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Die Entstehung des Mesoderms und des bilateralen Körperbaus: die Parenchymia (Platyhelminthes)

  • Hans-Ulrich Koecke
Part of the vieweg studium; Grundkurs Biologie book series (VSGB, volume 1)

Zusammenfassung

Der entscheidende Fortschritt in der Evolution der Histozoa ist die Erfindung einer weiteren Aufgliederung der Zelldifferenzierung gewesen. Die wesentlichen Voraussetzungen, nämlich die Bildung von Zeltkomplexen als Gewebeverband, die Herstellung echter Bindesgewebssubstanzen in Form von Kollagen und Bindegewebs-Mucopolysacchariden, die Zusammenfassung der Myofilamente des Cytoplasmas in Zellfortsätzen als muskuläre Elemente und die Differenzierung von Nervenzellen und Sinneszellen innerhalb des geschlossenen Gewebeverbandes haben die genetischen Grundlagen einer Weiterentwicklung geschaffen. Physiologische Regeneration differenzierter Zelltypen war durch die Population der Stammzellen gewährleistet, vielleicht aus solchen Stammzellen wird nun als wichtigstes Konstruktionsmerkmal eine dritte Zeltgruppe zwischen dem bedeckenden Ektoderm und dem Entoderm des Verdauungstraktes geschaffen, das dritte Keimblatt = Mesoderm. Bei der Embryonalentwicklung, die sich an die Teilungsvorgänge der Zygote (Furchungsteilungen) anschließt, wird sehr frühzeitig eine Zellgruppe zwischen Ektoderm und Entoderm abgegliedert, daher ihre alte Bezeichnung Mesoderm. Im Programm ihrer Zelldifferenzierung werden vor allem solche Gene aktiviert, welche die Synthese der Bindegewebssubstanzen und der muskulären Elemente mit ihrem speziellen Stoffwechsel betreffen. Die Epithelzellen der äußeren Körperbedeckung und der inneren Verdauungszellen werden damit von zusätzlichen Aufgaben entlastet, Bindegewebsgrundlagen des Körpers herzustellen bzw. die Bewegung des Körpers durchzuführen. Gewissermaßen wesentlichstes Konstruktionsmerkmal wird also jetzt eine Zellmasse im Inneren des Körpers, deren Zellen einzelne Teile des Genprogrammes bevorzugt ausbilden und zu spezialisierten Zellen werden. Es entsteht ein eigenes Bindegewebssystem und ein eigenes Muskelsystem. Die Epithelzellen, die bei den wirbellosen Tieren durch die Art ihres Gewebezusammenhanges immer nur einschichtig sein können, werden damit von zahlreichen Aufgaben befreit und können ihrerseits neue Entwicklungen durchführen. Daraus geht schon hervor, daß die Erfindung des Mesoderms nur ein multipler Vorgang gewesen sein kann, der gleichzeitig die Inaktivierung bestimmter Genprogramme in den Epithelzellen erreicht hat.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1982

Authors and Affiliations

  • Hans-Ulrich Koecke
    • 1
  1. 1.MarburgDeutschland

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