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Das Problem des Ortes

  • C. Isenkrahe
Chapter
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Part of the Sammlung Vieweg book series (SV)

Zusammenfassung

A. Anknüpfung an einen prinzipiellen Satz Weyls. — Brentanos „intentionale Objekte”. — Scheidung derselben in intra- und transmentale. — Zu welcher von beiden Arten gehört der „Ort”? — Kants „nur”. — Wegscheiden Nr. 10 und 11.

B. Mehrheit von Orten. — Inwiefern ist ein Ort nicht der andere? — Was heißt „Ortsversetzung”? — Das „Herausreißen aus dem Bewußtseinsström. — Wegscheiden Nr. 12, 13, 14, 15. — Orte als Herbergen für Körper.

C. Anwendung des Ordnungsprinzips der Mengenlehre auf die Menge von Orten. — Beiziehung weiterer Grundbegriffe. — Wegscheiden Nr. 16 und 17. — Ort und „Feld”. — Das Feld und seine „Besetzung”. — Unklarheiten in der Verwendung der Begriffe : Feld, Kaum, räumliche Leere, Zwischenraum zwischen Körpern, Fortpflanzung durch den Kaum, strömen, Geschwindigkeit.

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Notes

Referenzen

  1. 1).
    Dieses nin“ ist, weil von Hause aus eine lokale Präposition, hier nicht unbedenklich. Das „transzendente Objekt“ soll doch gerade nicht „in“, gerade nicht „innerhalb“ eines Bewußtseinserlebnisses befindlich sein. Eben darum wäre auch die ortsangebende Präposition „in“ vielleicht besser vermieden und statt dessen gesagt worden, das transzendente Objekt sei uns „gegeben“ vermittel s t eines Bewußtseinserlebnisses. — Mitunter ist die Benutzung des „in“ (z. B. „In den Augen liegt das Herz“) zwar eigentlich falsch, aber doch harmlos, manchmal jedoch reat verfänglich, namentlich wo „in“ und ‚trans“ („transzendent“) sich in begrifflicher Feindschaft gegenüberstehen.Google Scholar
  2. 1).
    Darauf deutet auch die schon zitierte Aussage Weyls einigermaßen hin in den Worten: „Wir setzen in der kontinuierlichen räumlichen Ausbreitung als letztes einfaches Element ein exaktes Hier, den Raumpunkt.“ — Und übrigens beispielsweise: Wenn eine Schar von Abgeordneten momentan ein gewisses Gebäude „erfiillt“, diese Abgeordneten sich aber im Stadtgebiete von Weimar befinden, so wird man natürlich urteilen, auch das „erfüllte“ Gebäude befinde sich in keinem anderen als im Weimarer Gebiete.Google Scholar
  3. 1).
    Wo dafür (was mitunter, z. B. auch von Hilbert geschieht) das Wort „Raumelement“ gebraucht wird, ist nicht das gemeint, was in der Differentialgeometrie im Gegensatz zum Linien- und Flächen- als Rau melement bezeichnet zu werden pflegt. Der Raumpunkt ist als Raum „element“ nicht ein- oder zwei- oder drei-, sondern nulldimensional. — Wenn vom „Ort“ eines Körpers (z. B. vorhin des Weylschen „Stuhles“) die Rede ist, so steht das Wort in einem weiteren Sinne für „Lage“ oder „Anwesenheitsstelle“ eines Körpers im Raume. Gegenüber dem exakten „Ort“ = „Raumpunkt“ = „individuell aufgewiesenen Hier“ bedeutet es dann eine „Mannigfaltigkeit von Orten“. Kommt es aber auf den scharfen Ausdruck exakter Gedanken an, so sollte man zur Vermeidung von Mißverständnissen den „Ort“ ebenso wie den „Augenblick“ nur punk tuell auffassen.Google Scholar
  4. 2).
    Vielfach wird von Schriftstellern, die das scharfe „nur“ Kants verwerfen, auf einen Ausspruch von Gauß verwiesen, der in seinem berühmten, an Bessel gerichteten Briefe enthalten ist und lautet: „Wir müssen in Demut zugeben, daß, wenn die Zahl bloß unseres Geistes Produkt ist, der Raum auch außer unserem Geiste eine Realität hat“ (vgl. u. a. Weber und Wellstein, „Enzyklopädie der elementaren Geometrie“, Leipzig 1905, Bd. II, S. 122). Mit obigen Worten hat Gauß, falls Wells teins Zitat genau ist, die Straße 1ob betreten; er wahrt dem Raume die ntransmentale“ Wirklichkeit.Google Scholar
  5. 2).
    Man kann die Sache allgemeiner fassen und sagen: Werden bei einem mit dem Namen „Verschiebung“ bezeichneten Ereignisse zwei Dinge, D1 und D2, in Betracht genommen und waltet kein eigens auf den Raum bezüglicher prinzipieller Unterschied zwischen D1 und D2 ob, so sind die Aussagen: „D1 ist in bezug auf D2“ und „D2 ist in bezug auf D1 verschoben“ als gleichberechtigte verwendbar. Waltet aber ein solcher Unterschied ob, so hebt er die Gleichberechtigung auf. Dieser Unterschied liegt offenbar dann vor, wenn für D1 der Grundsatz 11a, für D2 der kontradiktorisch entgegengesetzte Grundsatz 11 b maßgebend ist. Für D1 fällt dann jede lokale Relation, mithin auch die einer Verschiebung in bezug auf D2 weg, und würde sie dennoch behauptet, so bedeutete das eine logische Ungenauigkeit. Für D2 hingegen bleibt in Geltung, daß es in bezug auf D1 „verschoben“ werde.Google Scholar
  6. 1).
    Weyl gebraucht mehrmals den Ausdruck „Mietskaserne“. Er bringt (S. 87 f.) folgende Stelle, in der ich einige besonders bemerkenswerte Worte unterstreiche: „Riemann leugnet, was bis dahin immer die Meinung gewesen war, daß die Metrik des Raumes von vornherein unabhängig von den physikalischen Vorgängen, deren Schauplatz er abgibt, festgelegt sei, und das Reale in diesen metrischen Raum wie in eine fertige Mietskaserne einziehe; er behauptet vielmehr, daß der Raum an sich nichts weiter als eine völlig formlose dreidimensionale Mannigfaltigkeit ist und erst der den Raum erfüllende materielle Inhalt ihn gestaltet und seine M aßv erhältnisse bestimmt.” , Zu bemerken sind hier die Ausdrücke „metrischer Raum“ und „Manverhältnisse des Raumes“. Wegen dieser Sonderbezeichnung liegen die zitierten Sätze neben dem eigentlichen Gedankengange unseres hier vorliegenden Abschnitts , in welchem ja die Setzung irgendwelcher „Me ß“ akte im oder am Raume noch ganz außer Erwägung gelassen wurde und es sich nur erst handelt um eine Analyse derjenigen Gedanken, die ohne Komplikation mit dem schwierigen Begriff des „Messens“ vollzogen werden können. Doch auch in diesem engeren Rahmen läßt sich sehr wohl die Frage aufwerfen, ob der „Raum“ zur „Materie“ in einer ähnlichen Beziehung stehe, wie die „Kaserne“ oder „Herberge“ zum „Bewohner“. Gibt nun aber wie Weyl oben sagte — „der Raum den Schauplatz ab“ für nphysikalische Vorgänge“, wird er „von einem materiellen Inhalt erf üllt“ : heißt das denn viel anderes, als daß er von jenem „Inhalt“, der ihn „erfüllt“, auch bewohnt werde, und daß für alles, was mit dem Inhalt „physikalisch vorgeht“, eben diese Wohnung „als Schauplatz“ diene? — Nun könnte etwa noch besonders Ton gelegt werden auf die „Miet-Kaserne“. — Der Schnecke ist ihr Haus angewachsen, sie kann nicht heraus. Der „Mieter“ hingegen, z. B. der Einsiedlerkrebs, kann sein Schneckenhaus verlassen und in ein anderes einziehen. Gleicht nun „das .den Raum erfüllende Reale“ der Schnecke oder dem Krebse? Wenn jedes „Materiestück“ andauernd ein und denselben „Raumteil“ erfüllt, so stößt augenscheinlich der Begriff der „Bewegung“ (Näheres darüber im folgenden) auf große Schwierigkeiten. Erfüllt es aber nich t andauernd den gleichen Raumteil (gleich dem Krebse), so ist dieser ihm „Mietskaserne“; er kann Bich darin bewegen , kann Zimmer mit Zimmer, kann Ort mit Ort vertauschen. — Dem Vergleich mit der „Miet“wohnung entspricht auch Wey ls vorhin (S. 45) angeführter Satz: „Genau dasselbe Ding, welches bleibt, was es ist, kann so gut an irgend einer anderen Raumstelle sein, als an der, wo es sich wirklich befindet.“Google Scholar
  7. 1).
    Da die Zuhilfenahme von Meßakten hier überhaupt nicht in Betracht kommt, so kann es sich im vorliegenden Zusammenhange nicht um solche „Kennzeichen“ handeln, die, in algebraischen Symbolen ausgedrückt, irgendwelche Aussagen über me trische Beziehungen zwischen Ort und Ort (bzw. über den „metrischen Raum“) enthalten. Diese bilden eine Sache für sich und helfen hier nichts. Die Lage ist überhaupt dieselbe , wie die vorhin (S. 37) bezüglich zweier Zeitpunkte dargelegte. Wer bei den Wegscheiden Nr. 7 und Nr. 15 die b-Straße wählt, weiß keine Worte, um den die Identität zerstörenden Unterschied zwischen Raum- bzw. zwischen Zeitpunkten (diese an und für sich genommen) zu kennzeichnen. — Nun kann man sagen, daß zur Beschreibung von Unterschieden uns ja auch s on s t oft die geeigneten, genauen Worte fehlen. Wie soll man z. B. den Unterschied zwischen Rosenduft und Veilchenduft, den Unterschied zwischen Apfel- und Birnengeschmack kennzeichnend beschreiben? — In Fällen von solcher Art, bei denen mancherlei „spezifische Sinnesenergien“ in Betracht kommen, pflegt es aber, selbst wenn Chemie und Physiologie noch keine (was ja wohl eifrig angestrebt wird) hinlänglichen Mittel zur Verfügung stellen, doch eine ge ne t is che, auf der W i e derho 1 b ark e i t beruhende Kennzeichnung zu geben. Diese Methode versagt aber schon arm augenscheinlichsten bei den Zeitpunkten, versagt aber nicht minder, sobald man der Sache streng auf den Grund geht, auch bei den Orten.Google Scholar
  8. 1).
    Wollte man statt dieses Wortes mit Weyl die Unterscheidung „rechtslinks“ benutzen, so würde schon darin die „Bezugnahme auf ein drittes Etwas“, nämlich auf einen beide „Orte“ betrachtenden M ens chen und dessen eigene Körperhälften vorweggenommen sein. Die exakte Analyse hält sich besser davon frei. — Eine sehr einschränkende und sicherlich die tiefgreifendste Bezugnahme auf den Menschen liegt in Kants Ausspruch: „Der Raum ist nur eine Form unserer Anschauung“ (vgl. S. 42). Aus diesem läßt sich nämlich analog der Anmerkung zu S. 35 folgern: Fehlte unser Menschengeschlecht (und ein äquivalenter Ersatz), so fehlte auch „unsere Anschauung“, also auch deren „Form“, also auch — der nichts anderes als diese Form ist — der „R a um“, also auch die Mannigfaltigkeit von Orten, die wir mit den Ausdrücken nebeneinander, hintereinander, übereinander zu bezeichnen pflegen. Statt solcher räumlichen Mannigfaltigkeit — sofern sie eben „nur“ an der „Anschauung“ der Menschen klebt, wie die Mannigfaltigkeit von Augenblicken an seinem „stronhaften Bewußtsein“ — gäbe es dann in Wirklichkeit bloß eine nich t ausgedehnte Orts-Dieselbigkeit. — Augenscheinlich legt auch diese Theorie eine theologische Parallele nahe : Sowie nämlich die Dieselbigkeit aller Aug enblicke jede Sukzession im Sein zerstört und an übliche Aussagen von der „aeternitas“ erinnert, würde die Dieselbigkeit aller Orte jedes Nebeneinander im Sein zerstören und hindeuten auf die nomnipraesentia“ eines Wesens, das über den Zwang der menschlichen „Anschauung“ erhaben ist. Wohl eine bemerkenswerte Sache wäre es zweifellos, wenn die „Relativitätstheorie“ dadurch, daß sie gemäß der Einsteinschen Aussage die „physikalische Gegenständigkeit“ von Raum und Zeit als Trug erkennen ließ, gewissen theologischen Lehren eine Stütze darböte. Exakt darauf einzugehen, sei den zünftigen Theologen überlassen. Auch muß ich mir versagen, den Faden zu verfolgen, der von dem hier erörterten Punkte zurückläuft auf einen gewissen Gedanken Newtons (vgl. „das Endliche und das Unendliche“, S.57), aus dem der berühmte Briefwechsel zwischen Clarke und Leibniz sich entwickelt hat. Bezüglich des Thomas von Aquin sei der in der Anmerkung zu S. 35 gegebene Hinweis hier wiederholt.Google Scholar
  9. 1).
    Man könnte den Horaz variieren und sagen : „Spatium expellas furca, tamen usque recurret.“Google Scholar
  10. 1).
    Mein erstes amtliches Arbeitsfeld befand sich in der Stadt Krefeld, deren Name wohl von Krähenfeld abzuleiten ist, und die im Jahre 1758 zum Schlachtfelde wurde.Google Scholar
  11. 1).
    Durchaus vertraut ist uns die Vorstellung, zu einem verlassenen Orte, höchst befremdlich aber die, zu einem verlassenen Augenblicke im Leben noch einmal wieder zurückzukehren.Google Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig, Germany 1921

Authors and Affiliations

  • C. Isenkrahe

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