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Das Ausgangsmodell der vollkommenen Konkurrenz

  • Willi Bongard

Zusammenfassung

Die Methode der Katallaktik1, d. h. jenes Wissenschaftszweiges der Nationalökonomie, der — im Unterschied zur Morphologie2 — die Analyse des marktwirtschaftlichen Prozesses mit dem Ziel der Aufdeckung von Gesetzlichkeiten zum Gegenstand hat, ist die Modellkonstruktion, ein dem Experiment in den Naturwissenschaften vergleichbares Verfahren, das durch Setzung vereinfachender, schematisierender Bedingungen der Überwindung jener unendlich bunten, unüberschaubaren Mannigfaltigkeit dient, mit der sich die wirtschaftliche Wirklichkeit dem erkennenden Subjekt darbietet.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Das Wort »Katallaktik« wurde als Bezeichnung für die ökonomische Theorie 1831 von Richard Whately vorgeschlagen: Catallactic, or Science of Exchange. Vgl. hierzu E. Fels, Art. »Katallaktik«, in: Hdw. d. Soz. W., Tübingen 1956, S. 569 ff.Google Scholar
  2. 2.
    Das Wort »Morphologie«, von Goethe in die Biologie eingeführt, bedeutet dort: Wissen-schaft von den organischen Formen. Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften bezeichnet »Morphologie« die Lehre von den Wirtschaftsgestalten und -formen; in diesem Sinne ver-wandt bei Eucken, Jöhr, Peter, Preiser u. a.Google Scholar
  3. 3.
    Der Terminus »Modell(konstruktion) »ist jüngeren Datums als das mit ihm bezeichnete, seit den Anfängen der Nationalökonomie, teils bewußt teils naiv, angewandte hypotheti-sche Verfahren. Vgl. hierzu W. A. Jöhr »Das Modell«, a. a. O., S. 19 ff.Google Scholar
  4. 4.
    Burkhardt Röper, »Die Konkurrenz und ihre Fehlentwicklungen«, Berlin 1952, S. 31.Google Scholar
  5. 5.
    Burkhardt Röper, »Die Konkurrenz und ihre Fehlentwicklungen«, Berlin 1952, S. 31.Google Scholar
  6. 6.
    W. A. Jöhr, »Theoretische Grundlagen«, Bd. I. a. a. O., S. 263.Google Scholar
  7. 7.
    Die im Zusammenhang mit Versuchen zur Wesensbestimmung des Konkurrenzphäno-mens angeführten Vergleich mit sportlichen Veranstaltungen seien außer acht gelassen, da »aus dem Wettlaufbeispiel nicht nur eine übermäßige Vereinfachung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen, sondern vor allem eine nicht immer zutreffende Ideali-sierung gefolgert wird.« (Röper, »Die Konkurrenz und ihre Fehlentwicklungen«, a. a. O., S. 21) Röper ist es, der eine tiefschürfende, kritische Untersuchung des Wesens der Konkur-renz im Vergleich und im Unterschied zum Wettlauf im sportlichen Bereich durchgeführt hat (op. cit.).Google Scholar
  8. 8.
    Das Phänomen der Qualitätskonkurrenz bleibt unberücksichtigt, da mit der »techni-schen« Voraussetzung der Homogenität der Güter unvereinbar.Google Scholar
  9. 9.
    Die Unterscheidung dieser Beziehungstypen sei in Anlehnung an W. A. Jöhr getroffen. (»Theoretische Grundlagen«, Bd. I, a. a. O., S. 42 f.).Google Scholar
  10. 10.
    Beispielhaft für das Verhältnis des Konflikts sind Erscheinungsformen des Streiks, des Boykotts, der Verdrängung und der diffamierenden Reklame.Google Scholar
  11. 11.
    »Frei« ist nicht identisch mit der von Eucken getroffenen Unterscheidung zwischen »offener« und »geschlossener« Form des Angebots bzw. der Nachfrage. Unter »freier Kon-kurrenz« versteht E. Schneider (»Zur Konkurrenz und Preisbildung auf vollkommenen und unvollkommenen Märkten«, Weltwirtschaftliches Archiv, Bd. 48, 1938 II, S. 403), wenn die Teilnehmer am Wettbewerb freien Zutritt zum Markte haben.Google Scholar
  12. 12.
    »Pure competition« im Sinne E. H. Chamberlins (»The Theory of Monopolistic Com-petition«, 5. Aufl., Cambridge 1947, S. 16) und Robert Triffins, (»Monopolistic Competition and General Equilibrium Theory«, Cambridge 1949, S. 138.Google Scholar
  13. 13.
    vgl. Frank H. Knight, »Risk, Uncertainty and Profit«, Boston and New York 1921, S. 77: »We must also assume complete absence of physical obstacles to the making, exe-cution, and changing of plans at will; that is, there must be »perfect mobility« in all economic adjustments…«Google Scholar
  14. 14.
    vgl. Werner Sombart, »Die drei Nationalökonomien«, a. a. O., S. 259.Google Scholar
  15. 15.
    Otto von Zwiedineck-Südenhorst, »Der Begriff homo oeconomicus und sein Lehrwert«, in: »Mensch und Wirtschaft«, 1. Bd., Berlin 1955, S. 276 ff.: »Es ist kaum ein Streit um Worte zu nennen, wenn wir es für zweckmäßig halten, die Fiktion, die in der Theorie eben doch schon einmal unter dem Namen des homo oeconomicus eingeführt war, unter dem-selben Namen fortzuführen, — nur allerdings mit dem richtigen Inhalt.«Google Scholar
  16. 16.
    Heinrich Dietzel, (»Theoretische Sozialökonomik«, 1. Bd., Leipzig 1895, S. 78), hat für die »homo-oeconomicus-Prämisse« den Terminus »Psychische Prämisse« geprägt. Albert Lauterbach, »Man, Motives, and Money«, Psychological Frontiers of Economics, New York 1954, spricht von »No-Nonsense-Assumptions«.Google Scholar
  17. 17.
    Johan Akerman, »Das Problem der sozialökonomischen Synthese« a. a. O., S. 35: »Der Begriff vom rationalen Handeln umschließt verschiedene Elemente: Erstens rechnet man damit, daß das Individuum zu seinem eigenen Besten handeln will, zweitens, daß es weiß, was zum Besten auf kurze und lange Sicht erforderlich ist, und drittens, daß es überein-stimmend mit dieser seiner Erkenntnis handeln kann.«Google Scholar
  18. 18.
    W. A. Jöhr, »Theoretische Grundlagen«, Bd. 1, a. a. O., S. 122.Google Scholar
  19. 19.
    Max Weber, »Wirtschaft und Gesellschaft«, 1. Halbbd., 2. Aufl. Tübingen 1925, S. 13.Google Scholar
  20. 20.
    O. von Zwiedineck-Südenhorst, »Der Begriff homo oeconomicus und sein Lehrwert«, in: »Jahrb. f. Nationalökonomie und Statistik«, Bd. 140, Jahrgg. 1934, S. 521.Google Scholar
  21. 21.
    T. Scitovsky, »A Note an Profit Maximisation and its Implications«, in: The Review of Economics, Vol. XI, (1943), S. 57: »That the entrepreneur aims at maximising his profits is one of the most fundamental assumptions of economic theory. So much so that it has almost come to be regarded as equivalent to rational behavior.«Google Scholar
  22. 22.
    W. A. Jöhr weist darauf hin, daß das Streben nach größtem Geldertrag keineswegs als Spezialfall des Strebens nach größtmöglichem Nutzen aufgefaßt werden kann, da es diesem unter Umständen widerspricht. Vgl. hierzu »Das Modell«, a. a. O., S. 54.Google Scholar
  23. 23.
    Als Sparer verteilt der »homo oeconomicus« seine Ersparnisse auf die verschiedenen Anlagemöglichkeiten derart, daß er den mit einer ersparten Einkommeneinheit erzielten Nutzenüberschuß bei allen Anlageformen gleich hoch einschätzt.Google Scholar
  24. 24.
    Dazu gehört sowohl die Kenntnis der Angebots- und Nachfragebedingungen wie die volle Einsicht in die Kosten- und Absatzbedingungen des eigenen und der fremden Betriebe. Es wird sich als zweckmäßig erweisen, die Transparenz in eine sachliche, zeitliche und räum-liche zu differenzieren.Google Scholar
  25. 25.
    Nach H. von Stackelberg, (Marktform und Gleichgewicht, Wien und Berlin 1934, S. 12, Fußnote 1), stammt dieser Ausdruck von E. von Beckerath (ohne Quellennachweis).Google Scholar
  26. 26.
    Carl Menger, »Untersuchungen über die Methode der Sozialwissenschaften und der politischen Ökonomie«, Leipzig 1883, S. 74, — künftig zitiert als »Untersuchungen«.Google Scholar
  27. 27.
    Normale Anpassung liegt vor, wenn Anbieter (resp. Nachfrager) auf Preisveränderun-gen im Sinne des Preismechanismus reagieren, d. h. bei einer Preiserhöhung ihr Angebot steigern (bzw. die Nachfrage einschränken) und im Falle einer Preissenkung weniger an-bieten (bzw. mehr nachfragen).Google Scholar
  28. 28.
    A. Paulsen, »Neue Wirtschaftslehre«, Berlin-Frankfurt, 1950, S. 35 ff.Google Scholar
  29. 29.
    Hans-Jürgen Seraphim, »Theorie der allgemeinen Wirtschaftspolitik«, Göttingen 1955, S. 40.Google Scholar
  30. 30.
    O. Morgenstern, »Vollkommene Voraussicht und wirtschaftliches Gleichgewicht«, in: Zeitschrift für Nationalökonomie, Bd. VI, Wien 1935, S. 342.Google Scholar
  31. 31.
    W. A. Jöhr, »Theoretische Grundlagen«, Bd. I, a. a. O., S. 123.Google Scholar
  32. 32.
    vgl. W. A. Jöhr, »Theoretische Grundlagen«, a. a. O., S. 132 ff. Die Ergebnisse des Modells der vollkommenen Konkurrenz bedürfen um so weniger einer Ableitung als sie logisch vorgegeben sind, d. h. die Voraussetzungen des Modells im Hinblick auf die Ergeb-nisse bzw. Ziele konzipiert worden sind.Google Scholar
  33. 32a.
    Vgl. hierzu auch Th. Pütz, »Marktmechanismus, wirtschaftliche Macht und Wirtschaftsordnung«, in: Jahrbuch für Sozialwissenschaft, Bd. 2, 1951, S. 10.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag Köln und Opladen 1965

Authors and Affiliations

  • Willi Bongard

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