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Niklas Luhmann: Die (Selbst-)Sozialisation des Intransparenten

  • Alfred Schäfer

Zusammenfassung

Die Systemtheorie Niklas Luhmanns stellt gegenüber der eingangs erwähnten struktur-funktionalistischen Gesellschaftstheorie Parsons’ eine Neuorientierung dar. Während es Parsons um die Erklärung der Möglichkeit gesellschaftlicher Ordnung ging — einer als stabile Orientierungssicherheit verbürgend verstandenen Ordnung, bildet die Unmöglichkeit der Aufhebung von Unsicherheit den Ausgangspunkt der Theorie der Systembildung bei Luhmann. ›Kontingenz‹ gibt in dieser Theorie nicht nur, wie bei Parsons, den logischen Ausgangspunkt für die Perspektive ihrer Aufhebung in einer Theorie gesellschaftlicher Werte und diesen entsprechenden Institutionen und psychischen Strukturen ab, sondern der Sachverhalt, daß nichts notwendig, aber auch nichts unmöglich ist, daß mithin auch alles anders möglich ist240, bildet nicht nur das Movens emergenter Systembildung, sondern auch, als deren unlösbares Problem, die Bedingung ihrer Instabilität und damit: ihrer evolutionären Entwicklungsnotwendigkeit.

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Literatur

  1. 240.
    So lautet die Bestimmung von Kontingenz bei Luhmann 1984, S. 152.Google Scholar
  2. 241.
    So hat ›Sozialisation‹ eigentlich nur die Funktion einer Illustration des allgemeiner angelegten Konzepts der Interpenetration: vgl. Luhmann 1977 und 1984, S. 325ff.Google Scholar
  3. 242.
    Luhmann übernimmt dieses Konzept von Maturana 1982.Google Scholar
  4. 243.
    Luhmann 1972, S. 29.Google Scholar
  5. 244.
    Ebenda S. 32.Google Scholar
  6. 245.
    Ebenda S. 32f.Google Scholar
  7. 246.
    Vgl. Laing 1969.Google Scholar
  8. 247.
    Luhmann 1972, S. 33.Google Scholar
  9. 248.
    Vgl. ebenda S. 36.Google Scholar
  10. 249.
    Vgl. ebenda S. 36f.Google Scholar
  11. 250.
    Ebenda S. 38f.Google Scholar
  12. 251.
    Ebenda S. 40. ›Selektion‹ betont als Begriff die Kontingenz des (individuellen) Wahlaktes in Einheit mit jener Unsicherheit, die durch die Bewußtheit der latent bleibenden, aber immer auch vorhandenen anderen Wahlmöglichkeiten gegeben ist.Google Scholar
  13. 252.
    Vgl. ebenda S. 40f.Google Scholar
  14. 253.
    Ebenda S. 65 (Hervorhebung von N. Luhmann). Institutionalisierung über die unterstellte Perspektive des Dritten einzuführen, ist eine in der Soziologie gebräuchliche Perspektive.Google Scholar
  15. 254.
    Vgl. ebenda S. 83.Google Scholar
  16. 255.
    »Die Steigerung der Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen — das ist die Formel, die Gesellschaftstheorie, Evolutionstheorie und Theorie der Kommunikationsmedien verbindet« (Luhmann 1982, S. 10).Google Scholar
  17. 256.
    Vgl. Luhmann 1984, S. 22.Google Scholar
  18. 257.
    Vgl. ebenda S. 26.Google Scholar
  19. 258.
    Luhmann hat die wissenschafts- bzw. erkenntnistheoretischen Implikationen eines ›operativen Konstruktivismus‹ ausführlich in seinem Buch über ›die Wissenschaft der Gesellschaft‹ darzulegen versucht: vgl. ders. 1990.Google Scholar
  20. 259.
    Es kann an dieser Stelle nicht um eine Auseinandersetzung mit der Zentrierung der Wirklichkeitskonstruktion mit Hilfe des Beobachterkonzepts oder der Logik G.S. Browns gehen (vgl. dazu etwa Schulte 1993; Ruhloff 1996). Vielmehr ist die Darstellung dieses Konzepts bedeutsam als Hintergrund für das Verständnis der Luhmann’schen Fassung des Autopoiesis-Konzepts.Google Scholar
  21. 260.
    Dies läßt sich auch an der Unterscheidung von Operation und Beobachtung verdeutlichen. Die Operationen eines Systems sind (auch für dieses selbst) beobachtbar, aber die mit Hilfe einer Unterscheidung operierende Beobachtung ist das, was über eine Bezeichnung ›Realität‹ konstituiert. Diese ›Realität‹ kann durch die Rekursivität des Beobachtens, die Beobachtung zweiter Ordnung, gestützt oder auch problematisiert werden; jedoch kann das Kriterium der Stützung oder Problemarisierung niemals eine behauptete Übereinstimmung zwischen (beobachteter) Operation und Beobachtung sein (vgl. Luhmann 1990, S. 77ff.).Google Scholar
  22. 261.
    Vgl. Luhmann 1984, S. 26.Google Scholar
  23. 262.
    Das psychische System ist eine Sichtweise, unter der das Konstrukt des Menschen für Luhmann dekomponiert werden kann: Es abstrahiert von Körperlichkeit/Leiblichkeit ebenso wie von zugeschriebener Identität/Personalität oder anderen integrativen Konzepten.Google Scholar
  24. 263.
    Luhmann 1990, S. 23f.Google Scholar
  25. 264.
    »Dagegen ist und bleibt Kommunikation immer das Prozessieren einer Unterscheidung als Unterscheidung — und zwar der Unterscheidung von Information und Mitteilung« (ebenda S. 20f.).Google Scholar
  26. 265.
    Ebenda S. 24.Google Scholar
  27. 266.
    Ebenda S. 35.Google Scholar
  28. 267.
    Ebenda S. 25f.Google Scholar
  29. 268.
    Ebenda S. 39.Google Scholar
  30. 269.
    Ebenda S. 37.Google Scholar
  31. 270.
    Luhmann 1977, S. 72.Google Scholar
  32. 271.
    Ebenda S. 67 (im Original kursiv). Die System/Umwelt-Unterscheidung soll hier nicht weiter erläutert werden, da sie in der Theorie autopoietischer Systeme näher expliziert wird. Die System/Umwelt-Unterscheidung bildet eine Art Vorläufer der Theorie selbstreferentieller Systeme.Google Scholar
  33. 272.
    Ebenda S. 72.Google Scholar
  34. 273.
    Daher wird das Konzept der Interpenetration (und damit auch die sozialisationstheoretische Perspektive) in der Theorie sozialer Systeme (Luhmann 1984) wieder aufgenommen.Google Scholar
  35. 274.
    Luhmann 1995, S. 57.Google Scholar
  36. 275.
  37. 276.
    Vgl. ebenda S. 65.Google Scholar
  38. 277.
    Ebenda S. 66f.Google Scholar
  39. 278.
    Vgl. Luhmann 1995a.Google Scholar
  40. 279.
    Luhmann 1990, S. 15.Google Scholar
  41. 280.
  42. 281.
    Es geht nur um eine erkenntnistheoretische Abgrenzung des Konstruktivismus von einem radikalen Relativismus. In der Explikation des operativen Konstruktivismus, in dem das Konzept der Autopoiesis eine zentrale und weiter oben angedeutete Rolle spielt, kommt genau dieser Aspekt ›sozialer Vermitteltheit‹ nicht mehr vor.Google Scholar
  43. 282.
    Luhmann 1982, S. 21.Google Scholar
  44. 283.
    Vgl. Luhmann 1984, S. 224.Google Scholar
  45. 284.
    Luhmann 1975, S. 172.Google Scholar
  46. 285.
    Ebenda S. 175.Google Scholar
  47. 286.
    Luhmann 1982, S. 23.Google Scholar
  48. 287.
    Luhmann 1971, S. 345.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Alfred Schäfer

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