreibung: “Dasselbe verlangt als Vorbedingung jeglichen Glückes die Unterordnung der Willkür unter polizeilich beschütztes Recht, die Behandlung aller Eigentumsfragen nach einem objektiv feststehenden Gesetz, die Sicherung des Erwerbs und Verkehrs im größten Maßstab. Unsere ganze jetzige Moral ist auf diese Sekurität wesentlich orientiert, d.h. es sind dem Individuum die stärksten Entschlüsse der Verteidigung von Haus und Herd erspart, wenigstens in der Regel. Und was der Staat nicht leisten kann, das leistet die Assekuranz, d.h. der Abkauf bestimmter Arten des Unglücks durch bestimmte jährliche Opfer.” - Gehlen (1963b:271) bezeichnet den Staat als Instanz, die Ausnahmezustände normalisiert (“Der moderne Staat ist Vorsorge-und Fürsorgestaat, und er richtet sich darauf ein, daß die Notstände nicht Ausnahmezustände, sondern chronisch sind, und daß sie den Charakter des Normalen annehmen.”). Auf der symbolischen Ebene ist eben das die Leistung der “Tagesschau”.Google Scholar
  83. 114.
    Das ist nicht genau McLuhans (1967) Botschaft, das “medium” sei die “massage”.Google Scholar
  84. 115.
    Da die Sprache, was immer man sonst über sie sagen mag, gerade seiner Orientierung dient: “die Sprache […] dient dazu, das Nützliche und Schädliche mitzuteilen und so auch das Gerechte und Ungerechte” (Aristoteles 1971:49=1253a); “die Sprache hat ihr eigentliches Dasein nur darin, daß sich in ihr die Welt darstellt” (Gadamer 1972:419); “Dieser unmittelbare Zusammenhang des gesprochenen Wortes und des Denkens mit der menschlichen Arbeitstätigkeit ist die wichtigste und grundlegende Bedingung, unter deren Einfluß sich die Sprache als Träger der ‘objektivierten’, bewußten Widerspiegelung der Wirklichkeit entwickelt.” (Leontjew 1973:213)Google Scholar
  85. 116.
    Das ist das umgekehrte Problem des Kaspar Hauser: er wird bedroht vom Orientierungsgebot der Erwachsenen und sucht die Sicherheit davor im Schweigen oder leeren Sprechen: “Das sprachmächtig gewordene Subjekt wollte mit Lautfolgen wie ‘Roß ham’ den Schmerz an der Sprache abwehren, den eben die ihm abverlangte Konjunktion von Intentionalität, Subjektivität und Sprechen bedingte.” (Hörisch 1979:282)Google Scholar
  86. 119.
    Gerade der moderne des Camus (1959:101): “Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphosals einen glücklichen Menschen vorstellen.”Google Scholar
  87. 121.
    /2695+72601+BO7: “Tun Sie jetzt Ihre Pflicht, treten Sie zurück, das ist der beste Dienst, den Sie der Bundeswehr erweisen können.” (7.9; hier aus einer Bundestagsrede)Google Scholar
  88. 143.
    Die Methode der Nachricht versucht, in noch rigiderer Weise mit der Angst vor ihrem Gegenstand fertig zu werden als die Verhaltenswissenschaften (vgl. Devereux o.J.; anders Foucault 1974:341).Google Scholar
  89. 151.
    /2530+42407+VE5: Staatspräsident Giscard d’Estaing wird laufend informiert. (2.2) - 1323/1348+11401+AB2: Die CSU forderte einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß zur Prüfung der Angelegenheit. (2.6)Google Scholar
  90. 152.
    /1120+11202+TE1: Nach Darstellung von Generalbundesanwalt Rebmann konnte das Geheimnisdurch Informationen von Inhaftierten enthüllt werden. (2.4) - 2809/2719+32602+AB7: Wird man überhaupt Licht ins Dunkel bringen können? (2.12; über die Arbeit eines Untersuchungsausschusses)Google Scholar
  91. 153.
    /1351+11401+AB2: Im Gesprächmit Klaus Wiendl erläuterte der CSU-Vorsitzende seine Vorwürfe. (3.7)Google Scholar
  92. 154.
    /0532+40605+AU2: Während der Vierundzwanzig-Stunden-Visite sind zwei ausgiebige Gesprächemit dem rumänischen Staats-und Parteichef Nikolai Ceausescu vorgesehen. (3.16) -1667/1603+11605+NH15: Im Vorfeld der politischen Verhandlungen zwischen Israel und Agypten, die morgen in Jerusalem beginnen sollen, sind die Außenminister beider Länder, Dajan und Kaamel, am Mittag zu einem ersten Gespräch zusammengekommen.(13.7)Google Scholar
  93. 155.
    /2239+62204+WN1: Ich denke, daß man die Gelegenheit wahrnehmen sollte, um über alle Fragen miteinander zu reden.(3.15; gefragt war nach einem speziellen Gesprächsthema)Google Scholar
  94. 156.
    /2474+32402+B05: Seit achtzehnuhrdreißig wird die Außenpolitikdebattiert. (3.13) - 1802/2461+12402+B05: In namentlicher Abstimmung wurde der Einzelhaushaltmit zweihundert-dreiundfünfzig gegen zweihundertsechsunddreißig Stimmen beschlossen. (3.12)Google Scholar
  95. 158.
    “Dies Dasein der Welt aber ist sprachlich verfaßt.” (Gadamer 1972:419)Google Scholar
  96. 165.
    Mitunter bestimmt es sogar ihren Takt 3360/1086+41108+WT6: Höchste Zeit wird es nach der erneuten Zinssenkung für die Kreditnehmer, die vor Jahren teure Kredite aufgenommen haben. (21.2) - Raum spielt keine Rolle: schließlich hat das Geld längst vor den Massenmedien Distanzen vernichtet (vgl. z.B. Marx 1972: 143f, 158f, 167 ).Google Scholar
  97. 166.
    Ausnahmen nur nach Funktionssttirungen: 2787/1199+11212+EG9: Für zehn Prozent mehr Lohn werden die britischen Feuerwehrleute von Montag an wieder Brände löschen. (21.4)Google Scholar
  98. 167.
    /3281+13104+WT14: Gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres sind die Lebenshaltungskosten voraussichtlich nur um dreikommadrei Prozent gestiegen. (21.21) - Die invertierten Zeitperspektiven in diesem Beispiel verdeutlichen die Verschachtelung von Geld-und Zeitbewegung.Google Scholar
  99. 168.
    Und niemand da, der sie beherrschen könnte, wie noch im Frühkapitalismus: “Wer sich aufs Geld versteht, Versteht sich auf die Zeit” (Goethe 1953a:413). 0544/2788+62701+RE6: Ich gehe davon aus, daß diese letzte Möglichkeit, denBeitragssatz zu erhöhen, daß diese letzte Möglichkeit wohl eher für die Zeit nach 1981 erhoben wird, aber ich kann sie auch nicht für einen früheren Zeitpunkt ausschließen. (21.22)Google Scholar
  100. 169.
    /1153+11206+W17: Unterdessen hat die Hamburger Sparkasse, die größte in der Bundesrepublik, den Zins für Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist auf zweieinhalb Prozent gesenkt. (21.17)Google Scholar
  101. 170.
    /1070+51108+WT6: Der Sparzins, Herr Dr. Geiger, bröckelt von 3 auf 2,5 Prozent. (21.16) -2244/1064+11107+WT5: Zum ersten Mal seit sieben Jahren sind die Lebenshaltungskosten weniger als vier Prozent gestiegen. (21.21) - 0636/1079+61108+WT6: Die Stabilität ist vorangekommen. (21.18)Google Scholar
  102. 171.
    /1066+11108+WT6: Eine bittere Pille müssen die deutschen Sparer schlucken. (21.18) - 1095/1886+11901+B03: Der Kanzler machte aber klar, daß sich die Rentner angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung auf geringere Erhöhungen einstellen müßten.(21.22)Google Scholar
  103. 172.
    /1137+41205+RE2: Ob das Defizit der Rentenfinanzierung 18 Milliarden groß sein wird oder ob es bis zum Jahre 1982 auf 20 Milliarden oder mehr anwächst, wissen auch nicht die Minister[…1. (21.3) - 2801/2579+42503+RE5: Sein Versprechen von 1976, die Beiträge zur Rentenversicherung nicht zu erhöhen, wird der Kanzler so nicht einhalten können. (21.22)Google Scholar
  104. 173.
    /1074+61108+WT6: Diese sechs Milliarden drücken auf die Zinsen, die Wirtschaft ist sehr zurückhaltend in der Kreditnachfrage, Hypotheken sind sehr billig geworden, es war ein zwangsläufiger Schritt.(21.16) - 0558/2253+62206+B04: Nur: wir haben die Schulden um über zehn Milliarden beim Bund hochgesetzt […]; und das muß noch nicht das Ende des Liedes sein, weil noch Ausgaben ausstehen für Kohle und Stahl zum Beispiel, aber die konjunkturellen Notwendigkeiten machten das notwendig.(21.3)Google Scholar
  105. 174.
    /2155+22109+MI12: Sie setzten siebenhundertfünfzig Millionen Mark um. (21.9) -2390/0374+40501+US7: Gerade die Passivität Washingtons hatte die Talfahrt des Dollar in den letzten Wochen dramatisch verschärft. (21.7)Google Scholar
  106. 175.
    /2853+42712+MI14: Die Preise für Nahrungsmittel einschließlich der flüssigen, so prophezeite der Minister,würden auch weiterhin eine stabilisierende Tendenz aufweisen. (21.10)Google Scholar
  107. 176.
    /0316+10406+US6: Beim Kursverfall des amerikanischen Dollar ist immer noch kein Ende abzusehen. (21.7) - 2205/1268+11304+WT10: Das Wirtschaftswachstum, Grundlage unter anderem für Sicherheit und Höhe der Renten, ist im vergangenen Jahr hinter den Erwartungen zurückgeblieben. (21.20)Google Scholar
  108. 177.
    /0373+40501+US7: Lange hatten die Finanzmärkte auf diese Hilfsaktion der Amerikaner für ihre angeschlagene Währung gewartet […J. (21.6) - 2415/3082+42908+IN8: Wohnen ist teuer, doch die Staatskasse hilft, Mieten erträglicher zu machen. (21.10)Google Scholar
  109. 178.
    /2576+12503+RE5: In groben Umrissen zeichnet sich jetzt ab, wie die Bundesregierung das große Finanzierungsloch in der staatlichen Altersversicherung stopfen will. (21.6)Google Scholar
  110. 179.
    Vgl. die folgende komplette Meldung (11004+RE1, Sätze 0947 bis 0949): Die Finanzlücke in der staatlichen Rentenversicherung wird sich unter Umständen innerhalb der nächsten fünf Jahre noch mehr vergrößern als ursprünglich angenommen. (21.6) Bisher war bis 1982 mit einem Defizit von etwa zehn Milliarden Mark gerechnet worden. (21.3) Nach einer Meldung des Deutschen Depeschendienstes halten Sachverständige jetzt ein Rentenloch von über 20 Milliarden Mark für wahrscheinlich. (21.14)Google Scholar
  111. 180.
    /2022+22009+US14: Carter,der Lohn-und Preiskontrollen ausschloß, forderte Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf, in einer konzertierten Aktion mit der Regierung gegen die Inflation zu kämpfen. (21.18)Google Scholar
  112. 181.
    /2589+32503+RE5: Sollte die Konjunktur in den nächsten Jahren allerdings zum Stillstand kommen, dann stimmt die ganze Rechnung nicht […]. (21.5)Google Scholar
  113. 182.
    /1283+11306+AU4: Die Dänen möchten, daß die wirtschaftlich starken Länder, wie die Bundesrepublik, mehr zur Belebungder Konjunktur tun. (21.5)Google Scholar
  114. 183.
    Im Gegensatz zur ausgearbeiteten Allegorien-Welt des Kapitals; vgl. Schlaffer 1981:62 et passim.Google Scholar
  115. 185.
    “indem das Geld alle Mannigfaltigkeiten der Dinge gleichmäßig aufwiegt, alle qualitativen Unterschiede zwischen ihnen durch Unterschiede des Wieviel ausdrückt, indem das Geld, mit seiner Farblosigkeit und Indifferenz, sich zum Generalnenner aller Werte aufwirft, wird es der fürchterlichste Nivellierer, es höhlt den Kern der Dinge, ihre Eigenart, ihren spezifischen Wert, ihre Unvergleichbarkeit rettungslos aus.” (Simmel 1984:196). Vgl. Marx 1972: 146.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Ulrich Schmitz

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