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Die “moderne sozial-philosophische Betrachtungsweise” und ihr okzidentaler Gegenstand

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Zusammenfassung

In Simmels Entwurf sind also Positivismus und Romantik gleichermaßen überwunden und die “zwei Vergewaltigungen, die den modernen Menschen bedrohen: durch die Natur und durch die Geschichte”1 abgewehrt. Wir dürfen wohl von einer “post-philosophischen” Weltsicht sprechen, einer Betrachtungsweise also, bei der jeglicher begriffliche Absolutismus von vornherein ausgeschlossen ist. Wo die Selbstbesinnung des Menschen nunmehr von einer Aufhebung von allem in die totale Vernunft oder in die totale Historie absehen muß und sich stattdessen mit Studien zur Soziologie (es sei hier beispielsweise auf Simmels “Philosophie des Geldes” verwiesen) oder zur Geschichte der Rationalität (hier wäre Webers Entwicklungsgeschichte des “kapitalistischen Geistes” zu nennen) “begnügen” muß.

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Literatur

  1. 1.
    Probleme der Geschichtsphilosophie (3. Aufl., Berlin 1907), S. viii. [Schon in der 2. Auflage (1905) auffindbar].Google Scholar
  2. 2.
    Lange nannte sie “theologisierende Philosophen”.Google Scholar
  3. 3.
    Die ersten 300 Seiten der Aufsatzsammlung zur “Wissenschaftslehre” können als eine nicht durchgearbeitete Monographie gelesen werden. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, die Knies-Aufsätze zusammen mit den Kritischen Studien durchzuarbeiten.Google Scholar
  4. 4.
    Brief an Lask vom 3.9.1905. (GStA Berlin, Rep. 92, Nr. 31, Bd. 6). Dieser im Ton fast demütige Brief ist der Fahnenkorrektur der beiden Knies-Aufsätze beigefügt. Weber sagt von den beiden Kritischen Studien, sie seien “ziemlich fertig”. (Allerdings nennt er sich nicht hier, dafür oft genug anderswo, einen “Dilettanten”).Google Scholar
  5. 5.
    In der Formulierung Simmels: “Kant selbst hat (diesen Gedanken) nur auf die Betrachtung der Natur angewendet(.) ... Auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften steht ihm noch eine unermeßliche Wirksamkeit bevor. Auch die historischen Erkenntnisse werden nicht einfach von der Thatsächlichkeit der Dinge abgelesen, auch sie sind von der Auffassung ... des Historikers selbst a priori abhängig, d.h. von seinen Deutungen, seinen mitgebrachten Ideen, von den Vorstellungsformen, die seine Zeit und seine Lebensgeschichte zu Bedingungen seines Erkennens geprägt haben; allein das ist kaum schon prinzipiell anerkannt, geschweige denn im einzelnen untersucht worden. (...) (I)n dieser Aufgabe lebt Kant noch für uns heute” (GSG 5, S. 150). Dieses Zitat ist jener Abhandlung entnommen, bei der Simmel mit seinen Formulierungen recht nah an Lange herankommt: “Was ist uns Kant?” (1896).Google Scholar
  6. 6.
    Objektivität, S. 186f.; S. 208. Vgl. ferner Simmel: GSG 6, S. 153f.Google Scholar
  7. 7.
    Siehe z.B. Objektivität, S. 156; Sinn d. Wertf, S. 508.Google Scholar
  8. 8.
    Geschichte, S. 984 (meine Hvhb.).Google Scholar
  9. 9.
    Das schöngeistig-philosophische Spekulieren befriedige, so Weber, nur das Bedürfnis der Intellektuellen nach “Sinnsuche” resp. “Sinngebung”, vgl. W&G, S. 307f.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. K.C. Köhnke: Der junge Simmel, op.cit., insb. Kap. 11.5: “Moralwissenschaft statt Ethik”, S. 265284.Google Scholar
  11. 11.
    Die §§ 10 bzw. 11 der Religionssoziologie in W&G, S. 321 u. 348.Google Scholar
  12. 12.
    Zweite Zeile von § 11 oder S. 308 (W&G).Google Scholar
  13. 13.
    Z.B. Geschichte, S. 153. Lange sagt hierzu auch “Materialismus des Lebens”. Dieser ist nicht mit dem “ethischen Materialismus” (= Egoismus) gleichzusetzen. Lange führt hierzu aus: “Wenn das Streben nicht auf flüchtigen Genuß, sondern auf wirkliche Vervollkommnung der Zustände gerichtet ist, wenn die Energie des materiellen Unternehmungsgeistes geleitet ist durch eine klare Berechnung, die bei allem die Grundlage bedenkt und daher zum Ziele kommt: dann entsteht jener riesige Fortschritt, der in unseren Tagen England binnen zwei Jahrhunderten groß gemacht hat (...). Ganz anders war der Materialismus Roms zur Zeit der Kaiser (...).”Google Scholar
  14. 14.
    “Einleitung” (zur “Wirtschaftsethik der Weltreligionen”), MWG I/19, S. 101.Google Scholar
  15. 15.
    Es handelt sich um den § 8 der “Soziologischen Grundbegriffe” (W&G, S. 20) bzw. um den § 11 der “Soziologischen Grundkategorien des Wirtschaftens” (W&G, S. 49).Google Scholar
  16. 16.
    GSG 6 beruht auf der Ausgabe von 1907. Wo die Erstausgabe aus dem Jahre 1900 hiervon abweicht, wird der Originaltext zitiert (dieser hatte ja auf Webers Methodenaufsätze Einfluß (cf. Lebensbild, S. 266)). Die Abweichungen sind aufgefhrt: vgl. GSG 6, S.731ff.Google Scholar
  17. 17.
    ibid., S. 23, 25, 24.Google Scholar
  18. 18.
    Zu Langes Wertschätzung von Spinoza, die sich allerdings nicht mit der von Riehl gezeigten Begeisterung vergleichen läßt, siehe: Geschichte, S. 423; S. 609.Google Scholar
  19. 19.
    ibid., S. 27 u. S. 733.Google Scholar
  20. 20.
    ibid., S. 24.Google Scholar
  21. 21.
    Geschichte, S. 508.Google Scholar
  22. 22.
    GSG 6, S. 739f. (Phil.d.Geldes).Google Scholar
  23. 23.
    W&G, S. 245. Vermutlich um 1910 geschrieben.Google Scholar
  24. 24.
    Zwischenbetrachtung, S. 483.Google Scholar
  25. 25.
    ibid., S. 515.Google Scholar
  26. 26.
    W&G, S. 317.Google Scholar
  27. 27.
    Geschichte, S. 985 u. 987. Die Ähnlichkeit mit Simmels Formulierungen aus dessen “Kant und Goethe” ist nicht zu übersehen.Google Scholar
  28. 28.
    Wiss. Beruf S. 593.Google Scholar
  29. 29.
    Geschichte, S. 660.Google Scholar
  30. 30.
    “Vor allen Dingen hat Schiller mit divinatorischer Geisteskraft das Innerste seiner Lehren erfaßt und sie von scholastischen Schlacken gereinigt” (Geschichte, S. 510.).Google Scholar
  31. 31.
    Oder die zehnte: Schöne Welt wo bist du? Kehre wieder, Holdes Blütenalter der Natur! Ach, nur in dem Feenland der Lieder Lebt noch deine fabelhafte Spur. Ausgestorben trauert das Gefilde, Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick, Ach, von jenem lebenwarmen Bilde Blieb der Schatten nur zurück. Vgl. hierzu auch den Aphorismus 152: ‘Die grösste Veränderung’ aus Nietzsches Die Fröhliche Wissenschaft (KSA 3, S. 495).Google Scholar
  32. 32.
    F.A. Lange: Einleitung und Kommentar zu Schillers Philosophischen Gedichten, hrsg. von O.A. Ellissen 1896. Zur Montagearbeit siehe das Nachwort zur Ausgabe von 1922, S. 92f.Google Scholar
  33. 33.
    “Energetische’ Kulturtheorien” (1909), in GAzWiss, S. 400–426, S. 416.Google Scholar
  34. 34.
    Geschichte, S. 985.Google Scholar
  35. 35.
    Bei Simmel gibt es genügend Beispiele, die hinlänglich dichte Bezüge aufweisen: “Wir können uns heute vielleicht noch nicht einmal völlig ausdenken, wie eine Natur, aus der alle übermechanischen Zwecke, alle besondere Beziehung zum Menschen, alle innere Wärme und Beseeltheit, alle ‘Götter Griechenlands’ verschwunden sind — wie sie den Bedürfnissen eines Gemüthslebens überhaupt genügen soll” [aus “Zu einer Theorie des Pessimismus” (1900), in GSG 5, S. 546]Google Scholar
  36. 36.
    Dies ist natürlich der Tenor von Webers beiden berühmten Münchner Reden; jetzt MWG 1/17.Google Scholar
  37. 37.
    Werke III (Ausg. Schlechta), S. 526; S. 726. (Urspr. publiziert als “Wille zur Macht”).Google Scholar
  38. 38.
    GSG 5, S. 62–74. Vgl.inbs. das folgende Zitat: “Und wenn man (...) Kants Lehre in den Satz zusammenfassen kann, die Möglichkeit des Erkennens erzeuge zugleich für uns die Gegenstände des Erkennens — so bedeutet die hier vorgeschlagene Theorie: die Nützlichkeit des Erkennens erzeugt zugleich für uns die Gegenstände des Erkennens” (S. 74).Google Scholar
  39. 39.
    Probleme der Geschichtsphilosophie (1892), in GSG 2, S. 416. Simmel nennt nicht einmal Lange beim Namen, offensichtlich konnten seine Leser mit dieser Anspielung etwas anfangen.Google Scholar
  40. 40.
    II. Knies, S. 57ff.Google Scholar
  41. 41.
    Von den vielen Versuchen, Weber so einzureihen, soll hier nur A.v. Scheltings Max Webers Wissenschafislehre (Tübingen 1934) erwähnt werden; genannt werden muß allerdings auch T. Burgers Max Weber’s Theory of Concept Formation (Durham 1976) [“Weber’s and Rickert’s positions ... are nearidentical” (S. 7)] und P.-U. Merz: Max Weber — Heinrich Rickert. Die erkenntnistheorethischen Grundlagen der verstehenden Soziologie (Würzburg 1989).Google Scholar
  42. 42.
    W.E. Hartpole Lecky (London 1865). Bereits 1868 auf deutsch als Geschichte des Ursprungs und Einflusses der Aufklärung in Europa (Leipzig und Heidelberg).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

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