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Die Merkmale magischer Heilanwendungen im Unterschied zu nicht-magischem Vorgehen

  • Karl Ed. Rothschuh
Part of the Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften book series (VG, volume 225)

Zusammenfassung

Für magische Formen der Krankenbehandlung gelten in der Regel folgende Kennzeichen:
  1. a)

    die Heilwirkung geht, wie man meint, ohne sichtbare, materiell wirkende Mittelglieder, vielfach stoff- und energielos, vor sich, gewissermaßen spirituell. Man heilt z. B. die Gelbsucht durch Umhängen eines gelben Fadens oder sucht den Kropf durch das Abstreifen mit einer Totenhand wegzuwischen. Dabei wirkt die Vorstellung von sympathischen oder „sympathetischen“, geisterhaften oder kosmischen Einflüssen im Hintergrund häufig mit. Deshalb findet sich Iatromagie heute wie früher vielfach verbunden mit Iatrodaemonologie, Iatroastrologie und Iatrotheologie11.

     
  2. b)

    Wegen des quasi spirituellen Vermittlungsvorgangs bedürfen magische Heilwirkungen oft keiner direkten Einflufßnahme auf das kranke Organ, sie erfolgen auch ohne Bindung an räumliche Nähe oder an die übliche Zeitordnung. So werden magische Arzneimittel oft gar nicht eingenommen, sondern nur aufgelegt, z. B. ein Krebs auf die Krebsgeschwulst, der Regenwurm auf den Finger„wurm“ (= Panaritium). Auch tritt die Heilwirkung oft nicht gleichzeitig mit der Anwendung eines Krautes, sondern u. U. viel später ein, etwa wenn das zur Heilung aufgelegte Kraut verwest ist. Der „böse Blick“ und die Verwünschung überbrücken selbst große Entfernungen.

     

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Literatur

  1. 10.
    Besonders Paracelsus, G. B. della Porta, O. Croll; vgl. Rothschuh, K. E.: Konzepte der Medizin. Hippokrates-Verlag (im Druck).Google Scholar
  2. 11.
    Diese Terminologie ist begründet in dem in Anm. 10 zitierten Buch.Google Scholar
  3. 12.
    Schon Caspar Schott lehnt in der Magia Universalis Tom. IV. (1677) Lib. V. 469 als unglaubwürdig alles ab, was keine einsehbaren natürlichen Wirkungszusammenhänge besitzt, wo „nihil intervenit, quod ad sanationem conferendam naturaliter aliquid conferat“. Um 1680 geht die Zeit der Magia in der Wissenschaft zu Ende.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH Opladen 1978

Authors and Affiliations

  • Karl Ed. Rothschuh

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