Antike und Christentum

Probleme und Aufgaben
  • Karl Heinrich Rengstorf
Part of the Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen book series (AFLNW, volume 17)

Zusammenfassung

Jede Beschäftigung mit dem Thema „Antike und Christentum“ ist dadurch vorbelastet, daß die beiden in ihm verbundenen Begriffe nicht hinreichend geklärt sind. Es ist daher erforderlich, zunächst ihnen einige Bemerkungen zu widmen. Erst danach kann auf die durch ihre Verbindung in unserem Thema gegebene Problematik eingegangen werden.

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Referenzen

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    So verfaßt Winckelmann 1762 „Anmerkungen über die Baukunst der Alten“, und Lessing bedenkt 1769 „Wie die Alten den Tod gebildet“. Goethe steht mit seinem Sprachgebrauch neben beiden.Google Scholar
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    1764 veröffentlicht Winckelmann sein epochemachendes Hauptwerk „Geschichte der Kunst des Alterthums“, und noch der alternde Goethe hat sich wehmütig des Verlangens seiner Jugend nach „einer vollständigeren Ansicht des Alterthums“ erinnert, für das er bei seinem Vater kein hinreichendes Verständnis gefunden habe (Dichtung und Wahrheit, 6. Buch). Was hier „Altertuum“ heißt, entspricht im wesentlichen dem, was später „die Antike“ ist. Vgl. noch unter 3b!Google Scholar
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    Der Übergang von „Altertum“, dem je länger desto mehr umfassenden Wort und Begriff, zu „Antike“ ist ungeklärt, könnte aber im Ausgangspunkt auf französisches d’après l’antique zurückgehen, wenn die Gebrüder Grimm (Deutsches \V.:’rt rbuch, 1. Band, Leipzig 1854 unter „Antike“) recht haben mit ihrem Hinweis („ein Standbild nach der Antike gearbeitet“). Nicht uninteressant ist, daß der dem Römertum außerordentlich stark zu- gewandte und in ihm verwurzelte französische „Barockheroismus“, offenbar in Aufnahme älteren Sprachgebrauchs, schon in einem seiner früheren Vertreter, Guez de Balzac, um die Mitte des 17. Jahrhunderts von der Vorbildlichkeit der sainte antiquité spricht, dabei aber gerade nicht an idie römische Kunst, sondern an die römische Literatur und an den Geist denkt, ,der sich in ihr ausgedrückt hat. Hier liegt eine in der Folgezeit sich immer mehr durchsetzende Begriffsklärung vor, unterstrichen durch das Nebeneinander von l’antiquité und les anciens, das idem von „Das Alterthum“ und „Die Alten“ im Deutschen der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts entspricht. Immerhin kommt in Gegenüberstellung mit der Gegenwart im 17. Jahrhundert schon eine Wendung wie la belle et vénérable antique vor, wie Walter Rehm verzeichnet hat. Die ganze Frage bedarf besonderer Untersuchung auch N an romanistischer Seite, ida die Wortgeschichte im Deutschen auf längere Sicht kaum ohne Einwirkung seitens des Französischen verlaufen sein dürfte. Gerade deshalb bedarf es aber auch in diesem Zusammenhang des Hinweises darauf, daß anders als die vom Römertum .ausgegangene und lange vorwiegend von ihm her bestimmt gebliebene französische Auffassung der Antike das besondere deutsche Antike-Bild und Antike-Verständnis von Anfang an gerade durch das griechische Altertum geformt worden ist. Vgl. hierüber, aber auch zu idem terminologischen Problem die grundlegenden Untersuchungen von Walter Rehm, Götterstille und Göttertrauer. Aufsätze zur deutsch-antiken Begegnung, München 1951, und hier vor allem S. 11–61: Römisch-französischer Barockheroismus und seine Umgestaltung in Deutschland.Google Scholar
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    Zu nennen ist hier vor allem die von ihm allein bestrittene Zeitschrift „Antike und Christentum“ in sechs Bänden, Münster 1929–1950. Theodor Klauser plant ihre Fortführung als Archiv für die Fragen um Antike und Christentum.Google Scholar
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    Für klärende und fördernde Gespräche habe ich Richard Harder, Theodor Klauser und Heinrich Lausberg zu danken.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1953

Authors and Affiliations

  • Karl Heinrich Rengstorf

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