Advertisement

Anaphylaxie II

  • Werner Rosenthal
Part of the Die Wissenschaft book series (W, volume 53)

Zusammenfassung

Die Beobachtungen der Überempfindlichkeit, die wir bisher besprochen haben, wurden in der Hauptsache am Menschen, am Kaninchen oder an größeren Versuchstieren gemacht; erst 1904 wurde man inne, daß man für die Erscheinungen der Anaphylaxie am Meerschweinchen ein ganz besonders geeignetes Versuchstier besitzt, und von da ab wurden diese Untersuchungen an vielen Orten angestellt und nahmen für mehrere Jahre das Hauptinteresse der Experimentatoren im Immunitätsgebiet in Anspruch. Diese besondere Eignung der Meerschweinchen trat dadurch zutage, daß Theobald Smith fand, daß solche Tiere, die nach der Methode von Ehrlich zur Erprobung des Antitoxingehaltes von Heilserum benutzt waren, anaphylaktisch werden. Wie wir in einem späteren Abschnitt des genaueren sehen werden, besteht das Ehrlichsche Verfahren darin, eine bekannte, mehrhundertfach tödliche Menge Toxin mit abfallenden Mengen (bei einem gut antitoxischen Serum sehr wenig, 0,0002 bis 0,01 ccm) des zu prüfenden Serums zu versetzen und noch nicht ganz ausgewachsenen Meerschweinchen subkutan einzuimpfen; ein Teil der Tiere geht an einem Toxinüberschuß zugrunde, der andere, bei dem genügend viel Antitoxin eingeimpft war, überlebt. Werden nun solche Tiere nach 14 Tagen oder später wieder subkutan mit etwa 1 ccm Pferdeserum (das keinerlei Antikörper zu enthalten braucht) geimpft, so zeigen sie nach kurzer Zeit Krämpfe, Atemnot und ersticken. Bei der Sektion zeigt sich als charakteristischer Befund eine starke Blähung der Lungen, die auf einem Krampf der Bronchialmuskulatur und dadurch bewirktem, ventilartig die Exspiration verhinderndem Verschluß der kleineren Bronchien beruht; das Blut ist flüssig und schwerer gerinnbar als normal, das Herz meist so wenig geschädigt, daß es noch lange nach dem Atemstillstand und Unterbrechung des kleinen Kreislaufes pulsiert. Blutungen auf den serösen Häuten und in Schleimhäuten werden desto häufiger beobachtet, je weniger akut der Tod eingetreten ist; zuweilen sind auch Lungenödem und Lungenblutungen neben der Lungenblähung vorhanden.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1914

Authors and Affiliations

  • Werner Rosenthal
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

Personalised recommendations