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U. Oevermann: Die Struktur sozialisatorischer Interaktion

  • U. Oevermann
Chapter

Zusammenfassung

Wenn man unter Alterität die durch den Einzelnen im Verstehensprozeß mitkonstituierte Andersheit des Anderen und damit auch die Unverfügbarkeit und Unsicherheit der über die ›Perspektivenübernahme‹ ermöglichten eigenen Identität versteht, dann stellt sich die Frage, wie man diesem Sachverhalt im Rahmen einer objektivierenden Beschreibung von Sozialisationsprozessen gerecht werden will. Wie läßt sich die Genese einer dem Individuum unverfügbaren Identität aus der Darstellung seiner sozialen Vermitteltheit einsichtig machen? Wie ist es möglich, das, was sich in der Vermittlung als ihr radikal Anderes, sich ihr systematisch Entziehendes, konstituiert, selbst noch aus der Vermittlung zu begreifen?

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Literatur

  1. 143.
    Vgl. Oevermann 1995.Google Scholar
  2. 144.
    Vgl. Oevermann 1979, S. 146. Oevermann denkt hier an den kompetenztheoretischen Ansatz Chomskys und an das von Piaget entworfene Stufenmodell.Google Scholar
  3. 145.
    Vgl. hierzu ebenda S. 158ff.Google Scholar
  4. 146.
    Vgl. ebenda S. 162.Google Scholar
  5. 147.
    Vgl. ebenda.Google Scholar
  6. 148.
    Oevermann 1976, S. 43.Google Scholar
  7. 149.
    Vgl. Oevermann 1979, S. 155.Google Scholar
  8. 150.
    Oevermann 1976, S. 36.Google Scholar
  9. 151.
    Ebenda (im Original gesperrt).Google Scholar
  10. 152.
    Hier ist auf den bereits in der Einleitung skizzierten Ansatz Foucaults zu verweisen: vgl. ders. 1976.Google Scholar
  11. 153.
    Oevermann 1976, S. 36.Google Scholar
  12. 154.
  13. 155.
  14. 156.
    Vgl. Foucault 1974, S. 384ff.Google Scholar
  15. 157.
    Oevermann 1976, S. 37.Google Scholar
  16. 158.
  17. 159.
    Vgl. als Überblick zu dieser Problematik Gamm 1994.Google Scholar
  18. 160.
    Oevermann u.a. 1976, S. 372f.Google Scholar
  19. 161.
    Vgl. ebenda S. 397. Die hier angezeigte Theoriestrategie, mittels eines missing link, das in einer Minimaltheorie expliziert werden kann, Grundlegungsfunktion für die Lösung weitreichender Probleme selbst im interdisziplinären Bereich übernehmen zu können, ist typisch für die Herangehensweise Oevermanns. Man findet sie in jener Handlungskonzeption wieder, die Handlung als Bewährung unter Unsicherheit versteht (vgl. den nächsten Abschnitt) und mit der Oevermann zugleich ein Strukturmodell für die Notwendigkeit von Religiosität, Lebenspraxis und sozialer Zeit zu geben beansprucht. Die apodiktische Gewißheit, mit der dort der alttestamentarischen Mythologie ein für die Neuzeit entscheidendes Rationalisierungspotential zugesprochen und etwa dem Islam abgesprochen wird, steht in umgekehrt proportionalem Verhältnis zum theoretischen Instrumentarium, mit dem solche Ergebnisse erzielt werden. Allerdings paßt die jahrelang geübte kryptische Inszenierung einer ›Veröffentlichung‹ von ›grauen Papieren‹ gut zu dieser Haltung ›ex cathedra‹.Google Scholar
  20. 162.
    Vgl. Oevermann 1976, S. 41.Google Scholar
  21. 163.
    An dieser Stelle sei die Zwischenbemerkung eines Pädagogen gestattet. Aus pädagogischer Sicht ist die Ineinssetzung von sozialisatorischer Interaktion und Bildungsprozessen alles andere als selbstverständlich. Die Differenz beider war gerade ein treibendes Moment für die Formulierung kritischer Pädagogiken Ende der sechziger oder Anfang der siebziger Jahre. Während der Begriff der ›Sozialisation‹ für jene latenten Formungsprozesse stand, die sich hinter dem Rücken des intentional agierenden Pädagogen vollzogen und die seinen idealistisch-gesellschaftsfernen Anspruch auf Verfügung und Verantwortung über die Konstitution des kindlichen Subjekts in Frage stellten, stand der Bildungsbegriff (noch in der neuhumanistischen Tradition) für die Vorstellung einer gelingenden Selbstvervollkommnung des individuellen Subjekts — gerade auch gegen gesellschaftliche Ansprüche oder die Selbstbindung an eine für objektiv gehaltene Vernunft. Oevermanns Konzept kassiert genau das kritische Potential, das in dieser begrifflichen und theoretischen Unterscheidung liegt. In seinem Ansatz verschmelzen jene das Feld des pädagogischen Diskurses ebenso vermessenden wie eröffnenden Konzepte von Erziehung, Bildung und Sozialisation zu einem kaum noch zu entflechtenden Gemenge, das immer schon normativ ist und das größte Mühe hat, den Zugang zur schlechten, kritikwürdigen Realität noch zu finden, den diese Theorie für sich reklamiert.Google Scholar
  22. 164.
    Oevermann u.a. 1976, S. 389.Google Scholar
  23. 165.
    Oevermann u.a. 1976, S. 386.Google Scholar
  24. 166.
    Vgl. ebenda S. 389f.Google Scholar
  25. 167.
    Ebenda S. 389f.Google Scholar
  26. 168.
    Oevermann führt hier gleichsam die alte Differenz von Erziehung und Bildung aus der kritischen Perspektive der Bildungstheorie, die für ihn weiterhin mit der Sozialisationstheorie identifiziert wird, wieder ein. Aber er tut dies auf eine Weise, in der nur noch der negative Aspekt pädagogischen Handelns sichtbar wird, während ihr positiver Aspekt, der des Förderungsversuchs, weiterhin in der Einheit mit Bildungs- und Sozialisationstheorie belassen wird.Google Scholar
  27. 169.
    Genau davor hatte übrigens die neuhumanistische Bildungstheorie seit Humboldt immer gewarnt.Google Scholar
  28. 170.
    Oevermann 1995, S. 31.Google Scholar
  29. 171.
    Ebenda S. 34.Google Scholar
  30. 172.
  31. 173.
  32. 174.
    Da es hier nicht primär um das Modell der Religiosität geht, das Oevermann entwirft, sei nur darauf hingewiesen, daß eine Überschreitung der Endlichkeit nicht notwendig einen Gegensatz zur Kategorie der Unendlichkeit impliziert: Transzendenz bedeutet noch nicht die Annahme jener Unendlichkeit, wie sie etwa im Christentum postuliert wird, sondern kann durchaus in der Unbestimmtheit einer mythischen Zeit belassen werden. Die universalhistorische Bedeutung der Dialektik von Endlichkeit und Unendlichkeit ist eine Rekonstruktion aus der Perspektive des Christentums.Google Scholar
  33. 175.
    Ebenda S. 35f.Google Scholar
  34. 176.
    Ebenda S. 36. Despektierlich angesichts einer solchen Welterklärung auf 3 Seiten sei angemerkt, daß Oevermann seine Universalitätsobsession durch eine Konfundierung zu befriedigen sucht: Er schließt den Universalitätsanspruch als Begründungsanspruch einer These mit der universellen Geltung des Inhalts dieser These kurz und gewinnt so jenen Standpunkt, in dem die objektiv-universale Gesetzlichkeit in einem universalen Bewußtsein sich zur Geltung bringt.Google Scholar
  35. 177.
    Ebenda S. 39.Google Scholar
  36. 178.
    Hier ist die Interpretation der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies durch Oevermann zu erwähnen, auf die nicht näher eingegangen werden kann. Diese ist so angelegt, daß der Mythos dem Menschen klar macht, was der Preis seiner Freiheit sei: der Verlust der Unendlichkeit und das Aufgespanntsein seiner Lebenspraxis in jener die Bewährungsdynamik hervorrufenden Dialektik von Endlichkeit und Unendlichkeit (vgl. ebenda S. 67ff.).Google Scholar
  37. 179.
    Ebenda S. 62.Google Scholar
  38. 180.
    Ebenda S. 61.Google Scholar
  39. 181.
    Ebenda S. 93.Google Scholar
  40. 182.
  41. 183.
  42. 184.
    Ebenda S. 46.Google Scholar
  43. 185.
    Ebenda S. 46. Die Formulierung selbst enthält allerdings die in der deutschen Rezeption übliche objektivistische Verzerrung, da das Mead’sche ›Me‹ hier wiederum als Determination verstanden wird und nicht als unter Unsicherheit übernommene Perspektive, d.h. auch als ›subjektive Leistung.Google Scholar
  44. 186.
  45. 187.
    Ebenda S. 45.Google Scholar
  46. 188.
    Ebenda S. 39f.Google Scholar
  47. 189.
    Ebenda S. 42.Google Scholar
  48. 190.
    Ebenda S. 43. Dies ist Oevermanns Kennzeichnung des strukturalistisch verstandenen Übergangs von der Natur zur Kultur.Google Scholar
  49. 191.
    Ebenda S. 47.Google Scholar
  50. 192.
    Ebenda S. 48.Google Scholar
  51. 193.
    Ebenda S. 82.Google Scholar
  52. 194.
    Vgl. ebenda S. 50.Google Scholar
  53. 195.
    So die bereits zitierte Stelle auf S. 93.Google Scholar
  54. 196.
    Vgl. ebenda S. 40, wo Oevermann davon spricht, daß »das ›Zur-Autonomie-VerurteiltSein‹ zu Bewußtsein kommen« müsse.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • U. Oevermann

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