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Wechselwirkungen zwischen Wirt und Parasiten

Athreptische Immunität und die Bedeutung quantitativer Differenzen
  • Werner Rosenthal
Part of the Die Wissenschaft book series (W, volume 53)

Zusammenfassung

Ganz neuerdings sind von verschiedenen Seiten Beobachtungen veröffentlicht worden, die uns lehren, daß auch die Bai 1 schen Kategorien der parasitischen Bakterien das Problem noch zu einseitig darstellen. Es hat sich nämlich gezeigt, daß durch eine vorhergehende Impfung mit toten Bakterien der gleichen Art das lebende Metazoon zu einem geeigneten Nährboden für Bakterien gemacht werden kann, die normalerweise unschuldige Saprophyten sind. Raubitschek bat 1912 gefunden, daß saprophytische Bakterien, die normalerweise in den Fäzes eines Tieres nicht vorkommen und die sehr bald aus ihnen verschwinden, auch wenn sie in enormen Mengen in den Darmkanal eingeführt werden, sich ganz anders verhalten, wenn man vorher das Tier durch subkutane Impfung mit den gleichen Bakterien immunisiert hat; dann folgt auf eine Fütterung eine wochenlang dauernde, ziemlich gleichmäßige Ausscheidung. Infolge der Immunisierung des Wirtes also vermögen diese Bakterien sich in seinem Darme anzusiedeln und zu vermehren, der ihnen sonst keine geeigneten Lebensbedingungen bietet. Hierbei handelt es sich nicht um einen Krankheitszustand und ja auch nicht um Parasitismus im eigentlichen Körperinneren. Thiele und Embleton aber berichteten ganz kürzlich, daß sie ganz unschuldige Bakterien zu virulenten Septichämieerregern umzuzüchten vermochten, und zwar auf zweierlei Weise: bei einigen Arten, z. B. bei dem weit verbreiteten Luftkeim Sarcina lutea, indem sie mit großen Impfdosen gleichzeitig hypertoxische Salzlösungen oder konzentrierte Gelatinelösungen einspritzten, die die Abwehrmittel des Organismus zunächst lahmlegten. Infolgedessen kommt es zu einer Vermehrung der Keime im Tiere und dabei werden sie so infektiös, daß die Tiere an der Septichämie sterben und die aus Blut oder Milz in künstlicher Kultur isolierten Bakterien nun auch ohne besondere Kunstgriffe bei der Impfung Tiere gleicher und anderer Art infizieren. Durch diese Beobachtungen wird auch die Vereiterung des verletzten Augapfels durch sonst nicht infektiöse Bakterien verständlich, weil in ihm, besonders im Glaskörper, die normalen Abwehrmittel so schwach sind, daß eine Vermehrung und Umwandlung der Keime eintreten kann, ehe mit der Entzündung Leukozyten und Serumstoffe in wesentlicher Menge auf den Kampfplatz gelangen. Bei anderen Bakterien, insbesondere dem sporenbildenden Bac. mycoides und bei nicht pathogenen säurefesten Bakterien, hatte eine acht Tage vorher erfolgte subkutane Impfung mit den gleichen toten Bakterien die Wirkung, daß nun eine Impfung mit den lebenden zu einer tödlichen Septichämie führte, und auch diese Bakterien wurden dadurch infektiös für nicht vorbehandelte Tiere. Dabei wandelt sich der Bac. mycoides 1), der in seinen Kulturen eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Milzbrandbazillus zeigt, in ganz ähnlicher Weise um, wie dieser im infizierten Tiere: er verliert seine Bewegungsorgane, die Geißeln (der Milzbrandbazillus ist immer geißellos) und bildet im Tierkörper Kapseln. Die sonst ungefährlichen, systematisch den Tuberkelbazillen nahestehenden Smegma- und Thimotheegrasbazillen aber erzeugten bei den mit ihnen vorbehandelten Tieren eine Art Miliartuberkulose.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1914

Authors and Affiliations

  • Werner Rosenthal
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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