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Über dynamische Analyse sozialer Umschichtungen

  • Theodor Geiger

Zusammenfassung

Einem älteren, an Comte anknüpfenden Sprachgebrauch zufolge bezeichnete man Aussagen über den Zustand einer Gesellschaft als statisch, Aussagen über Veränderungen und Entwicklungen einer Gesellschaft dagegen als dynamisch. Da soziale Umschichtungen Veränderungsprozesse sind, wären demnach ale Aussagen über sie dynamisch. In einem mehr zeitgemäßen Sinne sind Statik und Dynamik nicht Alternativen des Aussagegegenstandes, sondern der Blickeinstellung und Methode. Eine Aussage ist dynamisch, wenn der Faktor „Zeitablauf“ integrierend in sie eingeht. Das heißt dann aber, daß einerseits Prozesse statisch analysiert, anderseits über Zustände dynamische Aussagen gemacht werden können. Ein Zustand, als der transitorische Augenblick zwischen gestern und morgen beschrieben, ist dynamisch erfaßt. So wird denn von neueren Soziologen, aber auch von Biologen, der Begriff der Struktur nicht als ruhende Anordnung von Elementen in einem Ganzen aufgefaßt, sondern als ein Funktionszusammenhang oder ein Spannungsfeld. Struktur ist zu einem Begriff der Dynamik geworden. Eine Entwicklung wiederum mag durch eine Zeitserie von Querschnitten wiedergegeben werden. Diese bloße Folge von Querschnitten stellt eine statische Analyse der Entwicklung dar. Die dynamische Analyse würde sich nicht so sehr auf die einander folgenden Querschnitte richten als vielmehr auf die Bewegung, die zwischen je zwei Querschnitten vorgegangen ist. Die Zeitserie der Momentbilder wird nur dann zur Vorstufe einer dynamischen Analyse, wenn sie dazu dient, aus ihr einen Trend abzulesen.

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Literatur

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  4. 4.
    Ohne dabei auf die schwerwiegenden Bedenken einzugehen, die gegen Max Webers Unterscheidung zwischen persönlichem Schichtwechsel und Schichtwechsel in der Generationenfolge erhoben werden müssen.Google Scholar
  5. 5.
    Die hier besprochene Untersuchung wurde im Sommer 1949 zurechtgelegt. Das Material wurde im Herbst 1949 erhaben. — Die Zeitschrift Population brachte 1950 (Heft 1) einen Artikel von Livio Livi, der ähnliche italienische Bemühungen beschreibt.Google Scholar
  6. 6.
    Es ist zu beklagen, daß die Berufsklassifikation der offiziellen Statistik in den meisten Ländern für soziologische Zwecke unbrauchbar ist. — An einem kleineren, selbst erhobenen Material habe ich ein eigenes Kodesystem erprobt, das in dreistelligen Zahlen die Schichtung in vier Dimensionen ausdrückt, nämlich 1. Berufszweig, 2. Berufsstellung und 3. für sie typische Einkommenslage, 4. Art und Grad der Ausbildung. — Dies System ließe sich so ausbauen, daß jede Stelle einer Kodezahl von beliebig vielen Ziffern einer bestimmten Merkmalreihe (SchichtDeterminante) entspräche und demgemäß eine Dimension der Schichtung ausdrückte. Eine gegebene Population könnte mit Hilfe eines solchen Kode als geschichtet in so vielen Dimensionen dargestellt werden, daß die in irgendwelcher Erkenntnisabsicht jeweils relevante Schichtungsdimension unmittelbar abzulesen wäre.Google Scholar
  7. 7.
    Die Analyse derselben wird Ende 1951 unter dem Titel Soziale Umschichtung in einer dänischen Mittelstadt“ (auf deutsch in den Acta Jutlandica, der Jahresschrift der Universität Aarhus) veröffentlicht.Google Scholar
  8. 8.
    Die Zahlenverhältnisse sind willkürlich gewählt.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1951

Authors and Affiliations

  • Theodor Geiger

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