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Der Kampf um das Dasein — Der Kampf um die bevorzugte Stellung

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Zusammenfassung

Dies sind die beiden Überschriften des ersten und zweiten Kapitels aus Langes Arbeiterfrage, die zur Genüge unterstreichen, welche prominente Stellung der Begriff Kampf bei Lange einnimmt. Der von ihm selbst hervorgehobene entscheidende Unterschied gegenüber Karl Marx ist die ahistorische Annahme eines Natur und Gesellschaft auszeichnenden, fundamentalen Kampfes, der allgegenwärtig ist: innerhalb der Natur zwischen Pflanzen und Tieren, aber auch zwischen Natur und Mensch, sowie innerhalb der Gesellschaft zwischen den Menschen selbst. Eine philosophisch postulierte Aufhebung dieses Kampfes, wie sie beispielsweise von Marx mit der Beseitigung aller Klassengegensätze in der kommunistischen Gesellschaft vorgenommen wird, lehnt Lange als “Metaphysik” entschieden ab.1

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Literatur

  1. 1.
    Arbeiterfrage, S. 235ff. Hier setzt sich Lange mit Marx auseinander; Marx sei durch Hegels Verlockung einer spekulativen Zukunftsmusik verfallen, aber “So sehr es also immer auch das Endziel aller sozialen Bestrebungen sein muß, den Kampf um das Dasein durch die Vernunft, deren Gegensatz er ist ... aufzuheben, bzw. auf sein geringstes Maß zu beschränken; so ist doch nicht zu hoffen, daß dies ohne Mitwirkung des Kampfes um das Dasein erfolgen werde.” (S. 240).Google Scholar
  2. 2.
    Helmut Holzhey: “Zum Verhältnis von Erkenntnistheorie und Sozialphilosophie bei F.A. Lange”, in: J.Knoll/J.Schoeps (Hrsg.), Friedrich Albert Lange. Leben und Werk (Duisburg 1975), S. 207–225), S. 223. Dieser Beitrag und das von K.Chr. Köhnke präsentierte Lange-Kapitel in seinem inzwischen als Standardwerk zum Neukantianismus gepriesenen Buch (op.cit.) können als die derzeit wirklich einzigen beiden wertvollen Beiträge zur neueren Lange-Diskussionen in Deutschland bezeichnet werden. Ferner wäre hier noch Stacks große Monographie Nietzsche and Lange zu nennen sowie die beiden von J. Salaquarda verfaßten, äußerst anregenden Artikel zum Verhältnis von Nietzsche und Lange. Vgl. hierzu auch das 10. Kap.Google Scholar
  3. 3.
    Geschichte, S. 707; S. 705 (meine Hvhb.).Google Scholar
  4. 4.
    Geschichte, S. 688ff.; S. 690.Google Scholar
  5. 5.
    Diese Thematik wird im Schlußkapitel (der Geschichte) “Der Standpunkt des Ideals” am eingehendsten abgehandelt, aber beinahe überall im Buch angesprochen, so beispielsweise auch im Darwinismus-Kapi-tel (II.2.iv), S. 716): “Die strenge Durchführung des Kausalprinzips unter Beseitigung aller unklaren Annahmen von Kräften, die aus bloßen Begriffen abgeleitet werden, muß für das gesamte Feld der Naturwissenschaften der leitende Gesichtspunkt bleiben, und was etwa in dieser konsequenten Durchführung der mechanischen Weltanschauung für unser Gefühl Unbefriedigendes und Verletzendes liegen mag, wird, wie wir noch hinlänglich zeigen werden, auf einem andern Boden [scil. in der Welt der Werte (B.J.)] seine Ausgleichung finden.” Vgl. hierzu auch S. 680.Google Scholar
  6. 6.
    “Wre nicht das Gegengewicht unseres Strebens zur Vernunft und Freiheit da ... , so wäre an und für sich nicht abzusehen, warum nicht das Gesetz der ‘natürlichen Züchtung’ auch die Menschheit ... wieder in verschiedene niedere und höhere Spezies trennen sollte ... . Statt dessen sehen wir, wie alle Anfänge zur Herausbildung einer höheren Menschenrasse früher oder später schmählich zu Grunde gehen. (...). (E)s ist sogar in der Menschheit eher die entgegengesetzte Bewegung bemerkbar, nach welcher ... sich eine immer größere Gleichheit des ganzen Geschlechtes anbahnt. (...) Wir nehmen daraus nur einen Grund mehr, um anzunehmen, daß es auch für die Zukunft zu einer definitiven Spaltung der Menschheit nicht kommen werde, obwohl grade aus dem Gegensatz von Kapital und Arbeit sich eine gefährlichere Adelsbildung entwickeln könnte, als irgend eine frühere.” (Arbeiterfrage (2. Aufl.), S. 57f.).Google Scholar
  7. 7.
    Die sog. “Methodologische Einleitung” zu den “Erhebungen über Auslese und Anpassung der Arbeiterschaft der geschlossenen Großindustrie” (MWG I/11, S. 78–149). Auf S. 123ff. werden “Anpassung” und “Auslese” als rein soziologische Begriffe dargestellt; auf S. 110ff. wird jede “Darwinistische” o. ähnl. Implikation ausdrücklich verworfen. (Was nicht zuletzt gegen den Bruder Alfred gerichtet war: er war (damals ein) vollblütiger Naturalist resp. Darwinist. Siehe z.B. die Briefe in MWG I/5 an Alfred, S. 382f., und an H. Gruhle, S. 675. Vgl. die “Einleitung” W. Schluchters (MWG I/11), S. 52ff.Google Scholar
  8. 8.
    Antrittsrede, S. 554.Google Scholar
  9. 9.
    ibid., S. 558ff.Google Scholar
  10. 10.
    Sein heureka!-Erlebnis beschreibt Darwin wie folgt: “In October 1838 ... I happened to read for amusement ‘Malthus on Population’, and being well prepared to appreciate the struggle for existence which everywhere goes on from long-continued observation of the habits of animals and plants, it at once struck me that under these circumstances favourable variations would tend to be preserved and unfavourable ones to be destroyed. The result of this would be the formation of new species.” Aus Darwins Life and Letters, zit. bei Richard Hofstadter: Social Darwinism in American Thought (Boston, 1955), S. 39.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. H.G. Zmarzlik: “Der Sozialdarwinismus in Deutschland als geschichtliches Problem”, in: ders., Wieviel Zukunft hat unsere Vergangenheit? (München 1970), S. 56–85, S. 56.Google Scholar
  12. 12.
    Um eine Pointe vorwegzunehmen: Mit Werkzeugen der “Hermeneutik” hätte eine solche Interpretation nicht erreicht werden können. Hofstadter verwendet durchaus “Stoff-fremde” Gesichtspunkte!Google Scholar
  13. 13.
    Siehe Köhnke, Neukantianismus, op.cit., S. 113ff.Google Scholar
  14. 14.
    Existentialismus, Freudianismus, Frankfurter Schule, Dekonstruktivismus usw. — unabhängig davon, was diese Lehren im einzelnen vertreten, ein ihnen gemeinsamer Grundzug ist der absolute Antagonismus gegenüber “Fortschritt”, “Technik”, “Konsum” usw., — also gegenüber allem, was nach Optimismus “riecht”.Google Scholar
  15. 15.
    Brief an Tönnies vom 4.7.1881 (Briefwechsel, op.cit., S. 133).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

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