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Renaissance des Liberalismus

  • Hans Reif
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Part of the Schriftenreihe der Friedrich Naumann-Stiftung zur Politik und Zeitgeschichte book series (SFNSPZ, volume 10)

Zusammenfassung

Wenn wir in der Wiederbelebung liberaler Gedanken einen charakteristischen Zug unserer Zeit erkennen, so ist damit zugleich gesagt, daß ihr eine Zeit voranging, deren Kennzeichen die Ohnmacht des Liberalismus war. Damit meinen wir nicht die Periode der totalitären Herrschaft der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei; denn daß es in der Diktatur auch nicht eine Spur von Liberalismus gibt, zeigt die Geschichte eh und je. Die Despoten aller Zeiten haben mit den verschiedensten politischen Richtungen wie Konservativismus, Sozialismus, Militarismus, Klerikalismus usw. paktiert, niemals aber mit dem Liberalismus, durch dessen bloße Anerkennung sie sich selbst widerlegt hätten. Wohl aber sind wir der Meinung, daß diese undeutscheste Epoche der deutschen Geschichte den Abschluß einer Entwicklung bildet, deren Kennzeichen die Abwendung der Völker von den liberalen Gedanken ist, deren Anerkennung sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu den größten Leistungen auf allen Gebieten befähigt hatte. Das gilt also nicht nur von Deutschland. Auch in den sogenannten westlichen Demokratien siegten nach der Mitte des 19. Jahrhunderts imperialistische und nationalkollektivistische Ideen über den Liberalismus.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. auch das Buch desselben Autors : Am Ende der Philosophie, 1930.Google Scholar
  2. 2.
    Vergleiche Leonhard Nelson »Die Reformation der Gesinnung«, Der Neue Geist Verlag, Leipzig, 1917.Google Scholar
  3. 3.
    So kämpfte und stimmte die CDU-Fraktion in der Berliner Stadtverordnetenversammlung auch für das Gesetz zur Sozialisierung der Berliner Wirtschaft, das mit den Stimmen der Kommunisten, der Sozialdemokraten und und der CDU gegen die Stimmen der Liberal-Demokratischen Fraktion verabschiedet wurde, dessen Anwendung jedoch durch den Einspruch der westlichen Alliierten verhindert wurde.Google Scholar
  4. 4.
    Das wirkliche Motiv offenbart sich vielleicht am deutlichsten in einer Äußerung des verstorbenen Berliner Bürgermeisters Walther Schreiber, der in der Weimarer Zeit preußischer Handelsminister als Vertreter der Deutschen Demokratischen Partei gewesen war und vorher der Nationalliberalen Partei angehört hatte. Er sagte dem Verfasser dieses Beitrags: »Ihr Liberalen werdet immer eine kleine Partei sein, und wir werden immer eine große Partei bilden, denn das Zentrum hat immer 60 bis 70 sichere Mandate gehabt, und dazu kommen nun noch die evangelischen Wahlkreise mit ihren Mandaten.« Der Wunsch, endlich auch einmal einer großen Partei anzugehören und die Überzeugung, das im Schatten des Zentrums zu erreichen, trat bei ähnlichen Unterhaltungen mit anderen früheren Parteifreunden immer wieder zu Tage.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. auch für die heutige Zeit den Bericht der American Political Science Association in The American Political Science Review, Supplement, September, 1950.Google Scholar
  6. 6.
    Der damals von dem früheren Geschäftsführer des Gewerkschaftsrings der deutschen Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände, Ernst Lemmer, im Interesse der CDU-Gründung verbreitete Brief an ehemalige Mitglieder dieser Verbände, in dem vor der Gründung der Herren Külz und Schiffer als einem Versuch gewarnt wurde, die alte Nationalliberale Partei mit ihren großbürgerlichen Tendenzen wieder ins Leben zu rufen, wird durch das tatsächliche Geschehen völlig widerlegt, ganz abgesehen davon, daß wohl kaum einer unmittelbar nach der Besetzung Berlins durch die sowjetischen Truppen auf die Idee gekommen wäre, zur Gründung einer reaktionären Partei aufzurufen.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1966

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  • Hans Reif

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