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Webers Lösung: vollkontrollierte Schattenspiele

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Zusammenfassung

Endlich sind wir bei Webers eigenem Konzept angelangt. Bei diesem kreuzen sich Spuren von mehreren Vorgängern bzw. “Mitdenkern” zu einem originellen Ganzen, das seine Inspirationskraft bis heute bewahrt hat, obwohl (oder weil!) es bei weitem nicht völlig erschlossen und transparent gemacht worden ist. Schlüsselbegriffe Webers sind “denkende Ordnung der empirischen Wirklichkeit” und “Kausalprinzip”.1 Das eine besagt, daß wir im Erkennen etwas “ordnen”, das “wirklich” bzw. außerhalb von uns da ist,2 etwas, was das Erkennen irgendwie am Ende “bestimmt”, wohingegen die “Kategorie der Kausalität” als “Voraussetzung aller wissenschaftlichen Arbeit”3 identisch ist mit Langes “Axiom von der Begreiflichkeit der Welt”, das “die unbedingte Herrschaft des Kausalgesetzes ohne mystische Eingriffe irgendwelcher Art” impliziert. Gemäß der kritischen Erkenntnistheorie verhält es sich freilich so, daß die erkannte “Wirklichkeit” stets unser subjektives Produkt bleibt und jene “tatsächliche” Wirklichkeit mit ihren unüberschaubaren (elementarkausalen) Zusammenhängen keineswegs abzubilden vermag. Um zu vermeiden, daß wir am Ende mit bloß willkürlich-subjektiven Ergebnissen dastehen, will Weber zu einer “Ordnung” vorstoßen, die bewußt partiell bleiben soll, aber dadurch, daß sie sich der kausalen Erkenntnis gewissermaßen “anschmiegt”, dennoch dazu verhilft, Verständlichkeit und Gültigkeit zu “garantieren”. Mit der komplexen “tatsächlichen” Wirklichkeit können wir es ja nie aufnehmen. Was dem Erkennenden in dieser Situation zu tun übrig bleibt, läßt sich als eine Art “Schattenspiel” beschreiben. Die einzelnen Momente der uns interessierenden Vorgänge werden als kontrollierte Schattenrisse projiziert.

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Literatur

  1. 1.
    In Objektivität, S. 160, wird “Erkenntnis” mit “denkender Ordnung der empirischen Wirklichkeit” in eins gesetzt. — Weber äußert sich zum “Kausalprinzip” am präzisesten in III. Knies, S. 134f, vgl. auch die Fußnote.Google Scholar
  2. 2.
    Weber spricht von einer “geistigen Beherrschung des empirisch Gegebenen”. Vgl. Objektivität, S. 208.Google Scholar
  3. 3.
    Objektivität, S. 186.Google Scholar
  4. 4.
    Fichtes Idealismus und die Geschichte (1902) [hier zit. nach: Gesammelte Schriften I (Tübingen 1923)]. “Irrationalität” ist hier — im Gegensatz zu Rickerts ebenfalls 1902 erschienenem Hauptwerk — ein ganz zentraler Begriff. Der Aufsatztitel “Knies und das Irrationalitätsproblem” deutet hier also eher auf einen Verkehr mit Lask als mit Rickert hin. Die Verwendung von “Emanatismus” im Roscher-Aufsatz weist auf eine Auseinandersetzung mit Hegel hin, die zweifelsohne auf die Lektüre von Lasks Buch zurückzuführen ist. Bei Rickert findet sich diesbezüglich nichts Vergleichbares.Google Scholar
  5. 5.
    ibid., S. 173.Google Scholar
  6. 6.
    ibid., S. 117. (Alles im Orig. gesperrt).Google Scholar
  7. 7.
    Objektivität, S. 187f.Google Scholar
  8. 8.
    Lask: Fichte, S. 147.Google Scholar
  9. 9.
    Es sei darauf hingewiesen, daß Lange Lotze gegenüber nicht ohne Verständnis war. Besonders in einem großen Lexikonartikel zur “Seelenlehre” — woraus hervorgeht, daß die Formel “Welt der Werthe” wahrscheinhch von Lotze stammt — bleibt Lotze fast der einzige Deutsche, der als “Psychologe” gelobt wird (außer Helmholtz und Fechner). Ja, er sei sogar mit seinem Vermögen, die Empirie mit “tieferen” und “höheren” Fragen zu verbinden, hierin “facile princeps”! Seine Wertphilosophie wird aber von Lange ignoriert: der “letzte Grund der Sicherheit ... der streng empirischen Forschung” sei gerade in der “Abwendung von der ‘Welt der Werthe” zu suchen.” Siehe Encyklopädie des gesammten Erziehungsund Unterrichtswesens, Bd. 8, hrsg. v. K.A. Schmid, (Gotha 1870), S. 573–676, S. 657 u. S. 666f. — Dies nur als Erläuterung zu Lange! Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß Weber diesen Artikel gekannt hat.Google Scholar
  10. 10.
    Einleitung, S. 37 bzw. S. 89.Google Scholar
  11. 11.
    Habermas hat beispielsweise eine solche vorgelegt. In Erkenntnis und Interesse (Frankfurt 1968), wo er Rickerts Projekt zutreffend mit dem Verdikt eines nicht zur Entfaltung gebrachten Hegelianismus belegt, verrät der folgende Satz seine Dilthey-Befangenheit: “Die Kulturwissenschaft findet ihre Gegenstände bereits konstituiert vor” (S. 202). — Weber belastet unsere Erkenntnis nicht mit einem solch flagranten Vorurteil: jedweder scheinbar vorliegende Zusammenhang sei nachzuprüfen und dürfe nicht einfach unterstellt werden. Weber ist in seiner Rücksichtslosigkeit und Konsequenz der Modernere.Google Scholar
  12. 12.
    Grenzen (1929), S. 383: “kleine Ursachen — große Wirkungen”. In dieser späten, reifsten, mit Webers Argumenten also bekannten Ausgabe, läßt sich die Tiefe der Kluft zwischen den angeblichen “Genossen” ausmessen. Rickerts Ausgangsfrage ist eine allgemeine: “Wie gewinnt der Historiker eine allgemein verständliche und übertragbare Einsicht in den individuellen Zusammenhang dieser bestimmten historischen Ursache mit diesem bestimmten historischen Effekt?” (S. 388). Seine Antwort läßt sich wie folgt skizzieren: Nach der Zerlegung eines historischen Begriffes “S” in seine Bausteine a, b, c, d ... , suchen wir deren allgemein-begriffliche Ursachen α, β, γ, δ ... aufzuspüren. Wo diese vollständig von einem historischen Begriff “Σ” gedeckt sind, wäre dieser als Ursache füür “S” bestimmt. [Vgl. Simmels nahezu identischen Darlegungen in Probleme (1892!) (GSG 2, S. 340f.)]. — Dies ist jedoch ein Resultat, das Webers ganzen Aufwand an Denkarbeit über “adäquate Verursachung”, die weiter unten detaillierter behandelt wird, völlig unbeachtet läßt. Weber ließ sich dort von der Einsicht leiten, daß der Rekurs auf naturwissenschaftliche Begriffe nicht genügt, wir ihn aber auch nicht brauchen. Wie sehr Rickert die damaligen Arbeiten Webers ignorierte, zeigt auch das folgende Zitat: “Der Umstand, daß die Darstellung historischer Kausalzusammenhänge nur mit Hilfe von Begriffen möglich ist, die allgemeine Kausalbegriffe oder Naturgesetze als Elemente enthalten, weist von neuem darauf hin, daß die Geschichtswissenschaft es nicht allein mit allgemeinen Kollektivindividuen, sondern auch mit allgemeinen Begriffen, die nach naturwissenschaftlicher Methode gebildet sind, zu tun hat, und daraus ergeben sich Beziehungen zwischen der historischen und der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung” (S. 391). Doch genau hier setzt Weber erst an!Google Scholar
  13. 13.
    Siehe die für Weber gänzlich untypischen Ausfüihrungen Simmels in Probleme der Geschichtsphilosophie (3. Ausg.), S. 78–83: “Wenn diese (individuelle) Kausalität bestünde, so wäre begreiflich, daß die Individualität der Ereignisse der Ableitung aus allgemeinen Gesetzen widerstrebt, ohne doch wie zufällig und ursachlos entstanden in der Luft zu schweben” (S. 83).Google Scholar
  14. 14.
    Freilich nicht aus heiterem Himmel. Wieder war Simmel mit dem Inhalt des Begriffs zuerst da: “Nun findet aber thatsächlich eine ... Wertung des Historischen als solchen statt. Die Kenntnis der Thatsachen, die in ihm zusammengefaßt sind, interessiert uns eben; es erscheint uns wertvoll, die einzelnen Personen und die einzelnen Ereignisse zu kennen, durch die die Entwicklung unseres Geschlechts hindurch gegangen ist, und dieses Interesse hat völlige Selbständigkeit und Äquivalenz gegenüber dem an den Gesetzen, die uns nur die Möglichkeit der Ereignisse und den Zusammenhang ihrer anderweitig festgestellten Wirklichkeit, aber nicht diese selbst zugängig machen” (Probleme (1892) = GSG 2, S. 349). Als “Kriterien des Wertes” bezeichnet Simmel solche Größen, die “Form” geben. Mit einer eleganten Parallele zur zeitgenössischen “realistischen” Kunst (er besprach G. Hauptmanns Die Weber in Brauns Centralblatt in demselben Jahr) nimmt er jeder “Widerspiegelungstheorie” ihre Berechtigung: “Zu der Selbsttäuschung, als könnte man sich in der Historie rein an die Wirklichkeit halten, ohne von Gesichtspunkten, die außerhalb ihrer liegen, ihre Auffassung und Darstellung bestimmen zu lassen, bietet die realistische Kunst eine lehrreiche Analogie. Wenn die Reaktion gegen den Idealismus, welcher nur die schönen ... Teile ... auswählte, zu einer besonderen Begünstigung des Häßlichen ... geführt hat, so ist offenbar auch dies nicht der rein objektive Realismus, als der es gelten will, sondern nur eine Verlegung des Schwerpunktes der Interessen ... . Es ist nur ein Idealismus mit umgekehrten Vorzeichen, eine Auswahl aus der Wirklichkeit von anderen Kriterien des Wertes aus, aber nicht ein Verzicht auf Auswahl überhaupt ... . Auch (die Geschichtserzählung) tritt mit einer apriorischen Formel an die Wirklichkeit heran, nach der sie diese verdichtet” (S. 392, Anm.). Oder zusammenfassend (S. 394): “Es giebt keine realistische Geschichtsbetrachtung in dem Sinne, daß sie Betonung und Formgebung des Materials durch eine ihm jenseitige Idee von Sinn und Bedeutung des Ganzen ausgeschlossen wäre.” Auf dem Rickertschen Begriff der “Wertbeziehung” beharrt jedoch Weber; seine Hinweise beziehen sich auch beinahe ausschließlich auf Werke von Rickert. In II. Knies, S. 92 (Anm.), findet sich sogar eine gewisse Zurechtweisung Simmels. Zur diesbezüglichen Anlehnung an Rickert vgl. u.a. K.-H. Nusser: Kausale Prozesse und sinnerfassende Vernunft. Max Webers philosophische Fundierung der Soziologie und der Kulturwissenschaften (Freiburg/München 1986)Google Scholar
  15. 14a.
    insb. S. 46ff.; ferner: P.-U. Merz: Max Weber und Heinrich Rickert. Die erkenntniskritischen Grundlagen der verstehenden Soziologie (Würzburg 1990)Google Scholar
  16. 14b.
    insb. S. 288ff. Zur Kritik von Rickerts Wertbeziehungslehre vgl. G. Oakes: Die Grenzen kulturwissenschaftlicher Begriffsbildung. Heidelberger Max Weber-Vorlesungen 1982 (Frankfurt/Main 1990), inbs. S. 111ff. u. S. 141ff.Google Scholar
  17. 14c.
    Außerdem: G. Oakes: “Rickerts Wert/Wertungs-Dichotomie und die Grenzen von Webers Wertbeziehungslehre”, in: V. Krech/G. Wagner (Hrsg.), Max Webers Wissenschaftslehre. Interpretation und Kritik (Frankfurt/Main 1994), S. 146–166.Google Scholar
  18. 15.
    II. Knies, S. 104.Google Scholar
  19. 16.
    Objektivität, S. 183.Google Scholar
  20. 17.
    op. cit., S. 117, S. 130. Die Zettel mit Webers Notizen waren während seiner intensiven Lektüre der Grenzen (im ligurischen Nervi, Januar 1903) angefertigt worden. Die Transkription dieser Notizen (GStA Berlin, Rep. 92, Nr. 31, Bd. 6, Umschlag: “Rickerts Werthe) ist vom Kgl. Botschafter H.H. Bruun gemacht worden.Google Scholar
  21. 18.
    Umittelbar hierauf folgen diese Ausfhrungen: “Daraus allein ergiebt sich schon, daß R.’s wenigstens in der Formulierung scharfe Grenzlinie zwischen ‘historischen’ Individuen (den auf Werthe bezogenen) und anderen thatsächlich nicht nur historisch und individuell flüssig gedacht werden muß, sondern daß vor Allem die unendliche Abstufung des Maßes, in dem die einzelnen Wirklichkeitsbestandteile wissenswerth sind, nicht ignoriert werden darf. [Der nun folgende Klammersatz wurde von Weber gestrichen: Durch die Lust am Fabulieren und an der Befriedigung der rein menschlichen Neugier ist die Auslese des Historischen ursprünglich bedingt worden]. Auf diesen, in ihrer Abstufung stets im Fluß befindlichen Differenzen des Interesses, welches die Einzelnen, das jeweilige Publikum des Historikers, den einzelnen Bestandteilen der empirischen Wirklichkeit zuwenden, und nicht nur auf dem Grade der Allgemeinheit oder etwa gar der Normgemäßheit dieses Interesses ruht in der Wirklichkeit jene Auswahl, welche dabei angesichts der Schranken unsres Aufnahmevermögens nach dem ‘Princip der Wirtschaftlichkeit’ d.h. der Befriedigung zuerst des intensivsten Interesses verfährt. Der Grund des Interesses aber kann ein wenn nicht gradezu unendlich, so doch praktisch unerschöpflich verschiedener sein, — auch auf dem Gebiet der Culturerscheinungen, von dem Interesse des Briefmarken- und Pantoffelsammlers bis zu dem höchsten, was unser Herz bewegt.” Weber spinnt seine Ausführungen über den Status der Werte, auf die wir etwas “beziehen”, weiter. Rickerts Kerngedanke von der “Allgemeinheit oder etwa gar Normgemäßheit” dieser Werte wird immer wieder abgewiesen. Es gibt in den Notizen hierzu nicht weniger als drei Anläufe, was einerseits für die von Weber empfundene Wichtigkeit der Thematik spricht, andererseits aber auch Absichten in Richtung einer Publikation erkennen lassen dürfte. Hierzu ist es aber nicht gekommen. Auch in Webers publiziertem Werk gibt es so gut wie keine direkte Kritik an Rickert. “Sobald man aber hinter den faktisch vorfindlichen jeweiligen Schranken des historischen Interesses in ihrerfaktisch vorfindlichen Abstufung noch etwas Andres, Objektives suchen will, betritt man das Gebiet der Normen, d.h. man sucht dann nach einem [dauernd geltenden] Princip, aus welchem deduziert werden könnte nicht etwa nur wofüür überhaupt wir uns ein für allemal interessieren sollten sondern, in welchem Gradverhältnis unser Interesse an den einzelnen Teilen der Wirklichkeit sich abzustufen habe. Nur dies ist ja [schließlich] der ins Triviale übersetzte Sinn jener ‘Werthmetaphysik’, in der R. ausmündet [für unentbehrlich hält]. An dieser Stelle muß es genügen, den Zweifel an die Möglichkeit einer inhaltlichen Erfassung derartiger Normen auszusprechen und nur hinzuzufiigen, daß ein solcher Zweifel sehr wohl auch mit einer Auffassung vereinbar wäre, welcher in der ‘absoluten Gültigkeit’ bestimmter ‘Werthe’ (wir würden sagen: ‘Interessen’) mehr als einen bloßen Grenzbegriff sieht. Die logische Möglichkeit einer ‘formalen’ Ethik zeigt jedenfalls daß in dem Begriff von Normen ... nicht schon die Sicherheit inhaltlicher Formulierbarkeit liegt.” [Klammer = von Weber gestrichen]. In den Notizen, die sich im Umschlag “Historische Weltauffassung” befinden, findet sich diese Äußerung: “Während die consequenten philosophischen Vertreter dieser emanatistischen Ethik unweigerlich zu bestimmten metaphysischen Aufstellungen, mindestens zur Annahme der Absolutheit des Werthes jener Ideahtät, in welche der Einzelne eingegliedert werden soll, gedrängt werden — so jetzt Rickert — pflegen andere, darunter die meisten Historiker, diese metaphysische Consequenz zu ignorieren.” Es kann also kein Zweifel darüber bestehen, daß Weber über das Werk von Rickert keine falschen Vorstellungen hatte.Google Scholar
  22. 19.
    Vgl. G. Wagner: Geltung und normativer Zwang (op.cit.), S. 122ff.Google Scholar
  23. 20.
    Objektivität, S. 213.Google Scholar
  24. 21.
    Vgl. F. Jaeger: Bürgerliche Modernisierungskrise und historische Sinnbildung. Kulturgeschichte bei Droysen, Burckhardt und Max Weber (Göttingen 1994), Abschnitt: “Chaos und Kultur. Die Anthropologie der Kulturwissenschaften”, S. 209ff.Google Scholar
  25. 22.
    Auch diese Anmerkungen sind dankenswerterweise von H.H. Bruun nutzbar gemacht worden.Google Scholar
  26. 23.
    Jetzt GSG 2, S. 385.Google Scholar
  27. 24.
    Brief vom 29.03.06 (MWG II/5, S. 64).Google Scholar
  28. 25.
    Marianne Webers Ausführungen zum Unterschied zwischen Sizilianern (Katholiken) und “nordischen Menschen” (Protestanten) enthalten mögliche Andeutungen: “Die Orientierung des Lebens ... an der Idee einer sittlichen Weltordnung, an ‘Aufgaben’” seien den “Gefährten” als Manifestation “bewußten Daseins” selbstverständlich — aber “nur in der durch den kategorischen Imperativ mitgeprägten Heimat.” “Die Würde des Menschen verlangt Formung des Seins durch ein Soll und Opferbereitschaft dafüir” (Lebensbild, S. 367). Noch deutlicher in: Marianne Weber: Erfülltes Leben (Heidelberg 1946), insb. “Erste(r) Teil”: “Der ethische Aufbau des Daseins”, S. 3–101. — Ob solche Überlegungen bei Max Weber nicht eher auf Fichte als auf Kant weisen, wird im 10. Kap. erörtert.Google Scholar
  29. 26.
    Objektivität, S. 213. Erneut lohnt ein Blick in Langes Geschichte, wo die Werte oder Ideale nie vergessen werden: “Man gewöhne sich, die Welt der Ideen als bildliche Stellvertretung der vollen Wahrheit für gleich unentbehrlich zu jedem menschlichen Fortschritt zu betrachten, wie die Erkenntnisse des Verstandes ... “(S. 990). Hierauf folgt eine unerwartete Zustimmung zu Fichte: “Es ist daher nicht umsonst, daß Fichte der erste war, der in Deutschland die soziale Frage in Anregung brachte, die ja nimmer existieren würde, wenn die Interessen der alleinige Hebel menschlicher Handlungen wären, wenn die in der Abstraktion ganz richtigen Regeln der Volkswirtschaft als einseitig waltende Naturgesetze ewig und unabänderlich das Getriebe menschlicher Arbeiten und Kämpfe leiteten, ohne daß je die höhere Idee zum Durchbruch käme, für welche die Edelsten der Menschheit seit Jahrtausenden gelitten und gerungen haben” (S. 993). Zusammen mit “wertfreier” Verstandeserkenntnis werden die “höheren Ideen” also immer angerufen. — Mit der Nennung Fichtes, einem heimlichen, jedoch nicht gebührend in Betracht gezogenen Inspirator des Neukantianismus, schließt sich der Ring. In den vielleicht am meisten “idealistisch” gefärbten Publikationen Webers, seinen “Russland-Chroniken”, findet sich eine aufschlußreiche Charakterisierung Struves: “[Struves Aufsätze (1902) bezeugen] deutlich seine allmähliche Entwicklung vom reinen Marxismus zu einem an Fichte und der Idee der ‘Menschenrechte’ orientierten, Ssolowjows milden und ethischen Nationalismus in geistreicher Weise uminterpretierenden spezifisch ‘sozialliberal’-naturrechtlichen Standpunkt, wie ihn, — in der Hauptsache — auch Kistiakowski teilt” (MWG I/10, S. 95). In diesen Zeilen kommt Webers Sympathie resp. Respekt für diese “Werte” zum Ausdruck. Hierauf ist später noch ausführlicher einzugehen. Andererseits ist daran zu erinnern, daß Weber sich etwa zur selben Zeit zu Rickerts Konzept der “Wertbeziehung” mehr als zustimmend äußert. In einem an Rickert adressierten Brief vom 3.11.1907 (MWG II/5, S. 414–418) findet Weber dessen Darlegungen — gemeint ist Rickerts Beitrag “Geschichtsphilosophie” im “Reader” der Südwestdeutschen Schule: Die Philosophie im Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts [W. Windelband (Hrsg.), 2. Aufl. (Heidelberg 1907)] — “noch berzeugender” als die entsprechenden Ausführungen zur ersten Auflage von 1905. Rickerts Abhandlung schließt mit einer bezeichnenden Aufgabenverteilung: “Der Philosophie bleibt, nachdem sie das ganze Gebiet des empirischen Seins den Spezialwissenschaften zur Erforschung überlassen und auf eine Erfassung des metaphysischen Wesens der Welt verzichten muß, das Reich der Werte als ihr eigentliches Gebiet” (S. 419). Webers Begeisterung kannte keine Grenzen: “Höchst anziehend und anregend ist Alles, was in Abschnitt III steht” (MWG II/5, S. 417). Auch wenn man diesen Text mit einem an Lange geschulten Blick liest, wird man wenig Störendes finden. “Die Transzendenz des Wertes bedeutet aber gerade seine zeitlose Geltung, ... niemals aber kann man ... die Geltung der Werte auf ein in der Zeit ablaufendes metaphysisches Sein gründen” (S. 418); — Rickerts “gültige” Werte können also den “Sprung” vom Intelligiblen in die Welt des (zeitlich) Seienden nicht machen. Was die Werte tragen, sei vielmehr der Subjektivismus, und mit ihm die angebliche Freiheit: “Es ‘dreht sich’ jetzt wieder alles um das Subjekt. (...) Durch diesen ‘Subjektivismus’ sind die Fundamente der empirischen Naturwissenschaft nicht etwa angetastet, sondern nur noch mehr befestigt, die Fundamente des Naturalismus als Weltanschauung, der jeden Sinn des Historischen leugnet, dagegen völlig untergraben. (...). Der autonome Mensch läßt der Wissenschaft, die das alte Weltbild zerstört hat, bei der Erforschung der ‘Natur’, mit Einschluß des psychischen Lebens, jede beliebige Freiheit. Doch nie wird er zugeben, daß diese Wissenschaft vom Sein der Dinge irgend etwas über Wert oder Unwert, über Sinn oder Sinnlosigkeit des Weltlaufes mitzureden habe; denn er ist sich als praktische Vernunft seiner ‘Freiheit’ als des wahren Sinnes der Welt und ihrer Geschichte absolut gewiß” (Rickert, op.cit., S. 408). Es ist nochmals darauf hinzuweisen, daß sich bei aller Zustimmung Webers zu Rickert deimoch keine Zustimmung zu Rickerts Behauptung von der Allgemeingültigkeit der Werte finden läßt. — Andererseits belegen diese Zeilen, daß Webers “Grundauffassung” wesentlich neukantianisch blieb und er den “Sprung” zu Nietzsche keinesfalls gemacht hat.Google Scholar
  30. 27.
    “Wohl das gröblichste Mißverständnis”. Siehe Sinn d. Wertf., S. 508.Google Scholar
  31. 28.
    Am klarsten: Siehe die zweite Hälfte von Wiss.Beruf Google Scholar
  32. 29 5. Aufl. der Grenzen (1929), S. 183: “So daß wir ihn nicht mehr zu den prinzipiellen Gegnern ... rechnen dürfen.” Siehe auch S. 758f.Google Scholar
  33. 30.
    “Was als Recht, Moralität und Sittlichkeit, als Kunst, Religion und Philosophie die geschichtliche Verwirklichung normativ allgemeiner Werte in Kulturgütern darstellt.” So unter Berufung auf Hegel, mit dem sich Rickert in Übereinstimmung glaubt, Grenzen, S. 525. — Der Entwurf eines Systems ist bekanntlich bei Weber nirgends zu finden.Google Scholar
  34. 31.
    Jaspers, der Rickert alles andere als freundlich gesonnen war, erinnert hieran: Philosophische Autobiographie (1977), S. 37.Google Scholar
  35. 32.
    Grenzen, S. 220. Man bemerke die für Weber äußerst untypische Formulierung: “von selbst”.Google Scholar
  36. 33.
    Überzeugend hat jüngst G. Oakes die “Grenzen” Rickerts demonstriert (“Rickerts Wert/Wertungs-Dichotomie und die Grenzen von Webers Wertbeziehungslehre”, in: Max Webers Wissenschaftslehre, op.cit., S. 146–166). Weber trifft diese Abrechnung freilich nicht, da seine “Wertbeziehung” nicht “die Welt als Kultur konstituieren” möchte, sondern viel bescheidenere Intentionen verfolgt: nämlich die einer Kausalanalyse, die nicht “gültige”, sondern vielmehr transparent gemachte, “handliche” Objekte darzubieten vermag. — Rickerts Wertbeziehung erscheint kontemplativ-ästhetisch, auf eine Ganzheit zielend, angelegt; Webers Wertbeziehung dagegen — dynamisch und subjektivistisch — zielt letztlich auf Handeln. Google Scholar
  37. 34.
    Um eine präzise Formulierung anzubieten, die zugestandenermaßen einem anderen Kontext entlehnt ist. Siehe Ed.Meyer, S. 259. Hierauf folgt: “Jede Gegenwart (stellt) neue Fragen an das historische Material.”Google Scholar
  38. 35.
    Der in H.G. Gadamers späteren Hermeneutik zentrale Begriff “Wirkungsgeschichte” hat eine Art Vorläufer in E. Meyers Geschichtslehre. Diesem Konzept spricht Weber jegliche Berechtigung ab, in: Ed.Meyer, passim.Google Scholar
  39. 36.
    Objektivität, S. 213.Google Scholar
  40. 37.
    Webers Rüffel an Rickert lautet: “naive Selbsttäuschung”. Vgl. Objektivität, S. 181.Google Scholar
  41. 38.
    Meyer vertrat das damals sehr verbreitete Konzept der “Erfolgskausalität”. Er vertrat sogar die Ansicht, daß “die Gegenwart nicht Gegenstand der Geschichte werde”, weil “man noch nicht wisse und wissen könne, welche ihrer Bestandteile sich in Zukunft als ‘wirksam’ erweisen.” Vgl. Ed.Meyer, S. 260.Google Scholar
  42. 39.
    y = f(x); z.B.: s = 1/2 gt2 (das Fallgesetz).Google Scholar
  43. 40.
    Eine klassische Formulierung dieses Gedankens findet sich bei bei Lange, Geschichte, S. 576, Anm. 34: “Je mehr die intellektuelle Kultur fortschreitet, desto mehr wird eine solche Läuterung zum Bedürfnisse.”Google Scholar
  44. 41.
    Paul Honigsheim teilt mit, daß Weber um 1913 “mit großer Verehrung” über Sigwart gesprochen habe. Vgl. “Erinnerungen an Max Weber”, in: KZfSS 15 (1963), S. 178. Daß Sigwart zur Zeit der Abfassung von Webers Methodenessays ein oft zitierter Name war, zeigt beispielsweise allein das Durchblättern von Gesellschaft und Einzelwesen. Eine Methodologische Untersuchung, der Straßburger Dissertation Bogdan Kistiakowskis (Berlin 1899). Einen ähnlichen Eindruck hinterläßt auch die Preisschrift Die Tatsache des Wollens von Tönnies, die als Diskussion von Sigwart angelegt ist und ebenfalls aus dem Jahre 1899 stammt. Zwar wurde das letztgenannte Werk erst 1982 publiziert, vermittelt dafür aber einen unmittelbaren Eindruck von der damaligen Atmosphäre; Kistiakowskis Buch hat Weber nie zitiert, doch ist bekannt, daß beide später in regem intellektuellem Verkehr standen.Google Scholar
  45. 42.
    Dieser Abschnitt findet sich in der zweiten Auflage der Logik von 1888 sowie erneut in der hier verwendeten vierten von 1911 (Tübingen), Band II, S. 186. Sollte Weber von Sigwart etwas übernommen haben, dann betraf dies wohl die zweite Auflage und nicht die dritte vom Herbst 1904, bei der diese Zeilen weggelassen waren.Google Scholar
  46. 43.
    Es heißt, daß es zwischen beiden “nur einen Knick” gebe, also keinen Wesensunterschied. Vgl. III. Knies, S. 135 (Anm.).Google Scholar
  47. 44.
    Obj. Mög., S. 269, Anm. 3.Google Scholar
  48. 45.
    III. Knies, S. 135.Google Scholar
  49. 46.
    Auch W. Gephart: Gesellschaftstheorie und Recht. Das Recht im soziologischen Diskurs der Moderne (Frankfurt/Main 1993), insb. S. 421ff., diskutiert den Handlungsbegriff resp. die Handlungslehre Webers, interessiert sich jedoch füür deren “Genese (...) aus dem Geist der Jurisprudenz.”Google Scholar
  50. 47.
    Münsterberg: Grundzüge (op.cit.), S. xxiiif. — Mehr dazu im 10. Kap.Google Scholar
  51. 48.
    II. Knies, S. 45.Google Scholar
  52. 49.
    Stammler, op.cit., S. 340f.Google Scholar
  53. 50.
    ibid., S. 342.Google Scholar
  54. 51.
    W&G, S. 1.Google Scholar
  55. 52.
    (Tübingen, 1901), S. 70.Google Scholar
  56. 53.
    GSG 6, S. 256f.Google Scholar
  57. 54.
    II. Knies, S. 69f.Google Scholar
  58. 55.
    II. Knies, S. 67.Google Scholar
  59. 56.
    ibid., S. 70.Google Scholar
  60. 57.
    Einleitung, S. 36ff.Google Scholar
  61. 58.
    Für viele soll hier stellvertretend der ansonsten fr Weber sehr eingenommene H.S. Hughes herangezogen werden. In Consciousness and Society (New York 1958, S. 187) versteht dieser absolut nicht, was Weber mit “the method of ‘Verstehen’” will: “The murkiest of many dark corridors in the labyrinth of German social-science method.”Google Scholar
  62. 59.
    II. Knies, S. 94.Google Scholar
  63. 60.
    Dies wird erst 1920 klar formuliert. Vgl. W&G § 1, 1,5, S. 3f.Google Scholar
  64. 61.
    II. Knies, S. 94.Google Scholar
  65. 62.
    ibid., S. 95 (Anm.).Google Scholar
  66. 63.
    III. Knies, S. 110.Google Scholar
  67. 64.
    Obi. Mögl., S. 279f.Google Scholar
  68. 65.
    Wissenschaftsgeschichtlich mag interessant sein, einmal zu prüüfen, wieviel Kant selbst bereits vorweggenommen hat. Schon Lange weist wiederholt darauf hin, daß Kant zentrale Themen des Darwinismus gewissermaßen “im Vorgriff” erörtert habe. Riehl bringt hierzu wichtige Belegzitate von Kant, aber auch solche, die jegliche Teleologie aus der (Natur-) Wissenschaft verbannen.Google Scholar
  69. 66.
    Stamm. Übw. , S.x 309f.Google Scholar
  70. 67.
    Riehl, op.cit., S. 247.Google Scholar
  71. 68.
    A. Riehl: Philosophie der Gegenwart (Leipzig 1902; hier zit. nach der 4. Aufl. 1912), S. 168f.Google Scholar
  72. 69.
    ibid., S. 312.Google Scholar
  73. 70.
    GSG 6, S. 254.Google Scholar
  74. 71.
    ibid., S. 259f.Google Scholar
  75. 72.
    ibid., S. 257.Google Scholar
  76. 73.
    ibid., S. 612f.Google Scholar
  77. 74.
    III. Knies, S. 128, Anm. 1.Google Scholar
  78. 75.
    ibid., S. 129. — Webers umständliche Darstellungsweise mag wohl ein Grund dafüür sein, daß dieser Schrift ein bescheidener Erfolg beschieden war!Google Scholar
  79. 76.
    Objektivität, S. 206.Google Scholar
  80. 77.
    Hans Joas, der Max Webers “Rationalisierung als einen überpersönlich sich ereignenden, Anpassung erzwingenden historischen Vorgang deutet, für den gleichwohl der Name der Vernunft benutzt wird”, mag hier statt vieler zitiert werden. Vgl. Praktische Intersubjektivität. Die Entwicklung des Werkes von G.H. Mead (Frankfurt 1980), S. 39.Google Scholar
  81. 78.
    Legitimation of Belief(Cambridge 1974), S. 206f.Google Scholar
  82. 79.
    II. Knies, S. 65.Google Scholar
  83. 80.
    Geschichte, S. 870f., S. 984f.Google Scholar
  84. 81.
    Ein solcher Mechanismus sei “doch selbst wieder nur ein mit Notwendigkeit auftauchendes Bild eines unbekanntes Sachverhaltes” (ibid., S. 871).Google Scholar
  85. 82.
    Probleme der Geschichtsphilosophie, S. 348f. Dort erscheint zum ersten Mal der Ausdruck “Wirklichkeitswissenschaft” als Kontrastbegriff zur “Gesetzeswissenschaft”.Google Scholar
  86. 83.
    Zur neueren Diskussion vgl. u.a. C. Lindner: “Max Webers handlungstheoretisches Programm füür die Soziologie”, in: J. Weiß (Hrsg.), Max Weber heute (Frankfurt/Main 1989), S. 358–370.Google Scholar
  87. 83a.
    Ferner: K.-S. Rehberg: “Kulturwissenschaft und Handlungsbegrifflichkeit. Anthropologische Überlegungen zum Zusammenhang von Handlung und Ordnung in der Soziologie Max Webers”, in: G. Wagner/H. Zipprian (Hrsg.), Max Webers Wissenschaftslehre (Frankfurt/Main 1994), S. 602–661.Google Scholar
  88. 84.
    III. Knies, S. 129. Noch 1917 verwendet Weber dieselbe Ausdrucksweise. Auch hier geht es um “technisch teleologische Sätze” als “einfache Umkehrung von Kausalsätzen”. Vgl. Sinn d. Wertf., S. 538.Google Scholar
  89. 85.
    Geschichte, S. 899.Google Scholar
  90. 86.
    ibid., S. 912.Google Scholar
  91. 87.
    Obj.Mögl., S. 273.Google Scholar
  92. 88.
    ibid., S. 268. Auffallend ist seine Ablehnung der methodologischen Beiträge E. Bernheims, eines damals angesehenen Historikers.Google Scholar
  93. 89.
    In: Abhandlungen des kriminalistischen Seminars. Neue Folge I (Berlin 1902; hrsg. v. F.v. Liszt), S. 320–408. Die Bekanntschaft Webers mit Radbruch hat bisweilen dazu verleitet, in dieser Abhandlung die eigentliche Quelle für Webers Konzept zu sehen. In Wirklichkeit ist jedoch, wovon man sich durch Lektüre leicht überzeugen kann, v. Kries der wichtigere Impuls.Google Scholar
  94. 90.
    Aus Anlaß des 70en Geburtstags: L.v. Bortkiewicz: “Die Theorie der Bevölkerungs- und Moralstatistik nach Lexis”, in Jahrb. f Nat.ök. u. Stat. III, 27 (Halle 1904; hrsg. v. J. Conrad), S. 230–254Google Scholar
  95. 90a.
    und A.A. Tschuprow: “Die Aufgaben der Theorie der Statistik”, in Jahrb. f Gesetzgebung (usw.) 29 (Berlin 1905, hrsg. v. G. Schmoller), S. 421–480.Google Scholar
  96. 91.
    Ellissen: Lange (op.cit.), S. 97ff.Google Scholar
  97. 92.
    Geschichte, S. 1005.Google Scholar
  98. 93.
    Zu Menger vgl. u.a. W. Schluchter: “Max Weber und Alfred Weber. Zwei Wege von der Nationalökonomie zur Kultursoziologie”, in: H.G. Nutzinger (Hrsg.), Zwischen Nationalökonomie und Universalgeschichte. Alfred Webers Entwurf einer umfassenden Sozialwissenschaft aus heutiger Sicht (Marburg 1995), S. 199–221.Google Scholar
  99. 94.
    Die Principien der Wahrscheinlichkeits-Rechnung. Eine logische Untersuchung (Freiburg 1886); hier rekapituliert in v. Kries (1888), op.cit., S. 180.Google Scholar
  100. 95.
    Geschichte, S. 843.Google Scholar
  101. 96.
  102. 97.
    ibid., S. 847.Google Scholar
  103. 98.
    Obj.Mögl., S. 270, Fn.Google Scholar
  104. 99.
    Tschuprow, op.cit., S. 437. — S. Turner & R. Factor meinen dagegen, daß Weber sich in seinen letzten Jahren an Stuart Mill angeschlossen und die Kantische Kausalitätslehre aufgegeben habe. Vgl. “Objective Possibility and Adequate Causation in Weber’s Methodological Writings”, in The Sociological Review 29 (1981), S. 5–28.Google Scholar
  105. 100.
    Obj. Mög., S. 269, Anm. 3.Google Scholar
  106. 101.
    Die Arbeit mit Stichproben war erst in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts in der Statistik ernst genommen worden. Die theoretische Begründung kam erst ein paar Jahrzehnte später hinzu. Siehe z.B. das Werk des dänischen Braun-Beiträgers H. Westergaard: Contributions to the History of Statistics (London 1932), S. 263f.Google Scholar
  107. 102.
    Bortkiewicz, op.cit., S. 249.Google Scholar
  108. 103.
    ibid., S. 247 (meine Hvhb.).Google Scholar
  109. 104.
    Direkt auf v. Kries hinweisend: Tschuprow, op.cit., S. 440.Google Scholar
  110. 105 .
    Kries, op.cit., S. 190.Google Scholar
  111. 106.
    ibid., S. 202.Google Scholar
  112. 107.
    ibid., S. 202.Google Scholar
  113. 108.
    ibid., S. 181.Google Scholar
  114. 109.
    ibid., S. 191.Google Scholar
  115. 110.
    Bortkiewicz, op.cit., S. 232. Webers Roscher-Aufsatz von 1903 wird explizit zitiert.Google Scholar
  116. 111.
    III. Knies, S. 132.Google Scholar
  117. 112.
    ibid., S. 132.Google Scholar
  118. 113.
    Dieser Terminus ist notabene v. Kries’ und soll nicht mit Windelbands Ausdruck “nomothetisch” verwechselt werden. Webers Überlegungen an dieser Stelle haben damit nichts zu tun.Google Scholar
  119. 114.
    Siehe z.B. Objektivität, S. 111ff.Google Scholar
  120. 115.
    III. Knies, S. 112f.Google Scholar
  121. 116.
    III. Knies, S. 113.Google Scholar
  122. 117.
    ibid., S. 113.Google Scholar
  123. 118.
    Deutlich zurückgewiesen: Vgl. z.B. ibid., S. 134.Google Scholar
  124. 119.
    Obj.Mög., S. 282.Google Scholar
  125. 120.
    ibid., S. 283.Google Scholar
  126. 121.
    ibid., S. 285.Google Scholar
  127. 122.
    ibid., S. 286.Google Scholar
  128. 123.
    Dieses Argument wird im Schlußabschnitt von Obj.Mög. erneut aufgegriffen, ja sogar ausgebaut. Ein Grund mehr, die Vermutung eines gänzlichen Neuanfangs bei seinen Überlegungen zurückzuweisen. Siehe W&G, S. 5: § 1, 1,6.Google Scholar
  129. 124.
    Obj.Mög., S. 287.Google Scholar
  130. 125.
    ibid., S. 287.Google Scholar
  131. 126.
    Vielleicht sollte darauf aufmerksam gemacht werden, daß spätere Entwicklungen in der Selbstauffassung der Naturwissenschaften hieran nichts änderten. Zwar ist der elementarkausale “Gesetzesabsolutismus” zugunsten von probabilistischen Lehren aufgelöst worden, aber das strikt “anti-anthropomorphe” Erkenntnisideal regiert weiterhin unumstritten. Siehe hierzu die von L. Krüger, L.J. Daston und M. Heidelberger herausgg. Sammelbände: The Probabilistic Revolution I u. II (Cambridge, Mass. (1987)). — Zu v. Kries siehe den Aufsatz A. Kamlahs hierin, der (Bd. I, S. 110) dessen Principien aus dem Jahre 1886 als “the most intelligent and sophisticated book on probability in Germany before World War I” charakterisiert.Google Scholar
  132. 127.
    Immer wieder betont Weber dies, z.B. II. Knies, S. 96, Anm. 2, gegen Gottl gerichtet, aber gerade auch gegen nahestehende “Gesinnungsgenossen”, wie z.B. Lask. Vgl. z.B. den an Rickert gerichteten Brief vom 3.11.1907 (MWG II/5, S. 416).Google Scholar
  133. 128.
    Geschichte, S. 987. Vgl. Webers wichtige anti-hermeneutische Klarlegung des Dingbegriffes, III. Knies, S. 108f.Google Scholar
  134. 129.
    W&G, S. 1.Google Scholar
  135. 130.
    Vgl. die Kopie von Webers Handexemplar, die in der Münchener Arbeitsstelle der MWG aufbewahrt wird. Während es als sicher gilt, daß alle Marginalien beim “Aachener Exemplar” von Simmels Philosophie des Geldes von Ed. Baumgarten in Weber-ähnlicher Kurrentschrift hinzugefügt wurden, stammen jene in Simmels Soziologie aller Wahrscheinlichkeit nach größtenteils von Weber und nur zum Teil von Baumgarten.Google Scholar
  136. 131.
    So drastisch hat sich Baumgarten in seinen Anmerkungen zur Ph. d. Geldes allerdings nicht ausgedrückt.Google Scholar
  137. 132.
    Gemeint ist der bisher nur in Levines Übersetzung (in Social Research 39 (1972), S. 158–163) publizierte, mir jedoch in Bruuns Transkription zugänglich gemachte Text: “Georg Simmel als Soziologe und Theoretiker der Geldwirtschaft”. Dieser Text bricht nach einem groß angelegten Anfang nach einigen wenigen Seiten abrupt ab. — D. Levine hat den Text sicher lesbarer gemacht (so ist der unglaublich lange Eingangssatz in elf Sätze aufgebrochen worden!). Wie schwierig indessen das sinngetreue Übersetzen ist, veranschaulicht die Übersetzung des hier besonders wichtigen Ausdrucks “Seinsprobleme”. “Empirical questions” mag eine angemessene Übersetzung sein, die jedoch die hier interessierende philosophische Problematik völlig unberücksichtigt läßt.Google Scholar
  138. 133.
    Das etwas strapazierte Thema “Weber — Marx” mag durch Quellenstudien, die Webers Umfeld der 90er Jahre betreffen, in neuem Licht erscheinen. So könnte beispielsweise Marianne Webers Abhandlung Fichtes Sozialismus und sein Verhältnis zur Marx’schen Doktrin (Tübingen 1900), herangezogen werden, um das Minimum an Marx-Kenntnissen Webers zu ermitteln. Dem verbreiteten Vorurteil, daß Webers Marxverständnis weitgehend von Kautsky geprägt sei, entzieht allein schon dieser “Maßstab” jegliche Berechtigung. Marx wird vielmehr mit Hilfe von Fichte und Hegel domestiziert — und dementsprechend abgewiesen. (Noch 1987 vermag v. Brocke zu behaupten (op.cit., S. 36): Weber “hat Marx vermutlich nie gelesen, die Rezeption erfolgte über Sombarts Schriften.” Spätestens seit der Publikation des Heidelberger Grundrisses (zu den Vorlesungen über Allgemeine (“theoretische”) Nationalökonomie von 1898) im Jahre 1990 sollte jedoch dieses Vorurteil korrigiert sein! Eine Hauptquelle Marianne Webers ist der Russe Petr B. Struve, dessen oben (Kap. 2) genannten Abhandlungen [Archiv 14 (1899)] in der Intention mit Webers “sozialpolitischem Neukantianismus” völlig übereinstimmen. Zunächst lese man Struves Ausfüihrungen, die sich von der Absicht leiten lassen, die “materialistische oder ... realistische Geschichtsauffassung” (S. 685) von den idealistischen Irrwegen Marx’ zu reinigen. Freilich soll die “Utopie ihr Recht” behalten: als “der in die Wissenschaft nicht aufgegangene autonome Rest des sozialen Ideals” (S. 703). Unmittelbar danach ziehe man das von Weber und Sombart anläßlich der Übernahme des Archivs verfaßte “Geleitwort” heran, das in die Gesammelten Aufsätze zur Wissenschafislehre nicht aufgenommen wurde (Archiv 19, S. i — vii). Auch Lange fehlt bei Struve nicht (S. 701), zumal er über ihn schon 1896 für die Brokgaus-Efron Enciklopedija einen sehr wohlwollenden Artikel verfaßt hatte (Bd. 17, S. 312–314: “Lange, Fridrich Albert”). — Zur Präsenz Langes im Umfeld von Struve, siehe auch N. Berdiajew: “Fr.A. Lange und die kritische Philosophie in ihren Beziehungen zum Sozialismus”, in Die Neue Zeit 17 (1899), S. 132–140; 164–174; 196–207. Berdiajew gehörte zur brillianten Gruppe der “Petersburger/Freiburger” “Neukantianer”, die 1905 bei den Ereignissen in Russland hervortreten sollten. — Dieser für das Verständnis von Webers Russlandschriften so wichtige Zeitbezug wird von R. Pipes in seinem Hauptwerk: Struve I — II, (Cambr. Mass. (1970–80) lebendig vermittelt. Anregend auch R. Kindersley: The First Russian Revisionists (Oxford 1962). — Webers Interesse an Russland, das H. Treiber, op.cit., im Kontext von Webers Freund- und Bekanntschaften in den Jahren nach 1905 erörtert hat, war, freilich ohne die persönliche Komponente, sicher schon in den 90er Jahren vorhanden. Schließlich hatte sein Freiburger Kollege Schulze-Gävernitz bereits in den Preussischen Jahrbüchern eine Reihe “Volkswirtschaftlicher Studien aus Rußland” publiziert, die unter diesem Titel 1899 in Buchform (in erweiterter Fassung) erschienen. Vgl. auch H. Treiber: “Max Weber und die russische Geschichtsphilosophie. Ein ‘erster Blick’ in Webers ‘ideale Bibliothek’. Mit einem thematisch begrenzten Exkurs zu ‘Weber und Tolstoi’”, in: V. Krech/H. Tyrell (Hrsg.), Religionssoziologie um 1900 (Würzburg 1995), S. 249–288.Google Scholar
  139. 134.
    Dem heute propagierten “methodologischen Individualismus” ist Weber keineswegs ohne weiteres zuzuordnen. Ohne näher hierauf einzugehen, wäre kritisch anzumerken, daß manche der unter diesem Banner segelnden, recht reduktionistischen Analysen gegenüber Webers breit angelegte “Kulturanalyse”, doch recht bescheiden ausfallen.Google Scholar
  140. 135.
    Kategorien, S. 434.Google Scholar
  141. 136.
    Als “paradox of consequences” hat der folgende Satz eine Verkürzung erfahren: “Es ist durchaus wahr und eine ... Grundtatsache aller Geschichte, daß das schließliche Resultat politischen Handelns oft, nein: geradezu regelmäßig, in völlig unadäquatem, oft in geradezu paradoxem Verhältnis zu seinem ursprünglichem Sinn steht” (Pol.Beruf S. 230).Google Scholar
  142. 137.
    Um ein aktuelles Beispiel zu geben: Auch wenn wir erheblich mehr “Sowjetologie” betrieben oder genügend andere einschlägige Studien herangezogen hätten, kein mit noch so enzyklopädischem Wissen Ausgestatteter hätte sich Anfang 1989 in der Lage gesehen, die Aussichten einer deutschen Vereinigung nur annähernd realistisch vorauszusehen.Google Scholar
  143. 138.
    W. Schluchter: Religion und Lebensführung, Bd.1, Studien zu Max Webers Kultur- und Werttheorie (Frankfurt/Main 1991), S. 189.Google Scholar
  144. 139.
    Dies ist auch der Tenor des berühmten Otto Gross-Briefes an Else Jaffé.Google Scholar
  145. 140.
    Alles Kategorien, S. 434 (Mein Ausrufzch.).Google Scholar
  146. 141.
    ibid., S. 435. Die Anspielungen auf die “Protestantische Ethik” sind unverkennbar!Google Scholar
  147. 142.
    Natürlich gibt es Übereinstimmungen in der Interessenrichtung, so beispielsweise bei “Macht” oder bei “okzidentaler Rationalität”. Und auch in der Bekämpfung aller (substantiellen) “Philosophie” — d.h. des Platonisch-Hegelschen Bestrebens, durch Gedankenarbeit vor den “Gang” der Welt zu gelangen und dieser das “Reagieren” vorzuschreiben — gibt es Parallelen. Doch wo Foucault die “Auflösung” des Subjekts predigt, um seine Destruktionsarbeit zu zelebrieren, geht Weber in die diametral entgegengesetzte Richtung. Der vom Poststrukturalismus verachteten, altmodischen Humanismus will er uns keineswegs zumuten, doch will er, “einen Rest des Menschentums frei(.)halten”, wie dies aus einem knappen Nebensatz hervorgeht, der zugleich sein am klarsten formuliertes Bekenntnis zu einem Ideal enthält! Vgl. hingegen die nachstehend wiedergegebenen Zeilen aus J.G. Merquiors sehr kompetentem Ikonoklasmus, in: Foucault (London 1985): “As Peter Dews has seen, Foucault purports ‘to dissolve the philosophical link — inherited by the Marxist tradition from German Idealism between consciousness, self-reflection and freedom, and to deny that there remains any progressive political potential in the ideal of the autonomous subject.’(...). To the gulf between Foucault’s views and the concept of freedom in German Idealism one might add that he was not close to ‘Western’ ideas of liberty either.” Merquior spielt hier auf Lockes civil liberties an; diese sind für Weber absolut grundlegend. “Sie sind uns (meist!) trivial — wie das tägliche Brot es ist” (MWG I/10, S. 675). Dies kann von Foucault leider nicht gesagt werden. Die jeweiligen Gnindanliegen der beiden Werke, ohne welche sie nicht verständlich sind, sind gegensätzlich: Rettung von “Resten des Menschentums” versus “fröhliche Selbstdestruktion”.Google Scholar
  148. 143.
    Vgl. K.-S. Rehberg: “Rationales Handeln als Großbürgerliches Aktionsmodell. Thesen zu einigen handlungstheoretischen Implikationen der “Soziologischen Grundbegriffe” Max Webers”, in KZfSS 31 (1979), S. 199–236, insb. S. 199–206.Google Scholar
  149. 144.
    Wiederum gibt Tönnies’ Schubladenwerk, Die Tatsache des Wollens, einen direkten Einblick in die damals vorherrschende Denkweise. Er operiert mit zwei Arten des Wollens. Zunächst unterscheidet er ein “organisches Wollen A”, das “das natürliche Ergebnis des gesamten Gefühlslebens”, eine “Einheit von Gefühlen und Gedanken” sei, also eine “Tätigkeit” (T.s Wort für “Handeln”), die dem Typus “Gemeinschaft” entspreche. Dann ein “rationales Wollen B”, wo sich “Konzeption des Zweckes und Konzeption des Mittels von vornherein isoliert gegenüber(stehen)”, wo “die Unterscheidung von Zweck und Mittel, von Wirkung und Ursache mithin Voraussetzung” sei, — also eine “Tätigkeit”, die dem Typus “Gesellschaft” genau entspreche. Siehe Tönnies, op.cit., S. 70–73.Google Scholar
  150. 145.
    “Il n’y a pas d’hors-texte”, wie die Derridasche Weisheit es haben will, — eine Formulierung, die den größten Gegensatz zu Lasks “brutaler Wirklichkeit” ausmacht.Google Scholar
  151. 146.
    Zweckbegriff und Systemrationalität (Frankfurt 1968), S. 12, Anm. 4, wo die einschlägigen Stellen aus II. Knies genannt werden; siehe auch die Diskussion in Kap. 1, passim.Google Scholar
  152. 147.
    Zur Parallele Existentialismus/Kierkegaard hier nur soviel: Kierkegaard war insofern der erste moderne Subjektivist, als er uns jede Möglichkeit, die Werte unseres Lebens innerhalb sozialer Zusammenhänge zu finden, absprach. Derjenige “Spießbürger”, der sich den angebotenen Rollen der Gesellschaft als Verankerung seines Lebens verschreibt, sei restlos verloren. Nur durch die völlige Weltablehnung, durch den “Sprung” in einen “absurden” Gottesglauben, gelangten wir an gültige Werte, die rückwirkend (aber nur durch Gottes Gnade!) dem Leben einen Sinn gäben. Bei Weber ist das Bewußtsein von unserer zwanghaften Anpassung an feste Verhaltensmuster der Gesellschaft sogar stärker (siehe z.B. Kategorien, S. 430). Die uns zugeteilten Rollen haben aber mit unseren privaten “höchsten Werten” keine Verbindung. Wie er dennoch zu einer “Persönlichkeits”-Lehre kommt, die dem Handeln in der Gesellschaft mehr als zufälligen Sinn zuweist, wird im Kap. 10 ausführlicher behandelt.Google Scholar

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