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Bakteriolyse und Hämolyse

Bordets und Ehrlichs Theorien
  • Werner Rosenthal
Part of the Die Wissenschaft book series (W, volume 53)

Zusammenfassung

Wir wenden uns einer neuen Gruppe von spezifischen, und zwar gegen Zellen gerichteten Antikörpern zu, deren Bedeutung für die ganze Immunitätstheorie die allergrößte ist. Ihre genauere Kenntnis ging aus von dem R. Pfeifferschen Cholera-Meerschweinchenversuch, der darin besteht, daß zur Prüfung eines spezifischen Choleraantiserums dieses gleichzeitig mit einer kleinen Menge virulenter Cholerabakterien einem Meerschweinchen in die Bauchhöhle eingespritzt wird. Wird bei einem derartigen Versuch zur Kontrolle statt des Antiserums physiologische Kochsalzlösung oder Normalserum derselben Tierart, von der das Antiserum stammt, genommen, so gehen diese Kontrolltiere an einer Vermehrung der Choleravibrionen in ihrer Bauchhöhle und darauf folgender Vergiftung in der Regel binnen 48 Stunden ein. Die Vermehrung der Choleravibrionen in diesem Falle kann man unter dem Mikroskop verfolgen, wenn man von Stunde zu Stunde durch die leicht verklebte Impfwunde Glaskapillaren in die Bauchhöhle einführt, und Tröpfchen der eingespritzten Flüssigkeit und des sich bildenden Exsudates zur mikroskopischen Untersuchung entnimmt. Man sieht dann, daß im Anfang wohl ein Teil der eingeführten Bakterien zugrunde geht und verschwindet, daß aber immer zahlreiche unveränderte und eigenbewegliche Choleravibrionen übrigbleiben, und schon nach wenigen Stunden eine lebhafte Vermehrung derselben einsetzt, die nun bis zum Tode des Tieres fortschreitet. Hat man dagegen ein gutes Anticholeraserum eingeführt, unter Umständen in winzigen Mengen, d. h. in starker Verdünnung mit Kochsalzlösung, so beobachtet man, daß die eingeführten Choleravibrionen schon nach sehr kurzer Zeit einer eigentümlichen Veränderung unterliegen, ganz ähnlich derjenigen, die man bei den Buch n e r schen Alexinversuchen im Glase, wenn auch nicht so ausgesprochen, beobachten kann. Die eigentlichen Vibrionen nämlich verblassen und in ihren Polen, zuweilen auch in der Mitte entstehen stark glänzende, rasch anschwellende Kugeln, in die sich ihr Protoplasma gewissermaßen zurückzieht. Diese Körnchen- oder Granulabildung nimmt immer zu, die unveränderten Bakterien verschwinden bald ganz, allmählich auch die Körnchen, indem sie immer größer und weniger lichtbrechend werden, also quellend sich auflösen; zum Teil werden sie vorher noch von Phagozyten aufgenommen. Am anderen Tage zeigt das betreffende Peritoneum nur ein geringes, Eiterzellen enthaltendes Exsudat, und das Tier bleibt am Leben. War das Antiserum nicht wirksam genug oder in zu geringen Mengen eingeführt, so kann man auch eine starke Körnchenbildung und lange dauernde Verminderung der Vibrionen und Hemmung ihrer Vermehrung beobachten, später aber tritt doch eine Vermehrung von einzelnen noch übriggebliebenen Bakterien ein, und der Endausgang ist Überschwemmung des Bauchfelles mit Bakterien und der Tod des Tieres.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1914

Authors and Affiliations

  • Werner Rosenthal
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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