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Ideologie und Wertgebung

  • Max Horkheimer

Zusammenfassung

Unter dem Namen „Ideologie“ wird heute nur selten ein klarer und bestimmter Begriff gedacht. Das Wort ist wie viele andere, etwa „Entwicklung“, „Lebensform“, „Unbewußtes“ aus der philosophischen und wissenschaftlichen Literatur in den alltäglichen Sprachgebrauch eingedrungen. Man könnte sagen, das theoretische Profil sei verloren gegangen, denn hinter der allgemeinen Vorstellung schwingt nur noch eine vage Erinnerung an die theoretischen Gebilde mit, in denen der heute entleerte Begriff seinen Sinn gewonnen hat. Unter Ideologie versteht man sehr häufig nichts anderes, als jede Art gedanklicher Zusammenhänge, eine Theorie, eine Vorstellung im einzelnen oder Geistiges überhaupt. Es gibt kaum eine Gruppe oder Partei, die sich des Wortes nicht bedient hätte, auch zum Idiom der Nationalsozialisten hat es gehört. Seine Geschichte hat nur insofern ihre Spuren hinterlassen, als man dabei nicht an Unabhängiges, aus sich selbst Bestehendes zu denken pflegt, sondern an Geistiges in seiner Abhängigkeit von Außergeistigem, Materiellem. Wenngleich das Wort Ideologie heute in einem vagen und universalen Sinn gebraucht wird, enthält es doch immer noch ein Element, das im Gegensatz zu dem Anspruche des Geistes steht, seinem Dasein oder seinem Inhalt nach für unbedingt zu gelten.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1951

Authors and Affiliations

  • Max Horkheimer

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