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Max Weber und Friedrich Albert Lange

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Zusammenfassung

Max Weber und wer?, so dürften sich die meisten wohl fragen. Bestenfalls mit der Geschichte der Philosophie Vertraute wissen heute von einem deutschen Philosophen namens Lange; überschaubar ist auf jeden Fall die Zahl derer, die mit ihm präzisere Vorstellungen zu verbinden wissen.

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Literatur

  1. 1.
    Jugendbriefe (Tübingen 1936), S. 65. — Geschichte des Materialismus und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart, erschien zuerst 1866 in erster, dann 1873–75 kurz vor Langes Tod, in der bleibenden, stark vermehrten Ausgabe. Im folgenden wird nach dem letzten Neuauflage aus dem Jahre 1974 (suhrkamp) zitiert. Wir wissen nicht, welche Auflage Weber erworben bzw. geschenkt bekommen hat, zumal Lange auch die 2. Aufl. unter dem Einfluß seiner Cohen-Lektüre (i.e. Kants Theorie der Erfahrung, 1871) überarbeitet hatte. Die Auflage von 1882 erschien ohne die ausfiührlichen Anmerkungen Langes, die Weber jedoch gekannt haben dürfte: mit seinem Vetter Otto Baumgarten hatte er ja dessen Lange-Ausgabe durchgearbeitet (vgl. auch Fn. 2). Siehe Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums 1700–1910 (München 1980), Bd. 84.Google Scholar
  2. 2.
    Max Webers Vetter, Otto Baumgarten, der sein letztes Studienjahr zusammen mit Max in Heidelberg (1882) verbrachte, hat sich schon Ende der siebziger Jahren, also bald nach Erscheinen der zweiten, großen Auflage von Langes Geschichte mit dieser intensiv beschäftigt: “Sehr wichtig ... viel gelesen” (Meine Lebensgeschichte, Tübingen 1929, S. 51f).Google Scholar
  3. 3.
    Jugendbriefe, S. 52.Google Scholar
  4. 4.
    3. Sept. 1883 (ibid., S. 75).Google Scholar
  5. 5.
    Nietzsche gilt wohl heute als einer der populärsten Anreger. Diese Behauptung ist inzwischen zu einer “längst bekannten” Tatsache (Stauth) avanciert, obwohl zuverlässige Nachweise bis heute noch ausstehen. Siehe die mehr oder weniger spekulativ angelegten Werke von R. Eden: Political Leadership and Nihilism (Tampa 1983); W. Hennis: Max Webers Fragestellung (Tübingen 1987); G. Stauth: “Kulturkritik und affirmative Kultursoziologie”, in: G. Wagner/H. Zipprian (Hrsg.), Max Webers Wissenschaftslehre (Frankfurt 1994). Marx ist seit D. Lindenlaubs Richtungskämpfe im Verein r Sozialpolitik (Wiesbaden 1967) immer wieder als eine Quelle genannt worden; Riesebrodt: “Vom Patriarchalismus zum Kapitalismus”, in KZfSS 37 (1985), hat darüber hinaus auf Schmoller und Rodbertus hingewiesen; Hennis hat inzwischen auf Karl Knies gezeigt (ibid.); L. Scaff sieht eher in Simmel einen wichtigen Anreger: Fleeing the Iron Cage (Berkeley 1989).Google Scholar
  6. 6.
    Beispielsweise muß Hennis, um Weber als direkt von K. Knies beeinflußt ausgeben zu können, Zusatzhypothesen über Webers psychologischen Habitus (“ausgesprochen unnoble Eigenschaften” — wegen W.s schroffer Abweisung, trotz der putativen tiefen Beeinflussung!) einführen.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. M. Montinari: Nietzsche lesen (Berlin/New York 1982, S. 6). Montinari führt dort mit Blick auf Nietzsche aus: “Deshalb ist es notwendige Aufgabe der Nietzsche-Forschung: nach seinen Quellen zu suchen, seine ideale Bibliothek zu rekonstruieren, die Zeitgenossen, mit denen er sich auseinandersetzte, kennenzulernen, sowie auch die realen Bindungen Nietzsches mit Individuen und Kreisen seiner Zeit, die entscheidend fur seine spätere Wirkung werden sollten (...).”Google Scholar
  8. 8.
    Zit. in K.C. Köhnke: Entstehung und Aufstieg des Neukantianismus (Frankfurt 1986), S. 323f.Google Scholar
  9. 9.
    Weitere Zitate ibid., S. 324ff.Google Scholar
  10. 10.
    Dies gilt auch fiir heute. Wenn man von pflichtgemäßen Erwähnungen in Übersichtswerken u.dgl. absieht, sind heute letzlich nur Köhnkes und H. Holzheys (1975) Arbeiten empfehlenswert. (Siehe unten, Kap. 5).Google Scholar
  11. 11.
    Das Zitat Rosa Luxemburgs auf der Rückseite des Einbands und die in den Vorurteilen der 70er Jahre reichlich befangene Einleitung A. Schmidts rechtfertigen diese Einstufung. Vielmehr läßt sich zeigen, daß Langes Anziehungskraft damals wie heute daraus resultiert, daß er als der erste reflektierte Nachmarxist gelten kann.Google Scholar
  12. 12.
    Diese Horizontdurchbrechung steht in diametralem Gegensatz zu Dilthey und dessen Zelebrierung der kulturellen Eingeschlossenheit. Dilthey hat dies ja auch direkt beanstandet: Einleitung, S. 177 .Google Scholar
  13. 13.
    Die Terminologie findet sich z.B. Geschichte, S. 988.Google Scholar
  14. 14.
    ibid., S. 513.Google Scholar
  15. 15.
    ibid., S. 985.Google Scholar
  16. 16.
    ibid., S. 984.Google Scholar
  17. 17.
    ibid., S. 986.Google Scholar
  18. 18.
    ibid., S. 987.Google Scholar
  19. 19.
  20. 20.
    Sinn d. Wertf, S. 523.Google Scholar
  21. 21.
    II. Knies, S. 62.Google Scholar
  22. 22.
    W. Schluchter: Rationalismus der Weltbeherrschung. Studien zu Max Weber (Frankfurt 1980), S. 256.Google Scholar
  23. 23.
    Geschichte, S. 508fGoogle Scholar
  24. 24.
    ibid., S. 454.Google Scholar
  25. 25.
    Max Weber und die deutsche Politik 1890–1920 (Tübingen 1959/74), S. 39; Science, Values and Politics in Max Weber’s Methodology (København 1972), S. 58f.Google Scholar
  26. 26.
    Jugendbriefe, S. 257.Google Scholar
  27. 27.
    ibid., S. 261.Google Scholar
  28. 28.
    ibid., S. 260.Google Scholar
  29. 29.
    Geschichte, S. 506f. Die Frage der Apriorität des Sittengesetzes, die für Kant zentral ist, von Lange aber abgelehnt wird, können wir übergehen. Was Weber und Lange wesentlich war, ist die Auffassung, daß wir “uns hinsichtlich der Sittlichkeit unsres Handelns ganz und gar in die intelligible Welt versetzen (müssen)” (ibid., S. 507). Webers Absicht Emmy gegenüber ist offensichtlich: er kritisiert vehement die von ihr vertretene “naturalistische Ethik” — also ihr Ansinnen, ethische Urteile im Sein zu begründen, d.h. die Taten eines Übeltäters mit den “Verhältnissen” entschuldigen zu wollen (Jugendbriefe, S. 256).Google Scholar
  30. 30.
    Denn auch Kuno Fischer (dessen Kollegien in Webers Jugendbriefen mehrmals erwähnt sind) war ein entschiedener Anhänger der “Zwei-Welten-Perspektive”, wie dies mit aller Deutlichkeit das folgende Zitat aus Köhnkes schönem Werk (op.cit., S. 260) belegt. Dieses Zitat handelt von “Trendelenburgs Absicht, ‘das Ideale im Realen zu befestigen’: Die Kant- und Fischer-Kritik Trendelenburgs und die Lange-Kritik Cohens stimmen in dieser Tendenz überein, den Zusammenhang von Idealem und Realem wissenschaftlich begründen zu wollen, um damit dem rein transzendentalen Idealismus im Sinne Fischers ebenso wie dem als agnostizistisch verstandenen Verzicht auf eine wissenschaftliche Begründung der Weltanschauung im Sinne Langes entgegenzuwirken. Was Weber von Fischer hörte, konnte ihn für Lange nur einnehmen.Google Scholar
  31. 31.
    Leb.bild, S. 198.Google Scholar
  32. 32.
    Fr. Paulsen: Einleitung in die Philosophie (1892), hier nach der Ausg. Stuttgart 1924, S. 63. Ellissens Werk hat den schlichten Titel: Friedrich Albert Lange und wird nach der “wohlfeilen Ausgabe”, Leipzig 1894, zitiert.Google Scholar
  33. 33.
    ibid., S. VI.Google Scholar
  34. 34.
    Dem Lebensbild Marianne Webers entnehmen wir (S. 216), daß Weber mit ihm freundschaftlich verkehrte; von P. Honigsheim: “Erinnerungen an Max Weber”, in KZfSS 15 (1963), S. 178, wissen wir, daß er ihn auch später noch verehrte: “Wenn Kant heute wiederkäme, würde er wohl nur Riehls Art zu philosophieren als adäquat anerkennen”, soll Weber, irgendwann um 1910, erklärt haben.Google Scholar
  35. 35.
    “‘Kritizismus und Spinozismus’, so faßte er gerne ... das ganze seiner Philosophie ... zusammen.” So das editorische “Vorwort” zur 2. Ausgabe des Hauptwerks von Riehl: Der Philosophische Kritizismus und seine Bedeutung für die positive Wissenschaft III (1. Aufl. 1887; 2. Aufl., Leipzig 1926).Google Scholar
  36. 36.
    Der phil.Krit. III, S. 196–203.Google Scholar
  37. 37.
    ibid., S. 117.Google Scholar
  38. 38.
    ibid., S. 342.Google Scholar
  39. 39.
    Andere Kandidaten, wie Mach und Avernarius, Lazarus und Steinthal, Dilthey, Cohen, Wundt oder Brentano sind mit der alleroberflächlichsten Kenntnis Webers hier unmittelbar auszuschließen. Besonders bemerkenswert ist jedoch, wie desinteressiert der junge Weber an Windelband gewesen zu sein scheint.Google Scholar
  40. 40.
    Die Arbeiterfrage. Ihre Bedeutung flir Gegenwart und Zukunft liegt in drei verschiedenen Ausgaben vor. Die erste, eine Broschüre (1865), wurde als Gelegenheitsschrift konzipiert, um Langes Haltung zu den Vorgängen auf dem “Vereinstag deutscher Arbeitervereine” ein halbes Jahr zuvor zu erläutern. Hier saß er mit Bebel, L. Sonnemann (der ihn später “dringend auffordern” sollte, in die Leitung der Frankfurter Zeitung mit einzutreten (Ellissen, op.cit., S. 152)) und Max Hirsch im Ausschuß, und versuchte eine Vermittlung zwischen Lassalleanern und dem Schulze-Delitzsch-Flügel (“Staatshülfe” versus “Selbsthülfe”). Bald ist er jedoch enttäuscht ausgeschieden: “Vorne wird getrommelt, aber hinten sind keine Soldaten” (Elhssen, S. 150). — Die zweite Ausgabe der Arbeiterfrage von 1870 wurde im Umfang verdoppelt und verfolgte einen wissenschaftlichen Anspruch. Hier findet sich eine der ersten Auseinandersetzungen mit Marx (wenn nicht gar die erste) und seinem, wenige Jahre zuvor erschienenen Kapital I: im 5. Kapitel, das einen Umfang von 50 Seiten hat. Das grundlegend problematische bei Marx sei seine Befangenheit in hegehanischer Philosophie, “die spekulative Form (schließe) sich eng an die Manier des Vorbildes an (...) ... und (dränge) sich zum Nachteil seiner Wirksamkeit mühsam in den Stoff ein (...)” — “Marx darf ... wohl unbedenklich als der gelehrteste und scharfsinnigste Nationalökonom der Gegenwart bezeichnet werden, während wir dagegen manchem spekulativen Element seines Systems, auf das er vielleicht selbst ... grade den größten Werth legt (so namentlich seiner Werth-Theorie) keine bleibende Bedeutung beilegen können” (S. 236f)). — Mit der dritten Ausgabe (Winterthur 1874) war das Buch — Lange war durch seine Krebserkrankung, die anderthalb Jahre später zu seinem Tode fuhren sollte, am Verlassen seines “Studirzimmers” gehindert — “zu einer theoretischen Darlegung geworden”, die er von den “bedeutenden Arbeiten Brentanos” beeinflußt betrachtete (S. V–VII).Google Scholar
  41. 41.
    Geschichte, S. 1003.Google Scholar
  42. 42.
    ibid., S. 998.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1999

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