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Rationale Erkenntnis des Irrationalen, oder wenn Werkzeug und Stoff nicht kompatibel sind — Der Idealtypus

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Zusammenfassung

Epistemologisch erweisen sich die verschiedenen Monismen im Grunde als wenig problematisch. Denn sie gingen ja von der Prämisse einer grundsätzlichen Übereinstimmung zwischen Erkennendem und Erkanntem aus. Nicht so der Neukantianismus: seiner Lehrmeinung zufolge steht der Betrachter einer “fremden Welt” gegenüber. Die Erkenntnis wird mit einem unüberbrückbaren hiatus zwischen rationalem Gedanken (resp. Begriff) und irrationalem Stoff konfrontiert.

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Literatur

  1. 1.
    “Kausalität und Teleologie im Streite um die Wissenschaft”, in Marx-Studien 1, S. 195–433 (Wien 1905). Warum Weber Adler sehr ernst nimmt, zeigt sich schon beim bloßen Durchblättern dieser Abhandlung. Die Schwerpunkte der Diskussion sind sich ziemlich ähnlich, behandelte Autoren sind: Rickert, Windelband, Münsterberg, Sigwart, und Stammler, der vehement kritisiert und zurückgewiesen wird. Das Resultat der Untersuchung: Cohens Schlußfolgerung aus seinem Vorwort zu Langes Geschichte (zit. S. 285f.) wird zugestimmt: Kants Erkenntnistheorie sei die korrekte methodische Grundlage auch der Sozialtheorie, die freilich erst konkret von Marx und Engels ausgearbeitet worden sei. Von Kautsky und Konsorten keine Spur. Cf. die Zeile: “Wie wenig Marx an den ontologischen metaphysischen Materialismus denkt, wenn er dieses Wort gebraucht (...).” (S. 304f.) Allerdings neigte Adler der Marburger Schule, d.h. Cohen, zu. Cf. W. Lehrke: “Der neukantianische Sozialapriorismus Max Adlers”, in: E.W. Orth/H. Holzhey (Hrsg.), Neukantianismus. Perspektiven und Probleme (Würzburg 1994), S. 269–285.Google Scholar
  2. 2.
    Grundzüge der Psychologie (Leipzig 1900), S. 129: Es “kann uns kein Zweifel bleiben, daß der Historiker nirgends einen Kausalzusammenhang aufzusuchen hat, ... der Historiker spricht von Realitäten, die ... notwendig zur Welt der Freiheit gehören.”Google Scholar
  3. 3.
    Hennis’ schöner Ausdruck fir diese, wenn auch verbreitete, falsche Annahme.Google Scholar
  4. 4.
    So auch G. Wagner: Geltung und normativer Zwang. Eine Untersuchung zu den neukantianischen Grundlagen der Wissenschaftslehre Max Webers (München 1987).Google Scholar
  5. 5.
    In Langes Geschichte, S. 617, heißt es mit einer Selbstverständlichkeit: “Heutzutage versteht man oft unter ‘geschichtlicher” Auffassung die konservative’, — wobei Lange der Geschichte, wenn auch defensiv, einen gewissen Nutzen dennoch zuschreibt. Was würde der Titel seines Buches ansonsten sagen wollen!Google Scholar
  6. 6.
    Etwa 150 Seiten; Band 2, III der Geschichte.Google Scholar
  7. 7.
    Z.B. Geschichte, S. 791.Google Scholar
  8. 8.
    ibid., S. 811.Google Scholar
  9. 9.
    “Die Frage ist aber eben, ob das Gebiet der psychischen Erscheinungen sich in einen Kausalzusammenhang bringen läßt, ohne Zurückführung auf die Theorien der physischen Wissenschaften.” (Geschichte, S. 840).Google Scholar
  10. 10.
    Dilthey hatte ja programmatische “Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie” als “Grundwissenschaft” aller “Geisteswissenschaft” entworfen, dies jedoch nicht eingelöst. (1894, jetzt in Gesammelte Werke V, S. 139–237.)Google Scholar
  11. 11.
    “Bezüge zu experimenteller Psychologie, Psychiatrie und Psychopathologie in Max Webers methodologischen Schriften”, in: G. Wagner/H. Zipprian (Hrsg.), Max Webers Wissenschafislehre. Interpretation und Kritik (Frankfurt/Main 1994), S. 239–258.Google Scholar
  12. 12.
    “Einleitung” zu MWG I/11 (hrsg. v. W. Schluchter in Zusammenarbeit mit S. Frommer), S. 1–58.Google Scholar
  13. 13.
    Psychophysik, S. 131ff. Daß selbst E. Demm als ausgewiesener Kenner Alfred Webers das Interesse und Engagement Max Webers einem unternehmerdienenden Taylorismus zuschreiben möchte, mag als ein Beleg dafür angesehen werden, wie gering allgemein die Kenntnis von Max Webers diesbezüglichen Intentionen ist. Siehe “Max und Alfred Weber im Verein für Sozialpolitik”, in: W.J. Mommsen/W. Schwentker (Hrsg.), Max Weber und seine Zeitgenossen (Göttingen 1988), S. 119–136, S. 127f.Google Scholar
  14. 13a.
    Einschlägig nunmehr, außer den soeben Erwähnten: W. Schluchter: “Zwei Wege von der Nationalökonomie zur Kultursoziologie. Max Weber und Alfred Weber”, in: W.J. Mommsen/W. Schwentker (Hrsg.), Unversöhnte Moderne (Frankfurt/Main 1996), S. 144–165.Google Scholar
  15. 14.
    “Energetische” Kulturtheorien, S. 414f. (Notentext).Google Scholar
  16. 15.
    Vermutlich auch durch seinen Bruder Alfred Weber, der in Prag mit den Schriften von Christian von Ehrenfels in Berührung gekommen war. Doch bereits zur Zeit der Abfassung der “Protestantischen Ethik” 1904/05 hatte sich Weber beispielsweise mit Hellpachs Psychologie der Hysterie auseinandergesetzt, wobei bezeichnenderweise methodologische Probleme im Vordergrund standen.Google Scholar
  17. 16.
    J. Frommer/S. Frommer: “Max Webers Krankheit — soziologische Aspekte der depressiven Struktur”, in Fortschritte der Neurologischen Psychiatrie 61 (1993), S. 161–171.CrossRefGoogle Scholar
  18. 17.
    Hierzu mehr weiter unten, vorläufig nur den Hinweis auf: Kategorien, S. 432ff.Google Scholar
  19. 18.
    Geschichte, S. 829.Google Scholar
  20. 19.
    Später zu wissenschaftlicher Reputation gekommene Namen sind reichlich vertreten: Steinthal, Tylor, Drobisch u.a.. — Die neuen Gebiete/Disziplinen werden unter den von Lange gewählten Bezeichnungen aufgeführt. Vgl. Geschichte, S. 830ff.Google Scholar
  21. 20.
    ibid., S. 842f.Google Scholar
  22. 21.
    ibid., S. 845.Google Scholar
  23. 22.
    Hierzu u.a. auch M.W. Drobisch: Die Moralische Statistik und die Menschliche Willensfreiheit. Eine Untersuchung (Leipzig 1867). Vgl. Geschichte, S. 846.Google Scholar
  24. 23.
    ibid., S. 897.Google Scholar
  25. 24.
    Als eher zufälliges, aber dennoch paradigmatisches Beispiel mag E. Gothein zitiert werden, mit dem Weber kollegialen und gesellschaftlichen Umgang pflegte: “Dem Historiker, ... selbst dem Nationalökonomen ist sein Stoff ... nur gegeben, indem er ihn in sich künstlerisch gestaltet... Alle Geisteswissenschaft, zumal die Geschichte, ist Kunst ... Deshalb kommen diese Wissenschaften nie zur objektiven, sondern immer nur zur künstlerischen Wahrheit, und es ist gar nicht die Aufgabe des Forschers, seine Subjektivität zurückzudrängen, sondern nur sie ins Grenzenlose zu erweitern0” Aus dem Artikel: “Gesellschaft und Gesellschaftswissenschaft” in Handwörterbuch der Staatswissenschaften (3. Aufl. Jena 1909), S. 214. Auch Windelband vergleicht die Leistungen des Historikers mit den kreativen Leistungen in der Kunst, und wird folglich von Weber als “Geschichtslogiker” weniger ernst genommen. Rickert zufolge sollte er ihn mit dem Wort “Aesthetizismus” abgetan haben [Grenzen (1929), S. xxiii]. Ihm zufolge hat nämlich der Historiker “an demjenigen, was wirklich war, eine ähnliche Aufgabe zu erfüllen, wie der Künstler an demjenigen, was in seiner Phantasie ist. Darin wurzelt die Verwandtschaft des historischen Schaffens mit dem ästhetischen und die der historischen Disziplinen mit den belles lettres.” Cf. Wilhelm Windelband: “Geschichte und Naturwissenschaft.” Straßburger Rektoratsrede 1894, in: ders., Präludien. Aufsätze und Reden zur Philosophie und ihrer Geschichte, Bd. 2 (Tübingen 1921), S. 136160, S. 144ff. Zu der von H. White: Auch Klio dichtet oder die Fiktion des Faktischen. Studien zur Tropologie des historischen Diskurses (Stuttgart 1992) derzeit erneut angestoßenen Diskussion vgl. u.a. D. Fulda: Wissenschaft als Kunst. Die Entstehung der modernen deutschen Geschichtsschreibung 1760–1860 (Berlin 1996).Google Scholar
  26. 25.
    Geschichte, S. 898 (meine Hvhb.).Google Scholar
  27. 26.
    Simmels Ausdruck aus Probleme der Geschichtsphilosophie, in GSG 2, S. 341.Google Scholar
  28. 27.
    Geschichte, S. 904.Google Scholar
  29. 28.
    ibid., S. 899.Google Scholar
  30. 29.
    Zu Fechner jetzt vorzüglich: M. Heidelberger: Die innere Seite der Natur. Gustav Theodor Fechners wissenschaftlich-philosophische Weltauffassung (Frankfurt/Main 1993).Google Scholar
  31. 30.
    ibid., S. 899.Google Scholar
  32. 31.
    III. Knies, S. 130.Google Scholar
  33. 32.
    Objektivität, S. 190; Heidelberger-Grundriss (“... zu den Vorlesungen über allgemeine (“theoretische”) Nationalökonomie”) (1898), S. 2.Google Scholar
  34. 33.
    Zit. aus “Untersuchungen über die Methode”, in: Othmar-Spann-Gesamtausgabe I (Graz 1974), S. 33. Spanns Jugendwerk, worauf Weber wiederholt, bis ins 1920er Konvolut der W&G, hinweist, ist eine noch weitgehend ungenutzte Quelle zu den Denkwegen Webers, vor allem hinsichtlich seiner Beurteilung von Simmel. Das Werk von 1907 Wirtschaft und Gesellschaft. Eine dogmenkritische Untersuchung, (auf S. 1–261 des gen. Bandes), ist freilich kein leichter Lesestoff, verdiente aber von der Weber-Forschung beachtet zu werden.Google Scholar
  35. 34.
    Brief vom 3.10.1907 an Rickert, in MWG II/5, S. 415.Google Scholar
  36. 35.
    Grenzen (1929), S. 326; S. 441.Google Scholar
  37. 36.
    Was Weber so auch sagt, Objektivität, S. 189f. Und obgleich dies in der Sekundärliteratur nicht unberücksichtigt geblieben ist, wird es ohne näheren Kontextbezug kaum in seiner Tiefe verstanden.Google Scholar
  38. 37.
    Am klarsten von E. Troeltsch, der Weber nahestand, doch nicht wie dieser Dilthey völlig ablehnte, in Der Historismus und seine Probleme (Tübingen 1922), S. 514ff., zusammenfassend dargestellt.Google Scholar
  39. 38.
    Lange vertritt — und dies sollte unterstrichen werden — nicht die von Spinoza verfochtene Auffassung einer vollständigen Parallelität der zwei Substanzen: “Nach (Bain), wie nach Spencer, ist der Körper dasselbe Ding, objektiv betrachtet, welches subjektiv, im unmittelbaren Bewußtsein des Individuums, Seele ist. Durch diesen Gedanken, den auch Kant als Vermutung gelten ließ, läßt sich nun aber Bain verleiten, einen vollständigen Parallelismus zwischen Geistestätigkeit und Nerventätigkeit anzunehmen. (...). Wäre dem so, so müßte allerdings der Zusammenhang auf der psychischen Seite ebenso vollständig sein wie auf der physikalischen; allein die Tatsachen widersprechen” (Geschichte, S. 840.).Google Scholar
  40. 39.
    Geschichte, S. 840.Google Scholar
  41. 40.
    Geschichte, S. 846.Google Scholar
  42. 41.
    Geschichte, S. 829.Google Scholar
  43. 42.
    Grundzüge (op.cit., S. 50ff., meine Hvhb.): “Logisch primär bleibt diese Welt der Werte, in der es ... nur Aktualität ... kein passives Wahrnehmen, sondern nur teilnehmendes Erleben, ... nur stellungnehmende Subjekte gibt. (...) (D)iese () wahre () Welt (...) Wie wir...dazu kommen, die Stellungnahme des andern zu verstehen, davon wissen wir im Erlebnis selbst nicht das geringste.”Google Scholar
  44. 43.
    “Wir können jetzt sogar direkt sagen: daß die beiden Beziehungsmethoden sich wechselseitig vollkommen ausschließen” (ibid., S. 431).Google Scholar
  45. 44.
    II. Knies, S. 79 (Anm.); Grenznutzlehre, S. 392.Google Scholar
  46. 45.
    Grundzüge, S. 430ff.Google Scholar
  47. 46.
    “... zu Gunsten der hier vorgetragenen Theorie, die den Willen in ein bloßes psychisches Mitklingen mit der in sich geschlossenen, in dem Handeln mündenden physischen Reihe verlegt” [“Skizze einer Willenstheorie” (1894/96), in GSG 5, S. 130–144, S. 138.] Siehe auch den sehr an Lange erinnernden Artikel “Was ist uns Kant?” (1896), in GSG 5, S. 145–177.Google Scholar
  48. 47.
    Geschichte, S. 607f.; S. 607; S. 823f.Google Scholar
  49. 48.
    “Dilthey kommt ... doch wohl zu gut weg: sein Aufsatz ist doch konfus...” — heißt es unmißverständlich in einem an Rickert gerichteten Brief vom 3.10.1907 (MWG 1115, S. 416f.). In II. Knies wird Dilthey keineswegs liebenswürdiger behandelt: auf S. 91, Anm. 2 zitiert Weber die vernichtende Kritik von Ebbinghaus, die Dilthey bekanntlich sehr nah gegangen war; auch die Anm. 4 auf S. 93 bringt keinen Trost.Google Scholar
  50. 49.
    Kategorien, S. 432.Google Scholar
  51. 50.
    II. Knies, S. 91 (meine Hvhb.).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

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