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Spezifische und unspezifische Absorption des Komplements und ihre Anwendung als diagnostisches Hilfsmittel

  • Werner Rosenthal
Part of the Die Wissenschaft book series (W, volume 53)

Zusammenfassung

Wir haben eine sehr wichtige Eigentümlichkeit des Komplements bisher fast ganz außer acht gelassen, nämlich die, unwirksam zu werden, zu verschwinden bei Gelegenheiten, bei denen eine manifeste Reaktion, bei der es eine Rolle spielt, gar nicht zutage tritt. Unsere Erfahrung in diesem Punkt entsprang, wie am Schluß des 8. Abschnittes ausgeführt, ebenfalls aus der Bordetehrlichschen Diskussion über die Frage der chemischen Bindung oder der kolloidalen Adsorption des Komplements an die sensibilisierten Körperchen und der damit eng verbundenen, ob man in jedem Tierserum ein einheitliches Alexin oder eine Vielheit von Komplementen anzunehmen habe. Ehrlich behauptete die Verschiedenheit des bakteriziden und des hämolytischen Komplements und vermutete noch eine viel größere Mannigfaltigkeit der Komplemente. Bord et zeigte, daß ein frisches Serum, wenn man es seine Wirkung auf sensibilisierte Bakterien oder Blutkörperchen ausüben läßt, jedesmal auch in bezug auf das andere Objekt völlig erschöpft wird. Und um zu beweisen, daß die Bindung des Komplements ein der Adsorption von Farbstoffen ähnlicher Vorgang sei, der mit einer etwaigen spezifischen Wirkung gar nichts zu tun habe, regte er die Untersuchungen an, die Gengou zu der Beobachtung führten, daß das Komplement auch vollständig unwirksam, gebunden wird, wenn in seiner Lösung ein spezifisches Präzipitat durch Einwirkung von Präzipitin auf Präzipitinogen erzeugt wird. Weitere Erfahrungen lehrten, daß dies Bordet-Gengousehe Phänomen der Komplementbindung jedesmal eintritt, wenn eine spezifische Antigen-Antikörperreaktion in Gegenwart von Komplement stattfindet. Es braucht sich dabei nur um Spuren der reagierenden Stoffe zu handeln — auch wenn eine irgend sichtbare Präzipitatbildung ausbleibt, weil die Mengenverhältnisse dafür ungeeignet sind, verschwindet das Komplement, und wenn man diesen Komplementschwund sichtbar macht, kann man so den Nachweis des Antigens oder des Antikörpers sehr viel empfindlicher machen, als er bei der einfachen Beobachtung der Präzipitatbildung ist. Zuerst Mores chi, dann Max Neisser und Hans Sachs haben daraufhin eine Methode zum Nachweis spezifischer Eiweißarten ausgearbeitet und damit die diagnostische Verwendung der Komplementbindung eingeführt, die wir ihrer gegenwärtig so verbreiteten Anwendung wegen in diesem Abschnitt ausführlicher behandeln wollen.

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1914

Authors and Affiliations

  • Werner Rosenthal
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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