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Zusammenfassung

Als ob der Spiegel selber schüfe: er zeigt etwas, das diesseits nicht existiert. Allein in seiner Widerspiegelung ist das Sofa, wenn auch nur teilweise zu sehen und unscharf, fertig. Vor dem Spiegel — man könnte denken: in Wirklichkeit — ist es nur als Schatten da, vielleicht um uns die Gewißheit zu geben, daß der Spiegel wirklich spiegelt und nicht gegenstandslose Trugbilder erzeugt oder etwa in einem Winkel steht, der nach außerhalb unseres Blickfeldes wiese. Schließlich entbehrt das halb sichtbare Gemälde im Spiegel, das ja selbst wiederum Anderes abbildet, des erwarteten Vorbildes an der Wand über dem Schattensofa. Und wirkt nicht die geheimnisvolle Kraft des Spiegels auch diesseits? Scheint nicht der Leuchter rechts des Spiegels nur ein etwas verschwommenes Spiegelbild des Leuchters links zu sein? Wächst nicht auch der rechte Stuhl mit seiner oben auf die Farben des Sofas hin durchsichtigen Lehne aus dem Spiegel, ja sogar aus dem wiederum nur teilweise sichtbaren Spiegelbild des linken Stuhles heraus? Oder verhält es sich umgekehrt? Was spiegelt der Spiegel?1

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Literatur

  1. 1.
    “In dem Gang ist ein Spiegel, der den Schein getreulich verdoppelt. Die Menschen schließen gewöhnlich aus diesem Spiegel, daß die Bibliothek nicht unendlich ist (wäre sie es in der Tat, wozu diese scheinhafte Verdoppelung?); ich gebe mich lieber dem träumerischen Gedanken hin, daß die geschliffenen Oberflächen das Unendliche darstellen und verheißen…” (Borges 1981:145. Vgl. Eco 1982:218,408)Google Scholar
  2. 2.
    Menzels Bild ist nicht etwa unvollendet dergestalt, daß er das ‘wirkliche’ Sofa und das ‘wirkliche’ Bild vor dem Spiegel eigentlich noch hätte malen wollen. Die Signatur unten rechts beweist das.Google Scholar
  3. 3.
    Und wie sieht es beim Sprechen aus? “Durch die Praxis der Erzählung werden die grundlegenden Elemente der logischen Funktion im Diskurs konstituiert. Doch zugleich wird diese Praxis als die Wirklichkeit selber gegeben” (Faye 1977:15).Google Scholar
  4. 4.
    “An jedem Begriff also ist viel Seiendes, unzählig viel aber Nichtseiendes.” (Platon 1958:256e) “ebenso auch das Nichtseiende war und ist nichtseiend und mit zu zählen als ein Begriff unter das viele Seiende” (ebd.258c; vgl. die ganze Passage Platon 1900:249d-259d(ff)).Google Scholar
  5. 5.
    Daher die Wiederaufnahme der Suche nach der Wirklichkeit der Sprache seit Ende des 18. Jahrhunderts (“Gebährmutter der Begriffe” Hamann 1967b:143) bis heute: Lacan (1973a:66,64) zufolge wird die Beziehung zwischen dem Organismus und seiner Realität durch die Imago hergestellt, deren (sozial) organisierte Form, nämlich die Sprache im Allgemeinen, die dabei erzeugte Nichtübereinstimmung mit der eigenen Realität erst jenseits der imaginären Knechtschaft, also jenseits der Befangenheit des Subjekts in der Situation überwinden lasse.Google Scholar
  6. 6.
    “for it’s all in some language I don’t know” (Carroll 1970:190). “Somehow it seems to fill my head with ideas — only I don’t exactly know what they are!” (ebd:197). “Zweifellos müssen wir unser Ohr dem Nichtgesagten öffnen, das in den Löchern des Diskurses ruht, aber es ist nicht herauszuhören wie Klopfzeichen hinter einer Mauer.” (Lacan 1973b:152)Google Scholar
  7. 7.
    Adolph von Menzel: Das Balkonzimmer (1845). Nationalgalerie Berlin NG 845. Mit freundlicher Abdruckgenehmigung der Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Nationalgalerie, Berlin (West). Ein dem Menzelschen Bild überraschend verwandtes Werk finden wir in dem “Spiegelbild” eines russischen Malers aus der Wenezianow-Schule, vermutlich Grigorij Soroka (zweites Viertel des 19. Jahrhunderts; Staatliches Russisches Museum Leningrad, Inv. Nr. 5221; abgebildet in: Russische Malerei 1981:145 und Titel, Beschreibung ebd. I 69 und 287). Wohl hält es sein inneres Thema traditioneller verborgen, sogar sehr wörtlich, indem nämlich sämtliche Arbeitsutensilien vor dem Spiegel hinter einem Tuch im Spiegel nicht mehr erscheinen (während Menzels Spiegel doch gerade umgekehrt Gegenstände zeigt, die vor dem Spiegel nur schemenhaft oder gar nicht existieren). Dafür kann es sich auch erlauben, die Quelle aller Trans- und Surrealität, das Subjekt nämlich aller Übersetzungen einer Wirklichkeit in eine andere, anzudeuten: Menschen, die doch im “Balkonzimmer” so unheimlich fehlen, daß die Dinge ihr eigenes Wesen beginnen. In einem ähnlichen Winkel wie bei Menzel das vom Spiegel herbeigezauberte Bild und Sofa erscheinen dem nur scheinbar nicht beteiligten Betrachter des russischen Gemäldes Bäuerin und Magd jedenfalls ausschnittweise im Spiegel, wie sie einander anschauen, als erblickten sie jeweils ihr eigenes Spiegelbild. Menzel, der Stadtbürger, zeigt die wechselseitig durchlässige Grenze, die Phantom und Wirklichkeit verbindet; Soroka, der Leibeigene, gibt zu verstehen, wer sie errichtet. Illustriert wird, von beiden Seiten, der spätere Satz: “Aber eben weil [im finstren europäischen Mittelalter; U.S.] persönliche Abhängigkeitsverhältnisse die gegebne gesellschaftliche Grundlage bilden, brauchen Arbeiten und Produkte nicht [wie auf Grundlage der Warenproduktion; U.S.] eine von ihrer Realität verschiedne phantastische Gestalt anzunehmen.” (Marx 1972:91) — Zum Spiegel-Motiv in der bildenden Kunst vgl. auch: Spiegelbilder 1982. Zur rekursiven Verstrickung symbolischer Welten: “Kleines harmonisches Labyrinth” in Hofstadter 1985:113–136.Google Scholar
  8. 8.
    Daß strukturales Denken zuerst dialektisch-hermeneutisches war, zeigt Jäger 1975. In anderer Weise faßt Holenstein (1976:176–197) Strukturalismus als bisherigen Höhepunkt der hermeneutischen Bewegung auf. Vgl. in diesem Zusammenhang Frank 1980:190ff.Google Scholar
  9. 9.
    Über den Zusammenhang von “Hinsicht” und “Lebensform” vgl. Rothacker (1966:25 et passim); mit dialektisch-materialistischer Begründung Holzkamp (1973:118f,198f et passim).Google Scholar
  10. 10.
    Die Vorsicht Husserls, an den Schütz hier anknüpft, möchten wir so verstehen, daß unsere Erfahrungen nicht gänzlich an ontologischer Gegenständlichkeit vorbeigehen können: “In gewisser Art und mit einiger Vorsicht im Wortgebrauche kann man auch sagen: ’Alle realen Einheiten sind ‘Einheiten des Sinnes’.” (Husserl 1922:106=§ 55) Casanova (1960–1962,I:156) sagt unbefangener: “Pensant à la réalité et à l’imagination, j ai donné la préférence à celle-ci, puisque la première en dépend.” Vgl. Epictetus (1928:486=c.5): “Tapécaaaa 2oùç âvOptúnovç oJ nplyµarc, dcl7<à.’rà nEpi. r6v npayµâwœv Sóyµata.” (Es sind nicht die Taten/Begebenheiten, die die Menschen erschüttern, sondern die Meinungen über die Taten/Begebenheiten.) Lippmann (1922:4) schreibt: “whatever we believe to be a true picture, we treat as if it were the environment itself’, und so ist denn der klassische Streit darüber, ob Massenmedien ”Instrumente der Widerspiegelung oder der Prägung sind“ (Schatz 1975:10; vgl. Altheide 1974), müßig: kein Spiegel ohne Mythos, kein Mythos ohne Spiegel.Google Scholar
  11. 11.
    Z.B. Humboldt 1963d:395 et passim, Hegel 1970:36 et passim, Habermas 1981,I:452 et passim. 12“Die geschlossenen Sinnbereiche sind keine voneinander getrennte Weisen des Bewußtseinslebens”, sondern “lediglich Titel für verschiedene Spannungen ein- und desselben Bewußtseins, und es ist das selbe Leben, das weltliche Leben in der ungebrochenen Einheit von der Geburt bis zum Tod, dem wir uns in verschiedenen Modifikationen zuwenden.” (Schütz 1971a:297; vgl. auch 266f)Google Scholar
  12. 13.
    “Der Zustand des hell-wach-Seins des wirkenden Selbst umreißt denjenigen Ausschnitt der Welt, der pragmatisch relevant ist. Diese Relevanzen bestimmen die Form und den Inhalt unseres Gedankenflusses.” (Schütz 1971a:245)Google Scholar
  13. 14.
    eine Uminterpretation und Weiterführung von Husserls “Blickstrahl”: vgl. Husserl 1922:144–159, 189–192=§§ 77–79 und §92; bzw. Schütz 1971b:30f et passim.Google Scholar
  14. 15.
    und nicht nur scheinhaft (vgl. Schütz 1971a:2970.Google Scholar
  15. 16.
    Vgl. Schütz (1971a:257): “Für unsere Zwecke möchten wir daher jene Schicht der Wirkwelt, die das Individuum als Kern seiner Wirklichkeit erfährt, die Welt in seiner Reichweite nennen.”Google Scholar
  16. 17.
    Dazu Lang 1980, Romeiser 1972, Völtz 1973.Google Scholar
  17. 18.
    lnhaltsanalytisch orientierte Untersuchungen sehen von sprachlich getragener Synthesis ab und machen davon isolierte Nachrichtenfaktoren’ dafür “verantwortlich, daß sich das ‘Bild der Welt’, wie es von den Nachrichtenmedien dargeboten wird,von dem unterscheidet;was wirklich geschah’.” (Schulz 1976:13)Google Scholar
  18. 19.
    Vgl. Luhmann (1971a:9f): “Öffentliche Meinung kann nicht mehr einfach als politisch relevantes Ergebnis, sie muß als thematische Struktur öffentlicher Kommunikation gesehen werden — mit anderen Worten: nicht mehr nur kausal als bewirkte und weiterwirkende Wirkung, sondern funktional als Selektionshilfe.”Google Scholar
  19. 20.
    Daß sie nicht zwangsläufig besteht, zeigen etwa Jäger 1975 und Holenstein 1975, 1976.Google Scholar
  20. 21.
    Weil das Medium seine Welt reproduzierbar fixiert hat, können wir sie sozusagen ‘objektiv’, genauer: als fertiges, totes Produkt betrachten, auch wenn wir damit erklärtermaßen nichts über die zweite Stufe der Konstruktion von Welten im Kopf der (anderen) Rezipienten erfahren. Letztere wird meist, aber wohl fälschlich, als dominant unterstellt (z.B. Krech/Crutchfield 1971).Google Scholar
  21. 22.
    “Alle Mythen erzeugen den Schein einer Ordnung” (Frank 1982:110). “Die ‘gedachten’ Ordnungen entsprechen dem Gebiet des Mythos oder der Religion.” (Levi-Strauss 1967:343)Google Scholar
  22. 23.
    Wenn man Mythos also nicht für durch Logos erledigt hält (wie etwa Höffe 1981:7), wird das Verhältnis beider zum Problem. Während Schelling in der Mythologie Wahrheit sucht (“die Sprache selbst sey nur die verblichene Mythologie” 1856:52), ist sie für Müller (1874:316) umgekehrt “der dunkle Schatten, welchen die Sprache auf den Gedanken wirft” (vgl. 1866:482). Dagegen wendet sich Cassirer (1956b:77ff), der das mythische Bewußtsein als diejenige “eigentümliche ‘Modalität’ der geistigen Auffassung und der geistigen Formung” (1956a:7) begreift, aus der sich alle “Grundformen der geistigen Kultur” entwickelt haben (1953/1954,Bd.1:IX; vgl. Holzhey 1988). — Für Freud erzeugt der Mythus als “der Schritt, mit dem der Einzelne aus der Massenpsychologie austritt” (1940b:153), “heute noch in den Neurosen dieselben psychischen Produkte E…] wie in den ältesten Zeiten” (1945a:319). Vgl. z.B. auch Freud 1945b:414; 1940c:228f; 1940d:425. — Weber (1973:605) schreibt: “Heute aber ist es religiöser ’Alltag’. Die alten vielen Götter, entzaubert und daher in Gestalt unpersönlicher Mächte, entsteigen ihren Gräbern, streben nach Gewalt über unser Leben und beginnen untereinander wieder ihren ewigen Kampf.” Dieser Gedanke wird von Horkheimer/ Adorno (1947:41) aufgegriffen: “In der aufgeklärten Welt ist Mythologie in die Profanität eingegangen.” Sie entfalten vor allem den Satz: “Wie die Mythen schon Aufklärung vollziehen, so verstrickt Aufklärung mit jedem ihrer Schritte tiefer sich in Mythologie.” (ebd.22) — Levi-Strauss (1967:231) sieht den Mythos (in durchaus traditioneller Extension) als “eine Sprache, die auf einem sehr hohen Niveau arbeitet, wo der Sinn, wenn man so sagen darf, sich vom Sprachuntergrund ablöst, auf dem er anfänglich lag.” Barthes sieht ihn (extensional umfassender und begrifflich ungleich genauer) als “ein sekundäres semiologisches System” (1964:92) unseren ganzen Alltag durchdringen; als Beispiel vgl. besonders die Darlegung der Ansicht, “daß das Auto heute das genaue Äquivalent der großen gotischen Kathedralen ist” (ebd.76–78). — Mit einem “generalisierten Mythosbegriff’ umschreibt Kolakowski ”die ständig neu auflebenden Interpretationen der empirischen Welt als eines Ortes der Verbannung oder einer Stufe der Rückkehr zum unbedingten Sein“ (1974:8,9f; vg1.164t). — ”Als mythologisch aber gilt dem wissenschaftlichen Denken alles, was sich nicht durch methodische Erfahrung verifizieren läßt.“ (Gadamer 1977:480. Doch Wissenschaft und Mythos ”überschneiden sich“ auf viele Arten (Feyerabend 1976:394 et passim). — Die aktuelle Mythos-Diskussion kreist nach wie vor (vgl. Horstmann 1984:Sp.300) um die Frage, ob der Mythos ”bei der Überwindung jener archaischen Fremdheit der Welt“ selbst ein (vernünftiges) ”Stück hochkarätiger Arbeit des Logos“ leiste, wie Blumenberg (1979a:56,18) meint, oder aber ob, wie Taubes (1983:458,464) schreibt, ”eine mythogene Geisteslage“ als ”Rückzug in eine ewig gleiche Natur“ das ”Projekt der Moderne“ bedrohe. Vgl. Bohrer (Hg. 1983); ’Camper (1987:42–45).Google Scholar
  23. 24.
    Vgl. Barthes (1964:133): “Die Menschen stehen zum Mythos nicht in einer Beziehung der Wahrheit, sondern des Gebrauchs.” — Damit wirkt der Mythos identitätsbildend, wie Habermas (1974) implizit (er verwendet den Ausdruck ‘Mythos’ in einem engeren Sinne; vgl. ebd.34f,45) vorführt. Wir werden freilich unten sehen, daß jedenfalls im Falle der “Tagesschau” postmoderner Mythos und entsprechende Identität nicht auf die von Habermas (ebd.65–75) angedeutete Weise gebildet werden, insbesondere nicht als kollektiver, “kontinuierlicher Lernprozeß” (ebd.66), “diskursiv und experimentell”, als “inhaltlich kaum präjudizierte[n], von bestimmten Organisationen unabhängige[n] Identität” (ebd.75), sondern nach wie vor vorreflexiv (eben mythisch): hinterrücks. — Lévi-Strauss (1980:291) zufolge verschafft der Mythos dem Menschen “die Illusion, daß er das Universum verstehen könne und es auch tatsächlich versteht.” — Auf den engen Zusammenhang zwischen “Sprachlichkeit” und Mythos weist Liebrucks (1964:249 et passim) hin. “Wenn das Wörterbuch der Sprache immer die jeweilige Geschichte zeigt, dann ist damit auch gesagt, daß zur menschlich erfahrenen Wirklichkeit immer schon das Gerüst gehört, das der Mensch sich aufbaut, um von ihm aus das Fremde einzuholen.” (ebd.282) In Sprachgerüsten sieht er “Bewußtseinsstrukturen” (ebd.), die im geschichtlichen Wandel durch Reflexion einander überlagern, wobei “die jeweilige Entmythologisierung im Dienste des neuen Mythos geschieht” (ebd.413).Google Scholar
  24. 25.
    Nach Kolakowski (1974:58) bezieht der Mythos “die bedingten Erfahrungsrealitäten auf eine unbedingte Welt”, gestattet er uns (ebd.7), “die bedingten und veränderlichen Bestandteile der Erfahrung teleologisch miteinander in Zusammenhang zu bringen, indem man sie auf unbedingte Realitäten bezieht”. Der gleiche Gedanke in kritischer Wendung bei Barthes (1964:147): “Die Mythen sind nichts anderes als das unaufhörliche, unermüdliche Ersuchen, die hinterlistige und unbeugsame Forderung, die verlangt, daß alle Menschen sich in dem ewigen — und doch datierten — Bild erkennen, das man eines Tages von ihnen gemacht hat, als ob es für alle Zeiten sein müßte. Denn die Natur, in die man sie unter dem Vorwand, sie ewig zu machen, einsperrt, ist nur eine Gewohnheit. Diese müssen sie, so stark sie auch sein mag, in die Hand nehmen und verwandeln.”Google Scholar
  25. 26.
    “Im Unterschied zum alternativlosen Ablauf des Rituals ist es für Verfahren gerade kennzeichnend, daß die Ungewißheit des Ausgangs und seiner Folgen und die Offenheit von Verhaltensalternativen in den Handlungszusrmmenhang und seine Motivationsstruktur hineingenommen und dort abgearbeitet werden.” (Luhmann 1978:40; vgl. 38–53)Google Scholar
  26. 27.
    Vgl. etwa Abend 1974:169,172f, Arnold o.J.:12f, Gorschenek 1977:11f, Launer 1979:287.Google Scholar
  27. 28.
    “It is likely, though, that television is one of the media used for the transmission and reinforcement of the myths of our time.” (Smith 1979:82). Vgl. Morin (1969:139f) über die (Zeitungs-) “Reportage comme mythe réaliste”.Google Scholar
  28. 29.
    “Die Erkenntnis wie die Sprache, der Mythos und die Kunst: sie alle verhalten sich nicht wie ein bloßer Spiegel, der die Bilder eines Gegebenen des äußeren oder des inneren Seins, so wie sie sich in ihm erzeugen, einfach zurückwirft, sondern sie sind statt solcher indifferenter Medien vielmehr die eigentlichen Lichtquellen, die Bedingungen des Sehens wie die Ursprünge aller Gestaltung.” (Cassirer 1953/1954,I:26f)Google Scholar
  29. 30.
    Vgl. den Redakteur der “Tagesschau”, Abend (1974:169): “So entsteht für jemanden, der sich nur sporadisch die Tagesschau ansieht, der Eindruck einer Scheibchenwelt. Ereignisse sind aber nun einmal immer nur Scheibchen eines Ganzen, Schritte einer Entwicklung.” Ungewollte Synthesis durch ungewollte Nicht-Synthesis?Google Scholar
  30. 31.
    Vgl. Anm. 41. Cassirer (195311954,I:12;vg1.9) knüpft an den Begriff der inneren Form an. Er führt sie auf “eine spontane Regel der Erzeugung” zurück, die “eine eigene Welt des Sinnes” erschaffe (1956b:79). Vielleicht lassen sich über den idealistischen Horizont hinaus an einem, wie sich zeigen wird, verhältnismäßig einfachen Fall auch leichter nicht-geistige Bedingungen der “Selbstentfaltung des Geistes” (ebd.) entdecken.Google Scholar
  31. 32.
    Im Vergleich mit dem Folgenden mag das ein Blick auf den wohl ersten erhaltenen Vorläufer von Femsehnachrichten in unserem Kulturkreis erhellen.Die Tapisserie de Bayeux aus dem späten 11. Jahrhundert (vgl. Wilson 1985 oder etwa Schäfke 1981:19f,218–222) schildert in 58 textunterlegten Szenen auf 70 Metern Länge wie in einem Film die Ereignisse vor und während der Schlacht bei Hastings (1066). Bis hin zu scheinbar nebensächlichen Details wird alles historisch getreu (was immer das heißen mag) wiedergegeben, und doch springt uns Heutigen in der zeitlichen Distanz von dreißig Generationen jedenfalls ein wesentliches Merkmal der inneren Form dieser Nachrichten’ ins Auge. Alles wird nach Art einer Legende erzählt, in der die Reliquien von Bayeux als geschichtsbestimmende Kräfte erscheinen, ohne daß dies ausdrücklich erwähnt würde. (Insbesondere leistet Harold in Szene 23 auf zwei Reliquienschreinen seinen Treueeid gegenüber Wilhelm, den er später bricht, um schließlich (Szene 57) unterzugehen, was die Geschichte denn auch beschließt.) Die symbolische Darstellung verarbeitet (dichtet) einzelne Situationen zu einer in sich stimmigen Welt, deren Dimensionen von nun an “als symbolische Dimensionen unseres Seins in der Welt verfügbar sind” (Ricoeur 1972:2580. — Zur Grundform der Legende vgl. Jolles 1930:23–61, bes. 42ff, wo gezeigt wird, wie aus einem historischen Geschehen eine Legende hervorgeht.Google Scholar
  32. 33.
    Vgl. Leroi-Gourhan 1980:186,174,218,269 et passim.Google Scholar
  33. 34.
    “Junge Leute werden viel zu früh aufgeregt und dann im Zeitstrudel fortgerissen; Reichtum und Schnelligkeit ist, was die Welt bewundert und wornach jeder strebt” (Goethe 1951:634). — “Unser moderner Geschichtsbegriff ist ein Ergebnis aufklärerischer Reflexion über die anwachsende Komplexität von ‘Geschichte überhaupt’, in der sich die Bedingungen der Erfahrung eben dieser Erfahrung zunehmend entziehen.” (Koselleck 1979:120 Koselleck erblickt im 16. bis 18. Jahrhundert “eine Verzeitlichung der Geschichte, an deren Ende jene eigentümliche Art der Beschleunigung steht, die unsere Moderne kennzeichnet.” (ebd.19) “Die Verkürzung der Zeitfristen, die eine gerade noch homogene Erfahrung zulassen, bzw. die Beschleunigung des Wandels, der die Erfahrungen verzehrt, gehört seitdem zu den Topoi, die die jeweils neueste Geschichte kennzeichnen.” (ebd.329) Vielleicht darf man die dadurch aufgegebene Änderung in der Erfahrung von ’Zeit’ mit den Schwierigkeiten vergleichen, denen sich das Kind gegenübersieht, wenn es seinen egozentrischen zugunsten eines heterozentrischen und dann nonzentrischen (relationalen, relativistischen, systematischen) Zeitbegriffs aufgeben muß (vgl. Piaget 1974a). Neben vielen anderen Zeugen für eine Relativierung des Zeitbegriffs führt Koselleck (1979:10) Herder (1955:68) an: “Es gibt also (man kann es eigentlich und kühn sagen) im Universum zu einer Zeit unzählbar viele Zeiten.” Damit wird auch die “bisher überlegene Authentizität der beteiligten Augenzeugen […1 in Frage gestellt, weil sich die ’wirkliche’ Geschichte erst nach einer gewissen Zeitdauer herausstellt: dank der historischen Kritik zeige sie sich dann in einer ganz anderen Gestalt, als sie den jeweiligen Zeitgenossen sichtbar schien.” (Koselleck 1979:331 unter Bezug auf Planck 1795,11.2:243) Auf diese Weise gleitet die Tagesgeschichtsschreibung gegen Anfang des 19. Jahrhunderts aus der allgemeinen Geschichtsschreibung heraus und “ab in eine niedere Gattung, die von Journalisten weiter betreut wurde.” (ebd.335) — Zwei weitere Illustrationen für die Erfahrung zunehmender Beschleunigung mögen genügen: “Un des faits d’aujourd’hui les plus graves, les moins remarqués, c’est que l’allure du temps a tout à fait changé. Il a doublé le pas d’une manière étrange.” (Michelet o.J. [18721:9) “An meinem einundzwanzigsten und wahrscheinlich letzten Arbeitstag werde ich mich besinnen, warum ich das alles angefangen habe, diese Schilderung eines Dorfes, doch nur um Ruhe zu finden, um entlassen zu werden aus der furchtbaren Beschleunigung, aber man wird nicht entlassen, auch hier nicht, gerade hier nicht, Veränderung über Veränderung” (Kaschnitz 1979:103). — In ungelöster Spannung dazu steht die alltägliche Auffassung einer linearen, kontinuierlich fortschreitenden, irreversiblen, gleichförmigen und unbegrenzten Zeit (vgl. Wendorff 1980: bes.620,629). Kästner (1969:352) fängt beide Seiten ein: “Die Zeit geht mit der Zeit: Sie fliegt.” Kap. 9.2 wird darlegen, wie die “Tagesschau” eben diese Spannung im modernen Zeitbegriff auflöst.Google Scholar
  34. 35.
    Über den Zusammenhang von Geschwindigkeit, Macht und Krieg vgl. Virilio 1980.Google Scholar
  35. 36.
    Früher hielten die Orientierungen der religiösen, dann auch profanen Erziehung des Kindes ein Leben lang vor. Heute braucht es zusätzlich — und zunehmend an ihrer Statt — fortwährend aktueller, dem Verschleiß der Mode unterworfener ideologischer Entwürfe und Rückversicherungen, um den heterogener werdenden Strom der Ereignisse “nicht als struktur- und grenzenlose Fläche erscheinen” zu lassen (Leroi-Gourhan 1980:194 über das Territorium der Primaten). In ihrer Fülle und Vielfalt können sie nur massenmedial erzeugt oder zumindest verbreitet werden. — Vgl. Marx (1966:252): “Man hat bisher geglaubt, die christliche Mythenbildung unter dem römischen Kaiserreich sei nur möglich gewesen, weil die Druckerei noch nicht erfunden war. Grade umgekehrt. Die Tagespresse und der Telegraph, der ihre Erfindungen im Nu über den ganzen Erdboden ausstreut, fabrizieren mehr Mythen (und das Bourgeoisrind glaubt und verbreitet sie) in einem Tag, als früher in einem Jahrhundert fertiggebracht werden konnten.”Google Scholar
  36. 37.
    ’Beschleunigung’ ist — im Gegensatz zu ‘Fortschritt’ ein quantitativer Begriff, wird aber oft mit jenem verwechselt, wohl um der Beschleunigung selbst einen Sinn zu geben. Enthusiastische und ablehnende Haltung gegenüber “dieser allseitigen Geschäftigkeit” (Gontscharow 1960:233) werden von den beiden Protagonisten in Gontscharows “Oblomow” eindrucksvoll verkörpert. Zur Spannung zwischen Innovation und Beharrung vgl. etwa Wagner 1983:15 (“Immer ist auch die Vorstellung von den dieser Beschleunigung entgegenwirkenden Faktoren, den »haltenden Mächten« (kat-echon) lebendig gewesen”) und von Westphalen 1985:6 (“Nichts ist konservativer als die Innovation.”)Google Scholar
  37. 38.
    Luhmann (1981:319) zufolge braucht und besitzt die Weltgesellschaft “in den Massenmedien ein Instrument der Sofort-Integration, der Herstellung gemeinsamer Aktualität”. Zum geschichtlichen Wachstum der “Aktualitätsdichte” in der Presse Wilke 1984:99,115–124.Google Scholar
  38. 39.
    Da hilft das molussische Forschungsinstitut für die “Production of Time” (Anders 1984).Google Scholar
  39. 40.
    “Ich habe die Überzeugung, daß die Ereignisse sich gar nicht mehr ereignen, sondern daß die Klischees selbsttätig fortarbeiten. Oder wenn die Ereignisse, ohne durch die Klischees abgeschreckt zu sein, sich doch ereignen sollten, so werden die Ereignisse aufhören, wenn die Klischees zertrümmert sein werden. Die Sache ist von der Sprache angefault. Die Zeit stinkt schon von der Phrase.” (Kraus 1955:229)Google Scholar
  40. 41.
    Humboldt (1963d:463–473) bezieht seinen Begriff der inneren Sprachform (dazu Eigenbrodt 1968) auf den grammatischen Bau (“Begriffsbildung” und “Redefügung”) einer ganzen Sprache, welcher die “nationelle Eigenthümlichkeit des Geistes und des Charakters” ausdrücke (ebd.471). Diese Auffassung lädt natürlich zur Hypostasierung grammatischer Kategorien ein (vgl. dazu Eisenberg 1986:82f et passim). Bedenkt man jedoch die bei Humboldt offengehaltene Dialektik zwischen “Geselligkeit” und “dem Einzelnen”, in der sich “die Arbeit des Geistes” entfalte (1963b:135; vgl.1977:34), bedenkt man, daß letztlich das — in den “ganzen geschichtlichen Weltumgang des Menschen” verwobene (Liebrucks 1965:301) — “geistige Vermögen […] in seiner Thätigkeit” das “intellectuelle(n) Verfahren” einer Sprache ausbilde und nicht umgekehrt (Humboldt 1963d:464; vgl. 467,457,459,475), so fordert gerade Humboldts weitausgreifende Sprachtheorie dazu heraus, das synthetische Verfahren der Sprache im Prozeß der “Energeia” (ebd.418), also anhand einzelner Texte, in nuce zu verfolgen, auch wenn sich damit das Interesse vom “Gehäuse” der Nationalsprache auf den darin ausgedrückten vielfältigen “Sinn” verschiebt (ebd.472), oder vielmehr das untersuchte “Gehäuse” ein kleineres wird, nämlich das des Diskurses. — Vgl. Schleiermacher (1977:770. — Gem würden wir Gadamers (1984:31) schöne Frage “Was kann von Sprache in Text hinüber?” so verstehen und auch die umgekehrte Richtung betrachten; vgl. aber unten Anm. 63. — Daß “langue” und “parole” auch beim ‘authentischen’ Saussure nicht dichotomisch zueinander stehen, zeigen Jäger (1975:76,111–128; 1976:232–236; 1984:280 und Stetter (1979:63–69); vgl. Barthes (1979:17–20). — Wie schwierig (falls überhaupt möglich) eine vergleichbar genaue Analyse auf der Ebene der langue wäre, ist abzulesen an Hoppe 1981 (bes.64f0.Google Scholar
  41. 42.
    “Das Begehren sagt: »Ich selbst möchte nicht in jene gefährliche Ordnung des Diskurses eintreten müssen; ich möchte nichts zu tun haben mit dem, was es Einschneidendes und Entscheidendes in ihm gibt; ich möchte, daß er um mich herum eine ruhige,tiefe und unendlich offene Transparenz bilde, in der die anderen meinem Erwarten antworten und aus der die Wahrheiten eine nach der anderen hervorgehen; ich möchte nur in ihm und von ihm wie ein glückliches Findelkind getragen werden.« Und die Institution antwortet: »Du brauchst vor dem Anfangen keine Angst zu haben; wir alle sind da, um dir zu zeigen, daß der Diskurs in der Ordnung der Gesetze steht; daß man seit jeher über seinem Auftreten wacht; daß ihm ein Platz bereitet ist, der ihn ehrt, aber entwaffnet; und daß seine Macht, falls er welche hat, von uns und nur von uns stammt.«” (Foucault 1974:6)Google Scholar
  42. 43.
    Etwa im Sinne Walter Benjamins (Kurzdarstellung bei Menninghaus 1980:33–41). Je nach materialistischer oder idealistischer Akzentuierung erscheint das Problem als das der “Verarbeitung von Anschauung und Vorstellung in Begriffe” Marx (1939:22) oder als das der “universalen Übersetzungsarbeit des Geistes” (Boehm 1978:469).Google Scholar
  43. 44.
    “Das Verfahren der Sprache ist aber nicht bloss ein solches, wodurch eine einzelne Erscheinung zu Stande kommt; es muss derselben zugleich die Möglichkeit eröffnen, eine unbestimmbare Menge solcher Erscheinungen und unter allen, ihr von dem Gedanken gestellten Bedingungen hervorzubringen.” (Humboldt 1963d:477)Google Scholar
  44. 45.
    Gegenüber der resignativen, objektivistischen, eindimensionalen These vom totalen Verblendungszusammenhang (etwa im Anschluß an Horkheimer/Adorno 1947:144–198 und Marcuse 1964), für die das Monopol schon alle Widersprüche aufgesogen hat, sehen wir also jene historische Dialektik keineswegs zu einem Stillstand gekommen, die in klassisch-bürgerlichen Auffassungen allzu neutral als ‘Pluralität’ und ’Konkurrenz’ gefaßt wird. Auch aus diesem Grunde kann die vorliegende Untersuchung nur eine Fallstudie sein, die sich vor Verallgemeinerungen auf ’das (post)modeme Bewußtsein’ oder dergleichen hütet. Vgl. Marquard (1983:91): “Medien sind ein Test, ob das Nichtmediale sich durchhalten läßt.” Zum Verhältnis von “Wirklichkeitsangebot des Fernsehens” und “Aktivität des emphatisierenden Zuschauers” genauer Teichen (1973:381).Google Scholar
  45. 46.
    Man kann vermuten, daß die hier angekündigten allgemeinen Ergebnisse für die Bildwelt der “Tagesschau” entsprechend gelten, doch erforderte das eine eigene Untersuchung. Zur Isolierung des Textes von seiner optischen Umgebung s. unten Kap. 2.1.Google Scholar
  46. 47.
    Wir vermeiden den Ausdruck ‘Ideologie’, weil er — abgesehen von vielfältigen und meist zu plumpen negativen Konnotationen in der westdeutschen Alltagssprache — als wissenschaftlicher Begriff Ansprüche stellt, die im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht eingelöst werden können. (’Weltanschauung’ klingt demgegenüber zumindest seit Dilthey zu statisch und total; vgl. die “Weltanschauung einer Epoche” bei Mannheim (1964:92,94,97). ’Ordnung des Wissens’ wäre ein modernerer Ausdruck, impliziert aber leicht ’Wahrheit’; vgl. Frank 1988b:9.) Dennoch fassen wir Nachrichtentexte als ein wesentliches Element massenmedialer Diskurse auf, “through which meanings and ideologies are expressed or (re-)produced” (van Dijk 1985a:5), vielleicht im Sinne von Barthes (1974:45). — Die Beiträge in Cohen/Young (eds. 1973:95–333) untersuchen “world views” in Nachrichten u.ä. anhand thematisch eingegrenzter Fallbeispiele, ohne deren sprachliche Konstruktion im einzelnen zu verfolgen. Die Fragestellung lautet dort: “What models of society — and specifically, of deviance and social problems — are implicit in the news or stories produced for the media?” (ebd.97). — Vgl. Schulz 1980. — Böhm u.a. (1972:170) bemerken über (500 Sätze) Hörfunknachrichten: “In den Nachrichten wird ein Weltbild ausgebreitet, das von den Namen und Meinungen exponierter Persönlichkeiten bestimmt wird, das weiterhin als eine Folge ständiger Aktivitäten, die dann den Persönlichkeiten zugeordnet sind, erscheint. Der auffallende Mangel an Kausalsätzen — sicher vermieden, weil sie kommentierende Wirkungen haben könnten — läßt das Weltgeschehen als Folge von Ganzheiten ohne inneren Zusammenhang erscheinen.” Wir werden zeigen, daß Zusammenhang (Synthesis) auf andere, inhaltsanalytisch nicht zugängliche Weise hergestellt wird. — Auch in der psycholinguistischen Literatur ist manchmal von Weltbildern die Rede, z.B. Szagun (1983:354): “hinter Wörtern stehen Weltbilder”. Vgl. “image” etwa bei Boulding (1956) und Miller/ Galanter/ Pribram (1973:27): “Das Bild (Image) besteht aus all dem angehäuften, organisierten Wissen, das der Organismus über sich selbst und seine Umwelt gesammelt hat.”Google Scholar
  47. 48.
    “’news’ are actually ‘olds”’ — Galtung/Ruges (1965:67) Bonmot gilt hier weit radikaler, als sie es in ihrer Konsonanzhypothese (“because they correspond to what one expects to happen”) meinen. 49“RIEN N’AURA EU LIEU QUE LE LIEU EXCEPTÉ PEUT-ÊTRE UNE CONSTELLATION” (Mallarmé 1984:172–175).Google Scholar
  48. 50.
    “Das wissenschaftliche Denken wird durch die Notwendigkeit, sich am Faden der Typographie entlang zu bewegen, eher behindert, und es läßt sich kaum bestreiten, daß Autoren und Leser einen beträchtlichen Gewinn davontrügen, wenn es gelänge, die Bücher so zu präsentieren, daß der Inhalt der verschiedenen Kapitel sich gleichzeitig und in all seinen verschiedenen Aspekten darböte.” (Leroi-Gourhan 1980:493)Google Scholar
  49. 51.
    5“-Disketten (800 K), lesbar mit MacWrite oder MS Word (ab V. 1) auf Apple Macintosh. Gegen Einsendung von 5 Leerdisketten und Rückumschlag an Ulrich Schmitz, Lotharstr. 65/FB 3, D- 4100 Duisburg 1.Google Scholar
  50. 52.
    Vgl. etwa Cassirer 1985:40 et passim.Google Scholar
  51. 53.
    Für Nachrichten vgl. den knappen Literaturbericht bei van Dijk 1988:5–16.Google Scholar
  52. 54.
    “II is peculiarly important that linguists, who are often accused, and accused justly, of failure to look beyond the pretty patterns of their subject matter, should become aware of what their science may mean for the interpretation of human conduct in general.” (Sapir 1929:214) — Mit anderem Impetus Luhmann (1978:252): “Die moderne Gesellschaft hat einen Grad der Komplexität erreicht, durch den früher Unmögliches möglich wird und dann auch gedacht werden muß.”Google Scholar
  53. 55.
    “Die philologische Hermeneutik ganzer Texte tritt allmählich in den Gesichtskreis der Sprachwissenschaft” (Jakobson 1974b:163). — Bucher (1985:1) beklagt ein mangelndes hermeneutisches Problembewußtsein gegenüber der Tagesgeschichtsschreibung der Presse.Google Scholar
  54. 56.
    “Sobald wir uns mit liebevoller Sorgfalt ins Einzelne versenken, werden Abstände offenbar, die uns den Mut benehmen, der üblichen Generalisierung der Urteile beizupflichten.” (Krumbacher 1897:24) 57Vgl. Bloch 1975:13–16 et passim.Google Scholar
  55. 58.
    Und zwar um Entfernungen zwischen ‘philosophischen’ und ’wissenschaftlichen’ Absichten in der Linguistik zu verringern, wie sie in der Psychologie von Piaget (1974b:950 kritisiert werden.Google Scholar
  56. 59.
    Wie sprachidealistische (kritisch Schaff 1974) und mechanisch-materialistische Konzeptionen (von de la Mettrie (1909:27) bis zu einigen KI-Ansätzen (z.B. Kanngießer 1984)) gern unterstellen. 60Husserl 1922:167ff,266ff.Google Scholar
  57. 61.
    Luhmann 1971d, 1980–1981,Bd.1:17–19,35, Bd.II:279–281.Google Scholar
  58. 62.
    Z.B.Humboldt 1963a:18, 1963d:408f et passim, Gadamer 1972:361,365f et passim, Wittgenstein 1960b:332=§81,357f=§ 153–155,381=§199, Apel 1973b.Google Scholar
  59. 63.
    Zur Diskussion etwa Ullmann 1956, Putnam 1979, Lutzeier 1985a. Linguistik und Hermeneutik scheinen in ihrer klassischen Moderne gleichermaßen auf die Vermittlung von Einzelnem (parole; Sinn) und Allgemeinem (langue; Bedeutung) zu verzichten. Welchen Sinn sollte Gadamers (1984:35) arbeitsteilige Alternative machen, derzufolge man entweder als Linguist lediglich beabsichtige, “den Mechanismus aufzuklären, kraft dessen Sprache als solche funktioniert, im Absehen von allen Inhalten, die sie vermittelt”, oder aber als Hermeneut sein offenbar höheres Augenmerk einzig und allein auf “das Verständnis des Gesagten” richte, für das “das Funktionieren von Sprache eine bloße Vorbedingung” sei? Am Beispiel der inneren Textform der “Tagesschau” möchten wir zeigen, daß in “der Verständigung über die Sache” (ebd.36) Sprachliches als ein Allgemeines erst hergestellt wird. Legt Schleiermachers (1977:79) Rede vom “Ineinandersein dieser beiden Momente (des grammatischen und psychologischen” das nicht nahe? — Wie “dubios das Begehren und Versprechen jeglicher Hermeneutik ist, die Differenz von Geist und Buchstabe aufheben zu wollen und zu können”, wird bei Nassen (Hg. 1979, Zitat S.7) diskutiert.Google Scholar
  60. 64.
    Vgl. auch Habermas 1962:185–188,192,268f.Google Scholar
  61. 65.
    Der Rundfunk “ist ein reiner Distributionsapparat, er teilt lediglich zu” (Brecht 1967:129). Vgl. Adorno 1977b:507, Anders 1980a:196, Negt/Kluge 1972:185.Google Scholar
  62. 66.
    Hierin könnte der geheime Sinn der Grimmschen etymologischen Erklärung (“mittheilung zum damachrichten” Grimm 1889:Sp.103) liegen. (Vgl. z.B. auch Kluge 1899:278; Götze (Hg.) 1943: 734, Duden 1963:460, Paul 1966:450; nicht aber bei Adelung 1777:Sp.684).Google Scholar
  63. 67.
    Vgl. (mit anderem Akzent): “Die Weltgesellschaft braucht und besitzt in den Massenmedien ein Instrument der Sofort-Integration, der Herstellung gemeinsamer Aktualität. Sie ist zu komplex, um über Planungen, Wirkungsreihen, weitläufig bedingte Effekte koordiniert zu werden. Sie wird aggregativ integriert durch die Unterstellung einer gemeinsamen Realität und durch das Gefühl des Dabeiseins.” (Luhmann 1981:319) Die “gesellschaftliche Primärfunktion” der Massenkommunikation “liegt in der Beteiligung aller an einer gemeinsamen Realität oder, genauer gesagt, in der Erzeugung einer solchen Unterstellung, die dann als operative Fiktion sich aufzwingt und zur Realität wird.” (ebd.320)Google Scholar
  64. 68.
    “Eine Theorie der Interpretation hätte somit nicht nur dem Gegensatz zwischen zwei Interpretationen der Interpretation Rechnung zu tragen — der einen als Sammlung des Sinns, der anderen als Abbau von Illusionen und Lügen des Bewußtseins, — sondern auch dem Zerfallen einer jeden dieser beiden großen ‘Schulen’ der Interpretation in verschiedene, sogar einander fremde Theorien’.” (Riceeur 1969:45f)Google Scholar
  65. 69.
    Deshalb braucht die Analyse nicht von systematisch oder auch intuitiv gewonnenen Vorab-Eindrücken auszugehen wie Greimas (1971:206,208) bei seiner Bernanos-Beschreibung, und sie reduziert auch nicht den Sinn des Textes, wenn sie “die definitiven Organisationsmodelle [s]eines semantischen Mikro-Universums” (ebd.206) aufdeckt; als ganzen legt sie ihn vielmehr erst bloß.Google Scholar
  66. 70.
    Nach Straßner (1981:65) blieben semantische Aspekte der Sprache in Massenmedien von der bisherigen Forschung “Nahezu ausgeschlossen”. Wulff-Nienhüser (1982:147) resümiert ihre ausführliche Diskussion der Forschungsliteratur: “Schon die Frage, wie das Bild von Realität aussieht, das die Nachrichtensendungen präsentieren, muß im Grunde als offen angesehen werden.”Google Scholar
  67. 71.
    Vgl. Wember 1976:9–70. Wir werden später sehen, daß die “Tagesschau” ohne “Besonnenheit” (Herder o1:29,31) kognitive Ordnung herzustellen vermag, was Kunst und Wissenschaft nicht möglich ist. Vgl. Gombrich (1981:107): “All diese Versuche des Menschen, in jenem auf den Geist einwirkenden Durcheinander furchterregender Eindrücke Ordnung und Besonnenheit herzustellen, sind in sich schon gefährdet. Der Mensch ist umgeben von Chaos, von Angst, und die durch künstlerisches Schaffen erstrebte Beruhigung ist nicht weniger labil als die durch kausale Erklärungen der Wissenschaft herbeigeführte Vernunft. Die Leistung des Künstlers, der ein Abbild der Wirklichkeit festhält und klärt, setzt eine Besonnenheit voraus, die so selten ist wie die emotionsfreie Analyse des Wissenschaftlers. Und was für den Künstler gilt, das gilt auch für den Betrachter von Bildern. Ein besonnener und rationaler Geist kann die Darstellung einer sich bewegenden Gestalt deuten, da er aus seiner Erfahrung ergänzt, was vorher war und was danach kommt. Es ist das Gedächtnis des Betrachters, es sind die in seinem Geist gespeicherten Assoziationen, die diesen Akt rationaler Rekonstruktion erlauben.” Die “Tagesschau” verzichtet auf Gedächtnis.Google Scholar
  68. 72.
    “Jede Struktur ist eine Vielzahl von virtueller Koexistenz.” (Deleuze 1975:282)Google Scholar
  69. 73.
    Im Gegensatz dazu und zu Schleiermachers (1977:83) Auffassung dürfte das “gewöhnliche(n) Gespräch im gemeinen Leben” nicht ohne weiteres zu den hermeneutisch eher unproblematischen Gegenständen zählen, was in jeweils anderen Zusammenhängen beispielsweise Freud (1941) oder Benjamin (1974a:219) auch andeuten. Andererseits wird sich zeigen, daß gerade hermeneutisch Unbeachtetes erheblichen Anteil an “dem Acte der Verwandlung der Welt in Gedanken” (Humboldt 1963d:413) hat. Der “Tagesschau”-Text erfüllt weitgehend die Bedingungen des ‘Nullwerts’ für Schleiermachers Auslegekunst “Es wird geredet, weil die Sprache sich nur in der Kontinuität der Wiederholung erhält. Was aber nur schon vorhanden Gewesenes wiederholt, ist an sich nichts. Wettergespräche.” (Schleiermacher 1977:820Google Scholar
  70. 74.
    “ein Roman ist eine Maschine zur Erzeugung von Interpretationen” (Eco 1984:90.)Google Scholar
  71. 75.
    Szientismus heißt “die Einstellung, daß eine wissenschaftliche Philosophie wie die Wissenschaften selber intentione recta verfahren, d. h. ihren Gegenstand vor sich haben muß (und sich seiner nicht etwa reflexiv versichern dart).” (Habermas 1973:368) Zum “galileischen Stil” in der Linguistik vgl. Geier (1986:7f,26–38 et passim). Massenmediale Erfahrungen sind teilweise selbst “instrumental ‘erzeugt”’ (ebd.29); wissenschaftliche Erkenntnis war da ein Vorreiter.Google Scholar
  72. 76.
    Etwa gemäß Bunge 1967.Google Scholar
  73. 77.
    Ähnlich erkennt Cassirer (1953/1954,1:122) methodologischen “Positivismus als Forschungsprinzip” an, wendet sich aber gegen “jene positivistische Metaphysik, die mit der Ermittlung der Tatsachen auch die Aufgabe ihrer geistigen Deutung erfüllt zu haben glaubt.”Google Scholar
  74. 78.
    “Es ist gleich tödtlich für den Geist, ein System zu haben, und keins zu haben. Er wird sich also wohl entschließen mäßen, beydes zu verbinden.” (Schlegel 1798:191=Athen.Fragm.53) “Es steckt eine Menge Poesie in der Wissenschaft, aber auch eine Menge Buchhalterei.” (Medawar 1972:105)Google Scholar
  75. 79.
    Wie der kritische Rationalismus (Popper 1971) es gegen die induktive Deutung empirischer Forschungsmethoden und gegen den bemüht induktiven Weg früherer Positivisten vorschlägt. Poppers ‘Deduktion’ entspricht Peirces ’Induktion’, während dessen ‘Deduktion’ nichtempirischer Art ist. Peirces ’Abduktion’ hat nichts mit Poppers ’Induktion’ zu tun, sondern bezieht die Bildung von dessen “vorläufig unbegründete(n)[r] Antizipation, dem Einfall, der Hypothese, dem theoretischen System” (ebd.7) in die Logik der Forschung ein. — Zum Verhältnis von kritischem Rationalismus und Hermeneutik in der Linguistik vgl. Jäger (1975:55–74 et passim); zur transzendentalhermeneutischen Interpretation der Peirceschen Semiotik vgl. Apel (1973a:188–219).Google Scholar
  76. 80.
    “Abduction makes its start from the facts, whitout, at the outset, having any particular theory in view, though it is motived by the feeling that a theory is needed to explain the surprising facts.” (Peirce 1958:137 = CP 7.218) Im Gegensatz zu den kriminalistischen Motiven in Peirces Denken (vgl. Sebeok/Umiker-Sebeok 1982, Eco/Sebeok (Hg.1985)) zieht uns unser Untersuchungsgegenstand allerdings nicht durch überraschende Fakten an und führt doch zu einer überraschenden Theorie. Dennoch gilt auch für uns: “In abduction the consideration of the facts suggests the hypothesis. In induction the study of the hypothesis suggests the experiments which bring to light the very facts to which the hypothesis had pointed.” (Peirce 1958:137 = CP 7.218; vgl. auch Peirce 1973:186–189, 240ff und 1976:579–581 = CP 5.144f, 5.181ff bzw. 8.209.] — Paul (1968:5) würdigt die abduktive Seite des Denkens als unbewußte “Spekulation”.Google Scholar
  77. 81.
    unter Einbeziehung der beiden anderen Peirceschen Schlußweisen. Zum “relationalen Zusammenhang” (Walther 1973:LXXIX) von Abduktion, Induktion und Deduktion vgl. auch Peirce (1983:8998). Er faßt sie als zeitlich getrennte Prozesse auf, wir als drei Aspekte eines reflexiven Zusammenhangs. Ob sich auf diese Weise die “prinzipielle Schwierigkeit bzw. Zweideutigkeit in der Peirceschen Konzeption” (Apel 1975:300) umgehen läßt, der “eine empirische Orientierung für den »Verlauf des Forschungsprozesses«” fehlt (ebd.318) ?Google Scholar
  78. 82.
    Audacity in conjecturing, cautiousness in testing.” (Bunge 1967,1:12) Vgl. jedoch Anm. 81 gegen die auch hier implizierte Zweiphasigkeit.Google Scholar
  79. 83.
    “For truth can never be confirm’d enough,/Though doubts did ever sleep.” (Shakespeare 1963: 151=V,1,2010Google Scholar
  80. 84.
    Einführend etwa Krippendorff 1980, Merten 1983; Methodengeschichte Merten/Ruhrmann 1982; Forschungsbericht Lisch/Kriz 1978; Kurzüberblick über die wichtigste Literatur ebd.11–28; ausführliche Bibliographien Silbermann 1974:317–339 (Überblick Rundfunk, Film und Fernsehen ebd.292298), Wersig 1968 (Hörfunk und Fernsehen ebd.111–119); linguistische Aspekte Fühlau 1978, 1982: 96ff, Kuttner 1981, Rostek/Schulz (Hg.1985), Saporta/Sebeok 1959.- Zu westdeutschen Fernsehnachrichtensendungen liegen zwei große Inhaltsanalysen vor (Schatz-Bergfeld 1969, Schatz u.a.1977) sowie einige Arbeiten, die sich nicht nur am Rande, aber unter speziellen oder vergleichenden Fragestellungen mit Fernsehnachrichten beschäftigen (Buß u.a.1984:142ff, Funke 1978, Goss 1980, Lange 1981:135–194, Schmidt 1977, Schulz 1976). Zu Hörfunknachrichten Kepplinger 1985, Nachkriegszeitungen Volmert 1979, Pressenachrichten im historischen Vergleich Wilke 1984.- Vgl. auch die neun Aufsätze zu “Inhaltsanalyse und Semiotik” in Bentele Hg.1981:149–240.Google Scholar
  81. 85.
    Wir hoffen, daß diese Selbstbeschränkung nicht nur eine Schwäche, sondern auch eine Stärke der Arbeit hervorbringt.Google Scholar
  82. 86.
    Vg1. Mayring 1983 — s. aber auch unten Anm. 90.Google Scholar
  83. 87.
    Die ‘manifesten Inhalté, die der traditionelle Inhaltsanalytiker ’objektiv, systematisch und quantitativ’ beschreiben will, sind demgegenüber die in einer bestimmten Sprachgemeinschaft ’üblicherweise’ verstandenen Bedeutungen (Berelson 1952:18ff). Damit hört die ’Objektivität’ der Inhaltsanalyse gerade da auf, wo die Probleme der Hermeneutik anfangen.Google Scholar
  84. 88.
    Vgl. die bündige Definition von Content Analysis bei Ritsert (1972:19): “eine Forschungstechnik zur statistischen Organisation symbolischen Materials mit Hilfe eines kategorialen Rahmens”. 89“Content analysis stands or falls by its categories.” (Berelson 1952:147)Google Scholar
  85. 90.
    Einschlägige Ansätze in ideologiekritischer Absicht, auf die die hier folgende Argumentation nicht zutrifft, werden entweder nur optativ vorgetragen (etwa Ritsert 1972:bes.103–116) oder können (auch bei gegenteiliger Selbstetikettierung) nicht als Inhaltsanalyse im strengen Sinne gelten, weil Kracauers (1952:641) ‘disziplinierte Subjektivität’ zum Programm einer Interpretation erhoben wird, die — anders als Kracauer — auf eindeutig definierte, operationalisierbare Kategorien verzichtet (etwa Adorno 1975). — Für Grenzüberschreitungen plädiert besonders Rust 1980 (z.B. 9–11), dessen Hauptziel freilich darin besteht, ganz allgemeine “Kategoriale Fundierungen zu suchen, die die inhaltsanalytische Arbeit lenken. Eine weitere Ausdifferenzierung kann in Einzelfällen immer noch betrieben werden.” (ebd.14, vgl. das etwas magere Ergebnis ebd.223–243). Wir wollen hingegen umgekehrt Dimensionen aus einem Text erst mühsam herauslesen, die sich ja vielleicht als kultureller “Kemgehalt der in Frage stehenden Objekte [also des ”Tagesschau“-Textes; U.S.] in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung” (ebd. 11) dann entpuppen mögen. Rusts Auffassung der Hermeneutik als ’eigentlich einer fundamentalen Inhaltsanalyse’ (ebd.9) neigt, wie das ganze Buch und Inhaltsanalysen überhaupt, dazu, das Einzelne stets schon unter dem vorgesetzten Raster eines Allgemeinen zu sehen.Google Scholar
  86. 91.
    All das gilt mit nur kleinen Einschränkungen auch für diejenigen Teile maschineller Inhaltsanalysen, die über Umordnungen oder statistische Bearbeitungen von Textelementen hinausgehen. Im übrigen sind die bisher entwickelten Prozeduren (Deichsel 1975, Stone et al. 1966, 1968, Tiemann 1973; vgl. Mohler 1985) viel zu allgemein bzw. unvollständig, um den Spezifika unseres Textes gerecht werden zu können; für den General Inquirer vgl. ausdrücklich Züll (1987:9 et passim).Google Scholar
  87. 92.
    Vgl. den Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Geometrie (Abelson/diSessa 1981: 13). Es geht hier also um die Rekonstruktion vor allem der semantischen Eigenart eines Textcorpus, nicht um die Entwicklung eines allgemein verwendbaren Beschreibungsinstrumentariums. Letzteres strebt vor allem van Dijk an. (Van Dijk 1988 (ältere Literatur ebd.191f) entwirft ein diskursanalytisches Programm zur umfassenden Untersuchung von Pressenachrichten (einschließlich Produktion und Rezeption) und illustriert es mit eher informellen Einzelanalysen an verschiedenen Beispielen und auf verschiedenen Ebenen.) Beide Wege können einander ergänzen.Google Scholar
  88. 93.
    Vgl. etwa Lisch/Kriz (1978:430: “Insgesamt gesehen fällt dem Inhaltsanalytiker somit die Aufgabe zu, aus dem konservierten Teil eines staugefundenen — oft sehr komplexen — sozialen Prozesses die von den an der Interaktion Beteiligten definierte spezifische Realität — die sich insbesondere in den Kodierungs- und Dekodierungsregeln niederschlägt — zu rekonstruieren. Dabei muß er eine erhebliche Anzahl von Entscheidungen über hypothetisch-alternative Eigenschaften dieser Prozesse fällen, die außerhalb der Information des vorliegenden Textes liegen (wobei allerdings fraglich ist, wie viele allein der oben aufgezeigten Entscheidungsschritte dem Inhaltsanalytiker explizit als solche bewußt sind). Um einen Text zu verstehen, muß also schon vorher ein erhebliches Maß an Vorverständnis vorausgesetzt werden, welches zwar in Sonderfällen bei stark genormten Kommunikationsprozessen — z.B. Gesetzestexten — teilweise durch Quellenforschung erworben werden kann, letztlich aber doch in erheblichem Ausmaß von intuitiv angemessener ‘Einfühlung’ in die durch den Kommunikationsprozeß hergestellte Wirklichkeit mit ihren spezifischen denotativen und konnotativen Bedeutungen der Sprachzeichen in einer bestimmten Situation abhängt.” Vgl. auch ebd.32,69f.Google Scholar
  89. 94.
    “Wissenschaft ist ein ziemlich fragiles Gebilde: Das Beste, was sie erreichen kann, ist die Bereitstellung ständig wechselnder Schäitzungen,wie die Dinge funktionieren.” (Rescher 1985:151) “Und ich werde niemals wissen, wenn das vorgeschlagene Modell operationell funktioniert, welche und wie viele andere mögliche Beziehungen meine Operation im Dunkeln gelassen hat.” (Eco 1972:431) “Wie sehr der Mensch nach Wissenschafft verborgner Dinge ringt/So bleibt jhm doch vnzehlich viel/davon er sagt: mich dünckt.” (von Logau 1984:173) “Toute Pensée émet un Coup de Dés” (Mallarmé 1984:175). “Der ganze Staatsrat im Chor. Ja, vielleicht ist es so, vielleicht ist es aber auch nicht so.” (Büchner 1965:89)Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Ulrich Schmitz

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