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Herkunft der Immunstoffe. Gewebsimmunität

Erhöhte Disposition
  • Werner Rosenthal
Part of the Die Wissenschaft book series (W, volume 53)

Zusammenfassung

Die Herkunft der spezifischen Immunstoffe ist, ebenso wie die Herkunft des Komplements, uns noch unbekannt. Wir können sie nur im Blutserum und, schwieriger, in der Gewebslymphe nachweisen, aber notwendigerweise müssen sie durch Zellen produziert werden. Auch Bails neueste Anschauungl) verlegt zwar die Umbildung zu spezifischen Stoffen in die Säfte, nimmt aber doch eine vermehrte Produktion unspezifischer Antikörper durch Zellen an. Welche Zellen oder Organe dies leisten, können wir nur vermuten. Einige ältere Untersuchungen, besonders von R. Pfeiffer, scheinen zu zeigen, daß die Milz und andere Teile des hämatopoetischen Systems die Quelle der Antikörper seien, weil sie in der Lymphe dieser Organe nach der Impfung der Tiere zuerst und für einige Zeit in größerer Konzentration nachweisbar sind, als im Serum des Blutes. A. Wassermann und Citron haben nun Beobachtungen über die Gewebsimmunität gemacht,. die die allgemeine Bedeutung jener früheren Befunde vermindern. Sie führten nämlich wenig virulente Bakterien (Typhusbazillen bei Kaninchen) in gleicher Menge dem einen Teil der Versuchstiere intravenös, anderen intrapleural oder intraperitoneal ein und erzeugten bei diesen Tieren acht Tage später durch Aleuronateinspritzung Exsudate in den Pleura- und Peritonealhöhlen. Dann zeigten diese Exsudate bei den intravenös vorbehandelten Tieren ein geringeres bakterizides Vermögen als das Blutserum; bei der Bildung des Exsudats ging also nur ein Teil der im Serum vorhandenen bakteriziden Ambozeptoren in dieses über. Umgekehrt zeigten bei den örtlich vorbehandelten Tieren die Exsudate in der betreffenden serösen Höhle stärkere bakterizide Wirksamkeit als Blutserum und Exsudat der anderen Höhlen, so daß also die serösen Häute der vorbehandelten Höhlen auf den unspezifischen Reiz mit der Sekretion von Immunkörpern antworteten. Danach müssen wir wohl in ihnen auch die Produzenten von diesen sehen und dem Bindegewebe im allgemeinen, oder vielleicht den Endothelien (der Blut- und Lymphgefäße) diese wichtige Funktion zuschreiben. Denn auch Untersuchungen an der Bindehaut und an der vorderen Augenkammer lehren, daß die Bildung verschiedenartiger Antikörper vorzugsweise an den Stellen stattfindet, wo die Antigene resorbiert werden, daß sie dagegen in die Lymphe anderer Organe erst sekundär aus dem Blutserum und desto reichlicher gelangen, je lebhafter der Stoffwechsel des Organs und deshalb auch Blutversorgung und Lymphbildung in ihm sind. Milz, Knochenmark und Lymphknoten, bei intravenöser Impfung die Hauptstätten der Antikörperproduktion, sind es daher vielleicht nur deshalb, weil in ihnen die in den Kreislauf eingeführten Bakterien, wie andere körperfremde Substanzen, hauptsächlich festgehalten werden.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1914

Authors and Affiliations

  • Werner Rosenthal
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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