Advertisement

Zusammenfassung

Im folgenden werden wir die einzelnen Wortformen klassifizieren. Da wir nun einmal den induktiven Weg eingeschlagen haben, gehen wir dabei im Zweifel eher von hier zweckmäßigen und praktikablen als von theoretisch einwandfreien Kriterien aus, zumal es angesichts fließender Übergänge der Wortarten ineinander völlig eindeutige Unterscheidungsmerkmale ohnehin nicht geben kann.1

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Vgl. Autorenkollektiv 1981:487–496, Eisenberg 1986:278, Fleischer 1974:31, Plank 1984, Stepanowa/Helbig 1978:54f. Eine - dann notwendigerweise sehr gründliche - theoretische Diskussion würde an dieser Stelle viel zu weit führen; genügend Beispiele finden sich im Material. In textstatistischen Arbeiten werden Wortarten oft mehr oder weniger ad hoc definiert (z.B. Lauter 1971, Lutz 1972, Ortmann 1975–1979 Bd. II, Wickmann 1969:21–25. Vgl. auch Eeg-Olofsson 1985 sowie den kurzen Forschungsüberblick über statistische Arbeiten zu syntaktischen Kategorien bei Rohrmann 1974:2932, der selbst mit psychometrisch begründeten Skalierungen arbeitet.Google Scholar
  2. 2.
    Dietrich/Klein (1974:94) zufolge sind 43% der deutschen Wortformen homograph.Google Scholar
  3. 3.
    Dabei wurden zu Rate gezogen Duden 1976–1981, Duden 1984 und Wahrig (Hg.) 1978. Unter den bei Rohrmann (1974:113) diskutierten fünf Alternativen zur Errichtung eines Kategoriensystems für Textcodierungen entscheiden wir uns aus praktischen Gründen also für eine Kombination der ersten beiden (eigene Intuition und Studium teils widersprüchlicher Literatur).Google Scholar
  4. 4.
    Bei einer strengeren Definition verbleiben noch 7,9% Eigennamenwörter (vgl. unten Kap. 4.6), verglichen mit 3,7% Eigennamen-Substantiven in “Capital”, die sich aus den Daten bei Lindell/ Piirainen (1980:21) errechnen. Meier (1967,I:2070 zählt 0,7% “Eigennamen” (“Familiennamen, geographische Eigennamen usw.”) unter “150 000 Wörtern ausgewählten Mischtextes” und gibt eine Fußballreportage im Hörfunk mit “acht und mehr Prozent” Eigennamen als Extremfall an. Höchste Substantivdichten (einschließlich Eigennamen) findet er (ebd.197) mit 30 bis 31% im Grundgesetz, bei amtlichen Wahlvorschriften und bei Sportreportagen im Rundfunk.Google Scholar
  5. 6.
    Vgl. Rohrmann 1974:205. - Vgl. auch noch Pieper (1979:59–62). Die Zahl der Wörter pro Satz und die Zahl der Substantive pro Satz in der “Tagesschau” entsprechen ziemlich genau den Werten, die sie (ebd.50f,80) für ihre “Textgruppe” ‘Eigenberichte in Zeitungen’ (aus 1970–1972) darstellt. Ähnliches gälte für die Verben, wenn man waghalsig unterstellte, daß die Anzahl aller (finiter und nichtfiniter) Hauptverben ohne Hilfs-und Modalverben und die Anzahl der von Pieper (1979:50f,74) ausgezählten “finiten” Verben gleich seien. Diese Beobachtungen erhalten besonderes Gewicht dadurch, daß Piepers Untersuchung insgesamt zu dem Schluß kommt, trotz möglicher subtilerer Binnendifferenzierung könne “eine Untersuchung übergeordneter Variablen wie der Wortldassenhäufigkeit und der Wortzahl pro Satz als geeignet angesehen werden”, Textsorten voneinander zu unterscheiden. (ebd.111).Google Scholar
  6. 7.
    Büchel/Weber (1986:47) geben demgegenüber folgende Verteilung der 10807 Lemmata (nicht Wortformen!) in Kants “Kritik der reinen Vernunft” an: 16,9% Funktionswörter, 31,5% Verben, 51,7% Substantive und Adjektive (dort in absoluten Zahlen).Google Scholar
  7. 8.
    Deshalb sind Funktionswörter und Adverbien in den vorderen Teilen des Häufigkeitswörterbuchs deutlich überrepräsentiert. Wohl zufällig entsprechen die Anteile der fünf Hauptklassen an den Wortformen (N) in der Liste der 331 häufigsten Wortformen (Tab. 10 und 12 in Kap. 3) aber recht genau den Wortklassenanteilen (F) im Gesamttext: 44% jener Wortformen sind Funktionswörter, gut 5% sind Hauptverben (15% Verben), 9% Adverbien, knapp 12% Adjektive und 30% Substantive.Google Scholar
  8. 11.
    Ilewandowski (1973–1975,I:216) schließt noch Partikel ein. Die große Gruppe der Adverbien ent- spricht aber nicht der Begriffsbestimmung von Funktionswörtern. Außer den Pronominaladverbien Allen wir davon nur “nicht” aufnehmen. Anders als bei Fries (1957:87–109), der die Funktionswörter im Englischen als eine Restgruppe aus grammatischer Analyse erhalten hat, werden hier insbesondere Adverbien und Zahlwörter nicht als Funktionswörter behandelt. Zumindest im Deutschen dürfte es kein eindeutiges Kriterium zur Unterscheidung von Funktionswortadverbien (Fries’ Gruppe D) und anderen Adverbien geben. Zahlwörter kommen in unserem Text häufig vor und werden an anderer Stelle behandelt; es ist nicht einzusehen, warum nach Fries Ordinalzahlen unter einhundert als Funktionswörter aufgefaßt werden sollen, andere Zahlwörter aber nicht. Die deutschen Entsprechungen der Wörter aus Fries’ Gruppen G, H, K, M, N und O tauchen in unserem Text nicht als Funktionswörter im Friesschen Sinne auf. Daß wir dennoch auf weit mehr Funktionswortformen kommen als Fries, liegt zum größeren Teil an den zahlreichen Flexionsformen im Deutschen und zum kleineren Teil daran, daß einige offenkundige Funktionswörter bei Fries erstaunlicherweise nicht erwähnt werden (z.B. “under, without, if, whether”). Fries’ 154 Funktionwörter machen nur ein Drittel seines nicht genau spezifizierten Materials aus (Fries 1957: 104), während unsere 368 tatsächlich vorkommenden (von über 450 geprüften) Funktionswortformen gut 45% des “Tagesschau”-Textes stellen. Hätten wir genau die deutschen Entsprechungen für Fries’ 154 Wörter angesetzt (also weniger Präpositionen und Konjunktionen, dafür eine Reihe von Zahlwörtern, Adverbien und ggf. sogar Eigennamen im Genitiv für “John’s”), so wäre der Anteil der “Funktionswörter” am “Tagesschau”-Text noch erheblich gestiegen.Google Scholar
  9. 13.
    Vgl. Bortz (1979:189–193), Sachs (1978:252–255); linguistische Anwendung bei Deutrich 1974. Hier errechnet nach Beutel u.a. (1978:1380. Der Rechner bewältigt höchstens etwa 8330 Fälle zugleich, so daß für die Zeile “Präpositionen und Konjunktionen” sowie für die beiden letzten Zeilen jeweils eine entsprechende größtmögliche Zufallsstichprobe mit ca. 88%, ca. 40% bzw. ca. 34% der betreffenden Fälle gezogen wurde. Wo keine Signifikanzniveaus angegeben werden, sind kleinere Häufigkeiten als 5 zu erwarten, so daß der Chi-Quadrat-Test nicht sinnvoll angewendet werden kann (Ausschlußkriterien nach SPSS 8.0).Google Scholar
  10. 16.
    Vgl. auch, mit anderem Verfahren, Hoffmann/Piotrowski 1979:83,86f.Google Scholar
  11. 18.
    Vgl. auch die Hinweise auf eine textsortenspezifische Häufigkeit der sechs Partikel “die, der, den, das, des, dem” bei Meier (1967,1:211): z.B. in Luthe,s deutsch verfaßten Briefen 4,5%, in “Effi Briest” 6%, “Zarathustra” 6%, Kaeding-Corpus 10,4% (bzw. Meier 10,1%), Grundgesetz 16,8%. (“Tagesschau” 12,0%).Google Scholar
  12. 28.
    Wimmer (1973:86–121), vgl. Kalverkämper (1978:386–388); allgemein zur “Historizität der semantischen Erfahrung” (S. XI) vgl. De Mauro 1982.Google Scholar
  13. 29.
    Vgl. auch Kalverkämper (1978:122–124), mit zahlreichen Beispielen für “Transposition’ (ebd.124384).Google Scholar
  14. 30.
    So galten alle Beispiele etwa der Liste bei Vater (1965:212) als Eigennamen oder eigennamenahnlich. - Vgl. übrigens Babel (1986a:148 Anm.52).Google Scholar
  15. 32.
    Vielleicht leben auch hier profanisierte Reste sprachmagischer Vorstellungen fort: wer den Namen hat, hat die Sache (z.B. “Rumpelstilzchen”; vgl. auch Menninghaus (1980:20–41,184–187). Im Falle der “Tagesschau” gründete die Magie freilich auf Illusion, weil ja im ebenso schnellen wie dichten Redefluß eher oberflächliche Etiketten, die das Fremde durch flüchtiges Nennen nur vermeintlich erfassen, geliefert werden denn er-oder begriffene Namen, welche Abwehr nicht zuließen.Google Scholar
  16. 34.
    Elmauer/Müller (1974:102) kommen an anderem (gesprochenen) Material zum gleichen Befund.Google Scholar
  17. 38.
    Wie die meisten linguistischen Klassifikationen ist auch diese fundierteste unter allen sprechakttheoretischen Einteilungen nicht völlig wasserdicht, weil wir es mit fuzzy sets und mehr oder weniger prototypischem Gebrauch zu tun haben. Wir haben z.B. folgenden Beleg nicht berücksichtigt, obwohl man vielleicht der Ansicht sein könnte, es handle sich um expressiven ‘Witz’: <Dennoch stimmte Sadat mit Vance darin überein, daß Ägypten die Tür zum Frieden auch weiterhin offenhalten müsse.> Wer mag auch in allen Fällen völlig sicher (reliabel) entscheiden, wann ’beklagt’ und ’bedauert’ assertiv und wann expressiv verwendet werden (vgl. Searle 1982:32,34) ? Die Zonen der Unsicherheit scheinen freilich vernachlässigenswert klein zu sein, zumal Kotext und grammatische Konstruktion (’bedauert, daß’ vs. ’bedauert + NP’) Hilfen geben können. Vermutlich würde ein anderer Kenner des Searleschen Aufsatzes deutlich weniger als 1% aller (3363) Fälle anders beurteilen als wir. - Zur Diskussion der Searleschen Klassifikation vgl. im übrigen Rolf 1986.Google Scholar
  18. 39.
    Ausführliche Definitionen bei Searle (1982:31–39).Google Scholar
  19. 40.
    Die neutrale absolute Grundform von Fränkel (1974:205), traditionell ausgedrückt: 3. Pers. Sg. Indik. Präs., bzw. (in den Fällen Nr. 67 und 109 bis 111, in denen die Illokution nur durch aktive Mitwirkung mindestens zweier Sprecher zustande kommen kann) 3. Pers. Pl. Indik. Präs. Im Text kommt in aller Regel eine aktivische Indikativform im Präteritum oder Perfekt (bzw. Präsens) vor. Wir zählen 43 passivische (ein Viertel davon in den Deklarationen) und 8 futurische Verwendungen. 41 Es werden auch anonyme Illokutionen (Nr.1,2,165) und Schweigeakte (Nr.171–173) aufgenommen.Google Scholar
  20. 42.
    Van Dijks (1983:28) Interesse an der Formulierungsgeschichte der Nachricht (“discourse processing”) betont einen etwas anderen Aspekt: “the construction of news is most of all a reconstruction of available discourses”.Google Scholar
  21. 44.
    Vgl. etwa Putnam (1979:62–64; 1978:115f). Überblick bei Pinkal 1985b.Google Scholar
  22. 49.
    “Die okkasionelle Bedeutung ist sehr gewöhnlich an Inhalt reicher, an Umfang enger als die usuelle.” (Paul 1968:75)Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Ulrich Schmitz

There are no affiliations available

Personalised recommendations